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Torah Ohr · Parshas Mikeitz · Maamar 6

ביאור על הנ״ל

Eine Erklärung des Vorangegangenen

  • 27 Absätze · 76 Abschnitte
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Kerngedanke

G‑ttes eigene „mitzvos“ sind das Herabsteigen Seines unendlichen Lichts (Or Ein Sof) in die g‑ttlichen Attribute (Sefiros): Die intellektuellen Kräfte (Mochin) sind die „Tefillin“, und das in sie eintretende Licht ist Sein „Anlegen“. Die mitzvos eines Menschen ziehen dieses Licht in die Welt der Emanation (Atzilus), während die Selbstaufhebung des eigenen Willens und die grenzenlose Liebe zu G‑tt den Willen aller Willen selbst herabziehen, die „Schale“ auf der Menorah Zechariahs.

Der Maamar in Kürze

Ausgehend von „Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens“ fragt der Maamar, was es bedeutet, dass G‑tt Tefillin anlegt, sich in Tzitzis [Gebetsfransen] hüllt und betet. Atzilus ist nichts gegenüber Or Ein Sof, das nur durch die Linie des Lichts (Kav) und viele Einschränkungen zu ihm gelangt; dieses Herabsteigen ist G‑ttes „mitzvah“. Wie bei menschlichen Tefillin gibt es den Gegenstand (die vier Mochin) und die Handlung (dass Or Ein Sof sich in sie kleidet). Der Alter Rebbe fragt, wie der „Gegenstand“ oben existieren kann, wo alles von G‑tt kommt, und antwortet anhand von Patach Eliyahu: Nur die Mochin des Reifezustands ziehen sich zurück, und die Gefäße haben eine eigene Wurzel, sodass sie „wie ein Körper ohne Seele“ bleiben. Zwei Deutungen von „dem Heiligen“ (Or Ein Sof oder Zeir Anpin) sind beide wahr. Zaddikim [Gerechte] fügen Atzilus Licht hinzu, und dieses Licht ermöglicht Beinonim [Menschen der mittleren Stufe], Nogah [die Zwischenhülle] zu läutern. „Wer sich herabbeugt, um Himmel und Erde zu betrachten“ wird dann in zweifacher Weise gelesen: G‑tt tritt durch die mitzvos in Zeir Anpin und das weibliche Gegenstück (Nukva) ein, und grenzenlose Liebe („Himmel“) sowie die Selbstaufhebung des Willens („Erde“) ziehen die Krone (Keser), die „Schale“ Zechariahs, aus dem Wesen selbst herab. Darum geht das Schema (Shema) den mitzvos voraus; so wird „In Deinem Licht sehen wir Licht“ verwirklicht.

Gliederung

  1. G‑ttes mitzvos: das Herabsteigen von Or Ein SofDie 613 mitzvos sind Wege in Zeir Anpin; G‑ttes „Tefillin“ sind Or Ein Sof, das sich in die Weisheit (Chochmah) kleidet, und Seine Tzedakah [Wohltätigkeit] ist der Strom der Güte (Chesed).¶1–4
  2. Der Gegenstand und die HandlungWie Tefillin erst dadurch zur mitzvah werden, dass man sie anlegt, werden die Mochin oben vollendet, wenn Or Ein Sof in sie eintritt.¶5–7
  3. Wie die „Tefillin“ oben existierenAus Patach Eliyahu: Nur die Mochin des Reifezustands ziehen sich zurück, und die Gefäße haben eine eigene Wurzel, sodass sie „wie ein Körper ohne Seele“ bleiben.¶8–12
  4. G‑ttes Tora, Gebet und die zwei Deutungen„Der Heilige“ bezeichnet entweder Or Ein Sof oder Zeir Anpin; beides ist wahr, wie „Meine mitzvos“ und „die mitzvos des unaussprechlichen g‑ttlichen Namens (Havayah)“.¶13
  5. Zaddikim und BeinonimZaddikim fügen Atzilus Licht hinzu; dieses Licht ermöglicht den Beinonim, das Böse aus Nogah zu läutern, sodass die Absicht ein und dieselbe ist.¶14–15
  6. „Wer sich herabbeugt“: die erste DeutungG‑ttes Licht tritt in Zeir Anpin und Nukva ein und weckt die Sefiros aus dem „Schlaf“; daraufhin wird Israel gesegnet und als bedeutsam angesehen.¶16–18
  7. Zechariahs MenorahDie Schale ist die Krone (Keser), Atik, von Atzilus, die aus der Königsherrschaft (Malchus) von Adam Kadmon herabgezogen wird; die Rohre sind die Attribute oberhalb des Intellekts, und die Ölbäume sind die Mazalos [himmlischen Einflüsse], aus denen durch Zerstoßen Öl gewonnen wird – die Läuterung der Funken.¶19–21
  8. Die Selbstaufhebung des WillensMitzvos läutern die Funken von Nogah, doch das Zurückstellen des eigenen Willens zieht die Schale selbst herab, die oberhalb des Intellekts liegt.¶22–24
  9. „Wer sich herabbeugt“: die zweite DeutungDer „Himmel“ (grenzenlose Liebe) und die „Erde“ (Selbstaufhebung des Willens) ziehen Keser nach Atzilus herab, noch bevor die mitzvos Licht in die Gefäße ziehen; deshalb kommt das Schema zuerst.¶25
  10. „Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens“Die Quelle jeder Welt ist nur das untergeordnete „bei Dir“ der jeweils übergeordneten Welt, doch der Dienst des Menschen zieht zusätzliches Licht aus dem Wesen („Dein Licht“) herab, und Israel wird „gesehen“.¶26–27

Schlüsselbegriffe

G‑ttes Tefillinהקב״ה מניח תפילין
Or Ein Sof, das sich an Chochmah und die Mochin bindet und sich in sie kleidet, so wie ein Mensch Tefillin anlegt.
Wie ein Körper ohne Seeleכגופא בלא נשמתא
Die Gefäße der Sefiros, nachdem sich das Licht des Reifezustands zurückgezogen hat: Sie bestehen weiterhin aufgrund ihrer eigenen Wurzel, sind aber im Vergleich zu ihrem erleuchteten Zustand wie nichts.
Reife und unreife Mochinמוחין דגדלות ומוחין דקטנות
Volle und verminderte Zustände des g‑ttlichen Intellekts; der Rückzug der Mochin des Reifezustands wird mit Schlaf verglichen.
Die Schale auf ihrer Spitzeוגלה על ראשה
Die Krone (Keser; Atik) von Atzilus, die aus der Königsherrschaft (Malchus) von Adam Kadmon herabgezogen wird, die Mochin krönt und zugleich zusätzliches Licht von oben empfängt.
Die Selbstaufhebung (Bittul) des Willens (Ratzon)ביטול רצון
Das Zurückstellen aller eigenen Wünsche zugunsten allein des Willens G‑ttes; es verbindet mit dem Willen aller Willen und heißt „Erde“.
Der Wille aller Willenרעוא דכל רעוין
Die Quelle aller einzelnen g‑ttlichen Willen, die Wurzel der 613 mitzvos.
Die Zwischenhülle (Kelipas nogah)קליפת נוגה
Die mittlere Hülle, in der sich Gutes und Böses mischen, aus der die materiellen Bestandteile der mitzvos stammen und deren Funken durch die mitzvos geläutert werden.

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G‑ttes mitzvos: das Herabsteigen von Or Ein Sof ¶1–4

1ביאור על הנ״ל

Erläuterung des Vorangegangenen.

Erklärung

Diese kurze Überschrift kennzeichnet den Maamar als eine weiterführende Erläuterung der Lehre, die ihm in Torah Ohr, Miketz, vorausgeht. Im Folgenden werden die Gedanken des vorhergehenden Diskurses ausführlicher entwickelt.

Absatz 1 in Kürze

Die Überschrift führt diesen Maamar als eine Erläuterung des vorhergehenden Diskurses ein.

Vertiefung

Die Kehot-Ausgabe vermerkt, dass eine Niederschrift dieses Diskurses durch den Mitteler Rebbe in Sefer HaMaamarim 5563 erscheint.

Marei Mekomos

  1. 1
    ביאור על הנ״ל · הנחת אדה״א בסה״מ תקס״ג ע׳ סד.

2ביאור הדברים ע״פ כי עמך מקור חיים. ענין תרי״ג מצות הן תרי״ג ארחין שבגולגלתא דז״א ושרשן מחד ארחא דא״א. והענין דכל המצות נק׳ מצות הוי״ה הקב״ה מניח תפילין ומתעטף בציצית ומתפלל.

Eine Erklärung der Sache gemäß [dem Vers]: „Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens.“ Die 613 Mitzvos sind die 613 Wege im Schädel (Gulgalta) der Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin), und ihre Wurzel liegt in dem einen Weg von Arich Anpin [der höheren Konfiguration des g‑ttlichen Willens]. Und der Punkt ist, dass alle Mitzvos „Mitzvos Havayahs“ genannt werden: Der Heilige, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), legt Tefillin an, hüllt sich in Tzitzis und betet.

Erklärung

Der Maamar baut auf dem Vers „Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens“ (Psalmen 36:10) auf. Der Zohar lehrt, dass die 613 Mitzvos den 613 „Wegen“ im Kopf (Gulgalta) von Zeir Anpin entsprechen, der Konfiguration der g‑ttlichen Gefühlsattribute; sie alle wurzeln in einem einzigen Weg von Arich Anpin, der höheren Konfiguration des g‑ttlichen Willens. Die Weisen sagen, dass G‑tt selbst „Tefillin anlegt“, „sich in Tzitzis hüllt“ und „betet“; der Maamar will erklären, was es bedeutet, dass die Mitzvos G‑ttes eigene Mitzvos sind.

Absatz 2 in Kürze

Die Einleitung legt die Themen dar: die Mitzvos als Kanäle im g‑ttlichen „Kopf“ und die Aussagen der Weisen, dass G‑tt selbst Mitzvos ausführt.

Vertiefung

Die 613 Wege der Gulgalta stammen aus der Idra Rabba (Zohar 3:129a). Die Kehot-Anmerkungen vermerken, dass Or HaTorah „Der Heilige legt Tefillin an“ auf zwei Weisen deutet: entweder so, dass Zeir Anpin Mochin empfängt, oder so, dass das unendliche Licht (Or Ein Sof) sich in die Mochin herabsenkt; für die zweite Deutung wird dieser Maamar angeführt. Beide Deutungen finden sich in Absatz 13.

Marei Mekomos

  1. 1
  2. 2
    תרי״ג מצות הן תרי״ג ארחין שבגולגלתא · Zohar III, 129a
  3. 3
    דכל המצות נק׳ מצות הוי״ה · ראה לעיל לד, א. ובסה״מ תקס״ג ע׳ סד מביא ראי׳ לזה ”וכמ״ש מצוותי”. במה שנתבאר כאן שבהקב״ה מניח תפילין יש ב׳ פירושים א׳ דהקב״ה הוא ז״א, והקב״ה מניח תפילין הוא המשכת המוחין לז״א ראה ד״ה את ה׳ האמרת — תש״ל סעי׳ ד.
  4. 4
    הקב״ה מניח תפילין ומתעטף בציצית ומתפלל · Berakhot 6a

3וביאור הענין הוא להיות כי ידוע דאין ערוך כלל האצי׳ לגבי עצמות אוא״ס [אור אין סוף] ב״ה וכלא ממש חשיבי קמיה ית׳.

Die Erklärung der Sache ist folgende: Bekanntlich ist die Welt der Emanation (Atzilus) mit dem Wesen des unendlichen Lichts (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, in keiner Weise vergleichbar; alles gilt vor Ihm, möge Er gesegnet sein, als völlig nichtig.

Erklärung

Selbst Atzilus, die höchste der Welten, ist im Vergleich zum Wesen des unendlichen Lichts (Or Ein Sof) nichts. Damit wird die Frage aufgeworfen: Wie kann ein Licht, das so weit über Atzilus steht, überhaupt in sie herabgezogen werden?

ומקור האור הנמשך להם הוא רק מבחי׳ קו והארה לבד. וגם אח״כ עוד צמצומים רבים עד שיומשך האור בבחי׳ חכמה וחסד.

Die Quelle des zu ihnen herabgezogenen Lichts ist allein die Ebene der Linie des Lichts (Kav), ein bloßer Lichtschein. Und auch danach erfolgen noch viele weitere Einschränkungen (Tzimtzum), bis das Licht in der Gestalt der Weisheit (Chochmah) und der Güte (Chesed) herabgezogen wird.

Erklärung

Was Atzilus erreicht, ist nur der Kav, ein dünner Strahl des unendlichen Lichts. Und selbst dieser durchläuft noch viele weitere Einschränkungen, bevor er als Chochmah und Chesed erscheint. Der Abstieg ist gewaltig, und der Maamar wird ihn mit den „Mitzvos“ G‑ttes gleichsetzen.

