Torah Ohr · Parshas Vayigash · Maamar 1
ויגש אליו יהודה ויאמר בי אדוני וגו׳
„Und Yehudah trat zu ihm hin“
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Kerngedanke
Was in der gegenwärtigen Ordnung am niedrigsten steht – die Erde und Yehudah, der empfängt –, ist am höchsten verwurzelt: Es steht zuerst in G‑ttes Gedanken, und seine Selbstaufhebung entspringt dieser Wurzel, der Selbstlosigkeit des Gedankens selbst. Das hölzerne Mischkan [Zelt-Heiligtum] folgte der heutigen Ordnung, in der der Gebende über dem Empfangenden steht; der steinerne Beis HaMikdash [Tempel] nahm die Zukunft vorweg, wenn Malchus (die Königsherrschaft) zur „Krone ihres Mannes“ wird und Yehudah sich über Yosef erhebt.
Der Maamar in Kürze
Der Maamar fragt, warum das Mischkan [Zelt-Heiligtum] hauptsächlich aus Holz gebaut war, während Erde nur seinen Boden bildete, während der Beis HaMikdash [Tempel] aus Stein und Erde gebaut war und Zedernbalken nur als Stützen dienten. Von den vier Reichen – dem Unbelebten, den Pflanzen, den Tieren und den sprechenden Wesen – steht das Unbelebte am niedrigsten; dennoch lässt die Erde alles Wachstum hervorsprießen. Der Grund dafür ist: Was im Tun zuletzt kommt, steht im Gedanken zuerst. Bei der Schöpfung kamen die Himmel zuerst, doch in G‑ttes Gedanken ging die Erde allem voraus. Ihre Niedrigkeit, da jeder Fuß sie zertritt, spiegelt die Selbstaufhebung des Gedankens selbst wider, Chashav mah. Das Mischkan, eine vorübergehende Wohnstätte, folgte der gegenwärtigen Ordnung: Erde unten, hölzerne Wände darüber, Vorhänge und Felle über allem. Der Beis HaMikdash, eine dauerhafte Wohnstätte und ein Vorgeschmack auf die Zukunft, war aus Stein, denn dann wird Malchus, die „Erde“, zur „Krone ihres Mannes“. Yosef, „Zugabe“, ist die wachsende Zeder, die Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin); Yehudah, „Anerkennung“, ist die selbstaufgehobene Erde, Malchus. Heute tritt Yehudah an Yosef heran, um zu empfangen; in der Zukunft werden sie eins sein und Yehudah wird sich erheben, wie die zwei Stäbe Yechezkel und die Königsherrschaft Davids voraussagen. Yeravam, dem diese Demut fehlte, weigerte sich, David zu folgen.
Gliederung
- Die Frage: Holz und SteinWarum wurde das Mischkan hauptsächlich aus Holz gebaut, während Erde nur unter den Füßen war, das Beis HaMikdash dagegen aus Stein und Erde und Holz nur als Stütze?¶1
- Im Tun zuletzt, im Gedanken zuerstDie Erde steht unter den vier Reichen am niedrigsten und lässt dennoch alles Wachstum hervorsprießen, weil sie in G‑ttes Gedanken zuerst kam, obwohl bei der Schöpfung die Himmel zuerst erschaffen wurden.¶2–3
- Das Mischkan und die gegenwärtige OrdnungDas vorübergehende Mischkan folgte der Ordnung der Welten, wie sie heute herabsteigen: Erde als Boden, Zedernwände darüber, Vorhänge und Felle über allem; der Beis HaMikdash, G‑ttes dauerhaftes Haus, nahm die Zukunft vorweg.¶4–6
- Der Beis HaMikdash und die zukünftige OrdnungDer Beis HaMikdash war aus Stein, weil Malchus, die „Erde“, zur Krone werden wird; die Selbstaufhebung der Erde entspringt ihrer Wurzel im Gedanken. Deshalb war Holz im Tempel ein Mangel, und deshalb ist die Verbeugung im Gebet „unbelebt“.¶7–8
- Yosef und YehudahYosef, die wachsende Zeder, ist Zeir Anpin; Yehudah, die selbstaufgehobene Erde, ist Malchus. Heute tritt Yehudah an Yosef heran, um zu empfangen, doch in der Zukunft wird sich Malchus, gegründet auf die Weisheit (Chochmah), über ihn erheben.¶9–12
- Die zwei Stäbe, Yeravam und die KundschafterYechezkels zwei Stäbe sagen die Vereinigung von Yosef und Yehudah unter David voraus; Yeravam und den Kundschaftern fehlte die Demut, die nötig war, um die Erhebung der „Erde“ anzunehmen.¶13–15
Schlüsselbegriffe
- Unbelebtes, pflanzliches, tierisches und sprechendes Leben (domem, tzomeach, chai, medaber)דומם צומח חי מדבר
- Die vier Reiche, die in jeder Welt vorhanden sind. In der gegenwärtigen Ordnung steht jedes über dem vorhergehenden, doch die unbelebte Erde hat die höchste Wurzel.
- Im Tun zuletzt, im Gedanken zuerstסוף מעשה במחשבה תחלה
- Was zuletzt vollendet wird, war zuerst beabsichtigt. Die Erde, die bei der Schöpfung zuletzt kam, stand zuerst in G‑ttes Gedanken, während die Himmel, die bei der Schöpfung zuerst kamen, im Gedanken zuletzt kamen.
- Vorübergehende und dauerhafte Wohnstätteדירת עראי / דירת קבע
- Das Mischkan war G‑ttes vorübergehende Wohnstätte und folgte der gegenwärtigen Ordnung; der Beis HaMikdash war Seine dauerhafte Wohnstätte und ein Vorgeschmack auf die Zukunft.
- Selbstaufhebung (Bittul)ביטול
- Das eigene Selbstgefühl zurückzustellen. Die Erde, die unter den Füßen zertrampelt wird, verkörpert dies, und sie steht über Liebe und Ehrfurcht (Ahavah v'Yirah) der Gefühlsattribute.
- Chashav mah und Koach mahחשב מ״ה / כח מ״ה
- Ein Wortspiel mit Machshavah (Gedanke) und Chochmah (Weisheit): Beide enthalten mah, „was“ – die Selbstzurücknahme in Moshes Worten: „Und was sind wir?“
- Eine tüchtige Frau ist die Krone ihres Mannesאשת חיל עטרת בעלה
- Malchus, die Empfangende, wird in der Kommenden Zeit aufsteigen und zur Krone über Zeir Anpin, dem Gebenden, werden.
- Abba gründete die Tochterאבא יסד ברתא
- Malchus („untere Ehrfurcht“) ist auf Chochmah („höhere Ehrfurcht“) gegründet; in der Zukunft wird sie sich zu dieser Quelle erheben.
Die Frage: Holz und Stein ¶1
1ויגש אליו יהודה1 ויאמר בי2 אדוני וגו׳. הנה כתיב קורות בתינו ארזים3 וגו׳. והנה י״ל [יש לומר] ההפרש בין המשכן לבית עולמים4 שהמשכן הי׳ [היה] מארזים
„Und Yehudah trat zu ihm und sagte: ‚Bitte (bi), mein Herr‘“ usw. Nun steht geschrieben: „Die Balken unserer Häuser sind Zedern“ usw. Nun lässt sich [sagen, dass] der Unterschied zwischen dem Mishkan (dem tragbaren Heiligtum in der Wüste) und dem Ewigen Haus (Beis Olamim) darin besteht, dass der Mishkan aus Zedernholz bestand,
Der Maamar beginnt mit dem Vers, in dem Yehudah vortritt, um sich bei Yosef für Binyamin einzusetzen, den die Brüder noch nicht erkennen. Sein erstes Wort, bi, ist eine Bitte: „bitte“, wörtlich jedoch „in mir“ – auf diesen Sinn wird der Maamar in Absatz 11 zurückkommen. Daneben stellt der Maamar einen Vers aus dem Hohelied über Häuser, deren Balken aus Zedern sind, und fragt, worin sich der Mishkan, das tragbare Heiligtum in der Wüste, vom Beis HaMikdash (dem Tempel in Jerusalem), dem beständigen „Ewigen Haus“, unterscheidet. Als Erstes wird dabei festgestellt, dass der Mishkan aus Holz gebaut war.
