Torah Ohr · Parshas Bereishis · Maamar 7
ויאמר ה׳ אלקים הן האדם היה כאחד ממנו…
„Und Havayah Elokim sprach: Siehe, der Mensch ist wie einer von uns geworden“
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Kerngedanke
Das Wissen um das Böse ist „oben“ unschädlich, wo das Wissen umfassend wirkt und das Böse getrennt hält. Für den Menschen jedoch, dessen Wissen innerlich ist, bedeutet es, mit dem Bösen vermischt zu werden. Deshalb verbot G‑tt den Baum der Erkenntnis, hielt den Menschen, nachdem er mit dem Bösen vermischt worden war, vom ewigen Leben fern und schickte ihn, die Welt durch Mühe und Kampf statt durch bloßes Licht zu läutern.
Der Maamar in Kürze
Der Maamar fragt, warum der Baum der Erkenntnis „ihre Augen öffnete“, warum G‑tt den Menschen vom Baum des Lebens fernhielt und woher die Schlange wusste, was das Essen bewirken würde. Die Antwort beruht auf dem Unterschied zwischen umfassendem (Makif) und innerem (Pnimi) Wissen. „Oben“ kennt man Gut und Böse nur auf umfassende Weise, sodass das Böse getrennt bleibt – wie der Weihrauch den übrigen Gewürzen Leben gibt, ohne sich mit ihnen zu vermischen. Der Mensch ist ein inneres Wesen: Was immer er weiß, wird Teil von ihm. Das Wissen um das Böse bedeutete daher, mit ihm vermischt zu werden, und damit begann der lange Kampf zwischen Gut und Böse in jeder Generation. G‑tt hatte gewollt, dass der Mensch ganz und gar heilig bleibt und die Welt läutert, indem so viel Licht herabgezogen wird, dass die gefallenen Funken von selbst in es aufgenommen werden, wie eine Kerze vor einer Fackel. Nach der Sünde hätte das ewige Leben vom Baum des Lebens, der aus der Krone (Keser) stammt, jenseits aller Unterscheidungen, auch das Böse in ihm ewig gemacht. Deshalb wurde der Mensch ausgesandt, den „Erdboden zu bearbeiten“ und ihn durch Mühe, Gebet und die trennende Kraft der Weisheit (Chochmah) zu läutern. Die Schlange, deren Wurzel im Baum der Erkenntnis lag, verstand all dies und sagte Chavah eine listige Wahrheit.
Gliederung
- Die FragenWarum öffnete der Baum der Erkenntnis ihnen die Augen, warum hielt G‑tt den Menschen vom Baum des Lebens fern, und woher wusste die Schlange davon? Die Antwort setzt damit ein, dass „oben“ Gut und Böse zwar bekannt sind, aber nicht vermischt werden.¶1–2
- Umfassendes und inneres WissenDas Wissen „oben“ ist umfassend und hält das Böse getrennt (die Spinne im Palast des Königs, Havdalah, der Weihrauch); der Baum der Erkenntnis steht für inneres Wissen, bei dem Gut und Böse tatsächlich miteinander vermischt werden.¶3–4
- Das innere Wesen des Menschen und der Kampf mit dem BösenDa der Mensch in sich aufnimmt, was er weiß, vermischte ihn das Wissen um das Böse mit diesem und führte zu einem wechselnden Kampf durch die Generationen hindurch sowie, auf der einfachen Ebene, zum Bewusstsein des Begehrens.¶5–7
- Warum der Mensch vom Baum des Lebens ferngehalten wurdeDer Baum des Lebens, dessen Wurzel oberhalb des Zerbrechens in der Krone (Keser) liegt, hätte das Böse in ihm ewig gemacht. Stattdessen muss das Böse durch Weisheit (Chochmah) und ihre Gevuros getrennt werden, bis der Tod für immer verschlungen ist.¶8–9
- Vertreibung und die Arbeit der LäuterungDas Rezitieren des Weihrauchs hielt die Plage auf, beseitigte aber nicht die Schuld. Der Mensch wurde ausgesandt, den Erdboden zu bearbeiten und die Funken zu läutern; ursprünglich hätte er sie hingegen durch das Licht der 248 positiven mitzvos aufgenommen, wie eine Kerze vor einer Fackel.¶10–11
- Läuterung durch Licht und durch KampfZur Zeit des Tempels und bei Adam vor der Sünde wurden die Funken von selbst angezogen. Nach der Sünde müssen sie durch Mühe und Gebet errungen werden: „Die Zeit des Gebets ist die Zeit des Kampfes.“¶12
- Woher die Schlange wussteDie Schlange, deren Wurzel im Baum der Erkenntnis lag, verstand das Verbot und zog den Menschen, um nicht in Adams Licht aufgenommen zu werden, durch eine listige Wahrheit in den Kampf hinein.¶13
- Zusatz: Adam in den Kammern; Yehudahs AbstiegVom Arizal: Adam fiel, indem er lediglich zustimmte, in die Kammern der Unreinheit hineinzuschauen. Von Rabbi Avraham, dem Sohn des Maggid: Yehudah „wandte sich ab“ in den Bereich der Kelipos, um Funken zu erheben.¶14
Schlüsselbegriffe
- Umfassendes und inneres Wissen (Makif und Pnimi)מקיף ופנימי
- Umfassendes Wissen oder Licht wirkt von oben auf etwas ein, ohne in es einzudringen, und bleibt deshalb von ihm getrennt. Inneres Wissen wird aufgenommen und wird zum Teil des Wissenden. Dies ist der Schlüssel des Maamars dazu, warum das Wissen um das Böse dem Menschen, nicht aber den höheren Welten schadet.
- Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böseעץ הדעת טוב ורע
- Die Ebene der Vermischung, auf der Gut und Böse voneinander zehren und miteinander verschmolzen sind; sie entsteht durch das Zerbrechen der Gefäße.
- Läuterungen (Beirurim)בירורים
- Die Arbeit, die Funken der Heiligkeit von dem Bösen zu trennen, in dem sie gefangen sind, und sie zu erheben. Nach der Sünde ist dies die Aufgabe des Menschen; sie wird durch Arbeit, Essen, Gebet und mitzvos vollzogen.
- Eine Kerze vor einer Fackelכנר בפני האבוקה
- Das Bild für die Läuterung durch Licht: Wenn genügend Heiligkeit offenbart wird, werden die gefallenen Funken von selbst in sie aufgenommen, ohne Kampf.
- Chochmah als Gerichtחכמה נקראת דין
- Da „sie durch Chochmah geläutert werden“, enthält Chochmah Gevuros, die Gut und Böse trennen, im Gegensatz zu Keser, das reine Barmherzigkeit ist und keine Unterscheidung trifft.
- Funken der Heiligkeitנצוצי קדושה
- Die heilige Lebenskraft, die in den Bereich des Bösen gefallen ist und ihn erhält. Wird sie entzogen und erhoben, hört die Kelipah auf zu bestehen.
Die Fragen ¶1–2
1ויאמר ה׳ אלקים הן האדם12 היה כאחד ממנו לדעת טוב ורע ועתה פן ישלח ידו כו׳. י״ל [יש לומר] א׳ מהו שע״י עה״ד [עץ הדעת] נפקחו עיניהם להיות כאלקים יודעי טו״ר [טוב ורע].3
„Und Havayah Elokim sprach: Siehe, der Mensch ist wie einer von uns geworden, indem er Gut und Böse erkennt; und nun, damit er nicht seine Hand ausstrecke usw.“ Es ist zu fragen: erstens, was bedeutet es, dass ihnen durch den Baum der Erkenntnis die Augen geöffnet wurden, sodass sie wie G‑tt wurden und Gut und Böse erkannten?
Der Maamar beginnt mit den Worten G‑ttes, nachdem Adam und Chavah vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten. Die erste Frage lautet: Warum sollten ihnen durch das Essen einer Frucht „die Augen geöffnet“ werden und sie „wie G‑tt, Gut und Böse erkennend“ machen? Was für ein Erkennen ist das, und warum sollte es durch das Essen zustande kommen?
וגם מ״ש ה׳ אלקים ועתה פן ישלח ידו ולקח גם מעץ החיים ואכל וחי לעולם ומה איכפת לו בזה הרי מה שצוה אותו שלא לאכול הוא ג״כ כדי שלא ימות.
Und auch [müssen wir verstehen], was Havayah Elokim sagte: „Und nun, damit er nicht seine Hand ausstrecke und auch vom Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe“ – warum sollte Ihm das etwas ausmachen? Schließlich diente auch das Verbot, davon zu essen, dazu, dass er nicht sterben sollte.
Die zweite Frage: G‑tt vertreibt den Menschen daraufhin, damit er nicht vom Baum des Lebens isst und ewig lebt. Doch das ursprüngliche Verbot G‑ttes sollte den Menschen selbst am Leben erhalten („an dem Tag, an dem du davon isst, wirst du sterben“). Warum sollte G‑tt nun also besorgt sein, ihn daran zu hindern, ewig zu leben?
Der Alter Rebbe eröffnet mit zwei Schwierigkeiten im Vers: Was „Gut und Böse erkennen“ bedeutet und warum G‑tt den Menschen nach der Sünde daran hindern würde, ewiges Leben zu erlangen.
Marei Mekomos
- 1ויאמר . . הן האדם הי׳ כאחד ממנו · ראה לעיל בציונים והערות לכ״ק אדמו״ר זי״ע. עם הגהות באוה״ת בראשית כרך ו תתרנז, א (מלקו״ת לג״פ כז, כב). נמצא בגוכתי״ק הצ״צ בבוך משנת תקע״א-ב, ומתחיל ”הן האדם”. ומאמר זה הוא משבת פ׳ בראשית תקע״ב. ראה לקמן בהערה לדף ו, א ד״ה ”שאדה״ר”. כמה שינויים נרשמו לקמן וכן ציונים אחדים בשולי הגליון. להתחלת המאמר ראה אוה״ת ואתחנן ע׳ קמג. בענין עה״ד טו״ר המבואר במאמר זה מצויין בלקו״ת שלח מג, א. קרח נב, ב.
- 2ויאמר ה׳ אלקים הן האדם · Genesis 3:22
- 3נפקחו עיניהם להיות כאלקים יודעי טו״ר · Genesis 3:5
Weiter, und dies ist die entscheidende [Frage]: Woher wusste die Schlange davon – „dass am Tag, an dem ihr davon esst, eure Augen geöffnet werden“ –, was tatsächlich zutrifft?
Die Hauptfrage lautet: Die Schlange sagte Chavah, dass sich durch das Essen ihre Augen öffnen würden; der Maamar wird zeigen, dass dies tatsächlich so war. Woher wusste die Schlange etwas, das G‑tt dem Menschen nicht mitgeteilt hatte?