Absatz 3 in Kürze

Der Absatz unterstreicht den gewaltigen Abstand zwischen dem unendlichen Licht und Atzilus, der allein durch den Kav und viele Einschränkungen überbrückt wird.

4והוא הנק׳ בחי׳ שערות. אבא יונק ממזלא שבחי׳ השערה הוא המשכה בדילוג הערך. וכדי שיהיה הירידה הגדולה והשפלה זו זהו נק׳ מצות הוי״ה שהקב״ה מקיים המצות.

Dies wird die Ebene der „Haare“ genannt: „Abba [Vater, die Weisheit (Chochmah)] wird aus dem Mazal [dem Haar des Bartes von Arich Anpin] gespeist“, denn die Ebene eines Haares ist eine Herabführung, die [die proportionale Kluft] überspringt. Und dass ein solcher großer Abstieg und eine solche Erniedrigung stattfinden können – das wird „die Mizwot des unaussprechlichen g‑ttlichen Namens (Havayah)“ genannt: dass der Heilige, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), die Mizwot erfüllt.

Erklärung

In der Kabbalah stehen „Haare“ für einen Kanal, der nur eine schwache Spur der Quelle weiterleitet – so wie ein Haar aus dem Kopf wächst, aber fast nichts von dessen Lebenskraft enthält. „Abba [Chochmah] wird aus dem Mazal gespeist“, dem Haar aus dem Bart von Arich Anpin, denn der Einfluss von der Ebene über Chochmah zu Chochmah muss eine proportionale Kluft überspringen. Mit diesem großen Abstieg ist gemeint, dass G‑tt „die Mizwot erfüllt“.

היינו שמניח תפילין ר״ל [רוצה לומר] ההמשכה להיות אוא״ס [אור אין סוף] מתלבש בחכמה. ותפלין לשון התקשרות והתחברות מלמעלה למטה. ולכן מה כתיב בהו כי מי גוי גדול כו׳.

Das heißt: [wenn gesagt wird,] dass Er Tefillin anlegt, ist damit die Herabführung gemeint, durch die das unendliche Licht (Or Ein Sof) sich in die Weisheit (Chochmah) kleidet. „Tefillin“ ist ein Ausdruck für Bindung und Verbindung von oben nach unten. Was steht deshalb in ihnen geschrieben? „Denn wer ist ein großes Volk …“

Erklärung

Wenn G‑tt „Tefillin anlegt“, bedeutet dies, dass das unendliche Licht sich in Chochmah kleidet. Das Wort Tefillin wird mit Bindung und Verbindung in Zusammenhang gebracht – mit der Verbindung des Höheren mit dem Niedrigeren. Darum enthalten G‑ttes Tefillin ein Lob Israels: „Denn wer ist ein großes Volk …“ (Deuteronomium 4:7).

שעיקר השפעת החכמה הוא בשביל נש״י [נשמות ישראל] כמשי״ת [כמו שיתבאר] לקמן בס״ד [בסייעתא דשמיא]. ומצות צדקה שלו ית׳ הוא ההמשכה בבחי׳ חסד להיות עולם חסד יבנה.

Denn der hauptsächliche Zweck des Einflusses von Chochmah besteht im Wohl der Seelen Israels, wie weiter unten, mit G‑ttes Hilfe, erklärt werden wird. Und Seine Mitzvah der Tzedakah [Wohltätigkeit], möge Er gesegnet sein, ist die Herabführung in der Form von Güte (Chesed), sodass „die Welt durch Güte erbaut wird“.

Erklärung

Der Einfluss von Chochmah dient letztlich dem Wohl der Seelen Israels – ein Punkt, den der Maamar weiter auszuführen verspricht. In Torah Ohr, Yitro erklärt der Alter Rebbe, dass Chochmah durch die Engel hindurchströmt, die dabei nur als Boten dienen; ihr Zweck ist es, Chochmah in die Seelen Israels herabzuführen. G‑ttes „Mitzvah der Tzedakah“ ist Seine Herabführung von Chesed, sodass „die Welt durch Güte erbaut wird“ (Psalmen 89:3), wobei das Wort olam im Psalm, wörtlich „für immer“, als „Welt“ gelesen wird.

Absatz 4 in Kürze

Der Absatz setzt G‑ttes eigene Mizwot mit der Herabführung des Or Ein Sof gleich: Seine Tefillin sind das in Chochmah gekleidete Licht, und Seine Tzedakah ist der Einfluss von Chesed.

Vertiefung

Die Kehot-Anmerkungen führen den Zohar und Etz Chaim als Quellen für „Abba wird aus dem Mazal gespeist“ an. Die entsprechende Stelle in Torah Ohr, Yitro erklärt, dass Chochmah durch die Engel hindurchströmt, die dabei nur als Boten dienen; ihr eigentlicher Zweck ist Israel.

Marei Mekomos

  1. 1
    אבא יונק ממזלא · Zohar III, 289b
  2. 2
    להיות אוא״ס מתלבש בחכמה · ראה ספר המאמרים תש״ג ד״ה שיר המעלות ע׳ 23.
  3. 3
    כי מי גוי גדול · Deuteronomy 4:7
  4. 4
    מה כתיב בהו כי מי גוי גדול · Berakhot 6a:20–21
  5. 5
    שעיקר השפעת החכמה הוא בשביל נש״י · ראה גם לקמן סט, א.
  6. 6
    עולם חסד יבנה · Psalms 89:3

Der Gegenstand und die Handlung ¶5–7

5והנה כמו ע״ד דוגמא בקיום המצות באדם. הנה יש בזה שני דברים.

Nehmen wir nun als Analogie die Erfüllung der mitzvos durch einen Menschen. Dabei gibt es zwei Dinge.

Erklärung

Der Alter Rebbe wendet sich nun einer menschlichen Analogie zu. Bei jeder Mitzvah, die ein Mensch ausführt, lassen sich zwei Dinge unterscheiden.

הא׳ המצוה בפ״ע [בפני עצמו] קודם שיעשה אותה האדם כמו התפלין עצמם או הציצית. והב׳ כשהאדם עושה את המצוה ומקיימה דהיינו שמניח התפלין ומתעטף בציצית.

Das Erste ist die Mitzvah selbst, bevor der Mensch sie ausführt, etwa die Tefillin selbst oder die Tzitzis. Das Zweite ist, wenn der Mensch die Mitzvah tut und erfüllt, das heißt, wenn er die Tefillin anlegt und sich mit den Tzitzis umhüllt.

Erklärung

Das Erste ist der Gegenstand der Mitzvah, wie er besteht, bevor der Mensch ihn benutzt, etwa die Tefillin oder die Tzitzis. Das Zweite ist die Handlung der Mitzvah: die Tefillin anzulegen oder sich mit den Tzitzis zu umhüllen.

Absatz 5 in Kürze

Der Absatz unterscheidet in der menschlichen Praxis zwischen dem Gegenstand der Mitzvah und der Handlung, mit der man die Mitzvah ausführt.

6וזהו העיקר וגמר מעשה המצוה שאז תהיה מצוה

Und dies ist das Wesentliche und die Vollendung der Handlung der Mitzvah, denn dann wird sie zu einer Mitzvah.

Erklärung

Die Handlung selbst vollendet die Mitzvah: Erst wenn sie ausgeführt wird, wird sie zu einer Mitzvah.

כי בלתי ההנחה של התפלין על הראש והיד. הגם שכתובים הד׳ פרשיות בטוב. ויש בהם קדושה. עכ״ז [עם כל זה] אין בזה עדיין גילוי רצה״ע [רצון העליון] עד שיניחם האדם בראשו וזרועו.

Denn ohne die Tefillin auf Kopf und Arm anzulegen – obwohl die vier Abschnitte korrekt geschrieben sind und Heiligkeit in ihnen liegt –, gibt es darin dennoch noch keine Offenbarung des höchsten Willens, bis der Mensch sie auf seinen Kopf und seinen Arm legt.

Erklärung

Ohne die Tefillin auf Kopf und Arm anzulegen, gibt es keine Mitzvah. Selbst korrekt geschriebene Tefillin sind heilig, auch wenn sie in einem Kästchen auf dem Regal liegen; der höchste Wille wird jedoch erst dann offenbar, wenn ein Jude sie anlegt.

Absatz 6 in Kürze

Das Anlegen der Tefillin, nicht ihr bloßes Vorhandensein, offenbart den Willen G‑ttes; darin liegt der Schlüssel zur Analogie.

7ועד״ז יובן למעלה התפלין עצמם הן בחי׳ ד׳ מוחין חכמה ובינה ודעת המתחלק לחו״ג [לחסד וגבורה] זהו בחי׳ א׳.

In gleicher Weise lässt sich auf der höheren Ebene verstehen: Die Tefillin selbst sind die vier intellektuellen Kräfte (Mochin) – die Weisheit (Chochmah), das Verständnis (Binah) und das Wissen (Daas), wobei sich Daas in die Güte (Chesed) und die Selbstbegrenzung (Gevurah) unterteilt. Dies ist der erste Aspekt (Bechinah).

Erklärung

Auf die höhere Ebene angewandt sind die „Tefillin selbst“ die vier Mochin, die intellektuellen Kräfte Chochmah, Binah und Daas, wobei Daas in seine Chesed- und Gevurah-Seiten unterteilt ist. (Auch die physischen Tefillin des Kopfes haben vier Fächer.) Dies ist die erste Stufe, das „Objekt“ der mitzvah.

אך העיקר הוא כשהקב״ה מניח התפלין דהיינו התלבשות אוא״ס [אור אין סוף] בחכמה וזהו גמר מצותן משא״כ הד׳ מוחין מצד עצמן אין ערוך כלל לכשהקב״ה מניח אותן.

Das Wesentliche ist jedoch, wenn der Heilige, gelobt sei Er, die Tefillin anlegt, das heißt, wenn sich das unendliche Licht (Or Ein Sof) in Chochmah einkleidet; darin besteht die Vollendung ihrer mitzvah. Die vier Mochin für sich genommen sind in keiner Weise vergleichbar mit [dem Zustand], in dem der Heilige, gelobt sei Er, sie anlegt.

Erklärung

Dass G‑tt die Tefillin „anlegt“, bedeutet, dass sich das Or Ein Sof in diese Mochin einkleidet; darin liegt die Vollendung der mitzvah. So wie angelegte Tefillin die Tefillin auf einem Regal weit übertreffen, sind die Mochin, in die das Or Ein Sof eingekleidet ist, mit den Mochin für sich allein unvergleichlich. Die Kehot-Anmerkung hält fest, dass der Tzemach Tzedek in Or HaTorah (Vayetzei) genau diesen maamar als Beleg für diese Lesart anführt: G‑ttes Tefillin sind das Or Ein Sof, das sich hinabsenkt, um in die Mochin eingekleidet zu werden.

Absatz 7 in Kürze

Die Analogie wird auf die höhere Ebene angewandt: Die Mochin sind die Tefillin, und dass sich das Or Ein Sof in ihnen einkleidet, entspricht dem Anlegen durch G‑tt.

Wie die „Tefillin“ oben existieren ¶8–12

8וכמו למטה שהמצוה הוא כשמניחין התפלין כנ״ל. אך איך שייך בנמשל לומר כן

Und ebenso besteht unten die Mitzvah darin, dass man die Tefillin anlegt, wie oben gesagt. Doch wie lässt sich dies im Entsprechenden sagen?

Erklärung

Der Alter Rebbe wirft eine Schwierigkeit hinsichtlich des Gleichnisses auf. Unten besteht die Mitzvah im Anlegen der Tefillin; lässt sich dieselbe Unterscheidung aber auch oben treffen?

בשלמא במשל התפלין יש להן מציאות חוץ מאדם ע״כ גם קודם שהניחם האדם יש להן מציאות ולהיות דבר שבקדושה אבל למעלה הרי ממך הכל כתיב.

Im Gleichnis ist das verständlich: Die Tefillin haben eine Existenz außerhalb des Menschen; daher besitzen sie auch schon, bevor der Mensch sie anlegt, eine Existenz und sind ein heiliger Gegenstand. Doch oben steht geschrieben: „Denn alles ist von Dir.“

Erklärung

Im Gleichnis ist es leicht zu verstehen: Die physischen Tefillin existieren unabhängig von der Person; daher können sie schon, bevor der Mensch sie anlegt, heilige Gegenstände sein. Oben jedoch gilt: „Alles ist von Dir“; die intellektuellen Kräfte (Mochin) besitzen keine vom Licht, das von G‑tt kommt, unabhängige Existenz.