כמ״ש עצי שטים עומדים5 והמכסה הי׳ [היה] מיריעות עזים ועורות אילים ועורות תחשים כו׳ והבהמ״ק [והבית המקדש] הי׳ [היה] מאבנים ועפר דוקא6
wie geschrieben steht: „Akazienholz, aufrecht stehend“, und die Decke bestand aus Ziegenhaarvorhängen sowie aus Widderhäuten und Tachashhäuten usw.; der Beis HaMikdash hingegen war eigens aus Steinen und Erde gebaut
Der Vers „Akazienholz, aufrecht stehend“ beschreibt die aufrecht stehenden Bretter, die die Wände des Mishkan bildeten; der Maamar nennt sie „Zedern“, und die Weisen zählen die Akazie zu den Zedernarten. Über den Wänden lagen Vorhänge aus Ziegenhaar und Decken aus Widder- und Tachashhäuten, während der Beis HaMikdash aus Stein und Erde gebaut war.
(שאסור לעשות בו עץ בולט7 ואכסדראות של עץ89 כמ״ש הרמב״ם [הרבי משה בן מימון]10 פ״א מהל׳ [מהלכות / מהלכה] בית הבחירה וע׳ בס׳ החינוך מצוה תצ״ב) רק שהיו כלונסאות של ארז1112 בתקרת האולם כו׳
(denn es ist verboten, darin hervorstehendes Holz oder Holzsäulengänge anzubringen, wie der Rambam in Kapitel 1 der Gesetze des Erwählten Hauses schreibt; siehe auch Sefer HaChinuch, mitzvah 492), außer dass sich Zedernbalken an der Decke des Ulam (der Halle) befanden usw.
In einer Klammer merkt der Alter Rebbe an, dass es nach dem Gesetz verboten ist, den Beis HaMikdash mit hervorstehendem Holz oder Holzsäulengängen zu bauen, wie der Rambam entscheidet und Sefer HaChinuch erörtert. Das einzige Holz darin waren einige Zedernbalken an der Decke des Ulam, der Eingangshalle vor dem Heiligtum.
וצ״ל זה מפני מה במשכן היו הארזים עיקר בבנין והעפר הי׳ [היה] רק בקרקע המשכן למטה.13
Und dies bedarf des Verständnisses: Warum bildeten im Mishkan die Zedern den Hauptteil des Bauwerks, während die Erde nur unten den Boden des Mishkan bildete?
Die Frage des Maamar lautet: Warum war Holz das Hauptbaumaterial des Mishkan, während Erde nur als Boden unter ihm vorkam?
ובמקדש נהפוך הוא שהיו האבנים והעפר העיקר שאפי׳ [שאפילו] הגג הי׳ [היה] מהן ולא היו עצים רק כלונסאות של ארז הנ״ל שהיו טפלים לעיקר הבנין.14
Im Beis HaMikdash war es umgekehrt: Die Steine und die Erde bildeten den Hauptteil, sodass sogar das Dach aus ihnen bestand; Holz gab es nur in Form der oben erwähnten Zedernbalken, die gegenüber dem Hauptbauwerk nebensächlich waren.
Im Beis HaMikdash waren die Verhältnisse umgekehrt. Stein und Erde bildeten das gesamte Gebäude, sogar das Dach, und die Zedernbalken waren lediglich eine Ergänzung zum steinernen Bau.
Der Absatz stellt die Frage des Maamar: Der Mishkan war hauptsächlich aus Holz gebaut, während Erde nur den Boden unter ihm bildete; der Beis HaMikdash hingegen war aus Stein und Erde gebaut, Holz diente nur als nebensächliche Stütze.
Die Kehot-Anmerkungen verzeichnen zwei weitere Abschriften dieses Maamar im Sefer HaMaamarim 5565. Eine davon beginnt mit dem Vers „Die Balken unserer Häuser sind Zedern“, den der Tzemach Tzedek, wie er feststellt, offenbar gemäß dem Targum auf den Tempel Shlomos bezieht. In jener Abschrift wird der Hinweis, dass der Mishkan nur am Boden aus Erde bestand, durch den Vers „und von der Erde, die auf dem Boden des Mishkan ist“ belegt. Der Maamar „Vayigash“ des Rebbe aus dem Jahr 5746 fragt, wie dies den Punkt beweist, da dieser Vers zum Gesetz über das Sotah-Wasser gehört, das auch im Beis HaMikdash galt. Die Anmerkungen fügen hinzu, dass der Ra’avad dem Urteil des Rambam zustimmt, wonach Holz im Beis HaMikdash verboten ist, wie der Kesef Mishneh zeigt.
Marei Mekomos
- 1ויגש אליו יהודה · ב׳ הנחות אחרות בסה״מ תקס״ה ע׳ קמב ואחד מתחיל ”קורות בתינו ארזים”. ראה לעיל בציונים לכ״ק אדמו״ר זי״ע. וראה אודות מאמר זה רשימת המאמרים שבסה״מ תקס״ז הערה *14. קיצורים נדפסו באוה״ת בראשית כרך ה תתקפה, ב. כרך ו תתשח, א. חלק מהמאמר נעתק בסה״מ תרכ״ט (הוצאת תשנ״ב) ע׳ כב ואילך עם הוספות. לכללות מאמר זה ראה ד״ה ויגש תשמ״ו.
- 2
- 3קורות בתינו ארזים · Song of Songs 1:17
- 4ההפרש בין המשכן לבית עולמים · ראה אוה״ת זכור ע׳ א׳תשפא. שה״ש ע׳ קעה. סה״מ תרכ״ט ע׳ יח. מכאן ואילך בסה״מ תרמ״ד ע׳ ריב עם הגהות. בלקו״ת נשא כד, ב. בלק עד, ד מציין לכאן.
- 5עצי שטים עומדים · Exodus 26:15
- 6והבהמ״ק הי׳ מאבנים ועפר דוקא · ראה לקו״ש ח״ו ע׳ 23 הערה 67 למה הוצרך להיות (לכתחילה) מאבנים דוקא ע״ש. ראה לקו״ת ברכה צט, ד בענין משכן שילה. לקו״ש ח״ד ע׳ 1260. לקו״ש לש״פ מסעי חכ״ח. ודלא כהמשכן שרק קרקע המשכן הי׳ מעפר, דומם, אבל כותלי המשכן היו מצומח, והמכסה שעל המשכן (היריעות) הי׳ מחי — ד״ה ודוד עבדי תשל״ב (סה״מ מלוקט ח״ו ע׳ עז).
- 7עץ בולט · ראה לקו״ש לש״פ מסעי חכ״ח ע׳ 222 הערה 21 בשם ספר הר המורי׳ שמפרש דעץ בולט היינו בולט מן הכותל לאויר. וראה בסידור עם דא״ח ע׳ רא, ג. ובלקו״ת ברכה צט, ד שהאיסור הוא דוקא בבולט ולא בשוקע.
- 8שאסור לעשות בו עץ בולט ואכסדראות של עץ · Mishneh Torah, The Chosen Temple 1:9–10
- 9עץ בולט ואכסדראות של עץ · Sefer HaChinukh 492:2
- 10כמ״ש הרמב״ם · וגם הראב״ד ס״ל כן — ראה כס״מ שם (לקו״ש ח״ו שם הערה 48).
- 11כלונסאות של ארז · ראה לקו״ש שם הערה 62.
- 12כלונסאות של ארז · Mishnah Middot 3:8
- 13והעפר הי׳ רק בקרקע המשכן למטה · בסה״מ תקס״ה ע׳ קמב מביא זה ע״פ הפסוק נשא ה, טז ”וכמ״ש ומעפר אשר בקרקע המשכן”, וע״ז הקשה בד״ה ויגש תשמ״ו דלכאורה צ״ל דהרי פסוק זה הוא דין בדיני מי סוטה שנאמר לא רק במשכן אלא גם במקדש ע״ש.
- 14שהיו טפלים לעיקר הבנין · ראה מדות פ״ג מ״ח (כפי גירסת רוב המפרשים). כסף משנה להרמב״ם הל׳ ביהב״ח פ״א ה״ט. מפרשי המשנה שם בפ״א מ״ו. ועוד (לקו״ש ח״ו שם הערה 63). בסה״מ תרמ״ד ע׳ ריב נמצא כאן הוספה.
