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Torah Ohr · Parshas Mikeitz · Maamar 15

נר חנוכה מצוה להניחה כו׳ משמאל, כדי שתהא…

Die Chanukka-Lampe: eine Mitzvah, sie auf der linken Seite aufzustellen

  • 39 Absätze · 102 Abschnitte
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Kerngedanke

Die Mezuzah auf der rechten Seite steht für den Aufstieg von unten, „eine Mitzvah ist eine Lampe“; die Chanukka-Lampe auf der linken Seite ist das von oben herabgezogene Licht der Torah. Der Aufstieg zieht das Licht herab und trägt es sogar in die dunkelsten Orte, sodass die Finsternis selbst in Licht verwandelt wird.

Der Maamar in Kürze

Warum steht die Chanukka-Lampe auf der linken Seite und die Mezuzah auf der rechten? Der Maamar beginnt mit der Schöpfung. Die Materie der Dinge ging aus der Rede G‑ttes hervor, den zehn Aussprüchen, die, wie der Name eines Königs über seinem Land, nur einen Lichtschein offenbaren und so ein eigenständiges „Etwas“ bestehen lassen; ihre Form ging aus Seinem Willen hervor, der niemals ausgesprochen wurde. Die 120 Kombinationen des Namens, der g‑ttliche Strenge bezeichnet (Elokim), verbergen G‑tt, sodass die Welt unabhängig zu sein scheint; doch der unaussprechliche g‑ttliche Name (Havayah) herrscht über sie und kann die Natur verändern. Ziel der Schöpfung ist, dass das „Etwas“ zur Selbstaufhebung (Bittul) gelangt und die Herrlichkeit G‑ttes unten offenbart wird. Dies geschieht, wenn ein Mensch Bitteres in Süßes verwandelt: Der Aufstieg von unten, „eine Mitzvah ist eine Lampe“, zieht herab: „Die Torah ist Licht.“ Die Buchstaben der Rede, des Gebets und der Torah wurzeln oberhalb des Verstandes, in der Krone (Keser). So wie Luft (Avir: Or, „Licht“, mit einem verborgenen Yud) eine Flamme leuchten lässt, reichen die Mitzvos, die alle Tzedakah [Wohltätigkeit] genannt werden, bis zu dieser Wurzel und lassen das Licht der Torah leuchten. Deshalb steht die Mezuzah, der Aufstieg, auf der rechten Seite und die Chanukka-Lampe, das Licht der Torah, auf der linken Seite; sie reicht sogar bis zu den „Bergen der Trennung“, wo die Finsternis zu Licht wird.

Gliederung

  1. Die Frage: Warum auf der linken Seite?Die Chanukka-Lampe steht auf der linken Seite, damit die Mezuzah auf der rechten Seite ist; warum befinden sie sich nicht auf derselben Seite? Die Antwort beginnt mit zwei Versen: Die Schöpfung durch G‑ttes Willen und die Schöpfung durch Sein Wort.¶1
  2. Materie aus der Rede, Form aus dem WillenDie Materie der Dinge ging aus den zehn Aussprüchen hervor, etwas aus nichts; ihre Form ging aus G‑ttes Willen hervor. Die Rede offenbart, wie der Name eines Königs, nur einen Lichtschein, sodass die Welt als „Etwas“ bestehen kann, dessen Ziel es ist, sich aufzuheben.¶2–6
  3. Havayah über ElokimVor G‑tt ist alles wie nichts. Die 120 Kombinationen von Elokim verhüllen G‑tt, sodass die Welt getrennt zu sein scheint; doch der Wille Havayahs herrscht über sie und über die Natur, wie damals, als das Meer floh.¶7–10
  4. Bitteres in Süßes verwandelnDie Betrachtung wendet das Herz von den Genüssen der Welt, die aus den Kelipos [Hüllen] schöpfen, zu Freude an G‑tt, wie bei den Opfern und im Gebet. Dieser Aufstieg, „eine Mitzvah ist eine Lampe“, zieht herab: „Die Torah ist Licht.“¶11–16
  5. Die Wurzel der BuchstabenBuchstaben werden nicht vom Mund hervorgebracht, sondern wurzeln in der Seele, in der Chayah [der überbewussten Seelenkraft]. Die Buchstaben des Gebets werden durch Metatron [den Engel Metatron] zu ihrer Wurzel in der Krone (Keser) emporgehoben und ziehen einen neuen Willen oberhalb der Weisheit (Chochmah) herab.¶17–23
  6. Die Torah, das Gleichnis des Ur-EinenDie Buchstaben der Torah wurzeln oberhalb ihrer Weisheit. Alle Ebenen sind nur Gleichnisse für das unendliche Licht (Or Ein Sof) selbst; der Mensch zieht die Torah von dort herab, doch „Licht“ ist sie nur durch die Lampe der Mitzvah.¶24–30
  7. Luft, die Quelle des LichtsEine Flamme braucht Luft; Avir ist Or mit einem verborgenen Yud. Die Mitzvos, die Tzedakah genannt werden, reichen bis zu dieser Wurzel und lassen das Licht der Torah leuchten; Torah ohne Güte entbehrt ihres Lichts.¶31–35
  8. Mezuzah rechts, Chanukka-Lampe linksDie Mezuzah hebt das Haus zu G‑tt empor; die Chanukka-Lampe zieht das Licht der Torah herab, sogar in den öffentlichen Bereich, den Bereich der Trennung. Der Aufstieg auf der rechten Seite verwandelt die Finsternis auf der linken Seite in Licht, und dies erhält die Welt.¶36–39

Schlüsselbegriffe

Materie und Formחומר וצורה
Materie ist das, was ein Ding im Allgemeinen ausmacht; Form ist seine besondere Gestalt. Im Maamar geht die Materie aus G‑ttes Rede und die Form aus Seinem Willen hervor, der niemals ausgesprochen wurde.
Etwas aus nichtsיש מאין
Schöpfung durch einen bloßen Lichtschein, G‑ttes „Name“, der die Welt als eigenständiges „Etwas“ bestehen lässt; ihr Ziel ist, dass das „Etwas“ sich im „Nichts“ aufhebt.
Havayah und Elokimהוי׳ ואלקים
Elokim ist der Name der Einschränkung und Verhüllung, durch die die Natur besteht; Havayah ist die Offenbarung des unendlichen Lichts, die über Elokim herrscht und die Natur verändern kann.
Finsternis in Licht verwandelnאתהפכא חשוכא לנהורא
Das Ziel, dass die physische Welt selbst und sogar der Ort größter Verhüllung G‑ttes Licht offenbaren.
Eine Mitzvah ist eine Lampe, die Torah ist Lichtנר מצוה ותורה אור
Die Mitzvah ist der Aufstieg von unten; die Torah ist das von oben herabgezogene Licht. Das Licht der Torah leuchtet nur durch die Lampe der Mitzvah.
Buchstabenאותיות
Kanäle, durch die etwas herabgezogen wird und die oberhalb des Verstandes in Keser wurzeln; sie kleiden die Weisheit wie ein Gewand ein und steigen in Gedanken und Rede herab.
Avir (Luft)אויר
Or (Licht) mit einem verborgenen Yud: die verhüllte Quelle des Lichts. Die Mitzvos reichen bis zu dieser Ebene und lassen das Licht der Torah leuchten, so wie Luft eine Flamme leuchten lässt.
Der Berg der Trennungטורא דפרודא
Der Bereich der Spaltung und Verhüllung, das „Viele“ des öffentlichen Bereichs, in den die Chanukka-Lampe das Licht der Torah herabzieht.

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Die Frage: Warum auf der linken Seite? ¶1

1נר חנוכה מצוה להניחה כו׳ משמאל, כדי שתהא מזוזה מימין ונ״ח משמאל. וצ״ל הטעם שאין הנ״ח ג״כ מימין כמו המזוזה.

„Die Chanukah-Lampe: Es ist eine Mitzvah, sie … aufzustellen“ usw., „auf der linken Seite, damit die Mezuzah rechts und die Chanukah-Lampe links ist.“ Und es ist zu erklären, warum die Chanukah-Lampe nicht ebenfalls rechts steht, wie die Mezuzah.

Erklärung

Der Talmud legt fest, dass die Chanukah-Lampe an der Türöffnung auf der linken Seite aufgestellt wird, sodass sie der Mezuzah auf der rechten Seite gegenübersteht. Der Maamar fragt, warum beide nicht auf derselben Seite angebracht sind; seine Antwort, die am Ende gegeben wird, lautet, dass die Mezuzah einen Aufstieg von unten darstellt, während die Chanukah-Lampe das von oben herabgezogene Licht der Torah ist. Der Tzemach Tzedek (Sefer HaMaamarim, Hanachos 5614–5615, p. 37, in der Kehot-Anmerkung) stellt zu diesem Gesetz eine weitere Frage: Warum befindet sich die Chanukah-Lampe links, wenn die Menorah im Tempel ausdrücklich im Süden stand?

אך יובן בהקדים ביאור מ״ש כל אשר חפץ ה׳ עשה. וכתיב בדבר ה׳ שמים נעשו.

Doch dies wird verständlich, wenn zunächst erklärt wird, was geschrieben steht: „Alles, was Havayah wollte, das tat Er“; und es steht geschrieben: „Durch das Wort Havayahs wurden die Himmel geschaffen.“

Erklärung

Bevor der Maamar antwortet, stellt er zwei Verse einander gegenüber: Der eine sagt, dass G‑tt die Dinge durch Seinen Willen erschuf, der andere, dass die Himmel durch Sein Wort geschaffen wurden. Der Unterschied zwischen dem Erschaffen durch den Willen und dem Erschaffen durch das Sprechen bildet die Grundlage für alles Folgende.

Absatz 1 in Kürze

Der Maamar eröffnet mit der Halacha, dass die Chanukah-Lampe links und die Mezuzah rechts steht, und fragt nach dem Grund. Seine Antwort beginnt mit dem Gegensatz zweier Arten, wie G‑tt erschafft: durch Seinen Willen und durch Sein Wort.

Vertiefung

Die Kehot-Anmerkung hält fest, dass der hier verwendete Wortlaut „damit die Mezuzah rechts und die Chanukah-Lampe links ist“ der Lesart des Rif, des Rambam und des Shulchan Aruch folgt; der gedruckte Talmud nennt die beiden in umgekehrter Reihenfolge.

Marei Mekomos

  1. 1
    נר חנוכה · בבוך 284 רשום: תק״ע. ראה לעיל בציונים לכ״ק אדמו״ר זי״ע. המאמר עם הגהות באוה״ת בראשית כרך ה תתקמד, ב. הערות תתקנב, א. ובכרך ז תתתנו, ב. תתתנח, ב (כנראה קיצורים). חלק באוה״ת נ״ך כרך א ע׳ תקסח ובאוה״ת נ״ך כרך ג ע׳ א׳שנו. ראה דרך מצותיך מצות נר חנוכה עד, ב. סה״מ תרכ״ט (הוצאת תשנ״ב) ע׳ טז. וראה גם ד״ה ת״ר נ״ח תרמ״ג.
  2. 2
    נר חנוכה מצוה להניחה · Shabbat 22a:2–3
  3. 3
    מזוזה מימין ונר חנוכה משמאל · כגירסת הרי״ף והרמב״ם הל׳ חנוכה פ״ד ה״ז ובשו״ע או״ח סי׳ תרעא. וראה בסה״מ הנחות תרי״ד תרט״ו ע׳ לז שהקשה הלא המנורה היתה בדרום דוקא למה נר חנוכה משמאל. ע״ש.
  4. 4
    מזוזה מימין ונ״ח משמאל · Mishneh Torah, Scroll of Esther and Hanukkah 4:7
  5. 5
    מזוזה מימין ונ״ח משמאל · Shulchan Arukh, Orach Chayim 671:7
  6. 6
    אך יובן בהקדים ביאור · ראה אוה״ת נ״ך ע׳ תקסט.
  7. 7
    כל אשר חפץ ה׳ עשה · Psalms 135:6
  8. 8
    בדבר ה׳ שמים נעשו · Psalms 33:6
  9. 9
    והנה החומר נברא בדבר ה׳ · באוה״ת חנוכה כרך ה תתקנג, א יש הערה לכאן. ובד״ה ויגש אליו תרמ״ד ע׳ רט עם הגהות. ובמאמרי הצ״צ הנחות תרי״ד תרט״ו ע׳ לז. המאמר הוא משנת תק״ע. ראה ברשימת המאמרים שם.

Materie aus der Rede, Form aus dem Willen ¶2–6

2ובע״מ [ובעשרה מאמרות] נברא העולם שהיו מאמר ודבור. ולא נברא בחפץ ורצון בלבד. והענין כי הנה נודע שלכל הדברים יש חומר וצורה שהחומר הוא ענין הדבר ההוא בכללות דהיינו להיות שמים או ארץ או שמש וירח.

Und „mit zehn Aussprüchen wurde die Welt erschaffen“: Diese waren Ausspruch und Rede; sie wurde nicht allein durch Verlangen und Willen erschaffen. Die Erklärung: Es ist bekannt, dass alle Dinge Materie und Form haben. Die Materie ist das, was dieses Ding im Allgemeinen ausmacht, das heißt, dass es Himmel oder Erde, Sonne oder Mond ist.

Erklärung

Die Mischna in Avos lehrt, dass die Welt mit zehn Aussprüchen erschaffen wurde; der Maamar betont, dass diese Rede waren und nicht allein Verlangen. Um zu erklären, warum, führt er die klassische Unterscheidung zwischen Materie und Form an: Die Materie ist das, was ein Ding im Allgemeinen ausmacht – dass es Himmel oder Erde, Sonne oder Mond ist.

והצורה הוא כל ציור וכל תמונה במראה ושטח שיש לכל דבר בדמותו בצלמו על איזה אופן נעשה

Die Form aber ist jede Gestalt und jede Figur, im Aussehen und in der Oberfläche, die jedes Ding „in seiner Ähnlichkeit, nach seinem Bild“ hat: die Weise, in der es geschaffen wurde,

Erklärung

Die Form ist die besondere Gestalt und das Aussehen eines Dinges, die genaue Weise, in der es geschaffen wurde. Die Formulierung „in seiner Ähnlichkeit, nach seinem Bild“ klingt an die Worte der Tora über den Sohn Adams an, der „in seiner Ähnlichkeit, nach seinem Bild“ geboren wurde.

כמו השמים והארץ הם כדורים ומן הארץ לרקיע כו׳ והשמש והירח הם גלגלים מאירים כו׳. וכן עד״ז בכל דבר נברא.

wie zum Beispiel Himmel und Erde Kugeln sind und [der Abstand] von der Erde bis zum Firmament usw.; und Sonne und Mond leuchtende Sphären sind usw. Und ebenso verhält es sich auf diese Weise mit jedem geschaffenen Ding.

Erklärung

Die Beispiele stützen sich auf die Beschreibung des Kosmos durch die Weisen: Himmel und Erde sind Kugeln, der Abstand von der Erde bis zum Firmament entspricht einem festen Maß – der Talmud gibt ihn mit einer Reise von fünfhundert Jahren an –, und Sonne und Mond sind leuchtende Sphären. Ebenso hat jedes geschaffene Ding seine eigene besondere Form.

Absatz 2 in Kürze

Der Absatz führt Materie und Form ein: Die Materie ist das, was ein Ding im Allgemeinen ausmacht, die Form seine besondere Gestalt. Dies bereitet die Aussage vor, dass die Materie aus der Rede G‑ttes und die Form aus Seinem Verlangen hervorgeht.

Vertiefung

Die Anmerkungen von Kehot verweisen auf Maimonides, der geschaffene Dinge ebenfalls als aus Materie und Form zusammengesetzt beschreibt, sowie auf den Jerusalemer Talmud und Tosafos zur Erde, die rund wie eine Kugel ist. Eine Glosse in Sefer HaMaamarim 5644 ergänzt, dass Materie und Form in den höheren Welten als Licht und Gefäß verstanden werden können.

Marei Mekomos

  1. 1
    ובע״מ נברא העולם · אבות ה, א.
  2. 2
    ובע״מ נברא העולם · Pirkei Avot 5:1
  3. 3
    שלכל הדברים יש חומר וצורה · נעתק בסה״מ תרכ״ט (תשנ״ב) ע׳ יז. ובסה״מ תרמ״ד שם. בענין חומר וצורה ראה גם סה״מ תרנ״ו ע׳ שיח ואילך. ובסה״מ תרס״ג ע׳ קטו. בד״ה וישלח יעקב תרע״ג (בהמשך תער״ב). חלק עם הגהות מכאן נעתק בקונטרס עץ החיים בתחלתו. ובהערות שם מציין כ״ק אדמו״ר זי״ע לד״ה ויקם עדות ביעקב ת״ש ע׳ 52. ד״ה אלפים שנה תשי״א. בסה״מ תרס״ה ע׳ עד מציין לכאן. בסה״מ תרמ״ד ע׳ רט נוסף הגה״ה: [וי״ל בעולמות עליונים יותר הם אור וכלי].
  4. 4
    יש חומר וצורה · ראה הל׳ יסוה״ת פ״ב ה״ג. מו״נ ח״א פי״ז. בענין חומר וצורה ראה לקו״ת האזינו עב, ב.
  5. 5
  6. 6
    או שמש וירח · בסה״מ תרמ״ד שם נוסף [וי״ל ענין החומר של הנבראים הוא כמ״ש במדרש על השמים נטל אש ומים [וטרפן] (ופתרן) זה בזה ומהם נעשה השמים, וזהו החומר של השמים פי׳ עצם השמים שהוא מאש וממים וכן יובן בכל נברא כו׳].
  7. 7
    השמים והארץ הם כדורים · Avodah Zarah 3a:5–6
  8. 8
    השמים והארץ הם כדורים · Jerusalem Talmud Avodah Zarah 3:1
  9. 9
    ומן הארץ לרקיע כו׳ · בסה״מ תרמ״ד שם נוסף: נמצא צ״ל ציור השטח ע״ד ריחוק כזה.
  10. 10
    והשמש והירח הם גלגלים מאירים כו׳ · בסה״מ תרכ״ט (תשנ״ב) ע׳ יז ואילך יש ביאור לכאן.
  11. 11
    וכן עד״ז בכל דבר נברא · בסה״מ תרמ״ד שם נוסף: ודצח״מ אופן ציורו שיהי׳ כך בארכו ורחבו או בעל קרנות או משולש ז״ע הציור.
  12. 12

3והנה החומר נברא בדבר ה׳ ובע״מ [ובעשרה מאמרות] שבמאמר יהי אור נתהווה בחי׳ האור מאין ליש. וכן במאמר יהי רקיע נתהווה הרקיע מאין ליש.