Absatz 8 in Kürze

Der Absatz fragt, wie es oben Tefillin geben kann, die existieren, bevor G‑tt sie „anlegt“, wenn dort alles von Ihm kommt.

Marei Mekomos

  1. 1
    ממך הכל כתיב · I Chronicles 29:14

9והתהוות החכמה הוא ממנו ית׳. והוא היודע והוא הדיעה כו׳. א״כ איך יצוייר התפלין למעלה קודם ההנחה.

Und das Entstehen der Weisheit (Chochmah) ist von Ihm, gesegnet sei Er; „Er ist der Wissende und Er ist das Wissen …“ Wenn dem so ist, wie kann man sich Tefillin oben vorstellen, bevor sie angelegt werden?

Erklärung

Die Weisheit selbst entsteht aus G‑tt, und wie Maimonides schreibt, ist G‑tt „der Wissende und das Wissen“, eins mit Seinem Wissen. Wenn dem so ist, wie kann es g‑ttliche „Tefillin“ geben, die existieren, bevor G‑tt sie anlegt?

אבל הענין ע״פ מ״ש במאמר דפתח אליהו וכד אנת תסתלק מנייהו אשתארו כגופא כו׳. דקשה כנ״ל איך יש להם מציאות אפי׳ [אפילו] כגופא כו׳

Doch die Sache ist gemäß dem, was in dem Abschnitt Patach Eliyahu gesagt wird: „Und wenn Du Dich von ihnen zurückziehst, bleiben sie wie ein Körper …“ Denn wie oben gesagt, ist es schwierig: Wie können sie irgendeine Existenz haben, selbst wie ein Körper …?

Erklärung

Die Antwort ergibt sich aus Patach Eliyahu, dem Gebet Eliyahus im Tikkunei Zohar, wo es heißt, dass sie, wenn G‑tt sich von den g‑ttlichen Attributen (Sefiros) zurückzieht, „wie ein Körper ohne Seele“ bleiben. Doch dadurch stellt sich dieselbe Frage: Wie können die Sefiros überhaupt bleiben, selbst nur wie ein Körper, ohne Ihn?

בשלמא באדם הגוף יש לו מציאות בפ״ע [בפני עצמו] שאין התהוותו מהנשמה כ״א מטפות או״א [אבא ואימא] כו׳. מה שאין כן למעלה הרי ממך הכל.

Bei einem Menschen ist es verständlich, [da] der Körper eine eigene Existenz hat, denn sein Entstehen geht nicht auf die Seele zurück, sondern auf die Tropfen des Vaters und der Mutter … Doch oben ist es anders, denn „alles ist von Dir“.

Erklärung

Bei einem Menschen besteht der Körper für sich, da er von den Eltern und nicht von der Seele stammt. Oben jedoch kommt alles von G‑tt; daher ist nicht klar, wie irgendetwas bleiben könnte, sobald Er sich zurückzieht.

Absatz 9 in Kürze

Die Frage wird zugespitzt: Oben stammt sogar der „Körper“ der Sefiros von G‑tt. Was kann also bleiben, wenn Sein Licht sich zurückzieht?

Marei Mekomos

  1. 1
    והוא היודע והוא הדיעה · רמב״ם הל׳ יסודי התורה ב, י.
  2. 2
    והוא היודע והוא הדיעה · Mishneh Torah, Foundations of the Torah 2:10
  3. 3
    במאמר דפתח אליהו · ת״ז בהקדמה.
  4. 4
    וכד אנת תסתלק מנייהו אשתארו כגופא · Tikkunei Zohar 17a

10וא״כ כד אנת תסתלק כו׳. איך יש שום מציאות להן. אך התירוץ דפי׳ תסתלק אין ר״ל [רוצה לומר] הסתלקות לגמרי רק הסתלקות מוחין דגדלות. ונשאר מוחין דקטנות כמו באדם כשישן.

Wenn dem so ist: „Wenn Du Dich zurückziehst …“ – wie können sie dann überhaupt irgendein Dasein haben? Doch die Antwort lautet: „Sich zurückziehen“ bedeutet keinen vollständigen Rückzug, sondern nur, dass die intellektuellen Kräfte (Mochin) des Reifezustands (Mochin de-Gadlus) zurückgezogen werden, während die unreifen Mochin (Mochin de-Katnus) verbleiben, wie bei einem Menschen, wenn er schläft.

Erklärung

Die Antwort lautet, dass „sich zurückziehen“ keinen vollständigen Rückzug bedeutet. Nur die reifen Mochin (Gadlus) ziehen sich zurück, während die unreifen Mochin (Katnus) verbleiben. So behält ein schlafender Mensch ein vermindertes Bewusstsein, obwohl sein voller Intellekt nicht aktiv ist.

וגם כי הכלים הנק׳ גופא יש להן שרש בפ״ע [בפני עצמו] מאוא״ס [מאור אין סוף] היינו מבחי׳ מטי ולא מטי. רק שאח״כ מתלבש בהן האור ששרשו למעלה מבחי׳ זו והתלבשותו כנשמתא בגופא.

Auch haben die Gefäße, die „Körper“ genannt werden, eine eigene Wurzel im unendlichen Licht (Or Ein Sof), nämlich auf der Ebene des „Erreichens und Nichterreichens“. Erst danach wird das Licht, dessen Wurzel höher liegt als diese Ebene, in sie eingekleidet; seine Einkleidung ist wie die einer Seele in einen Körper.

Erklärung

Die Gefäße, die „Körper“ genannt werden, haben eine eigene Wurzel im unendlichen Licht, und zwar auf der Ebene des „Erreichens und Nichterreichens“, die die Quelle der Gefäße berührt, aber nicht wirklich in sie eindringt. Das höhere Licht tritt später in sie ein wie eine Seele in einen Körper; die Gefäße selbst bestehen jedoch aufgrund ihrer eigenen Wurzel.

Absatz 10 in Kürze

Die Frage ist damit beantwortet: Zurückgezogen wird nur das ausgereifte Licht, und die Gefäße haben eine eigene Wurzel, sodass sie wie ein Körper bestehen bleiben.

Vertiefung

„Erreichen und Nichterreichen“ (Mati velo Mati) ist ein kabbalistischer Begriff für ein Licht, das berührt und doch nicht berührt; hier ist es die Wurzel, aus der die Gefäße hervorgehen.

11ויש בזה קטנות וגדלות. ע״כ גם בהסתלק המוחין דגדלות אשתארו הכלים כגופא שהרי יש להן שרש בפ״ע [בפני עצמו]

Und darin gibt es Unreife und Reife. Daher bleiben selbst dann, wenn sich die reifen intellektuellen Kräfte (Mochin) zurückziehen, die Gefäße wie ein Körper bestehen, da sie eine eigene Wurzel haben;

Erklärung

Die Gefäße können sich in einem Zustand der Unreife oder der Reife befinden. Weil sie eine eigene Wurzel haben, bleiben sie wie ein Körper bestehen, selbst wenn sich die reifen Mochin aus ihnen zurückziehen.

רק לפי שאין ערוך בחי׳ זו לגבי הבחינה כשהאור ומוחין דגדלות מאיר בהן. לכך נק׳ כגופא בלא נשמתא.

Da diese Ebene jedoch in keinem Verhältnis zu der Ebene steht, in der das Licht und die reifen Mochin in ihnen leuchten, wird sie deshalb „wie ein Körper ohne Seele“ genannt.

Erklärung

Sie werden „ein Körper ohne Seele“ genannt, nicht weil sie leblos wären, sondern weil ihr Zustand ohne das reife Licht in keinem Verhältnis zu ihrem Zustand steht, wenn dieses Licht in ihnen leuchtet.

Absatz 11 in Kürze

Der Absatz erklärt die Wendung „wie ein Körper ohne Seele“: Die Gefäße existieren, doch ohne das reife Licht sind sie im Vergleich zu ihrem vollständigen Zustand wie nichts.

12ועד״ז יובן בענין הקב״ה מניח תפלין היינו תוספת אור בבחי׳ חכמה ומוחין גדולים עד שהן בולטים על הראש והכלי

In gleicher Weise lässt sich die Angelegenheit verstehen, dass „der Heilige, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), Tefillin anlegt“: Es bedeutet ein zusätzliches Licht auf der Ebene der Weisheit (Chochmah) und große intellektuelle Kräfte (Mochin), bis sie über dem Kopf und dem Gefäß hervorragen;

Erklärung

Ebenso bedeutet „G‑tt legt Tefillin an“ ein zusätzliches Licht in Chochmah und große Mochin, so stark, dass sie „über dem Kopf hervorragen“, wie Tefillin auf dem Kopf eines Menschen hervortreten.

משא״כ התפלין מצד עצמם יש להם ג״כ מציאות ע״ד כגופא בלא נשמתא וכן בשאר כל המצות יובן כן.

während die Tefillin für sich genommen ebenfalls eine Existenz haben, nach Art von „wie ein Körper ohne Seele“. Ebenso ist dies bei allen übrigen Mitzvos zu verstehen.

Erklärung

Die „Tefillin selbst“ entsprechen den Gefäßen, die wie ein Körper ohne Seele bestehen. Dasselbe Muster gilt für alle Mitzvos G‑ttes: ein bestehendes Gefäß und ein zusätzliches Licht, das es erfüllt.

Absatz 12 in Kürze

Das Prinzip wird auf Tefillin und alle Mitzvos angewandt: G‑ttes Mitzvah ist ein zusätzliches Licht, das Gefäße erfüllt, die bereits bestehen.

G‑ttes Tora, Gebet und die zwei Deutungen ¶13

13והקב״ה יושב ועוסק בתורה הוא המשכת אותיות מבחי׳ שמו הגדול כו׳.

Und „der Heilige, gelobt sei Er, sitzt und beschäftigt Sich mit der Tora“: Dies ist das Herabziehen von Buchstaben aus der Ebene Seines großen Namens …

Erklärung

Die Weisen sagen, dass G‑tt „sitzt und Sich mit der Tora beschäftigt“ (Avodah Zarah 3b): Dies ist das Herabziehen der Buchstaben aus Seinem großen Namen.

והקב״ה מתפלל יה״ר [יהי רצון] כו׳. שיומשכו מדות דא״א בז״א כו׳. ורב חסד כו׳.

Und „der Heilige, gelobt sei Er, betet: Möge es Mein Wille sein …“: Das bedeutet, dass die Attribute von Arich Anpin in Zeir Anpin herabgezogen werden … und „reich an Güte …“

Erklärung

Die Weisen sagen auch, dass G‑tt betet: „Möge es Mein Wille sein, dass Meine Barmherzigkeit Meinen Zorn überwinde“ (Berachos 7a). Nach der ersten Auslegung bedeutet G‑ttes Gebet, dass die Attribute von Arich Anpin, die höheren Erbarmungen wie „reich an Güte“, in Zeir Anpin einströmen sollen.

ויש פי׳ אחר דהקב״ה ר״ל [רוצה לומר] ז״א דאצי׳. והתפלין הן מוחין מאו״א [מאבא ואימא] הנמשכים לו וא״כ הם למעלה ממנו. וא״ש [ואתי שפיר] לפ״ז [לפי זה] ביותר בענין הקב״ה מתפלל שיכבשו רחמי כו׳ שיומשכו לו מדות דא״א כו׳

Es gibt eine andere Erklärung: „Der Heilige, gelobt sei Er“ meint Zeir Anpin der Welt der Emanation (Atzilus). Die Tefillin sind die intellektuellen Kräfte (Mochin) von Vater und Mutter (Abba und Imma), die zu Ihm herabgezogen werden; demnach stehen sie über Ihm. Nach dieser Auslegung passt [die Aussage], dass der Heilige, gelobt sei Er, betet: „Dass Meine Barmherzigkeit … überwinde“, umso besser: dass die Attribute von Arich Anpin zu Ihm herabgezogen werden …

Erklärung

Eine zweite Auslegung versteht unter „dem Heiligen“ Zeir Anpin von Atzilus selbst. Dann sind die Tefillin die Mochin, die Zeir Anpin von Abba und Imma empfängt und die über ihm stehen; so passt G‑ttes Gebet noch besser: Man betet um etwas, das über einem selbst steht, nämlich darum, dass die Attribute von Arich Anpin herabgezogen werden.

