Torah Ohr · Parshas Vayeishev · Maamar 1
וישב יעקב בארץ מגורי אביו בארץ כנען
„Und Yaakov ließ sich nieder im Land der Aufenthalte seines Vaters, im Land Canaan“
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Von einer KI aus unserer englischen Ausgabe übersetzt und anschließend in mehreren Durchgängen anhand des Englischen und des Hebräischen geprüft und korrigiert. Die englische Fassung selbst wird derzeit von menschlichen Lesern überprüft. Wenn Sie gut Deutsch können, wären wir für Ihre Hilfe bei der Durchsicht der deutschen Übersetzung dankbar. Bei der Durchsicht mithelfen
Kerngedanke
Die Seele kommt in den Körper hinab wie ein Kaufmann, der sein Silber und Gold hingibt, um weit mehr zu gewinnen: Sie gibt ihre offen zutage tretende, natürliche Liebe und Ehrfurcht auf und gewinnt das „Verlangen des Herzens“, eine Sehnsucht nach G‑tt jenseits allen Verstehens, zu der nur eine Seele in dieser Welt gelangen kann.
Der Maamar in Kürze
Der Maamar fragt, warum der Vers sowohl „das Land der Aufenthalte seines Vaters“ als auch „das Land Canaan“ nennt und warum das Heilige Land nach Canaan benannt ist, dem Sohn von Cham, den Noach verfluchte. Canaan in Heiligkeit ist ein Kaufmann: Wie ein Händler ausgibt, um Gewinn zu erzielen, geht das jüdische Volk ins Exil, um die Funken der Heiligkeit zu erheben; jede Seele lässt ihre offen zutage tretende Liebe und Ehrfurcht („Silber und Gold“) oben zurück und steigt in einen Körper hinab. Was sie hier gewinnt, ist das Verlangen des Herzens (re’usa deliba): Wenn die Seele darüber nachdenkt, dass G‑tt jenseits jedes Gedankens ist, sehnt sie sich danach, sich in Ihm aufzulösen – eine tiefere Verbindung als die Liebe, die sie zuvor empfand und die durch ihr Verständnis begrenzt war. Im Exil findet man dies „von dort aus“, indem man darüber nachdenkt, wie selbst das, was sich G‑tt widersetzt, aus Seinem Willen lebt. Anschließend liest der Maamar Yaakov als yud–akev [Jod–Ferse]: Chochmah, die bis zur Ferse hinabgezogen wird. „Die Megurei seines Vaters [Aufenthalte seines Vaters]“ sind die höhere Ehrfurcht, die die überirdische Weisheit (Chochmah) durch das Torah-Lernen festhält: die höhere Einheit (Yichuda Ila'ah). „Das Land Canaan“ ist die untere Einheit (Yichuda Tata'ah): Güte (Chesed) durch die mitzvos in die Welt zu ziehen, vor allem durch Zedaka.
Gliederung
- Die Fragen: das doppelt genannte Land und der Name CanaanWarum der Vers das Land zweimal nennt und warum das Heilige Land nach Canaan benannt ist; jede Gestalt hat ein heiliges Gegenstück, und Canaan in Heiligkeit bedeutet einen Kaufmann.¶1–2
- Der Kaufmann und das ExilWie ein Kaufmann, der ausgibt, um Gewinn zu erzielen, geht die Gemeinschaft Israels ins Exil, um die Funken der Heiligkeit zu läutern.¶3
- Das Silber und Gold der SeeleVor ihrem Hinabsteigen hatte die Seele offen zutage tretende Liebe und Ehrfurcht; im Körper sind sie verborgen – warum also hinabsteigen? Weil die Torah dieser Welt mehr wert ist.¶4–6
- Das Verlangen des HerzensDurch die höhere Umkehr (Teshuvah) gewinnt die Seele das Verlangen des Herzens, das daraus entsteht, darüber nachzudenken, dass G‑tt jenseits allen Denkens ist, und das höher steht als die Liebe, die sie zuvor empfand.¶7–10
- G‑tt im Exil „von dort aus“ findenZur Zeit des Tempels brachte die Offenbarung dieses Verlangen hervor; im Exil entsteht es, wenn man darüber nachdenkt, wie selbst das, was sich G‑tt widersetzt, aus Seinem Willen lebt – und erst recht, wie sehr jene, die Seinen Willen tun, aus Ihm leben.¶11–12
- Die Analogie vollendet: Cham und CanaanDie Seele ist der Kaufmann; die Glut der feurigen Liebe lässt den heiligen Canaan entstehen, doch der Weg beginnt mit der unteren Ehrfurcht, die aus G‑ttes Königsherrschaft erwächst.¶13–14
- Rufen in WahrheitEin Gefühl, das im Verstand verbleibt, verklingt; ein Ruf aus der Tiefe des Herzens hält an.¶15
- Die beiden Stimmen YaakovsYaakov ist yud–akev [Jod–Ferse]; die hörbare Stimme der Torah ruht nur auf jemandem, der zuerst die unhörbare Stimme des Bittul hat, und dann spricht G‑ttes Wort durch ihn wie durch einen König.¶16–19
- Der Vers erklärt: zwei Arten des Niederlassens„Die Megurei seines Vaters“ sind die höhere Ehrfurcht, die die überirdische Chochmah festhält: die höhere Einheit; „das Land Canaan“ ist die untere Einheit, die Güte durch die mitzvos und Zedaka in die Welt zieht.¶20–22
Schlüsselbegriffe
- das Verlangen des Herzens (re’usa deliba)רעותא דלבא
- Eine Sehnsucht nach G‑tt aus dem innersten Punkt des Herzens, die daraus entsteht, zu wissen, dass Er jenseits allen Verstehens ist; sie steht über dem Verstand und kann nur von einer Seele erreicht werden, die sich in einem Körper befindet.
- Canaan in Heiligkeit: der Kaufmannכנען – סוחר
- Wie ein Händler gibt die Seele ihre offen zutage tretende Liebe und Ehrfurcht auf, um das weit größere Verlangen des Herzens zu gewinnen.
- Silber und Goldכסף וזהב
- Silber (vom Ausdruck für Sehnsucht) steht für Liebe und Gold (aus dem Norden, der linken Seite) für Ehrfurcht: die natürliche, offen zutage tretende Liebe und Ehrfurcht der Seele vor ihrem Hinabsteigen.
- die höhere Umkehrתשובה עילאה
- Eine Rückkehr zu G‑tt aus der Tiefe des Herzens, deren Wurzel über der Welt liegt und die das Herz von einem Extrem ins andere wendet.
- yud–akevיו״ד עקב
- Der Name Yaakov, gelesen als das Jod der überirdischen Chochmah, das bis zur Ferse, der niedrigsten Ebene, in jeder Welt hinabgezogen wird.
- die hörbare und die unhörbare Stimmeקלא דאשתמע וקלא דלא אשתמע
- Die hörbare Stimme ist die Torah, G‑ttes offenbarte Weisheit; die unhörbare Stimme ist das innere Bittul und das Verlangen des Herzens, das zuerst kommen muss.
- die höhere und die untere Einheitיחודא עילאה ויחודא תתאה
- In der höheren Einheit ist man G‑tt durch das Torah-Lernen gegenüber aufgehoben; in der unteren Einheit wird G‑ttes Einheit durch die mitzvos und die Güte in der Welt selbst offenbart.
Die Fragen: das doppelt genannte Land und der Name Canaan ¶1–2
„Und Yaakov ließ sich im Land nieder, in dem sein Vater als Fremdling geweilt hatte, im Land Kanaan.“ [Wir müssen] verstehen, worum es dabei geht, und auch die doppelte Formulierung: „im Land, in dem sein Vater als Fremdling geweilt hatte“ [und] „im Land Kanaan“.
Der Maamar beginnt mit dem ersten Vers der Parascha Vayeshev, der scheinbar zweimal dasselbe sagt: Yaakov lebte „im Land, in dem sein Vater als Fremdling geweilt hatte“ und „im Land Kanaan“. Der Alter Rebbe fragt, warum beide Formulierungen nötig sind.
Nun steht geschrieben: „Ich werde vor Havayah wandeln, in den Ländern der Lebenden“: [das bedeutet,] dass es zwei Länder gibt, die zwei Ebenen von Gefäßen sind, in denen höheres Leben ruhen kann.
Er führt einen Vers aus Tehillim an, der von „Ländern“ im Plural spricht. Er deutet ihn als Hinweis auf zwei „Länder“, das heißt auf zwei Arten von Gefäßen oder Aufnahmegefäßen, in denen höheres Leben ruhen kann.
(וכמו חיים לשון רבים6 כך ארצות לשון רבים). וביאור הענין צריך להבין למה נק׳ א״י [ארץ ישראל] בכל התורה ארץ כנען.7
(Und ebenso wie „Leben“ [Chayim] im Plural steht, steht auch „Länder“ im Plural.) Um die Sache zu erklären, müssen wir verstehen, warum das Land Israel in der ganzen Torah „das Land Kanaan“ genannt wird.
Die Klammerbemerkung weist darauf hin, dass das hebräische Wort für Leben, Chayim, selbst im Plural steht und damit auf viele Arten von Leben hindeutet. Anschließend stellt der Alter Rebbe eine zweite Frage: Warum nennt die Torah das Land Israel durchgehend „das Land Kanaan“?
והרי חם הוא אבי כנען8 ומה הוא היחוס שבח9 א״י [ארץ ישראל] בזה (גם להבין מ״ש כנען בידו מאזני מרמה)1011 גם מה שכתוב ולא יהיה כנעני עוד12 בבית ה׳ צבאות ביום ההוא.
Doch Cham ist der Vater Kanaans; worin liegt dann angesichts dieser Abstammung das Lob des Landes Israel? (Auch [müssen wir] verstehen, was geschrieben steht: „Kanaan: In seiner Hand sind betrügerische Waagen.“) Ebenso, was geschrieben steht: „Und an jenem Tag wird es keinen Kanaaniter mehr im Haus Havayahs der Heerscharen geben.“
Kanaan, der Sohn Chams, ist derjenige, den Noach verfluchte (Bereishis 9:25); das heilige Land nach ihm zu benennen, scheint daher überhaupt kein Lob zu sein. Die Schwierigkeit wird noch größer, wenn der Prophet Kanaan als Händler mit falschen Waagen bezeichnet und sagt, dass es in der Zukunft keinen „Kanaaniter“ mehr im Haus Havayahs geben wird.
הנה נודע שכל התורה כולה נדרשת בזה לעומת זה כי כמו שיש לבן ועשו בקליפה
Nun ist bekannt, dass die ganze Torah [nach dem Muster] „das eine dem anderen gegenüber“ ausgelegt wird: Denn ebenso wie es Lavan und Eisav in der Hülle (Kelipah) gibt,
Die Antwort beginnt mit einem Grundsatz: Alles in der Torah hat ein Gegenstück in der Heiligkeit und in ihrem Gegenpol, der Kelipah (den Kräften der Verbergung). Lavan und Eisav, die als Gestalten der Kelipah erscheinen, haben heilige Gegenstücke.
und ebenso den Obersten der Schlächter und den Obersten der Mundschenken usw., so gibt es alle diese Ebenen auch in der Heiligkeit, denn „G‑tt hat das eine als Gegenstück zum anderen geschaffen“.
Dasselbe gilt für den Obersten der Schlächter und den Obersten der Mundschenken aus der Geschichte von Yosef. Also muss auch Kanaan eine Bedeutung in der Heiligkeit haben, und diese Bedeutung wird erklären, warum das Land seinen Namen trägt.
Der einleitende Absatz stellt die Fragen des Maamars: die doppelte Formulierung im Vers, warum das heilige Land nach Kanaan benannt ist und was die Propheten mit Kanaans betrügerischen Waagen meinen. Als Grundsatz hält er fest, dass jede Gestalt in der Torah ein Gegenstück in der Heiligkeit hat.