ואם אדם ששמע הצווי מהקב״ה לא הכיר בזה רק כפשוטו שאמר לו ה׳ אלהים כי ביום אכלך ממנו מות תמות2 והנחש לא נזכר כלל ששמע הצווי הזה
Und wenn Adam, der den Befehl vom Heiligen, gelobt sei Er, gehört hatte, darin nichts anderes als seinen einfachen Wortsinn erkannte – nämlich dass Havayah Elokim zu ihm gesagt hatte: „Denn an dem Tag, an dem du davon isst, musst du gewiss sterben“ –, während von der Schlange überhaupt nicht erwähnt wird, dass sie diesen Befehl gehört hätte;
Wenn Adam, der den Befehl unmittelbar von G‑tt gehört hatte, nur dessen einfachen Sinn verstand – die Todeswarnung –, woher wusste die Schlange dann mehr? Nirgends wird erwähnt, dass die Schlange den Befehl überhaupt gehört hätte.
וגם אם שמע כשנצטווה אדם מאין היה בו בינה יתירה להבין דבר מתוך דבר יותר מהאדם עצמו. אם לא שנאמר שגבוה הוא מהאדם וכ״ז [וכל זה] פלאי.3
Und selbst wenn sie es hörte, als Adam der Befehl erteilt wurde: Woher hatte sie ein zusätzliches Verständnis, um aus einer Sache eine andere abzuleiten – mehr als der Mensch selbst? Es sei denn, man sagt, sie stehe über dem Menschen; und all dies ist erstaunlich.
Selbst wenn die Schlange den Befehl mitgehört hätte: Wie konnte sie daraus mehr ableiten als Adam selbst? Das würde bedeuten, dass die Schlange über dem Menschen steht. Das ist erstaunlich, denn der Mensch war die Krone der Schöpfung.
הנה תחלה יתבאר מ״ש האדם היה כאחד ממנו לדעת טו״ר [טוב ורע]4 שהוא מאמר ה׳ להמלאכים ומשמע שלמעלה יודעים את הטוב ואת הרע גם שניהם.
Zunächst wollen wir erklären, was mit den Worten gesagt ist: „Der Mensch ist geworden wie einer von uns, Gut und Böse zu erkennen.“ Dies ist G‑ttes Aussage an die Engel; daraus folgt, dass man oben sowohl das Gute als auch das Böse kennt.
Der Alter Rebbe beginnt seine Antwort mit der Formulierung „wie einer von uns“. G‑tt spricht zu den Engeln, den höheren Wesen; die Formulierung legt nahe, dass auch sie „oben“ sowohl das Gute als auch das Böse kennen.
אבל מ״מ אינן מעורבים זה בזה כי גלוי וידוע שזה טוב וזה רע ומובדל הרע מן הטוב אע״פ [אף על פי] שידוע שם הטו״ר [הטוב ורע].
Dennoch sind sie nicht miteinander vermischt, denn es ist offenbar und bekannt: Dies ist gut und jenes ist böse, und das Böse ist vom Guten getrennt, obwohl man dort das Gute und das Böse kennt.
Oben bedeutet das Wissen um das Böse jedoch nicht, dass man mit ihm vermischt wäre: Jedes wird klar als das erkannt, was es ist, und das Böse bleibt vom Guten getrennt.
משא״כ בחי׳ עה״ד [עץ הדעת] טו״ר [טוב ורע] היינו בחי׳ תערובת הטוב עם5 רע שהרע יונק מהטוב והטוב מהרע והיו לאחדים.
Anders verhält es sich mit der Ebene (Bechinah) des Baums der Erkenntnis von Gut und Böse: Sie ist die Ebene einer Vermischung des Guten mit dem Bösen, bei der das Böse vom Guten und das Gute vom Bösen Nahrung bezieht; so wurden sie eins.
Beim Baum der Erkenntnis handelt es sich um eine andere Art des Erkennens: Gut und Böse sind miteinander vermischt, und jedes bezieht Nahrung vom anderen, bis sie miteinander verschmelzen. Dies nahm der Mensch durch das Essen in sich auf.
Dieser Absatz stellt die zentrale Frage, woher die Schlange wusste, was das Essen bewirken würde. Die Antwort beginnt mit einer Unterscheidung: Oben kennt man das Gute und das Böse, ohne dass sie miteinander vermischt sind; beim Baum der Erkenntnis hingegen sind sie miteinander verschmolzen.
Die durch die Sünde entstandene Vermischung von Gut und Böse ist ein grundlegendes Thema in Chassidus: Vor der Sünde war das Böse eine getrennte Wirklichkeit außerhalb des Menschen; danach drang es in den Menschen selbst ein, sodass das Gute und das Böse in ihm einander Nahrung geben.
Marei Mekomos
- 1
- 2כי ביום אכלך ממנו מות תמות · Genesis 2:17
- 3אם לא שנאמר שגבוה הוא מהאדם וכ״ז פלאי · ראה בלקו״ש ח״י ע׳ 16.
- 4האדם היה כאחד ממנו לדעת טו״ר · Genesis 3:22
- 5עה״ד טו״ר היינו בחי׳ תערובת הטוב עם הרע · ראה מאמרי אדה״א דברים ח״ד ע׳ א׳קעו ואילך. סה״מ תרמ״ח ע׳ קצח ואילך. ד״ה כי אתם עוברים תרנ״א ע׳ קצז. ובארוכה ד״ה ושבתה במאמרי אדה״א ויקרא ח״ב ע׳ תדש. ובסה״מ תרס״ב ע׳ ש ואילך. סה״מ עזר״ת ע׳ פט. ד״ה בלע המות תשכ״ה בתחלתו.
Umfassendes und inneres Wissen ¶3–4
3וצ״ל דהרי פי׳ עץ הדעת טוב ורע היינו לשון ידיעה וא״כ למה נעשה תערובת טו״ר [טוב ורע] מחמת הדעת בטו״ר [בטוב ורע] הלא למעלה ג״כ ידוע הטו״ר [הטוב ורע].
Nun bedarf dies einer [Erklärung]: Denn „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ bedeutet ja ein Wissen; wenn dem so ist, warum entstand durch die Erkenntnis von Gut und Böse eine Vermischung von Gut und Böse? Auch oben sind Gut und Böse bekannt!
Eine Schwierigkeit: „Baum der Erkenntnis“ bedeutet Wissen. Wenn das Wissen um Gut und Böse bewirkt, dass sie sich vermischen, warum führt es dann oben nicht ebenfalls zu einer Vermischung, wo Gut und Böse doch auch bekannt sind?
אך ההפרש בזה הוא ענין ההפרש בין מקיף לפנימי כי בחי׳ ידיעת הטו״ר [הטוב ורע] שלמעלה היא בבחי׳ מקיף בלבד
Doch der Unterschied besteht hier im Unterschied zwischen dem Umfassenden (makif) und dem Inneren (pnimi): Denn die Erkenntnis von Gut und Böse oben ist lediglich in der Weise des Umfassenden.
Die Antwort liegt in der Unterscheidung zwischen makif, dem „Umfassenden“, und pnimi, dem „Inneren“. Was auf umhüllende Weise erkannt wird, wird von außen und von oben erfasst, ohne aufgenommen zu werden; was auf innere Weise erkannt wird, wird in das eigene Selbst aufgenommen. Oben ist die Erkenntnis von Gut und Böse lediglich umfassend.
ולכן יכול להיות הבדלה בין טוב לרע שידע את הרע ולא יחליפנו ולא ימירנו1 בטוב ח״ו [חס ושלום].
Daher kann eine Trennung zwischen Gut und Böse bestehen: Er kennt das Böse und tauscht es dennoch nicht gegen das Gute aus und ersetzt es nicht durch das Gute, G‑tt bewahre.
Weil die Erkenntnis oben lediglich umfassend ist, hält sie Gut und Böse voneinander getrennt: Das Böse kann erkannt werden, ohne mit dem Guten verwechselt zu werden. Die Formulierung lehnt sich an das Tora-Gesetz an, wonach man ein geheiligtes Tier nicht austauschen darf – weder ein gutes gegen ein schlechtes noch ein schlechtes gegen ein gutes.
כענין שממית בידים תתפש2 והיא בהיכלי מלך שאע״פ [שאף על פי] שהיא בהיכלי מלך אבל יודע הוא ומכירה ששממית היא.
Wie bei dem Vers: „Die Spinne lässt sich mit den Händen fangen, und doch befindet sie sich in den Palästen des Königs“: Obwohl sie sich in den Palästen des Königs befindet, weiß er doch und erkennt, dass sie eine Spinne ist.
Der Vers über die Spinne im Palast des Königs veranschaulicht dies: Eine Spinne kann sich sogar in einem Palast befinden; doch wer sie sieht, weiß, dass sie nur eine Spinne ist. Dass sie sich am selben Ort befindet, verwischt nicht ihre Identität.
Der Absatz legt den Schlüssel zum Maamar dar: Die Erkenntnis „oben“ ist umfassend (makif) und hält deshalb Gut und Böse voneinander getrennt, während der Baum der Erkenntnis eine innere Erkenntnis darstellt.
Die Unterscheidung zwischen makif und pnimi zieht sich durch die Chassidus: Ein umfassendes Licht wirkt auf eine Sache, ohne in sie einzudringen, während ein inneres Licht aufgenommen und von seinem Empfänger geprägt wird. Hier erklärt dies, warum dieselbe „Erkenntnis des Bösen“ oben unschädlich ist, im Menschen aber Schaden anrichtet.
Marei Mekomos
- 1ולא יחליפנו ולא ימירנו · Leviticus 27:10
- 2שממית בידים תתפש · Proverbs 30:28
4ויש הבדלה בין טוב לרע כמאמר המבדיל בין קודש לחול.1 והיינו מצד שיודע טו״ר [טוב ורע] בבחינת מקיף עליהם ולכן אינם מתערבים יחד.
Und es gibt eine Trennung zwischen Gut und Böse, wie es in dem Ausspruch [heißt]: „Der zwischen Heiligem und Profanem unterscheidet.“ Das heißt: Weil Er Gut und Böse auf eine sie umfassende Weise kennt, vermischen sie sich deshalb nicht miteinander.
Die Trennung zwischen Gut und Böse oben gleicht dem Havdalah-Segen: „Der zwischen Heiligem und Profanem unterscheidet.“ Weil G‑ttes Wissen um sie sie von oben her umfasst, bleiben sie voneinander getrennt.
וכענין בחינת לבונה זכה2 שבי״א סממני הקטורת שהעשרה סממנים הם י׳ נצוצי קדושה המובלעים בקליפות והי״א היא לבונה היא בחינת מקיף עליהם ואינה מתלבשת בפנימיותם.5
Dies gleicht der Ebene des reinen Weihrauchs unter den elf Gewürzen des Räucherwerks: Die zehn Gewürze sind zehn Funken der Heiligkeit, die in den Hüllen (Kelipos) verschlungen sind, und das elfte, der Weihrauch, ist die Ebene, die sie umfasst und sich nicht in ihr Inneres einkleidet.