(וב׳ פירושים הנ״ל בענין קוב״ה [קודשא בריך הוא] נתבאר בפירוש הזהר בענין קוב״ה [קודשא בריך הוא] אתי לאשתעשע בג״ע [בגן עדן] כו׳

(Die beiden oben angeführten Erklärungen zu „dem Heiligen, gelobt sei Er“ werden in der Kommentierung zum Zohar im Zusammenhang mit der Aussage erläutert: „Der Heilige, gelobt sei Er, kommt, um sich im Garten Eden zu erfreuen …“

Erklärung

Ein Klammerzusatz merkt an, dass beide Auslegungen von „dem Heiligen“ auch in der Kommentierung zu der Aussage des Zohar erörtert werden: „Der Heilige kommt, um sich im Garten Eden zu erfreuen.“

ושני הפירושים אמת והוא כמ״ש במ״א שיש בחי׳ מצותי של המאציל ית׳ עצמו ובחי׳ מצות הוי״ה דז״א דאצי׳ ובודאי בז״א המצות הן המשכה שלמעלה ממנו משא״כ למעלה יותר בא״ס ב״ה מצותי הן המשכות ממנו לשרשי הכלים כו׳ ודי לחכימא)

Beide Erklärungen sind wahr. Wie an anderer Stelle erläutert wird, gibt es die Ebene von „Meine mitzvos“, die dem Emanator selbst, gesegnet sei Er, zugehören, und die Ebene der mitzvos des unaussprechlichen g‑ttlichen Namens (Havayah), die Zeir Anpin in Atzilus angehören. Für Zeir Anpin sind die mitzvos gewiss ein Herabziehen dessen, was über ihm steht; auf einer noch höheren Ebene hingegen, beim Unendlichen (Ein Sof), gelobt sei Er, sind „Meine mitzvos“ Herabziehungen von Ihm zu den Wurzeln der Gefäße … Das genügt dem Verständigen.)

Erklärung

Beide Auslegungen sind wahr, denn es gibt zwei Ebenen g‑ttlicher mitzvos: „Meine mitzvos“, die dem Emanator selbst gehören, und „die mitzvos Havayahs“, die Zeir Anpin gehören. Für Zeir Anpin ist eine mitzvah ein Licht, das von einer Ebene oberhalb seiner herabgezogen wird; für den Unendlichen sind „Meine mitzvos“ das Licht, das Er aus Sich selbst in die Wurzeln der Gefäße herabzieht. Der Kehot-Kommentar ergänzt, dass ein späterer Maamar (der Hemshech von Rosh Hashanah 5666) dies als Bedeutung des Midrasch versteht, dass G‑tt selbst tut, was Er Israel zu tun aufträgt.

וזהו שנק׳ המצות דרך הוי״ה וארחות הוי״ה שהם כמו עד״מ דרך ושביל שבהן נמשך אוא״ס [אור אין סוף] ב״ה להתלבש באצי׳ וכל המשכה הוא ע״י שם הוי״ה כנודע:

Deshalb werden die mitzvos „der Weg Havayahs“ und „die Pfade Havayahs“ genannt: Sie sind gleichsam ein Weg und ein Pfad, auf denen das unendliche Licht (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, herabgezogen wird, um sich in Atzilus einzukleiden; und jedes Herabziehen geschieht durch den Namen Havayah, wie bekannt ist.

Erklärung

Deshalb nennt die Schrift die mitzvos „den Weg Havayahs“ und „die Pfade Havayahs“. Sie sind der Weg, auf dem das unendliche Licht herabfließt, um sich in Atzilus einzukleiden; jeder solche Fluss geht durch den Namen Havayah, der, wie bekannt, das Ins-Dasein-Bringen bedeutet.

Absatz 13 in Kürze

Der Absatz überträgt den Gedanken auf G‑ttes Tora-Lernen und Gebet, bietet eine zweite Auslegung an, nach der „der Heilige“ Zeir Anpin ist, und bringt die beiden Auslegungen als zwei Ebenen g‑ttlicher mitzvos miteinander in Einklang.

Vertiefung

Die Kehot-Anmerkungen zitieren die Kavanah (mystische Intention) der Tefillin für Zeir Anpin, der vier Mochin aus dem verborgenen Gehirn von Atik empfängt, und vermerken, dass Likkutei Torah zu Shir HaShirim auf diese Stelle zurückverweist. Sie verbinden die beiden Auslegungen außerdem mit dem Midrasch, dass G‑tt tut, was Er Israel zu tun aufträgt.

Marei Mekomos

  1. 1
    והקב״ה יושב ועוסק בתורה · Avodah Zarah 3b:7
  2. 2
    והקב״ה מתפלל יה״ר · Berakhot 7a:1
  3. 3
    ורב חסד · Exodus 34:6
  4. 4
    דהקב״ה ר״ל ז״א דאצי׳ והתפילין הן מוחין מאו״א · באוה״ת פ׳ תבוא ע׳ תתרפז מציין בענין זה לזח״ג רסב, א בכוונת תפילין ”ומשירותא ומשיכותא דמוחא עילאה סתימאה דעתיקא דאתמשך בההוא ז״א אשתכחו ד׳ מוחין בההוא ז״א”, ע״ש. בלקו״ת שה״ש א, ב. ד, א. יט, ד. מציין לכאן. ראה סידור ז, ג.
  5. 5
    והתפלין הן מוחין מאו״א הנמשכים לו · Zohar, Vaetchanan 7:35–8:45
  6. 6
    וב׳ פירושים הנ״ל · ראה תורת שמואל תרכ״ז ע׳ קא. ובד״ה אז ישיר תרס״ח ע׳ צו. בד״ה פדה בשלום תשל״ח סעי׳ ד (נדפס בסה״מ מלוקט ב ע׳ ו) הערה 42 מציין לכאן ”המשך יו״ט של ר״ה תרס״ו (ע׳ תיט). תש״ג פ״ה (ע׳ 14). ד״ה יו״ט של ר״ה ה׳תשמ״ג ס״א וד״ה אדון עולם תשמ״ג ס״ג ואילך (סה״מ מלוקט ח״א ע׳ תכא. תל ואילך). ובסה״מ תרס״ו שם שזהו הפירוש למאמרז״ל [שמו״ר פ״ל, ט].
  7. 7
    מצותי של המאציל · Shemot Rabbah 30:9
  8. 8
    וארחות הוי״ה · Psalms 25:10

Zaddikim und Beinonim ¶14–15

14והנה עיקר הכוונה במעשה המצות למטה באדם הוא שעי״ז נמשך כן למעלה להיות הקב״ה מקיים המצות ע״ד הנ״ל וזהו הנק׳ להוסיף אור באצילות.

Nun besteht die Hauptabsicht bei der Ausführung der mitzvos durch den Menschen unten darin, dass dadurch dasselbe oben herabgezogen wird, sodass der Heilige, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), die mitzvos erfüllt, wie oben erläutert; dies wird „Licht in der Welt der Emanation (Atzilus) hinzufügen“ genannt.

Erklärung

Der Zweck der mitzvos eines Menschen unten besteht darin, die „mitzvos“ G‑ttes oben herbeizuführen – das zuvor beschriebene zusätzliche Licht. Dies nennt die Kabbalah „Licht in Atzilus hinzufügen“.

אך זהו דוקא בצדיקים שאין רע בנר״נ [בנפש רוח נשמה] שלהם כלל. אבל בבינונים עיקר הכוונה במצוה שלהם צ״ל לברר הנר״נ [הנפש רוח נשמה] שלהם עי״ז.

Dies gilt jedoch speziell für tzaddikim [Gerechte], in deren Nefesh, Ruach und Neshamah [Seelenebenen] überhaupt kein Böses ist. Für beinonim [Menschen der mittleren Stufe] muss die Hauptabsicht bei ihrer mitzvah jedoch sein, dadurch ihre Nefesh, Ruach und Neshamah zu läutern.

Erklärung

Diese Absicht gilt uneingeschränkt für tzaddikim, in deren Nefesh, Ruach und Neshamah, den Ebenen der Seele, überhaupt kein Böses ist. Für beinonim, die „Menschen der mittleren Stufe“ aus dem Tanya, die noch mit dem Bösen zu ringen haben, besteht der Hauptzweck ihrer mitzvos darin, ihre eigenen Seelen zu läutern. In Likkutei Torah, Balak, erklärt der Alter Rebbe, dass jedes Herabziehen des Unendlichen (Ein Sof) dadurch zustande kommt, dass die Seele in den Körper hinabsteigt – ein Abstieg um des Aufstiegs willen.

Absatz 14 in Kürze

Der Abschnitt wendet sich der menschlichen Seite zu: Die mitzvos der tzaddikim fügen Licht in Atzilus hinzu, während die der beinonim vor allem ihre eigenen Seelen läutern.

Vertiefung

Die Kehot-Anmerkung verweist auf Likkutei Torah, Balak, wo erklärt wird, dass alles Herabziehen des Unendlichen (Ein Sof) durch den Abstieg der Seele in den Körper geschieht – den „Abstieg um des Aufstiegs willen“.

Marei Mekomos

  1. 1
    לברר הנר״נ שלהם · ראה לקו״ת בלק סט, ב.

15ויש להבין בזה דהלא המצוה אחת היא בין לצדיקים בין לבינונים כי התפלין דמשה ואהרן הם ד׳ פרשיות דתפלין שלנו ממש ואיך ישתנה עיקר הכוונה כ״כ [כל כך].

Doch das muss verstanden werden: Ist die Mitzvah nicht für Tzaddikim [Gerechte] und Beinonim [Menschen auf mittlerer Stufe] ein und dieselbe? Denn die Tefillin von Moshe und Aharon enthalten genau die vier Abschnitte unserer Tefillin. Wie kann sich also die Hauptabsicht so sehr unterscheiden?

Erklärung

Der Alter Rebbe wirft eine Frage zu dem auf, was er gerade gesagt hat. Die Mitzvah ist für alle dieselbe: Die Tefillin von Moshe und Aharon enthielten dieselben vier Torah-Abschnitte wie unsere; wie kann sich dann ihr Hauptzweck zwischen einem Tzaddik und einem Beinoni unterscheiden?

אך הענין הוא דבאמת הכל כוונה אחת היא. שבהיות הוספת האור באצי׳ ע״י מצות הצדיקים. אזי ממילא יש כח לברר הרע מנוגה דבי״ע כו׳.

Doch der Sachverhalt ist: In Wahrheit ist es ein und dieselbe Absicht. Denn wenn durch die Mitzvos der Tzaddikim Licht in der Welt der Emanation (Atzilus) hinzugefügt wird, dann entsteht dadurch von selbst die Kraft, das Böse aus der Nogah (dem Leuchten) von Beriah, Yetzirah und Asiyah zu läutern …

Erklärung

Die Antwort lautet, dass der Zweck in Wahrheit ein einziger ist. Wenn die Mitzvos der Tzaddikim Licht in Atzilus hinzufügen, verleiht dieses zusätzliche Licht selbst die Kraft, das Böse zu läutern, das mit der Nogah (»Leuchten«) vermischt ist – der Hülle der unteren Welten, die weder ganz heilig noch ganz böse ist (Kelipas Nogah); dies ist die Aufgabe des Beinoni.

Absatz 15 in Kürze

Der Absatz bringt die beiden Zwecke der Mitzvos miteinander in Einklang: Das Licht, das die Tzaddikim oben hinzufügen, verleiht die Kraft, das Böse unten zu läutern.

Vertiefung

Kelipas Nogah ist die Zwischenhülle, die zur Heiligkeit erhoben werden kann; die materiellen Bestandteile der Mitzvos stammen aus ihr, wie Absatz 24 erklären wird.

Marei Mekomos

  1. 1
    דתפילין שלנו · בהגהת הרה״ח ר׳ אשר: כתפילין.

„Wer sich herabbeugt“: die erste Deutung ¶16–18

16וזהו ענין המשפילי לראות בשמים ובארץ כפי׳ הראשון. שנשפל להתלבש בתוך בחי׳ שמים וארץ. שהן ז״א ונוק׳ [ונוקבא]

Und dies ist die Bedeutung von „Der sich herablässt, auf Himmel und Erde zu schauen“, gemäß der ersten Erklärung: dass Er sich herablässt, um sich innerhalb der Ebene (Bechinah) von Himmel und Erde einzukleiden, welche die Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) und das weibliche Gegenstück (Nukva) sind.

Erklärung

Der Vers „Der sich herablässt, auf Himmel und Erde zu schauen“ (Psalmen 113:6) preist G‑tt ganz offenkundig: Er thront so hoch, dass Er sogar hinabblickt, um die Himmel zu sehen. Der Maamar deutet „herablässt“ so, dass G‑tt sich herablässt, um sich in „Himmel und Erde“ einzukleiden; gemäß dieser ersten Erklärung sind damit Zeir Anpin und Nukva gemeint, die männliche und weibliche Konfiguration der Welt der Emanation (Atzilus).

כי הנה רם על כל כו׳ ובחי׳ כד אנת תסתלק מינייהו מהכלים דע״ס [דעשר ספירות]. דהיינו כמו ענין השינה שהוא הסתלקות המוחין אל עצמות הנפש.