Die Anmerkung von Kehot hält fest, dass die Klammerbemerkung zum Plural „Leben“ in den Manuskripten erscheint, in einem Manuskript fehlt und in Or HaTorah Maharil, dem Bruder des Alter Rebbe, zugeschrieben wird. Eine andere Niederschrift erklärt sie mit „vielen Arten von Lebenskraft“.
Marei Mekomos
- 1וישב יעקב · הנחת כ״ק אדמו״ר האמצעי במאמרי אדה״ז פרשיות ע׳ קפג. באחד מכת״י רשום שהוא משנת תקס״ג. ראה לעיל בציונים לכ״ק אדמו״ר זי״ע. המאמר עם הגהות וכו׳ באוה״ת בראשית כרך ב רנא, ב. כרך ה תתפח, א. הערה תתצח, א. תתצט, ב. כרך ז תתתלז, א. תתלז, ב. חלק מהמאמר מובא גם בד״ה וישב יעקב תרל״ט ע׳ נד. בד״ה מי כה׳ אלקינו תרל״ט ע׳ סד. לכללות מאמר זה ראה פלח הרמון בראשית צו, ג. ד״ה זה תשכ״ז. תשמ״א. תשמ״ו.
- 2וישב יעקב · Genesis 37:1
- 3גם כפל לשון · ראה בכלי יקר. ובשיחת ש״פ וישב תשכ״ב. בבוך 633: כפל מלת בארץ תרי זימני: הנה כתיב.
- 4אתהלך לפני ה׳ · Psalms 116:9
- 5שיש שני ארצות · באוה״ת חיי שרה קיח, א. סה״מ תרל״ב ע׳ שצ וע׳ שצח. ד״ה אך בגורל תרמ״ז ע׳ יד מציינים לכאן.
- 6(וכמו חיים לשון רבים · דהיינו רבוי מיני חיות — מאמרי אדה״ז פרשיות ע׳ קפד. ועיין שם. מוסגר זה נמצא גם בכת״י מאמרי אדה״ז. [בבוך 633 ליתא כל המוסגר]. באוה״ת רנא, ב מציין שהגה״ה זו היא ממהרי״ל אחי כ״ק אדה״ז.
- 7בכל התורה ארץ כנען · Genesis 17:8
- 8חם הוא אבי כנען · Genesis 9:18
- 9ומה הוא היחוס שבח א״י בזה · Bereshit Rabbah 36:2
- 10(גם להבין . . מרמה) · מוסגר זה נמצא גם בכת״י מאמרי אדה״ז. בבוך 633 ליתא המוסגר.
- 11כנען בידו מאזני מרמה · Hosea 12:8
- 12גם מה שכתוב ולא יהיה כנעני עוד · ”דאם כפשוטו דכנעני קאי על ארור כנען א״ש, אבל מאחר שנק׳ ארץ ישראל ארץ כנען א״כ מוכרח שזהו כנען דקדושה, א״כ מהו המעלה והשבח ולא יהי׳ עוד כנעני וגו׳” — אוה״ת בראשית כרך ב רנב, א.
- 13כך יש כל בחי׳ אלו בקדושה · באוה״ת בראשית כרך ב רנב, א מציין למקומות שמבואר ענין לבן דקדושה, עשו דקדושה.
- 14זה לעומת זה עשה אלהים · Ecclesiastes 7:14
- 15ולא יהי׳ כנעני עוד בבית ה׳ צבאות · Zechariah 14:21
Nun sind die drei Söhne Noachs oben in der Heiligkeit drei Ebenen: die Farben des Regenbogens, weiß, rot und grün.
Die drei Söhne Noachs, Shem, Cham und Yefes, haben eine Wurzel in der Heiligkeit als die drei Farben des Regenbogens. Weiß, rot und grün stehen in der Kabbalah für Güte, Zurückhaltung und die Harmonie zwischen ihnen.
אלא שבהשתלשלות העולמות בבחינת נפילה ממדרגה אחר מדרגה נעשה חם גשמי אבי כנען2. ולהבין ענין כנען בקדושה הנה כנען פירושו סוחר345 כמ״ש כנעניה נכבדי ארץ.6
Doch in der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus), durch einen Fall von Ebene zu Ebene, wurde daraus der physische Cham, der Vater Canaans. Und um die Angelegenheit von Canaan in der Heiligkeit zu verstehen: „Canaan“ bedeutet Händler, wie geschrieben steht: „Ihre Händler (כנעניה) sind die Angesehenen der Erde.“
Durch das Herabsteigen des G‑ttlichen Lichts von Ebene zu Ebene fiel eine dieser heiligen Wurzeln, bis daraus der physische Cham und sein Sohn Canaan wurden. Um die heilige Bedeutung von Canaan zu finden, wendet sich der Alter Rebbe dem Wort selbst zu: Im Hebräischen bedeutet „Canaan“ auch Händler, wie in Yeshayahus Formulierung über die Händler von Tyrus.
Der Absatz verfolgt Cham und Canaan bis zu einer heiligen Wurzel zurück, die im Verlauf der Hishtalshelus fiel, und benennt den Schlüssel zum Verständnis der heiligen Bedeutung von Canaan: Das Wort bedeutet Händler.
Die Kehot-Anmerkung zitiert die Likkutei Torah des Arizal zu Parshas Noach (eine Sammlung der Lehren des Arizal zur Torah, nicht das gleichnamige Buch des Alter Rebbe): Noach selbst ist das Fundament (Yesod), und die drei Farben des Regenbogens sind seine drei Söhne, die in ihm eingeschlossen sind. Or HaTorah führt dies weiter aus.
Marei Mekomos
- 1שלשה בני נח . . ג׳ בחי גווני קשת · לקוטי תורה להאריז״ל פ׳ נח. דנח בעצמו הוא היסוד וג׳ גווני הקשת הוא ג׳ בניו כלולים בו כו׳. נתבאר באוה״ת וישב כרך ה תתפח, ב.
- 2
- 3כנען פירושו סוחר · בבא בתרא עה, א. תנחומא מסעי ט. ת״ב שם ז. במדב״ר פכ״ג יו״ד. ע׳ בלקו״ת פ׳ עקב בד״ה להבין שורש טעם וקישור, ובאוה״ת פ׳ בשלח ע׳ תרנ. ובפ׳ ואתחנן ע׳ קכט. ובפ׳ עקב ע׳ תקלג. סה״מ אידיש ע׳ 91 עה״פ ותמת שרה.
- 4כנען פירושו סוחר · Bava Batra 75a:5
- 5כנען פירושו סוחר · Bamidbar Rabbah 23:10
- 6כנעני׳ נכבדי ארץ · Isaiah 23:8
Der Kaufmann und das Exil ¶3
3וכתיב כנען בידו מאזני מרמה1. היינו עד״מ כמו הסוחר שיפזר ממון כסף וזהב ומוציאם מרשותו כדי להרויח ולהשתכר וכל עיקר כוונתו להיות מפזר ונוסף עוד.2
Und es steht geschrieben: „Kanaan: In seiner Hand sind betrügerische Waagen.“ Das ist etwa mit einem Kaufmann zu vergleichen, der Geld, Silber und Gold ausstreut und sie aus seinem Besitz gibt, um Gewinn zu machen und zu verdienen; sein ganzes Anliegen ist es, einer zu sein, der „ausstreut und dennoch mehr gewinnt“.
Der Kaufmann, der scheinbar sein Silber und Gold wegwirft, investiert in Wirklichkeit: Er trennt sich von seinem Geld nur, um mehr zu verdienen. So bezeichnet König Shlomo einen, der „ausstreut und dennoch mehr gewinnt“.
כך הנה מקור נשמת ישראל שהוא בחי׳ כנ״י [כנסת ישראל] נמשלה בגלות לסוחר זה כדכתיב בא אחיך במרמה3 ויקח ברכתך. כי הנה כתיב עת אשר שלט האדם4 באדם לרע לו.
So wird die Quelle der Seelen Israels, die die Ebene (Bechinah) der Gemeinschaft Israels (Knesses Yisrael) ist, im Exil mit diesem Kaufmann verglichen, wie geschrieben steht: „Dein Bruder kam mit List und nahm deinen Segen.“ Denn es steht geschrieben: „Eine Zeit, da der Mensch über den Menschen zu seinem Schaden herrscht.“
Der Alter Rebbe wendet die Analogie auf die Gemeinschaft Israels an, die gemeinsame Wurzel der jüdischen Seelen, die sich im Exil befindet. Die „List“ Yaakovs, mit der er den Segen nahm, und der Vers über den Menschen, der „zu seinem Schaden“ über den Menschen herrscht, beschreiben einen Verlust, der in Wahrheit ein Gewinn ist.
שע״י התלבשות השכינה בבחי׳ גלות בתוכם להשפיע להם ע״י זה מתבררים כל ניצוצות הקדושה כמו שאמרו רז״ל [רבותינו זכרונם לברכה] לא גלו ישראל5 אלא להוסיף עליהם6 כו׳ להיות בלע המות7 וכו׳.
Denn dadurch, dass sich die G‑ttliche Gegenwart (Shechinah) unter ihnen in der Weise des Exils kleidet, um ihnen etwas zukommen zu lassen, werden alle Funken der Heiligkeit geläutert. So sagten unsere Weisen seligen Andenkens: „Israel wurde nur ins Exil geführt, damit [Konvertiten] zu ihnen hinzukämen“ usw., damit „Er den Tod verschlinge“ usw.
Wenn die Shechinah, die G‑ttliche Gegenwart, unter den Völkern ins Exil geht, um sie zu erhalten, werden die dort verstreuten Funken der Heiligkeit geläutert und emporgehoben. Die Weisen sagten, der Zweck des Exils sei, dass Konvertiten zu Israel hinzukommen, und sein Ende werde durch den Vers ausgedrückt: „Er wird den Tod für immer verschlingen.“
Der Absatz entfaltet die zentrale Analogie des Maamar: Kanaan in der Heiligkeit gleicht einem Kaufmann, der sich von seinem Vermögen trennt, um mehr zu gewinnen; das Exil des jüdischen Volkes ist eine solche Investition, durch die die Funken der Heiligkeit emporgehoben werden.
Die Kehot-Anmerkung hält die Bemerkung des Rebbe fest (im Maamar Vayeshev 5727), dass der ganze Zweck des Handels der Gewinn ist. Dazu zitiert sie die Aussage der Weisen, dass jemand, der zum selben Preis kauft und verkauft, kaum als Kaufmann gilt. Sie verweist außerdem auf die Lehre des Arizal in Shaar HaMitzvos zur Mizwa der Tzedakah [Wohltätigkeit], wo erklärt wird, was „ausstreut und dennoch mehr gewinnt“ bedeutet.
Marei Mekomos
- 1
- 2מפזר ונוסף עוד · Proverbs 11:24
- 3בא אחיך במרמה · Genesis 27:35
- 4עת אשר שלט האדם · Ecclesiastes 8:9
- 5לא גלו ישראל · נסמן לעיל ו, א.
- 6לא גלו ישראל אלא להוסיף עליהם · Pesachim 87b:3
- 7בלע המות · Isaiah 25:8
Das Silber und Gold der Seele ¶4–6
4ואת רוח הטמאה אעביר מן הארץ1 ונגלה כבוד2 ה׳ כי עין בעין יראו3 וגו׳. וכמו שהוא בכללות העולם כך הוא בפרטות בכל נפש מישראל בעבודת ה׳
„Den Geist der Unreinheit werde Ich aus dem Land entfernen“; „und die Herrlichkeit des unaussprechlichen g‑ttlichen Namens (Havayah) wird offenbar werden“; „denn Auge in Auge werden sie sehen“ usw. Und so, wie es in der Welt insgesamt ist, ist es auch im Einzelnen in jeder Seele Israels im Dienst an G‑tt.