Eine zweite Veranschaulichung: Das Räucherwerk im Tempel bestand aus elf Gewürzen. Die zehn werden mit Funken der Heiligkeit verglichen, die in den Kelipos (Hüllen der Verhüllung) verschlungen sind; das elfte, der Weihrauch, steht für ein Licht, das sie umfasst, ohne in ihr Inneres einzudringen.
(ולבונה היא ג״כ חיות להם אבל לפי שהחיות הזה שהיא מחיה אותם הוא רק ע״י שהיא בבחי׳ מקיף בלבד עליהם ע״כ אינה מתערבת עמם כלל וכולה טוב).
(Und der Weihrauch ist ihnen auch eine Lebenskraft; doch da diese Lebenskraft, durch die er sie belebt, ihnen ausschließlich als etwas Umfassendes dient, vermischt sie sich überhaupt nicht mit ihnen und ist gänzlich gut.)
Auch der Weihrauch gibt ihnen Leben. Doch weil er dies nur von außen her tut, als ein sie umfassendes Licht, vermischt er sich niemals mit ihnen und bleibt vollkommen gut.
והנה המקיף הוא גם דוחה את החיצונים כנראה בציור האילן3 שבפרד״ס [שבפרדס רמונים] במקיפים ופנימיים שמעמד ומצב הקליפות אחוריהם אל המקיף כו׳. משא״כ בחי׳ עה״ד [עץ הדעת] טו״ר [טוב ורע] הוא בחי׳ פנימי4 ואז הטוב מעורב עם הרע ממש.
Das Umfassende [Licht] weist auch die äußeren Kräfte zurück, wie aus dem Schema des Baumes im Pardes hervorgeht, bei den umfassenden und inneren [Lichtern]: Dort sind Stellung und Haltung der Kelipos so dargestellt, dass sie dem Umfassenden den Rücken zukehren usw. Anders verhält es sich mit der Ebene des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse: Sie ist die Ebene des Inneren, und dann ist das Gute tatsächlich mit dem Bösen vermischt.
Das umfassende Licht drängt sogar die äußeren (negativen) Kräfte zurück: Im „Schema des Baumes“ (einer Darstellung der Sefiros und Welten) im Pardes sind die Kelipos mit dem Rücken zu den umfassenden Lichtern abgebildet. (Die Kehot-Anmerkung schlägt als Schema die Abbildung vor, die am Ende des Buches Pa'amon VeRimon gedruckt ist.) Im Gegensatz dazu ist der Baum der Erkenntnis inneres Wissen, und dort sind Gut und Böse tatsächlich miteinander vermischt.
Der Absatz veranschaulicht das umfassende Wissen anhand der Havdalah und des Weihrauchs im Räucherwerk. Er zeigt, dass ein umfassendes Licht dem Bösen Leben geben kann, ohne sich mit ihm zu vermischen, und stellt dies dem inneren Wissen des Baumes der Erkenntnis gegenüber.
An anderer Stelle (Torah Ohr, Toldos) erklärt der Alter Rebbe, dass die in die Kelipos eindringende Lebenskraft in ihnen „verschlungen“ ist, während der Weihrauch das umfassende Licht ist, das von oberhalb ihres Bewusstseins auf sie scheint. Likkutei Torah, Balak, zitiert diese Passage: Der Baum der Erkenntnis ist das Wissen (Daas) in seiner inneren Ausprägung, während Daas in seiner umfassenden Ausprägung die Zufuhr zu den äußeren Kräften zurückweist.
Marei Mekomos
- 1המבדיל בין קודש לחול · Pesachim 104a:7–8
- 2לבונה זכה · Exodus 30:34
- 3ציור האילן · הכוונה לכאורה לציור שבסוף ספר פעמון ורימון (אמ״ד תכ״ח). וראה הנסמן בסידור עם דא״ח ריב, א הערה 99. הערות וביאורים אהלי תורה גליון א׳קל בסופו.
- 4שו״ה אחוריהם — עה״ד טו״ר הוא בחי׳ פנימי · בלקו״ת בלק סט, ב מציין לכאן: ”שעה״ד טו״ר הוא הדעת שבבחי׳ פנימי׳ משא״כ הדעת שבבחי׳ מקיף הוא אדרבה דוחה יניקת החיצונים”.
- 5וכענין בחי׳ לבונה זכה · ראה לקמן כ, ג. אוה״ת שמות כרך ז ע׳ ב׳תקסח. ובהמשך זאת חנוכת המזבח תר״מ פרק יז שאפשר שנק׳ זכה ע״ש ז״ך אותיות שהרי זהו האותיות הנמשכים להחיות הקליפות בבחי׳ מקיף, ע״ש. ראה לקו״ת תזריע כג, ד. המשך תער״ב פרק רי.
Das innere Wesen des Menschen und der Kampf mit dem Bösen ¶5–7
5וז״ש [וזהו שכתוב] הן האדם היה כאחד ממנו.1 פי׳ שהוא היה ג״כ כאחד ממנו פי׳ כמו שבבחי׳ אחדות דהיינו למעלה ידוע הטו״ר [הטוב ורע] כן היה גם הוא ע״י שטעם מעה״ד [מעץ הדעת] המעורב טו״ר [טוב ורע].
Dies ist [die Bedeutung von] dem, was gesagt wird: „Siehe, der Mensch ist wie einer (ke'echad) von uns geworden.“ Das heißt, auch er wurde wie einer von uns – das bedeutet: So wie in der Ebene der Einheit (Achdus), das heißt oben, das Gute und das Böse bekannt sind, so war es auch bei ihm, nachdem er vom Baum der Erkenntnis gekostet hatte, der mit Gutem und Bösem vermischt ist.
Nun wird der Vers erklärt: „wie einer (ke'echad) von uns“ wird als „wie die [Ebene der] Einheit (Achdus)“ gelesen, das heißt: oben. Indem der Mensch vom Baum der Erkenntnis aß, lernte er Gut und Böse kennen, so wie sie dort bekannt sind.
אבל לו הדבר מזיק כי הרי האדם הוא מבחי׳ פנימי׳ [פנימיות / פנימית] ומיד שידע הוא מן הרע ע״י שטעם מעה״ד [מעץ הדעת] הרי יתערב עמו ויהי׳ [ויהיה] הוא ממש מעורב ברע.
Für ihn aber ist die Sache schädlich, denn der Mensch gehört der inneren Ebene an; sobald er durch das Kosten vom Baum der Erkenntnis vom Bösen weiß, wird er sich mit ihm vermischen und tatsächlich mit dem Bösen vermischt sein.
Für den Menschen ist dies jedoch schädlich, denn der Mensch ist ein Pnimi [ein innerer Mensch]: Was er kennt, nimmt er in sich auf. Sobald er das Böse kennenlernte, wurde es ein Teil von ihm.
לא כמו שהוא למעלה שאעפ״י [שאף על פי] שיודעים גם את הרע מ״מ מובדל הוא ומרוחק מן הטוב ואין לו התקרבות כו׳ לפי שהוא בבחי׳ מקיף.
Anders als oben: Dort ist das Böse, obwohl man es ebenfalls kennt, dennoch vom Guten getrennt und fern, und es hat keine Nähe [zu ihm] usw., weil es sich auf der Ebene des Umfassenden befindet.
Oben ist es anders: Das Böse wird gekannt, bleibt aber vom Guten fern, weil das Wissen dort auf umhüllende Weise besteht.
אבל האדם שהוא מבחי׳ פנימי כשידע גם הוא מן הרע אזי יתערב הוא גם הוא ממש2 עם הרע
Der Mensch aber, der der inneren Ebene angehört – wenn auch er vom Bösen weiß, wird auch er tatsächlich mit dem Bösen vermischt.
Der Mensch kann als inneres Wesen das Böse nicht aus der Ferne kennen; es zu kennen bedeutet, mit ihm vermischt zu werden.
כי בבחי׳ פנימי׳ [פנימיות / פנימית] א״א להיות כ״כ [כל כך] מובדל הרע כנ״ל ואז הוא קשה מאד להפריד את הרע אלא מלחמה עצומה היא ולאם מלאם יאמץ3 פעמים זה גובר ופעמים שכנגדו גובר.
Denn auf der inneren Ebene kann das Böse, wie oben erklärt, nicht so weit getrennt sein. Dann ist es sehr schwer, das Böse herauszulösen; vielmehr ist es ein gewaltiger Kampf: „Ein Volk wird stärker sein als das andere Volk“ – zuweilen siegt das eine, zuweilen sein Gegner.
Sobald das Böse in ihm vermischt ist, ist es sehr schwer, es herauszulösen; es entsteht ein fortwährender Kampf, wie bei Rivkahs Zwillingen, von denen es heißt: „Ein Volk wird stärker sein als das andere“ – wenn das eine erstarkt, fällt das andere zurück.
כאשר מצאנו ראינו בנשמות ישראל מראש הדורות עד עתה שהיו כמה עתים משונים פעמים בדור א׳ היו נשמות שבמעלה עליונה ונצחו את הרע.
Wie wir es bei den Seelen Israels von den ersten Generationen bis heute gefunden und gesehen haben: Es gab viele unterschiedliche Zeiten; zuweilen gab es in einer Generation Seelen auf einer erhabenen Stufe, die das Böse besiegten,
Die Geschichte bestätigt dies: In manchen Generationen gab es erhabene Seelen, die das Böse überwanden.
Der Abschnitt überträgt diese Unterscheidung auf den Menschen: Oben ist das Wissen um das Böse unschädlich. Da der Mensch jedoch ein inneres Wesen ist, bedeutet das Wissen um das Böse, es in sich aufzunehmen; dadurch wird sein Leben zu einem Kampf zwischen Gut und Böse.
Raschi sagt zu diesem Vers, gestützt auf den Talmud (Megillah 6a), dass beide niemals zugleich groß sein werden: Wenn der eine aufsteigt, fällt der andere. Der Maamar wendet dies auf Gut und Böse im Menschen nach der Sünde an.
Marei Mekomos
- 1הן האדם היה כאחד ממנו · Genesis 3:22
- 2אבל האדם . . אזי יתערב הוא גם הוא ממש · ראה ביאוה״ז לצ״צ כרך ב ע׳ תרמח.
- 3ולאם מלאם יאמץ · Genesis 25:23
6ובדור אחר היו רשעים גדולים שגבר הרע מאד. והיינו כי כולם נמשכים מאדה״ר [מאדם הראשון] והיה בו ג״כ שינויים אלו פעמים גבר הוא ופעמים גבר הרע עליו.
Und in einer anderen Generation gab es große Frevler, in denen das Böse sehr stark vorherrschte. Das liegt daran, dass sie alle von Adam HaRishon abstammen, und auch in ihm gab es diese Wechsel: Bisweilen gewann er die Oberhand, und bisweilen gewann das Böse die Oberhand über ihn.
In anderen Generationen gab es große Frevler. Dieser Wechsel ist von Adam HaRishon, der Wurzel aller Seelen, überliefert, der selbst Zeiten hatte, in denen er die Oberhand gewann, und Zeiten, in denen das Böse über ihn die Oberhand gewann.