Denn siehe, „Er ist hoch über allem …“; und [es gibt] die Bechinah von „Wenn Du Dich von ihnen zurückziehst“ – aus den Gefäßen der zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) –, was dem Schlaf gleicht, nämlich dem Rückzug der intellektuellen Kräfte (Mochin) in das Wesen der Seele.

Erklärung

Denn G‑tt ist „hoch über allem“ (Psalmen 113:4), sodass Sein Licht aus den Gefäßen der zehn Sefiros zurückgezogen werden kann – der Zustand von „Wenn Du Dich von ihnen zurückziehst“. Der Alter Rebbe vergleicht dies mit dem Schlaf, wenn sich die Mochin eines Menschen in das Wesen seiner Seele zurückziehen und nicht aktiv sind.

Absatz 16 in Kürze

Der Absatz deutet „Der sich herablässt, auf Himmel und Erde zu schauen“ als das unendliche Licht (Or Ein Sof), das in Zeir Anpin und Nukva eintritt, im Gegensatz zu einem Zustand, in dem es zurückgezogen ist und der mit dem Schlaf verglichen wird.

Marei Mekomos

  1. 1
    המשפילי לראות בשמים ובארץ · Psalms 113:6
  2. 2
    רם על כל · Psalms 113:4
  3. 3
    כד אנת תסתלק מינייהו · Tikkunei Zohar 17a

17והגם שיש לו צירופי אותיות המחשבה בחלומות. הרי הוא רק מחשבה בלא חכמה רק בחי׳ הדמיון. מה שאין כן כאשר יקיץ מהשינה הנה יאיר השכל במחשבה.

Und obwohl er in Träumen Verbindungen der Buchstaben des Denkens hat, ist es doch nur Denken ohne Weisheit, lediglich die Ebene der Einbildungskraft. Wenn er dagegen aus dem Schlaf erwacht, erstrahlt der Intellekt in seinem Denken.

Erklärung

In Träumen verbindet der Geist weiterhin die Buchstaben des Denkens, jedoch ohne Weisheit, nur in Form der Einbildungskraft. Wenn ein Mensch erwacht, strahlt sein Intellekt wieder in sein Denken hinein.

ועד״ז יובן הנמשל שבחי׳ הסתלקות האור ומוחין דגדלות המלובש בע״ס [בעשר ספירות] לבחי׳ העצמות אוא״ס [אור אין סוף] אז הגילוי למטה נק׳ עד״מ בחי׳ שינה.

Ebenso lässt sich das Gegenbild verstehen: [auf] der Ebene, auf der sich das Licht und die reifen intellektuellen Kräfte (Mochin), die in den zehn g‑ttlichen Attributen (Sefiros) bekleidet sind, in die Ebene der Essenz des unendlichen Lichts (Or Ein Sof) zurückziehen, wird die Offenbarung unten bildlich als Ebene des Schlafes bezeichnet.

Erklärung

Oben, wenn sich das Licht und die reifen Mochin aus den zehn Sefiros in die Essenz des Or Ein Sof zurückziehen, gleicht das, was unten weiterhin offenbart ist, dem Schlaf: Die Formen bestehen fort, jedoch ohne ihr wahres inneres Licht.

Absatz 17 in Kürze

Die Analogie von Schlaf und Träumen beschreibt den Zustand der Sefiros, wenn sich das reife Licht zurückgezogen hat.

18ועי״ז היה שליטה גם לעכו״ם [לעובדי כוכבים ומזלות] מצרים ובבל. אבל ע״י התלבשות האור ומוחין דגדלות בע״ס [בעשר ספירות]. וזהו ענין הקב״ה מניח תפלין כו׳ כנ״ל.

Und dadurch hatten auch die götzendienerischen Völker, Ägypten und Babylon, die Herrschaft. Doch durch die Einkleidung des Lichts und der reifen intellektuellen Kräfte (Mochin) in die zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) – und dies ist die Bedeutung von „Der Heilige, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), legt Tefillin an …“, wie oben gesagt,

Erklärung

In jenem „schlafenden“ Zustand konnten die Völker, die Götzen dienten – Ägypten und Babylon –, herrschen, weil das g‑ttliche Licht nicht in seiner Kraft offenbart war. Wenn das Licht und die reifen intellektuellen Kräfte in die Sefiros eingekleidet sind – und dies bedeutet „Der Heilige legt Tefillin an“ –, ändert sich die Lage.

והיינו פי׳ המשפילי להתלבש בתוך שמים וארץ. הנה עז״נ [על זה נאמר] השקיפה ממעון קדשך מן השמים.

was die Erklärung von „Der sich erniedrigt“ ist, um sich in Himmel und Erde einzukleiden; darüber heißt es: „Blicke herab von Deiner heiligen Wohnstätte, vom Himmel.“

Erklärung

Dies ist G‑ttes Sich-Erniedrigen in „Himmel und Erde“, worüber die Tora sagt: „Blicke herab von Deiner heiligen Wohnstätte, vom Himmel“ (Deuteronomium 26:15), das Gebet, das jeder Bauer spricht, nachdem er seine Zehnten gegeben hat. G‑ttes „Herabblicken“ besteht darin, dass Sein Licht in die Sefiros eintritt.

ואז עי״ז וברך את עמך ישראל ע״ד באורך נראה אור שנראים לדבר חשוב כי המכוון בהשתלשלות העולמות הוא בשביל קיום התומ״צ [התורה ומצות]:

Und dann, dadurch: „Und segne Dein Volk Israel“ – nach Art von „In Deinem Licht sehen wir (nir'eh) Licht“ –, sodass wir als etwas von Bedeutung angesehen (nir'im) werden; denn der Zweck der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) liegt darin, die Tora und die mitzvos zu befolgen.

Erklärung

Dadurch kommt es zu „Und segne Dein Volk Israel“, nach Art von „In Deinem Licht sehen wir Licht“ (Psalmen 36:10). Das Wort nir'eh, das wörtlich „wir sehen“ bedeutet, kann auch als „wird gesehen“ gelesen werden; der Maamar versteht es so, dass Israel als etwas Bedeutendes „gesehen“ wird, weil die gesamte stufenweise Herabfolge der Welten um der Tora und der mitzvos willen besteht, die Israel befolgt.

Absatz 18 in Kürze

Der Abschnitt stellt den zurückgezogenen Zustand, in dem fremde Mächte herrschten, dem offenbarten Zustand gegenüber: G‑ttes „Tefillin“, in dem Israel gesegnet und als bedeutsam angesehen wird, weil die Welten um der Tora und der mitzvos willen existieren.

Vertiefung

Die Erwähnung Ägyptens und Babylons folgt der kabbalistischen Vorstellung, dass die Kräfte, die der Heiligkeit entgegenstehen, Lebenskraft und Macht an sich ziehen können, wenn das g‑ttliche Licht verborgen ist. Es handelt sich um eine Aussage über den Fluss spiritueller Einflüsse, nicht über den Wert irgendeines Volkes.

Marei Mekomos

  1. 1
    השקיפה ממעון קדשך מן השמים · Deuteronomy 26:15
  2. 2
    באורך נראה אור · Psalms 36:10

Zechariahs Menorah ¶19–21

19והנה להבין ענין פי׳ השני בפסוק המשפילי לראות דהיינו שע״י שמים וארץ נעשה סבת השפלה זו. יש להקדים ענין מנורת זכריה וגלה על ראשה כו׳.

Um nun die zweite Erklärung des Verses „Der sich herablässt, um zu schauen“ zu verstehen – nämlich, dass durch Himmel und Erde diese Herablassung bewirkt wird –, müssen wir zunächst die Sache mit der Menora Zechariahs einführen: „und eine Schale auf ihrer Spitze …“

Erklärung

Die zweite Lesart von „Der sich herablässt, um Himmel und Erde zu schauen“ besagt, dass „Himmel und Erde“ die Ursache für G‑ttes Herablassung sind und nicht nur der Ort, an dem sie endet. Um dies zu erklären, führt der Alter Rebbe Zechariahs Vision einer goldenen Menora mit den Worten „eine Schale auf ihrer Spitze“ ein (Sacharja 4:2).

כי הנה סדר ההשתלשלות וההמשכה מהמאציל לנאצלים הוא ע״י בחי׳ כתר שיש בו מבחי׳ תחתונה שבא״ס והוא בחי׳ עתיק.

Denn die Ordnung der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) und des Herabziehens vom Emanator zu den Emanierten verläuft über die Ebene der Krone (Keser), die etwas von der untersten Ebene des Unendlichen (Ein Sof) in sich enthält; dies ist die Ebene von Atik.

Erklärung

Das Licht gelangt von G‑tt, dem Emanator, über Keser, die „Krone“, zu den emanierten Welten. Keser enthält etwas von der untersten Ebene der darüberliegenden Ebene; dieser Aspekt wird Atik, der „Uralte“, genannt.

והיינו דכמו שמל׳ דאצי׳ נעשה עתיק לבריאה. ונמצא שבחי׳ כתר דבריאה יש בו מבחי׳ תחתונה שבאצילות ממש. דהיינו מבחי׳ מל׳ דאצילות.

Das heißt: So wie die Königsherrschaft (Malchus) der Welt der Emanation (Atzilus) für die Welt der Schöpfung (Beriah) zu Atik wird, sodass die Ebene der Krone (Keser) von Beriah etwas von der untersten Ebene von Atzilus selbst enthält, nämlich von der Ebene der Malchus von Atzilus,

Erklärung

Zum Beispiel wird Malchus, die unterste Ebene von Atzilus, zu Atik, dem inneren Keser, der nächstniedrigeren Welt Beriah, sodass Beriahs Keser die allerunterste Ebene von Atzilus enthält. In Likkutei Torah, Masei, formuliert der Alter Rebbe die Regel vollständig: Nur die Malchus der höheren Ebene kommt herab, um Atik und die Quelle für die niedrigere Ebene zu werden; auch die Anmerkung von Kehot führt dazu Etz Chaim und Tanya an.

כך מבחי׳ מלכות דא״ק [דאדם קדמון] (שנק׳ מל׳ דא״ס) נעשה עתיק וכתר לאצי׳ וזהו הגולה שעל ראשה.

so entstehen auch aus der Ebene der Malchus von Adam Kadmon (die Malchus von Ein Sof genannt wird) Atik und Keser für Atzilus; und dies ist „die Schale auf ihrer Spitze“.

Erklärung

Auf dieselbe Weise wird Malchus von Adam Kadmon, die ursprüngliche Ebene oberhalb von Atzilus (auch Malchus von Ein Sof genannt), zu Atik und Keser von Atzilus. Dies ist die „Schale auf ihrer Spitze“ in Zechariahs Menora.

וכמ״ש גולת הכותרת שכותרת ומקפת למעלה סביבות ראשה. וכך בחי׳ כתר הוא בחי׳ עטרה ומקיף על המוחין.

Wie geschrieben steht: „die Schale des koteres (Kapitells)“, das krönt (koteres) und oben rings um seine Spitze herumläuft. Ebenso ist die Ebene von Keser eine Krone und ein Umfassendes über den intellektuellen Kräften (Mochin).

Erklärung

Die Wendung „die Schale des koteres“ (I Könige 7:41), womit die Kapitelle oben auf den Säulen des Tempels bezeichnet werden, wird anhand ihrer Wortwurzel gelesen: koteres, „Kapitell“, bedeutet auch „krönt“ und hat dieselbe Wurzel wie Keser, „Krone“. Die Schale sitzt also oben und umgibt den Kopf; ebenso ist Keser eine Krone, die die Mochin umgibt, statt in sie einzudringen.

ושבעה נרותיה הם המדות דאצי׳ ושבעה מוצקות לנרות הם ז״ת [ז׳ תחתונות] דעתיק יומין שהם בחי׳ מקור ההשפעה להמדות דאצי׳. לכן נק׳ מוצקות לנרות כו׳.

„Und seine sieben Lampen“ sind die Gefühlsattribute (Middos) von Atzilus, und „sieben Röhren zu den Lampen“ sind die sieben unteren [g‑ttlichen Attribute (Sefiros)] von Atik Yomin [dem Uralten der Tage], die die Quelle des Zustroms zu den Gefühlsattributen von Atzilus bilden. Deshalb werden sie „Röhren zu den Lampen …“ genannt.

Erklärung

Die sieben Lampen der Menora sind die sieben Gefühlsattribute von Atzilus, und die „sieben Röhren zu den Lampen“ sind die sieben unteren Sefiros von Atik Yomin, die diese Attribute speisen. So wie Röhren Öl zu einer Lampe leiten, versorgen diese höheren Attribute die Gefühlsattribute von Atzilus.