Die Propheten verheißen, dass die Unreinheit beseitigt und die Herrlichkeit G‑ttes offen sichtbar werden wird – als Abschluss der Läuterung während des Exils. Der Alter Rebbe sagt nun, dass sich das, was mit der Welt insgesamt geschieht, im Kleinen in jeder jüdischen Seele im Dienst an G‑tt ereignet.
כי הנה הנשמה טרם ירידתה לעולם הזה להתלבש בגוף ונפש החיונית הבהמית היתה קשורה ומיוחדת במקורה ושרשה במאצילה ברשפי אש האהבה בטבע כשלהבת העולה מאליה כו׳
Denn bevor die Seele in diese Welt herabstieg, um in einen Körper und in die vitale, tierische Seele gekleidet zu werden, war sie mit ihrer Quelle und Wurzel, mit ihrem Emanator, verbunden und vereint – in feurigen Flammen der Liebe, ganz naturgemäß, wie eine Flamme, die von selbst emporsteigt, usw.
Bevor die Seele in einen Körper kam, war sie mit ihrer Quelle in G‑tt verbunden, in natürlicher, feuriger Liebe, wie eine Flamme, die von selbst nach oben steigt. Die „vitale, tierische Seele“ ist die Lebenskraft, die den Körper und seine Triebe belebt.
והיה לה בחי׳ אהבה ויראה טבעי׳ [טבעיים] בגילוי רב שהוא בחי׳ כסף וזהב. כסף מלשון נכסף נכספת4 דהיינו בחי׳ אהבה.5
Und ihr war die Ebene natürlicher Liebe und Ehrfurcht (Ahavah v'Yirah) in großer Offenbarung zuteil; dies ist die Ebene von „Silber und Gold“. „Silber“ (kesef) leitet sich von der Wendung nichsof nichsafta ab: „Du hast dich sehr gesehnt“; das ist die Ebene der Liebe.
Diese Seele hatte offen und ganz natürlich Liebe und Ehrfurcht vor G‑tt, und diese werden „Silber und Gold“ genannt. Silber, kesef, ist mit dem Verb für Sehnsucht verbunden, wie in Lavans Worten an Yaakov: „Du hast dich sehr gesehnt“; daher steht Silber für Liebe.
Der Absatz führt von der Gesamtheit des Volkes zum Einzelnen: Vor ihrem Abstieg hatte die Seele offene, natürliche Liebe und Ehrfurcht – das „Silber und Gold“, von dem der Kaufmann im Gleichnis sich trennen wird.
Auch in Tanya, Kapitel 50, wird Liebe wegen nichsof nichsafta „Silber“ genannt; dort heißt die feurige Liebe, die aus der Betrachtung von G‑ttes Größe entsteht, „Gold“. Hier wird Gold mit Ehrfurcht verbunden, wie der nächste Absatz erklärt.
Marei Mekomos
- 1ואת רוח הטומאה אעביר מן הארץ · Zechariah 13:2
- 2ונגלה כבוד ה׳ · Isaiah 40:5
- 3כי עין בעין יראו · Isaiah 52:8
- 4נכסף נכספת · Genesis 31:30
- 5דהיינו בחי׳ אהבה · ראה לקמן פו, ד. מד, ג. באוה״ת וישב רנג, ב מציין: וכמ״ש נכספה וגם כלתה נפשי.
Und „Gold kommt aus dem Norden“, was die Ebene (Bechinah) der linken Seite ist, die Ebene der Ehrfurcht. Und danach, als die Seele in diese Welt herabstieg, um sich in den physischen Körper zu kleiden,
Gold ist mit dem Norden verbunden, und der Norden steht für die linke Seite, die Seite der Selbstbegrenzung und des Gerichts; daher bedeutet Gold Ehrfurcht. Der Absatz wendet sich dann dem zu, was geschieht, wenn die Seele in einen physischen Körper herabkommt.
הנה גם בחי׳ אהבה ויראה שהיה לה הם מסותרות ומכוסות בלב הגשמי ואינה יכולה לראות באהבה ויראה בהתגלות כל כך כבתחלה, ונמצא שנגרעו האהבה ויראה מערכם.
ist selbst die Ebene der Liebe und Ehrfurcht (Ahavah v'Yirah), die sie besaß, im physischen Herzen verborgen und bedeckt, und die Seele kann Liebe und Ehrfurcht nicht so offen wahrnehmen wie zuvor; so zeigt sich, dass Liebe und Ehrfurcht gegenüber ihrem ursprünglichen Maß vermindert worden sind.
Im Körper sind die Liebe und Ehrfurcht der Seele im physischen Herzen verborgen. Die Seele kann sie nicht mehr so offen empfinden wie zuvor; daher sind sie gegenüber ihrem ursprünglichen Maß vermindert.
Der Absatz vervollständigt die Zuordnung: Gold steht für Ehrfurcht. Dann benennt er das Problem: Im Körper werden die natürliche Liebe und Ehrfurcht der Seele verborgen und vermindert.
Die Kehot-Anmerkung zitiert Or HaTorah, das Gold durch die Deutung des Zohar mit Ehrfurcht verbindet: Der Zohar liest Gold als Rosch ha-Schana, den Tag des Gerichts, und Rosch ha-Schana entspricht der Ebene der Ehrfurcht.
Marei Mekomos
- 1וזהב מצפון יאתה · Job 37:22
- 2שהוא בחי׳ שמאל שהוא בחי׳ יראה · באוה״ת וישב שם: וכמ״ש בזח״ב פ׳ תרומה דקל״ה א׳ וזהב דא ר״ה יומא דדינא ור״ה הוא בחי׳ יראה.
6וא״כ למה זה ירדה הנשמה לעוה״ז מאחר שהיא ירידה גדולה וגרעון גדול מבתחילה. אך הנה כתיב טוב לי תורת פיך1 מאלפי זהב וכסף.
Wenn dem so ist, warum stieg die Seele in diese Welt hinab, da dies ein großer Abstieg und ein großer Verlust gegenüber ihrem früheren Zustand ist? Doch es steht geschrieben: „Die Torah Deines Mundes ist mir lieber als Tausende von Gold und Silber.“
Wenn der Abstieg in einen Körper die Liebe und Ehrfurcht der Seele verbirgt und mindert, warum kommt die Seele dann überhaupt herab? Die Antwort beginnt mit dem Vers: „Die Torah Deines Mundes ist mir lieber als Tausende von Gold und Silber.“
אלפי לשון לימוד2 כלומר שיש לי יתרון ומעלה בתורת פיך בעוה״ז יותר מבחי׳ זהב וכסף שהיתה הנשמה למודה בהם בתחלה.3
„Tausende“ (alfei) ist ein Ausdruck für Lernen. Das heißt: Ich habe in „der Torah Deines Mundes“ in dieser Welt einen Vorteil und eine Überlegenheit gegenüber der Ebene von „Gold und Silber“, an die die Seele zuvor gewöhnt war (lemudah).
Der Alter Rebbe leitet alfei, gewöhnlich „Tausende“, von der Wurzel von a’alefcha („ich werde dich lehren“, Iyov 33:33) ab, sodass es „in etwas bewandert“ oder „gewöhnt an“ bedeutet. Der Vers besagt dann: Die Torah, die ich in dieser Welt erlange, ist besser als das „Gold und Silber“ – die Liebe und Ehrfurcht –, an die die Seele gewöhnt (lemudah) war, bevor sie herabkam.
Der Absatz stellt die zentrale Frage, warum die Seele herabsteigt, und beginnt, sie anhand eines Verses zu beantworten: Was die Seele hier gewinnt, ist mehr wert als das „Gold und Silber“, das sie aufgibt.
Marei Mekomos
- 1טוב לי תורת פיך · Psalms 119:72
- 2אלפי לשון לימוד · באוה״ת וישב רנג, ב: כמו אאלפך חכמה.
- 3שהיתה הנשמה למודה בהם בתחלה · ראה לקו״ת שה״ש ו, ג.
Das Verlangen des Herzens ¶7–10
7והענין כמו שאמרו רז״ל [רבותינו זכרונם לברכה] יפה שעה אחת1 בתשובה2 וכו׳ כי ע״י תשובה עילאה מעומקא דלבא תהיה דביקת הנפש באלהים חיים יותר נפלאה ברעותא דלבא
Und die Sache verhält sich, wie unsere Weisen seligen Angedenkens sagten: „Besser ist eine Stunde der Umkehr (Teshuvah)“ usw. Denn durch die höhere Teshuvah aus der Tiefe des Herzens wird die Anhaftung der Seele an den lebendigen G‑tt im Herzensverlangen (Re’usa DeLiba) noch wunderbarer sein,
Die Weisen sagten, eine Stunde der Umkehr und guter Taten in dieser Welt sei besser als das ganze Leben der kommenden Welt. Durch die höhere Teshuvah, eine Rückkehr zu G‑tt aus der Tiefe des Herzens, haftet die Seele auf noch wunderbarere Weise an G‑tt, im „Herzensverlangen“ (Re’usa DeLiba), einer Sehnsucht, die tiefer reicht als das Gefühl.
כמ״ש לקמן, ונמצא שאע״פ [שאף על פי] שיש לה גרעון באהבה ויראה3 טבעי׳ [טבעיים] שבחיצונית הלב הגלוים מ״מ יהיה לה יתרון בבחי׳ רעותא דלבא45 בנקודת פנימית הלב כיתרון האור הבא מן החשך6 דוקא.
wie weiter unten erklärt werden wird. So zeigt sich, dass sie zwar einen Verlust an natürlicher Liebe und Ehrfurcht (Ahavah v’Yirah) erleidet, die in der äußeren Dimension (Chitzoniyus) des Herzens offenbar sind, dennoch aber einen Vorzug auf der Ebene des Herzensverlangens haben wird, im Punkt der inneren Dimension (Pnimiyus) des Herzens, wie beim „Vorzug des Lichts, [das] gerade aus der Finsternis kommt“.
Der Abstieg ist also ein Austausch: Die Seele verliert die offen zutage tretende natürliche Ahavah v’Yirah in der äußeren Schicht des Herzens, gewinnt aber das Herzensverlangen an seinem inneren Punkt. Es ist wie das Licht, das am hellsten leuchtet, weil es aus der Finsternis kommt.
Der Absatz beantwortet, weshalb die Seele herabsteigt: Der Verlust an offen zutage tretender Liebe und Ehrfurcht wird durch das Herzensverlangen aufgewogen, eine tiefere Bindung, die durch Teshuvah erreicht wird, wie Licht, das aus der Finsternis kommt.
Die Kehot-Anmerkung verweist auf Or HaTorah: Der Verlust der Seele besteht darin, dass ihr Erkenntnisvermögen eingeschränkt wird; ihr Gewinn im inneren Herzen entsteht dadurch, dass sie darüber nachsinnt, dass kein Gedanke G‑tt erfassen kann. An anderer Stelle sagt Or HaTorah, das Herzensverlangen sei der Zweck des Abstiegs der Seele.
Marei Mekomos
- 1יפה שעה אחת · אבות ד, יז.
- 2יפה שעה אחת בתשובה · Pirkei Avot 4:17
- 3שיש לה גרעון באהבה ויראה טבעית שבחיצונית הלב · נתבאר בארוכה באוה״ת בראשית כרך ב רנד, ב ד”מ״ש שיש לה גרעון . . הלב היינו מצד שנתמעט השגתה כו׳ ויש לה יתרון בפנימי׳ הלב ע״י אם ישים אליו לבו דלמחתב״כ” ע״ש בארוכה שמבאר מהו טוב לי תורת פיך.
- 4שאע״פ . . בבחי׳ רעותא דליבא · ראה אוה״ת פ׳ וישב רסה, ב.
- 5בבחי׳ רעותא דלבא · בענין רעותא דלבא ראה באוה״ת ואתחנן כרך ו ע׳ ב׳רסט שמציין לכאן ולכמה מקומות בדא״ח: ”בד״ה וישב יעקב בענין רעותא דלבא שהיא תכלית הירידה בעוה״ז כי למתב״כ כ״א ברעו״ד הוא נתפס”.