Nun wurde die Materie durch das Wort G‑ttes und durch die Zehn Aussprüche erschaffen: Durch den Ausspruch „Es werde Licht“ kam der Aspekt des Lichts aus dem Nichts (Ayin) zum Seienden (Yesh); ebenso kam durch den Ausspruch „Es werde ein Firmament“ das Firmament aus dem Nichts zum Seienden.

Erklärung

Die Materie eines jeden Dinges stammt aus der Rede G‑ttes: Der Ausspruch „Es werde Licht“ brachte Licht dort ins Dasein, wo zuvor nichts gewesen war, und „Es werde ein Firmament“ tat dasselbe für das Firmament. Die Rede ist es, die das Dasein „aus dem Nichts zum Seienden“ hervorbringt.

אבל אופן צורת הרקיע בדמותו בצלמו הוא נעשה בחפץ ה׳ שלא בא לכלל גילוי בדבור או מאמר.

Doch die Art der Gestalt des Firmaments, „in seiner Ähnlichkeit, in seinem Abbild“, wurde durch den Wunsch G‑ttes geschaffen, der in Rede oder Ausspruch nicht zur Offenbarung gelangte.

Erklärung

Die Gestalt des Firmaments, seine genaue Form, ging aus keinem gesprochenen Ausspruch hervor. Sie ging aus dem Wunsch G‑ttes hervor, einer Ebene, die niemals als Rede nach außen trat. Ein späterer Maamar, der in der Kehot-Anmerkung zitiert wird (BeYom HaShemini Atzeres, 5670), deutet diesen Wunsch als das Licht, das alle Welten umfasst (Sovev Kol Almin), die Quelle der äußeren Form eines Dinges, etwa der Rundung des Himmels.

Absatz 3 in Kürze

Die Materie, das bloße Dasein eines Dinges, stammt aus der Rede G‑ttes; die Form, seine besondere Gestalt, stammt aus Seinem Wunsch, der niemals in Rede zum Ausdruck kam.

Vertiefung

Eine Kehot-Anmerkung zitiert einen späteren Maamar („BeYom HaShemini Atzeres“, 5670), der diese Passage so deutet, dass der Wunsch G‑ttes die Ebene des Sovev Kol Almin ist, die Quelle der äußeren Form eines Dinges. Daneben stellt er eine andere Erklärung, nach der die Form die Lebenskraft im Inneren eines Geschöpfes ist und aus dem Licht stammt, das alle Welten erfüllt (Memalei Kol Almin).

Marei Mekomos

  1. 1
    יהי אור · Genesis 1:3
  2. 2
    יהי רקיע · Genesis 1:6
  3. 3
    נתהווה הרקיע מאין ליש · בסה״מ תרמ״ד שם נוסף [ע׳ בתו״א ד״ה מזוזה מימין [הכוונה לכאן] ובהביאור הג׳ לד״ה יביאו לבוש מל׳ ובלקו״ת בהביאור לד״ה לבבתני דרוש הב׳. ועמ״ש בד״ה להבין ע׳ מצות [אכילת] המצה מ״ג, ובד״ה מה רבו מעשיך ה׳ מ״ד, שהמאמר א׳ הוא הכלל, ונפרטו בע״מ להיות מציאות היש, ונפרטו בכח הא״ס, וי״ל שכמו״כ הכוונה כאן וד״ל].
  4. 4
    אופן צורת הרקיע . . בחפץ ה׳ · ראה לקו״ת ר״ה נה, סע״א ועד״ז היו העולמות. ראה באוה״ת כרך ז תתתנח, ב דמ״ש בלקו״ת שם מתאחד עם מש״כ שהצורה נעשה בחפץ ה׳ בחי׳ מה שעלה במחשבה והחומר והעשי׳ נתהווה מהדבור יש מאין והיינו בגשמיות כפי הצורה הרוחני׳ שנתהווה ע״י המחשבה והרצון שהי׳ עיגול השמים כמו ע״ס דעגולים דאצי׳ או בריאה, ע״ש. ובסה״מ תרמ״ד ע׳ רי נוסף: עד״מ או ציור שארי פרטי הנבראי׳ דדצח״מ: בדמותו.
  5. 5
    בחפץ ה׳ שלא בא לכלל גילוי · בד״ה ביום השמע״צ עת״ר כ׳ ”ושם מבואר [בתו״א] דבחי׳ חפץ ה׳ זהו בחי׳ סוכ״ע, וענין הצורה פי׳ שם צורת החומר וכמו השמים בציורו שהוא עגולי וכדורי וכה״ג בכל דבר הציור שלו שזהו מבחי׳ הסובב דוקא כו׳, והמבואר כאן הוא שהצורה הוא החיות שבהנברא והוא מבחי׳ ממכ״ע כו׳, ועמ״ש בד״ה בשעה שהקדימו רס״ג” עכ״ל.
  6. 6
    והנה מה שנברא החומר במאמר · באוה״ת חנוכה כרך ה תתקנג, ב יש הערה לכאן.
  7. 7
    והנה מה שנברא החומר במאמר · באוה״ת חנוכה כרך ה תתקנג, ב יש הערה לכאן.
  8. 8

4והנה מה שנברא החומר במאמר ודבור ולא נברא הכל בחפץ ה׳ ורצונו בלבד היא מפני שאז לא הי׳ [היה] גילוי מאין ליש רק שהיה העולם בטל במציאות ממש

Nun besteht der Grund dafür, dass die Materie durch Äußerung und Rede erschaffen wurde und nicht alles allein durch G‑ttes Begehren und Seinen Willen, darin, dass es dann keine Offenbarung von Nichts zu Etwas gegeben hätte; vielmehr wäre die Welt in ihrer Existenz wahrhaftig völlig selbstaufgehoben gewesen.

Erklärung

Warum konnte die Welt nicht allein durch Begehren erschaffen werden? Wäre alles allein aus G‑ttes Begehren hervorgegangen, gäbe es keine Offenbarung eines „Etwas“ aus dem „Nichts“: Die Welt wäre in ihrer Existenz vollständig selbstaufgehoben, ohne ein eigenes Dasein. Kuntres Etz HaChaim, zitiert in der Kehot-Anmerkung, erklärt, sie wäre dann wie die Welt der Emanation (Atzilus), in ihrer Existenz selbstaufgehoben statt aus geschaffenen Wesen bestehend, denn sie würde von der Weisheit (Chochmah) empfangen, wo „Er und Seine Lebenskraft eins sind“.

רק עיקר גילוי היש הוא ע״י דבר ה׳ כי הוא צוה ונבראו

Doch die hauptsächliche Offenbarung des „Etwas“ geschieht durch das Wort G‑ttes, „denn Er gebot, und sie wurden erschaffen“.

Erklärung

Das Auftreten eines eigenständigen „Etwas“ geschieht durch G‑ttes Wort, wie der Vers sagt: „Er gebot, und sie wurden erschaffen.“ Die Rede offenbart, wie im nächsten Teil erklärt wird, nur G‑ttes „Namen“.

פי׳ צוה מלשון מצות המלך כי מלכותך מכ״ע [מלכות כל עולמים] אין מלך בלא עם שבחי׳ מלכות היא בחי׳ התנשאות והסתלקות שלא יאיר ויתגלה אלא בבחי׳ שם בלבד.

„Gebot“ (tzivah) ist im Sinn des „Gebots des Königs“ zu verstehen, denn „Deine Königsherrschaft erstreckt sich über alle Welten“, [und] „es gibt keinen König ohne ein Volk“. Denn die Ebene der Königsherrschaft (Malchus) ist eine Ebene der Erhabenheit und des Sich-Zurückziehens, sodass sie nur als Name allein leuchtet und offenbar wird.

Erklärung

„Gebot“ (tzivah) wird als Ausdruck für das Gebot des Königs (mitzvas hamelech [Gebot des Königs]) gelesen: Ein König herrscht aus der Ferne, durch seinen Namen und sein Gebot, nicht dadurch, dass er seinen Untertanen unmittelbar gegenwärtig ist. Ebenso ist Malchus, G‑ttes Königsherrschaft, eine Ebene der Erhabenheit und des Sich-Zurückziehens, die nur als „Name“ in die Welt hineinleuchtet. In Torah Ohr, Bereshis (5a), erklärt der Alter Rebbe „es gibt keinen König ohne ein Volk“ auf dieselbe Weise: Durch Einschränkung kann ein eigenständiges „Etwas“ bestehen, sodass es anschließend zum „Nichts“ selbstaufgehoben werden kann.

Absatz 4 in Kürze

Rede ist nötig, weil die Erschaffung allein durch Begehren die Welt in Selbstaufhebung belassen würde; G‑ttes Wort offenbart, wie das Gebot eines Königs, nur Seinen „Namen“, und gerade diese Distanz ermöglicht einem eigenständigen „Etwas“, zu bestehen.

Vertiefung

In einer in der Kehot-Anmerkung zitierten Glosse erklärt Sefer HaMaamarim 5644, dass die Welten, würden sie so offenbart, wie sie in G‑ttes Begehren bestehen, geistig und selbstaufgehoben wären, so wie eine Wirkung gegenüber ihrer Ursache selbstaufgehoben ist – ähnlich wie Gefühle aus dem Verstand hervorgehen. Kuntres Etz HaChaim legt nahe, dass mit dem „Namen“ hier möglicherweise das umfassende Licht gemeint ist, das aus G‑ttes Erhabenheit leuchtet und die hauptsächliche Kraft des Ins-Dasein-Bringens ist; „das Wort G‑ttes“ wäre dann ein schwacher Abglanz dieses Namens.

Marei Mekomos

  1. 1
    הוא מפני · בסה״מ תרמ״ד ע׳ רי נוסף: הוא מפני (שאם הי׳ מתגלים העולמות כמו שהם כלולים ועומדים בבחי׳ חפץ ה׳) אז לא הי׳ יכול להיות התהוות היש הגשמי רק שהי׳ העולם רוחני והי׳ בבחי׳ ביטול במציאות ממש, וכמו שאנו רואים בכל בחי׳ השתלשלות עו״ע שהעלול בטל לעילה כמו למשל מדות משכל שהמדות נולדים מן השכל, וכמו שאנו רואים שאם מתבונן בשכלו שהדבר ההוא טוב לפניו אזי נולד לו אהבה לזה, ע״ש עוד בזה.
  2. 2
    שהי׳ העולם בטל במציאות ממש · באוה״ת פ׳ שלח ע׳ תקיב ”ופי׳ בטל במציאות היינו ע״ד עלמין סתימין דלא אתגליין”. ובקונטרס עה״ח שם ע׳ 16 ”(כמו עולם האצילות וכמו עלמין דאתכסיא בכלל שבטלים במציאות ולא הי׳ בבחי׳ נבראים דעדאת״ג כו׳) לפי שהי׳ מקבל מבחי׳ חכ׳ שהוא בחי׳ ביטול איהו וחיוהי חד”. בהמשך תער״ב ח״א פ׳ רכא מבאר זה ”והכוונה שם [בתו״א כאן] על הביטול במהות היש כו׳, שהרי גם ההארה דבחי׳ דבר ה׳ פועל ג״כ הביטול בהנברא כו׳, וענין הצורה שמבחי׳ חפץ ה׳ הוא להיות הביטול בעצם המהות כו׳ וכמ״ש במ״א” ע״ש. וראה גם בסה״מ תרס״ח בד״ה שובה ישראל ע׳ יח ושם מציין גם לעיין בד״ה בשעה שהקדימו תרס״ג.
  3. 3
    כי הוא צוה ונבראו · Psalms 148:5
  4. 4
    פי׳ צוה מלשון מצות המלך · Bava Batra 159a:10
  5. 5
    מלכותך מכ״ע · Psalms 145:13
  6. 6
    אין מלך בלא עם · נסמן לעיל ה, א. לקמן עג, ד.
  7. 7
    בבחי׳ שם בלבד · ראה בקונטרס עה״ח שם ”וענין השם נ״ל שהן אותיות דבור העליון דשם הוא אותיות, ויותר נראה דהשם הוא בחי׳ האור מקיף שמאיר מבחי׳ הרוממות שזה עיקר כח ההתהוות, ובחי׳ דבר ה׳ זהו הארה מבחי׳ שמו שמהווה כנ״ל כו׳”.

5וזהו יהללו את שם ה׳ כי הוא צוה ונבראו כמו עד״מ מלך ב״ו [בשר ודם] שמלכותו היא שמו לבד אשר נקרא על מדינתו

Und dies ist [die Bedeutung von] „Sie sollen den Namen Havayah preisen, denn Er gebot, und sie wurden erschaffen“: wie etwa bei einem König aus Fleisch und Blut, dessen Königtum allein sein Name ist, der über seinem Land ausgerufen wird,

Erklärung

Der Vers „Sie sollen den Namen Havayah preisen, denn Er gebot, und sie wurden erschaffen“ verbindet die Schöpfung mit G‑ttes Namen. Die Herrschaft eines menschlichen Königs über sein Land ist nur sein Name, der über dem Land „ausgerufen wird“; er selbst ist darin nicht gegenwärtig.

אבל לא בבחי׳ התלבשות כח הפועל בנפעל ממש והתלבשות כח הפועל בנפעל הוא למטה בע׳ [בשבעים] שרים שר של מים שר של כו׳ שהם משמרי האופנים.

aber nicht in der Weise einer tatsächlichen Einkleidung der Kraft des Wirkenden im Bewirkten. Die Einkleidung der Kraft des Wirkenden im Bewirkten findet sich erst weit unten, bei den siebzig Fürsten (dem Fürsten des Wassers, dem Fürsten von … usw.), die aus den Bodensätzen der Ofanim [Engelklasse] stammen.

Erklärung

G‑ttes Wort kleidet Seine eigene Kraft nicht in die Geschöpfe ein, wie die Kraft eines Handwerkers in sein Werk eingeht; dies geschieht erst weit unten, bei den siebzig Engelfürsten, die den Naturkräften vorstehen, etwa dem „Fürsten des Wassers“. Sie stammen von der niedrigsten Ebene, dem „Bodensatz“ (shmarim), der Ofanim, einer Engelklasse. In Torah Ohr, Megillas Esther (96c), zieht der Alter Rebbe dieselbe Unterscheidung: Bara, „erschaffen“, schließt die Kraft des Wirkenden im Bewirkten ein und bezieht sich nur auf G‑ttes Namen; von Seinem Wesen kann man nur sagen: „Er gebot, und sie wurden erschaffen“.

Absatz 5 in Kürze

Die Schöpfung durch G‑ttes Wort gleicht dem Namen eines Königs über seinem Land: G‑ttes Kraft ist nicht in die Geschöpfe eingekleidet; eine tatsächliche Einkleidung der Kraft in ihre Wirkung gibt es nur bei den niedrigsten Engelfürsten.

Vertiefung

Die Anmerkung von Kehot verweist auf Etz Chaim, Sha’ar Kitzur ABYA, Kapitel 9, zu den Fürsten und den Ofanim, sowie auf Sefer HaMaamarim 5654 zur Kraft des Wirkenden im Bewirkten.

Marei Mekomos

  1. 1
    יהללו את שם ה׳ · Psalms 148:5
  2. 2
    כח הפועל בנפעל · ראה לקמן צו, ג במ״מ. סה״מ תרנ״ד ע׳ רי ואילך.
  3. 3
    שר של מים שר של כו׳ · Shir HaShirim Rabbah 3:11–12
  4. 4
    שהם משמרי האופנים · ראה ע״ח שער קיצור אבי״ע פ״ט.

6ויש גבוה מעל גבוה שמקבלים ג״כ דרך עילה ועלול עד המלאכים שהם שכלים נבדלים. שהם פני ארי׳ [אריה] פני שור שבמרכבה.

Und es gibt [Wesen], die „höher als der Hohe“ sind und ebenfalls auf dem Wege von Ursache und Wirkung empfangen, bis hin zu den Engeln, die abgesonderte Intellekte sind: Dies sind das Angesicht des Löwen [und] das Angesicht des Ochsen im Streitwagen.

Erklärung

Über den Fürsten gibt es höhere Wesen, die ihr Dasein ebenfalls durch Ursache und Wirkung empfangen, bis hin zu den Engeln, die Philosophen „getrennte Intellekte“ nennen – Geistwesen ohne Körper. Dies sind das „Angesicht des Löwen“ und das „Angesicht des Ochsen“ in der Vision des Propheten Ezekiel vom Streitwagen.

אבל החיות של פני שור פני ארי׳ [אריה] הוא יש מאין ממש. דהיינו שהמשכת החיות אשר להם הוא בבחי׳ אין והארה בעלמא שהוא בחי׳ שם בלבד ומזה נעשה גילוי היש.

Doch die Lebenskraft (Chayus) des Angesichts des Ochsen [und] des Angesichts des Löwen ist wahrhaft etwas aus dem Nichts. Das heißt: Das Herabziehen der Lebenskraft, die sie haben, geschieht im Modus des „Nichts“ und eines bloßen Schimmers, der die Ebene eines bloßen Namens darstellt; und daraus geht die Offenbarung des „Etwas“ hervor.

Erklärung

Obwohl diese Engel durch Ursache und Wirkung empfangen, kommt ihre Lebenskraft selbst wahrhaft aus dem Nichts. Sie wird von einer Ebene herabgezogen, die „Nichts“ ist – ein bloßer Schimmer, lediglich ein „Name“ –, und aus ihr wird das Dasein des „Etwas“ offenbar.

אך תכלית בריאת יש מאין הוא כדי להיות היש בטל לאין ונגלה כבוד ה׳ למטה כמו למעלה.

Der Zweck der Erschaffung von Etwas aus dem Nichts ist jedoch, dass das „Etwas“ dem „Nichts“ gegenüber in Selbstaufhebung (Bittul) tritt und „die Herrlichkeit von Havayah“ unten ebenso wie oben offenbart werde.

Erklärung

Das Ziel der Erschaffung eines „Etwas“ ist, dass es sich dem „Nichts“, seiner Quelle, gegenüber in Selbstaufhebung befindet. Dann wird G‑ttes Herrlichkeit in den unteren Welten ebenso offenbart wie oben.

