Torah Ohr · Parshas Vayeishev · Maamar 3
שיר המעלות בשוב כו׳ היינו כחולמים
Ein Lied der Aufstiege: Wenn [Havayah] die Gefangenschaft Zions zurückführt … waren wir wie Träumende
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Kerngedanke
Das Exil ist ein Traum: Wenn der Intellekt „schläft“, hält ein Mensch Gegensätze zusammen – die Liebe zu G‑tt im Gebet und danach die Liebe zu sich selbst. Doch die Kraft des Traums, Gegensätze zu vereinen, stammt von der höchsten Ebene, den „Kreisen“, in denen alles eins ist; in der Erlösung wird diese verborgene Quelle offenbar werden.
Der Maamar in Kürze
Der Maamar erklärt den Vers: „Wenn Havayah die Gefangenschaft Zions zurückführt, waren wir wie Träumende.“ Ein Traum vereint Gegensätze, weil sich im Schlaf der unterscheidende Intellekt zurückzieht und nur die Einbildungskraft bleibt. So verhält es sich auch mit dem G‑ttlichen Funken im Exil: Ein Mensch liebt G‑tt im Gebet und verbringt danach den Tag damit, Gewinn nachzujagen, als würden beides zusammenpassen. Die Arbeit in der Welt könnte G‑ttesdienst sein, doch die meisten Menschen arbeiten allein für den Körper – gerade das Gegenteil der Liebe im Gebet. Das sollte nicht zur Verzweiflung führen, als wäre das Gebet eine vergebliche Fantasie, denn die Ebene des Traums hat eine erhabene Wurzel. Im Exil ist der Name G‑ttes „bekleidet“ und wird nicht so gelesen, wie er geschrieben wird; in diesem „Schlaf“ wird das Leben von der Ebene der Kreise herabgezogen, in der es kein Oben und Unten gibt und Gegensätze eins sind – anders als bei den Linien der Weisheit (Chochmah) und des Wissens (Daas), die voneinander trennen. Dieses Licht kann nur verborgen, in der Dunkelheit des Exils, leuchten. In der Kommenden Zeit wird die Bedeckung entfernt werden, und wir werden erkennen, dass das Exil von dieser Ebene des Traums getragen wurde. Dies ist die Eigenschaft Yosefs: der Anführer Israels im Exil, der Deuter, der Gegensätze zusammenfügt.
Gliederung
- Das Wesen eines TraumsIm Schlaf zieht sich der Intellekt zurück und die Einbildungskraft vereint Gegensätze; im Wachzustand hält der Intellekt sie auseinander.¶1–2
- Der Traum des Exils im G‑ttesdienstEin Mensch liebt G‑tt im Gebet und jagt danach den ganzen Tag dem Gewinn nach; Arbeit könnte G‑ttesdienst sein, doch die meisten machen die Bedürfnisse des Körpers zum Wichtigsten.¶3–5
- Keine vergeblichen EinbildungenMan könnte denken, ein traumähnliches Gebet sei wertlos; in Wahrheit ist die Ebene des Traums in der erhabenen Heiligkeit verwurzelt.¶6
- Der Name im Exil und die Welt der KreiseIm Exil ist der Name G‑ttes bekleidet; im „Schlaf“ wird das Leben von den Kreisen herabgezogen, in denen Gegensätze eins sind. Dieses Licht leuchtet verborgen in der Dunkelheit, nicht durch die trennenden Linien des Intellekts.¶7–10
- Die offenbarte ErlösungWenn die Bedeckung entfernt wird, werden alle erkennen, dass das Exil von der Ebene des Traums getragen wurde: „Wir waren wie Träumende.“¶11
- Yosef, Meister der TräumeYosef, dessen Wurzel in den Kreisen liegt, führt Israel im Exil an; ben poras deutet auf poser und tofer hin – auf einen, der deutet und Gegensätze zusammenfügt.¶12
Schlüsselbegriffe
- Traumחלום
- Der Zustand, in dem die Einbildungskraft Gegensätze vereint, weil sich der Intellekt zurückgezogen hat; ein Bild für das Exil und zugleich für eine Ebene, auf der Gegensätze wirklich eins sind.
- Einbildungskraftכח המדמה
- Die Kraft, die Bilder hervorbringt und Dinge miteinander verbinden kann, die nicht zugleich bestehen können; im Wachzustand wird sie vom Intellekt gelenkt.
- Rückzug der intellektuellen Kräfte (Mochin)הסתלקות המוחין
- Der Rückzug des Intellekts, wie im Schlaf; in der Kabbalah der Zustand des Exils, in dem die Gefühlsattribute ohne ihren Intellekt sind.
- Kreise und Linienעגולים וקוין
- Zwei Anordnungen des G‑ttlichen Lichts: In den Kreisen ist alles gleich und Gegensätze sind vereint; in den Linien (rechts, links, Mitte) sind die Dinge voneinander getrennt und gegeneinander abgegrenzt.
- Nicht so, wie Ich geschrieben werde, werde Ich gelesenלא כשאני נכתב אני נקרא
- Die Aussage des Talmud, dass der G‑ttliche Name jetzt anders gelesen wird, als er geschrieben wird; für den Maamar ein Zeichen dafür, dass der Name im Exil bekleidet ist.
Das Wesen eines Traums ¶1–2
1שיר המעלות1 בשוב כו׳ היינו כחולמים.2 הנה החלום הוא מחבר שני הפכים בנושא א׳ ומרכיב שני ענינים הפכיים3 כאלו היו לאחדים. והיינו מפני כי בשינה נסתלק מוח השכל המבחין ולא נשאר רק כח המדמה.
„Ein Lied der Aufstiege: Wenn [Havayah] zurückkehrt“, usw., „waren wir wie Träumende.“ Ein Traum verbindet zwei Gegensätze in einem einzigen Gegenstand und fügt zwei einander entgegengesetzte Sachverhalte zusammen, als wären sie eins. Dies liegt daran, dass im Schlaf die unterscheidende Verstandeskraft zurücktritt und nur die Vorstellungskraft verbleibt.