- 6כיתרון האור הבא מן החשך · Ecclesiastes 2:13
8וביאור הענין כי הנה כתיב אני ראשון1 ואני אחרון ומבלעדי אין אלהים. פי׳ ע״ד מ״ש אני ה׳ לא שניתי2 ואתה הוא קודם שנברא וכו׳
Und die Erklärung der Sache: Es steht geschrieben: „Ich bin der Erste und Ich bin der Letzte, und außer Mir gibt es keinen G‑tt (Elokim).“ Das heißt im Sinne dessen, was geschrieben steht: „Ich, Havayah, habe mich nicht geändert“, und: „Du warst [derselbe], bevor die Welt erschaffen wurde“ usw.,
Der Alter Rebbe beginnt eine tiefere Erklärung anhand von Yeshayahu: G‑tt ist der Erste und der Letzte, und außer Ihm gibt es keinen G‑tt. Er deutet „der Erste und der Letzte“ als G‑ttes Unveränderlichkeit, entsprechend „Ich habe mich nicht geändert“ und dem Gebet, das besagt, G‑tt sei nach der Schöpfung derselbe wie vor ihr.
בלי שום שינוי כי אין בריאת עולמות עליונים ותחתונים תופסים מקום כלל וכולא קמיה כלא חשיב ממש.
ohne jede Veränderung; denn die Erschaffung der oberen und unteren Welten nimmt überhaupt keinen Platz ein, und „alles vor Ihm gilt wahrhaft als nichts“.
Die Schöpfung bewirkt keine Veränderung in G‑tt, denn die Welten nehmen vor Ihm überhaupt keinen „Platz“ ein. Ihm gegenüber gelten sie wahrhaft als nichts, wie der Zohar sagt: „Alles vor Ihm gilt als nichts.“
Der Absatz führt die Ebene G‑ttes ein, die von der Schöpfung gänzlich unberührt bleibt und vor der alle Welten wie nichts sind.
Marei Mekomos
- 1אני ראשון · Isaiah 44:6
- 2אני ה׳ לא שניתי · Malachi 3:6
9ומבלעדי פי׳ מה שהוא זולת בחי׳ זו דהיינו באמצעות הזמן שנראה העולם ליש ודבר בפ״ע [בפני עצמו]1 בחי׳ זמן ומקום אין אלהים זולתי שהוא בחי׳ אלהים חיים ומלך עולם2
Und „außer Mir“ bedeutet: das, was von dieser Ebene verschieden ist, das heißt, durch die Vermittlung der Zeit, wenn die Welt als etwas Seiendes, als ein Ding für sich erscheint, auf der Ebene von Zeit und Raum: [dort] „gibt es keinen Elokim außer Mir“ – das heißt, auf der Ebene des „lebendigen G‑ttes (Elokim) und ewigen Königs“,
„Außer Mir“ bezieht sich auf eine andere Ebene: auf die Welt, wie sie innerhalb von Zeit und Raum als ein eigenständiges Ding erscheint. Dort ist G‑tt als Elokim bekannt, als „lebendiger G‑tt und ewiger König“ – als die Seite G‑ttes, die sich zur Welt als deren Herrscher verhält.
כמאמר ומבלעדיך אין לנו מלך גואל וכו׳ שכל העולמות עליונים ותחתונים נתהוו מבחי׳ מלכותו ית׳
wie in dem Ausspruch: „Außer Dir haben wir keinen König, keinen Erlöser“ usw.; denn alle oberen und unteren Welten sind aus der Ebene Seiner Königsherrschaft (Malchus), gelobt sei Er, hervorgegangen,
Das Gebet „Außer Dir haben wir keinen König“ weist auf dieselbe Idee hin. Alle Welten, die oberen wie die unteren, sind aus G‑ttes Malchus, Seiner Königsherrschaft, hervorgegangen – aus der Ebene, durch die Er erschafft und herrscht.
וכדכתיב מלכותך מלכות כל עולמים3 וגו׳ ושם עלו השגת כל הנבראי׳ [הנבראים] העליונים ותחתוני׳ [ותחתונים] אבל בהקב״ה בכבודו ובעצמו לית מחשבה תפיסא ביה45
wie geschrieben steht: „Deine Königsherrschaft ist die Königsherrschaft aller Welten“ usw. Bis dorthin reicht das Verständnis aller oberen und unteren Geschöpfe. Doch was den Heiligen, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), in Seiner Herrlichkeit und Seinem Wesen betrifft, so gilt: „Kein Gedanke kann Ihn erfassen“,
Das Verständnis jedes Geschöpfs, selbst des höchsten Engels, reicht nur bis zu dieser Ebene der Königsherrschaft. G‑tt Selbst, in Seinem Wesen, ist jenseits der Reichweite jedes Gedankens.
כי הוא רם ונשא מגדר ההשגה ואינו נתפס בתוך עלמין לא בבחי׳ ממלא ולא בבחי׳ סובב בשום שכל והשגה בעולם אלא ברעותא דלבא מקרב איש ולב עמוק.6
denn Er ist erhaben und hoch über die Grenzen des Erfassens hinaus und wird innerhalb der Welten nicht erfasst, weder auf der Ebene des [Lichts, das] [alle Welten] erfüllt (Memalei Kol Almin) noch auf der Ebene des [Lichts, das] [sie] umfasst (Sovev Kol Almin), durch irgendeinen Intellekt oder irgendein Erkenntnisvermögen in der Welt, sondern allein durch das Verlangen des Herzens, „das Innere des Menschen und ein tiefes Herz“.
Er wird innerhalb der Welten durch keinerlei Verstand erfasst, weder als das Licht, das jede Welt erfüllt, noch als das Licht, das sie alle umfasst. Er kann nur durch das Verlangen des Herzens erreicht werden, das der Vers „das Innere des Menschen und ein tiefes Herz“ nennt.
Der Absatz stellt zwei Ebenen einander gegenüber: G‑tt als König, die Quelle der Welten, die Geschöpfe verstehen können, und G‑ttes eigenes Wesen, das jenseits allen Denkens liegt und nur durch das Verlangen des Herzens erreicht wird.
Die Kehot-Anmerkung zitiert Or HaTorah: Die Quelle, die die Welt als eine eigenständige Existenz hervorbringt, ist G‑ttlichkeit durch die Einschränkung (Tzimtzum) und den „freigelassenen Raum“; dies wird als Einkleidung in die zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) bezeichnet. Or HaTorah ergänzt, dass „kein Gedanke Ihn erfassen kann“ selbst für die überirdische Weisheit (Chochmah) gilt.
Marei Mekomos
- 1דהיינו באמצעות הזמן שנראה העולם ליש ודבר בפ״ע · ”ובחי׳ מקור המהווה בחי׳ זו הוא אלקותו ית׳ על ידי צמצום ומקום פנוי, ונק׳ התלבשות בעשר ספירות” אוה״ת בראשית כרך ב רנה, ב.
- 2אלהים חיים ומלך עולם · Jeremiah 10:10
- 3מלכותך מלכות כל עולמים · Psalms 145:13
- 4לית מחשבה תפיסא ביה · אפילו חכמה עילאה — אוה״ת וירא כרך ד תשמ, א.
- 5לית מחשבה תפיסא ביה · Tikkunei Zohar 17a:10–12
- 6מקרב איש ולב עמוק · Psalms 64:7
10וכמ״ש ממעמקים קראתיך1 ה׳ מפני כי בחי׳ רעותא דלבא נמשך מהתבוננות זו עצמה אם ישים אליו לבו2 דלית מחשבה תפיסא ביה כלל והוא רם ונשא למעל׳ [למעלה / למעלת] מעלה עד אין קץ ותכלית אפילו מבחי׳ חכמה עילאה.
Wie geschrieben steht: „Aus den Tiefen habe ich Dich gerufen, Havayah.“ Denn die Ebene des Herzensverlangens erwächst gerade aus dieser Betrachtung, wenn er sein Herz darauf richtet: dass kein Gedanke Ihn überhaupt erfassen kann und Er erhaben und hoch erhoben ist, immer höher, ohne Ende und Grenze, sogar jenseits der Ebene der überirdischen Weisheit (Chochmah).
Das Verlangen des Herzens entsteht gerade aus dieser Betrachtung: dass G‑tt jenseits jedes Gedankens ist, sogar höher als die überirdische Weisheit. Es ist der Ruf „aus den Tiefen“ des Verses in Tehillim.
Darum wird seine Seele danach verlangen und sich sehnen, Ihm, gesegnet sei Er, gegenüber in völliger Selbstaufhebung (Bittul) zu sein, das Gefängnis des Körpers, seine Hülle, zu verlassen und sich in den Schoß ihres Vaters zu ergießen.
Wenn die Seele erkennt, dass G‑tt jenseits allen Verstehens ist, sehnt sie sich danach, in Ihm aufzugehen, den Körper, der sie wie ein Gefängnis einschließt, zu verlassen und sich in den Schoß ihres Vaters zu ergießen.
משא״כ הנשמה טרם ירידתה להתלבש בגוף היתה אהבתה ודבקותה בשרשה לפ״ע [לפי ערך] השגתה וכן לענין היראה:5
Anders verhält es sich mit der Seele, bevor sie herabstieg, um in einen Körper gekleidet zu werden: Ihre Liebe und ihre Verbundenheit mit ihrer Wurzel entsprachen [dem Maß] ihres Erfassens; ebenso verhielt es sich mit ihrer Ehrfurcht.
Vor ihrem Herabstieg waren die Liebe der Seele und ihre Verbundenheit mit ihrer Wurzel durch das begrenzt, was sie von G‑tt erfassen konnte; ebenso war es mit ihrer Ehrfurcht. Das Verlangen, das daraus erwächst, dass man erkennt, dass G‑tt jenseits allen Verstehens ist, ist daher etwas Neues, das die Seele erst hier unten gewinnt.
Der Abschnitt erklärt, wie das Verlangen des Herzens aus der Betrachtung entsteht, dass G‑tt jenseits jedes Gedankens ist, und weshalb es die Liebe der Seele vor ihrem Herabstieg übersteigt, die durch ihr Erfassen begrenzt war.
Kapitel 50 von Tanya beschreibt eine Liebe „wie Flammen aus Feuer“, die aus der Betrachtung erwächst, dass alles vor G‑tt wie nichts ist. Sie führt die Seele zu Kelos hanefesh (dem Verlöschen der Seele in Sehnsucht), die sich wünscht, ihren Docht zu verlassen. Die Kehot-Anmerkung zitiert Or HaTorah: Die Seele gelangt in dieser Welt gerade durch die mitzvos, die G‑ttes Wille sind, zum Herzensverlangen, zum Willen über dem Intellekt.
Marei Mekomos
- 1ממעמקים קראתיך · Psalms 130:1
- 2אם ישים אליו לבו · Job 34:14
- 3אל חיק אביה · Tanya, Likkutei Amarim 50:6
- 4לצאת . . ולהשתפך אל חיק אביה · Tanya, Likkutei Amarim 50:6
- 5בחי׳ רעו״ד נמשך מהתבוננות זו עצמה · ”הטעם שדווקא בעוה״ז תגיע לבחי׳ רעו״ד שהו״ע הרצון שלמעלה מהשכל, נתבאר בד״ה מי מנה [לקו״ת בלק סז, ד] שהוא ע״י המצות שהם רצה״ע” — אוה״ת וישב (כרך ה) תתצ, ב ע״ש.