Absatz 6 in Kürze

Die gesamte Schöpfung, bis hin zu den höchsten Engeln, entsteht als „Etwas aus dem Nichts“ durch einen bloßen Schimmer, G‑ttes „Namen“; der Zweck dieser Schöpfung ist, dass das „Etwas“ sich in Selbstaufhebung befindet und G‑ttes Herrlichkeit unten ebenso wie oben offenbart wird.

Vertiefung

Zu den Engeln als „getrennten Intellekten“ verweist die Kehot-Anmerkung auf Maimonides’ Guide for the Perplexed und Sefer HaIkkarim.

Marei Mekomos

  1. 1
    עד המלאכים שהם שכלים נבדלים · ראה מורה נבוכים ח״ב פ״ב. עיקרים מאמר ב פל״א.
  2. 2
    פני ארי׳ פני שור · Ezekiel 1:10
  3. 3
    ונגלה כבוד ה׳ · באוה״ת חנוכה כרך תתקנד, א יש הערה לכאן.
  4. 4
    ונגלה כבוד ה׳ · Isaiah 40:5
  5. 5

Havayah über Elokim ¶7–10

7וכמו שיהיה לע״ל [לעתיד לבוא] כי עין בעין יראו כו׳ וזה תלוי בעבודתנו כל ימינו היום לעשותם. וכל ישראל יש להם חלק לעוה״ב [לעולם הבא].

So wird es in der Kommenden Zeit sein: „Denn Auge in Auge werden sie sehen“ usw. Und dies hängt von unserem Dienst an allen unseren Tagen ab, „heute, sie zu tun“. Und „ganz Israel hat Anteil an der Kommenden Welt“.

Erklärung

In der Kommenden Zeit wird G‑ttes Gegenwart offen sichtbar sein, „Auge in Auge“. Diese Offenbarung hängt von unserem G‑ttlichen Dienst jetzt ab, denn „heute“ ist die Zeit, „sie zu tun“; und da jeder Jude Anteil an der Kommenden Welt hat, trägt jeder dazu bei, sie herbeizuführen.

וצריך כ״א [כל אחד / כל אחת] להמשיך בחלקו גילוי זה להיות בטול היש והוא מחמת ההתבוננות בגדולת א״ס ב״ה שאתה הוא קודם שנבה״ע [שנברא העולם] ואתה הוא כו׳

Jeder Einzelne muss diese Offenbarung in seinen Anteil herabziehen, damit es zur Selbstaufhebung (Bittul) des „Etwas“ kommt. Dies geschieht durch die Betrachtung der Größe des Unendlichen (Ein Sof), gesegnet sei Er: dass „Du bist Er, bevor die Welt erschaffen wurde, und Du bist Er“ usw.,

Erklärung

Jeder Einzelne muss diese Offenbarung in seinen eigenen „Anteil“ herabziehen und so sein eigenes „Etwas“ zur Selbstaufhebung führen. Dies geschieht durch die Betrachtung der Größe G‑ttes, wie im Gebet: „Du bist Er, bevor die Welt erschaffen wurde, und Du bist Er, seit die Welt erschaffen wurde.“ Or HaTorah erklärt, wie in der Kehot-Anmerkung zitiert, dass die Kommende Welt „Land“ genannt wird („sie werden das Land für immer erben“); etwas in den eigenen Anteil herabzuziehen bedeutet demnach, dieses Land zu pflegen.

בלי שום שינוי כי אני הוי׳ לא שניתי שאין העולם מעלים לפניו ית׳ וכחשיכה כאורה שאין ההעלם וההסתר אלא לעיני בשר שלנו.

ohne jede Veränderung, denn „Ich, Havayah, habe mich nicht verändert“; denn die Welt verbirgt sich nicht vor Ihm, gesegnet sei Er, und „Dunkelheit ist wie Licht“, denn Verhüllung und Verbergen bestehen nur für unsere fleischlichen Augen.

Erklärung

Durch die Schöpfung trat in G‑tt keine Veränderung ein: „Ich, Havayah, habe mich nicht verändert.“ Die Welt verbirgt nichts vor Ihm, und für Ihn ist „Dunkelheit wie Licht“; Verhüllung besteht nur für die Augen des Menschen.

אבל קמיה כולא כלא חשיב ממש ומעלה ומטה שוין לפניו שנמצא למטה כמו למעלה ממש.

Doch vor Ihm gilt alles wirklich als nichts, und oben und unten sind vor Ihm gleich, sodass Er unten genau wie oben gegenwärtig ist.

Erklärung

Von G‑ttes Seite aus ist alles wie nichts, sodass oben und unten vor Ihm gleich sind. Er ist in der niedrigsten Welt genau wie in der höchsten gegenwärtig.

Absatz 7 in Kürze

Die für die Zukunft verheißene Offenbarung hängt von unserem Dienst jetzt ab: Jeder Einzelne zieht sie in seinen Anteil herab, indem er betrachtet, dass die Schöpfung in G‑tt nichts verändert und dass vor Ihm alles wie nichts ist und oben und unten gleich sind.

Marei Mekomos

  1. 1
    כי עין בעין יראו · Isaiah 52:8
  2. 2
    היום לעשותם · Deuteronomy 7:11
  3. 3
    וכל ישראל יש להם חלק לעוה״ב . . להמשיך בחלקו · Sanhedrin 90a:15
  4. 4
    כי אני הוי׳ לא שניתי · Malachi 3:6
  5. 5
    וכחשיכה כאורה · Psalms 139:12
  6. 6
    קמיה כולא כלא חשיב · Zohar, Introduction 20:188–22:199

8וא״כ גם בחי׳ היש בטל אליו ית׳. וזהו כי גדול ה׳ ואדונינו מכל אלקים.

Wenn dem so ist, befindet sich auch die Ebene (Bechinah) des Yesh [des „Etwas“] Ihm, gelobt sei Er, gegenüber in Selbstaufhebung (Bittul). Und dies ist [die Bedeutung von] „Denn groß ist Havayah, und unser Herr ist über allen Elokim.“

Erklärung

Wenn alles vor G‑tt wie nichts ist, dann ist auch das „Etwas“ der Welt Ihm gegenüber aufgehoben. Der Vers sagt, dass Havayah „über allen Elokim groß“ ist; der Maamar erklärt nun, was diese „Elokim“ sind.

ופי׳ מכל אלקים הם ק״ך צירופי אלקים המעלימים ומסתירים אור ה׳ וקדושתו לבלתי יתגלה אוא״ס [אור אין סוף] ב״ה כמו שהוא שלא יתבטלו העולמות במציאות.

Die Bedeutung von „über allen Elokim“ ist: Gemeint sind die 120 Kombinationen von Elokim, die das Licht Havayahs und Seine Heiligkeit verhüllen und verbergen, sodass das unendliche Licht (Or Ein Sof), gelobt sei Er, nicht so offenbart wird, wie es ist, damit die Welten nicht in ihrem Dasein aufgehoben würden;

Erklärung

Die Kabbala spricht von 120 Kombinationen (Permutationen der Buchstaben) des Namens Elokim, des Namens der Verhüllung. Sie verbergen das Licht Havayahs, sodass das unendliche Licht nicht so offenbart wird, wie es ist; andernfalls würden die Welten darin aufgehen und aufhören zu existieren.

אלא שיהא נראה העולם ליש ודבר נפרד. אבל אור הוי׳ הוא גדול על כולם ומושל על כולם להיות היש בטל.

sondern damit die Welt als ein „Etwas“ und als eigenständige Entität erscheint. Doch das Licht Havayahs ist größer als sie alle und herrscht über sie alle, sodass das Yesh in Bittul bleibt.

Erklärung

Ihr Zweck ist, die Welt als ein unabhängiges „Etwas“ erscheinen zu lassen. Doch das Licht Havayahs ist größer als sie alle und herrscht über sie, sodass das Yesh in Wahrheit aufgehoben bleibt.

(וזהו כי אני ידעתי כי גדול כו׳. אני זו כנס״י [כנסת ישראל]. אבל העכו״ם [העובדי כוכבים ומזלות] אומרים עזב הוי׳ את הארץ. ופרעה אמר לא ידעתי את הוי׳ כו׳. ולכן נאמר ביתרו אחר שנתגייר עתה ידעתי כי גדול הוי׳ כו׳)

(Und dies ist [die Bedeutung von] „Denn ich weiß, dass [Havayah] groß ist“ usw. „Ich“ – das ist die Gemeinschaft Israels. Doch die Götzendiener sagen: „Havayah hat das Land verlassen“, und der Pharao sagte: „Ich kenne Havayah nicht“ usw. Deshalb heißt es über Yisro, nachdem er sich bekehrt hatte: „Jetzt weiß ich, dass Havayah groß ist“ usw.)

Erklärung

Die Klammer stellt diejenigen, die dies anerkennen, denen gegenüber, die es nicht tun. Die Gemeinschaft Israels sagt: „Ich weiß, dass Havayah groß ist“, während die Götzendiener sagen, G‑tt habe das Land verlassen, und der Pharao sagte, er kenne Havayah nicht. Yisro konnte, nachdem er sich bekehrt hatte, sagen: „Jetzt weiß ich, dass Havayah groß ist“.

והיינו לפי שכל אשר חפץ הוי׳ נמשך ועשה גם בשמים ובארץ שכולם יש להם ציור ותמונה מבחי׳ חפץ ורצון הוי׳ שלא בא לידי גילוי בדבור ומאמר שהוא הפועל הישות.

Das heißt, weil „alles, was Havayah begehrt“, herabgezogen wird und Er es auch „in den Himmeln und auf der Erde gemacht hat“: Denn alle haben Gestalt und Form aus der Ebene (Bechinah) des Begehrens und des Willens (Ratzon) Havayahs, die nicht in Rede und Ausspruch zur Offenbarung gelangten, durch die das Yeshus [das Dasein als „Etwas“] hervorgebracht wird.

Erklärung

Das liegt daran, dass G‑ttes Begehren bis in Himmel und Erde reicht: Jede Gestalt und Form in ihnen stammt aus dem Begehren und Willen Havayahs, die nie in Rede ausgedrückt wurden. Die Rede bringt das eigenständige „Etwas“ hervor, doch die Form von allem stammt aus einer höheren Ebene, die es in Bittul hält.

Absatz 8 in Kürze

Die 120 Kombinationen von Elokim verhüllen G‑tt, sodass die Welt eigenständig erscheinen kann; Havayah herrscht jedoch über sie, und die Formen aller Dinge stammen aus Havayahs Begehren, das das „Etwas“ in Bittul hält.

Vertiefung

Or HaTorah erklärt in der in der Kehot-Anmerkung zitierten Stelle, dass es hier darum geht, zu beantworten, wie man überhaupt sagen kann, Havayah sei „größer als alle Elokim“; dort wird der Vers ausführlich auf andere Weise erklärt.

Marei Mekomos

  1. 1
    ופי׳ מכל אלקים · ראה אוה״ת פ׳ יתרו ע׳ תשמא. שהכוונה כאן לתרץ דאיך שייך כי גדול הוי׳ מכל אלקים, ע״ש בארוכה שפי׳ באופן אחר, וראה שם ע׳ תשנד.
  2. 2
    כי אני ידעתי כי גדול · Psalms 135:5
  3. 3
    עזב ה׳ את הארץ · Ezekiel 8:12
  4. 4
    לא ידעתי את ה׳ · Exodus 5:2
  5. 5
    אחרי שנתגייר · ראה דברים רבה א, ח.
  6. 6
    אחר שנתגייר · Devarim Rabbah 1:5
  7. 7
    עתה ידעתי כי גדול ה׳ · Exodus 18:11
  8. 8
    כל אשר חפץ הוי׳ נמשך ועשה גם בשמים ובארץ · Psalms 135:6

9וזהו ענין שיתף מדה״ר [מדות הרחמים]. שבכל מע״ב [מעשה בראשית] כתיב ויאמר אלקים ואח״כ שיתף מדה״ר [מדות הרחמים] דכתיב ביום עשות ה׳ אלקים כו׳.

Und dies ist die Bedeutung von „Er fügte das Attribut der Barmherzigkeit hinzu“: Denn im gesamten Werk der Schöpfung steht: „Und Elokim sprach“, und danach fügte Er das Attribut der Barmherzigkeit hinzu, wie es heißt: „An dem Tag, da Havayah Elokim machte“ usw.

Erklärung

„Er verband das Attribut der Barmherzigkeit mit ihm“ bezieht sich auf eine Lehre der Weisen: Die Welt sollte zunächst mit dem Attribut des Gerichts erschaffen werden, und danach wurde die Barmherzigkeit damit verbunden. In der Darstellung der sechs Schöpfungstage erscheint nur der Name, der g‑ttliche Strenge bezeichnet (Elokim) („Und Elokim sprach“); danach sagt die Tora: „An dem Tag, da Havayah Elokim machte“, und fügt den unaussprechlichen g‑ttlichen Namen (Havayah) hinzu, den Namen der Barmherzigkeit.

וזהו למה יאמרו הגוים איה נא אלהיהם שבחי׳ אלקות הוא בבחי׳ איה דהיינו בבחי׳ הסתלקות לפי שאומרים עזב הוי״ה את הארץ

Und dies ist [die Bedeutung von] „Warum sollen die Völker sagen: ‚Wo ist nun ihr G‑tt?‘“: dass die G‑ttlichkeit sich im Zustand des „Wo?“ befindet, das heißt, im Zustand des Rückzugs, denn sie sagen: „Havayah hat das Land verlassen“,

Erklärung

Der Vers „Warum sollen die Völker sagen: ‚Wo ist nun ihr G‑tt?‘“ bringt die Vorstellung zum Ausdruck, dass sich die G‑ttlichkeit zurückgezogen hat und „wo?“ sei, also in der Welt abwesend. Diejenigen, die diese Ansicht vertreten, sagen mit den Worten Jechezkiels, Havayah habe das Land verlassen.

ואין העולם מתנהג אלא בבחי׳ אלקים שהוא שם הצמצום והסתלקות להיות העולם יש ודבר נפרד אבל באמת כל אשר חפץ הוי״ה עשה.

und [dass] die Welt ausschließlich auf der Ebene von Elokim gelenkt wird, dem Namen der Einschränkung (Tzimtzum) und des Rückzugs, damit die Welt ein „Etwas“ und eine getrennte Entität sei. Doch in Wahrheit: „Alles, was Havayah begehrte, hat Er getan.“

Erklärung

Nach dieser Auffassung wird die Welt nur durch den Namen Elokim gelenkt, den Namen der Einschränkung (Tzimtzum) und des Rückzugs, wodurch die Welt als getrenntes „Etwas“ bestehen kann. Doch in Wahrheit gilt: „Alles, was Havayah begehrte, hat Er getan“: Havayah ist auch in der Welt gegenwärtig und wirksam, und der Psalm selbst antwortet den Völkern mit beinahe denselben Worten.

Absatz 9 in Kürze

Die Schöpfung durch „Und Elokim sprach“ ließ die Welt als etwas Getrenntes erscheinen, doch Havayah wurde mit ihr verbunden; die Behauptung, G‑tt habe sich zurückgezogen, sieht nur Elokim, während in Wahrheit Havayahs Wille in allem wirksam ist.

Marei Mekomos

  1. 1
    שיתף מדה״ר · Rashi on Genesis 1:1:3
  2. 2
    ביום עשות ה׳ אלקים · Genesis 2:4
  3. 3
    למה יאמרו הגוים איה נא אלהיהם · Psalms 115:2
  4. 4
    כל אשר חפץ הוי״ה עשה · Psalms 135:6

10ועל ענין זה מדבר כל המזמור שלמעלה מזה הים ראה וינוס כו׳. ההופכי הצור כו׳.

Und der ganze Psalm, der diesem vorausgeht, spricht von diesem Gegenstand: „Das Meer sah und floh“ usw.; „Der den Felsen verwandelt“ usw.

Erklärung

Der unmittelbar vorausgehende Psalm, Psalm 114, spricht vom selben Thema: Beim Auszug aus Ägypten „sah das Meer und floh“, und G‑tt „verwandelt den Felsen in einen Wasserteich“. In beiden Fällen wich die natürliche Ordnung.

שמספר בשבח מעלת שם הוי״ה המושל על שם אלקי׳ ומשנה הטבע מצור החלמיש שהוא מיסוד האש וממנו מוציא מים

Denn er besingt die Erhabenheit des unaussprechlichen g‑ttlichen Namens (Havayah), der über den Namen, der g‑ttliche Strenge bezeichnet (Elokim), herrscht und die Natur verändert: [wie beim] Feuerstein, der dem Element des Feuers angehört und aus dem Er Wasser hervorbringt.

Erklärung

Dieser Psalm preist den Namen Havayah, der über Elokim herrscht und die Natur verändern kann: Aus Feuerstein, der zum Element des Feuers gehört, bringt Er Wasser hervor.

והיינו לפי ששם אלקים שהוא הצמצום ומעלים להיות בבחי׳ יש ע״פ הטבע המוטבע בכל דבר לפי מזגו ותכונתו הוא בטל לגבי שם הוי״ה המושל עליו שהוא ענין גילוי אוא״ס [אור אין סוף] ב״ה שכשמו כן הוא. ולכן גם הים ראה וינוס כו׳:

Das heißt: Der Name Elokim, der die Einschränkung (Tzimtzum) darstellt und verhüllt, sodass [die Dinge] gemäß der in jedem Ding eingeprägten Natur, entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Charakter, als „Etwas“ bestehen, steht dem Namen Havayah, der über ihn herrscht, in Selbstaufhebung gegenüber; dieser ist die Offenbarung des unendlichen Lichts (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, denn wie Sein Name ist, so ist auch Er. Daher heißt es auch: „Das Meer sah und floh“ usw.

Erklärung

Das ist möglich, weil Elokim, der Tzimtzum, der verhüllt und jedes Ding entsprechend seiner Beschaffenheit und seinen Eigenschaften als ein „Etwas“ mit einer festgelegten Natur bestehen lässt, vor Havayah, der Offenbarung des unendlichen Lichts, in Selbstaufhebung steht. Wenn Havayah offenbart wird, flieht also sogar das Meer.

Absatz 10 in Kürze

Psalm 114 veranschaulicht das Thema: Die Natur ist das Werk von Elokim, der verhüllt; wenn Havayah, der über ihn herrscht, offenbart wird, verändert sich die Natur, wie damals, als das Meer floh und der Felsen Wasser gab.