Der Maamar beginnt mit dem Psalm, der die Rückkehr aus dem Exil beschreibt: Wenn G‑tt die Gefangenen Zions zurückführt, „waren wir wie Träumende“. Der Alter Rebbe definiert zunächst einen Traum: Er hält zwei widersprüchliche Dinge in einem einzigen Bild zusammen, als gehörten sie zusammen. Das geschieht, weil sich im Schlaf der Verstand zurückzieht, dessen Aufgabe es ist, Dinge voneinander zu unterscheiden, und nur die Vorstellungskraft weiterwirkt.
Der Absatz führt den Vers ein und definiert den Traum als die Fähigkeit der Vorstellungskraft, Gegensätze miteinander zu verschmelzen, sobald der unterscheidende Verstand schläft. Diese Definition trägt den gesamten Maamar.
Eine andere Niederschrift dieses Maamar (Sefer HaMaamarim 5565) veranschaulicht den Gedanken: In einem Traum kann ein Mensch sich selbst im selben Augenblick getötet und dann lebendig sehen oder zugleich hier und in Spanien sein, ohne darin einen Widerspruch zu empfinden.
Marei Mekomos
- 1שיר המעלות · הנחה אחרת בסה״מ תקס״ה ע׳ קפד. ראה לעיל בציונים לכ״ק אדמו״ר זי״ע. באוה״ת בראשית כרך ו תתש, ב המאמר עם הגהות ומתחיל: ”להבין ענין החלומות שהגלות נמשל לבחי׳ חלום”. ד״ה זו נזכר בלקו״ת ויקרא בהוספות נא, ב. שלח לז, ד. שה״ש כ, א. אוה״ת ויחי תתרט, ב בשם אדה״א שאמר בשם כ״ק אדה״ז. לכללות מאמר זה ראה ד״ה שיר המעלות תשכ״ז. שיחת ש״פ פנחס תשד״מ.
- 2שיר המעלות בשוב כו׳ היינו כחולמים · Psalms 126:1
- 3שני ענינים הפכים · ראה תו״ח שמות נב, א. ספר המאמרים ת״ש ע׳ 8. בסה״מ תקס״ה ע׳ קפד ”(והיינו שיוכל לראות בחלום אשר הוא נהרג או מת ואח״כ הוא חי ברגע א׳ ממש ולא יקשה לו כלל מה שהם הפכיים שיתכון ויתיישרו בשעת החלום או כמו שיחלום לו שהוא כאן ובאספמי׳ ברגע א׳ כו׳ וכה״ג טובא וכנודע לכל)”.
2וכח המדמה יכול להרכיב ב׳ ענינים הפכיים כמו ספינה רצה באויר כו׳ כמ״ש הרמב״ם [הרבי משה בן מימון] בשמונה פרקים1 רק שבהקיץ שמתעורר כח השכל הוא השולט על כח המדמה ואינו מניחו להרכיב לפי שרואה בעין שכלו שהם דברים נפרדים ואינן מתאחדים כלל.
Und die Einbildungskraft kann zwei einander entgegengesetzte Dinge zusammenfügen, etwa ein Schiff, das durch die Luft fährt, usw., wie Maimonides in den Acht Kapiteln schreibt. Im Wachzustand jedoch, wenn die intellektuelle Kraft erwacht, beherrscht sie die Einbildungskraft und lässt sie [diese] nicht zusammenfügen, weil sie mit dem Auge des Geistes erkennt, dass es sich um getrennte Dinge handelt, die sich überhaupt nicht miteinander vereinigen.
Maimonides führt das Beispiel eines Schiffes an, das durch die Luft fliegt: Die Einbildungskraft kann Dinge zusammenfügen, die nicht zugleich existieren können. Wenn ein Mensch wach ist, beherrscht der Intellekt die Einbildungskraft und lässt solche Verbindungen nicht zu, weil er klar erkennt, dass die beiden Dinge getrennt sind und nicht eins werden können.
Der Absatz stützt die Definition des Traums auf Maimonides’ Darstellung der Einbildungskraft und stellt ihr den wachen Intellekt gegenüber, der Gegensätzliches getrennt hält.
Die Kehot-Anmerkung weist darauf hin, dass dieser gesamte Absatz in der Mitschrift des Maamar aus dem Jahr 5565 fehlt.
Marei Mekomos
- 1כמ״ש הרמב״ם בשמונה פרקים · פ״א. בתקס״ה ליתא כל זה.
Der Traum des Exils im G‑ttesdienst ¶3–5
3וכך הענין בגלות ניצוץ אלקות בנפש האדם שהוא בבחינת שינה והסתלקות המוחין. יכול הוא להרכיב ב׳ דברים הפכיים להיות כל היום טרוד במו״מ [במשא ומתן] איש לבצעו מקצהו1 זה פונה לזיתו כו׳.
So verhält es sich auch mit dem Exil des G‑ttlichen Funkens in der Seele eines Menschen, wobei der Funke sich in einem Zustand des Schlafes und des Rückzugs der intellektuellen Kräfte (Mochin) befindet. [Ein solcher Mensch] kann zwei entgegengesetzte Dinge miteinander verbinden: den ganzen Tag mit Geschäften beschäftigt zu sein, „jeder auf seinen Gewinn aus seinem Bereich bedacht“; dieser wendet sich seinem Olivenhain zu usw.
Der Traum wird nun zum Bild für das Exil der Seele: Der G‑ttliche Funke in einem Menschen ist gleichsam eingeschlafen, sein Verstand zurückgezogen. In diesem Zustand kann ein Mensch im Widerspruch leben und den ganzen Tag seinem eigenen Gewinn nachjagen, wie es beim Propheten heißt: „jeder auf seinen Gewinn“; jeder wendet sich seinem eigenen Olivenhain zu.
הגם שבתפלה מעורר את האהבה עד שתחפץ להתפשט מלבושיה כו׳ לדבקה בו ית׳ מחמת התבוננותו ביחו״ע [ביחודא עילאה] ויחו״ת [ויחודא תתאה] אעפ״כ [אף על פי כן] אחר התפלה חולפת ועוברת האהבה ואינו שם ללבו
Obwohl er im Gebet Liebe erweckt, bis [die Seele] sich danach sehnt, ihrer Gewänder ledig zu werden usw., um sich an Ihn, gelobt sei Er, zu klammern, aufgrund seiner Betrachtung der höheren Einheit (Yichuda Ila'ah) und der unteren Einheit (Yichuda Tata'ah), vergeht die Liebe dennoch nach dem Gebet und schwindet; und er nimmt sie sich nicht zu Herzen
Im Gebet kann ein Mensch, wenn er darüber nachsinnt, dass alle Dinge vor G‑tt nichts sind (die höhere Einheit) und dass G‑tt in allen Dingen gegenwärtig ist (die untere Einheit), eine so starke Liebe empfinden, dass die Seele ihre „Gewänder“ des Körpers ablegen und sich an G‑tt klammern möchte. Doch sobald das Gebet vorüber ist, schwindet dieses Gefühl, und er bemerkt den Widerspruch nicht.