G‑tt im Exil „von dort aus“ finden ¶11–12
11והנה בזמן שהיה בהמ״ק [בית המקדש] קיים1 היה נמשך בחינה זו רעותא דלבא מגילוי2 אא״ס [אור אין סוף] ב״ה בהיכל קדשי קדשים3 כו׳ כמ״ש בתניא4 להיות בטל רצונו לרצונו ית׳ וכמ״ש כי תהיו לי ארץ חפץ.5
Nun wurde zur Zeit, als der Heilige Tempel stand, diese Ebene des Herzensverlangens aus der Offenbarung des unendlichen Lichts (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, im Heiligtum des Allerheiligsten herabgezogen usw., wie im Tanya erklärt, damit der eigene Wille vor Seinem Willen ganz zurücktritt; und wie geschrieben steht: „Denn ihr sollt Mir ein Land des Verlangens sein.“
Als der Tempel stand, rief die offenbare Offenbarung des unendlichen Lichts G‑ttes im Allerheiligsten dieses Herzensverlangen von selbst hervor, sodass der Wille eines Menschen vor dem Willen G‑ttes zurücktrat. Tanya vergleicht das Allerheiligste mit dem Gehirn, wo das Leben der Seele offenbart wird, bevor es sich im Körper ausbreitet; Malachis „Land des Verlangens“ bezeichnet das Volk als einen Ort der Freude G‑ttes.
אך בזמן הגלות הנה כתיב ובקשתם משם את6 ה׳ אלקיך ומצאת וגו׳ משם דייקא דהיינו כשתתבונן על ההיפוך מדרכי ה׳ איך שהוא רחוק מה׳ בתכלית הריחוק כמו עובר רצונו
Doch zur Zeit des Exils steht geschrieben: „Und von dort wirst du Havayah, deinen G‑tt, suchen und [Ihn] finden“ usw. „Gerade von dort“: Das heißt, wenn du das Gegenteil der Wege G‑ttes betrachtest, wie weit es von G‑tt entfernt ist, in größtmöglicher Ferne, etwa wenn jemand Seinen Willen übertritt;
Im Exil ist diese offenbare Offenbarung nicht mehr vorhanden, und der Vers sagt, dass wir G‑tt „von dort“ finden werden, also vom Ort des Exils selbst. „Von dort“ bedeutet, gerade das Gegenteil der Wege G‑ttes zu betrachten: etwas, das so weit von Ihm entfernt ist, wie es nur sein kann, etwa jemand, der Seinen Willen übertritt.
ומאין נשפע להם שפע וחיות להיות בהם חיות וקיום מרצונו ית׳ שרצונו ית׳ הוא המחיה אותם כמ״ש ואתה מחיה את כלם.7
Und [betrachte,] woher ihnen Überfluss und Lebenskraft zufließen, sodass sie aus Seinem Willen Leben und Bestand haben; denn Sein Wille, gesegnet sei Er, ist es, der ihnen Leben gibt, wie geschrieben steht: „Und Du gibst ihnen allen Leben.“
Dann betrachtet man, woher ein solches Wesen sein Leben erhält: Selbst das, was dem Willen G‑ttes zuwiderhandelt, empfängt Leben und Bestand aus eben diesem Willen, denn Sein Wille gibt allem Leben. Die Betrachtung kreist um dieses Paradox: Selbst das, was sich G‑tt widersetzt, lebt nur durch Ihn.
אך על זה אמרו כמה ארך אפים לפניו89 שמבחי׳ ארך אפים נמשך ונשתלשל ממדרגות עליונות דרך נפילה להחיות העכו״ם [העובדי כוכבים ומזלות] אף שהם עוברי רצונו.10
Doch darüber sagten sie: „Wie groß ist die Langmut vor Ihm“; denn aus der Ebene der Langmut (Erech Apayim) wird die Lebenskraft aus höheren Ebenen herabgezogen und stufenweise herabgeführt, auf dem Weg eines Abstiegs, um den götzendienenden Völkern Leben zu geben, obwohl sie Seinen Willen übertreten.
Die Mischna spricht von der großen Langmut G‑ttes, und der Alter Rebbe erklärt, dass die Lebenskraft für die götzendienenden Völker aus dieser Eigenschaft der Langmut herabkommt und auf dem Weg eines Abstiegs durch die höheren Ebenen herabgeführt wird. Sie empfangen Leben, obwohl sie gegen Seinen Willen handeln.
Der Absatz stellt zwei Wege gegenüber, das Herzensverlangen zu erreichen: zur Zeit des Tempels durch eine offenbare Offenbarung und im Exil „von dort“, indem man betrachtet, dass selbst das, was dem Willen G‑ttes zuwiderhandelt, aus Seinem Willen lebt.
Die Kehot-Anmerkung zitiert den Tzemach Tzedek in Or HaTorah: Das Herzensverlangen ist der Wille, der über dem Intellekt steht, wie im Maamar Mi Manah in Likkutei Torah erklärt. Or HaTorah vergleicht das Allerheiligste außerdem mit der Weisheit (Chochmah), dem Verständnis (Binah) und dem Wissen (Daas) der Welt der Schöpfung (Beriah) und sagt, dass seit der Zerstörung des Tempels die vier Ellen Halachah dieselbe Rolle spielen.
Marei Mekomos
- 1והנה בזמן שהיה בהמ״ק קיים · קטע מכאן מובא בלקו״ת נשא כד, ב. ע״ש.
- 2דלבא — מגילוי · באוה״ת יתרו שם: וגילוי.
- 3בהיכל קדשי קדשים · באוה״ת יתרו שם: ”וענין היכל קה״ק מבואר בתניא פרק נ״א ונ״ב שהוא עד״מ התגלות החיות מהנשמה במוחין שבראש ששם גילוי כללות החיות וממנו נמשך לכל הרמ״ח אברים כו׳, ועמ״ש ע״פ שבת שבתון בפי׳ קדש הקדשים שהוא ענין מה שלמעלה גם מסוכ״ע כו׳” ע״ש בארוכה עפ״י כהאריז״ל.
- 4כמ״ש בתניא · פרק נב. בבוך 1118 ובבוך 633: בלק״א. בלקו״ת נשא כד, ב מעתיק הלשון מכאן ”בסש״ב”. ”היינו כמ״ש בתניא בענין גילוי השכינה המשל מהתלבשות כללות חיות הנפש במוחי׳, וכך הוא עתה בחי׳ התלמוד כמארז״ל משחרב בהמ״ק אין להקב״ה בעולמו אלא ד״א של הלכה. והיכל ק״ק הוא כחב״ד דבריאה” — אוה״ת בראשית כרך ב ע׳ רנו סע״א ע״ש בארוכה איך זה שייך לארץ חפץ.
- 5כי תהיו לי ארץ חפץ · Malachi 3:12
- 6ובקשתם משם את ה׳ אלקיך · Deuteronomy 4:29
- 7ואתה מחי׳ את כולם · Nehemiah 9:6
- 8כמה ארך אפים לפניו · אבות ה, ב.
- 9כמה ארך אפים לפניו · Pirkei Avot 5:2
- 10בזמן שהי׳ בהמ״ק . . רעותא דלבא · באוה״ת פ׳ ראה ע׳ תשצט מוסיף ע״ז כ״ק אדמו״ר הצ״צ: פי׳ רעו״ד בד״ה מי מנה עפר יעקב שהוא הרצון שלמעלה מהשכל” עכ״ל. ראה באוה״ת בראשית כרך ה תתצט, ב. יתרו ע׳ תתקג.
12וזהו אם לעוברי רצונו כך1 לעושי רצונו על אחת כמה וכמה2 שיושפע בחינת רצון עליון שהוא למעלה מעלה מגדר עלמין
Und dies ist [die Schlussfolgerung]: Wenn es [schon] bei denen so ist, die Seinen Willen übertreten, um wie viel mehr gilt es dann für diejenigen, die Seinen Willen tun: dass die Ebene (Bechinah) des höchsten Willens herabströmt, der weit, weit über den Grenzen der Welten steht:
Der Alter Rebbe schließt vom Geringeren auf das Größere, wie es auch die Gemara tut: Wenn diejenigen, die sich dem Willen G‑ttes widersetzen, von ihm Lebenskraft erhalten, dann empfangen diejenigen, die Seinen Willen tun, erst recht mehr – den höchsten Willen selbst, der weit über allen Welten steht.
שלא בבחי׳ ירידת והשתלשלות המדרגות בבחי׳ חכמה ומדות אלא בבחי׳ פנימית נקודת הלב שהיא בחי׳ תשובה עילאה שקדמה לעולם. וזהו כי תדרשנו בכל לבבך ובכל נפשך.3
nicht durch das Herabsteigen und die stufenweise Herabfolge der Ebenen (Hishtalshelus), auf der Ebene der Weisheit (Chochmah) und der Gefühlsattribute (Middos), sondern auf der Ebene des inneren Punktes des Herzens, die die Ebene der höheren Umkehr (Teshuvah) ist, die der Welt vorausging. Und dies ist [die Bedeutung von] „wenn du Ihn mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele suchst“:
Dieser Wille kommt nicht durch die geordnete stufenweise Herabfolge der Ebenen herab, durch Verstand und Gefühl, sondern erreicht den inneren Punkt des Herzens, die Ebene der höheren Umkehr, die die Weisen zu den Dingen zählen, die der Welt vorausgingen. Deshalb sagt der Vers, man solle G‑tt „mit seinem ganzen Herzen und mit seiner ganzen Seele“ suchen.
דהיינו שיהפך לבו מן הקצה אל הקצה ואתהפכא חשוכא לנהורא ע״י בחי׳ רעותא דלבא זו למאוס בחיי עוה״ז ותענוגים ולמשוך לבו ונפשו לדבקה בו ית׳.
das heißt, dass sein Herz von einem Extrem zum anderen gewendet wird und „Dunkelheit in Licht verwandelt wird“ durch dieses Herzensverlangen: das Leben und die Genüsse dieser Welt zu verachten und sein Herz und seine Seele dazu zu bewegen, sich an Ihn, gelobt sei Er, zu klammern.
G‑tt mit ganzem Herzen zu suchen bedeutet, das Herz von einem Extrem zum anderen zu wenden und Dunkelheit in Licht zu verwandeln. Durch das Herzensverlangen kommt ein Mensch dazu, die Genüsse dieser Welt zu verachten, und richtet sein Herz und seine Seele darauf aus, sich an G‑tt zu klammern.
Der Absatz zieht die Schlussfolgerung: Wer G‑ttes Willen tut, empfängt Seinen höchsten Willen, der über allen Ebenen steht, im inneren Punkt des Herzens – durch eine vollständige Hinwendung des Herzens zu Ihm.
Marei Mekomos
- 1אם לעוברי רצונו כך · סוף מכות.
- 2אם לעוברי רצונו כך לעושי רצונו על אחת כמה וכמה · Makkot 24b:1–2
- 3כי תדרשנו בכל לבבך ובכל נפשך · Deuteronomy 4:29
Die Analogie vollendet: Cham und Canaan ¶13–14
13והנה כל זה ע״ד משל הסוחר הנ״ל שמוציא כסף וזהב מרשותו להיות מפזר ונוסף עוד.
All dies entspricht dem Gleichnis des oben erwähnten Händlers, der Silber und Gold aus seinem Besitz gibt, um „auszustreuen und dabei noch mehr hinzuzugewinnen“.
Der Alter Rebbe kehrt zu dem Händler zurück, der sein Silber und Gold aus seinem Besitz gibt, um mehr zu verdienen.
כך הנשמה אע״פ [אף על פי] שמוציאה כסף וזהב שהוא בחי׳ אהבה ויראה הגלוים להתלבש ולהסתיר בגוף ונפש הבהמית הנה עי״ז יש לה יתרון בבחי׳ רעותא דלבא כרשפי אש מן ההפוך.
So ist es bei der Seele: Obwohl sie „Silber und Gold“ – die Ebene der offenbarten Liebe und Ehrfurcht (Ahavah v'Yirah) – aus ihrem Besitz entlässt, damit diese sich in den Körper und die tierische Seele (Nefesh Habahamis) kleiden und darin verborgen werden, gewinnt sie dadurch einen Vorzug hinsichtlich des Herzensverlangens, das wie Feuerflammen aus dem Gegenteil hervorgeht.