Im Tun zuletzt, im Gedanken zuerst ¶2–3
2והענין כי הנה ידוע שיש בכל עולם ד׳ בחי׳ דצח״מ [דומם צומח חי מדבר] והדומם הוא למטה במדרגה מצומח והצומח למטה מן החי כו׳
Die Erklärung ist, dass es bekannt ist, dass es in jeder Welt vier Ebenen gibt: die unbelebte, die pflanzliche, die tierische und die sprechende (domem, tzomeach, chai, medaber). Das Unbelebte steht in der Rangordnung tiefer als das Pflanzliche, und das Pflanzliche tiefer als das Tierische usw.
Die Antwort setzt bei der bekannten Einteilung der Schöpfung in vier Reiche an: das Unbelebte (Mineralien und Erde), das Pflanzliche (Pflanzen), das Tierische und das Sprechende (den Menschen). Jedes steht in der Rangordnung über dem jeweils vorhergehenden.
והעילוי שבכולם הוא בחי׳ המדבר ולכאורה תמוה דא״כ מפני מה הארץ דוקא תוציא צמחה1 שהצומח יהי׳ [יהיה] גדל ונולד ונמשך מעפר הארץ הלא הצומח הוא למעלה מהדומם שהוא העפר.
Und die höchste Ebene von allen ist die des Sprechenden. Auf den ersten Blick ist das rätselhaft: Wenn dem so ist, warum ist es dann gerade die Erde, die „ihren Wuchs hervorbringt“, sodass das Pflanzliche wächst, entsteht und aus dem Staub der Erde hervorgebracht wird? Steht das Pflanzliche nicht über dem Unbelebten, also dem Staub?
Der Mensch, der spricht, steht von allen am höchsten. Daraus ergibt sich ein Rätsel: Wenn Pflanzen über der Erde stehen, warum wachsen sie dann aus der Erde, der niedrigeren Ebene, sodass „die Erde ihren Wuchs hervorbringt“?
אך הענין דלא ראי זה כראי זה שאע״פ [שאף על פי] שהדומם למטה במדרגה מן הצומח עכ״ז [עם כל זה] יש בו מעלה יתירה מצד שרשו שלמעלה מבחי׳ צומח וחי כו׳.
Die Erklärung ist vielmehr, dass das eine nicht dem anderen gleicht: Obwohl das Unbelebte in der Rangordnung tiefer steht als das Pflanzliche, besitzt es dennoch einen zusätzlichen Vorzug aufgrund seiner Wurzel, die über der Ebene des Pflanzlichen und des Tierischen usw. steht.
Die Antwort lautet, dass jede Ebene ihren eigenen Vorzug hat. Das Unbelebte steht in seiner offenbaren Rangordnung tiefer, doch seine Wurzel steht höher als die Wurzeln des Pflanzen- und Tierlebens.
דהנה ידוע מחלוקת התנאים2 בגמ׳ [בגמרא] (חגיגה יב.)3 חד אמר שמים קדמו4 לארץ כמ״ש בראשית ברא5 כו׳ את השמים ואת הארץ6
Denn bekannt ist der Streit der Tannaim in der Gemara (Chagigah 12a): Einer sagt, die Himmel seien der Erde vorausgegangen, wie geschrieben steht: „Am Anfang schuf [G‑tt] ... die Himmel und die Erde.“
Um diese Wurzel zu erklären, führt der Maamar einen Streit an, der im Talmud, im Traktat Chagigah, überliefert ist: Wurden zuerst die Himmel oder die Erde erschaffen? Eine Ansicht stützt sich auf den ersten Vers der Tora, in dem die Himmel vor der Erde genannt werden.
וח״א [וחלק א׳] ארץ קדמה כמ״ש ביום עשות7 כו׳ ארץ ושמים ואלו ואלו דא״ח [דברי אלקים חיים] שבמחשבה ארץ קדמה לשמים וכשברא ברא השמים תחלה.8
Und der andere sagt, die Erde sei vorausgegangen, wie geschrieben steht: „Am Tag, an dem [G‑tt] ... Erde und Himmel machte.“ Und sowohl diese als auch jene sind die Worte des lebendigen G‑ttes: In G‑ttes Gedanken ging die Erde den Himmeln voraus, und als Er erschuf, erschuf Er zuerst die Himmel.
Die andere Ansicht stützt sich auf einen Vers, in dem die Erde zuerst genannt wird. Mit der talmudischen Wendung für zwei Ansichten, die beide wahr sind (Eruvin 13b), „sowohl diese als auch jene sind die Worte des lebendigen G‑ttes“, nimmt der Maamar beide an: In G‑ttes Gedanken kam die Erde zuerst, während bei der Tat der Schöpfung die Himmel zuerst kamen.
Der Absatz wirft die Frage auf, warum die niedrige Erde das höhere Pflanzenleben hervorbringt, und beginnt, sie anhand des Streits darüber zu beantworten, ob die Himmel oder die Erde zuerst kamen: In Gedanken die Erde, in der Tat die Himmel.
Eine Anmerkung von Kehot vermerkt, dass in der Abschrift, die in Sefer HaMaamarim 5565 gedruckt wurde, der Vers „Am Anfang“ nicht angeführt ist. Eine weitere Anmerkung stellt fest, dass Torah Chaim den Gedanken, dass die Himmel zuerst erschaffen wurden, etwas anders formuliert.
Marei Mekomos
- 1
- 2מחלוקת התנאים · ראה בלקו״ש ח״ו ע׳ 78 ובהערה 60.
- 3בגמרא (חגיגה יב) · ע״א. ראה לקו״ת צו יג, ד. ראה כז, ב. שמע״צ עט, ד. סה״מ תקס״ח ח״ב ע׳ שכג. אוה״ת בראשית כרך ג תפז, א. סה״מ תרכ״ז (הוצאת תש״ס) ע׳ כג.
- 4חד אמר שמים קדמו · ראה גם לקמן פט, א. סה״מ תרכ״ט ע׳ כג וע׳ שצח. ובלקו״ש ח״ו ע׳ 76 ואילך.
- 5בראשית ברא · Genesis 1:1
- 6
- 7ביום עשות · Genesis 2:4
- 8וכשברא ברא השמים תחילה · בד״ה כי המצוה הזאת תרס״ו. ובתו״ח כאן באו״א קצת. — וראה בלקו״ש שם.
Die Erklärung ist, dass „das zuletzt Getane zuerst gedacht ist“. Das heißt: Weil die Erde im Handeln zuletzt kommt, liegt ihre Wurzel im Gedanken auf der Ebene des Anfangs des Gedankens,
„Zuletzt getan, zuerst gedacht“ ist eine Zeile aus dem Schabbat-Lied Lecha Dodi: Was zuletzt vollendet wird, war zuerst beabsichtigt. Die Erde, die im Handeln die letzte Stufe der Schöpfung ist, hat daher ihre Wurzel ganz am Anfang des Gedankens G‑ttes.
אבל השמים שהם תחלת המעשה הם אחרוני׳ במחשבה כי זהו הכלל שהסוף מעשה עולה תחלה במחשבה3 ולכך הצומח למעלה מהדומם
während die Himmel, die im Handeln zuerst kommen, im Gedanken zuletzt kommen. Denn dies ist die Regel: Was im Handeln zuletzt kommt, steigt im Gedanken zuerst auf. Daher steht das Pflanzliche über dem Unbelebten,
Die Himmel, die im Handeln zuerst kamen, waren im Gedanken zuletzt. In der Reihenfolge des Handelns kommt das Höhere zuerst; deshalb steht das Pflanzliche über dem Unbelebten.
וכן החי למעלה מהצומח כו׳ שזהו כפי סדר ההשתלשלות דדצח״מ [דדומם צומח חי מדבר] בעולמות שבחי׳ הדומם ועפר הארץ הוא בחי׳ סוף מעשה וצומח וחי למעלה ממנו במדרגה
und ebenso steht das Tierische über dem Pflanzlichen usw. Denn dies entspricht der Reihenfolge der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) der unbelebten, pflanzlichen, tierischen und sprechenden Stufe in den Welten. Dabei ist die Ebene des Unbelebten und des Staubes der Erde die Ebene des „zuletzt Getanen“, während das Pflanzliche und das Tierische darüber stehen.
Auch das Tierische steht über dem Pflanzlichen. In der Reihenfolge, in der die vier Naturreiche durch die Welten herabsteigen, ist der unbelebte Staub der Erde die letzte Stufe.
והוא ענין שמים קדמו לארץ. ומ״מ מצד שרשן במחשבה הקדומה הרי ארץ דוקא קדמה לכולם במחשבה.