כי הוא הפוך ההתבוננות שבתפלה ומדמה בלב להרכיב ולחבר שני עניינים הפכיים יחד כאלו היה לאחדים ובאמת הם נפרדים ורחוקים זמ״ז [זה מזה]. כי הגם דכתיב בתורה שש שנים תזרע שדך.2
dass dies das Gegenteil der Betrachtung im Gebet ist; und er stellt sich in seinem Herzen vor, zwei entgegengesetzte Angelegenheiten miteinander verbinden und vereinen zu können, als wären sie eins, während sie in Wahrheit voneinander getrennt und weit voneinander entfernt sind. Denn obwohl in der Tora geschrieben steht: „Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen“,
Sein Streben nach Gewinn am Tag widerspricht dem, was er im Gebet empfunden hat; dennoch stellt er sich vor, beides zugleich in sich vereinen zu können, wie ein Träumender. In Wahrheit liegen diese Dinge weit auseinander. Der Alter Rebbe nimmt nun einen möglichen Einwand vorweg: Die Tora selbst gebietet: „Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen.“
Der Abschnitt bezieht den Traum auf den G‑ttesdienst eines Menschen im Exil: Die Liebe im Gebet und das Eigeninteresse im Geschäftsleben bestehen nebeneinander – ein Widerspruch, den nur der Zustand des „Träumens“ zulässt.
Die höhere und die untere Einheit sind die beiden Stufen der Betrachtung, die in Tanya (Shaar HaYichud VehaEmunah) beschrieben werden: die Welt ist vor G‑tt nichts, und G‑tt ist das wahre Sein in der Welt.
Marei Mekomos
- 1
- 2שש שנים תזרע שדך · Leviticus 25:3
und ebenso im Shema: „und Ihm mit eurem ganzen Herzen zu dienen“ usw., „Ich werde den Regen eures Landes geben“ usw., „und ihr werdet euer Getreide einsammeln“ usw.
Auch das Shema verbindet den Dienst an G‑tt „mit eurem ganzen Herzen“ mit der Verheißung von Regen und dem Einsammeln des Getreides. So verknüpft die Tora selbst die alltägliche Arbeit mit dem G‑ttlichen Dienst.
הנה הכל הוא ע״ד עובדה כידוע שבכל עניני עוה״ז יש בהם ענין עבודת ה׳ שש שנים תזרע כו׳ ובשנה השביעית3 כו׳.
Dies alles geschieht in der Weise des Dienstes; denn bekanntlich liegt in allen Angelegenheiten dieser Welt ein [Element] des Dienstes an G‑tt: „Sechs Jahre sollst du säen“ usw., „und im siebten Jahr“ usw.
Die Antwort lautet: All dies ist als Dienst an G‑tt gemeint, denn jede Angelegenheit dieser Welt enthält ein Element des Dienstes an Ihm. Die sechs Jahre des Säens und das siebte Jahr der Ruhe sind beide Teil dieses Dienstes.
Der Absatz nennt die Voraussetzung des Einwands und seine Antwort: Weltliche Arbeit, wie die Tora sie vorschreibt, ist selbst eine Form des G‑ttlichen Dienstes.
Marei Mekomos
- 1ולעבדו בכל לבבכם · Deuteronomy 11:13
- 2ונתתי מטר ארצכם כו׳ ואספת דגנך · Deuteronomy 11:14
- 3ובשנה השביעית · Leviticus 25:4
5והוא ענין הבירורים שבבחי׳ שש שנים. וההעלאה שבבחי׳ השנה השביעית כמ״ש במ״א. ואחר כוונת הלב הן הן הדברים
Dies ist die Sache der Klärungen (Beirurim [das Ausscheiden der heiligen Funken]) auf der Ebene der sechs Jahre und der Erhebung auf der Ebene des siebten Jahres, wie an anderer Stelle erklärt wird. Und genau diese Dinge richten sich nach der Absicht des Herzens.
Die sechs Jahre der Arbeit stehen für die Läuterung der physischen Welt – das Ausscheiden der darin enthaltenen heiligen Funken –, und das siebte Jahr dafür, das Geläuterte zu seiner Quelle zurückzuführen. Ob die Arbeit jedoch G‑ttesdienst ist, hängt ganz von der Absicht des Herzens ab.
אבל לב ההמון הנוטים אחר בצעם להטריף לחם חוקם כפשוטו לבבם לא כן ידמה1
Doch das Herz der Menge, die ihrem Gewinn nachstrebt, um ihr zugemessenes Brot im schlichten Wortsinn zu verdienen: »Ihr Herz denkt nicht so.«
Die meisten Menschen arbeiten jedoch einfach, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen; ihr Herz denkt bei ihrer Arbeit nicht daran, die Welt für G‑tt zu läutern. Die Wendung »Sein Herz denkt nicht so« ist Jesaja entlehnt.
ולבם לא נכון2 ע״פ הכוונה הראויה רק כל ישעם וכל חפצם3 למלאות די מחסורם אשר יחסר להם4 בצרכי גופם ועושים מצרכי הגוף עיקר
Ihr Herz ist nicht auf die angemessene Absicht ausgerichtet; vielmehr gilt ihr ganzes Hoffen und all ihr Verlangen dem Bestreben, ihren Bedarf zu decken – alles, was ihnen an den Bedürfnissen ihres Körpers fehlt. Und sie machen die Bedürfnisse des Körpers zur Hauptsache.
Ihr Herz ist nicht auf die angemessene Absicht ausgerichtet: Alles, was sie wollen, ist, ihre körperlichen Bedürfnisse zu erfüllen; diese Bedürfnisse werden zum Wichtigsten in ihrem Leben, statt des G‑ttesdienstes, dem die Arbeit dienen sollte.