Auch die Seele gibt ihre offenbare Liebe und Ehrfurcht, ihr „Silber und Gold“, auf, indem sie diese im Körper und in der tierischen Seele verbirgt. Im Gegenzug gewinnt sie das Herzensverlangen, eine feurige Liebe, die gerade aus dem Gegenteil der G‑ttlichkeit emporsteigt.
Der Absatz schließt das Gleichnis ab: Die Seele ist der Händler, dessen Verzicht auf die offenbarte Liebe und Ehrfurcht den größeren Gewinn des Herzensverlangens einbringt.
14וזהו וחם הוא אבי כנען1 בזקף גדול2 שחמימות רשפי אש ושלהבת העולה למעלה מההיפוך הוא העושה בחי׳ כנען לסחור כנ״ל כמ״ש טעמה כי טוב סחרה3 וגו׳.
Und dies ist [die Bedeutung von] „Cham ist der Vater Kanaans“, mit einem Zakef Gadol: Denn die Wärme (Chamimus) der Feuerflammen und der Flamme, die aus dem Gegensatz emporsteigt, ist es, die die Ebene (Bechinah) des Canaan zum Händler werden lässt, wie oben erwähnt; wie geschrieben steht: „Sie erkennt, dass ihr Handelsgut gut ist“ usw.
Im Vers trägt das Wort „Cham“ einen Zakef Gadol, ein Kantillationszeichen, das bei dem Wort eine Zäsur setzt und es nach der chassidischen Lesart emporhebt. Der Alter Rebbe hört im Wort Cham das hebräische Wort für Wärme, Chamimus: Die Wärme der Flamme, die aus ihrem Gegensatz emporsteigt, macht die Seele zu einem „Canaan“, einem Händler, dessen Handelsgut gut ist, wie Shlomo über die tüchtige Frau sagt: „Sie erkennt, dass ihr Handelsgut gut ist.“
אך מתחלה צריך להקדים בחי׳ יראה תתאה שהיא נמשכת מבחינת מלכותו ית׳ שהיא נק׳ בחי׳ כנען העליונה דקדושה שמזה יעלה ויבא ויגיע להיות בחי׳ כנען בידו מאזני מרמה להגיע לבחי׳ רעותא דלבא בחי׳ פנימית הלב כנ״ל.
Doch zuerst muss man [diesem] die Bechinah der unteren Ehrfurcht voranstellen, die aus Seiner Königsherrschaft (Malchus), gesegnet sei Er, herangezogen wird; Malchus wird die Bechinah des oberen Canaan der Heiligkeit genannt. Von dort wird man aufsteigen, kommen und die Bechinah von „Canaan: In seiner Hand sind betrügerische Waagen“ erreichen, um zur Bechinah des Herzensverlangens, zur Bechinah der inneren Dimension des Herzens, zu gelangen, wie oben erwähnt.
Bevor man dies erreicht, muss man zunächst die untere Ehrfurcht haben, die einfache Furcht vor G‑tt, die aus Seiner Malchus, Seiner Königsherrschaft, kommt; diese Malchus ist der obere, heilige Canaan. Von dieser Grundlage aus kann ein Mensch zur Ebene des Händlers mit den „betrügerischen Waagen“ aufsteigen, zum Herzensverlangen in seinem innersten Punkt.
Der Absatz liest „Cham ist der Vater Kanaans“ im Bereich der Heiligkeit: Die Wärme feuriger Liebe bringt den heiligen Händler hervor, doch der Weg beginnt mit der unteren Ehrfurcht, die aus G‑ttes Königsherrschaft, dem oberen Canaan, hervorgeht.
Einem Abschnitt in Torah Ohr zu Lech Lecha zufolge, den die Kehot-Anmerkung anführt, bezeichnet Zakef Gadol Malchus, wenn es nach oben aufsteigt, um zur Krone (Keser) zu werden.
Marei Mekomos
- 1וחם הוא אבי כנען · Genesis 9:18
- 2בזקף גדול · ראה לעיל יג, ב בענין זקף גדול, ”דהיינו כשהיא מתעלית למעלה”. קטע מכאן מובא באוה״ת פ׳ ואתחנן ע׳ קכט ע״ש.
- 3טעמה כי טוב סחרה · Proverbs 31:18
Rufen in Wahrheit ¶15
15וזהו קרוב ה׳ לכל קוראיו1 לכל אשר יקראהו באמת דהיינו באמתות נקודת לבו שהרי אנו רואים דגנבא אפום מחתרתא2 רחמנא קריא ואעפ״כ [ואף על פי כן] עומד ברשעו ואינו שב מידיעתו
Und dies ist [die Bedeutung von] „Havayah ist allen nahe, die Ihn anrufen, allen, die Ihn in Wahrheit anrufen“: Das heißt, in der Wahrhaftigkeit des innersten Punktes seines Herzens. Denn wir sehen, dass „der Dieb am Tunneleingang den Barmherzigen anruft“, und dennoch in seiner Schlechtigkeit verharrt und nicht von dem abkehrt, was er wissentlich [vorhat].
G‑tt ist denen nahe, die Ihn „in Wahrheit“ anrufen, das heißt aus dem wahren Punkt ihres Herzens. Der Alter Rebbe zeigt, warum das wichtig ist: Die Gemara sagt, ein Dieb, der kurz davor ist einzubrechen, betet zu G‑tt um Erfolg; dennoch setzt er sein Verbrechen fort und kehrt nicht von dem ab, was er wissentlich vorhat.
וגם אנו רואים שיש אפילו מי שיוליד אהוי״ר [אהבה ויראה] בלבו וחולפת ועוברת כמו אחר התפלה כנ״ל.
Und wir sehen auch, dass es jemanden gibt, der in seinem Herzen sogar Liebe und Ehrfurcht (Ahavah v'Yirah) hervorruft, die dann vergehen und schwinden, etwa nach dem Gebet, wie oben erwähnt.
Selbst jemand, der im Gebet echte Liebe und Ehrfurcht erweckt, kann erleben, dass diese Gefühle bald darauf vergehen und verschwunden sind.
והיינו מפני שאינו נתפס אלא במוחו ושכלו בבחי׳ מקיף אבל אינו נכנס לפני ולפנים שיתפעל הלב באמת לאמתו מעומקא דלבא
Und dies liegt daran, dass es nur in seinem Verstand und Intellekt erfasst wird, im Sinne eines umgebenden [Lichts] (Makif); doch dringt es nicht nach innen, bis ins Innerste vor, sodass das Herz in aller Wahrheit, aus der Tiefe des Herzens, bewegt werde.
Das liegt daran, dass das Gefühl nur im Verstand gehalten wurde, als etwas, das von außen „umgibt“, und niemals bis ins Innerste des Herzens vordrang. Das Herz wurde nicht wahrhaft aus seiner Tiefe bewegt.
Anders ist es, wenn sie Ihn in Wahrheit anrufen, das heißt aus der Tiefe des Herzens: Dann „wird die Lippe der Wahrheit für immer Bestand haben“ und niemals wanken, für immer und ewig.
Wenn ein Mensch G‑tt aus der Tiefe seines Herzens anruft, verheißt der Vers: „Die Lippe der Wahrheit wird für immer Bestand haben.“ Ein solcher Ruf währt und wankt nicht.
Der Absatz zeigt, warum das Verlangen des Herzens aus seinem innersten Punkt kommen muss: Ein Gefühl, das im Verstand verbleibt, schwindet oder kann sogar neben einer Sünde bestehen; ein Ruf aus der Tiefe des Herzens dagegen währt für immer.
Die Kehot-Anmerkung gibt den Ausspruch über den Dieb nach der Lesart des Ein Yaakov wieder.
Marei Mekomos
- 1קרוב ה׳ לכל קוראיו · Psalms 145:18
- 2דגנבא אפום מחתרתא · Berakhot 63a
- 3שפת אמת תכון לעד · Proverbs 12:19
- 4ובל תמוט עולם ועד · Psalms 104:5
Die beiden Stimmen Yaakovs ¶16–19
16והנה כתיב הקל קול יעקב1 קדמאה חסר ו׳ שהוא בחי׳ קלא דלא אשתמע וקול בתראה מלא ו׳ שהוא בחי׳ קלא דאשתמע כמ״ש בזוהר הקדוש.23
Nun heißt es: „Die Stimme ist die Stimme Yaakovs“: Das erste [kol] ist ohne ein vav geschrieben; es bezeichnet die Ebene einer Stimme, die nicht gehört wird. Das zweite kol ist mit einem vav vollständig geschrieben und bezeichnet die Ebene einer hörbaren Stimme, wie im heiligen Zohar erklärt wird.
Im Vers „Die Stimme ist die Stimme Yaakovs“ ist das erste kol ohne ein vav und das zweite mit einem vav geschrieben. Dem Zohar folgend nennt der Alter Rebbe das erste eine innere Stimme, die nicht gehört wird, und das zweite eine hörbare Stimme.
וביאור הדברים הנה בחי׳ יעקב הוא4 יו״ד עקב פי׳ שהיו״ד שהוא תחלת המחשבה ביו״ד נברא עוה״ב [עולם הבא]5 הוא נמשך לבחי׳ עקב ורגל שהוא בחי׳ הדבור.
Die Erklärung der Sache ist folgende: Die Ebene von Yaakov ist yud–akev („yud“ [und] „Ferse“). Das heißt: Der yud, der der Anfang des Denkens ist – „mit dem yud wurde die kommende Welt erschaffen“ –, wird zur Ebene der Ferse und des Fußes herabgezogen, die der Ebene der Sprache entspricht.
Der Name Yaakov wird als yud und akev gelesen, also als Buchstabe yud und als Ferse. Der yud, der kleinste Buchstabe, ist der Anfang des Denkens; durch ihn, sagen die Weisen, wurde die kommende Welt erschaffen. Er reicht hinab bis zur Ferse und zum Fuß, die für die Sprache stehen.
Und Yaakov ist [der Balken, der] „von einem Ende zum anderen hindurchläuft“, „vom Haupt aller Stufen“. Auch auf allen höheren Ebenen gibt es einen Aspekt von Haupt und Fuß,
Der Zohar bezeichnet Yaakov als den zentralen Balken des Mishkan [der Stiftshütte], der von einem Ende zum anderen verlief, von der höchsten bis zur niedrigsten Ebene. Auch auf jeder höheren Ebene gibt es ein „Haupt“ und einen „Fuß“.
כמ״ש ועמדו רגליו ביום ההוא8 וכתיב והארץ הדום רגלי9 וכתיב ומקום רגלי אכבד10 ויעקב הוא בחי׳ יו״ד עקב בכל עולם ועולם לפי ערכו.1112
wie es heißt: „Seine Füße werden an jenem Tag stehen“, und es heißt: „Die Erde ist der Schemel meiner Füße“, und es heißt: „Den Ort meiner Füße werde ich ehren.“ Und Yaakov ist die Ebene von yud–akev in jeder einzelnen Welt, entsprechend ihrem Maß.
Die Propheten sprechen von den „Füßen“ G‑ttes und Seinem „Fußschemel“; daraus geht hervor, dass es auch oben einen untersten Bereich gibt. So ist Yaakov – yud, das bis zur Ferse hinabreicht – in jeder Welt auf ihrer jeweiligen Ebene vorhanden.
Der Absatz führt die beiden Stimmen Yaakovs ein und erklärt seinen Namen als yud–akev: den Anfang des Denkens bis hinunter zur „Ferse“ herabzuziehen, und zwar in jeder Welt.
Der Kehot-Anmerkung zufolge versteht der Tzemach Tzedek in Or HaTorah „in jeder Welt ihrem Maß entsprechend“ so, dass Yaakov sogar oberhalb der Welt der Emanation (Atzilus) reicht und auch in die Welt der Schöpfung (Beriah), die Welt der Formung (Yetzirah) und die Welt des Handelns (Asiyah) hineinreicht.