Und dies ist die Bedeutung von „Die Himmel gingen der Erde voraus“. Dennoch ist es, ihrem Ursprung im Urgedanken nach, gerade die Erde, die allen im Gedanken vorausging.
Die herabsteigende Reihenfolge der Welten ist es, die mit „Die Himmel gingen der Erde voraus“ gemeint ist. Im Urgedanken jedoch ging die Erde allen anderen Ebenen voraus.
לכן דוקא בה יש הכח והיכולת להוציא צמחה4 מצד שרשה הנעלה ולכן הצומח והחי והמדבר כולם מקבלים ממנה כו׳:
Deshalb liegt gerade in ihr die Kraft und Fähigkeit, „ihr Wachstum hervorzubringen“, kraft ihrer erhabenen Wurzel. Und deshalb beziehen das Pflanzliche, das Tierische und das Sprechende alle von ihr usw.
Aufgrund ihrer erhabenen Wurzel besitzt allein die Erde die Kraft, Wachstum hervorzubringen; Pflanzen, Tiere und Menschen beziehen alle ihren Lebensunterhalt aus ihr. Damit wird das in Absatz 2 aufgeworfene Rätsel beantwortet.
Der Absatz erläutert das Prinzip „zuletzt getan, zuerst gedacht“: Die Erde, die in der Reihenfolge der Schöpfung zuletzt kommt, war im Gedanken G‑ttes zuerst da, und diese verborgene Wurzel verleiht ihr die Kraft, das Wachstum hervorzubringen, das alles höhere Leben erhält.
Eine Anmerkung von Kehot zitiert Likkutei Sichos: Weil die Erde im Gedanken zuerst aufstieg, besitzt sie den Vorzug und die Kraft, Dinge aus dem Nichts ins Sein wachsen zu lassen – eine Kraft, die den Himmeln fehlt. Eine weitere Anmerkung verweist auf Sefer HaMaamarim 5644, wo erklärt wird, dass das im Handeln zuletzt Kommende im Gedanken zuerst aufsteigt, weil die Hauptabsicht erst am Ende verwirklicht wird, wie man es bei jedem physischen Akt des Gebens sieht.
Marei Mekomos
- 1סוף מעשה במחשבה תחלה · פיוט לכה דודי.
- 2הארץ . . בבחי׳ תחלת המחשבה · בלקו״ש ח״ו שם הערה 50 ”דמצד זה שהארץ עלתה במחשבה תחלה, יש בה (עילוי וחשיבות —) הכח להצמיח מאין ליש (שאינו בשמים)”.
- 3עולה תחלה במחשבה · ובסה״מ תרמ״ד ע׳ ריב: היינו לפי שעיקר המכוון נגמר בסוף, וכמו שאנו רואים למטה בגשמי׳ בכל השפעה שעיקר המכוון נשלם בסוף, ע״ש בארוכה.
- 4לכן דוקא בה יש הכח והיכולת להוציא צמחה · ראה אגה״ק סי׳ כ (קלב, א). אוה״ת ויקרא כרך ב ע׳ תמד.
Das Mischkan und die gegenwärtige Ordnung ¶4–6
4והנה במשכן לא היה נמצא עדיין תכלית השלימות שהיה רק דירת עראי12 של הקב״ה. כמ״ש ואהיה מתהלך באהל3 ובמשכן כו׳.
Nun war im Mishkan die höchste Vollkommenheit noch nicht vorhanden, denn er war lediglich eine vorübergehende Wohnstätte des Heiligen, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), wie geschrieben steht: „Und ich zog in einem Zelt und in einem Mishkan umher“ usw.
Der Mishkan hatte die höchste Vollkommenheit noch nicht erreicht: Er war lediglich eine vorübergehende Wohnstätte für G‑tt, die durch die Wüste von Ort zu Ort getragen wurde. G‑ttes Worte an König David durch den Propheten Nasan – „Und ich zog in einem Zelt und in einem Mishkan umher“ – beschreiben diese vorübergehende Wohnstätte.
לכך נעשה כפי אופן סדר השתלשלות העולמות איך שנבראו כסדרן שבזה שמים קדמו לארץ.
Daher wurde er nach dem Muster der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) errichtet, so wie sie in ihrer Reihenfolge erschaffen wurden, in der die Himmel der Erde vorausgingen.
Da der Mishkan nur vorübergehend war, wurde er gemäß der gegenwärtigen Ordnung der Welten errichtet, in der die Himmel der Erde vorausgehen.
Da der Mishkan nur G‑ttes vorübergehende Wohnstätte war, wurde er gemäß der gegenwärtigen Ordnung der Schöpfung errichtet, in der das Höhere zuerst kommt.
Marei Mekomos
- 1דירת עראי · Shir HaShirim Rabbah 1:16
- 2דירת עראי · Zohar, Pekudei 40:380–390
- 3ואהיה מתהלך באהל · II Samuel 7:6
5ולכן כותלי המשכן היו מקרשים שהן בחי׳ צומח. ורק קרקע המשכן הי׳ [היה] מעפר. שזהו כמו שהוא בהשתלשלות שהצומח למעלה מן הדומם
Daher bestanden die Wände des Mishkan (Heiligtums) aus Brettern, die der Ebene des Pflanzlichen angehören, und nur der Boden des Mishkan war aus Erde. Denn so ist es in der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus), wo das Pflanzliche über dem Unbelebten steht.
Die Wände des Mishkan bestanden aus Holzbrettern, die aus dem Pflanzenreich stammen, und nur sein Boden war aus Erde. Dies entspricht der gegenwärtigen Ordnung, in der das Pflanzliche über dem Unbelebten steht.
ולכן נעשו הקרשים מארזים שהארז גדל בגובה מאד שזהו בחי׳ העליונה שבצומח כו׳ למעלה מעלה מבחי׳ הדומם שאין בו תוספת וגידול כלל.
Und deshalb wurden die Bretter aus Zedernholz gefertigt, denn die Zeder wächst sehr hoch; dies ist die höchste Ebene innerhalb des Pflanzlichen usw., weit, weit über der Ebene des Unbelebten, das keinerlei Zuwachs und Wachstum kennt.
Die Bretter waren aus Zedernholz, das außergewöhnlich hoch wächst und damit die höchste Form des Pflanzlichen darstellt. Das Unbelebte hingegen nimmt überhaupt nicht zu und wächst nicht.
Die aus Holz aufragenden Wände des Mishkan über einem Boden aus Erde spiegelten die gegenwärtige Ordnung wider, in der das Wachsende über dem Unbelebten steht.
6והמכסה על המשכן היה מיריעות ומעורות אילים ותחשים כו׳ שהוא בחינת החי שלמעלה במדרגה גם מבחי׳ הצומח.
Und die Decke über dem Mischkan bestand aus Vorhängen sowie aus Widder- und Tachashhäuten usw.; dies entspricht der Ebene des Lebendigen, die ihrem Rang nach sogar über der Ebene des Pflanzlichen steht.
Die Decken des Mischkan bestanden aus Vorhängen und Tierhäuten, also aus dem Tierreich, das noch höher steht als das Pflanzenreich.
לפיכך היריעות שהם בחי׳ המקיפים שהיו פרושי׳ [פרושים] על כותלי המשכן היו מבחי׳ חי שהוא למעל׳ [למעלה / למעלת] מבחי׳ צומח שממנו נעשו כותלי המשכן.
Daher stammten die Vorhänge, die zur Ebene der Makifim (das Umfassende) gehören und über die Wände des Mischkan gespannt waren, aus der Ebene des Lebendigen, die über der Ebene des Pflanzlichen steht, aus der die Wände des Mischkan gefertigt waren.
Die über die Wände gespannten Vorhänge werden Makifim genannt, „umfassende“ Elemente – ein Begriff, den die Chassidus für das verwendet, was umgibt und über das Umgebene hinausgeht. Passenderweise stammten sie aus dem Tierreich, der Ebene über dem Pflanzenreich, aus dem die Bretter gefertigt waren, die sie bedeckten.
נמצא שכ״ז [שכל זה] נעש׳ כפי סדר מעלת ומדרגת ההשתלשלות בהשתלשלותן ובריאותן מלמעלמ״ט [מלמעלה למטה] שהוא בחי׳ שמים קדמו כו׳.
Daraus folgt, dass all dies gemäß der Rang- und Ebenenordnung der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) geschaffen wurde, so wie diese von oben nach unten herabsteigen und erschaffen werden – entsprechend der Ebene von „Die Himmel gingen voraus“ usw.