וזהו ממש הפוך ההתעוררות שבתפלה להיות נקבע בלבו האהבה לה׳ לבדה בלי תערובת זר ח״ו [חס ושלום] כו׳:
Und dies ist genau das Gegenteil der Erweckung im Gebet: dass die Liebe zu G‑tt allein in seinem Herzen fest verankert sei, ohne jede fremde Beimischung, G‑tt behüte, usw.
Diese Haltung ist genau das Gegenteil dessen, wozu das Gebet erweckt hat: einer Liebe allein zu G‑tt, der nichts Fremdes beigemischt ist. Beides zugleich festzuhalten, gleicht also tatsächlich einem Traum, der Gegensätze miteinander verbindet.
Der Absatz beantwortet den Einwand: Arbeit kann G‑ttesdienst sein, aber nur mit der richtigen Absicht. Bei den meisten Menschen dient sie dem Körper, was der Liebe widerspricht, die sie im Gebet empfinden.
Marei Mekomos
- 1לא כן ידמה · Isaiah 10:7
- 2ולבם לא נכון · Psalms 78:37
- 3כל ישעם וכל חפצם · II Samuel 23:5
- 4די מחסורם אשר יחסר להם · Deuteronomy 15:8
Keine vergeblichen Einbildungen ¶6
6והנה גם אחרי הדברים והאמת האלה לא יפול לב האדם עליו1 לומר כי ההתעוררות שבתפלה והתבוננותו הן דמיונות שוא שהרי הוא כמו החלום שהוא כח המדמה שמחבר ב׳ הפכים.
Nun soll einem Menschen auch nach diesen Worten und dieser Wahrheit nicht das Herz sinken, [sodass er] sagt, die Erweckung im Gebet und seine Betrachtung seien nichtige Einbildungen, denn sie seien wie der Traum, der eine Einbildungskraft ist, die zwei Gegensätze miteinander verbindet.
Der Alter Rebbe wendet sich nun gegen Verzweiflung. Ein Mensch könnte zu dem Schluss kommen, wenn sein Gebet einem Traum gleicht, der Gegensätze verbindet, seien seine Empfindungen im Gebet und seine Betrachtung bloße leere Einbildungen gewesen.
כי הנה מאחר שרואה בנפשו אחר התפלה שחולפת ועוברת האהבה לה׳ ומתהפך לאהוב את גופו דוקא הרי מובן שגם בתפלה לא ביטל אהבת גופו מכל וכל
Denn wenn er nach dem Gebet an sich selbst sieht, dass die Liebe zu G‑tt vergeht und schwindet und er wieder gerade seinen Körper liebt, so ist klar, dass er auch während des Gebets die Liebe zu seinem Körper nicht vollständig vor G‑tt zurücktreten ließ.
Das ist der Grund für diese Befürchtung: Da die Liebe zu G‑tt nach dem Gebet verschwindet und er wieder dazu übergeht, seinen Körper zu lieben, hat er seine Selbstliebe offenbar selbst während des Gebets nie wirklich zurückgestellt.
וההתעוררות שבתפלה את האהבה לה׳ לבדה אינה אמיתית רק כדמיון החלום שמחבר ב׳ הפכים ודומה לו שאוהב את ה׳ ואעפ״כ [ואף על פי כן] אוהב את גופו
Die Erweckung der Liebe allein zu G‑tt im Gebet ist also nicht echt, sondern gleicht nur der Vorstellung eines Traums, der zwei Gegensätze miteinander verbindet: Es scheint ihm, als liebe er G‑tt und liebe dennoch seinen Körper,
Er denkt also, die Liebe allein zu G‑tt, die er im Gebet empfand, sei nicht wirklich gewesen: Sie sei nur ein traumhaftes Bild gewesen, das zwei Gegensätze vereinte – G‑tt zu lieben und zugleich seinen Körper zu lieben.
הגם כי לא צדקו יחדו2 לפי שזה נלקח מכח המדמה אשר יכול לדמות דמיונות שוא. אך באמת הנה בחי׳ חלום זה שרשו למעלה ויסודתו בהררי קדש3 עליון.
obwohl beides nicht zugleich wahr sein kann, denn dies entspringt der Einbildungskraft, die nichtige Vorstellungen hervorbringen kann. In Wahrheit aber hat diese Ebene des Traums ihre Wurzel oben, und „ihr Fundament liegt in den Bergen überirdischer Heiligkeit“.
Diese beiden Lieben können nicht zugleich wahr sein (die Formulierung greift die Worte des Psalms „allesamt gerecht“ auf); daher scheint diese Verbindung aus der Einbildungskraft zu stammen, die falsche Bilder hervorbringt. Der Alter Rebbe antwortet, dass das Gegenteil der Fall ist: Diese „Traum“-Ebene hat eine erhabene Wurzel und gründet in den Höhen überirdischer Heiligkeit, wie die folgenden Absätze erklären.
Der Absatz spricht die Befürchtung an, traumhaftes Gebet sei wertlos, und beginnt die Antwort: Der Traum selbst wurzelt auf einer sehr hohen Ebene.
Marei Mekomos
- 1לא יפול לב האדם עליו · I Samuel 17:32
- 2לא צדקו יחדו · Psalms 19:10
- 3יסודתו בהררי קדש · Psalms 87:1
Der Name im Exil und die Welt der Kreise ¶7–10
7ויובן בהקדים מ״ש ביום ההוא1 יהיה ה׳ אחד ושמו א׳. ופריך בגמ׳ [בגמרא] אטו האידנא לאו שמו א׳ הוא. ומשני לא כשאני נכתב אני נקרא כו׳.
Dies wird verständlich, wenn man zunächst das einführt, was geschrieben steht: „An jenem Tag wird Havayah eins sein und Sein Name eins.“ Die Gemara fragt: Ist Sein Name denn jetzt nicht eins? Und sie antwortet: Nicht so, wie Ich geschrieben werde, werde Ich gelesen usw.