וכ״ז [וכל זה] היה לפי שהוא בבחי׳ פנימיות ומיד שידע מן הרע נתערב עמו ממש וא״כ הוא מלחמה גדולה וקשה להפרידו מאד אלא עת כך ועת כך כנ״ל.
All dies war so, weil er der Ebene der inneren Dimension (Pnimiyus) angehört; und sobald er vom Bösen erfuhr, wurde er tatsächlich mit ihm vermischt. Wenn dem so ist, ist es ein großer Kampf, und es ist sehr schwer, ihn davon zu trennen; vielmehr [gibt es] eine Zeit [für] dieses und eine Zeit [für] jenes, wie oben erklärt.
All dies geht auf die innere Natur des Menschen zurück: Sobald er das Böse erkannte, war es tatsächlich mit ihm vermischt, und der Kampf, es davon zu trennen, geht hin und her – „eine Zeit für dieses und eine Zeit für jenes“.
Der Absatz führt das Auf und Ab von Gut und Böse über die Generationen auf Adams innere Vermischung mit dem Bösen nach der Sünde zurück.
7וכן גם עפ״י [על פי] פשוט שמקודם היו ערומים והיו עסוקים בתשמיש להוליד בנים ולא יתבוששו1 כמו שהיו אוכלים ושותים כי מצות ה׳ היא ולא היו יודעים כלל שיש תאוה בזה2
Ebenso auch nach dem einfachen [Sinn]: Zuvor waren sie nackt und pflegten ehelichen Verkehr, um Kinder zu zeugen, und „sie schämten sich nicht“, so wie sie aßen und tranken; denn es war ein Gebot G‑ttes, und sie wussten überhaupt nicht, dass damit ein Verlangen verbunden ist;
Derselbe Punkt auf der einfachen Ebene: Vor der Sünde waren Adam und Chavah nackt und „schämten sich nicht“ (Genesis 2:25). Sie vereinigten sich, um Kinder zu haben, so selbstverständlich, wie man isst und trinkt, als Erfüllung des Gebots G‑ttes; von Verlangen wussten sie nichts.
אבל אחר שאכל עה״ד [עץ הדעת] וידעו שיש תאוה בזה אזי קשה לפרוש כו׳.
doch nachdem er vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte und sie wussten, dass damit ein Verlangen verbunden ist, fällt es schwer, sich zurückzuhalten usw.
Nachdem sie vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten, wurden sie sich des Verlangens bewusst, und von da an fiel es schwer, sich zurückzuhalten.
Der Absatz zeigt denselben Gedanken im einfachen Sinn der Erzählung: Der Baum der Erkenntnis brachte das Bewusstsein des Verlangens mit sich, sodass das zuvor Reine zu einem Gegenstand des Ringens wurde.
Marei Mekomos
- 1ולא יתבוששו · Genesis 2:25
- 2ולא היו יודעים כלל שיש תאוה בזה · ראה בלקוטי שיחות ח״ו ע׳ 199 הערה 28.
Warum der Mensch vom Baum des Lebens ferngehalten wurde ¶8–9
8ולכן לא רצה הקדוש ברוך הוא שיטעם האדם מעה״ד [מעץ הדעת] כי לו הדבר מזיק כנ״ל והיה רוצה שלא ידע ממציאת הרע כלל ויהיה כולו קדוש ולא רצה להכניסו במלחמה עצומה הזאת.
Der Heilige, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), wollte daher nicht, dass der Mensch vom Baum der Erkenntnis koste, denn dies ist für ihn schädlich, wie oben erklärt. Er wollte, dass er überhaupt nichts vom Vorhandensein des Bösen wisse und ganz und gar heilig sei; Er wollte ihn nicht in diesen gewaltigen Kampf hineinführen.
Darum verbot G‑tt den Baum der Erkenntnis: Das Wissen um das Böse würde dem Menschen schaden, der das, was er erkennt, in sich aufnimmt. G‑tt wollte, dass der Mensch ganz und gar heilig bliebe und niemals in den Kampf mit dem Bösen hineingezogen würde.
אבל אחר שכבר טעם מעה״ד [מעץ הדעת] ונתערב ברע אז אמר פן ישלח ידו ולקח גם1 מעה״ח [מעץ החיים] ואכל וחי לעלם.
Doch nachdem er bereits vom Baum der Erkenntnis gekostet und sich mit dem Bösen vermischt hatte, sagte Er: „Damit er nicht seine Hand ausstrecke und auch vom Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe.“
Damit ist nun die zweite Frage beantwortet: Erst nachdem der Mensch bereits gegessen und sich mit dem Bösen vermischt hatte, äußerte G‑tt Seine Sorge um den Baum des Lebens.
פי׳ שחשש עוד מעתה שכבר נתערב ברע ולקח גם מעה״ח [מעץ החיים] ששרשו מבחי׳ שלמעלה מהשבירה שמשם הוא שהיה התחלת המיתה והתהוות עה״ד [עץ הדעת] טו״ר [טוב ורע] משא״כ מה שלמעלה מהשבירה הוא עה״ח [עץ החיים] ואם יאכל גם ממנו וחי לעולם.
Das heißt: Er war nun zusätzlich besorgt, da der Mensch bereits mit dem Bösen vermischt war, [dass er] auch vom Baum des Lebens nehmen könnte, dessen Wurzel aus der Ebene stammt, die oberhalb des Zerbrechens liegt – denn von [dem Zerbrechen] her nahm der Tod seinen Anfang und kam der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse ins Dasein, während das, was oberhalb des Zerbrechens liegt, der Baum des Lebens ist –; und wenn er auch davon isst, wird er ewig leben.
Der Baum des Lebens wurzelt oberhalb des „Zerbrechens der Gefäße“ – des ursprünglichen kosmischen Zerbrechens, aus dem nach der Kabbala das Böse und der Tod hervorgehen. Der Baum der Erkenntnis mit seiner Vermischung von Gut und Böse stammt aus dem Zerbrechen; der Baum des Lebens dagegen stammt aus einer Ebene, die davon unberührt ist, und das Essen von ihm gewährt ewiges Leben.
פי׳ כי הרי באמת בבחי׳ זו נאמר אם צדקת מה תתן לו (איוב לה) ורבו פשעיך מה תעשה לו2
Das heißt: Denn in Wahrheit heißt es über diese Ebene: „Wenn du gerecht bist, was gibst du Ihm?“ (Hiob 35), „[und wenn] deine Verfehlungen zahlreich sind, was tust du Ihm?“
Auf dieser erhabenen Ebene machen die Taten des Menschen keinen Unterschied: Wie Elihu Hiob sagt, gibt die Gerechtigkeit des Menschen G‑tt nichts, und auch seine zahlreichen Verfehlungen bewirken nichts bei Ihm.
וא״כ אף שמעורב ברע הרי גם אם רבו פשעיך כו׳ ויכול להיות וחי לעולם ואז גם הרע שבו יהיה לו קיום לעולם
Wenn dem so ist, könnte er, obwohl er mit dem Bösen vermischt ist, dennoch selbst dann „ewig leben“, wenn „deine Verfehlungen zahlreich sind“ usw.; und dann hätte auch das Böse in ihm für immer Bestand,
So könnte sogar ein mit dem Bösen vermischter und von Verfehlungen erfüllter Mensch von ihm ewiges Leben erhalten; dann würde auch das Böse in ihm für immer bestehen.
מאחר שהוא בבחי׳ פנימי׳ [פנימיות / פנימית] והרע מעורב כו׳ וא״א לו להפרידו מעליו. א״כ כשיהיה הוא חי לעולם אזי גם הרע שבו יהיה לו קיום לעולם.3
da er der inneren Ebene angehört und das Böse [in ihm] vermischt ist usw. und es ihm unmöglich ist, es von sich zu trennen. Wenn dem so ist, wird, sobald er ewig lebt, auch das Böse in ihm für immer Bestand haben.
Denn der Mensch ist ein inneres Wesen, und das Böse ist in ihn eingemischt; er kann es nicht von sich ablösen. Wenn er also ewig lebte, bliebe auch das Böse in ihm für immer erhalten.
Der Absatz beantwortet die zweite Frage: G‑tt hielt den Menschen vom Baum des Lebens fern, weil ewiges Leben, nachdem das Böse sich mit ihm vermischt hatte, auch das Böse in ihm ewig machen würde.
Das „Zerbrechen der Gefäße“ (shevirat hakelim) in der Lehre des Arizal ist die Quelle der Funken, die in die Hülle (Kelipah) fielen; der Baum der Erkenntnis gehört zu diesem Bereich, während der Baum des Lebens dem Bereich oberhalb davon angehört, der den Taten des Menschen gegenüber gleichgültig ist.
Marei Mekomos
- 1פן ישלח ידו ולקח גם · Genesis 3:22
- 2ורבו פשעיך מה תעשה לו · Job 35:6
- 3
9וזהו היפך הכוונה שהרי צ״ל בלע המות לנצח1 שיהיה ובערת הרע כמאמר והרשעה כולה בעשן תכלה שזה יהיה לימות המשיח.
Und dies ist das Gegenteil der Absicht, denn es muss [die Erfüllung von] „Er wird den Tod für immer verschlingen“ geben, sodass „du das Böse ausrotten sollst“, wie der Ausspruch [lautet]: „und alle Bosheit wird wie Rauch vergehen“ – was in den Tagen des Mashiach geschehen wird.
Dass das Böse ewig fortbesteht, widerspricht G‑ttes Absicht: Das Böse und der Tod sollen beseitigt werden: „Er wird den Tod für immer verschlingen“ und „alle Bosheit wird wie Rauch vergehen“ (eine Formulierung aus den Gebeten der Hohen Feiertage), in den Tagen des Mashiach.
Denn die gesamte Dauer des Exils ist die Zeit der Läuterungen und der Trennung des Bösen; dies geschieht durch die Ebene der Weisheit (Chochmah), denn „durch Chochmah werden sie geläutert“, um das Böse vom Guten zu trennen.
Bis dahin ist das Exil die Zeit der „Läuterungen“ (Beirurim): Das Gute wird aus der Vermischung herausgelöst und vom Bösen getrennt. Dies geschieht durch Chochmah, wie der Zohar sagt: „Durch Chochmah werden sie geläutert.“
ולכן נק׳ החכמה דין. שלא כמו שדימו המקובלים הראשונים שהחכ׳ [שהחכמה] כולה חסד שהרי היא מקור חסד.
Deshalb wird Chochmah Urteil genannt – anders, als die frühen Kabbalisten meinten, nämlich dass Chochmah ganz Güte sei, da sie die Quelle von Güte (Chesed) ist.
Weil Chochmah trennt, wird sie „Urteil“ (Din) genannt; sie unterscheidet und setzt Grenzen. Frühere Kabbalisten hatten angenommen, Chochmah sei reine Güte, da Chesed von ihr ausgeht.