Marei Mekomos
- 1הקל קול יעקב · Genesis 27:22
- 2כמ״ש בזהר הקדוש · באוה״ת וישב כרך ה תתצד, ב מציין עיין ח״א ד״ן ע״ב ל״ב א׳ ויצא קנ״א סע״א וישלח קע״א ע״א . . ויגש רי, א. תורת שמואל מצה זו תר״מ סעי׳ כ ואילך.
- 3הקדוש · בבוך 633 ליתא תי׳ זה.
- 4יעקב הוא י׳ עקב · נסמן לעיל כא, א.
- 5ביו״ד נברא עוה״ב · Menachot 29b:13–14
- 6ויעקב הוא מבריח מן הקצה אל הקצה · Zohar III, 186a
- 7עקב ורגל . . ראש ורגל · הקטע עד שו״ה בחינת — ראש ורגל ליתא בבוך 633.
- 8ועמדו רגליו ביום ההוא · Zechariah 14:4
- 9והארץ הדום רגלי · Isaiah 66:1
- 10ומקום רגלי אכבד · Isaiah 60:13
- 11הנה בחי׳ יעקב . . בכל עולם ועולם לפי ערכו · באוה״ת פ׳ כי תצא ע׳ תתעו מביא קטע מכאן.
- 12ויעקב . . בכל עולם ועולם לפי ערכו · באוה״ת וישב (כרך ה) תתצה, א: ומש״ר בכל עולם ועולם לפי ערכו י״ל דהיינו שבחי׳ יעקב שייך גם למעלה מאצי׳ . . וגם בפי׳ בכל עולם לפי ערכו היינו גם בבי״ע.
17והנה בחינת קלא דאשתמע הוא בחי׳ התורה שהוא בחי׳ המשכה כמשל הקול המחבר וממשיך מצפוני כוונת הלב לבא לידי גילוי בדבור וכך התורה היא בחי׳ חכמה עילאה בחי׳ חכים ולא בחכמה ידיעא
Nun ist die Ebene der hörbaren Stimme die Ebene der Torah, die eine Ebene des Herabführens ist, wie im Gleichnis die Stimme die verborgenen Absichten des Herzens verbindet und herabführt, sodass sie in der Rede offenbar werden. So ist die Torah die Ebene der höchsten Weisheit (Chochmah), die Ebene von „weise, aber nicht mit einer bekannten Weisheit“.
Die hörbare Stimme ist die Torah: So wie die Stimme die verborgenen Gedanken des Herzens in die Rede trägt, führt die Torah G‑ttes verborgene Weisheit in die Offenbarung herab. Die Torah ist die höchste Weisheit (Chochmah), von der es in Eliyahus Gebet im Tikkunei Zohar heißt, G‑tt sei „weise, aber nicht mit einer bekannten Weisheit“.
שהרי טעמי המצות לא נתגלו להיות בהתגלות רב להבין כל עמקי סודותיה בפרטי פרטות ונמשכה לבחי׳ גילוי ע״י התלבשותה בדברים גשמיים סדר זרעים מועד וכו׳.
Denn die Gründe der mitzvos sind nicht in großem Maße offenbart worden, sodass man alle Tiefen ihrer Geheimnisse bis ins kleinste Detail verstehen könnte; vielmehr wurde die Torah durch ihre Einkleidung in körperliche Dinge zur Offenbarung herabgeführt: in die Ordnung Zeraim, Moed usw.
Darum sind die Gründe der mitzvos nicht vollständig offenbart. Stattdessen gelangt die Torah zur Offenbarung, indem sie sich in körperliche Dinge kleidet: in die Gesetze über die Landwirtschaft, die Festzeiten und die übrigen Ordnungen der Mishnah.
Der Absatz setzt die hörbare Stimme mit der Torah gleich: G‑ttes verborgene Weisheit wird durch ihre Einkleidung in die körperlichen Gegenstände des Gesetzes offenbar.
18והוא בחי׳ קול והמשכה של יעקב יו״ד עקב דהיינו מבחי׳ יו״ד שהוא חכמה עילאה להיות נמשך עד עקב והוא עשי׳ [עשיה].
Und dies ist die Ebene der Stimme und der Herabführung von Yaakov, yud–akev: das heißt, von der Ebene des yud, also der oberen Weisheit (Chochmah), bis zur Ferse herabgeführt zu werden; die Ferse ist die Welt des Handelns (Asiyah).
Die hörbare Stimme Yaakovs ist das yud der oberen Weisheit, das bis hinab zur Ferse reicht, zur Welt Asiyah, der niedrigsten Welt des Handelns.
אך כדי שיהיה האדם כלי ומכון שיהיה חכמה עילאה שורה ומתגלה בו בעסק התורה צריך להיות תחלה בבחי׳ בטול בבחי׳ רעותא דלבא
Damit ein Mensch jedoch ein Gefäß und eine Stätte sein kann, in der die obere Weisheit beim Lernen der Torah ruht und offenbart wird, muss er zuerst auf der Ebene der Selbstaufhebung (Bittul), auf der Ebene des Verlangens des Herzens, stehen,
Damit die obere Weisheit beim Lernen der Torah in einem Menschen ruhen kann, muss er zuerst in einem Zustand des Bittul, der Selbstaufhebung, und des Verlangens des Herzens sein. Dies ist die ungehörte Stimme, die zuerst kommen muss.
והוא בחי׳ קלא דלא אשתמע דרוח אמשיך רוח1 להיות אור ה׳ שורה ומתגלה בו להיות חכמת ה׳ בקרבו בהתגלות וחב״ד [וחכמה בינה ודעת] שבנפשו בטלים וטפלים אליו והוא ענין אתדבקות רוחא ברוחא.
was die Ebene der ungehörten Stimme ist; denn „Geist zieht Geist an“, sodass das Licht G‑ttes in ihm ruht und offenbart wird, damit die Weisheit G‑ttes in ihm offenbar sei und die Chochmah, das Verständnis (Binah) und das Wissen (Daas) seiner Seele Ihm gegenüber aufgehoben und Ihm untergeordnet seien. Und darum geht es bei „dem Anhaften des Geistes an den Geist“.
Der Sohar sagt: „Geist zieht Geist an“: Das innere Verlangen zieht das Licht und die Weisheit G‑ttes herab, sodass sie im Menschen offenbart werden. Sein eigener Intellekt, seine Chochmah, Binah und Daas, wird diesem gegenüber aufgehoben; dies ist das Anhaften des Geistes an den Geist.
Der Absatz verbindet die beiden Stimmen: Die hörbare Stimme der Torah kann in einem Menschen nur ruhen, nachdem die ungehörte Stimme – das Verlangen des Herzens und die Selbstaufhebung – ihn zu einem Gefäß gemacht hat.
Marei Mekomos
- 1דרוח אמשיך רוח · Zohar II, 162b
19וע״ז נאמר אלוהי בקרבי וכתיב ואשים דברי בפיך.1 דברי ממש כי דבר ה׳ זו הלכה2 היא היא הנגלית בו והיא המדברת מתוך גרונו.
Und darüber heißt es: „Mein G‑tt ist in meinem Innern“, und es steht geschrieben: „Und Ich habe Meine Worte in deinen Mund gelegt.“ „Meine Worte“ ganz wörtlich, denn „das Wort Havayah – das ist Halachah“; eben dies wird in ihm offenbar, und eben dies spricht aus seiner Kehle.
Wenn ein Mensch in dieser Weise in Selbstaufhebung (Bittul) vor G‑tt steht, ist G‑tt „in“ ihm, und G‑ttes eigene Worte sind in seinem Mund. Die Gemara liest das „Wort Havayah“ bei Amos als Halachah; so wird G‑ttes Wort in ihm offenbar und spricht aus seiner Kehle.
Daher heißt es von der Torah: „Durch mich herrschen Könige“, und wir sagen: „Wer sind die Könige? Die Rabbiner“, und: „Die Mishnah ist eine Königin.“
Darum sagt die Weisheit, die Torah: „Durch mich herrschen Könige“; die Gemara nennt die Rabbiner „Könige“, und die Mishnah wird „Königin“ genannt.
כי להיותו בביטול אל דבר ה׳ ורצונו וחכמתו ואינו תופס מקום מצד עצמו כלל הנה דבר המלך הוא השלטון6 והוא בחי׳ מלך שגוזר ואומר שאם יטעון ראובן כך כו׳ יהיה כך.
Denn da er gegenüber dem Wort G‑ttes, Seinem Willen und Seiner Weisheit in Bittul steht und von sich aus überhaupt keinen eigenen Raum beansprucht, gilt: „Das Wort des Königs ist souverän“; er steht auf der Ebene eines Königs, der verfügt und sagt: Wenn Reuven dies und jenes vorbringt usw., soll es so sein,
Weil der Gelehrte gegenüber G‑ttes Wort, Willen und Weisheit in Bittul steht und keinen eigenen Anspruch erhebt, trägt sein Urteil G‑ttes Autorität: Wie ein König, dessen Wort Gesetz ist, entscheidet er, dass, wenn Reuven etwas Bestimmtes vorbringt, das Urteil so ausfällt.
וכן לעשות כך ושלא לעשות כך וכו׳ ואינו בבחי׳ עבד כ״א בעשיית המצות שהוא כעבד המקיים מצות המלך ועושה דבריו:7
und ebenso, so zu handeln und nicht so zu handeln usw. Und er steht nicht auf der Ebene eines Dieners, außer bei der Ausführung der mitzvos, bei der er wie ein Diener ist, der die Befehle des Königs ausführt und dessen Worte verwirklicht.
Er entscheidet auch, was erlaubt und was verboten ist. Beim Toralernen ist er ein König; nur bei der Ausführung der mitzvos ist er ein Diener, der die Befehle des Königs ausführt.
Der Absatz zeigt das Ergebnis der Selbstaufhebung gegenüber der Weisheit G‑ttes: G‑ttes Wort spricht durch den Gelehrten, der in der Torah als König urteilt, während er bei den mitzvos ein Diener ist.
Marei Mekomos
- 1ואשים דברי בפיך · Isaiah 51:16
- 2דבר ה׳ זו הלכה · Shabbat 138b:11–12
- 3בי מלכים ימלוכו · Proverbs 8:15
- 4מאן מלכי רבנן · Gittin 62a:14
- 5ומתניתא מלכתא · ראה לקמן מט, ב.
- 6דבר המלך הוא השלטון · Ecclesiastes 8:4
- 7כעבד המקיים מצות המלך ועושה דבריו · מובא בלקו״ש חט״ו ע׳ 315 ומציין שם בהערה 38 ”ולהעיר מתניא פכ״ג”. וראה גם לקו״ש חי״ט ע׳ 401. וראה בד״ה שלום רב תשל״ח בסופו.
Der Vers erklärt: zwei Arten des Niederlassens ¶20–22
20וזהו וישב יעקב בארץ מגורי אביו. וישב הוא ענין השפלה וירידה ממקום עמידתו. ופי׳ שבחי׳ יעקב יו״ד עקב נמשך ונשפל להיות בארץ מגורי אביו.
Und dies ist [die Bedeutung von] „Und Yaakov ließ sich im Land der Aufenthaltsorte (megurei) seines Vaters nieder.“ „Sich niederlassen“ (vayeshev) bezeichnet ein Herabsinken und einen Abstieg von dem Ort, an dem man stand. Gemeint ist, dass die Ebene Yaakovs, yud–akev, herabgezogen und herabgesenkt wird, um im „Land der megurei seines Vaters“ zu sein.
Nun wird der Eingangssatz erklärt. „Sich niederlassen“ bedeutet, von seinem Ort herabzusinken: Yaakov, das yud, das bis zur Ferse hinabreicht, wird herabgezogen und herabgesenkt, in „das Land der megurei seines Vaters“.
ומגורי יש בו ב׳ פי׳ הא׳ הוא לשון יראה1 והב׳ הוא לשון אוצר2 כמו מגורה מלאה פירות34 שהוא כלי שאוצרין לתוכו ושניהם עולים בקנה אחד כי יראת ה׳ היא אוצרו5 כתיב.