Marei Mekomos

  1. 1
    הים ראה וינוס · Psalms 114:3
  2. 2
    ההופכי הצור · Psalms 114:8

Bitteres in Süßes verwandeln ¶11–16

11והנה כאשר יתבונן וישכיל כל זה האדם. אזי תכלה ותכסוף נפשו ליבטל אליו ית׳ עד שתחפץ להתפשט מתענוגי עוה״ז ולהפך לבו לגמרי ולדבקה בו וכמ״ש מי לי בשמים כו׳.

Wenn ein Mensch all dies bedenkt und begreift, wird seine Seele schmachten und sich danach sehnen, sich Ihm, gesegnet sei Er, gegenüber völlig aufzuheben, bis sie den Wunsch hat, sich von den Genüssen dieser Welt loszulösen, sein Herz gänzlich umzuwenden und Ihm anzuhangen, wie geschrieben steht: „Wen habe ich im Himmel …“ usw.

Erklärung

Wenn man all dies bedenkt – dass die Welt vor G‑tt wie nichts ist und Seine Herrlichkeit dazu bestimmt ist, unten offenbart zu werden –, sehnt sich die Seele danach, sich Ihm gegenüber aufzuheben. Dann möchte sie die Genüsse dieser Welt abstreifen und ihr Herz ganz auf G‑tt ausrichten, wie der Psalmist sagt: „Wen habe ich im Himmel? Und außer Dir begehre ich nichts auf Erden.“

ובזוהר אמרו מאן דלא טעים מרירו למיתקו ומהפך חשוכא לנהורא לית ליה חולקא הכא שצריך להפוך טעם מרירו למיתקא.

Und im Zohar heißt es: „Wer nicht schmeckt, wie Bitteres zu Süßem [verwandelt] wird, und die Dunkelheit nicht in Licht verwandelt, hat hier keinen Anteil.“ Denn man muss den Geschmack des Bitteren in Süße verwandeln.

Erklärung

Der Zohar sagt, dass ein Mensch „hier“ keinen Anteil hat, wenn er Bitteres nicht in Süßes und Dunkelheit nicht in Licht verwandelt. Der Maamar nimmt dies als Aufgabe: den Geschmack dessen, was bitter ist, in Süße zu verwandeln. Or HaTorah verweist in einer Kehot-Anmerkung auf den Maamar Vayechal Moshe, der erklärt, dass Bitteres als Süßes zu schmecken eine höhere Stufe ist, als Dunkelheit in Licht zu verwandeln.

Absatz 11 in Kürze

Die Betrachtung lässt die Seele nach G‑tt verlangen und sich von den Genüssen der Welt abwenden; dies ist das vom Zohar beschriebene Verwandeln von Bitterem in Süßes und von Dunkelheit in Licht.

Vertiefung

Eine Kehot-Anmerkung verweist auf Or HaTorah, das seinerseits auf den Maamar „Vayechal Moshe“ verweist, um zu zeigen, dass „Bitteres als Süßes zu schmecken“ eine höhere Stufe ist als „Dunkelheit in Licht zu verwandeln“. Yahel Ohr verbindet „Bitteres als Süßes zu schmecken“ mit „denen, die sich an Leiden erfreuen“.

Marei Mekomos

  1. 1
    מי לי בשמים · Psalms 73:25
  2. 2
    מאן דלא טעים מרירו למיתקו · Zohar I, 4a
  3. 3
    חשוכא לנהורא · ביהל אור ע׳ תטו מציין ללקו״ת ואתחנן ב, א. וטעמין מרירו למיתקא זהו ענין השמחים ביסורים.

12ומרירו הן תאוות עוה״ז ותענוגים שמושפעים מהיכלות הקליפות. שאין לך דבר למטה שאין לו היכל למעלה כנגדו שממנו בא תוצאת הדבר ההוא והשפעתו.

Und „bitter“ bezeichnet die Begierden dieser Welt und die Genüsse, die aus den Kammern (Heichalos) der Hüllen (Kelipos) fließen. Denn es gibt nichts unten, dem nicht oben eine entsprechende Kammer gegenübersteht, aus der jenes Ding hervorgeht und seinen Zustrom empfängt.

Erklärung

Das „Bittere“ sind die Begierden und Genüsse dieser Welt. Sie fließen aus den „Kammern“ (Heichalos) der Kelipos, den Kräften, die die Heiligkeit verhüllen, denn allem, was unten ist, entspricht oben eine Kammer, aus der es hervorgeht und aus der es seinen Zustrom bezieht.

וכל תענוגי עוה״ז אפי׳ [אפילו] דבר קל ואפי׳ [ואפילו] המסלסל בשערו הנה החיות ההוא נמשך מהיכלות הטומאה.

Und alle Genüsse dieser Welt, selbst eine geringfügige Sache, ja selbst jemand, der sein Haar lockt: Diese Lebenskraft wird aus den Kammern der Unreinheit gezogen.

Erklärung

Selbst das geringste weltliche Vergnügen, ja selbst die Haarpflege eines Mannes: Ihre Lebenskraft wird aus den Kammern der Unreinheit gezogen. Dies bereitet das folgende Beispiel von Yosef vor.

Absatz 12 in Kürze

Weltliche Genüsse, selbst geringfügige, beziehen ihre Lebenskraft aus den Bereichen der Kelipah; dies ist die „Bitterkeit“, die in Süße verwandelt werden muss.

13ולכן נענש יוסף בשבתו בבית האסורים י״ב שנה על שהיה מסלסל בשערו כדאיתא בגמרא ע״פ ויהי יוסף יפה תואר ויפה מראה מיד ותשא אשת אדוניו כו׳.

Daher wurde Yosef damit bestraft, zwölf Jahre im Gefängnis zu sitzen, weil er sein Haar lockte, wie es in der Gemara zum Vers heißt: „Und Yosef war schön von Gestalt und schön von Aussehen“; sogleich: „Die Frau seines Herrn warf [ihre Augen] auf ihn“ usw.

Erklärung

Der Text sagt, dies stehe „in der Gemara“; die Quellen, die in der Kehot-Anmerkung genannt werden, sind der Midrasch, Bereshit Rabbah 87:3 und Tanchuma, Vayeshev 8. Sie verbinden Yosefs Aufmerksamkeit für sein Aussehen im Haus seines Herrn mit dem, was unmittelbar darauf folgte: „Die Frau seines Herrn warf ihre Augen“ auf ihn. Für das Locken seines Haars wurde er mit zwölf Jahren Gefängnis bestraft, denn selbst dieses kleine Vergnügen schöpfte aus dem Bereich der Unreinheit.

וצריך להפוך לבו לטעום ממש למיתקא טעמו וראו כי טוב ה׳. אז תתענג על הוי״ה.

Und man muss sein Herz wenden, um wirklich Süße zu schmecken: „Kostet und seht, dass Havayah gut ist.“ „Dann wirst du dich an Havayah erfreuen.“

Erklärung

Man muss also sein Herz wenden und wirklich Süße in G‑tt schmecken: „Kostet und seht, dass Havayah gut ist“, wobei das „Kosten“ im Vers dem Kosten des Bitteren als Süßes im Zohar entspricht. Dann erfüllt sich die Verheißung: „Dann wirst du dich an Havayah erfreuen.“

Absatz 13 in Kürze

Yosefs Bestrafung zeigt, wie ernst selbst kleine Genüsse zu nehmen sind; die Abhilfe besteht darin, das Herz so zu wenden, dass sein Entzücken G‑tt gilt.

Marei Mekomos

  1. 1
    שהיה מסלסל בשערו · Midrash Tanchuma, Vayeshev 8:3
  2. 2
    כדאיתא בגמרא · ראה ב״ר פ׳ פז, ג. ובתנחומא וישב ח.
  3. 3
    ויהי יוסף יפה תואר ויפה מראה · Genesis 39:6
  4. 4
    ויהי יוסף יפה תואר ויפה מראה · Bereshit Rabbah 87:3
  5. 5
    ותשא אשת אדוניו · Genesis 39:7
  6. 6
    טעמו וראו · Psalms 34:9
  7. 7
    אז תתענג על הוי״ה · Isaiah 58:14

14וזה הי׳ [היה] ענין הקרבנות שנהפך חלב מנפש בהמה ועולה ונכלל באש שלמעלה אשר תאכל על המזבח להיות אשה ריח ניחוח לה׳. וכמו״כ [וכמו כן] תהיה התפלה שהיא במקום הקרבנות להלהיב נפשו באש שלמעלה ולהתענג על הוי״ה.

Und dies war die Bedeutung der Opfer: Das Fett aus einer tierischen Seele wird verwandelt, steigt auf und wird in das Feuer von oben aufgenommen, das auf dem Altar verzehrt, damit es ein „Feueropfer, ein wohlgefälliger Duft für Havayah“ sei. Ebenso soll auch das Gebet, das an die Stelle der Opfer tritt, die eigene Seele mit dem Feuer von oben entflammen und sie an Havayah Entzücken finden lassen.

Erklärung

Im Tempel wurde das Fett eines Tieropfers von dem Feuer von oben verzehrt, das auf dem Altar ruhte; dadurch wurde es zu einem „wohlgefälligen Duft für Havayah“. Die Worte „Fett aus einer tierischen Seele“ (nefesh behemah) lassen sich in zweifacher Weise lesen: als das Fett des Tieres, das auf dem Altar geopfert wurde, und als die tierische Seele im Menschen, deren Verlangen nach Genuss ebenfalls verwandelt und emporgehoben werden muss. Das Gebet, das an die Stelle der Opfer tritt, bewirkt dasselbe: Es entflammt die Seele mit jenem Feuer von oben, sodass ihr Entzücken in G‑tt liegt.

Absatz 14 in Kürze

Opfer und Gebet heben beide das „Tierische“ in das Feuer von oben empor und verwandeln es in ein Entzücken an G‑tt; so wird Bitteres in Süßes verwandelt.

Marei Mekomos

  1. 1
    התפלה שהיא במקום הקרבנות · Berakhot 26a:17
  2. 2
    התפלה שהיא במקום הקרבנות · Berakhot 26b:7

15וענין אתהפכא חשוכא לנהורא. הוא שחשך הגשמי של עוה״ז מעשה שמים וארץ שנראים ליש ודבר גשמי יתהפך לנהורא להיות בו גילוי אוא״ס [אור אין סוף] ב״ה להיות היש בטל אליו ית׳ ונגלה כבוד ה׳ למטה כמו למעלה.

Der Sinn von „Finsternis in Licht verwandeln“ ist, dass die physische Finsternis dieser Welt – das Werk von Himmel und Erde, die als ein „Etwas“ und als physische Dinge erscheinen – sich in Licht verwandelt, sodass darin eine Offenbarung des unendlichen Lichts (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, stattfindet; das „Etwas“ soll sich Ihm gegenüber in Selbstaufhebung befinden, und „die Herrlichkeit Havayahs soll“ unten ebenso wie oben offenbar werden.

Erklärung

„Finsternis in Licht verwandeln“ bedeutet, dass die physische Welt, die wie ein festes, unabhängiges „Etwas“ erscheint, selbst zu einem Ort werden soll, an dem das Or Ein Sof offenbar wird; dann befindet sich ihr „Etwas“ G‑tt gegenüber in Selbstaufhebung, und Seine Herrlichkeit wird unten ebenso wie oben offenbar. In Likkutei Torah, Va’eschanan (2a), angeführt in der Kehot-Anmerkung zu Absatz 11, erklärt der Alter Rebbe, warum der Mensch erschaffen wurde: Diese Welt ist doppelt finster, und die Seele, die „Lampe Havayahs“, wird gesandt, um sie zu erhellen und ihre Finsternis in Licht zu verwandeln.

Absatz 15 in Kürze

Das „Finsternis in Licht verwandeln“ des Sohar ist das zuvor genannte Ziel: Die physische Welt selbst offenbart das Or Ein Sof und befindet sich Ihm gegenüber in Selbstaufhebung.

Marei Mekomos

  1. 1
    ונגלה כבוד ה׳ · Isaiah 40:5

16והיינו שע״י בחי׳ טעים מרירו למיתקא שהוא ממטה למעלה להפוך לבו ותאוות עוה״ז לדבקה בו ית׳ בתשוקה וצמאון כו׳

Das heißt: Durch die Ebene (Bechinah) des „Schmeckens von Bitterem [in Süßes verwandelt]“ – eine Bewegung von unten nach oben –, bei der man sein Herz und die Begierden dieser Welt darauf ausrichtet, an Ihm, gesegnet sei Er, mit Sehnsucht und Durst etc. zu haften,

Erklärung

„Bitteres als Süßes schmecken“ ist eine Bewegung von unten nach oben: Ein Mensch wendet sein Herz und seine weltlichen Begierden dem Anhaften an G‑tt zu, mit Sehnsucht und Durst.

יאיר אור ה׳ מלמעלמ״ט [מלמעלה למטה] במקום החשך של העוה״ז שלא יהיה העולם מעלים אור ה׳ וקדושתו

wird das Licht G‑ttes von oben nach unten am Ort der Finsternis dieser Welt leuchten, sodass die Welt das Licht G‑ttes und Seine Heiligkeit nicht verhüllt.

Erklärung

Als Antwort darauf leuchtet G‑ttes Licht von oben nach unten in die Finsternis dieser Welt. Die Welt verhüllt dann G‑ttes Licht und Heiligkeit nicht mehr.

וזהו ג״כ ענין נר מצוה ותורה אור נר מצוה היא בחי׳ העלא׳ [העלאת / העלאה] מלמטלמ״ע [מלמטה למעלה] ותורה אור היא בחי׳ ההמשכה מלמעלמ״ט [מלמעלה למטה] וע״י בחי׳ נר מצוה בא אור התורה:

Und dies ist auch die Bedeutung von „Eine Mitzvah ist eine Leuchte, und die Tora ist Licht“: „Eine Mitzvah ist eine Leuchte“ ist die Ebene des Aufstiegs von unten nach oben, und „die Tora ist Licht“ ist die Ebene der Herabziehung von oben nach unten; und durch die Ebene der „Leuchte der Mitzvah“ kommt das Licht der Tora.

Erklärung

Der Vers „Eine Mitzvah ist eine Leuchte, und die Tora ist Licht“ beschreibt dasselbe Paar. Die Mitzvah, die Leuchte, ist der Aufstieg von unten; die Tora, das Licht, ist die Herabziehung von oben; und das Licht der Tora kommt nur durch die Leuchte der Mitzvah.

Absatz 16 in Kürze

Der Aufstieg von unten (die Leuchte der Mitzvah) bringt Licht von oben herab (das Licht der Tora); dieses Paar wird später die Mesusah und die Chanukka-Leuchte erklären.

Marei Mekomos

  1. 1
    נר מצוה ותורה אור · Proverbs 6:23

Die Wurzel der Buchstaben ¶17–23

17וביאור הדבר. הנה צ״ל ענין אותיות מה ענינם. כי הנה האותיות נחלקות במבטא ע״י ה׳ מוצאות הפה. אחה״ע מהגרון כו׳.

Die Erklärung der Sache: Nun muss erklärt werden, worin das Wesen der Buchstaben besteht. Denn bei der Aussprache werden die Buchstaben durch die fünf Artikulationsorgane des Mundes unterschieden: Alef, Ches, Hei und Ayin kommen aus der Kehle usw.

Erklärung

Um zu erklären, wie die Mitzvah das Licht der Torah herbeiführt, wendet sich der Maamar dem Wesen der Buchstaben zu. Wie Sefer Yetzirah (das alte Buch über die Buchstaben und die Schöpfung) lehrt, werden die Buchstaben durch fünf Teile des Mundes gebildet; Alef, Ches, Hei und Ayin etwa kommen aus der Kehle. Or HaTorah, zitiert in der Anmerkung von Kehot, erklärt, weshalb sich der Maamar hier den Buchstaben zuwendet: Weiter oben hieß es, dass die Welt durch die Buchstaben der Rede erschaffen wurde, die das „Etwas“ zu einem eigenständigen Ding machen; nun zeigt er, dass die Wurzel der Buchstaben sehr hoch ist und dass sie lediglich herabgesetzt wurden, um zu einem Gewand zu werden.

והנה אין המוצאות כלי המבטא דומים לכנור שהוא כלי הנגון שבנגן המנגן עליו מוציא קול שהקול ההוא בא מן תנועת הכנור שמוציא את הקול.

Nun sind die Artikulationsorgane, die Werkzeuge der Rede, nicht mit einer Leier vergleichbar, einem Musikinstrument: Wenn der Musiker auf ihr spielt, bringt sie einen Klang hervor, und dieser Klang entsteht durch die Bewegung der Leier, die den Klang erzeugt.

Erklärung

Man könnte meinen, dass die Sprachorgane die Buchstaben so hervorbringen, wie eine Leier Musik hervorbringt. Bei einem Instrument wird der Klang tatsächlich durch die Bewegung des Instruments selbst erzeugt.

משא״כ האותיות אינן באות מחמת תנועות כלי המבטא שהן ה׳ מוצאות הפה שהרי מאליהן ומעצמן יוצאות תנועות האותיות בלי שום הכנה וכוונה מכוונת באדם להניע הלשון לאותיות דטלנ״ת. או השפתים לאותיות בומ״ף.

Anders verhält es sich bei den Buchstaben: Sie entstehen nicht infolge der Bewegungen der Sprachorgane, das heißt der fünf Artikulationsorgane des Mundes. Denn die Bewegungen der Buchstaben vollziehen sich von selbst und aus eigenem Antrieb, ohne dass ein Mensch sich darauf vorbereitet oder bewusst beabsichtigt, die Zunge für die Buchstaben Dalet, Tes, Lamed, Nun und Tav oder die Lippen für die Buchstaben Beis, Vav, Mem und Pei zu bewegen.

Erklärung

Bei den Buchstaben ist es anders: Wer spricht, plant nicht, seine Zunge für Dalet oder seine Lippen für Beis zu bewegen. Die Buchstaben kommen von selbst hervor.

אלא אדרבה האותיות מניעות את הלשון לאותיות דטלנ״ת והשפתים לאותיות בומ״ף והאותיות מצד עצמן הן מושרשות בנפש עצמה.

Im Gegenteil: Die Buchstaben bewegen die Zunge für die Buchstaben Dalet, Tes, Lamed, Nun und Tav und die Lippen für die Buchstaben Beis, Vav, Mem und Pei; und die Buchstaben selbst sind in der Seele selbst verwurzelt.

Erklärung

Im Gegenteil, die Buchstaben bewegen die Zunge und die Lippen. Die Buchstaben selbst sind in der Seele verwurzelt.