Der Mischkan war somit wie die Welten selbst von oben nach unten angeordnet: das Tierische über dem Pflanzlichen und dieses über dem Unbelebten – entsprechend der Ordnung, in der „die Himmel vorausgingen“.
אבל במקדש היה נמצא בו תכלית השלימות כי היה דירת קבע1 של הקב״ה כמ״ש זאת מנוחתי עדי עד2 שהי׳ [שהיה] מעין עוה״ב [עולם הבא] מה שיהי׳ [שיהיה] באלף השביעי כשיהי׳ [כשיהיה] מנוחה לחיי העולמים3 שאז תתעלה הארץ עליונה שהיא בחי׳ מל׳ דאצי׳ להיות למעלה מכולם.
Im Mikdash jedoch war die äußerste Vollkommenheit gegenwärtig, denn er war eine dauerhafte Wohnstätte des Heiligen, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), wie geschrieben steht: „Dies ist Meine Ruhestätte für immer.“ Denn er war ein Vorgeschmack auf die Kommende Welt, auf das, was im siebten Jahrtausend sein wird, wenn „Ruhe für das Leben in Ewigkeit“ herrschen wird; dann wird die obere Erde, die der Ebene der Königsherrschaft (Malchus) der Welt der Emanation (Atzilus) entspricht, erhoben werden, sodass sie über allen steht.
Der Beis HaMikdash hingegen war G‑ttes dauerhafte Wohnstätte und erreichte die äußerste Vollkommenheit. Der Vers „Dies ist Meine Ruhestätte für immer“, der von Zion spricht, kennzeichnet sie als dauerhaft. Er war ein Vorgeschmack auf das siebte Jahrtausend, die Zeit vollkommener Ruhe, wenn die „obere Erde“, Malchus von Atzilus – das letzte der g‑ttlichen Attribute –, über alle anderen erhoben werden wird.
Die Schichten aus Erde, Holz und Häuten im Mischkan folgten der gegenwärtigen Ordnung der Welten, während der Beis HaMikdash, G‑ttes dauerhafte Wohnstätte, die Zukunft vorwegnahm, in der Malchus, die „Erde“, über alle erhoben werden wird.
Eine Anmerkung von Kehot zitiert Likkutei Sichos: Der Mischkan war eine vorübergehende Wohnstätte und der Beis HaMikdash eine dauerhafte, weil eine Offenbarung, die ausschließlich von oben herabgezogen wird, nicht im selben Maß in das Innere eindringt; und eine Erweckung von oben, auf die nicht unmittelbar ein Dienst von unten folgt, währt nicht fort. Eine weitere Anmerkung verweist auf Hemshech Mayim Rabbim 5636, wo gefragt wird, wie ein Gebäude aus Steinen und Kalk „Ruhe“ und ein Erbe für den lebendigen G‑tt genannt werden kann.
Marei Mekomos
- 1במקדש — כי הי׳ דירת קבע · באוה״ת פ׳ ויגש כרך ב שנ, א. באוה״ת נ״ך כרך א ע׳ לה פי׳ קבע ע״ד אהל בל יצען הנזכר בלקו״ת סד״ה שובה ישראל עד דרוש השני. ע״ש בארוכה. ראה גם אוה״ת בלק ע׳ א׳לז. ובלקו״ש לפ׳ שמות ח״ו ע׳ 21 הערה 66 כ׳: ”וזהו גם הטעם מה שהמשכן הי׳ דירת עראי של הקב״ה וביהמ״ק דירת קבע, כי כשהגילוי נמשך רק מלמעלה, אינו חודר בפנימיות כ״כ (ולהעיר מלקו״ת ויקרא (ב, ג-ד), שאתערותא דלעילא מצד עצמה — כשאין אחרי׳ מיד עבודה מלמטלמ״ע — אין לה קיום)”. ראה ד״ה ודוד עבדי תשל״ב הנ״ל.
- 2זאת מנוחתי עדי עד · Psalms 132:14
- 3מנוחה לחיי העולמים · Mishnah Tamid 7:4
Der Beis HaMikdash und die zukünftige Ordnung ¶7–8
7וכמ״ש אשת חיל עט״ב [עטרת בעלה]1 שתהי׳ [שתהיה] עטרת לע״ל [לעתיד לבוא] לז״א דאצילות. והיינו מצד שרשה שעלתה במחשבה הקדומה תחלה ארץ קדמה לשמים.
Und wie geschrieben steht: „Eine Frau von edlem Charakter ist die Krone ihres Mannes“: In der zukünftigen Zeit wird sie eine Krone für die Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) in der Welt der Emanation (Atzilus) sein. Dies ist kraft ihrer Wurzel, die zuerst im ursprünglichen Gedanken aufstieg: „Die Erde ging den Himmeln voraus.“
In der Sprache der Kabbalah ist die „Frau von edlem Charakter“ die Königsherrschaft (Malchus), das empfangende Attribut, und ihr „Mann“ ist Zeir Anpin, die emotionalen Attribute, die ihr gegenwärtig geben; in der zukünftigen Zeit wird sie eine Krone über ihm sein. Diese Umkehrung geht auf ihre Wurzel zurück, die im ursprünglichen Gedanken allem vorausging.
לכן אף בבהמ״ק [בבית המקדש] שהי׳ [שהיה] מעין עוה״ב [עולם הבא] נעשה עיקר הבית מאבנים ועפר שהם בחי׳ דומם שאף הגג והמעזיבה שהיא בחי׳ המקיף נעשה מאבנים ועפר ולא מארזים
Daher bestand selbst im Beis HaMikdash, das einen Vorgeschmack auf die zukünftige Welt darstellte, der Hauptteil des Hauses aus Steinen und Erde, der Ebene des Unbelebten. So waren selbst das Dach und der Dachputz (Ma’azivah), die die Ebene des Makif (des Umfassenden) darstellen, aus Steinen und Erde gefertigt und nicht aus Zedernholz.
Weil der Beis HaMikdash jene Zukunft vorwegnahm, wurde er hauptsächlich aus Stein und Erde errichtet, die zum Unbelebten gehören. Selbst sein Dach und die Putzschicht darauf, die das Gebäude von oben umgeben wie ein Makif, bestanden aus Stein und Erde und nicht aus Zedernholz.
שהוא כפי מה שיהיה לע״ל [לעתיד לבוא] שבחי׳ ארץ קדמה א״ח [אשת חיל] עט״ב [עטרת בעלה] מצד שרשה כו׳
Dies entspricht dem, was in der zukünftigen Zeit sein wird, wenn die Ebene „Die Erde ging den Himmeln voraus“ eine „Frau von edlem Charakter, die Krone ihres Mannes“ [sein wird], kraft ihrer Wurzel usw.
Dies spiegelte die zukünftige Ordnung wider, in der die „Erde“, deren Wurzel zuerst im Gedanken lag, zur Krone wird.
רק שכלונסאות של ארז שהיה בהתקרה הם היו בחי׳ תמכין לבד לעיקר התקרה הנעשה מבחי׳ דומם וכענין תמכין דאורייתא. (ועמ״ש במ״א ע״פ מחר חדש2 במ״ש יהונתן לדוד ואנכי אהיה לך למשנה כו׳):3
Nur waren die Zedernbalken, die sich in der Decke befanden, lediglich Stützen (Tamchin) für die eigentliche Decke, die aus der Ebene des Unbelebten gefertigt war, wie es dem Konzept der „Stützen der Torah“ (Tamchin de’Oraisa) entspricht. (Siehe auch, was an anderer Stelle zum Vers „Morgen ist Neumond“ geschrieben wurde, zu den Worten, die Yehonasan zu David sagte: „Und ich werde dir an zweiter Stelle stehen“, usw.)
Die wenigen Zedernbalken in der Decke trugen lediglich das steinerne Dach, wie die „Stützen der Torah“ – eine Bezeichnung für das, was die Torah trägt, ohne selbst die Torah zu sein. Der Klammerzusatz verweist auf einen anderen Maamar über Yehonasan Worte an David: „Und ich werde dir an zweiter Stelle stehen.“ Darin akzeptiert der Erbe König Shauls, an zweiter Stelle hinter David aus dem Stamm Yehudah zu stehen.
Der Beis HaMikdash, ein Vorgeschmack auf die zukünftige Welt, wurde aus Stein und Erde errichtet, weil in der zukünftigen Zeit Malchus, die „Erde“, zur Krone wird; seine Zedernbalken dienten lediglich als Stützen.