והחייט45 המציא שיש בה ג״כ דין ושבחו האר״י [האלקי רבי יצחק] ז״ל [זכרונו לברכה / זכרונם לברכה]6 שכך מבואר בזוהר באדרא כחמרא דשקיט7 ושכיך על דורדיי׳8 כו׳.
Der Chayat brachte die Neuerung vor, dass auch Urteil in ihr enthalten ist, und der Arizal, sein Andenken sei zum Segen, lobte ihn dafür, denn so wird es im Zohar, in der Idra, erklärt: „wie Wein, der still und ruhig auf seinem Bodensatz liegt“ usw.
Rabbi Yehudah Chayat, ein Kabbalist aus der Zeit der Vertreibung aus Spanien und Verfasser des Kommentars Minchas Yehudah zu Maareches HaElokus, lehrte, dass Chochmah auch Urteil enthält. Der Arizal lobte diese Auffassung, denn die Idra des Zohar spricht von der verborgenen Chochmah, die „wie guter Wein auf seinem Bodensatz ruht“: Der klare Wein ruht auf seinem Sediment.
כי מאחר שיש בירורים להפריד הרע וזהו ע״י גבורות וע״ז נאמר (תהלים צד) אשרי הגבר9 אשר תיסרנו יה שגם היסורים שהם לתועלת העברת הרע הוא מבחי׳ י״ה וכידוע שהיסורים הם לתועלת הפרדת הרע.
Denn da es Läuterungen gibt, um das Böse zu trennen, und dies durch die Kräfte der Strenge (Gevuros) geschieht, heißt es dazu (Psalmen 94): „Wohl dem Mann, den Du, Yah, züchtigst“ – auch die Leiden, die dazu dienen, das Böse zu entfernen, gehen von der Ebene Yah aus. Und wie bekannt ist, dienen Leiden dazu, das Böse zu trennen.
Das Böse wird durch Gevuros getrennt, also durch Kräfte der Strenge. Der Vers „Wohl dem Mann, den Du, Yah, züchtigst“ zeigt, dass auch Leiden, die dazu dienen, das Böse zu entfernen, vom Namen Yah ausgehen (dessen Buchstaben Yud-Hei Chochmah und Binah entsprechen).
Denn die Kelipos (Hüllen) werden mit einem Blutegel verglichen: Wenn er Blut saugt, stirbt er sofort. Dies ist die Bedeutung dessen, was gesagt wird (Sprüche 30): „Der Blutegel hat zwei Töchter.“
Die Kelipos, die Kräfte der Verhüllung, sind wie ein Blutegel: Sobald er sich mit Blut vollgesogen hat, stirbt er. Ebenso wird die Kelipah, wenn sie ihren Anteil erhält, dadurch abgetrennt und fällt ab.
וזהו ג״כ ענין שעיר המשתלח. וכן וישלח יעקב12 וגו׳ מנחה לעשו אחיו13 עזים מאתים14 כו׳ שבזה שנותן לו חלקו הוא מפרידו.
Dies ist auch die Bedeutung des fortgeschickten Ziegenbocks. Ebenso heißt es: „Und Yaakov sandte“ usw. „seinem Bruder Eisav ein Geschenk: zweihundert Ziegen“ usw. – denn indem er ihm seinen Anteil gibt, trennt er ihn ab.
Dies ist die Idee hinter dem Ziegenbock, der an Jom Kippur zu Azazel „fortgeschickt“ wird (Levitikus 16), und hinter der Sendung, bei der Yaakov Eisav ein Geschenk aus Ziegen schickte: Wenn man dem Bösen seinen gebührenden Anteil gibt, wird es von der Heiligkeit getrennt.
וכך צ״ל לאחר שכבר טעם האדם מעה״ד [מעץ הדעת] ונתערב ברע אזי צריך לבירורי׳ [לבירורים] עד שיפרידו ע״י שיקחו כל נצוצי קדושה שבו כו׳.
Ebenso muss es sein, nachdem der Mensch bereits vom Baum der Erkenntnis gekostet und sich mit dem Bösen vermischt hat: Dann sind Läuterungen nötig, bis es getrennt wird, indem man alle darin enthaltenen Funken der Heiligkeit herausnimmt usw.
Ebenso ist, sobald der Mensch mit dem Bösen vermischt worden ist, ein Läuterungsprozess erforderlich, bis das Böse von ihm getrennt wird, indem alle darin enthaltenen Funken der Heiligkeit herausgelöst werden.
וכ״ז [וכל זה] הוא ע״י החכ׳ [החכמה] שבחכ׳ [שבחכמה] אתברירו. לפי שיש בה גם בחי׳ גבורות להיות תיסרנו יה וכמ״ש (דברים ח) כאשר ייסר איש15 את בנו16 כו׳.
Und all dies geschieht durch die Weisheit (Chochmah), denn „durch Chochmah werden sie geläutert“, da sie auch die Ebene der Gevuros (strengen Kräfte) in sich enthält, sodass es heißt: „Du, Yah, züchtigst“, und wie geschrieben steht (Deuteronomium 8): „Wie ein Mann seinen Sohn züchtigt“ usw.
Diese Läuterung geschieht durch Chochmah, die Gevuros enthält; daher heißt es: „Du, Yah, züchtigst“ und „wie ein Mann seinen Sohn züchtigt“ – das heißt, eine Züchtigung, die aus Liebe kommt und auf Läuterung abzielt.
משא״כ בחינת כתר שלמעלה מחכמה הוא רחמים פשוטים וכחשיכה כאורה17 ולכן פן ישלח ידו ולקח גם מעה״ח [מעץ החיים] ואז וחי לעולם מאחר דאם צדקת מה תתן לו18 כו׳
Anders verhält es sich mit der Ebene der Krone (Keser), die über Chochmah steht: Sie ist schlichte Barmherzigkeit, und „Finsternis ist wie Licht“. Deshalb [sagte Er]: „Damit er nicht seine Hand ausstrecke und auch vom Baum des Lebens nehme“ und dann „für immer lebe“, denn „wenn du gerecht bist, was gibst du Ihm?“ usw.
Keser, oberhalb von Chochmah, ist schlichte Barmherzigkeit, die keine Unterschiede macht: Für sie ist „Finsternis wie Licht“. Der Baum des Lebens geht von dort aus; daher würde er ewiges Leben gewähren, unabhängig von den Taten des Menschen.
ולפי שהוא מבחי׳ פנימית וא״כ הרע קשור ואדוק בו ויהי׳ [ויהיה] גם לו קיום ולא זו היא הכוונה כנ״ל.
Und da er der inneren Dimension (Pnimiyus) angehört, ist das Böse an ihn gebunden und fest mit ihm verbunden, sodass auch es Bestand hätte – und dies ist, wie oben erläutert, nicht die Absicht.
Da das Böse im Menschen gebunden ist, würde auch es Bestand erlangen – das Gegenteil der Absicht G‑ttes.
Der Absatz erläutert, warum das Böse nicht ewig fortbestehen darf: Ziel ist seine Beseitigung. Dies geschieht durch die trennende Kraft von Chochmah und ihren Gevuros, während der Baum des Lebens aus der Krone (Keser) hervorgeht, die nicht zwischen Gut und Böse unterscheidet.
Etz Chaim (13:6 on Sefaria) zitiert Rabbi Yehudah Chayats Minchas Yehudah, wonach Chochmah Urteil ist, und verbindet dies mit dem Bild des Zohar von Wein, der auf seinem Bodensatz ruht. Dort heißt es auch, Keser sei vollkommene Barmherzigkeit, wie hier. Likkutei Torah (Re'eh) erläutert, dass dieses Urteil in Chochmah die „Linie des Maßes“ ist: die überirdische Gevurah, die es ermöglicht, dass das unendliche Licht (Or Ein Sof) nur entsprechend dem Maß der Selbstaufhebung (Bittul) offenbart wird.
Marei Mekomos
- 1בלע המות לנצח · Isaiah 25:8
- 2דבחכמה אתברירו · הובא באגה״ק סכ״ח בשם זוה״ק וראה ע״ח שי״ח פ״ה, של״ט ד״א. סהמ״צ להצ״צ מצות מחצית השקל, שם איסור אכילת בעל מום (הערת כ״ק אדמו״ר זי״ע בספר המאמרים תש״א ע׳ 79, ובסה״מ תש״ח ע׳ 206). וראה גם אוה״ת נ״ך כרך ב ע׳ תתקפא.
- 3דבחכמה אתברירו · Tanya, Iggeres HaKodesh 28:5
- 4והחייט · פי׳ לספר מערכת האלקות לר׳ יהודא ב״ר יעקב חייט מערכת אלקות פ״ד. מובא גם בלקו״ת פ׳ ראה לא, א. בענין חכמה נק׳ דין ראה ביאוה״ז להצ״צ כרך ב ע׳ תשיח ואילך. וראה לקמן קז, ג ובמ״מ לשם. ובתורת חיים בראשית לא, ד.
- 5החייט · Sefer Etz Chaim 13:6
- 6ושבחו האר״י ז״ל · ע״ח שי״ג פ״ה.
- 7בזהר באדרא כחמרא דשקיט · Zohar III, 288a
- 8כחמרא דשקיט ושכיך על דורדיי׳ · Zohar, Idra Rabba 3:14–6:25
- 9
- 10
- 11שו״ה שתי בנות · בגוכתי״ק נוסף ”שע״י שמוצצי׳ דם שונאיהם של ישראל אזי מיד מתים הקליפות”.
- 12וישלח יעקב · Genesis 32:4
- 13מנחה לעשו אחיו · Genesis 32:14
- 14עזים מאתים · Genesis 32:15
- 15
- 16כאשר ייסר איש את בנו · בגוכתי״ק: כאב את בנו יוכיח.
- 17וכחשיכה כאורה · Psalms 139:12
- 18דאם צדקת מה תתן לו · Job 35:7
Vertreibung und die Arbeit der Läuterung ¶10–11
10וכמ״ש בזוהר גבי רבי אחא1 מכפר טרשא2 שכיפר בקטורת על מקום שהיה הנגף שם ואמרו לו שלא הועיל כי עדיין בחיובא אשתכח. בשלמא אם היו עושין תשובה כו׳.
Wie im Zohar über Rabbi Acha aus Kefar Tarsha berichtet wird, der für einen Ort, an dem die Seuche wütete, mit Räucherwerk Sühne erwirkte; man sagte ihm, es habe nicht geholfen, denn „sie gelten noch immer als schuldig“; „gut wäre es, wenn sie die Umkehr (Teshuvah) vollzogen hätten“ usw.
Der Zohar berichtet, dass Rabbi Acha während einer Seuche nach Kefar Tarsha kam und die Einwohner den Abschnitt der Torah über das Räucherwerk rezitieren ließ; daraufhin hörte die Seuche auf. Doch in einem Traum wurde ihm gesagt, dass sie weiterhin schuldig seien und es „gut wäre, wenn sie Umkehr vollzogen hätten“: Er müsse ihnen sagen, sie sollten umkehren.