Absatz 17 in Kürze

Die Buchstaben werden nicht vom Mund hervorgebracht, wie Musik von einem Instrument hervorgebracht wird; sie kommen aus der Seele und bewegen die Sprachorgane.

Marei Mekomos

  1. 1
    שו״ה וביאור — ענין אותיות מה ענינם · ראה אוה״ת חנוכה כרך ב שלה, ב ”דלעיל ביאר שע״י אותיות הדבור בע״מ נברא העולם נמשך שיהי׳ היש דבר נפרד, ולכן מבאר ששרש האותיות ממקום גבוה מאד רק נשפלו להיות לבוש”.
  2. 2
    האותיות נחלקות במבטא ע״י ה׳ מוצאות · ראה בד״ה תקעו תר״ן ע׳ ... בענין התחלקות האותיות.
  3. 3
    אין המוצאות כלי המבטא דומים לכנור · וכ״כ במאמרי אדה״ז ענינים ע׳ עו ”אין עניינם כענין צירופי קולות ותנועות המצטרפי׳ להשמע מכלי המוזיקע”. ושם מבאר בארוכה ההפרש בין כלי ניגון לאותיות. וראה שם ע׳ שכב. המשל מכלי המוזיקע מובא גם בסה״מ תקס״ג ע׳ רה.
  4. 4
    שהרי מאליהן ומעצמן יוצאות · מבואר באוה״ת בשלח ע׳ שצא.

18והנפש היא המוציאה אותן מההעלם אל הגילוי מתחלה באותיות המחשבה ואח״כ באותיות הדבור. וז״ש [וזהו שכתוב] ויהי האדם לנפש חיה.

Und es ist die Seele, die sie aus der Verborgenheit in die Offenbarung bringt: zuerst in den Buchstaben des Gedankens und danach in den Buchstaben der Sprache. Und dies ist es, was geschrieben steht: „Und der Mensch wurde zu einer lebendigen Seele (Nefesh Chayah).“

Erklärung

Die Seele bringt die Buchstaben aus der Verborgenheit in die Offenbarung, zuerst als Buchstaben des Gedankens und dann als Buchstaben der Sprache. Der Vers „Und der Mensch wurde zu einer lebendigen Seele“ wird so verstanden, dass er sich darauf bezieht.

ות״א [ותרגום אונקלוס] לרוח ממללא שבחינת האותיות הן בבחי׳ חיה. כי יש באדם נפש רוח נשמה חיה. נפש הוא בחי׳ אותיות מחשבה ודבור.

Und der Targum Onkelos [gibt es wieder als] „einen sprechenden Geist“, denn die Buchstaben stehen auf der Ebene von Chayah. Denn im Menschen gibt es Nefesh [Seele], Ruach [Geist], Neshamah [Atemseele] [und] Chayah [Lebenskraft]. Nefesh ist die Ebene der Buchstaben des Gedankens und der Sprache.

Erklärung

Onkelos übersetzt „eine lebendige Seele“ mit „einem sprechenden Geist“; demnach macht die Sprache den Menschen zu einer „lebendigen“ (Chayah) Seele, und die Buchstaben haben ihre Wurzel auf der Seelenebene, die Chayah genannt wird. Von den hier genannten Seelenebenen – Nefesh, Ruach, Neshamah und Chayah – ist die unterste, Nefesh, die Ebene der Buchstaben des Gedankens und der Sprache, so wie sie zum Ausdruck kommen.

Absatz 18 in Kürze

Die Seele bringt die Buchstaben hervor; Onkelos’ „sprechender Geist“ zeigt, dass ihre Wurzel in Chayah liegt, einer hohen Seelenebene, während Nefesh die Buchstaben bezeichnet, so wie sie in Gedanken und Sprache zum Ausdruck kommen.

Vertiefung

Or HaTorah, zitiert in der Kehot-Anmerkung, fügt hinzu, dass dies möglicherweise die Form der Buchstaben bezeichnet, während ihre Materie aus dem Atem des Herzens stammt. Maamarei Admur HaZaken (Inyanim) führt dies im Namen der Schriften des Arizal an: Die Seele ist voller Buchstaben, wie es in „einer lebendigen Seele“ heißt.

Marei Mekomos

  1. 1
    ויהי האדם לנפש חי׳ · Genesis 2:7
  2. 2
    ות״א לרוח ממללא · ראה אוה״ת חנוכה שלה, ב ”מ״מ י״ל זהו צורת האותיות אבל חומר האותיות נמשך מהבל הלב”. במאמרי אדה״ז ענינים ע׳ עז מביא זה בשם כתבי האריז״ל שנפש מליאה אותיות וכמ״ש לנפש חי׳.
  3. 3
    לרוח ממללא · Onkelos Genesis 2:7

19ורוח הוא הבל הלב שהוא קול כלול מאש רוח ומים כנודע ונשמה היא בחי׳ השגת השכל ונשמת שדי תבינם.

Und Ruach (Atem) ist der Atem des Herzens, nämlich die Stimme, die bekanntlich aus Feuer, Luft und Wasser zusammengesetzt ist. Und Neshamah (Seele) ist die Ebene des intellektuellen Erfassens: „Die Neshamah Schaddais gibt ihnen Verständnis.“

Erklärung

Ruach ist der Atem des Herzens, die Stimme, die Feuer, Luft und Wasser vereint. Neshamah bezeichnet das intellektuelle Verständnis, wie in dem Vers aus Hiob: „Die Neshamah Schaddais gibt ihnen Verständnis.“

וחיה היא בחי׳ חכמה דהיינו מקור החכמה שלמעלה מן ההשגה ושם הוא שרש האותיות אלא שקבען בפה ולא שבראן שם בפה

Und Chayah (Lebenskraft) ist die Ebene der Weisheit (Chochmah), das heißt die Quelle der Weisheit, die über dem Erfassen liegt; dort ist die Wurzel der Buchstaben. Er setzte sie lediglich „in den Mund“, erschuf sie aber nicht dort, im Mund;

Erklärung

Chayah entspricht Chochmah, der Quelle der Einsicht, die über dem Erfassen liegt; dort haben die Buchstaben ihre Wurzel. Sefer Yetzirah sagt, dass G‑tt die Buchstaben „in den Mund setzte“; der Maamar betont, dass Er sie dort einsetzte, sie aber nicht dort erschuf.

כי בריאותם והתהוותם בשרשם הוא למעלה בבחינת חיה ומשם נמשכו ונתחלקו לכ״ב אותיות לדבר בם איש ואיש כלשונו.

denn ihre Erschaffung und ihr Entstehen an ihrer Wurzel finden oben statt, auf der Ebene von Chayah; von dort wurden sie herabgezogen und in zweiundzwanzig Buchstaben aufgeteilt, damit jeder einzelne Mensch mit ihnen gemäß seiner Sprache sprechen kann.

Erklärung

Die Buchstaben werden an ihrer Wurzel in Chayah erschaffen. Von dort werden sie herabgezogen und in die zweiundzwanzig Buchstaben unterteilt, mit denen jeder Mensch in seiner eigenen Sprache spricht.

Absatz 19 in Kürze

Die Ebenen der Seele werden einander zugeordnet: Ruach ist die Stimme, Neshamah das Verständnis und Chayah die Quelle der Weisheit, in der die Buchstaben verwurzelt sind; der Mund bringt nur zum Ausdruck, was seinen Ursprung oben hat.

Marei Mekomos

  1. 1
    ונשמת שדי תבינם · Job 32:8
  2. 2
    אלא שקבען בפה · ספר יצרה פ״ב.
  3. 3
    שקבען בפה · Sefer Yetzirah 2:3

20ובזה יובן ענין מארז״ל [מאמר רבותינו זכרונם לברכה] שמט״ט [שמטטרון] קושר קשרים לקונו מתפלותיהן של ישראל.

Damit wird die Aussage unserer seligen Weisen verständlich, dass Metatron für seinen Schöpfer aus den Gebeten Israels Knoten knüpft.

Erklärung

Die Weisen sagen, dass Metatron, ein hoher Engel, den der Sohar mit Chanoch identifiziert, aus den Gebeten Israels „Knoten“ für seinen Schöpfer knüpft; im nächsten Absatz und in der Überschrift der Kehot-Anmerkung ist von „Kronen“ die Rede.

כי הנה המלאכים מעלים התפלות לפי שדבור האדם הוא גשמי והמלאכים הם רוחני׳ [רוחניים] שהדבור שלהם הוא כמו מחשבה שלנו וע״י המלאך המקבל התפלה מזדככת התפלה מגשמיות לרוחניות ע״י המלאך ההוא.

Denn die Engel erheben die Gebete, weil die Rede des Menschen körperlich ist, während die Engel geistig sind; ihre Rede gleicht unserem Denken. Durch den Engel, der das Gebet empfängt, wird das Gebet durch eben diesen Engel vom Körperlichen zum Geistigen verfeinert.

Erklärung

Die Engel sind es, die die Gebete nach oben tragen, denn die Rede des Menschen ist körperlich, während die Engel geistig sind: Ihre „Rede“ gleicht unserem Denken. Während ein Gebet den Engel durchläuft, der es empfängt, wird es vom Körperlichen zum Geistigen verfeinert.

Absatz 20 in Kürze

Die Engel erheben und verfeinern das Gebet, denn die Rede des Menschen ist körperlich, die der Engel dagegen geistig.

Vertiefung

Die im Kehot-Hinweis zitierte Stelle im Sohar sagt, dass Chanoch, der zum „Jüngling“ (dem Engel Metatron) wurde, täglich hundert Segnungen empfängt und „für seinen Herrn Knoten knüpft“, wie es in unserem Text heißt; die Überschrift der Anmerkung lautet dagegen „Kronen knüpft“, wie im nächsten Absatz. Zur körperlichen Beschaffenheit der menschlichen Rede verweist die Kehot-Anmerkung außerdem auf Sohar 1:23b und 2:201b sowie auf Tanya, Kapitel 40.

Marei Mekomos

  1. 1
    שמט״ט קושר כתרים · Zohar I, 37b
  2. 2
    שדבור האדם הוא גשמי · Zohar I, 23b

21והנה גבוה מעל גבוה עד עולם העליון שבו משכן מט״ט [מטטרון] והוא קושר כתרים שלמעלה מן הראש ומוחין.

Nun geht es „höher als das Hohe“ hinauf bis zur höchsten Welt, in der Metatrons Wohnstätte ist; und er knüpft Kronen, die über dem Haupt und den intellektuellen Kräften (Mochin) stehen.

Erklärung

Über den Engeln, die die Gebete empfangen, gibt es immer höhere Ebenen, bis hinauf zu der Welt, in der Metatron wohnt. Er windet „Kronen“, die über dem Haupt stehen, das heißt auf einer Ebene oberhalb der intellektuellen Kräfte.

וע״י זה ממשיך אותיות חדשות. כי הנה התפלה היא בקשת יה״ר [יהי רצון] שיתהווה בחינת רצון

Dadurch zieht er neue Buchstaben herab. Denn das Gebet ist eine Bitte: „Yehi ratzon“ („Möge Wille sein“), dass eine Ebene des Willens entstehe.

Erklärung

Dadurch zieht Metatron neue Buchstaben herab. Das Gebet ist eine Bitte: „Yehi ratzon“, wörtlich „Möge Wille sein“; es bittet darum, dass ein neuer Wille entstehe.

שכמו שכבר נמשך רצה״ע [רצון העליון] בחכמה. הנה החכמה מחייבת ע״פ התורה אין יסורים בלא עון שהעון גורם יסורים ח״ו [חס ושלום] אבל ע״י התפלה יה״ר [יהי רצון] נמשך רצה״ע [רצון העליון] שלמעלה מבחינת חכמה ושם הוא רחמים פשוטים ורבו פשעיך כו׳.

Denn da der übergeordnete Wille bereits in die Weisheit (Chochmah) herabgezogen wurde, bestimmt die Weisheit gemäß der Torah: „Es gibt kein Leiden ohne Sünde“, denn die Sünde verursacht Leiden, G‑tt bewahre. Doch durch das Gebet, durch „Yehi ratzon“, wird der über der Ebene der Weisheit liegende übergeordnete Wille herabgezogen; dort herrscht einfache Barmherzigkeit, und „deine Verfehlungen sind zahlreich“ usw.

Erklärung

Da der übergeordnete Wille bereits in der Weisheit zum Ausdruck kommt, bestimmt die Weisheit der Torah zufolge, dass auf Sünde Leiden folgen. Das Gebet erreicht den Willen oberhalb der Weisheit, eine Ebene einfacher Barmherzigkeit, die nicht an diese Abwägung gebunden ist, selbst wenn „deine Verfehlungen zahlreich sind“. Or HaTorah fügt, wie in der Kehot-Anmerkung zitiert, hinzu, dass diese Herabziehung vom „Herrn des Willens“ kommt, der über dem Willen selbst steht, wie der Alter Rebbe in Torah Ohr, Beshalach, über G‑ttes Langmut erklärt.

Absatz 21 in Kürze

Das durch Metatron emporgehobene Gebet erreicht den über der Weisheit (Chochmah) liegenden übergeordneten Willen und zieht einen neuen Willen herab: einfache Barmherzigkeit, die über das hinausgeht, was die strenge Weisheit verfügen würde.

Vertiefung

Der im Kehot-Hinweis zitierte Yalkut Shimoni erzählt, dass die Weisheit, gefragt nach der Strafe des Sünders, streng antwortet, während der Heilige, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), antwortet, er solle umkehren und Sühne erlangen. Or HaTorah sagt, wie in einer anderen Anmerkung zitiert, dass diese Herabziehung vom „Herrn des Willens“ (Baal HaRatzon) kommt, der über dem Willen selbst steht; daher heißt es: „Ich bete zum Herrn der Nase“, zu Dem, dessen Langmut groß ist.

Marei Mekomos

  1. 1
    התפלה היא בקשת יה״ר · ראה קו״א לתניא ד״ה להבין מ״ש בפע״ח. סה״מ תרכ״ז ע׳ תלג.
  2. 2
    החכמה מחייבת . . אין יסורים בלא עון · ילקוט שמעוני תהלים סי׳ כה ע״פ טוב וישר רמז תשב.
  3. 3
    אין יסורים בלא עון · Shabbat 55a:17–18
  4. 4
    כי הנה התפלה . . ורבו פשעיך · מובא באוה״ת פ׳ בהעלותך ע׳ תד.
  5. 5
    נמשך רצה״ע . . ורבו פשעיך · באוה״ת פ׳ בהעלותך ע׳ תד ”והמשכה זו מבחי׳ בעל הרצון שלמעלה מבחי׳ רצון כמו שיובן ממ״ש בת״א בד״ה בשלח פרעה בענין כמה ארך אפים כו׳ שהוא למעלה מעלה מבחי׳ רצון ונק׳ בעל הרצון וע״ז אמרו לבעל החוטם אני מתפלל כמ״ש למען שמי אאריך אפי ותהלתי אחטם לך ועמ״ש בלקו״ת בד״ה מה יפו פעמייך בנעלים” עכ״ל.

22וזהו שארז״ל [שאמרו רבותינו זכרונם לברכה] כשישראל אומרים יהא שמו הגדול מבורך כו׳ הקב״ה מנענע בראשו. פי׳ שמנענע וממשיך בראשו הוא רצה״ע [רצון העליון] ב״ה

Und dies ist es, was unsere Weisen seligen Angedenkens gesagt haben: Wenn Israel sagt: „Sein großer Name sei gesegnet“ usw., nickt der Heilige, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), mit Seinem Kopf. Das heißt: Er bewegt und zieht Seinen „Kopf“ herab; dieser ist der Wille (Ratzon) der höchsten Ebene, gelobt sei Er;

Erklärung

Der Talmud sagt, dass Kudsha Brich Hu mit dem Kopf nickt, wenn die Juden mit den Worten „Möge Sein großer Name gesegnet sein“ antworten. Der Maamar deutet den „Kopf“ als den höchsten Ratzon, den G‑tt als Antwort „bewegt“ und herabzieht; in Likkutei Torah, Shelach (48b), das in der Kehot-Anmerkung zitiert wird, erklärt der Alter Rebbe ausführlich, dass G‑ttes „Kopf“ der höchste Ratzon ist und dass Sein Nicken dessen Herabziehen nach unten bedeutet.

כי אותו מבקשים יהא שמו הגדול מבורך שיהא ברוך ונמשך שמו הגדול שלמעלה מבחינת השתלשלות שהוא גדול ומהולל מאד.

Denn darum wird gebeten: „Sein großer Name sei gesegnet“ – dass Sein großer Name, der über der Ebene der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) steht, gesegnet und herabgezogen werde, denn dieser ist „groß und überaus gepriesen“.

Erklärung

Darum wird mit diesen Worten gebeten: Sein großer Name, der über der gesamten Hishtalshelus steht, soll „gesegnet“, das heißt, herabgezogen werden. Dieser ist „groß und überaus gepriesen“ und steht jenseits aller Welten.

Absatz 22 in Kürze

Mit den Worten „Sein großer Name sei gesegnet“ wird darum gebeten, dass G‑ttes Wille, der über allen Welten steht, herabgezogen werde; das Bild des Talmuds, dass G‑tt mit Seinem Kopf nickt, veranschaulicht dieses Herabziehen.

Vertiefung

Die in den Anmerkungen zu Absatz 11 zitierte Stelle aus Likkutei Torah erklärt „Segnung“ auf dieselbe Weise: als Herabziehen, wie beim Aufpfropfen eines Zweiges.

Marei Mekomos

  1. 1
    שארז״ל כשישראל אומרים יהא שמו הגדול מבורך · Berakhot 3a:14

23והמשכת רצה״ע [רצון העליון] הזה הוא ע״י העלאת אותיות התפלה לשרשן ומקורן כתר העליון ע״י מט״ט [מטטרון]. והיינו לפי ששרש האותיות היא בכתר העליון למעלה מבחי׳ חכמה ומוחין אלא שראשית הגלוי היא בחכמה שא״א להשכיל ולהשיג כל דבר מושכל כ״א ע״י אותיות.

Die Herabführung dieses erhabenen Willens geschieht dadurch, dass die Buchstaben des Gebets durch Metatron zu ihrer Wurzel und ihrem Ursprung, der höchsten Krone (Keser), erhoben werden. Das heißt: Die Wurzel der Buchstaben liegt im höchsten Keser, über der Ebene der Weisheit (Chochmah) und den intellektuellen Kräften (Mochin). Doch der Beginn der Offenbarung liegt in Chochmah, denn nichts Erkennbares lässt sich verstehen und erfassen außer durch Buchstaben.