Um die Wurzel des Traums zu erklären, führt der Alter Rebbe die Prophezeiung Zecharjas an, dass „an jenem Tag“ G‑ttes Name eins sein wird. Der Talmud fragt, warum dies erst in der Zukunft der Fall sein wird, und antwortet, dass der Name jetzt nicht so ausgesprochen wird, wie er geschrieben steht: Der vierbuchstabige Name wird als Ado-nai gelesen.
והענין כי שמו הוא בבחי׳ גלות ולכן אינו נק׳ כמו שנכתב רק בלבוש ונרתק כו׳.
Die Erklärung ist, dass Sein Name sich im Zustand des Exils befindet und daher nicht so gelesen wird, wie er geschrieben steht, sondern nur in einem Gewand und einer Hülle usw.
Er erklärt, dass G‑ttes Name selbst im Exil ist und deshalb nicht so gelesen wird, wie er geschrieben steht, sondern von einem anderen Namen bedeckt ist, wie von einem Gewand oder einer Hülle. Dieselbe Verhüllung, die auf der Seele liegt, liegt auch auf dem g‑ttlichen Namen.
Der Absatz führt den Gedanken ein, dass G‑ttes Name im Exil „bekleidet“ ist und anders gelesen wird, als er geschrieben steht. Dies ist der Schlüssel zum Verständnis des Traums.
Marei Mekomos
- 1ביום ההוא . . ופריך בגמרא · Zechariah 14:9
Nun befindet es sich im Exil in einem Zustand des Schlafes und des Zurücktretens der intellektuellen Kräfte (Mochin), „drei eingeschlossen [innerhalb von drei]“ usw.; dann zieht seine Seele für ihn Leben von oben herab usw.
Im Exil ist der G‑ttliche Name gleichsam im Schlaf; seine intellektuellen Kräfte sind zurückgezogen, „drei in drei eingeschlossen“ – ein kabbalistisches Bild dafür, dass die intellektuellen Kräfte in die Gefühlsattribute zurückgefaltet sind. Und so wie der Midrasch sagt, dass die Seele eines Menschen, während er schläft, emporsteigt und für ihn Leben von oben herabzieht, wird auch in diesem Schlaf eine höhere Lebenskraft herabgezogen.
ושם הוא בבחי׳ עגולים2 שאין בהם בחי׳ מעלה ומטה רק הכל בהשוואה אחת ובהתכללות והתאחדות כל הענינים בלי שום פירוד והתחלקות כנודע מארז״ל [מאמר רבותינו זכרונם לברכה] אלו ואלו דא״ח [דברי אלקים חיים].3
Dort ist es auf der Ebene der Kreise (Iggulim), in denen es keine Ebene von Oben und Unten gibt; vielmehr ist alles in einer einzigen Gleichheit, unter Einschluss und Vereinigung aller Dinge, ohne jede Trennung oder Teilung, wie aus dem Ausspruch unserer Weisen seligen Angedenkens bekannt ist: „Diese und jene sind die Worte des lebendigen G‑ttes.“
Jene Quelle von oben ist die Ebene der Kreise (Iggulim), auf der es kein Höher und Tiefer gibt und alles gleich, eingeschlossen und geeint ist, ohne Trennung. Der Ausspruch der Weisen über die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Schule Schammais und der Schule Hillels – „Diese und jene sind die Worte des lebendigen G‑ttes“ – zeigt, wie entgegengesetzte Entscheidungen an ihrer Wurzel beide wahr sein können.
רק כשנמשך דרך קוים אזי יש התחלקות קו ימין חסד כו׳ משא״כ בבחי׳ עגולים אין שם התחלקות כלל ושם כל הדברים המתפרדים למטה מחוברים וכלולים יחד ולא נראה שום פירוד והתחלקות ביניהם:
Erst wenn es auf dem Weg von Linien herabgezogen wird, kommt es zu einer Unterteilung: die rechte Linie, die Güte (Chesed) usw. Anders ist es auf der Ebene der Kreise: Dort gibt es überhaupt keine Unterteilung; alle Dinge, die unten voneinander getrennt sind, sind dort miteinander verbunden und gemeinsam eingeschlossen, und zwischen ihnen ist keinerlei Trennung oder Unterteilung zu sehen.
Eine Unterteilung tritt nur dann auf, wenn das Licht als „Linien“ herabgezogen wird (in der Struktur von rechts, links und Mitte: Chesed rechts usw.). In den Kreisen ist nichts unterteilt; Dinge, die unten Gegensätze sind, sind dort miteinander verbunden.
Der Absatz bestimmt die Quelle des Traums: Im Schlaf und im Exil wird Leben aus den „Kreisen“ herabgezogen, einer Ebene, auf der Gegensätze geeint sind – anders als in den unten unterteilten „Linien“.
Die Kabbalah unterscheidet zwei Anordnungen des G‑ttlichen Lichts: Iggulim (Kreise), in denen jede Ebene die nächste umgibt und alle gleich sind, und Yosher (die gerade „Linie“), die in rechts, links und Mitte angeordnet ist. Der Tzemach Tzedek erklärt in Biurei HaZohar, dass die Seele im Schlaf gerade aus ihrer verborgenen Essenz schöpft, der Ebene der Kreise, während sie im Wachzustand an die intellektuellen Kräfte heranreicht, der Ebene der „Linie“.
Marei Mekomos
- 1נשמתו מושכת לו חיים מלמעלה · Bereshit Rabbah 14:9
- 2ואז נשמתו מושכת לו חיים מלמעלה כו׳ ושם הוא בבחי׳ עגולים · בבה״ז לכ״ק אדמו״ר הצמח צדק פ׳ ויגש ע׳ קמט: ”פי׳ בשעת השינה דוקא מושכת לו מבחי׳ עגולים דהיינו מבחי׳ ההעלם דעצמות הנפש שהוא בבחי׳ עגולים שלשם הוא הרצוא בעת השינה, משא״כ בהקיץ הנשמה והרצוא הוא לאור השכל שבמוח שהוא בחי׳ יושר” עכ״ל ע״ש. ראה אוה״ת פ׳ שמיני כרך א ע׳ לו.
- 3אלו ואלו דא״ח · Eruvin 13b
9אך להיות בחי׳ זו בגילוי למטה אינה כ״א ע״י בחי׳ שינה והסתלקות המוחין בגלות וע״ז נאמר אלביש שמים קדרות.1 שמים הם בחי׳ עגולים הם מלובשים בבחי׳ קדרות וחשך.