Der Querverweis auf Yehonasan und David erscheint erneut in Absatz 13, unter den Maamarim über die zukünftige Vereinigung von Yosef und Yehudah.
Marei Mekomos
- 1אשת חיל עט״ב · Proverbs 12:4
- 2מחר חדש · I Samuel 20:18
- 3
8והנה נראה בעליל ג״כ בחי׳ זו שיש בהארץ מעלה יתירה והוא בחי׳ הבטול שיש בה שהיא מדרס תחת כפות רגלי הכל1 משא״כ הצומח שגדלים בגובה והתנשאות כו׳.
Nun ist auch diese Eigenschaft deutlich sichtbar: Die Erde besitzt einen zusätzlichen Vorzug, nämlich die Selbstaufhebung (Bittul), die in ihr liegt; denn sie wird unter den Fußsohlen aller zertreten, anders als das Pflanzenreich, das in Höhe und Erhabenheit wächst usw.
Der Vorzug der Erde ist mit den Augen zu sehen: Sie liegt unter den Füßen aller, ein Bild völliger Selbstaufhebung. Pflanzen dagegen wachsen nach oben und ragen empor.
ובטול זה נמשך מצד שרשה הנעלה במחשבה שהמחשבה היא בחי׳ חשב מ״ה [מה] שהוא תכלית הבטול כמ״ש מרע״ה [משה רבינו עליו השלום] ונחנו מ״ה [מה].2
Und diese Selbstaufhebung wird von ihrer erhabenen Wurzel im Gedanken herabgezogen; denn der Gedanke (Machshavah) ist die Ebene von Chashav Mah („gedacht: Was?“), die äußerste Selbstaufhebung, wie Moshe Rabbeinu, Friede sei mit ihm, sagte: „Und was (Mah) sind wir?“
Die Selbstaufhebung der Erde kommt von ihrer Wurzel im Gedanken. Die Buchstaben von Machshavah, „Gedanke“ (מחשבה), lassen sich als Chashav Mah (חשב מה) lesen, als das „Was?“ völliger Selbstzurücknahme – dasselbe Mah, mit dem Moshe und Aharon von sich sagten: „Und was sind wir?“
ומשם נמשך ומתלבש בחי׳ הבטול בארץ ומצד זה תתעלה לע״ל [לעתיד לבוא] להיות עט״ב [עטרת בעלה] לכן היה בהמ״ק [בית המקדש] מאבנים דוקא
Von dort wird die Eigenschaft der Selbstaufhebung herabgezogen und in der Erde eingekleidet. Aufgrund dessen wird die Erde in der Kommenden Zeit erhöht werden, um „die Krone ihres Mannes“ zu sein. Deshalb bestand der Beis HaMikdash (Heiliger Tempel) ausdrücklich aus Steinen.
Die Selbstaufhebung des Gedankens fließt herab und wird in der Erde eingekleidet; ihretwegen wird die Erde in Zukunft zu einer Krone erhoben. Auch deshalb musste der Beis HaMikdash aus Stein erbaut werden.
(וכמ״ש ג״כ במ״א ע״פ מזמור שיר חנוכת הבית34 דלכך אמרו בגמרא על כורש שהחמיץ במה שחזר וצוה לערב בחי׳ צומח בבהמ״ק [בבית המקדש] נדבכין די אבן גלל5 תלתא ונדבך די אע חדת כו׳ כי צ״ל כולו באבנים דוקא מטעם הנ״ל.7
(Wie auch an anderer Stelle zum Vers „Ein Psalm, ein Lied zur Einweihung des Hauses“ geschrieben steht: Deshalb sagten sie in der Gemara über Koresh (Cyrus), er sei verdorben, weil er erneut befahl, die Ebene des Pflanzenreichs in den Beis HaMikdash einzubringen: „drei Reihen großer Steine und eine Reihe neuen Holzes“ usw. Denn der Beis HaMikdash musste ausdrücklich ganz aus Steinen bestehen, aus dem oben genannten Grund.)
Die Klammer verweist auf einen Maamar zum Psalm über die Einweihung des Hauses. Die Gemara sagt, Koresh (Cyrus), der den Bau des Zweiten Tempels erlaubt hatte, sei später „verdorben“. Der Maamar erklärt den Fehler: Er ordnete an, eine Holzreihe zwischen die Steinreihen zu setzen und so das Pflanzenreich in ein Bauwerk einzubringen, das ganz aus Stein bestehen musste.
ובתפלה הוא בחי׳ השתחואות שבשמ״ע [שבשמונה עשרה] קול דממה דקה.6 בחי׳ דומם ואותיות התפלה הם בחינת דומם)
Und beim Gebet ist dies die Ebene der Verbeugungen während der Shemoneh Esreh (des Achtzehngebets), „eine stille, leise Stimme“ (Kol Demamah Dakah), die Ebene des Unbelebten (Domem); auch die Buchstaben des Gebets gehören zur Ebene des Unbelebten.)
Dasselbe gilt beim Gebet: Die Verbeugung während der Shemoneh Esreh, eines Gebets, das mit „einer stillen, leisen Stimme“ gesprochen wird, gehört zur Ebene des Unbelebten und seiner Selbstaufhebung; ebenso die Buchstaben des Gebets. Das hebräische Wort für „still“, Demamah, hat dieselbe Wurzel wie Domem, „unbelebt“.
משא״כ בהמשכן שנעשה כפי סדר ההשתלשלות דעכשיו שבחי׳ צומח למעלה מהדומם שמים קדמו כו׳ לכן היו הכותלי׳ [הכותלים] מעצי שטים והעפר היה בקרקע המשכן וכנ״ל:
Anders verhält es sich mit dem Mishkan (der Stiftshütte), der gemäß der Ordnung der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus), wie sie gegenwärtig besteht, errichtet wurde. In dieser Ordnung steht die Ebene des Pflanzenreichs über der des Unbelebten, „die Himmel gingen voraus“ usw. Deshalb bestanden die Wände aus Akazienholz, während der Boden des Mishkan aus Erde bestand, wie oben erwähnt.
Der Mishkan dagegen folgte der gegenwärtigen Ordnung, in der das Pflanzenreich über dem Unbelebten steht. Daher bestanden seine Wände aus Holz, und nur sein Boden war aus Erde.
Die Niedrigkeit der Erde, die unter jedem Fuß liegt, offenbart ihre Wurzel in der Selbstaufhebung des g‑ttlichen Gedankens. Deshalb gehören der Beis HaMikdash ebenso wie die Verbeugung im Gebet zur Ebene des Unbelebten, während der Mishkan der gegenwärtigen Ordnung folgte.
Eine Kehot-Anmerkung identifiziert den Maamar zu „Ein Psalm, ein Lied zur Einweihung des Hauses“ vermutlich als den Maamar dieses Titels aus dem Jahr 5565, der vor diesem, am Freitagabend von Schabbos Parshas Vayigash, „zur Einweihung des Hauses“, gesagt wurde. Der Maamar „Die Balken unserer Häuser“ ist dort als ebenfalls anlässlich dieser Einweihung gesagt verzeichnet, in Parshas Vayechi. Eine weitere Anmerkung verweist auf das Bild des Staubes im Midrasch als etwas, das zertreten wird; der Kommentar Matnos Kehunah erklärt dazu: Alle treten darauf.
Marei Mekomos
- 1שהיא מדרס תחת כפות רגלי הכל · Bereshit Rabbah 41:9
- 2ונחנו מ״ה · Exodus 16:7
- 3ע״פ מזמור שיר חנוכת הבית · כנראה הכוונה לד״ה זה משנת תקס״ה שנאמר קודם מאמר זה ורשום עליו ליל ש״ק פ׳ ויגש על חנוכת הבית — ונדפס שם ע׳ קלב ואילך. ועל ד״ה קורות בתינו רשום: ”על חנוכת הבית הנ״ל פ׳ ויחי”. וראה לקו״ת ברכה צט, ד. סידור עם דא״ח כא רע״ג.
- 4מזמור שיר חנוכת הבית · Psalms 30:1
- 5נדבכין די אבן גלל · Ezra 6:4
- 6קול דממה דקה · I Kings 19:12
- 7אמרו בגמ׳ על כורש · Rosh Hashanah 4a:4
Yosef und Yehudah ¶9–12
9והנה זהו ג״כ ענין יוסף ויהודה. שהוא ג״כ בחי׳ ומדרגת שמים וארץ ובחי׳ צומח ודומם כו׳.