Daher „sandte Er ihn unverzüglich aus dem Garten Eden, damit er den Erdboden bearbeite, von dem er genommen worden war“.
Es genügt nicht, den Verderber zurückzuhalten; das Böse selbst muss beseitigt werden. Ebenso konnte der Mensch nicht einfach mit seinem Bösen unsterblich gemacht werden; daher sandte G‑tt ihn unverzüglich aus Eden, damit er „den Erdboden bearbeite, von dem er genommen worden war“.
דהיינו עבודת הבירורים ע״י זריעה חרישה וקצירה ואח״כ באכלו ממנו ואו׳ [ואומר] אחד ואהבת הוא מברר ומעל׳ [ומעלה] כו׳.
Das heißt: die Arbeit der Läuterung durch Säen, Pflügen und Ernten; und danach, wenn er davon isst und „Eins“ und „Du sollst lieben“ sagt, läutert und erhebt er [es] usw.
„Den Erdboden zu bearbeiten“ bezeichnet die Arbeit der Läuterung: Durch Pflügen, Säen und Ernten gewinnt der Mensch Nahrung; wenn er sie isst und danach G‑tt dient, indem er das Schma („Eins“, „Du sollst lieben“) sagt, läutert und erhebt er die Funken in dieser Nahrung.
Der Absatz erläutert die Vertreibung aus Eden: Das Böse muss tatsächlich beseitigt werden, nicht bloß zurückgehalten. Daher wurde der Mensch ausgesandt, „den Erdboden zu bearbeiten“ und durch seine Arbeit und seinen G‑ttlichen Dienst die Funken der Heiligkeit zu läutern.
Der Rebbe Maharash (Sefer HaMaamarim 5634) führt diese Passage zusammen mit Iggeres HaKodesh 26 an, wonach der Hauptzweck von Torah und mitzvos darin besteht, die Funken zu läutern.
Marei Mekomos
- 1וכמ״ש בזהר גבי רבי אחא · Zohar I, 101a
- 2רבי אחא מכפר טרשא · Zohar, Vayera 6:123–127
- 3ולכן מיד וישלחהו מג״ע . . ושמה יברר הבירורים · מובא בסה״מ תרל״ד ע׳ קמג ושם מציין לאגה״ק סי׳ כו שעיקר עסק התורה והמצות הוא לברר הניצוצות.
- 4לעבד את האדמה אשר לקח משם · Genesis 3:23
Und dann muss er tatsächlich auf die Erde gehen, von der er genommen wurde, und dort wird er essen und dort die Läuterungen vornehmen.
Nach der Sünde muss der Mensch tatsächlich zur Erde hinabgehen, an den Ort der Vermischung, und dort essen und dort läutern.
אך צ״ל איך היה מתחלה כוונתו ית׳ כשלא ידע האדם מטו״ר [מטוב ורע] כלל מאחר שיש מציאת הרע בעולם א״כ איך יתבררו הבירורים שזה צ״ל ע״י האדם.
Doch muss man verstehen: Was war Seine ursprüngliche Absicht, gesegnet sei Er, als der Mensch überhaupt nichts von Gut und Böse wusste? Da es in der Welt das Böse gibt, wie sollten dann die Läuterungen vollzogen werden, die durch den Menschen erfolgen müssen?
Eine Frage: Das Böse existierte bereits vor der Sünde in der Welt. Wenn Adam niemals das Böse kennenlernen sollte, wie sollten dann die in ihm gefangenen Funken geläutert werden, da dies die Aufgabe des Menschen ist?
אך הענין כי אז היה באופן אחר ממש שלא בדרך מלחמה אלא ע״ד מ״ש ויניחהו בג״ע [בגן עדן] לעבדה זה2 רמ״ח מ״ע [מצות עשה] להמשיך אור א״ס בג״ע [בגן עדן]
Doch die Sache ist, dass es damals auf eine völlig andere Weise geschehen sollte, nicht durch einen Kampf, sondern in der Weise, von der es heißt: „Und Er setzte ihn in den Garten Eden, um ihn zu bearbeiten“ – das sind die 248 positiven Gebote –, um das unendliche Licht (Or Ein Sof) in den Garten Eden herabzuziehen.
Vor der Sünde sollte die Läuterung auf ganz andere Weise geschehen, ohne Kampf. Adam wurde in Eden gesetzt, „um ihn zu bearbeiten“, was der Zohar als die 248 positiven Gebote erklärt (und Targum Yonasan als Arbeit in der Torah); durch sie sollte er das unendliche Licht in Eden herabziehen.
וע״י רבוי התגלות האור ממילא יתעלו נצוצי3 קדו׳ [קדושה] שנפלו ונתערבו ברע ויהיו נכללים בתוך האורות עליונים שימשיך האדם כנר בפני האבוקה
Und durch die überreiche Offenbarung des Lichts würden sich die Funken der Heiligkeit, die gefallen und mit dem Bösen vermischt worden waren, von selbst erheben und in die höheren Lichter aufgenommen werden, die der Mensch herabziehen würde – wie eine Kerze vor einer Fackel.
Die schiere Fülle dieses offenbarten Lichts würde die gefallenen Funken von selbst nach oben ziehen und sie in das Licht aufnehmen, so wie eine Kerze in der Flamme einer Fackel aufgeht.
שאם האבוקה קטנה אזי נר הסמוך לה יוכלל4 בה ואם ירחיקוהו מעט לא יתכלל בה מפני שהאבוקה קטנה. אבל אם תהיה5 האבוקה גדולה אזי אע״פ [אף על פי] שיהיה הנר רחוק יהיה מתכלל בה.
Denn wenn die Fackel klein ist, wird eine Kerze, die nahe bei ihr steht, in sie aufgenommen; wird sie jedoch ein wenig entfernt, wird sie nicht in sie aufgenommen, weil die Fackel klein ist. Ist die Fackel aber groß, dann wird die Kerze selbst dann in sie aufgenommen, wenn sie weit entfernt ist.
Ist die Fackel klein, wird nur eine nahe Kerze aufgenommen; eine große Fackel nimmt sogar eine weit entfernte Kerze auf. So könnte das große Licht, das Adam herabgezogen hätte, selbst weit entfernte Funken aufnehmen, ohne dass er dem Bösen je hätte gegenübertreten müssen.
Der Absatz beschreibt den ursprünglichen Plan: Vor der Sünde hätte der Mensch die Welt nicht durch den Kampf gegen das Böse geläutert, sondern durch ein so großes Licht, das er mittels der mitzvos herabgezogen hätte, dass die gefallenen Funken von selbst in ihm aufgenommen worden wären.
Es zeigen sich zwei Arten der Läuterung: „durch Kampf“, durch die unmittelbare Auseinandersetzung mit dem Bösen, und „durch Licht“, bei der eine Zunahme der Heiligkeit die Funken von selbst aufnimmt. Auch Likkutei Torah (Bamidbar) behandelt den Gedanken, die Funken durch eine verstärkte Offenbarung zu erheben.
Marei Mekomos
- 1את האדמה אשר לקח משם · Genesis 3:23
- 2ויניחהו בג״ע לעבדה זה [בגוכתי״ק: זו] רמ״ח מ״ע · Genesis 2:15
- 3וע״י רבוי התגלות האור ממילא יתעלו נצוצי קדושה · ראה גם בלקו״ת במדבר ג, ד. וראה גם לקו״ש ח״כ ע׳ 215 הערה 32.
- 4שו״ה כנר — יוכלל · בגוכתי״ק: יכלה.
- 5שו״ה תהיה — תהיה · בגוכתי״ק: יהי׳.
Läuterung durch Licht und durch Kampf ¶12
12וע״ד שהיה בזמן שבהמ״ק [שבית המקדש] היה קיים שהרי ארז״ל [אמרו רבותינו זכרונם לברכה] לא גלו ישראל1 אלא כדי שיתוספו עליהם גרים דהיינו להעלות נצוצות ומה היה נעשה אם לא חטאו ולא היו גולים.
So war es auch zu der Zeit, als der Heilige Tempel bestand. Denn unsere Weisen, sel. A., sagten: „Israel wurde nur ins Exil geführt, damit sich ihm Proselyten anschlössen“, das heißt, damit Funken emporgehoben würden. Was wäre also geschehen, wenn sie nicht gesündigt und kein Exil erlitten hätten?
Ein Beispiel aus der jüdischen Geschichte. Der Talmud sagt, Israel sei ins Exil geführt worden, damit sich ihm Proselyten anschlössen. Chassidus versteht dies als das Emporheben von Funken der Heiligkeit, die unter den Völkern verstreut sind. Wie wären diese Funken also emporgehoben worden, wenn Israel niemals gesündigt hätte und nicht ins Exil geführt worden wäre?
אלא ע״כ צ״ל שאז היו נכללים הנצוצות2 ממילא כנר בפני האבוקה כמו נעמה העמונית3 וכן כל העמים באו לשמוע חכמת שלמה וכמ״ש במלכת שבא4 כו׳.
Wir müssen also sagen, dass die Funken damals von selbst in ihm aufgingen, wie eine Kerze vor einer Fackel – wie Naamah die Ammoniterin; ebenso kamen alle Völker, um die Weisheit Shlomos zu hören, wie auch über die Königin von Sheba geschrieben steht usw.
Die Antwort lautet: Zur Zeit des Tempels wurden die Funken von selbst angezogen, wie eine Kerze, die vor einer Fackel aufgeht. Naamah die Ammoniterin, eine Frau von König Shlomo, schloss sich Israel an; der Talmud zählt sie als eine „gute Taube“ aus Ammon. Und alle Völker, einschließlich der Königin von Sheba, kamen, um Shlomos Weisheit zu hören.
והיינו לפי שאז היה אבוקה גדולה עד״מ ע״כ ממילא מתכללים בה הנצוצות ואם היה נמשך בהמ״ק [בית המקדש] כן יותר היו כולם מתבררים עד״ז
Das heißt, weil damals gewissermaßen eine große Fackel vorhanden war, gingen die Funken von selbst in ihr auf. Hätte der Heilige Tempel länger in diesem Zustand bestanden, wären sie alle auf diese Weise geläutert worden,
Der Tempel war eine „große Fackel“ offenbarter G‑ttlichkeit, sodass die Funken von selbst in ihm aufgingen. Hätte dieser Zustand angehalten, wären alle Funken auf diese Weise geläutert worden, ohne dass es eines Exils bedurft hätte.
wie es über die künftige Zeit geschrieben steht (Zephania 3): „Dann werde Ich den Völkern eine klare (Berurah) Sprache zuwenden“ usw., und: „Völker werden in deinem Licht gehen“ usw.
So wird es in der künftigen Zeit geschehen, wie die Propheten voraussagen: G‑tt wird den Völkern eine „klare (Berurah) Sprache“ zuwenden – ein Wort derselben Wurzel wie Birurim [Läuterungen] – und Völker werden in Israels Licht gehen, angezogen von dem Licht, das selbst offenbart ist.