Absatz 19 in Kürze

Der Absatz führt Zechariahs Menora als Abbild dafür ein, wie Licht herabsteigt: Die Schale steht für Keser (Atik), das aus der Malchus der darüberliegenden Ebene hervorgeht; die Lampen stehen für die Gefühlsattribute von Atzilus, und die Röhren für deren höhere Quelle in Atik.

Vertiefung

Das Prinzip, dass die Malchus jeder Ebene zu Atik der darunterliegenden Ebene wird, stammt vom Arizal (Etz Chaim). Tanya, Kap. 20, überträgt denselben Gedanken auf die g‑ttliche Rede als Quelle der Schöpfung.

Marei Mekomos

  1. 1
    וגלה על ראשה · Zechariah 4:2
  2. 2
    מל׳ דאצי׳ נעשה עתיק לבריאה · Tanya, Likkutei Amarim 20
  3. 3
    גולת הכותרת · I Kings 7:41

20וכמ״ש במ״א שיש ב׳ בחי׳ מדות. הא׳ המדות שלמטה מהשכל וההתבוננות ונק׳ טורי נהורא.

Wie an anderer Stelle erklärt wird, gibt es zwei Ebenen (Bechinah) von Gefühlsattributen (Middos). Die erste sind die Gefühlsattribute, die unterhalb des Intellekts und der Betrachtung liegen; sie werden „Berge des Lichts“ genannt.

Erklärung

Es gibt zwei Arten von Gefühlsattributen. Die erste Art sind jene, die aus Intellekt und Betrachtung hervorgehen: die Liebe und Ehrfurcht (Ahavah v'Yirah), zu denen ein Mensch gelangt, wenn er über die Größe G‑ttes nachsinnt. Sie werden „Berge des Lichts“ genannt, weil sie durch das Verständnis erhellt werden.

והב׳ המדות שלמעלה מהשכל והטעם המובן ונק׳ אהבה רבה וטורי חשוכא ומדות אלו שלמעלה מהשכל נקר׳ [נקרא / נקראת / נקראות] מוצקות למדות הנמשכים מהשכל הנק׳ נרות כו׳.

Die zweite sind die Gefühlsattribute, die über dem Intellekt und den verständlichen Gründen stehen; sie werden „große Liebe“ und „Berge der Dunkelheit“ genannt. Diese Gefühlsattribute oberhalb des Intellekts werden „Rohre“ für die Gefühlsattribute genannt, die aus dem Intellekt hervorgehen und „Lampen …“ genannt werden.

Erklärung

Die zweite Art steht über Intellekt und Vernunft, wie etwa die „große Liebe“ (Ahavah Rabbah); sie wird „Berge der Dunkelheit“ genannt, weil der Verstand sie nicht erfassen kann. Diese höheren Attribute sind die „Rohre“, die die aus dem Intellekt hervorgegangenen Attribute speisen, die „Lampen“.

ושני׳ [ושנים] זיתי׳ עליה א׳ מימין הגלה כו׳ הם בחי׳ חו״ב [חכמה ובינה] דע״י [דעתיק יומין] וגם הם בחי׳ ב׳ מזלות נוצר ונקה שהם מקורות דחו״ב [דחכמה ובינה] דאצי׳.

„Und zwei Ölbäume darauf, einer rechts von der Schale …“: Sie stellen die Ebene der Weisheit (Chochmah) und des Verständnisses (Binah) von Atik Yomin (dem Alten der Tage) dar, der inneren Ebene der Krone (Keser). Sie sind auch die Ebene der beiden Mazalos, „Notzer“ und „Venakeh“, die Quellen von Chochmah und Binah in der Welt der Emanation (Atzilus).

Erklärung

Die „zwei Ölbäume“ neben der Schale (Sacharja 4:3) sind Chochmah und Binah von Atik Yomin, dem Alten der Tage, der inneren Ebene von Keser. Sie sind auch die beiden „Mazalos“, die Notzer und Venakeh genannt werden. Das sind zwei der Dreizehn Attribute der Barmherzigkeit, die die Kabbalah im Bart von Arich Anpin erkennt; sie sind die Quellen von Chochmah und Binah in Atzilus.

Absatz 20 in Kürze

Der Absatz erklärt die Rohre als Gefühlsattribute oberhalb des Intellekts und die beiden Ölbäume als verborgene Quellen von Chochmah und Binah.

Marei Mekomos

  1. 1
    ושני׳ זיתי׳ עליה א׳ מימין הגלה · Zechariah 4:3
  2. 2
    נוצר ונקה · Exodus 34:7

21והנה הזית הוא מר רק שמוציאין ממנו שמן ע״י כתישה. והיינו בחי׳ בירור רפ״ח נצוצין ע״י אתכפייא ואתהפכא כמאמר כד אתכפייא סט״א [סטרא אחרא] אסתלק יקרא דקוב״ה [דקודשא בריך הוא]

Nun ist die Olive bitter, doch wird Öl aus ihr durch Zerstoßen gewonnen. Dies ist die Ebene der Läuterung der 288 Funken durch Unterwerfung und Umwandlung [der anderen Seite (Sitra Achra)], wie der Ausspruch lautet: „Wenn die Sitra Achra unterworfen wird, steigt die Herrlichkeit des Heiligen, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), empor.“

Erklärung

Eine Olive ist bitter, doch durch das Zerstoßen tritt Öl aus ihr hervor. Dies steht für die Läuterung der 288 Funken der Heiligkeit, die in die unteren Welten gefallen sind, durch Iskafya [Unterwerfung] und Is'hapcha [Umwandlung] der Sitra Achra; wie der Zohar sagt: Wenn die Sitra Achra unterworfen wird, steigt die Herrlichkeit G‑ttes empor. In Torah Ohr, Vayakhel, fügt der Alter Rebbe hinzu, dass dieses Unterwerfen, die Annahme des Jochs (Kabbalas Ol), den ganzen Tag unverändert andauern kann, anders als die Liebe, die steigt und fällt.

ומקור המשכת מ״ן [מיין נוקבין] ומ״ד [ומיין דוכרין] שע״י הבירורים נמשך מב׳ מזלות הנ״ל.

Und die Quelle des Herabziehens von Mayin Nukvin (weiblichem Wasser) und Mayin Duchrin (männlichem Wasser), das durch die Läuterungen [geschieht], wird aus den beiden oben erwähnten Mazalos herabgezogen:

Erklärung

Diese Läuterungen sind auch die Quelle der „weiblichen Wasser“ (Mayin Nukvin), der Erweckung von unten, und der „männlichen Wasser“ (Mayin Duchrin), des von oben herabströmenden Einflusses; beide werden aus den zwei Mazalos herabgezogen.

מזל ונקה הוא שרש כל המ״ן [המיין נוקבין] ומזל נוצר שרש המ״ד [המיין דוכרין] לכן הן הן ב׳ זיתים הנ״ל:

Der Mazal „venakeh“ ist die Wurzel aller Mayin Nukvin, und der Mazal „notzer“ die Wurzel der Mayin Duchrin. Daher sind sie selbst die beiden oben erwähnten Ölbäume.

Erklärung

Der Mazal venakeh ist die Wurzel der Erweckung von unten, und notzer die Wurzel des von oben herabströmenden Einflusses. Deshalb sind sie die beiden Ölbäume, deren Öl, das durch Zerstoßen hervorgebrachte Licht, die Menorah speist.

Absatz 21 in Kürze

Der Absatz erklärt die Ölbäume als das Werk der Läuterung der Funken: So wie durch das Zerstoßen bitterer Oliven Öl gewonnen wird, zieht die Unterwerfung der Sitra Achra G‑ttliches Licht herab.

Marei Mekomos

  1. 1
    כד אתכפייא סט״א · Zohar II, 128b

Die Selbstaufhebung des Willens ¶22–24

22והנה עיקר סבת המשכת בחי׳ גולה שעל ראשה הנ״ל הוא ע״י בטול רצון שהוא בחי׳ עבודה שלמעלה מהבחירה שע״פ שכל ודעת שבזה עושים המשכת הגולה שהוא בחי׳ הכתר ומקיף שלמעלה מהשכל.

Nun ist die Hauptursache für das Herabziehen der oben erwähnten Ebene der „Schale auf ihrer Spitze“ die Selbstaufhebung (Bittul) des Willens (Ratzon), die eine Ebene des Dienstes an G‑tt darstellt, die über einer auf Intellekt und Wissen beruhenden Wahl steht; denn dadurch bewirkt man das Herabziehen der Schale, die die Ebene der Krone (Keser) und des umfassenden [Lichts] darstellt, das über dem Intellekt steht.

Erklärung

Die „Schale auf ihrer Spitze“ (Keser, das umfassende Licht über dem Intellekt) wird hauptsächlich durch Bittul ha-Ratzon, die Selbstaufhebung des Willens, herabgezogen. Dies ist ein Dienst, der über jede durch Überlegung getroffene Wahl hinausgeht und daher eine Ebene erreicht, die selbst über dem Verstand liegt.

Absatz 22 in Kürze

Der Absatz benennt den menschlichen Dienst, durch den Keser herabgezogen wird: die Aufhebung des eigenen Willens, jenseits jeder vernunftgeleiteten Wahl.

23וביאור הענין כי הנה מבירורי רפ״ח נצוצים נעשה או״ח [אור חוזר] מלמטלמ״ע [מלמטה למעלה] עד רום המעלות שגם בחכמה סתימאה האור חוזר למעלה יותר.

Die Erklärung der Sache: Aus der Läuterung der 288 Funken wird reflektiertes Licht hervorgebracht, das von unten nach oben aufsteigt, bis zu den höchsten Höhen, sodass das Licht sogar in der verborgenen Weisheit (Chochmah) noch weiter nach oben zurückkehrt.

Erklärung

Durch die Läuterung der 288 Funken entsteht „reflektiertes Licht“, das von unten nach oben aufsteigt. Es steigt so hoch, dass es sogar die verborgene Weisheit (Chochmah) von Arich Anpin erreicht.

וזהו בקיעת שערות הראש ועי״ז נמשך אח״כ מלמעלה תוספת אור ושפע רב ונמשך למטה ע״י שערות דדיקנא שהם המשכה מלמעלמ״ט [מלמעלה למטה].

Und dies ist das Durchbrechen der Haupthaare. Dadurch wird anschließend von oben zusätzliches Licht und ein reicher Zustrom herabgezogen, der durch die Barteshaare nach unten fließt; sie bewirken eine Herabführung von oben nach unten.

Erklärung

Dieses aufsteigende Licht wird als ein Durchbrechen der Haupthaare dargestellt. Daraufhin steigen zusätzliches Licht und ein reicher Zustrom durch die „Barteshaare“ herab, die Kanäle des Flusses von oben nach unten.

Absatz 23 in Kürze

Der Absatz beschreibt den Kreislauf: Die Läuterung unten sendet Licht nach oben, und dadurch wird zusätzliches Licht von oben herabgezogen.

Vertiefung

In der Bildsprache des Zohar stehen die Haupthaare für den Aufstieg und der Bart von Arich Anpin mit seinen dreizehn „Mazalos“ [Kanälen] für die Kanäle, durch die Barmherzigkeit herabfließt.

24ולכן כל המצות מעשיות הם מבחי׳ נוגה כמו הצמר דציצית וקלף התפלין שע״י שמתבררים הנצוצין שבנוגה ע״י קיום המצוה נמשך תוספת אורות באצי׳ כנ״ל.

Daher stammen alle praktisch ausgeführten Mitzwot aus der Ebene von Nogah (Leuchten), etwa die Wolle der Tzitzis und das Pergament der Tefillin; denn wenn die Funken in Nogah durch die Erfüllung der Mitzvah geläutert werden, werden zusätzliche Lichter in die Welt der Emanation (Atzilus) herabgezogen, wie oben gesagt.

Erklärung

Die praktisch ausgeführten Mitzwot werden mit physischen Dingen aus der Hülle (Kelipah) von Nogah vollzogen, etwa mit der Wolle der Tzitzis und dem Pergament der Tefillin. Wenn man sie für eine Mitzvah verwendet, werden die darin enthaltenen Funken geläutert und zusätzliches Licht wird nach Atzilus gezogen.

אך הנה בחי׳ בטול הרצון יש בו מעלה יתירה ואתכפיא סט״א [סטרא אחרא] ביותר מצד בטול רצון הגוף בסתם שמבטל כל רצונותיו ויקבע בלבבו לילך אחרי ה׳.

Doch die Ebene der Selbstaufhebung (Bittul) des Willens hat einen zusätzlichen Vorzug, und die andere Seite (Sitra Achra) wird noch stärker bezwungen, weil der Wille des Körpers im Allgemeinen der Selbstaufhebung unterzogen wird: Man stellt alle seine Wünsche zurück und fasst in seinem Herzen den festen Entschluss, G‑tt zu folgen,

Erklärung

Die Selbstaufhebung des Willens geht weiter. Man stellt den Willen des Körpers als Ganzes zurück, nicht nur bei einer bestimmten Handlung, und fasst den Entschluss, G‑tt zu folgen; dadurch wird die Sitra Achra stärker bezwungen als durch irgendeine einzelne Mitzvah.