Erklärung

Der erhabene Wille wird herabgeführt, wenn die Buchstaben des Gebets durch Metatron zu ihrer Wurzel im höchsten Keser erhoben werden, der über dem Intellekt steht. Die Buchstaben haben ihre Wurzel im Keser, über Chochmah; dennoch beginnt die Offenbarung in Chochmah, da sich nichts ohne Buchstaben verstehen lässt.

אבל האותיות עצמן אינן בחי׳ שכל שא״א לשכל המושג להשיג ענין מהות האותיות בעצמותם אלא שהן לבוש השכל

Die Buchstaben selbst gehören jedoch nicht zur Ebene des Intellekts, denn der erfassbare Intellekt kann das Wesen der Buchstaben an sich nicht erfassen; vielmehr sind sie ein Gewand des Intellekts.

Erklärung

Die Buchstaben selbst sind kein Intellekt: Der Verstand kann nicht erfassen, was Buchstaben ihrem Wesen nach sind. Sie sind ein Gewand für den Intellekt.

והלבוש הזה הוא מבחי׳ חיצוניות עליון שירד ונתפשט למטה להלביש את השכל. ומשם יורד עוד להיות אותיות מחשבה ודבור:

Dieses Gewand stammt aus der äußeren Dimension (Chitzoniyus) der höheren Ebene, die herabstieg und sich nach unten ausbreitete, um den Intellekt zu bekleiden. Von dort steigt es noch weiter herab und wird zu Buchstaben des Denkens und der Rede.

Erklärung

Dieses Gewand stammt aus einer äußeren Dimension (Chitzoniyus) der höheren Ebene, die herabstieg, um den Intellekt zu bekleiden. Von dort steigen die Buchstaben weiter herab und werden zu Buchstaben des Denkens und der Rede.

Absatz 23 in Kürze

Die Buchstaben haben ihre Wurzel im Keser, über dem Intellekt; sie bekleiden Chochmah wie ein Gewand und steigen in Denken und Rede herab. Deshalb führt die Erhebung der Buchstaben des Gebets zu ihrer Wurzel den erhabenen Willen herab.

Die Torah, das Gleichnis des Ur-Einen ¶24–30

24והנה התורה נתלבשה באותיות ג״כ עד״ז שאותיות התורה שרשן למעלה מעלה מבחי׳ התורה. דאורייתא מחכמה נפקת והאותיות שרשן למעלה בבחי׳ כתר.

Auch die Tora wurde auf diese Weise in Buchstaben gekleidet: Die Buchstaben der Tora haben ihre Wurzel weit oberhalb der Ebene der Tora. Denn „die Tora geht aus der Weisheit (Chochmah) hervor“, während die Buchstaben ihre Wurzel oberhalb davon, auf der Ebene der Krone (Keser), haben.

Erklärung

Auch die Tora ist in Buchstaben gekleidet, und ihre Buchstaben haben ihre Wurzel weit oberhalb der eigenen Ebene der Tora. Der Zohar sagt, die Tora „geht aus Chochmah hervor“, der Weisheit. Ihre Buchstaben aber haben ihre Wurzel in Keser, der Krone oberhalb der Weisheit. In Likkutei Torah, Chukas, nimmt der Alter Rebbe auf diesen Maamar Bezug und erklärt den Gedanken: Auf der unteren Ebene ist Chochmah höher als die Buchstaben, doch in ihrer Wurzel sind die Buchstaben höher; denn, wie der Ramaz schreibt, kommen sie aus der „Luft“ (Avira) oberhalb der Weisheit von Keser.

ואותיות מלשון אתא שהוא לשון המשכה. שהאותיות הן המשכות שבהן ועל ידן נמשך להיות התורה.

Und Otiyos (Buchstaben) leitet sich vom Wort „asa“ („kam“) ab, das ein Herabziehen bezeichnet; denn die Buchstaben sind Herabziehungen, durch die und in denen die Tora herabgezogen wird und entsteht.

Erklärung

Das hebräische Wort für Buchstaben, Otiyos, wird mit „asa“ („kam“) in Verbindung gebracht, dem aramäischen Wort in „Der Morgen kommt“ (Jesaja 21:12), das ein Kommen und Herabziehen bezeichnet. Maamarei Admur HaZaken (Inyanim) erklärt in einer Kehot-Anmerkung, dass Otiyos selbst ein aramäisches Wort ist. Die Buchstaben sind Kanäle, durch die das Licht herabgezogen wird, sodass die Tora entsteht.

Absatz 24 in Kürze

Wie die Buchstaben der Sprache sind auch die Buchstaben der Tora in Keser verwurzelt, oberhalb der Weisheit der Tora, und dienen als Kanäle, durch die sie herabgezogen wird.

Vertiefung

Or HaTorah, zitiert in einer Kehot-Anmerkung, wirft eine Schwierigkeit auf, die sich aus dem Maamar „LeSusasi“ in Torah Ohr ergibt: Dort heißt es, dass die Rede der Tora in der oberen Chochmah verwurzelt ist und dass beim Spalten des Meeres Schweigen nötig war, weil die Offenbarung von Keser kam. Hemshech „Matzah Zo“ 5640 ergänzt, dass die Buchstaben „herabgesenkt wurden, um zu einem Gewand zu werden, in dem das Licht der Tora offenbart wird“.

Marei Mekomos

  1. 1
    דאורייתא מחכמה נפקת · Zohar II, 121a
  2. 2
    דאורייתא מחכמה נפקת · Zohar, Yitro 21:378–22:389
  3. 3
    והאותיות שרשן למעלה בבחי׳ כתר · באוה״ת יתרו ע׳ תשצג הקשה ”וצ״ע בד״ה לסוסתי בתו״א פ׳ בשלח אומר הדבור תורה שרשו מחכמה עילאה סוסין דוכרין ובקי״ס צ״ל ואתם תחרישון לפי שהגילוי מכתר” ע״ש. בהמשך מצה זו תר״מ סעי׳ ה׳ ע׳ קכה: ”ולכן נשפלו להיות לבוש שבהם יתגלה אור התורה”. ע״ש.
  4. 4
    ואותיות מלשון אתא · Isaiah 21:12
  5. 5
    והנה התורה נתלבשה . . שבהן ועל ידן נמשך להיות התורה · מובא באוה״ת נ״ך כרך ב ע׳ תתקו. המשך מצה זו תר״מ ע׳ קכה.

25והענין כי הנה כתיב כאשר יאמר משל הקדמוני והוא התורה שהתורה נקראת בשם משל הקדמוני.

Die Erklärung: Es steht geschrieben: „Wie das Gleichnis des Uranfänglichen lautet“; dies ist die Tora, denn die Tora wird „das Gleichnis des Uranfänglichen“ genannt.

Erklärung

Im Buch Shmuel zitiert David „den Spruch der Vorzeitigen“ (mashal hakadmoni). Der Maamar liest dies als „das Gleichnis des Uranfänglichen“, eine Bezeichnung für die Tora, die das Gleichnis G‑ttes ist; so erklärt es Raschi (Makkos 10b). In Torah Ohr, Megillas Esther (98b), erklärt der Alter Rebbe, dass „der Uranfängliche der Welt“ das unendliche Licht (Or Ein Sof) selbst ist, das sowohl jenseits des Lichts, das alle Welten umfasst (Sovev Kol Almin), als auch des Lichts, das alle Welten erfüllt (Memalei Kol Almin), steht.

וביאור הדבר ההוא כי הנה ענין המשל הוא להמשיל את הנמשל באופן שיובן מתוך המשל.

Und die Erklärung dazu ist: Das Wesen eines Gleichnisses besteht darin, das damit Gemeinte (Nimschal) so darzustellen, dass es aus dem Gleichnis heraus verstanden wird.

Erklärung

Ein Gleichnis vermittelt eine Idee, das Nimschal [das damit Gemeinte], mithilfe von etwas anderem, sodass die Idee daraus verstanden werden kann.

והרי המשל הוא ענין אחר שאינו מהות הנמשל. אלא שהנמשל מובן מתוכו ע״י שדומה לו בצד מה.

Doch das Gleichnis ist etwas anderes und nicht das Wesen dessen, was es veranschaulicht. Vielmehr wird das damit Gemeinte aus ihm verstanden, weil es ihm in gewisser Hinsicht ähnelt.

Erklärung

Das Gleichnis ist niemals die Idee selbst; es ähnelt ihr nur in gewisser Hinsicht, und durch diese Ähnlichkeit wird die Idee erfasst.

Absatz 25 in Kürze

Die Tora wird „das Gleichnis des Uranfänglichen“ genannt: Wie jedes Gleichnis ist sie nicht die Sache selbst, sondern eine Ähnlichkeit, durch die das damit Gemeinte verstanden wird.

Marei Mekomos

  1. 1
    כאשר יאמר משל הקדמוני · I Samuel 24:14
  2. 2
    שהתורה נקראת בשם משל הקדמוני · Makkot 10b:3–4
  3. 3
    שהתורה נקראת בשם משל הקדמוני · Rashi on Makkot 10b:3:1

26וז״ש [וזהו שכתוב] וביד הנביאים אדמה. וחז״ל [וחכמינו זכרונם לברכה] המשילו מראה הנבואה לאספקלריא שכמו שרואין באספקלריא הגם שנראית דמות הצורה בתמונתה ובצלמה ממש מ״מ אין זאת גוף הצורה עצמה ממש אלא דמותה ותמונתה.

Und dies ist es, was geschrieben steht: „Und durch die Propheten werde ich gleichnishaft dargestellt.“ Unsere Weisen, ihr Andenken zum Segen, verglichen die prophetische Schau mit einem Spiegel (Aspaklaria): So wie man in einem Spiegel sieht, obwohl das Abbild der Gestalt genau in ihrer Form und ihrem Bild erscheint, ist es dennoch nicht der tatsächliche Körper der Gestalt selbst, sondern nur ihr Abbild und ihr Bild;

Erklärung

Hoschea sagt, dass G‑tt durch die Propheten „gleichnishaft dargestellt“ wird (adameh, von derselben Wurzel wie demus, „Abbild“), und die Weisen vergleichen die prophetische Schau mit dem Blick in einen Spiegel (Aspaklaria). In einem Spiegel sieht man ein getreues Abbild einer Gestalt, aber nur ihr Abbild und Bild, nicht die Gestalt selbst.

כך כל השגת הנביאים באלקותו ית׳ אין זה אלא בחי׳ דמות ודמיון.

so ist auch alles Erfassen der Propheten von Seiner G‑ttlichkeit, gesegnet sei Er, nur auf der Ebene von Abbild und Ähnlichkeit.

Erklärung

Ebenso war alles, was die Propheten von G‑tt erfassten, Abbild und Bild, nicht Sein Wesen.

Absatz 26 in Kürze

Die Prophetie vermittelt, wie ein Spiegelbild oder ein Gleichnis, ein wahres Abbild der G‑ttlichkeit, aber nicht die G‑ttlichkeit selbst.

Marei Mekomos

  1. 1
    וביד הנביאים אדמה · Hosea 12:11
  2. 2
    וחז״ל המשילו מראה הנבואה לאספקלריא · Yevamot 49b

27והיינו כמו בחי׳ משל שממנו מובן הנמשל. אבל באלקותו ית׳ ממש כתיב כי לא יראני כו׳ וכמשארז״ל [וכמו שאמרו רבותינו זכרונם לברכה].

Das heißt, wie bei einem Gleichnis, aus dem das Gemeinte erschlossen wird. Doch was Seine G‑ttlichkeit selbst betrifft, gesegnet sei Er, so heißt es: „Denn [der Mensch] wird Mich nicht sehen“ usw., wie auch unsere seligen Weisen sagten.

Erklärung

Die Prophetie erfasst G‑tt so, wie ein Gleichnis den Gedanken vermittelt, den es veranschaulicht. G‑tt selbst kann nicht gesehen werden, wie der Vers sagt: „Denn der Mensch kann Mich nicht sehen und am Leben bleiben“, und wie die Weisen lehrten (Bamidbar Rabbah, end of Naso): Selbst die heiligen Chayos [himmlischen Lebewesen], die den Thron tragen, sehen die Herrlichkeit nicht.

וז״ש [וזהו שכתוב] בשלמה וידבר שלשת אלפים משל על כל דבר מד״ת [מדברי תורה] כו׳ דהיינו שאמר על כל דבר מד״ת [מדברי תורה] רוחניות הענין

Und dies ist es, was über Shlomo geschrieben steht: „Und er sprach dreitausend Gleichnisse“ über jede einzelne Angelegenheit der Worte der Tora usw. Das heißt, zu jeder einzelnen Angelegenheit der Worte der Tora erklärte er deren geistige Bedeutung.

Erklärung

Über König Shlomo steht geschrieben, dass „er dreitausend Gleichnisse sprach“, und der Talmud sagt, dass er sie zu jeder Angelegenheit der Tora darlegte. Der Maamar erläutert, dass er zu jeder Angelegenheit deren geistige Bedeutung erklärte.

כמו מצות קרבנות מן הבהמה. ומקריבים חלב ודם ע״ג [על גבי] המזבח בכהן ובגדי כהונה והיה אומר ענין הקרבנות ברוחניות ומהו נקרא חלב ודם ברוחניות ומהו כהן ומהו בגדי כהונה.

Zum Beispiel die Mitzvah [das Gebot] der Tieropfer, [bei denen] Fett und Blut durch einen Kohen [Priester] in priesterlichen Gewändern auf dem Altar dargebracht werden: Er pflegte das Thema der Opfer in geistigen Begriffen zu erläutern – was geistig Fett und Blut genannt wird, was ein Kohen ist und was die priesterlichen Gewänder sind.

Erklärung

Zum Beispiel erklärte er bei den Gesetzen über Tieropfer, bei denen Fett und Blut von einem Kohen in priesterlichen Gewändern auf dem Altar dargebracht werden, was Fett und Blut geistig bedeuten und was der Kohen sowie die priesterlichen Gewänder sind. Jedes körperliche Gesetz ist ein Gleichnis für eine geistige Wirklichkeit.

Absatz 27 in Kürze

G‑tt selbst ist dem Blick entzogen; Shlomos dreitausend Gleichnisse erläuterten die geistige Bedeutung der Gesetze der Tora, etwa der Opfergesetze.

Vertiefung

Or HaTorah, zitiert in einer Kehot-Anmerkung, merkt an, dass der Maamar hier die Buchstaben, die Gefäße sind, in ihrer Wurzel höher stellt als das Licht, während zuvor gesagt wurde, dass das „Etwas“ hauptsächlich aus Buchstaben geschaffen wird. Dies löst er mit der Erklärung auf, dass die Buchstaben nur in ihrer Wurzel höher sind; wenn sie sich jedoch durch viele Stufen herabsenken, stehen sie unterhalb der Weisheit (Chochmah).

Marei Mekomos

  1. 1
    כי לא יראני · Exodus 33:20
  2. 2
    וכמשארז״ל · במד״ר ס״פ נשא.
  3. 3
    כי לא יראני כו׳ וכמשארז״ל · Bamidbar Rabbah 14:22
  4. 4
    וידבר שלשת אלפים משל · I Kings 5:12
  5. 5
    על כל דבר מד״ת · Eruvin 21b:21

28והנה גבוה מעל גבוה כמה מדרגות רוחניות זו למעלה מזו. והשיג שלמה בחכמתו שלשת אלפים משל. דהיינו שלשת אלפים מדרגות זו למעלה מזו.

Nun [gibt es] viele spirituelle Ebenen, eine über der anderen – „höher als das Hohe“. Und Shlomo erfasste in seiner Weisheit dreitausend Gleichnisse, das heißt dreitausend Ebenen, eine über der anderen.

Erklärung

Es gibt viele spirituelle Ebenen, eine über der anderen, und Shlomos Weisheit reichte bis zu dreitausend von ihnen: Die „dreitausend Gleichnisse“ sind dreitausend Ebenen. In Torah Ohr, Megillas Esther (122b), das in der Kehot-Anmerkung zitiert wird, erklärt der Alter Rebbe, warum: Damit die überirdische Weisheit der Tora in eine niedrigere Welt herabkommen kann, muss sie in ein Gleichnis gekleidet werden, dann in ein Gleichnis dieses Gleichnisses und so weiter, bis hin zu dreitausend.

וכולם אינן רק בחינת משל לגבי בחינת אלקות ממש השורה ומתלבש בתורה.

Und all diese Ebenen sind lediglich Gleichnisse im Vergleich zur Ebene der eigentlichen G‑ttlichkeit, die in der Tora ruht und in sie gekleidet ist.

Erklärung

Doch all diese Ebenen sind nur Gleichnisse im Verhältnis zur eigentlichen G‑ttlichkeit, die in der Tora ruht und in sie gekleidet ist.

Absatz 28 in Kürze

Shlomos dreitausend Gleichnisse sind dreitausend spirituelle Ebenen; sie alle sind lediglich Abbilder im Vergleich zur G‑ttlichkeit, die in der Tora gekleidet ist.

Marei Mekomos

  1. 1
    שלשת אלפים משל · I Kings 5:12
  2. 2
    שלשת אלפים מדרגות · ראה לקמן קכב, ב. ובאוה״ת שם.
  3. 3
    וכולם אינן רק בחי׳ משל · ראה בהדרן על הרמב״ם תשמ״ט הערה 31.

29והנה שלמה לא השיג אלא שלשת אלפים משל. אבל באמת כך הוא עד רום המעלות לאין קץ שכולם אינן רק בחינת משל לקדמונו של עולם. דהיינו אור א״ס ב״ה ממש שלמעלה מעלה מבחי׳ וגדר השתלשלות

Nun erfasste Shlomo nur dreitausend Gleichnisse. In Wahrheit verhält es sich jedoch so: Bis zu den höchsten Höhen, ohne Ende, sind sie alle nur Gleichnisse im Verhältnis zum Ur-Anfänglichen der Welt, das heißt zum unendlichen Licht (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, selbst, das weit über der Ebene und den Grenzen der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) steht.

Erklärung

Shlomo erfasste dreitausend Ebenen, doch in Wahrheit setzt sich die Reihe endlos fort. Jede Ebene jedoch, wie hoch sie auch sein mag, ist im Verhältnis zum „Ur-Anfänglichen der Welt“, dem unendlichen Licht selbst, das jenseits der gesamten Kette der Welten liegt, nur ein Gleichnis.