וכך היה ענין האדם כשלא היה חוטא שהיה כולו קדוש כי גם גופו נלקח ממקום המזבח78 וממנו נעשו9 רמ״ח אבריו בלול בשמן כו׳
So war es auch mit dem Menschen, als er noch nicht gesündigt hatte: Er war ganz und gar heilig, denn auch sein Körper wurde vom Ort des Altars genommen, und aus ihm wurden seine 248 Glieder gebildet, „mit Öl vermengt“ usw.
Adam war vor der Sünde ebenso ganz und gar heilig. Der Midrasch sagt, sein Körper sei vom Ort des Altars genommen worden und seine 248 Glieder seien „mit Öl vermengt“ gebildet worden, wie bei einem Speiseopfer: Sein Körper selbst war heilig. (Die Kehot-Anmerkung vergleicht andere Überlieferungen: aus Babylon, Sanhedrin 38b; aus den vier Ecken der Welt, Zohar 1:130b.)
והיה עומד בג״ע [בגן עדן] ושם היה מוסיף אורות וממילא היו הקליפות כלים ע״י שהיו הנצוצי קדושה כלים מהם אבל הדבר היה10 שלא ע״י מלחמה כו׳.
Er stand im Garten Eden und hätte dort Lichter hinzugefügt; von selbst wären die Hüllen (Kelipos) vergangen, indem die Funken der Heiligkeit aus ihnen herausgelöst worden wären. Doch geschah dies nicht durch einen Kampf usw.
Im Garten Eden hätte er Licht hinzugefügt, und die Kelipos wären vergangen, als die Funken der Heiligkeit, die sie erhielten, aus ihnen herausgelöst worden wären – ohne jeden Kampf.
משא״כ אחר שחטא אזי צ״ל הבירורים ע״י עבודה ומלחמה שעת צלותא שעת קרבא כנ״ל וצריך לירד אל מקום הקליפות ושם יבררם וזהו את האדמה אשר לקח משם.11
Anders ist es nach seiner Sünde: Dann müssen die Läuterungen durch Arbeit und Kampf erfolgen – „Die Stunde des Gebets ist die Stunde des Kampfes“ –, wie oben erläutert; und er muss an den Ort der Kelipos hinabsteigen und sie dort läutern. Und dies ist „der Erdboden, von dem er genommen wurde“.
Nach der Sünde erfordert die Läuterung Mühe und Kampf. Der Ausspruch des Sohar „Die Stunde des Gebets ist die Stunde des Kampfes“ beschreibt das Gebet als Schauplatz dieses Ringens. Der Mensch muss an den Ort der Kelipos hinabsteigen, an „den Erdboden, von dem er genommen wurde“, und sie dort läutern.
Der Abschnitt veranschaulicht zwei Arten der Läuterung: Zur Zeit des Tempels und bei Adam vor der Sünde gingen die Funken durch die bloße Kraft des offenbarten Lichts auf; nach der Sünde müssen sie durch Arbeit und Kampf gewonnen werden.
In Torah Ohr, Toldos, erklärt der Alter Rebbe, dass die Läuterung des Guten aus dem Bösen erfordert, dort ein großes Licht erstrahlen zu lassen, sodass die Funken darin gesammelt werden. Yitzchak wollte, dass dies durch Offenbarung in Eisav selbst geschieht, anstatt durch Yaakovs Arbeit – ein Gegenstück zu den beiden hier beschriebenen Arten.
Marei Mekomos
- 1לא גלו ישראל · Pesachim 87b:14
- 2שו״ה אם — היו נכללים הנצוצות · בגוכתי״ק: הי׳ נכלל הנצוצים.
- 3נעמה העמונית · Bava Kamma 38b:2–3
- 4וכמ״ש במלכת שבא · I Kings 10:1
- 5
- 6והלכו גוים לאורך · Isaiah 60:3
- 7גופו נלקח ממקום המזבח · Sanhedrin 38b
- 8גופו נלקח ממקום המזבח · Pirkei DeRabbi Eliezer 12:1
- 9שו״ה וממנו — נעשו · בגוכתי״ק: עשו.
- 10שו״ה אבל — הדבר היה · בגוכתי״ק ליתא.
- 11את האדמה אשר לקח משם · Genesis 3:23
Woher die Schlange wusste ¶13
13ובזה יובן גם מה שהנחש ידע מזה. כי הנה אדה״ר [אדם הראשון] עצמו שהיה כולו קדוש למעלה מעה״ד [מעץ הדעת] טו״ר [טוב ורע] לא ידע ממציאת הרע כלל כנ״ל.
Damit verstehen wir auch, wie die Schlange davon wusste. Adam HaRishon selbst, der ganz heilig war und über dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse stand, wusste überhaupt nichts von der Existenz des Bösen, wie oben erklärt.
Damit ist nun die zentrale Frage beantwortet: Wie wusste die Schlange, was das Essen bewirken würde? Adam war ganz heilig und stand über dem Baum der Erkenntnis; er wusste nichts von der Existenz des Bösen.
אבל הנחש שהוא עצמו נלקח מבחי׳ עה״ד [עץ הדעת] טו״ר [טוב ורע] וידע מזה וידע שמה שצוה1 לאדם שלא יאכל2 ממנו היה בכדי שלא יהיה לו ידיעה3 ברע כלל שלא יצטרך לכנוס עמו במלחמה כלל.
Die Schlange aber, die selbst der Ebene des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse entnommen war, wusste davon; und sie wusste, dass [G‑ttes] Befehl an Adam, nicht davon zu essen, dazu diente, dass er überhaupt nichts vom Bösen wusste und deshalb gar nicht mit ihm in den Kampf treten musste.
Die Schlange hingegen stammte selbst vom Baum der Erkenntnis, dem Bereich, in dem Gut und Böse miteinander vermischt sind. So verstand sie, was Adam nicht wusste: Das Verbot sollte Adam davor bewahren, überhaupt etwas vom Bösen zu wissen, und ihm dadurch den Kampf damit ersparen.
וחרה לו מאד על שכ״כ [שכל כך] נשמרים ממנו אף שלא לידע ממנו שלא יכשל בו והשיא עצות בנפשו שמוטב לו שיכנס האדם בזה ויהיה מלחמה ואז פעמים שיגבור גם הוא וכמ״ש (קהלת ח) עת אשר שלט האדם באדם4 כו׳ משלא ידע האדם מזה כלל
Und sie war sehr erzürnt darüber, dass man sich so sehr vor ihr hütete – ja, nicht einmal von ihr wissen wollte, um nicht an ihr zu Fall zu kommen. Da ersann sie in ihrem Inneren den Plan, dass es für sie besser wäre, wenn der Mensch in diese Sache einträte und es zum Kampf käme; denn dann würde auch sie bisweilen siegen, wie geschrieben steht (Kohelet 8): „Eine Zeit, in der der Mensch über den Menschen herrscht“ usw. – als dass der Mensch überhaupt nichts davon wüsste;
Die Schlange nahm es übel, dass man sie so vollständig mied. Sie überlegte, dass es für sie besser wäre, wenn der Mensch in diese Vermischung einträte und es zum Kampf käme, denn dann würde sie bisweilen siegen – wie in den Worten „Eine Zeit, in der der Mensch über den Menschen herrscht“ (Kohelet 8:9), die hier so verstanden werden, dass bisweilen das Böse im Menschen die Oberhand gewinnt –, als dass der Mensch überhaupt nichts vom Bösen wüsste.
ואז יהיה הטוב המעורב בו נכלל באדה״ר [באדם הראשון] כנר בפני האבוקה והוא ימות ויפסד לגמרי ובא בערמומית לחוה
denn dann würde das darin vermischte Gute in Adam HaRishon aufgenommen werden wie eine Kerze vor einer Fackel, und die Schlange würde ganz und gar vergehen. So kam sie mit List zu Chavah,
Denn wenn der Mensch nichts vom Bösen gewusst hätte, hätte sein großes Licht das in der Schlange vermischte Gute aufgenommen – „wie eine Kerze vor einer Fackel“ –, und die Schlange wäre, ohne Lebenskraft, ganz und gar vergangen. Daher näherte sie sich Chavah mit List.
וכמ״ש (בפר״א [בפרקי דרבי אליעזר] פי״ג) בא ס״מ [סמאל] ורכב5 על הנחש כו׳. ואמר6 כי ידע אלקים כי ביום אכלכם ממנו7 וגו׳ והייתם כאלקים ידעי טו״ר [טוב ורע].
wie es heißt (in Pirkei deRabbi Eliezer, Kap. 13): „Samael kam und ritt auf der Schlange“ usw. Und sie sagte: „Denn G‑tt weiß, dass an dem Tag, an dem ihr davon esst“ usw., „werdet ihr wie G‑tt sein, Gut und Böse kennend.“
Der Midrasch sagt, Samael, der Engel des Bösen, sei auf der Schlange geritten und habe sie als sein Vehikel benutzt. Die Schlange sagte zu Chavah, dass das Essen sie „wie G‑tt“ machen werde, „Gut und Böse kennend“.
וכן הוא עפ״י [על פי] האמת ולא אמר שקר כנ״ל רק שבערמה דבר זה כי הוא אמר והייתם כאלקים למעליותא. אבל באמת זהו חסרון.
Und tatsächlich verhält es sich der Wahrheit nach so; die Schlange sprach keine Lüge, wie oben erklärt. Sie sagte es lediglich mit List, denn sie stellte „ihr werdet wie G‑tt sein“ als etwas Vorteilhaftes dar. In Wahrheit aber ist dies ein Mangel.
Das war wahr; die Schlange log nicht. Ihre List bestand darin, etwas als Vorteil darzustellen, was in Wahrheit ein Mangel war.
אף שיהי׳ [שיהיה] יודע טו״ר [טוב ורע] כאלקים הנה למעלה אין זה פוגם כלל אף שיודע טו״ר [טוב ורע] מ״מ הרע נבדל לפי שלמעלה הוא בחי׳ מקיף משא״כ אם האדם שהוא מבחי׳ פנימי8 יהי׳ [יהיה] יודע מטו״ר [מטוב ורע] לו יהי׳ [יהיה] הדבר מזיק כנ״ל:9
Auch wenn er Gut und Böse wie G‑tt kennen würde – oben ist dies überhaupt kein Makel: Obwohl Gut und Böse bekannt sind, bleibt das Böse dennoch getrennt, denn oben ist die Ebene des Umfassenden. Wenn aber der Mensch, der der Ebene des Inneren angehört, Gut und Böse kennen würde, wäre dies für ihn schädlich, wie oben erklärt:
Oben ist das Wissen um Gut und Böse unschädlich, denn dort ist dieses Wissen umfassend und das Böse bleibt getrennt. Beim Menschen hingegen, dessen Erkennen der inneren Ebene angehört, bedeutet es, mit dem Bösen vermischt zu werden, wie zuvor erklärt.