Doch diese Ebene kommt unten nur durch den Zustand des Schlafes und den Rückzug der intellektuellen Kräfte (Mochin) in der Verbannung zur Offenbarung. Darüber heißt es: „Ich kleide die Himmel in Schwärze.“ „Die Himmel“ sind die Ebene der Kreise; sie sind in die Ebene der Schwärze und Finsternis gekleidet,
Die Einheit der Kreise kann unten nur durch Schlaf und den Rückzug des Verstandes in Erscheinung treten, das heißt in der Verbannung. Der Vers „Ich kleide die Himmel in Schwärze“ beschreibt dies: Die „Himmel“, die Ebene der Kreise, sind in Finsternis gehüllt.
שהוא העלם והסתר2 שאז מאיר ומתנוצץ מלמעלה מעולם העליון שהוא בבחי׳ עגולים בבחי׳ חלום שהוא כח המדמה לחבר שני הפכים בנושא אחד כאלו הם אחדים ממש לפי שבאמת בשרשם בעולם העליון הם מחוברים ומיוחדים
was Verhüllung und Verborgenheit ist; denn dann leuchtet und funkelt von oben her, aus der oberen Welt, die der Ebene der Kreise angehört, [in] die Ebene des Traums hinein, das heißt der Vorstellungskraft, die zwei Gegensätze in einem Gegenstand verbindet, als wären sie tatsächlich eins, denn in Wahrheit sind sie an ihrer Wurzel in der oberen Welt miteinander verbunden und vereint,
Diese Finsternis ist Verhüllung, und gerade dann schimmert Licht aus der höheren Welt der Kreise in den Traum hinein, in die Vorstellungskraft, die Gegensätze miteinander verbindet. Sie kann sie verbinden, weil sie an ihrer Wurzel in der höheren Welt tatsächlich eins sind.
כי שם הוא בבחי׳ עגולים3 כנ״ל רק למטה בהתחלקות הקוין ע״פ חכמה ודעת להיות קו זה כך וזה כך4 אזי נראה ונגלה ההפוך.5 שזה ההפוך מזה ואזי הם נפרדים ורחוקים זה מזה.6
denn dort ist es, wie oben gesagt, die Ebene der Kreise. Nur unten, bei der Aufteilung der Linien gemäß der Weisheit (Chochmah) und dem Wissen (Daas), sodass diese Linie so und jene Linie so ist, wird der Gegensatz sichtbar und offenbar: dass dies das Gegenteil von jenem ist; dann sind sie voneinander getrennt und weit entfernt.
Der Gegensatz erscheint nur unten, wo Chochmah und Daas das Licht in Linien aufteilen, von denen jede ihren eigenen Charakter hat. Dort wird jedes Ding dem anderen gegenüber abgegrenzt, und so werden sie voneinander getrennt und weit voneinander entfernt.
Der Absatz erklärt, dass der Traum ein verhülltes Aufschimmern der Kreise ist: In der Finsternis der Verbannung scheint die höhere Einheit der Gegensätze durch die Vorstellungskraft hindurch, während die Linien des Verstandes ihre Getrenntheit offenbaren.
Die Fassung des maamar in Or HaTorah ergänzt, dass die Kreise die Makifim (umgebenden Lichter) sind, die zwei Gegensätze gleichermaßen zusammenfassen, indem sie „Klein und Groß gleichmachen“ und „Finsternis wie Licht“ erscheinen lassen. Or HaTorah zu Mishpatim leitet daraus eine neue Erklärung von Daas ab: Als mittlere Linie verbindet es die beiden Linien, sodass sie keine Gegensätze sind.
Marei Mekomos
- 1אלביש שמים קדרות · Isaiah 50:3
- 2שו״ה עגולים — העלם והסתר · באוה״ת מקץ כרך ו תתשא, א נוסף: (שהוא החלום לבוש המקיף): שאז.
- 3כי שם הוא בבחי׳ עגולים · באוה״ת שם נוסף: שהוא בחי׳ מקיפים הכוללי׳ ב׳ הפכים ביחד ע״ד השוה ומשוה קטון וגדול כו׳ וכחשיכה כאורה: כנ״ל.
- 4רק למטה בהתחלקות הקוין . . קו זה כך וזה כך · ראה אוה״ת פ׳ משפטים ע׳ א׳קי ”ועפמש״ש [=הכוונה לכאן] י״ל הבנה חדשה במעלת הדעת כי דעת קו האמצעי מקשר ב׳ הקוין שלא יהיו הפכיים” ע״ש.
- 5אזי נראה ונגלה ההפוך · ראה אוה״ת פ׳ שמיני ע׳ לו.
- 6נפרדים ורחוקים זה מזה · באו״ת מקץ שם נוסף: ועמש״ל פ׳ וישב בביאור ע״פ ויוסף הורד [באו״ת] בענין ר״א שהי׳ אומר על טמא טהור ומראה לו פנים כו׳ שהוא לפי ששרשו מבחי׳ המקיפי׳ בחי׳ עיגולים שאין שם התחלקות כ״כ כמ״ש במ״א באריכות): ולכן.
10ולכן א״א להיות גילוי בחי׳ ההתכללות בבחי׳ גילוי החכמה שהיא ראשית התחלקות הקוין אלא בבחי׳ שינה והסתלקות המוחין בגלות
Daher kann die Ebene der Einbeziehung nicht in der Offenbarung der Weisheit (Chochmah) offenbart werden, die den Beginn der Aufteilung in die Linien bildet, sondern nur im Zustand des Schlafes und des Rückzugs der intellektuellen Kräfte im Exil;
Da in Chochmah die Aufteilung in Linien beginnt, kann die Ebene, auf der Gegensätze gemeinsam eingeschlossen sind, durch sie nicht offenbart werden. Sie kann nur im „Schlaf“ erscheinen, dem Rückzug des Intellekts, der das Exil darstellt.
אזי מתנוצץ ומאיר האור העליון והוא מסתתר ומתעלם בבחי׳ קדרות וחשך דהיינו בבחי׳ התלבשות ההעלם כו׳ ולא בבחי׳ גילוי כי הגילוי הוא בבחי׳ חכמה ודעת שהוא ע״פ קוין:1
Dann funkelt und leuchtet das höhere Licht, während es auf der Ebene von Schwärze und Dunkelheit verborgen und verhüllt ist, das heißt, in der Einkleidung in Verborgenheit usw., und nicht in Offenbarung; denn die Offenbarung liegt auf der Ebene von Chochmah und dem Wissen (Daas), die den Linien entsprechen.