Nun, dies ist auch die Bedeutung von Yosef und Yehudah, die ebenfalls der Ebene und Rangstufe von Himmel und Erde sowie der Ebene des Pflanzlichen und des Unbelebten usw. entsprechen.
Derselbe Gegensatz zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Wachsenden und dem Unbelebten, beschreibt auch Yosef und Yehudah.
כי יוסף לשון תוספת ורבוי1 שמתוסף והולך בהגדלה והגבהה למעלה והוא ענין בחי׳ צומח ובפרט בחי׳ הארז שגדל והולך למעלה מעלה ברום המעלות.
Denn „Yosef“ bedeutet Hinzufügung und Vermehrung: Es kommt ständig etwas hinzu, wächst und erhebt sich immer weiter. Dies entspricht der Ebene des Pflanzlichen, insbesondere der Ebene der Zeder, die immer weiter emporwächst, zu den höchsten Höhen.
Der Name Yosef bedeutet „Hinzufügung“ (Tosefes): Er ist derjenige, der ständig zunimmt und sich erhebt, wie das Pflanzliche und vor allem wie die Zeder, die immer höher wächst.
וכמ״ש צדיק כתמר יפרח כארז בלבנון ישגה2 (והיינו בחי׳ ז״א דאצי׳ שנק׳ צומח לגבי המל׳ שנק׳ דומם כמ״ש במ״א באריכות3 שהמדות יש בהם צמיחה וגידול אבל האותיות הן בחי׳ דומם כו׳ ובמדות יש בחי׳ קטנות וגדלות.
Wie geschrieben steht: „Der Tzaddik [Gerechte] wird blühen wie eine Palme; wie eine Zeder im Libanon wird er hoch aufragen.“ (Das heißt, die Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) der Welt der Emanation (Atzilus), die im Verhältnis zu Malchus [Königsherrschaft] „pflanzlich“ genannt wird, während Malchus „unbelebt“ genannt wird, wie an anderer Stelle ausführlich erklärt wird: Die Gefühlsattribute (Middos) weisen Sprossen und Wachstum auf, die Buchstaben hingegen entsprechen der Ebene des Unbelebten usw. Bei den Gefühlsattributen gibt es die Ebenen von Katnus [Kleinheit] und Gadlus [Größe].
Der Vers vergleicht den Tzaddik mit einer Palme und einer Zeder; Yosef ist als „der Tzaddik“ bekannt. Die Klammer erklärt, dass Zeir Anpin, die G‑ttlichen Emotionen, „pflanzlich“ genannt wird, weil sich Emotionen entwickeln und wachsen, während Malchus, das in Buchstaben und Sprache zum Ausdruck kommt, „unbelebt“ ist. Auch die Emotionen haben eine unreife und eine reife Stufe, „Kleinheit“ und „Größe“.
וזהו בחי׳ עץ ארז ואזוב4 שהאזוב הוא בחי׳ הקטנות5 והארז בחי׳ הגדלות כו׳. וז״ש [וזהו שכתוב] כארז בלבנון ישגה כו׳ ויוסף בפרט הוא בחי׳ יסוד שעולה עד הדעת ודעת עולה עד הכתר כו׳. וכשמבריח מעלה מעלה נק׳ ארז בלבנון כו׳)
Und dies ist die Ebene von „Zedernholz und Ysop“: Der Ysop entspricht der Kleinheit und die Zeder der Größe usw. Dies ist [die Bedeutung dessen], was geschrieben steht: „Wie eine Zeder im Libanon wird er hoch aufragen“ usw. Yosef entspricht insbesondere dem Fundament (Yesod), das bis zum Wissen (Daas) aufsteigt, und Daas steigt bis zur Krone (Keser) auf usw. Wenn es sich immer weiter nach oben erstreckt, wird es „Zeder im Libanon“ genannt usw.)
Der Ysop, eine niedrige Pflanze, steht für die unreife Stufe der Emotionen, die Zeder für ihre reife Stufe. Yosef entspricht Yesod, dem Attribut, das verbindet und weiterleitet; es steigt bis zu Daas und durch Daas bis zu Keser auf. Wenn es so hoch aufsteigt, wird es „eine Zeder im Libanon“ genannt.
ויהודה הוא בחי׳ ארץ מל׳ דאצילות שהיא בחי׳ הדומם דאצי׳. ולכן יהודה ל׳ [לשון] הודאה ובטול שהדומם יש בו בחי׳ הבטול ביותר כנ״ל:
Und Yehudah entspricht der „Erde“, Malchus von Atzilus, der Ebene des Unbelebten in Atzilus. Daher ist „Yehudah“ ein Ausdruck für Hoda'ah [Anerkennung] und Selbstaufhebung (Bittul), denn das Unbelebte besitzt diese Eigenschaft der Selbstaufhebung am stärksten, wie oben gesagt.
Yehudah ist Malchus von Atzilus, die „Erde“, das Unbelebte jener Welt. Sein Name geht auf Hoda'ah zurück: Als Leah ihn gebar, sagte sie: „Diesmal werde ich Havayah danken“ (Genesis 29:35). Hoda'ah bedeutet Anerkennung und Sich-Unterordnen – jene Selbstaufhebung, die beim Unbelebten am stärksten ausgeprägt ist.
Yosef und Yehudah verkörpern die beiden Ebenen: Yosef, „Hinzufügung“, ist die wachsende Zeder, Zeir Anpin und Yesod; Yehudah, „Anerkennung“, ist die selbstaufgehobene Erde, Malchus.
Eine Anmerkung von Kehot vermerkt, dass der Vers „Der Tzaddik wird blühen wie eine Palme“ im handschriftlichen Notizbuch des Tzemach Tzedek (dem „Buch“ von Vayeshev) nicht zitiert wird. Andere Anmerkungen verweisen für die ausführlichere Erörterung der Emotionen als „pflanzlich“ und der Buchstaben als „unbelebt“ sowie des Ysop als Ebene der Kleinheit auf Likkutei Torah, Chukas.
Marei Mekomos
- 1יוסף לשון תוספת ורבוי · עי׳ לעיל לא, א.
- 2צדיק כתמר יפרח כארז בלבנון ישגה · Psalms 92:13
- 3לגבי המל׳ שנק׳ דומם כמ״ש במ״א באריכות · ראה לקו״ת פ׳ חקת נז, ד ואילך.
- 4עץ ארז ואזוב · Numbers 19:6
- 5שהאזוב הוא בחי׳ הקטנות · מאו״א א, נד. לקו״ת חקת ס, ד.
10והנה בסדר ההשתלשלות עתה יוסף הוא למעלה מיהודה שהרי המל׳ מקבלת שפעה וחיותה מן הז״א
Nun steht Yosef in der gegenwärtigen Ordnung der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) über Yehudah, denn die Königsherrschaft (Malchus) empfängt ihren Zustrom und ihre Lebenskraft (Chayus) von der Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin).
In der gegenwärtigen Ordnung steht Yosef über Yehudah, da Malchus ihren gesamten Zustrom und ihre Lebenskraft von Zeir Anpin empfängt.
ולכן יוסף היה המלך במצרים שהוא בחי׳ צומח בחי׳ גידול והתנשאות והוא היה המשביר והמשפיע לכולם.
Und deshalb war Yosef der König in Ägypten, denn er ist die Ebene des Pflanzlichen, die Ebene des Wachstums und der Erhebung; und er war der Getreideversorger und derjenige, der allen gab.
Yosef herrschte in Ägypten, weil er die wachsende, sich erhebende Ebene verkörpert; er versorgte alle mit Getreide und Nahrung, auch seine Brüder.
In der gegenwärtigen Ordnung steht der Gebende über dem Empfangenden; deshalb herrschte Yosef, der Zeir Anpin ist, und versorgte alle.
11ויהודה הוא המקבל. וז״ש [וזהו שכתוב] ויגש אליו יהודה ויאמר בי אדני.1 פי׳ שבו יומשך השפע מיוסף הצדיק2 וכמבואר בזוהר דויגש3 היינו תקרובתא עלמא בעלמא.4
Und Yehudah ist der Empfangende. Dies ist [die Bedeutung von] dem, was geschrieben steht: „Und Yehudah näherte sich ihm und sagte: ‚In mir (bi), mein Herr.‘“ Das bedeutet, dass in ihm der Zustrom von Yosef, dem Tzaddik [Gerechten], herabgezogen wird. Und wie im Zohar erklärt wird, bedeutet „Vayigash“ („er trat heran“) „das Sich-Nähern einer Welt an eine andere Welt“.