לא בבחי׳ ממלא ולא בבחינת סובב רק שהתורה נמשכה משם ע״י בחינת אותיות והמשכות.

[Es ist] weder auf der Ebene des Lichts, das alle Welten erfüllt (Memalei Kol Almin), noch auf der Ebene des Lichts, das alle Welten umfasst (Sovev Kol Almin). Vielmehr wurde die Tora von dort durch Buchstaben und Herabziehungen herabgezogen.

Erklärung

Dieses Licht steht jenseits sowohl des Lichts, das die Welten erfüllt, als auch des Lichts, das sie umfasst, denn beide stehen noch in Beziehung zu den Welten. Dennoch wurde die Tora von dort mittels Buchstaben und Kanälen herabgezogen.

Absatz 29 in Kürze

Alle Ebenen, ohne Ende, sind nur Gleichnisse für das unendliche Licht selbst, das sogar das umfassende Licht übersteigt; die Tora kommt von dort durch die Buchstaben.

Vertiefung

Die in der Kehot-Anmerkung zu Absatz 25 (Megillas Esther) zitierte Passage aus Torah Ohr bringt denselben Punkt zum Ausdruck: Sowohl Sovev als auch Memalei beziehen sich auf die Welten, während G‑ttes Wesen überhaupt nicht in die Kategorie der Welten fällt; daher wird Er „das Ur-Anfängliche der Welt“ genannt.

30וע״ז ארז״ל [אמרו רבותינו זכרונם לברכה] דוד הע״ה [העליו השלום] היה מחבר תורה של מעלה בהקב״ה. דהיינו שהמשיך אותיות התורה מאוא״ס [מאור אין סוף] ב״ה ממש.

Darüber sagten unsere Weisen seligen Andenkens: König David, Friede sei mit ihm, pflegte die obere Tora mit dem Heiligen, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), zu verbinden. Das heißt, er zog die Buchstaben der Tora aus dem unendlichen Licht (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, selbst, herab.

Erklärung

Sefer HaBahir, ein frühes kabbalistisches Werk, sagt, dass König David durch sein beständiges Lernen „die obere Tora“ mit dem Heiligen, gelobt sei Er, „zu verbinden pflegte“. Der Maamar erklärt, dass er die Buchstaben der Tora aus dem unendlichen Licht selbst herabzog; in Likkutei Torah, Shelach (51a), wo der Alter Rebbe dieselbe Aussage zitiert, erklärt er, dass auch die obere Tora aus Herabziehungen besteht, jedoch von ganz anderer Art.

ועז״נ [ועל זה נאמר] אשר יעשה אתם האדם כו׳. לעשות אותם. שעשיית התורה היא ע״י האדם. וכמארז״ל [וכמאמר רבותינו זכרונם לברכה] מעלה אני עליכם כאלו עשאוני.

Und darüber heißt es: „was der Mensch tun soll“ usw.: „sie zu machen“, denn das Hervorbringen der Tora geschieht durch den Menschen. Und wie unsere Weisen seligen Andenkens sagten: „Ich rechne es euch an, als hättet ihr Mich gemacht.“

Erklärung

Der Vers „was der Mensch tun soll“ wird als „machen“ gelesen: Die Tora wird vom Menschen „gemacht“. Wie die Weisen sagten, betrachtet G‑tt diejenigen, die sie befolgen, „als hättet ihr Mich gemacht“.

וזהו ותורה אור שהתורה מאירה אוא״ס [אור אין סוף] ב״ה ממש. אך אין אור התורה עולה בשם אור אלא ע״י נר מצוה:

Und dies ist [die Bedeutung von] „und die Tora ist Licht“: Die Tora lässt das unendliche Licht, gesegnet sei Er, selbst erstrahlen. Doch das Licht der Tora wird nur durch „eine Mizwa ist eine Lampe“ mit dem Namen „Licht“ bezeichnet.

Erklärung

Darum wird die Tora „Licht“ genannt: Sie lässt das unendliche Licht selbst erstrahlen. Doch das Licht der Tora verdient den Namen „Licht“ nur durch „eine Mizwa ist eine Lampe“.

Absatz 30 in Kürze

Der Mensch zieht die Buchstaben der Tora aus dem unendlichen Licht herab und „macht“ so die Tora; doch ihr Licht leuchtet nur durch die mitzvos, die Lampe.

Vertiefung

Im Sefer HaBahir heißt es, dass Davids Lernen die obere Tora mit dem Heiligen, gelobt sei Er, verbindet, denn wann immer ein Mensch Tora um ihrer selbst willen lernt, wird die obere Tora mit Ihm verbunden.

Marei Mekomos

  1. 1
    ארז״ל דוד הע״ה היה מחבר · ספר הבהיר מובא בלקו״ת פ׳ שלח נא, א. בדרך מצותיך עה, ב מציין לזח״ג רכב, ב (כנראה שזהו ציון המו״ל הראשון). וכ״ה באוה״ת נ״ך כרך ב ע׳ תקיד. ראה ספר הבהיר סי׳ קצו.
  2. 2
    היה מחבר תורה של מעלה בהקב״ה · Sefer HaBahir 196
  3. 3
    אשר יעשה אותם האדם · Leviticus 18:5
  4. 4
    מעלה אני עליהם כאלו עשאוני · Zohar III, 113b
  5. 5
    מעלה אני עליכם כאלו עשאוני · Vayikra Rabbah 35:7
  6. 6
    ותורה אור · Proverbs 6:23

Luft, die Quelle des Lichts ¶31–35

31והענין שהארת אור הנר הוא ע״י שיש אויר סביב האור. משא״כ בלא אויר יכבה ולא יאיר כלל.

Die Erklärung: Das Leuchten des Lampenlichts kommt dadurch zustande, dass sich Luft um das Licht befindet; ohne Luft hingegen würde es erlöschen und überhaupt nicht leuchten.

Erklärung

Eine Flamme leuchtet nur, wenn sich Luft um sie herum befindet; ohne Luft erlischt sie. In Likkutei Torah, Chukas (65d), auf das in der Kehot-Anmerkung verwiesen wird, verwendet der Alter Rebbe dasselbe Bild: In einem Haus genügt eine Lampe, doch in einem Keller, wo die Luft dicht ist, braucht man ein starkes Licht, und eine kleine Flamme kann erlöschen.

ולכן אין כופין כלי ע״ג [על גבי] הנר בשבת שלא יכבה שמחמת כפיית הכלי מונע האויר שסביב האור.

Deshalb stülpt man am Schabbat kein Gefäß über eine Lampe, damit sie nicht erlischt; denn durch das Überstülpen des Gefäßes wird die Luft um das Licht herum abgeschnitten.

Erklärung

Aus diesem Grund stülpt man am Schabbat kein Gefäß über eine Lampe: Dadurch würde die Luftzufuhr unterbrochen und die Flamme erlöschen.

Absatz 31 in Kürze

Die physische Luft ermöglicht es einer Flamme zu leuchten, wie das Schabbatgesetz über das Bedecken einer Lampe zeigt; der Maamar wird dasselbe in der geistigen „Luft“ finden.

Marei Mekomos

  1. 1
    שיש אויר סביב האור · ראה לקו״ת סה, סע״ד. אתהלך לאזניא ע׳ צט. סה״מ תרע״ח ע׳ שיז.
  2. 2
    אין כופין כלי ע״ג הנר בשבת · בדרך מצותיך עה, ב. ובאוה״ת ויקרא כרך ב ע׳ תקכ מציין ”כמ״ש המג״א ססי׳ רע״ז ס״ק ט”. וכ״ה בשו״ע אדה״ז שם.

32והיינו כי האויר גורם להיות הארת אור הנר לפי שאויר הוא אותיות אור י׳ שהאויר הוא מקור האור.

Das heißt: Die Luft bewirkt, dass das Licht der Lampe leuchtet, denn Avir (Luft) besteht aus den Buchstaben von Or (Licht) [und] Yud (dem Buchstaben Jod); die Luft ist die Quelle des Lichts.

Erklärung

Die Luft ermöglicht, dass die Flamme leuchtet, weil das Wort Avir aus den Buchstaben von Or und einem Yud besteht: Avir ist die Quelle des Lichts. Der Maamar Yonasi 5640, der in der Kehot-Anmerkung zitiert wird, erklärt, dass Avir die Wurzel des Yud ist und das Yud Licht in Verborgenheit darstellt, das später in die Offenbarung tritt.

כי היו״ד שבהעלם אותיות אויר הוא העלם האור ובו ועל ידו נמשך ויוצא האור מההעלם אל הגילוי.

Denn der Buchstabe Yud, der innerhalb der Buchstaben von Avir verborgen ist, ist die Verborgenheit des Lichts; in ihm und durch ihn wird das Licht herangezogen und tritt aus der Verborgenheit in die Offenbarung hervor.

Erklärung

Das innerhalb von Avir verborgene Yud ist Licht in Verborgenheit. Durch dieses Yud tritt das Licht aus der Verborgenheit in die Offenbarung. In Likkutei Torah, Pinchas (77a), verweist der Alter Rebbe auf diese Erklärung zurück: Avir, also Or mit einem Yud, ist die Quelle der Buchstaben der Torah.

Absatz 32 in Kürze

Avir ist Or mit einem verborgenen Yud: die verhüllte Quelle, aus der das Licht in die Offenbarung tritt.

Vertiefung

Der Pardes (Pardes Rimonim von R. Moshe Cordovero), der in der Kehot-Anmerkung zitiert wird, führt Avir unter den kabbalistischen Begriffen auf und identifiziert es, dem Raaya Mehemna (einem Abschnitt des Zohar) folgend, mit der Schönheit (Tiferes), der mittleren Säule. Eine Randbemerkung eines Chassid in Torah Ohr fügt Tosafos zu Chullin 127a hinzu, über Geschöpfe, die in Feuer und in Luft leben.

Marei Mekomos

  1. 1
    שאויר — אותיות אור י׳ · Zohar I, 16b
  2. 2
    שהאויר הוא מקור האור · Chullin 127a:11–13

33והיינו כמו בחינת אותיות שלמעלה מהתורה ושם הוא שרש ומקור המצות שהן מושרשות ברצה״ע [ברצון העליון] ב״ה שלמעלה מהחכמה בחי׳ דאורייתא מחכמה נפקת.

Und dies ist wie die Ebene der Buchstaben, die über der Torah stehen; dort ist die Wurzel und Quelle der mitzvos, die im erhabenen Willen, gesegnet sei Er, verwurzelt sind, der über der Weisheit (Chochmah) steht – jener Ebene, von der es heißt: „Die Torah geht aus Chochmah hervor.“

Erklärung

Dies ist wie die Buchstaben, die über der Torah stehen. Dort sind die mitzvos verwurzelt: im erhabenen Willen, der über Chochmah steht, jener Ebene, aus der die Torah hervorgeht.

ולכן בעשיית המצות שהן בבחינת העלאה מלמטה למעלה למקורן ושרשן בחי׳ אוי״ר [אויר] אור י׳ גורם להאיר אור התורה

Daher bewirkt die Ausführung der mitzvos, die ein Emporsteigen von unten nach oben zu ihrer Quelle und Wurzel darstellen – zur Ebene von Avir (Luft), oder [und] Yud –, dass das Licht der Torah leuchtet,

Erklärung

Die Ausführung der mitzvos hebt sie von unten zu ihrer Wurzel empor, zu der Ebene, die Avir (Luft) heißt, oder mit einem Yud. So wie Luft eine Flamme leuchten lässt, bewirken die mitzvos, dass das Licht der Torah leuchtet.

כי כל המצות נק׳ בשם צדקה. כמ״ש וצדקה תהיה לנו כי נשמור לעשות את כל המצוה הזאת כו׳.

denn alle mitzvos werden Tzedakah (Gerechtigkeit, auch Wohltätigkeit) genannt, wie geschrieben steht: „Und es wird für uns Tzedakah sein, wenn wir darauf achten, diese ganze Mitzvah zu tun“ usw.

Erklärung

Alle mitzvos werden Tzedakah genannt (Gerechtigkeit und auch Wohltätigkeit), wie der Vers sagt: „Und es wird für uns Tzedakah sein, wenn wir darauf achten, diese ganze Mitzvah zu tun.“ In Likkutei Torah, Re’eh (23c), auf das in der Kehot-Anmerkung verwiesen wird, erklärt der Alter Rebbe, dass Tzedakah der allgemeine Ausdruck aller mitzvos ist, die das Licht der Torah bewahren und erhalten.

Absatz 33 in Kürze

Die mitzvos sind im erhabenen Willen verwurzelt, oberhalb der Weisheit der Torah, im spirituellen Avir; ihre Ausführung lässt das Licht der Torah leuchten, und alle werden Tzedakah genannt.

Marei Mekomos

  1. 1
    להאיר אור התורה · ראה אוה״ת תרומה ע׳ א׳שעח.
  2. 2
    כל המצות נק׳ בשם צדקה · ראה גם לקו״ת ראה כג, ג. שה״ש לח, א. ובכ״מ. ד״ה וידבר כו׳ וארא אל אברהם תשי״ד.
  3. 3
    וצדקה תהי׳ לנו · Deuteronomy 6:25

34וצדקה לדלים ואביונים היא המשכה והשפעה להחיות רוח שפלים.

Und Tzedakah (Wohltätigkeit) an die Armen und Mittellosen ist ein Herabziehen und eine Gewährung, um „den Geist der Niedrigen zu beleben“.

Erklärung

Wohltätigkeit an die Armen versorgt sie mit dem Lebensnotwendigen und belebt, mit den Worten Jesajas, „den Geist der Niedrigen“.

וכך מעוררים למעלה בחי׳ המשכות להחיות רוח שפלים דקמיה כולא כלא חשיב והכל נק׳ שפלים ודלים אצלו ית׳. וההמשכות וההשפעות הן הן אור התורה. כי אור ושפע הכל א׳.

Und auf diese Weise erweckt man oben die Ebene (Bechinah) der Herabführungen, um „den Geist der Niedrigen zu beleben“, denn „vor Ihm gilt alles als nichts“, und alles wird in Bezug auf Ihn, gepriesen sei Er, niedrig und arm genannt. Und diese Herableitungen und Gewährungen sind selbst das Licht der Tora, denn Licht und Zufluss sind ein und dasselbe.

Erklärung

Auf dieselbe Weise erweckt unsere Tzedakah unten einen Zufluss von oben, um die Niedrigen zu beleben, denn vor G‑tt ist alles wie nichts, und alle Geschöpfe sind in Bezug auf Ihn „niedrig und arm“. Der Zufluss, den Er gewährt, ist selbst das Licht der Tora, da Licht und Zufluss eins sind.

Absatz 34 in Kürze

Tzedakah unten erweckt G‑ttes Tzedakah oben gegenüber allen Geschöpfen, die vor Ihm „arm“ sind; und dieser Zufluss ist das Licht der Tora.

Marei Mekomos

  1. 1
    להחיות רוח שפלים · Isaiah 57:15
  2. 2
    דקמיה כולא כלא חשיב · Zohar, Introduction 20:188–22:199

35וזהו שארז״ל [שאמרו רבותינו זכרונם לברכה] כל האומר אין לי אלא תורה אפילו תורה אין לו רק צ״ל תורה וגמ״ח [וגמילות חסדים]

Und dies ist es, was unsere seligen Weisen gesagt haben: „Wer sagt: ‚Ich habe nichts außer Tora‘, hat nicht einmal Tora.“ Vielmehr müssen Tora und Taten der Güte (Gemilus Chasadim) zusammenkommen,

Erklärung

Der Talmud sagt, dass jemand, der behauptet, nur Tora zu haben, nicht einmal Tora hat. Man braucht Tora zusammen mit Taten der Güte (Gemilus Chasadim).

כי בלא גמ״ח [גמילות חסדים] זו צדקה אין אור התורה מאיר לו.

denn ohne Taten der Güte, nämlich Tzedakah [Wohltätigkeit], scheint das Licht der Tora ihm nicht.

Erklärung

Ohne Güte, nämlich Tzedakah, scheint das Licht der Tora einem Menschen nicht.

וזהו אפי׳ [אפילו] תורה אין לו. פי׳ שאין התורה שייכה ומתייחסת אליו רק התורה היא בחי׳ אותיות הנ״ל.

Und dies ist [die Bedeutung von] „hat nicht einmal Tora“: Das heißt, die Tora gehört nicht zu ihm und steht nicht in Beziehung zu ihm; vielmehr ist die Tora die oben erwähnte Ebene der Buchstaben.

Erklärung

Dies ist die Bedeutung von „hat nicht einmal Tora“: Die Tora eines solchen Menschen gehört ihm nicht wirklich; sie bleibt auf der Ebene der oben beschriebenen Buchstaben.

וזהו אמשיך רוח ואייתי רוח. פי׳ רוח היינו בחינת אוי״ר [אויר] הנ״ל ומתחלה אמשיך מקור בחי׳ אותיות. ואח״כ אייתי וממשיך המשכת אור א״ס ב״ה בחכמה ראשית גילוי האותיות להיות התורה אור:

Und dies ist [die Bedeutung von] „es zieht Geist an und bringt Geist herbei“. Das heißt: „Geist“ ist die oben erwähnte Ebene des Avir [Luft]; zuerst „zieht es“ die Quelle, die Ebene der Buchstaben, an; danach „bringt es herbei“, indem es das unendliche Licht (Or Ein Sof), gelobt sei Er, in die Weisheit (Chochmah) herableitet, den Anfang der Offenbarung der Buchstaben, damit die Tora Licht werde.

Erklärung

Dies ist es, was der Zohar mit „es zieht Geist an und bringt Geist herbei“ meint. „Geist“ (Ruach, was auch Wind oder Luft bedeutet) ist der oben beschriebene Avir [Luft]: Zuerst zieht der Aufstieg die Quelle der Buchstaben an; dann „bringt er herbei“, indem er Or Ein Sof in die Chochmah herableitet, wo die Buchstaben erstmals in Erscheinung treten, damit die Tora zu Licht wird.

Absatz 35 in Kürze

Tora ohne Güte entbehrt ihres Lichts; Tzedakah wirkt wie die Luft für eine Flamme: Sie erreicht zuerst die Quelle der Buchstaben und bringt dann Or Ein Sof in die Weisheit der Tora herab.