Dann leuchtet das höhere Licht, aber verborgen, in Dunkelheit gekleidet und nicht offenbart. Die offene Offenbarung erfolgt stets durch Chochmah und Daas, die nach Linien wirken und daher eine Aufteilung bewirken.
Der Absatz schließt mit der Folgerung, dass das vereinheitlichende Licht der Kreise nur in verborgener Form kommen kann, durch den „Schlaf“ des Exils, niemals durch den offenbarten Intellekt.
Or HaTorah ergänzt den kabbalistischen Hintergrund: Das Exil ist die „Schwangerschaft“ der Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) im Schoß von Imma [Mutter], „drei innerhalb von drei“, während sich dessen intellektuelle Kräfte zurückziehen; Imma ist die Quelle der Makifim [umfassenden Lichter] oberhalb der Aufteilung in Linien. Daher sind wir im Exil „wie Träumende“: Das umfassende Licht ist in ein verhüllendes Gewand gekleidet.
Marei Mekomos
- 1חכמה ודעת שהוא ע״פ קווין · באוה״ת מקץ שם נוסף: (וכנודע שהגלות הוא בחי׳ עיבור ז״א בבטן אימא תלת גו תלת שהוא בחי׳ הסתלקות המוחין ואמא היא מקור המקיפי׳ שלמעלה מהתחלקות קוין דז״א לכך בזמן הגלות היינו כחולמים בחי׳ התלבשות המקיף בלבוש המסתיר לא כשאני נכתב אני נקרא כו׳): ולע״ל.
Die offenbarte Erlösung ¶11
11ולע״ל [ולעתיד לבוא] כתיב ולא יכנף עוד מוריך.1 בכנף ולבוש כו׳ ולכן ביום ההוא יהיה שמו א׳ שלא יהא מלובש ומכוסה בנרתק2
Über die künftige Zeit steht geschrieben: „Dein Lehrer wird nicht länger verhüllt sein“ (yikanef), [verborgen] durch einen Flügel (kanaf) und ein Gewand usw. Deshalb wird „an jenem Tag Sein Name Einer sein“: Er wird nicht in eine Hülle gekleidet und von ihr bedeckt sein,
Jesaja verheißt, dass G‑tt, der Lehrer, in der Zukunft nicht länger verborgen sein wird; das Wort yikanef stammt von kanaf, einem Flügel oder dem Zipfel eines Gewandes, und bedeutet daher, dass Er nicht länger verhüllt sein wird. Deshalb wird „an jenem Tag Sein Name Einer sein“: Er wird dann nicht länger in eine Hülle gehüllt sein.
Und er wird so ausgesprochen werden, wie er geschrieben steht usw. Denn „Auge in Auge werden sie sehen“ usw. Und dann wird gesagt werden: „Wenn Havayah die Gefangenschaft Zions zurückführt, waren wir wie Träumende.“
Dann wird der Name so ausgesprochen werden, wie er geschrieben steht, und „sie werden Auge in Auge sehen“, ohne dass etwas sie verhüllt. Zu jener Zeit werden die Menschen sagen: „Wir waren wie Träumende.“
פי׳ שיתגלה5 מדרגה ובחי׳ זו של החלום עד אשר כולם יכירו וידעו וישיגו החיות הנמשך להם בזמן הגלות שהוא מבחי׳ החלום.
Das bedeutet, dass diese Stufe und Ebene des Traums offenbar werden wird, bis alle die Lebenskraft (Chayus), die ihnen in der Zeit des Exils zugeführt wird und von der Ebene des Traums stammt, erkennen, wissen und erfassen werden.
Dies ist die Bedeutung des Psalms: Bei der Erlösung wird die Traum-Ebene offenbar werden, und alle werden erkennen und verstehen, dass die Lebenskraft, die sie während des gesamten Exils aufrechterhielt, von dieser hohen Ebene des Traums stammte. Was im Exil wie ein bloßer Traum erschien, wird sich als das verborgene Licht der Kreise erweisen.
Der Absatz kehrt zum einleitenden Vers zurück: Bei der Erlösung wird die verborgene Quelle des „Traums“ des Exils offenbar werden, und dann werden wir sagen, dass wir wie Träumende waren.
Marei Mekomos
- 1ולא יכנף עוד מוריך · Isaiah 30:20
- 2שלא יהא מלובש ומכוסה בנרתק · באוה״ת שלח ע׳ תקפט מציין לזח״א רסב, ב.
- 3כי עין בעין יראו · Isaiah 52:8
- 4בשוב ה׳ את שיבת ציון היינו כחולמים · Psalms 126:1
- 5פי׳ שיתגלה . . הנמשך להם בזמן הגלות . . היינו כחולמים · בסה״מ תרל״ג ח״א ע׳ צח מציין לכאן. ראה בשיחת ש״פ פנחס תשד״מ.
Yosef, Meister der Träume ¶12
12ולכן יאמרו היינו כחולמים. ובזה יובן מעלת ומדרגת יעקב ויוסף ע״י החלומות. ויש בחי׳ שיוסף הוא יותר במעלה ממדרגת משרע״ה [משה רבינו עליו השלום]. ונדב ואביהוא היו נ״ר [נפש רוח] של יוסף.
Darum werden sie sagen: „Wir waren wie Träumende.“ Damit wird die Größe und der Rang von Yaakov und Yosef durch die Träume verständlich. Es gibt einen Aspekt, in dem Yosef einen höheren Rang einnimmt als Moshe, unser Lehrer – Friede sei mit ihm. Nadav und Avihu waren die Nefesh (Seelenebene) und die Ruach (Geistebene) Yosefs.
Wenn die Ebene des Traums offenbar wird, werden wir sagen: „Wir waren wie Träumende.“ Dies erklärt auch die Größe von Yaakov und Yosef, in deren Leben die Träume eine zentrale Rolle spielen: In einer Hinsicht, die in den Kreisen wurzelt, steht Yosef sogar über Moshe, dessen Prophetie eine klare Offenbarung war. Nadav und Avihu, die Söhne Aharons, werden als Nefesh und Ruach – die beiden unteren Ebenen der Seele – Yosefs beschrieben.