Dieser Absatz löst die zentrale Frage: Die in dem Baum der Erkenntnis verwurzelte Schlange verstand dessen Wirkung und täuschte Chavah, indem sie ihr die Wahrheit sagte, aber etwas, das dem Menschen schadet, als Vorzug darstellte.
Das Motiv der Schlange ergibt sich aus dem zuvor verwendeten Bild von Kerze und Fackel: Im ursprünglichen Plan wäre das Böse einfach vergangen, weil seine Funken in Adams Licht aufgenommen worden wären. Seine einzige Überlebenschance bestand daher darin, den Menschen in einen Kampf hineinzuziehen, in dem es bisweilen siegen konnte.
Marei Mekomos
- 1שו״ה עצמו — שמה שצוה · בגוכתי״ק: שאשר ציוו.
- 2שו״ה יאכל — היה · בגוכתי״ק בהכת״י ליתא.
- 3שו״ה יאכל — ידיעה · בגוכתי״ק: נגיעה.
- 4
- 5ורכב · Pirkei DeRabbi Eliezer 13:5
- 6שו״ה ואמר — ידע . . וגו׳ · בגוכתי״ק: יודע . . ליתא.
- 7כי ידע אלקים כי ביום אכלכם ממנו · Genesis 3:5
- 8שו״ה פנימי — לו · בגוכתי״ק: ולו.
- 9שו״ה כי — למעליותא . . שיהיה יודע · בגוכתי״ק הנ״ל: למעלה . . שיהיו יודעי.
Zusatz: Adam in den Kammern; Yehudahs Abstieg ¶14
14בלק״ת [בלקוטי תורה (להאריז״ל)] מהאר״י [מהאלקי רבי יצחק] ז״ל [זכרונו לברכה / זכרונם לברכה] נת׳ [נתבאר] הענין שאדה״ר [שאדם הראשון] היה הולך בהיכלות1 כי בחי׳ אדם היה למעלה גם מרשב״י [מרבי שמעון בר יוחאי]2 כי היה בערך אחר ממש שהרי היה יציר כפיו של הקב״ה.
In Likkutei Torah des Arizal, seligen Angedenkens, wird erklärt, dass Adam, der erste Mensch, durch die Gemächer ging; denn die Stufe Adams lag sogar über der von Rabbi Shimon bar Yochai, da er einer ganz anderen Ordnung angehörte, denn er war das Werk der Hände des Heiligen, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu).
Likkutei Torah des Arizal (seine Lehren zur Tora, wie sie sein Schüler Rabbi Chaim Vital aufgezeichnet hat; nicht das gleichnamige Buch des Alter Rebbe) erklärt, dass Adam vor der Sünde durch die himmlischen „Gemächer“ (Heichalos) ging. Adam war das eigene Werk G‑ttes und gehörte einer völlig anderen Ordnung an, die sogar über Rabbi Shimon bar Yochai, dem Verfasser des Zohar, stand (der Tzemach Tzedek berichtet, diese Worte vom Alter Rebbe gehört zu haben).
ובהיכלות הטומאה לא רצה להביט כלל והשיאו הנחש שעכ״פ [שעל כל פנים] יביט מה יש בהם3 ועי״ז נכשל ונפל בתאוה אליהן.
In die Gemächer der Unreinheit wollte er überhaupt nicht blicken; doch die Schlange verführte ihn dazu, wenigstens hinzusehen, was sich darin befand, und dadurch strauchelte er und verfiel in Verlangen nach ihnen.
Er vermied es, in die Gemächer der Unreinheit zu blicken, doch die Schlange überredete ihn, wenigstens hinzusehen, was sich darin befand. Schon der bloße Blick ließ ihn straucheln und in Verlangen nach ihnen verfallen.
וכן שמעתי מהק׳ [מהקדוש] ר׳ [רבי]4 אברהם בן הה״מ [הרב המגיד] ז״ל [זכרונו לברכה / זכרונם לברכה] ע״פ ויט יהודה עד איש עדולמי5 ושמו חירה6 שמחמת מעשה דיוסף אזי ויט.
So hörte ich auch vom heiligen Rabbi Avraham, dem Sohn des Maggid, seligen Angedenkens, zu [dem Vers] „Und Yehudah wandte sich einem Mann aus Adullam zu, dessen Name Chirah war“: Aufgrund des Geschehens mit Yosef wandte er sich also zur Seite.
Eine parallele Lehre von Rabbi Avraham „dem Engel“, dem Sohn des Maggid von Mezritch: Yehudah wandte sich nach dem Geschehen mit Yosef dem Mann aus Adullam zu.
פי׳ ויט היינו שנטה למטה בהיכלות הקליפות7 עד איש עדולמי כדי להעלות נצוצות משם8 וזהו ענין הכוונה דנפילת אפים כו׳:
Die Erklärung: „Er wandte sich zur Seite“ bedeutet, dass er sich hinab in die Gemächer der Kelipos [Hüllen] neigte, „zu einem Mann aus Adullam“, um von dort Funken zu erheben; und dies ist die Bedeutung der Absicht beim Niederfallen auf das Angesicht usw.
Yehudah stieg in den Bereich der Kelipos hinab, um von dort Funken zu erheben. Dies ist auch die innere Bedeutung des „Niederfallens auf das Angesicht“ (Nefilas Apayim, das Gebet Tachanun), bei dem man hinabsteigt, um Funken von unten zu erheben.
Der abschließende Absatz fügt die Darstellung des Arizal hinzu, dass Adam zu Fall kam, als er einwilligte, auch nur in die Gemächer der Unreinheit zu blicken, sowie eine Lehre von Rabbi Avraham dem Engel über Yehudahs Abstieg, um Funken zu erheben – entsprechend der Aufgabe des Menschen nach der Sünde, durch einen Abstieg zu läutern.
Der Tzemach Tzedek berichtet, vom Alter Rebbe gehört zu haben, dass Adams Stufe über der des Baal Shem Tov, des Arizal und sogar Rabbi Shimon bar Yochais stand. Likkutei Torah (Tzav) erklärt, dass selbst die erhabensten Seelen aus der Vereinigung von Vater und Mutter (Abba und Imma) in der Welt der Emanation (Atzilus), verglichen mit Adams Seele, zu ihr stehen wie die Welt der Schöpfung (Beriah) zur Welt der Emanation. Der Zohar sagt, dass Yehudah auf eine Stufe hinabstieg, an die die Schlange gebunden ist.
Marei Mekomos
- 1שאדה״ר הי׳ הולך בהיכלות · באוה״ת ענינים ע׳ פו: ”וכן שמעתי הלשון מרבינו ז״ל שאמר בענין אדה״ר, שאדה״ר הי׳ הולך בהיכלות כי בחי׳ אדם הוא למעלה מהבעש״ט והאריז״ל וגם מרשב״י כי הי׳ בערך אחר ממש שהרי הי׳ יציר כפיו של הקב״ה ע״כ”, ע״ש. המשך וככה תרלז פרק קכט. סה״מ תרס״ח ע׳ קצד. ובאוה״ת וישב כרך ו תתרפה, ב מסיים ”כזה״ל שמענו מרבינו ז״ל פ׳ בראשית תקע״ב”. ענין זה נזכר בלקו״ת צו ח, ג. יז, ד.
- 2גם מרשב״י · ראה באוה״ת פ׳ וישב כרך ו שם שהי׳ למעלה מעלה מהבעש״ט והאריז״ל וגם מרשב״י. וראה גם בדרוש ג׳ מיני אדם באוה״ת פ׳ בלק ע׳ תתקע, ובלקו״ת פ׳ צו ח, ג כי הרי אפילו הנשמות הגבוהות מאד שמיחוד או״א דאצילות שזהו נשמה דאצילות הוא כערך הבריאה לגבי אצילות ממש נגד נשמת אדה״ר כנ״ל (ועיין בזהר תרומה דף קס״ז ע״ב). עכ״ל. ובדף ח, ב מביא שם בשם ספר הגלגולים פי״ט שאדם הראשון קודם החטא הי׳ לו נשמה לנשמה מאצילות ע״ש. בהגה״ה כת״י על תו״א מציין ללקו״ת פ׳ צו ח, ב בהביאור ואכלתם אכול דשם נמצא בשינוי לשון קצת.
- 3והשיאו הנחש שעכ״פ יביט מה יש בהם · Zohar II, 193b
- 4וכן שמעתי מהק׳ ר׳ [בגוכי״ק: מר׳] אברהם בן הה״מ · וכ״ה גם באוה״ת בראשית כרך ו שם.
- 5ויט יהודה עד איש עדולמי · Zohar, Vayeshev 13:143–15:153
- 6ויט יהודה עד איש עדולמי ושמו חירה · Genesis 38:1
- 7פי׳ ויט היינו שנטה למטה בהיכלות הקליפות · באוה״ת חנוכה כרך ב שכו, א מציין לזח״א קפו סע״א שנטה עד דרגא דחויא, ע״ש.
- 8כדי להעלות נצוצות משם · ראה בסה״מ תרכ״ט ע׳ יא [בהוצאת תשנ״ב ע׳ יג] שז״ע גלות השכינה ע״ש. בענין יהודה ותמר ראה במאמרי אדה״ז על מאמרז״ל ע׳ רכד שכ׳ שגם ביהודה לא היה כוונה רק לש״ש בלבד . . בכדי שיתגבר עליו אח״כ בניצוח גדול יותר. וראה גם ביאוה״ז להצ״צ כרך א ע׳ קלז. דרך מצותיך לב, ב. סה״מ תרס״ט ע׳ קכג.
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In der eigenen Avodah
Nach der Sünde ist ein Mensch innerlich mit Gut und Böse vermischt. Sein Leben ist daher ein Kampf, in dem bald die eine, bald die andere Seite die Oberhand gewinnt. Seine Aufgabe ist es, „den Erdboden zu bearbeiten, aus dem er genommen wurde“: sich mit der physischen Welt zu befassen, in ihr zu essen und zu arbeiten und durch Gebet („die Zeit des Gebets ist die Zeit des Kampfes“), das Schma und die mitzvos die Funken der Heiligkeit in ihr zu läutern und zu erheben. Die Geschichte Adams lehrt auch zur Vorsicht: Adam fiel, indem er lediglich zustimmte, in die Kammern der Unreinheit hineinzuschauen.
Fragen zum Gespräch
- Was ist der Unterschied zwischen umfassendem und innerem Wissen, und warum schadet das Wissen um das Böse dem Menschen, nicht aber den Engeln?
- Warum wäre das ewige Leben vom Baum des Lebens nach der Sünde schädlich gewesen, und wie hängt dies damit zusammen, dass Keser „reine Barmherzigkeit“ ist?
- Wie beschreibt das Bild einer Kerze vor einer Fackel die ursprüngliche Weise, in der die Welt geläutert werden sollte, und worin unterscheidet sie sich von der Läuterung „durch Kampf“?
- Warum wird Chochmah „Gericht“ genannt, und was sagt dies über Leiden und Läuterung aus?
- In welchem Sinn sagte die Schlange die Wahrheit, und worin bestand ihre List?