Marei Mekomos

  1. 1
    כל האומר אין לי אלא תורה · Yevamot 109b:4–5
  2. 2
    אמשיך רוח ואייתי רוח · Zohar II, 162b

Mezuzah rechts, Chanukka-Lampe links ¶36–39

36ובזה יובן ענין מזוזה מימין ונר חנוכה משמאל כי מזוזה היא בחי׳ העלאה ממטה למעלה כמו בחי׳ המצות.

Damit wird die Bedeutung von „der Mezuzah zur Rechten und der Chanukka-Lampe zur Linken“ verständlich. Denn die Mezuzah ist die Ebene des Aufstiegs von unten nach oben, wie auch die Ebene der mitzvos.

Erklärung

Dies erklärt, warum die Mezuzah zur Rechten und die Chanukka-Lampe zur Linken angebracht sind. Die Mezuzah stellt, wie alle mitzvos, einen Aufstieg von unten nach oben dar. Sefer HaMaamarim 5635, das in der Kehot-Anmerkung zitiert wird, fasst diesen maamar so zusammen: Die Mezuzah hebt die Buchstaben zu ihrer Wurzel, dem Avir (Luft), empor, und durch sie wird das Licht der Torah, die Chanukka-Lampe, herabgezogen.

וענין המזוזה הוא שכותבין פ׳ שמע והיה אם שמוע שכתוב שם אחד ואהבת בכל לבבך ובכל נפשך ובכל מאדך בחי׳ העלאה.

Die Angelegenheit der Mezuzah besteht darin, dass man die Abschnitte Shema und VeHayah Im Shamoa niederschreibt, in denen „Eins“ und „Und du sollst mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit all deiner Kraft lieben“ geschrieben stehen: die Ebene des Aufstiegs.

Erklärung

Die Mezuzah enthält die Abschnitte Shema und VeHayah Im Shamoa, die von G‑tt als „Eins“ sprechen und dazu auffordern, Ihn mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft zu lieben. Sie bringen den Aufstieg von allem zu G‑tt zum Ausdruck.

Absatz 36 in Kürze

Die Mezuzah verkörpert den Aufstieg: Ihre Worte über G‑ttes Einheit und über die völlige Liebe heben alles zu Ihm empor.

Vertiefung

Or HaTorah, das in der Kehot-Anmerkung zitiert wird, führt den Shoshan Sodos an, wonach die Mezuzah die Beständigkeit (Netzach) und die Pracht (Hod) zur Güte (Chesed) und zur Selbstbegrenzung (Gevurah) und von dort zur überhimmlischen Krone (Keser) erhebt, sowie den Siddur, der erklärt, dass die Mitzvah der Mezuzah deshalb ein umfassendes Licht herabzieht, das einen Menschen und seinen gesamten Besitz schützt. Sefer HaMaamarim 5635 fasst diesen maamar zusammen: Die Mezuzah erhebt die Buchstaben zu ihrer Wurzel, dem Avir, und durch sie wird das Licht der Torah, die Chanukka-Lampe, herabgezogen.

Marei Mekomos

  1. 1
    ואהבת בכל לבבך ובכל נפשך ובכל מאדך · Deuteronomy 6:5

37וקובעין בפתח הבית להעלות הבית וכל אשר בו כל רכושו וקנינו בכל התיבות להיות בטלים לאהבת ה׳ בכל מאדך בכל ממונך.

Und sie wird am Eingang des Hauses angebracht, um das Haus und alles, was sich darin befindet, zu erheben – seinen gesamten Besitz und seine Habe in allen Kisten –, damit alles der Liebe zu G‑tt untergeordnet sei: „mit all deiner Kraft“, mit all deinem Geld.

Erklärung

Die Mezuzah wird am Eingang angebracht, um das Haus und alles darin, den gesamten Besitz, zu erheben, damit alles der Liebe zu G‑tt untergeordnet sei. Die Weisen erklären „mit all deiner Kraft“ als „mit all deinem Geld“.

ולכן קובעין המזוזה בימין כי וימינו תחבקני כאדם החובק את חבירו שמקרבו אצלו כך נמשך ימין מקרבת להעלות אליו ית׳ כל הבא לקרב אליו ית׳.

Daher wird die Mezuzah auf der rechten Seite angebracht, denn „Seine Rechte umarmt mich“ – wie ein Mensch seinen Freund umarmt und ihn zu sich heranzieht; ebenso wird die „Rechte, die nahebringt“, herabgezogen, um zu Ihm, gesegnet sei Er, jeden zu erheben, der kommt, um sich Ihm, gesegnet sei Er, zu nähern.

Erklärung

Sie wird auf der rechten Seite angebracht, weil die rechte Hand umarmt und nahe heranzieht, wie es heißt: „Seine Rechte umarmt mich.“ Die rechte Seite zieht jeden, der sich nähern möchte, zu G‑tt hinauf.

אבל נ״ח הוא המשכת אור התורה. כי היונים רצו להשכיחם תורתך ולכן הוא משמאל. כי מימינו אש דת למו שהתורה נמשלה לאש כנודע.

Die Chanukka-Leuchte aber ist das Herabziehen des Lichts der Torah, denn die Griechen wollten „sie deine Torah vergessen lassen“; daher befindet sie sich auf der linken Seite. Denn „von Seiner Rechten her ein feuriges Gesetz für sie“: Die Torah wird, wie bekannt, mit Feuer verglichen.

Erklärung

Die Chanukka-Leuchte bewirkt die entgegengesetzte Bewegung: Sie zieht das Licht der Torah herab – jenes Licht, das die Griechen Israel vergessen machen wollten, wie es im Dankgebet zu Chanukka heißt. Sie befindet sich auf der linken Seite; der Vers „von Seiner Rechten her ein feuriges Gesetz für sie“ zeigt, dass die Torah als Feuer von der rechten Seite kommt. Die folgenden Absätze erklären, warum ihr Licht die linke Seite erreichen muss.

Absatz 37 in Kürze

Die Mezuzah auf der rechten Seite erhebt das Haus und seinen Besitz zu G‑tt; die Chanukka-Leuchte auf der linken Seite zieht das Licht der Torah herab – eben jenes Licht, das die Griechen Israel vergessen machen wollten.

Marei Mekomos

  1. 1
    בכל ממונך · Berakhot 54a:6
  2. 2
    כאדם החובק . . לקרב אליו ית׳ · ראה ביאורי זהר לכ״ק אדמו״ר הצמח צדק פ׳ יתרו ע׳ רמג.
  3. 3
    מימינו אש דת · ברכה לג, ב.
  4. 4
    מימינו אש דת למו · Deuteronomy 33:2
  5. 5
    כי מזוזה היא בחי׳ העלאה . . כל הבא לקרב אליו ית׳ · מובא באוה״ת דברים כרך ו ע׳ ב׳רפב וז״ל ”והנה מ״ש כי המזוזה היא העלאה זה כמשנת״ל ססעי׳ ה [נדפס באוה״ת ואתחנן ע׳ שנג] בשם השושן סודות שהיא להעלות נו״ה לחו״ג ומשם לכ״ע, ועיין בסידור שער החנוכה סד״ה להבין שורש ענין מזוזה מימין גבי ומעתה הנה יובן שורש ענין משארז״ל דמזוזה מימין, שם פי׳ זה איך שהיא העלאה לבחי׳ כתר עליון כמ״ש השו״ס, ואיך שע״כ נמשך משם בחי׳ או״מ במצות מזוזה שנקרא שומר לשמור את האדם וכל רכושו מהיזק קטרוג החיצונים” עכ״ל שם. בסה״מ תרל״ה כרך א ע׳ יג: ”בת״א בד״ה מזוזה מימין פי׳ מזוזה מצות העלאת האותיות לשרשם בחי׳ אויר, ועי״ז נמשך אור התורה שזהו נר חנוכה”.

38ובפרט שעיקר מצות נ״ח להאיר בחוץ ברה״ר [ברשות הרבים] ובחי׳ רבים היינו טורא דפרודא מבחי׳ ז׳ אומות שגם שם יאיר אור ה׳ וקדושתו שלא יהא העלם והסתר כמו שהיה בימי חשמונאי שרצו היונים להשכיחם תורתך.

Und besonders, da die Hauptmitzvah des Chanukka-Leuchters darin besteht, draußen, im öffentlichen Bereich (Reshus Harabim, „Bereich der Vielen“), zu leuchten; und die Ebene der „Vielen“ ist der Berg der Trennung (Tura Difruda), der der Ebene der sieben Völker entstammt: Auch dort soll das Licht G‑ttes und Seine Heiligkeit leuchten, sodass es keine Verhüllung und Verborgenheit gibt, wie in den Tagen der Chasmonäer, als die Griechen danach trachteten, sie „Deine Torah vergessen zu lassen“.

Erklärung

Der Chanukka-Leuchter soll vor allem draußen, im öffentlichen Bereich, leuchten, auf Hebräisch „Bereich der Vielen“. Der Maamar liest „die Vielen“ als das, was der Zohar den „Berg der Trennung“ nennt: den Bereich der Spaltung und Verhüllung, den er mit den sieben Völkern verbindet (den sieben Völkern Kanaans, die Chassidus als die sieben Attribute der Hülle (Kelipah) deutet). Der Leuchter trägt das Licht G‑ttes und Seine Heiligkeit auch dorthin, sodass nichts verborgen bleibt – so wie die Torah verborgen war, als die Griechen versuchten, Israel die Torah vergessen zu lassen.

וכשגברה מלכות בית חשמונאי תקנו להמשיך אור התורה גם במקום הרבים טורי דפרודא:

Und als die Herrschaft des Hauses der Chasmonäer erstarkte, setzten sie fest, das Licht der Torah auch in die Stätte der Vielen, die Berge der Trennung, herabzuführen.

Erklärung

Als die Herrschaft der Chasmonäer erstarkte, wurde der Chanukka-Leuchter eingesetzt, um das Licht der Torah in den öffentlichen Bereich, die „Berge der Trennung“, herabzuführen.

Absatz 38 in Kürze

Der Chanukka-Leuchter strahlt in den öffentlichen Bereich, den Bereich der Trennung, um die Verhüllung aufzuheben, welche die Griechen der Torah aufzuerlegen suchten.

Marei Mekomos

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    טורא דפרודא · Zohar I, 158a

39והנה שרש הז׳ אומות רישיה דעשו בעטפא דיצחק שהוא מבחי׳ גבורות שהן בחי׳ שמאל.

Nun ist die Wurzel der sieben Völker „der Kopf Eisavs im Schoß Yitzchaks“; sie entstammt der Ebene der Gevuros (Selbstbegrenzung), die der linken Seite entspricht.

Erklärung

Der Targum berichtet, dass Eisav bei Yaakovs Beisetzung der Kopf abgeschlagen und in die Höhle gerollt wurde, wo er im Schoß Yitzchaks zu liegen kam. Der Maamar nimmt dies als Wurzel der sieben Völker: Yitzchaks Eigenschaft, die Gevurah, die Seite der Strenge, welche die linke Seite ist. Likkutei Torah, Chukas, verwendet dasselbe Bild für die linke Linie als den Ort, von dem die äußeren Kräfte schöpfen.

אך הגורם להיות המשכת נר חנוכה בשמאל היינו בחי׳ המזוזה שבימין שהיא בחי׳ ההעלאה שע״י העלאה זו נעשה בחי׳ ההמשכה הנ״ל ונמשך גם במקום החשך בחינת טורי דפרודא.

Was jedoch bewirkt, dass die Chanukah-Lampe auf der linken Seite herabgezogen wird, ist die Ebene der Mezuzah auf der rechten Seite, die der Erhebung entspricht. Durch diese Erhebung kommt das oben erwähnte Herabziehen zustande, und es wird auch an den Ort der Finsternis herabgezogen, auf die Ebene der Berge der Trennung.

Erklärung

Was das Licht der Chanukah-Lampe zur linken Seite bringt, ist die Mezuzah auf der rechten Seite – die Erhebung. Diese Erhebung zieht das Licht der Tora herab, das dann sogar die Finsternis der „Berge der Trennung“ erreicht.

כי עיקר הדבר הוא להיות החשך דוקא מאיר דהיינו בחי׳ אתהפכא חשוכא לנהורא. וזהו שארז״ל [שאמרו רבותינו זכרונם לברכה] (סוטה מ״ט) עלמא אמאי קא מקיים אאיש״ר [אאמן יהא שמיה רבא] דאגדתא.

Denn das Wesentliche ist, dass gerade die Finsternis leuchtet, das heißt, die Ebene der „in Licht verwandelten Finsternis“. Und dies ist es, was unsere gesegneten Weisen sagten (Sotah 49): „Wodurch besteht die Welt? Durch das ‚Amen, Sein großer Name sei gepriesen‘ der Aggadah.“

Erklärung

Das Ziel ist, dass die Finsternis selbst leuchtet: „Finsternis, die in Licht verwandelt wird.“ Der Talmud fragt, wodurch die Welt in schwierigen Zeiten erhalten bleibt, und antwortet: durch das „Amen, Sein großer Name sei gepriesen“, das nach dem Studium der Aggadah, der nicht halachischen Lehren der Weisen, gesprochen wird.

כי אגדתא הוא בחי׳ תרגום שכל התלמוד הוא בל׳ [בלשון] תרגום. ותרגום הוא בחי׳ אחוריים דקדושה כנודע.

Denn die Aggadah entspricht der Ebene des Targum, da der ganze Talmud in der Sprache des Targum verfasst ist. Und der Targum entspricht, wie bekannt, der Rückseite (Achorayim) der Heiligkeit.

Erklärung

Die Aggadah wird auf Aramäisch gelehrt, der Sprache des Targum (der aramäischen Übersetzung der Tora), ebenso wie der ganze Talmud. Der Targum wird als die „Rückseite“ (Achorayim), die äußere Seite der Heiligkeit, bezeichnet. In Torah Ohr, Mishpatim (78c), das in der Kehot-Anmerkung angeführt wird, deutet der Alter Rebbe aus diesem Grund „und sie schauten (vayechezu) G‑tt“ als ein Wort des Targum: Sie erfassten nur die „Rückseite“, die Ebene von Elokim.

וכשנמשך להיות שמיה רבא מברך ונמשך גם בבחי׳ תרגום שהוא בבחי׳ אחוריים אזי אתהפכא חשוכא לנהורא וזהו עיקר קיום העולם:

Und wenn es herabgezogen wird, sodass „Sein großer Name gepriesen wird“, und es auch in die Ebene des Targum herabgezogen wird, die der Rückseite entspricht, dann wird die Finsternis in Licht verwandelt; und dies ist das eigentliche Fortbestehen der Welt.

Erklärung

Wenn „Sein großer Name sei gepriesen“ G‑ttes Licht sogar in das Aramäische, die „Rückseite“ der Heiligkeit, herabzieht, wird die Finsternis selbst in Licht verwandelt. Diese Verwandlung ist es, die die Welt wahrhaft erhält.

Absatz 39 in Kürze

Die Erhebung der Mezuzah auf der rechten Seite zieht das Licht der Tora zur linken Seite herab, bis in die finstersten Orte. Die Welt besteht durch diese Verwandlung der Finsternis in Licht, wie im „Amen, Sein großer Name sei gepriesen“, das auf Aramäisch gesprochen wird.

Vertiefung

Zum Targum als „Rückseite“ der Heiligkeit verweist die Kehot-Anmerkung auf Meorei Or und Or HaTorah, wo der Zohar 2:206a und der Mikdash Melech dazu angeführt werden: Die Heilige Sprache und der Targum sind „Vorderseite“ und „Rückseite“. Or HaTorah fragt außerdem, wie der Targum zu Kelipas Nogah [der Zwischenhülle, die Gutes und Böses mischt] gehören kann, wenn er die Tora erklärt. Die Kehot-Anmerkung verweist auf Likkutei Torah, Shir HaShirim (13d), wo der Targum als Erklärung und Offenbarung der Heiligen Sprache beschrieben wird, wie in den Worten: „Wäre nicht der Targum dieses Verses, wüsste ich nicht, was er sagt.“

Marei Mekomos

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    רישי׳ דעשו בעטפא דיצחק · Genesis 50:13
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    רישיה דעשו בעטפא דיצחק · Targum Jonathan on Genesis 50:13
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    וזהו שארז״ל . . עלמא אמאי קא מקיים · ראה גם ד״ה זה באוה״ת ענינים ע׳ לא. אגדתא הוא בחי׳ תרגום:
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  5. 5
    שכל התלמוד הוא בלשון תרגום · ראה לקמן עח, ג.
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    ותרגום הוא בחי׳ אחוריים דקדושה · ראה מאו״א אות ת׳ סעיף נה. וראה באוה״ת נ״ך כרך ב ע׳ א׳קד וע׳ א׳קיז שמביא לזח״ב רו, א. ובמק״מ שם שלה״ק ותרגום בחי׳ פנים ואחוריים. באוה״ת נ״ך כרך ב ע׳ תתקד הקשה איך תרגום הוא ק״נ הרי התרגום מבאר התורה [ראה לקו״ת שה״ש יג, ד].
  7. 7
    ותרגום הוא בחי׳ אחוריים דקדושה · Zohar, Vayakhel 17:218–227

Den Maamar abgeschlossen?

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In der eigenen Avodah

Die Betrachtung, dass die Welt vor G‑tt nichts ist, sollte in der Seele die Sehnsucht wecken, sich vor Ihm aufzuheben, und das Herz von den Genüssen der Welt, selbst den kleinen, abwenden und zu Freude an G‑tt führen, wie im Gebet. Das Torah-Lernen muss mit Mitzvos und Güte verbunden sein, vor allem mit Tzedakah: Sie sind die Lampe, durch die das Licht der Torah für den Menschen leuchtet und sogar die dunkelsten Orte erreicht.

Fragen zum Gespräch

  1. Warum sagt der Maamar, dass die Materie aus G‑ttes Rede und die Form aus Seinem Willen hervorgeht, und welchen Beitrag leistet jede dazu, dass die Welt als „Etwas“ besteht?
  2. Wie kann die Welt unabhängig erscheinen, wenn Havayah über den Namen Elokim herrscht? Was veranschaulicht Psalm 114 dazu?
  3. In welchem Sinn werden Buchstaben nicht vom Mund hervorgebracht, und warum ist das für das Gebet und für die Torah von Bedeutung?
  4. Warum entbehrt die Torah ohne Taten der Güte gemäß dem Gleichnis von Luft und Flamme ihres Lichts?
  5. Warum muss das Licht der Chanukka-Lampe die linke Seite und den öffentlichen Bereich erreichen, und warum hängt es von der Mezuzah auf der rechten Seite ab?

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