Absatz 24 in Kürze

Die Passage vergleicht die Mitzwot, die bestimmte Funken von Nogah läutern, mit der Selbstaufhebung des Willens, die die Sitra Achra umfassender bezwingt.

„Wer sich herabbeugt“: die zweite Deutung ¶25

25וכאלו אין לו שום רצון רק מה שירצה ה׳ זהו רצונו וזהו אתכפי׳ סט״א [סטרא אחרא] ממש ביתר שאת ויתר עז מבקיום מצוה אחת

Und es ist, als hätte er überhaupt keinen eigenen Willen; allein das, was G‑tt will, ist sein Wille. Dies ist das wirkliche Niederhalten der anderen Seite (Sitra Achra), mit größerer Erhabenheit und größerer Kraft als bei der Erfüllung eines einzigen Gebots (Mitzvah).

Erklärung

Als Abschluss des vorhergehenden Satzes beschreibt der Alter Rebbe die vollständige Selbstaufhebung des Willens: Ein Mensch hat keinen eigenen Willen außer dem, was G‑tt will. Dadurch wird die Sitra Achra machtvoller niedergehalten als durch die Erfüllung irgendeines einzelnen Gebots (Mitzvah).

וכך ההמשכה עי״ז הוא בחי׳ וגלה על ראשה. שהוא בחי׳ רעוא דכל רעוין דהיינו מקור כל הרצונות.

Und so ist die Herabziehung dadurch die Ebene von „einer Schale auf ihrer Spitze“; dies ist die Ebene des „Willens aller Willen“, das heißt die Quelle aller Willen.

Erklärung

Was dadurch herabgezogen wird, ist „die Schale auf ihrer Spitze“: Keser über Atzilus, der „Wille aller Willen“, die Quelle jedes einzelnen g‑ttlichen Willens.

משא״כ תרי״ג מצות הם תרי״ג ארחין שבגלגלתא דז״א שהוא עד״מ למטה בחי׳ פרטי הרצונות. אבל מקורן ושרשן הוא בחי׳ רעדכ״ר [רעוא דכל רעוין] וזה נמשך דוקא ע״י בטול רצון שבזה מתקשר לבעל הרצון ממש ובחי׳ בטול רצון זה נק׳ ארץ שמשים עצמו כעפר ממש.

Die 613 Mitzvos hingegen sind die 613 Pfade im Schädel der Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin); dies entspricht im unteren Bereich den einzelnen Willen. Ihre Quelle und Wurzel aber ist die Ebene des „Willens aller Willen“, und diese wird insbesondere durch die Selbstaufhebung (Bittul) des Willens herabgezogen, denn dadurch bindet man sich an den Meister des Willens selbst. Diese Ebene der Selbstaufhebung des Willens wird „Erde“ genannt, denn man macht sich wahrhaftig wie Staub.

Erklärung

Die 613 Mitzvos, die 613 Pfade im Haupt von Zeir Anpin, entsprechen im Vergleich den einzelnen Wünschen eines Menschen. Ihre Wurzel, der Wille aller Willen, wird nur erreicht, wenn man den eigenen Willen zurückstellt; dadurch bindet man sich an den Meister des Willens selbst. Diese Selbstaufhebung wird „Erde“ genannt, denn man macht sich wie Staub.

(ושמים היינו מקיף זהו בחי׳ אהבת בכל מאדך בלי גבול ממש שעי״ז ממשיכים להיות מקור ההמשכה מהמאציל בנאצלים. היינו שעושים בחי׳ הגולה וכו׳. וגם המוצקות שהם הכל למעלה מהשכל)

(Und „Himmel“ bedeutet das Umgebende [Licht]: Dies ist die Ebene der Liebe „mit deiner ganzen Me'od (Macht)“, wahrhaftig ohne Grenze, durch die man [das Licht] herabzieht, sodass es zur Quelle des Flusses vom Emanierenden zu den Emanierten wird; das heißt, man bewirkt die Ebene der Schale usw. und auch die Röhren, die alle über dem Intellekt stehen.)

Erklärung

In einer Klammer wird „Himmel“ als das Umgebende Licht bestimmt, das durch die Liebe „mit deiner ganzen Me'od“ (Deuteronomium 6:5) erreicht wird. Me'od bedeutet „sehr viel“: eine wahrhaft unbegrenzte Liebe, die ebenso wie die Selbstaufhebung des Willens über dem Intellekt steht und die Schale und die Röhren herabzieht. In Likkutei Torah, Emor erklärt der Alter Rebbe Me'od ebenfalls als „ohne Grenze“: die Unendlichkeit über den Gefäßen, die durch die Mitzvos herabgezogen wird.

וזהו המשפילי לראות בשמים ובארץ. שע״י שמים וארץ שבבחי׳ זו נעשה ההשפלה מא״ס ממש להיות נמשך כתר לאצי׳.

Und dies ist „Der sich herablässt, um auf Himmel und Erde zu schauen“: Durch den Himmel und die Erde dieser Ebene findet das Herablassen des Unendlichen (Ein Sof) selbst statt, sodass Keser nach Atzilus herabgezogen wird.

Erklärung

Dies gibt eine zweite Lesart von „Der sich herablässt, um auf Himmel und Erde zu schauen“: Durch diesen „Himmel“ – die grenzenlose Liebe – und diese „Erde“ – die Selbstaufhebung des Willens – lässt der Unendliche selbst sich herab, sodass Keser nach Atzilus herabgezogen wird. Hier sind Himmel und Erde die Ursache des Herablassens.

ואח״כ ע״י תומ״צ [תורה ומצות] נעשה התלבשות האור מהכתר בתרי״ג ארחין דז״א. ורמ״ח איברין דמלכא כו׳. וזהו פי׳ המשפילי בתוך שמים וארץ שהם זו״נ [זעיר אנפין ונוקבא] דאצי׳.

Danach bewirken Torah und Mitzvos, dass sich das Licht aus Keser in die 613 Pfade von Zeir Anpin einkleidet und [in] „die 248 Glieder des Königs …“. Und dies ist die Erklärung von „Der sich herablässt“ innerhalb von Himmel und Erde, die Zeir Anpin und das weibliche Gegenstück (Nukva) von Atzilus sind.

Erklärung

Danach bringen Torah und Mitzvos das Licht aus Keser in die 613 Pfade von Zeir Anpin und in „die 248 Glieder des Königs“, die 248 positiven Mitzvos. Dies entspricht der ersten Lesart, nach der G‑tt sich in Himmel und Erde herablässt, also in Zeir Anpin und Nukva.

(וכמ״ש בכהאר״י [בכתבי האר״י] ז״ל [זכרונו לברכה / זכרונם לברכה] שלהמשיך יחוד או״א [אבא ואימא] הוא ע״י מס״נ [מסירות נפש] ויחוד זו״נ [זעיר אנפין ונוקבא] הוא ע״י תורה ומצות. וב׳ המשכות אלו זהו ב׳ פירושים שנתבאר כאן בענין המשפילי לראות בשמים ובארץ. וכמ״ש במ״א שיש שמים וארץ עילאין. ויש שמים וארץ תתאין).

(Wie in den Schriften des seligen Arizal geschrieben steht: Die Einheit von Vater und Mutter (Abba und Imma) wird durch die Selbstaufopferung (Mesirus Nefesh) herabgezogen, und die Einheit von Zeir Anpin und Nukva durch Torah und Mitzvos. Diese beiden Herabziehungen entsprechen den beiden Erklärungen, die hier zu „Der sich herablässt, um auf Himmel und Erde zu schauen“ gegeben werden. Wie an anderer Stelle erklärt wird, gibt es einen höheren Himmel und eine höhere Erde sowie einen unteren Himmel und eine untere Erde.)

Erklärung

Die Klammer zitiert den Arizal: Die höhere Einheit von Abba und Imma (Weisheit (Chochmah) und Verständnis (Binah)) wird durch Selbstaufopferung bewirkt, während die Einheit von Zeir Anpin und Nukva durch Torah und Mitzvos zustande kommt. Diese entsprechen den beiden Lesarten des Verses, die von einem höheren und einem unteren „Himmel und Erde“ sprechen. In Likkutei Torah, Emor führt der Alter Rebbe dies ebenfalls ausgehend von Etz Chaim an und leitet daraus die praktische Folgerung ab: Selbst jemand, dessen Beschäftigung das Torastudium ist, unterbricht es, um das Schema zu sprechen.

וזהו ענין מה שארז״ל [שאמרו רבותינו זכרונם לברכה] למה קדמה שמע לוהיה אם שמוע שיקבל עליו עומ״ש [עול מלכות שמים] תחלה ואח״כ יקבל עליו עול מצות כי בפ׳ שמע נאמר בכל מאדך והיא בחי׳ שמים לפי׳ הב׳.

Und dies ist die Bedeutung dessen, was unsere seligen Weisen sagten: Warum geht [der Abschnitt] Schema dem Abschnitt „Und es wird sein, wenn ihr hört“ voraus? Damit man zuerst das Joch der Königsherrschaft des Himmels auf sich nimmt und danach das Joch der Mitzvos. Denn im Abschnitt Schema heißt es „mit deiner ganzen Kraft“, und dies ist gemäß der zweiten Erklärung die Ebene des „Himmels“.

Erklärung

Die Mischna fragt, warum das Schema vor dem Abschnitt „Und es wird sein, wenn ihr hört“ gesprochen wird: damit man zuerst das Joch der Königsherrschaft des Himmels und danach das Joch der Mitzvos auf sich nimmt. Das „mit deiner ganzen Kraft“ im Schema ist die grenzenlose Liebe, die in der zweiten Lesart „Himmel“ genannt wird.

וגם מארז״ל [מאמר רבותינו זכרונם לברכה] בכל מדה שמודד לך הוי מודה לו במאד מאד זהו בחי׳ ארץ בטול רצון.

Und auch das, was unsere Weisen seligen Angedenkens sagten: „Für jedes Maß (middah), das Er dir zuteilt (moded), danke (modeh) Ihm überaus (bim’od me’od)“: Dies ist die Ebene (Bechinah) der „Erde“, die Selbstaufhebung (Bittul) des Willens.

Erklärung

Die Mischna liest „mit all deinem me’od“ als: „Für jedes Maß (middah), das Er dir zuteilt (moded), danke (modeh) Ihm sehr (bim’od me’od)“: middah, moded und modeh klingen alle an me’od an. Alles, was G‑tt sendet, dankbar anzunehmen, ist die Selbstaufhebung des Willens, die „Erde“ genannt wird.

וכ״ז [וכל זה] נקרא קבלת עומ״ש [עול מלכות שמים] פי׳ מלכות דא״ס שנק׳ מלכות שמים בחי׳ מקיף שעי״ז נמשך וגלה על ראשה כו׳ שנעשה עתיק לאצילות

Und all dies wird die Annahme des Jochs (Kabbalas Ol) der Königsherrschaft des Himmels genannt, das heißt die Königsherrschaft (Malchus) des Unendlichen (Ein Sof), die „Königsherrschaft des Himmels“ genannt wird, die Bechinah des umfassenden [Lichts], durch das „und eine Schale auf ihrer Spitze …“ herabgezogen wird, sodass sie zu Atik für die Welt der Emanation (Atzilus) wird.

Erklärung

Zusammengenommen nennt man all dies Kabbalas Ol, die Annahme des Jochs der Königsherrschaft des Himmels. Mit der „Königsherrschaft des Himmels“ ist Malchus des Unendlichen (Ein Sof) gemeint, ein umfassendes Licht. Durch dieses wird „die Schale auf ihrer Spitze“ herabgezogen, und Malchus des Unendlichen wird zu Atik für Atzilus.

ואח״כ והיה אם שמוע הוא המשכת האור בכלים ע״י המצות בתוך שמים וארץ כנ״ל:

Und danach ist „Und es wird geschehen, wenn ihr hört“ die Herabziehung des Lichts in die Gefäße durch die Mitzvos, innerhalb von Himmel und Erde, wie oben gesagt.

Erklärung

Erst danach zieht „Und es wird geschehen, wenn ihr hört“ – die Beobachtung der Mitzvos – das Licht in die Gefäße herab, innerhalb von Himmel und Erde, also in die Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) und das weibliche Gegenstück (Nukva).

Absatz 25 in Kürze

Der Absatz führt die zweite Lesart des Verses zu Ende: Die grenzenlose Liebe („Himmel“) und die Selbstaufhebung des Willens („Erde“) ziehen den Unendlichen als Keser über Atzilus herab; die Mitzvos bringen dieses Licht anschließend in die Gefäße. Deshalb geht das Schema dem Joch der Mitzvos voraus.