ואנחנו טמאים לנפש אדם זה אביהוא.1 אבל נדב היה מבחי׳ רוח ולא היו צריכים הזאה בשבילו כלל. ועליו נאמר ורוח נדיבה תסמכני.2 וז״ש [וזהו שכתוב] נוהג כצאן יוסף.3
„Wir sind durch die Seele (Nefesh) eines Menschen unrein“: Das bezieht sich auf Avihu. Nadav gehörte jedoch zur Ebene der Ruach, und seinetwegen war überhaupt keine Besprengung erforderlich. Über ihn heißt es: „Und ein freigebiger Geist möge mich stützen.“ Und darum heißt es: „Der Yosef wie eine Herde führt.“
Im Vers bedeutet Nefesh Adam einen menschlichen Leichnam; der Alter Rebbe liest Nefesh zugleich als die Seelenebene dieses Namens. Nach einer talmudischen Ansicht waren diejenigen, die sagten: „Wir sind durch die Seele eines Menschen unrein“, durch Nadav und Avihu unrein geworden; der Alter Rebbe sagt, dass sich dies auf Avihu bezieht, während Nadav, da er Ruach und damit eine höhere Ebene war, keine Unreinheit verursachte, die eine Besprengung erforderlich machte. Der Vers „ein freigebiger Geist“ spielt auf Nadavs Namen an, und „Der Yosef wie eine Herde führt“ zeigt, dass das ganze Volk durch Yosef geführt wird.
כי בזמן הגלות הנהגת ישראל הוא בבחי׳ יוסף שהוא מבחי׳ חלום4 מעולם העגולים כו׳. ולכן נק׳ בן פור״ת5 אותיות פות״ר6 ותופ״ר7 שמחבר כו׳. ולכן היה פותר חלומות:8
Denn während des Exils wird Israel auf der Ebene Yosefs geführt, der der Ebene des Traums und der Welt der Kreise angehört usw. Darum wird er ben poras genannt; dessen Buchstaben ergeben auch poser („deutet“) und tofer („näht“), was verbindet usw. Darum deutete er Träume.
Im Exil wird Israel durch Yosefs Ebene geführt, durch den Traum, der aus der Welt der Kreise kommt. Yosef wird ben poras genannt; dessen Buchstaben ergeben auch poser, einen, der deutet, und tofer, einen, der zwei Dinge zusammennäht. Deshalb konnte er Träume deuten und ihre Gegensätze zu einer Bedeutung verbinden.
Der Schlussabschnitt verbindet die Ebene des Traums mit Yosef: Im Exil wird das jüdische Volk durch Yosefs Eigenschaft des Traums geführt, die aus den Kreisen schöpft und Gegensätze miteinander verbindet.
Im Talmud waren nach einer Ansicht diejenigen, die an Pesach Sheni unrein waren, jene, die Yosefs Sarg trugen; nach einer anderen Ansicht waren es jene, die Nadav und Avihu versorgten. Die Identifizierung von Nadav und Avihu mit Yosefs Seelenebenen durch den Alter Rebbe verbindet die beiden Ansichten miteinander. Ein Maamar des Rebbe (Padah VeShalom 5735) ergänzt, dass Yosefs Träume sogar in ihrem einfachen Wortsinn von ganz Israel sprechen: von der Sonne, dem Mond und den elf Sternen sowie von den Garben der zwölf Stämme.
Marei Mekomos
- 1ואנחנו טמאים לנפש אדם זה אביהוא · Numbers 9:7
- 2ורוח נדיבה תסמכני · Psalms 51:14
- 3נוהג כצאן יוסף · Psalms 80:2
- 4כי בזמן הגלות הנהגת ישראל הוא בבחי׳ יוסף שהוא מבחי׳ חלום · ראה ד״ה פדה בשלום תשל״ה (מהנחה בלתי מוגהה) ”ויש להוסיף בזה דגם חלומות יוסף לפי פשוטם מדברים אודות כל ישראל, דהחלום השני לפי פתרונו קאי על כללות עם ישראל, השמש והירח ואחד עשר כוכבים, ועד״ז החלום הראשון הנה אנחנו מאלמים אלומים בתוך השדה דקאי על עבודת י״ב שבטי ישורון, שזה כולל כל פרטי הסוגים בבני ישראל” ע״ש.
- 5בן פור״ת · Genesis 49:22
- 6בן פורת אותיות פותר · ראה בעה״ט כאן. אוה״ת בראשית כרך ב תט, ב. וביהל אור ע׳ תצב.
- 7פורת אותיות . . ותופר · ראה ג״כ אוה״ת בראשית כרך ו תתשמח, ב.
- 8ולכן הי׳ פותר חלומות · ראה תו״ח ויחי ד״ה בן פורת יוסף פ״ג ואילך. אוה״ת וישב תתשב, א. לקו״ש חט״ו ע׳ 346.
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In der eigenen Avodah
Ein Mensch sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn die Liebe, die er im Gebet empfunden hat, danach verblasst und so scheint, als sei sie nur ein Traum gewesen; denn ihre Quelle liegt in der erhabenen Heiligkeit. Zugleich sollte er erkennen, dass die Arbeit in der Welt als G‑ttesdienst gedacht ist und mit der rechten inneren Absicht des Herzens verrichtet werden soll, statt die Bedürfnisse des Körpers zum Wichtigsten zu machen.
Fragen zum Gespräch
- Warum verhindert der Intellekt, dass Gegensätze zusammengefügt werden, und warum ermöglicht die Einbildungskraft dies?
- Wie kann die Arbeit auf dem Feld G‑ttesdienst sein, und wodurch wird sie zum Gegenteil des Gebets?
- Wenn die Liebe im Gebet danach verblasst, warum ist sie dann keine vergebliche Einbildung?
- Warum kann die Einheit der Kreise nur verborgen, durch den „Schlaf“ des Exils, leuchten und nicht durch Chochmah?
- Wie bringen die Buchstaben von poras (poser, tofer) Yosefs Rolle als Anführer Israels im Exil zum Ausdruck?