Megurei hat zwei Bedeutungen: Die erste ist ein Ausdruck für Furcht, die zweite ein Ausdruck für einen Speicher, wie in „ein Getreidespeicher (megurah) voller Erzeugnisse“, ein Gefäß, in dem [Erzeugnisse] aufbewahrt werden; beide Bedeutungen gehören zusammen, denn es heißt: „Die Furcht vor Havayah ist Sein Schatz.“
Das Wort megurei hat zwei Bedeutungen: Furcht, wie in magor (Schrecken), und Speicher, denn ein Getreidespeicher wird megurah genannt. Beide Bedeutungen gehören zusammen, weil es im Vers heißt: „Die Furcht vor Havayah ist Sein Schatz.“
Der Absatz beginnt mit der Auslegung des Eingangssatzes: Yaakovs Niederlassen ist ein Herabsinken, und megurei bedeutet sowohl Furcht als auch Speicher, denn Ehrfurcht ist das Gefäß, das G‑ttes Schatz enthält.
Gemäß der Anmerkung von Kehot zeigte der Rebbe im Maamar Schalom Rav 5738, dass beide Bedeutungen auf das Or Torah des Maggid of Mezritch zurückgehen: megurei als Furcht vor dem Vater im Himmel und als Einbringen, wie in „er sammelt im Sommer ein“.
Marei Mekomos
- 1ומגורי . . לשון יראה · Zohar I, 180a
- 2והב׳ הוא לשון אוצר · Proverbs 10:5
- 3מגורה מלאה פירות · פסחים ד, רע״ב. וש״נ.
- 4מגורה מלאה פירות · Pesachim 4b:1–2
- 5יראת ה׳ היא אוצרו · Isaiah 33:6
21וכן בדברי רז״ל [רבותינו זכרונם לברכה] אוצר של יראת שמים1 שהיא בחי׳ יראה עילאה יראה בשת בבחי׳ בטול הוא כלי קבול לחכמה עילאה שיהא שורה ומתגלה בו
Und ebenso heißt es in den Worten unserer Weisen, ihres Andenkens zum Segen: „eine Schatzkammer der Furcht vor dem Himmel“ – die Ebene höherer Ehrfurcht, der Ehrfurcht aus Scham, auf der Ebene der Selbstaufhebung (Bittul). Sie ist ein Empfangsgefäß für die Weisheit (Chochmah) der höchsten Ebene, damit diese in ihr ruhen und offenbar werden kann.
Die Weisen sprechen von einer „Schatzkammer der Furcht vor dem Himmel“. Dies ist die höhere Ehrfurcht, die Ehrfurcht aus Scham vor der Größe G‑ttes; sie ist Bittul und das Gefäß, in dem die höchste Chochmah ruhen und offenbar werden kann.
ונקרא מגורי אביו כי יעקב הוא בחי׳ יו״ד עקב הוא בחי׳ הארה והמשכה מבחי׳ חכמה עילאה להמשיך עד סוף כל דרגין. ובחי׳ חכמה עילאה נק׳ אביו.2
Und sie wird „Megurei [Wohnstätten] seines Vaters“ genannt, denn Yaakov ist die Ebene von Yud-Akev [Jod-Ferse]; er ist die Ebene einer Ausstrahlung und Herableitung aus der höchsten Chochmah, um [sie] bis ans Ende aller Stufen herabzuziehen. Und die höchste Chochmah wird „sein Vater“ genannt.
Diese Ehrfurcht wird „Megurei seines Vaters“ genannt, weil Yaakov die Herableitung der höchsten Chochmah bis zur niedrigsten Ebene ist und die höchste Chochmah „sein Vater“ genannt wird. So ist „das Land der Megurei seines Vaters“ die höhere Ehrfurcht, die die Weisheit seines Vaters aufnimmt.
Der Absatz erklärt „Megurei seines Vaters“ als die höhere Ehrfurcht der Selbstaufhebung, die Schatzkammer, welche die höchste Chochmah aufnimmt, Yaakovs „Vater“.
Der Rebbe merkte an (Sefer HaMaamarim Melukat), dass Torah Ohr die höchste Chochmah „sein Vater“ und nicht einfach „Vater“ nennt. Dies deutet darauf hin, dass damit Yaakovs eigener Vater gemeint ist.
Marei Mekomos
- 1בדברי רז״ל אוצר של יראת שמים · Berakhot 33b:24
- 2ובחי׳ חכמה עילאה נק׳ אביו · ”י״ל דבלשון התו״א ד”ח״ע נק׳ אביו” (ולא ”נק׳ אב”) — מרומז גם שח״ע נק׳ ”אביו” דיעקב. (סה״מ מלוקט ח״ב ע׳ רז בהערה 104).
22והנה זה הוא בבחי׳ יחודא עילאה ואתדבקו׳ רוחא ברוחא בעסק התורה להיות בטל אליו ית׳ בבחי׳ חכמה עילאה כנ״ל.
Nun, dies gehört zur Ebene der höheren Einheit (Yichuda Ila'ah) und zur Verbindung von Geist mit Geist beim Studium der Torah: Ihm, gelobt sei Er, gegenüber in Selbstaufhebung (Bittul) zu stehen, in der Ebene der erhabenen Weisheit (Chochmah), wie oben erwähnt.
Alles bisher Gesagte gehört zur höheren Einheit (Yichuda Ila'ah), in der der Mensch beim Torastudium G‑tt gegenüber aufgehoben ist und sein Geist sich mit G‑ttes Geist verbindet. In dieser Einheit gilt die Welt als nichts vor G‑tt.
אך בבחי׳ יחודא תתאה דהיינו להיות כלי ומכון לשבתו ית׳ בבחי׳ קיום העולם בבחי׳ מלכותו שיהיה גם בזה שורה ומתגלה בחי׳ ה׳ אחד.
Doch in der Ebene der unteren Einheit (Yichuda Tata'ah), das heißt, ein Gefäß und ein Ort für Sein Wohnen, gelobt sei Er, zu sein – in der Ebene des Bestehens der Welt, in der Ebene Seiner Königsherrschaft (Malchus) –, damit auch darin die Ebene „Havayah ist Einer“ ruhe und offenbar werde:
Es gibt auch die untere Einheit (Yichuda Tata'ah): Das fortdauernde Bestehen der Welt, das aus G‑ttes Königsherrschaft (Malchus) hervorgeht, wird zu einer Wohnstätte für Ihn gemacht. Ziel ist, dass die Einheit G‑ttes in der Welt selbst offenbar wird.
הנה זה נמשך ע״י ישיבה והשפל׳ [והשפלה] אחרת ממדתו של יעקב להמשיך מדת חסד מראש כל דרגין עד סוף כל דרגין בארץ התחתונה הוא כנען שהוא בחי׳ מלכותו ית׳ ומלך במשפט יעמיד ארץ1 והוכן בחסד כסא.2
Dies wird durch ein weiteres Sich-Niederlassen und eine weitere Herablassung der Eigenschaft Yaakovs herabgezogen: die Eigenschaft der Güte (Chesed) vom Haupt aller Stufen bis ans Ende aller Stufen herabzuziehen, in das untere Land, das Canaan ist und die Ebene Seiner Königsherrschaft darstellt, gelobt sei Er; und „Ein König festigt das Land durch Recht“, und „durch Güte wird der Thron gefestigt“.
Dazu bedarf es eines weiteren „Sich-Niederlassens“ und einer weiteren Herablassung Yaakovs: Güte (Chesed) wird von der höchsten bis zur niedrigsten Ebene herabgezogen, in das untere Land, Canaan, das G‑ttes Königsherrschaft ist. Die Verse sagen, dass der König das Land durch Recht erhält und sein Thron durch Güte gefestigt wird.
שקיום העולם הוא בחסד כמ״ש עולם חסד יבנה3 דהיינו בעשיית המצות בכלל ששרשם הוא בחי׳ חסד ובפרטות הוא מצות הצדקה וחסד שלכן היא נקראת בשם מצוה סתם כו׳ שהיא שקולה כנגד כל המצות4 כמ״ש בתניא:5
Denn das Bestehen der Welt geschieht durch Güte, wie geschrieben steht: „Die Welt wird durch Güte erbaut“; das heißt, durch die Erfüllung der mitzvos im Allgemeinen, deren Wurzel die Ebene des Chesed ist, und im Besonderen durch die Mitzvah der Wohltätigkeit und Güte. Deshalb wird sie schlicht „die Mitzvah“ genannt usw., denn sie ist allen mitzvos gleichwertig, wie im Tanya erklärt wird.
Die Welt besteht durch Güte: im Allgemeinen durch alle mitzvos, deren Wurzel Chesed ist, und im Besonderen durch Wohltätigkeit. Deshalb wird Wohltätigkeit von den Weisen schlicht „die Mitzvah“ genannt, und deshalb ist sie allen mitzvos gleichwertig, wie Tanya erklärt.
Der Abschnitt beantwortet die Frage nach der doppelten Formulierung: „megurei seines Vaters“ [die Wohnstätten seines Vaters] bezeichnet die höhere Einheit, die durch Torah und Ehrfurcht erreicht wird; „das Land Canaan“ bezeichnet die untere Einheit, in der durch die mitzvos, vor allem durch Wohltätigkeit, Güte in die Welt herabgezogen wird.
Die Kehot-Anmerkung berichtet, dass zwei Handschriften einen Schluss hinzufügen: besonders Wohltätigkeit, die dem Heiligen Land selbst gegeben wird, das das Tor des Himmels ist und dem überirdischen Land Canaan entspricht.
Marei Mekomos
- 1ומלך במשפט יעמיד ארץ · Proverbs 29:4
- 2והוכן בחסד כסא · Isaiah 16:5
- 3עולם חסד יבנה · Psalms 89:3
- 4שהיא שקולה כנגד כל המצות · Bava Batra 9a:12
- 5מצות הצדקה . . שהיא שקולה כנגד כל המצות כמ״ש בתניא · בלקו״א פרק לז. בבוך 633 (יב, ב) ובבוך 1118 נוסף בסיום המאמר: ”ובפרט בצדקה שעושים עם אה״ק ממש שהוא שער השמים ומכוונת כנגד ארץ כנען העליונה כמו שאה״כ כעיר שחוברה לה יחדיו וד״ל”.
Den Maamar abgeschlossen?
Markieren Sie ihn als gelernt; er zählt zum Siyum dieser Woche und des Jahres.
In der eigenen Avodah
Miss deine Verbindung mit G‑tt nicht daran, wie viel Liebe und Ehrfurcht du empfindest: Die Seele kam gerade deshalb hinab, um ein tieferes Verlangen zu erreichen, das aus der Tiefe des Herzens kommt, wenn man darüber nachdenkt, dass G‑tt jenseits allen Denkens ist – selbst angesichts dessen, was Ihm fern zu sein scheint. Bevor du Torah lernst, stelle dein eigenes Selbst zurück (Bittul), damit G‑ttes Weisheit in dir ruhen kann; und bringe Seine Güte durch die mitzvos in die Welt, vor allem durch Zedaka.
Fragen zum Gespräch
- Warum ist ein Kaufmann, der scheinbar sein Geld „verliert“, das passende Bild für das Hinabsteigen der Seele in den Körper?
- Worin unterscheidet sich das Verlangen des Herzens von der Liebe und Ehrfurcht, die die Seele vor ihrem Hinabkommen empfand, und warum ist es höher?
- Was bedeutet es, G‑tt im Exil „von dort aus“ zu finden, indem man darüber nachdenkt, was Ihm entgegengesetzt ist?
- Warum muss die unhörbare Stimme der Selbstaufhebung der hörbaren Stimme des Torah-Lernens vorausgehen?
- Wie entsprechen „die Megurei seines Vaters“ und „das Land Canaan“ der höheren und der unteren Einheit?