Vertiefung

Die beiden Stufen entsprechen den beiden Einheiten des Arizal: Abba und Imma durch Selbstaufopferung im Schema, und Zeir Anpin und Nukva durch Torah und Mitzvos. Eine Parallele in Likkutei Torah, Emor erklärt, warum selbst jemand, dessen Beschäftigung das Torastudium ist, für das Schema innehält. Die Anmerkung von Kehot nennt als Quelle des Arizal Etz Chaim, Sha'ar 39, derushim 10-11, sowie Pri Etz Chaim, Sha'ar Nefilas Apayim.

Marei Mekomos

  1. 1
    בכל מאדך · Deuteronomy 6:5
  2. 2
    המשפילי לראות בשמים ובארץ · Psalms 113:6
  3. 3
    וכמ״ש בכהאר״י ז״ל · בד״ה חביב אדם תש״ג ע׳ קסח נסמן לע״ח. וכ״ה גם בלקו״ת אמור לג, ג ובכ״מ. ובדרך מצותיך מצות קדוש השם נסמן לפע״ח שער נפ״א פ״ד ה, ו. וראה ג״כ ע״ח שט״ל דרוש י׳ יא. לקו״ת נשא כב, א. אמור לב, ד ובכ״מ (כ״ק אדמו״ר זי״ע בספר המאמרים תש״ג שם).
  4. 4
    למה קדמה שמע לוהי׳ · Berakhot 13a:21
  5. 5
    בכל מדה שמודד לך · Berakhot 54a:6
  6. 6
    והיה אם שמוע · Deuteronomy 11:13

„Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens“ ¶26–27

26וזהו כי עמך מקור חיים. פי׳ בחי׳ המל׳ שבעולם האצי׳ שנעשה עתיק לבי״ע נק׳ מקור חיים דבי״ע שהכתר הוא מקור ושרש כו׳.

Und dies ist: „Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens.“ Das heißt: Die Ebene der Königsherrschaft (Malchus) in der Welt der Emanation (Atzilus), die für die Welt der Schöpfung (Beriah), die Welt der Formung (Yetzirah) und die Welt des Handelns (Asiyah) zu Atik wird, heißt die Quelle des Lebens von Beriah, Yetzirah und Asiyah; denn die Krone (Keser) ist Quelle und Wurzel …

Erklärung

Der Maamar kehrt zu seinem Eingangsvers zurück: „Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens.“ Malchus von Atzilus, das für die unteren Welten Beriah, Yetzirah und Asiyah zu Atik (dem inneren Keser) wird, ist deren „Quelle des Lebens“, da Keser die Wurzel jeder Welt ist.

והוא באמת רק בחי׳ עמך טפל ובטל לבחי׳ עצמות האצילות. ולכן לא נאמר כי אתה רק כי עמך

Doch in Wahrheit ist dies nur die Ebene des „bei Dir“: Sie ist der Ebene des Wesens von Atzilus nachgeordnet und ihr gegenüber in Selbstaufhebung. Deshalb heißt es nicht: „Denn Du bist“, sondern nur: „Denn bei Dir“.

Erklärung

Diese Quelle ist nur „bei Dir“: Sie ist dem Wesen von Atzilus – seiner untersten Ebene – nachgeordnet und ihm gegenüber in Selbstaufhebung. Darum sagt der Vers „bei Dir“ und nicht, dass „Du“ die Quelle des Lebens bist.

וכן למעלה יותר מל׳ דא״ק [דאדם קדמון] היא מקור חיים דאצי׳ שהרי נעשה עתיק לאצי׳ והיא בחי׳ עמך טפל ובטל למהות ועצמות א״ק [אדם קדמון] וזהו המגביהי לשבת כו׳.

Und ebenso ist, noch höher, Malchus von Adam Kadmon die Quelle des Lebens von Atzilus, da es für Atzilus zu Atik wird; auch dies ist die Ebene des „bei Dir“, dem Wesen und der Essenz von Adam Kadmon nachgeordnet und ihnen gegenüber in Selbstaufhebung. Und dies ist: „Der hoch oben thront …“

Erklärung

Noch höher oben ist Malchus von Adam Kadmon die Quelle des Lebens von Atzilus; doch auch sie ist nur „bei Dir“ und dem Wesen von Adam Kadmon gegenüber in Selbstaufhebung. Dies ist „Der hoch oben thront“ (Psalmen 113:5): Das Wesen bleibt erhaben, und nur seine unterste Ebene wird zur Quelle der darunterliegenden Ebene.

אך פי׳ המשפילי לראות בשמים ובארץ כפי שני פירושים הנ״ל. היינו שעי״ז ממשיכים תוספת אור ממהות ועצמות האור שבא״ק [שבאדם קדמון] שיומשך בבחי׳ הגולה שעל ראשה.

Doch die Erklärung von „Der sich herabbeugt, um Himmel und Erde zu schauen“ ist, den beiden oben angeführten Deutungen entsprechend, dass man dadurch zusätzliches Licht aus dem Wesen und der Essenz des Lichts in Adam Kadmon herabzieht, damit es in die Ebene der „Schale auf ihrer Spitze“ herabgezogen wird.

Erklärung

„Der sich herabbeugt, um Himmel und Erde zu schauen“ bedeutet in beiden Deutungen, dass der Dienst des Menschen zusätzliches Licht aus dem eigentlichen Wesen von Adam Kadmon in die „Schale auf ihrer Spitze“ herabzieht. So steigt mehr herab als nur die üblicherweise unterste Ebene.

(ולכן הגולה עם שהיא כמו גולת הכותרת ומקיף הרי היא כמו בחי׳ מקבל כדפירש״י [כדפירש רש״י] בזכריה שם כמו ספל שבו השמן היינו שמעצמות האור דא״ק [דאדם קדמון] יומשך תוספת אור בגולה זו):

(Deshalb gleicht die Schale, obwohl sie wie eine „Schale des Kapitells“ und wie etwas Umfassendes ist, dennoch einem Empfänger, wie Raschi dort in Sacharja erklärt: Sie ist wie ein Becken, das das Öl enthält. Das heißt, aus der Essenz des Lichts von Adam Kadmon wird zusätzliches Licht in diese Schale herabgezogen.)

Erklärung

Damit wird erklärt, warum die Schale, obwohl sie eine Krone ist, die umschließt, zugleich ein Empfänger ist. Raschi verbindet Gulah (Schale) mit Gulos (Quellen) und beschreibt sie in Sacharja als ein Becken, das das Öl enthält; hier empfängt sie das zusätzliche Licht aus der Essenz von Adam Kadmon.

Absatz 26 in Kürze

Der Absatz wendet die Analyse auf den Eingangsvers an: Die Quelle des Lebens jeder Welt ist nur die unterste Ebene – das „bei Dir“ – der darüberliegenden Welt. Durch den Dienst des Menschen wird jedoch zusätzliches Licht aus dem Wesen selbst in die Schale herabgezogen.

Marei Mekomos

  1. 1
    כי עמך מקור חיים · Psalms 36:10
  2. 2
    המגביהי לשבת · Psalms 113:5
  3. 3
    כדפירש״י בזכריה שם כמו ספל שבו השמן · Rashi on Zechariah 4:2

27וזהו באורך נראה אור. פי׳ באורך לנוכח היינו כמו בחי׳ אתה ולא בחי׳ עמך שיומשך מעצמות האור דא״ק [דאדם קדמון] להיות נראה האור באבי״ע [באצילות בריאה יצירה עשיה] כנ״ל

Dies ist es also: „In Deinem Licht sehen wir Licht.“ „Dein Licht“ ist eine direkte Anrede, das heißt, es ist wie die Ebene des „Du“ und nicht die des „mit Dir“: Aus dem Wesen des Lichts von Adam Kadmon wird Licht herabgezogen, sodass es in der Welt der Emanation (Atzilus), der Welt der Schöpfung (Beriah), der Welt der Formung (Yetzirah) und der Welt des Handelns (Asiyah) sichtbar wird, wie oben gesagt.

Erklärung

„In Deinem Licht sehen wir Licht“ richtet sich unmittelbar an G‑tt („Dein“); dies weist auf die Ebene des „Du“, das Wesen, hin und nicht lediglich auf die Ebene des „mit Dir“. Der Maamar liest nir'eh als „wird gesehen“: Das zusätzliche Licht aus dem Wesen von Adam Kadmon wird in allen vier Welten sichtbar – Atzilus, Beriah, Yetzirah und Asiyah.

וגם נראה אנחנו שבבחי׳ זו נהיה חשובים כנ״ל בפי׳ השקיפה כו׳. וברך את עמך כו׳:

Und auch: „Wir werden gesehen (nir'eh)“ – das heißt, auf dieser Ebene werden wir als bedeutend gelten, wie oben bei der Erklärung von „Blicke herab …“ gesagt. „Und segne Dein Volk …“

Erklärung

„Wir sehen“ lässt sich auch als „wir werden gesehen“ lesen: Auf dieser Ebene wird Israel als bedeutend angesehen. Das knüpft an „Blicke herab … und segne Dein Volk Israel“ (Absatz 18) an und schließt den Maamar ab.

Absatz 27 in Kürze

Der Schlussabsatz deutet den restlichen Teil des Eröffnungsverses: Durch den beschriebenen Dienst wird Licht aus dem Wesen selbst in allen Welten offenbart, und Israel wird als kostbar angesehen.

Marei Mekomos

  1. 1
    וזהו באורך נראה אור · בלקו״ת יוה״כ עא, ב מציין לכאן.
  2. 2
    באורך נראה אור · Psalms 36:10
  3. 3
    השקיפה כו׳. וברך את עמך · Deuteronomy 26:15

Den Maamar abgeschlossen?

Markieren Sie ihn als gelernt; er zählt zum Siyum dieser Woche und des Jahres.

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In der eigenen Avodah

Die mitzvos eines Menschen ziehen Licht in Atzilus und läutern die Funken aus Nogah. Doch dem Joch der mitzvos geht das Joch der Königsherrschaft des Himmels voraus: G‑tt „mit all deiner Kraft“ grenzenlos zu lieben und den eigenen Willen ganz zurückzustellen, sich zu Staub zu machen und G‑tt für alles zu danken, was Er sendet. Das erreicht den Willen aller Willen und zieht Licht aus dem Wesen selbst herab.

Fragen zum Gespräch

  1. Worin besteht der Unterschied zwischen den Tefillin als Gegenstand und dem Akt, sie anzulegen, und wie wendet der Maamar dies auf G‑ttes „Tefillin“ an?
  2. Wie beantwortet der Gedanke, dass die Gefäße „eine eigene Wurzel“ haben, die Frage, die durch „alles ist von Dir“ aufgeworfen wird?
  3. Warum ist die Selbstaufhebung des Willens eine größere Unterwerfung der anderen Seite (Sitra Achra) als jede einzelne mitzvah?
  4. Wie entsprechen die beiden Deutungen von „Wer sich herabbeugt, um Himmel und Erde zu betrachten“ der Reihenfolge von Schema und „Und es wird sein, wenn ihr hören werdet“?
  5. Welche Bedeutung hat es, dass der Vers „bei Dir“ statt „Du“ sagt: „Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens“?

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Inhaltsverzeichnis

Torah Ohrתורה אור

Parshas Mikeitzמקץ

  1. 1ויהי מקץ שנתים ימים ופרעה חולם…
  2. 2ויהי מקץ שנתים ימים ופרעה חלם…
  3. 3ענין חנוכהDas Thema Chanukah
  4. 4ת״ר מצות נר חנוכה כו׳
  5. 5כי עמך מקור חיים באורך נראה…
  6. 6ביאור על הנ״לEine Erklärung des Vorangegangenen
  7. 7רני ושמחי בת ציון כו׳„Singe und freue dich, Tochter Zion“
  8. 8קצת ביאור על זהEine kurze Erklärung dazu
  9. 9רני ושמחי בת ציון כי הנני…
  10. 10ביאור על הנ״לEine Erklärung des Vorangehenden: „Singe und freue dich, Tochter Zion“
  11. 11מי כה׳ אלקינו המגביהי לשבת המשפילי…
  12. 12ביאור על הנ״לEine Erklärung des Vorangehenden
  13. 13כי אתה נרי ה׳ והוי״ה יגיה…Denn du bist meine Leuchte, Havayah
  14. 14ביאור על פסוק כי אתה נרי…
  15. 15נר חנוכה מצוה להניחה כו׳ משמאל,…Die Chanukka-Lampe: eine Mitzvah, sie auf der linken Seite aufzustellen
  16. 16ביאור על הנ״ל