Yehudah, der die Königsherrschaft (Malchus) verkörpert, ist der Empfangende. Die Worte „bi adoni“, die gewöhnlich als „bitte, mein Herr“ verstanden werden, werden wörtlich als „in mir, mein Herr“ gelesen: In Yehudah wird der Zustrom von Yosef herabgezogen. Der Zohar erklärt „er trat heran“ als das Sich-Nähern einer Welt an eine andere.
דהיינו עלמא תתאה בחי׳ מל׳ מתייחדת ונגשת לגבי עלמא עלאה בחי׳ ז״א לקבל השפע כו׳.
Das heißt: Die untere Welt, die Ebene (Bechinah) der Königsherrschaft (Malchus), vereinigt sich mit der oberen Welt und nähert sich ihr – der Ebene der Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) –, um den Zustrom zu empfangen usw.
Die „untere Welt“, Malchus, vereinigt sich mit der „oberen Welt“, Zeir Anpin, und nähert sich ihr, um ihren Zustrom zu empfangen.
וזהו ע״ד שהיה במשכן הצומח למעלה מהדומם כנ״ל. אבל לע״ל [לעתיד לבוא] יתעלה יהודה להיות למעלה מבחי׳ יוסף כמ״ש א״ח [אשת חיל] עט״ב [עטרת בעלה] מצד שרשו שעלה במחשבה תחלה כנ״ל.
Und dies entspricht dem, was im Mischkan (Stiftszelt) war, wo das Pflanzliche über dem Unbelebten stand, wie oben erwähnt. In der Kommenden Zeit aber wird Yehudah erhöht werden, sodass er über der Ebene Yosefs steht, wie geschrieben steht: „Eine Frau voll Tatkraft ist die Krone ihres Mannes“, aufgrund seiner Wurzel, die zuerst im Gedanken aufstieg, wie oben erwähnt.
Die Ordnung des Mischkan, in der der Gebende über dem Empfangenden steht, ist die gegenwärtige Ordnung. In der Kommenden Zeit wird sie umgekehrt, und Yehudah wird über Yosef aufsteigen, so wie die „Frau voll Tatkraft“ zur Krone ihres Mannes wird, weil seine Wurzel zuerst im Gedanken aufstieg.
כי הנה מחשבה הוא חשב מ״ה [שם מ״ה] דהיינו תכלית הבטול שהוא בחי׳ חכ׳ [חכמה] דאצי׳ כח מ״ה [מה].5
Denn der Gedanke (Machshavah) ist Chashav Mah [„Gedanke – was?“], das heißt die äußerste Selbstaufhebung (Bittul); sie ist die Ebene der Weisheit (Chochmah) der Welt der Emanation (Atzilus), Koach Mah (die Kraft des „Was“).
Der Gedanke ist Chashav Mah, vollständige Selbstaufhebung, die Chochmah der Welt der Emanation ist. Das Wort Chochmah wird als koach mah gelesen, „die Kraft des Was“: Weisheit beginnt in einem Geist, der sich selbst als nichts betrachtet.
Dass Yehudah sich Yosef nähert, bedeutet, dass Malchus sich Zeir Anpin nähert, um zu empfangen – dies ist die gegenwärtige Ordnung. In der Zukunft wird der Empfangende über den Gebenden erhoben werden, weil die Wurzel des Empfangenden in der Selbstaufhebung der Chochmah liegt.
Eine Anmerkung von Kehot zitiert den Maamar des Rebbe „VeDavid Avdi“ aus dem Jahr 5732, in dem gefragt wird, warum der Text sagt, der Zustrom werde „in ihm“ herabgezogen: Da Yehudah derjenige war, der Yosef bat, hätte man erwartet, dass er darum bittet, Yosef möge den Zustrom zu ihm herabziehen.
Marei Mekomos
- 1ויגש אליו יהודה ויאמר בי אדני · Genesis 44:18
- 2ויאמר בי אדוני פי׳ שבו יומשך השפע מיוסף הצדיק · בד״ה ודוד עבדי תשל״ב מדייק בתי׳ שבו דלכאורה כיון שיהודה ביקש זה מיוסף הרי היה צריך לבקשו שהוא (יוסף) ימשיך השפע אליו, ע״ש באריכות. וראה שם הערה 29 והערה 33.
- 3וכמבואר בזהר דויגש · רו, א.
- 4ויגש היינו תקרובתא עלמא בעלמא · Zohar, Vayigash 2:15–3:26
- 5
12והנה אבא יסד ברתא1 כי ח״ע [חכמה עילאה] נק׳ ירא׳ עלאה. וח״ת [וחכמה תתאה] שהיא המל׳ היא יראה תתא׳ [תתאה] וזהו אבא יסד ברתא שמבחי׳ יראה עלא׳ [עלאה] דחכ׳ [דחכמה] נמשכ׳ [נמשכת] המל׳ יראה תתאה.
Nun heißt es: „Abba (der Vater) gründete die Tochter.“ Denn die höhere Chochmah wird „höhere Ehrfurcht“ (Yirah Ila'ah) genannt, und die untere Chochmah, die Malchus ist, ist „untere Ehrfurcht“ (Yirah Tata'ah). Und dies ist es, was „Abba gründete die Tochter“ bedeutet: Aus der Ebene der höheren Ehrfurcht von Chochmah wird Malchus, die untere Ehrfurcht, herabgezogen.
„Abba gründete die Tochter“ ist ein Ausspruch des Zohar: Abba, der Vater, ist Chochmah, und die Tochter ist Malchus. Da Chochmah „höhere Ehrfurcht“ und Malchus „untere Ehrfurcht“ genannt wird, bedeutet der Ausspruch, dass Malchus aus Chochmah herabgezogen wird und auf ihr gegründet ist.
ולע״ל [ולעתיד לבוא] תתעלה בחי׳ יראה תתאה ביראה עלאה מקורה ע״כ תהי׳ [תהיה] אז עט״ב [עטרת בעלה] כי הבטול הוא למעלה במדרגה מאהוי״ר [מאהבה ויראה] דמדות הנמשכי׳ [הנמשכים / הנמשכין] מבחי׳ חו״ג [חסד וגבורה] דז״א.
Und in der zukünftigen Zeit wird die Ebene der unteren Ehrfurcht in die höhere Ehrfurcht, ihre Quelle, erhoben werden; daher wird sie dann „die Krone ihres Mannes“ sein. Denn die Selbstaufhebung (Bittul) steht rangmäßig höher als Liebe und Ehrfurcht der Gefühlsattribute, die aus der Ebene von Güte (Chesed) und Selbstbegrenzung (Gevurah) von Zeir Anpin herabgezogen werden.
In der Zukunft wird Malchus zu ihrer Quelle, der höheren Ehrfurcht, aufsteigen und so zur Krone werden. Die Selbstaufhebung steht rangmäßig über Liebe und Ehrfurcht, den Gefühlen, die aus Chesed und Gevurah, der Güte und Selbstbegrenzung von Zeir Anpin, herabgezogen werden.
ולכך גם עכשיו יש בהארץ בחי׳ הבטול יותר וכנ״ל. ובחי׳ בטול דיראה עלאה היא בחינת ומדרגת משרע״ה [משה רבינו עליו השלום] ונחנו מה2 כו׳
Daher weist auch die Erde schon jetzt mehr von der Eigenschaft der Selbstaufhebung auf, wie oben erwähnt. Die Ebene der Selbstaufhebung der höheren Ehrfurcht ist die Ebene und Rangstufe von Moshe Rabbeinu, Friede sei mit ihm: „Und was sind wir?“ usw.
Die Erde, die in Chochmah verwurzelt ist, besitzt auch jetzt mehr Selbstaufhebung. Die Selbstaufhebung der höheren Ehrfurcht ist die Ebene von Moshe Rabbeinu, der sagte: „Und was sind wir?“
(וע׳ לקמן ע״פ יהודה אתה34 ומ״ש ע״פ מאמר הזהר פ׳ אמור5 ע״פ וגם אמנה אחותי בת אבי6 כו׳ מענין בחכמה יסד ארץ כונן שמים בתבונה.7 ועמש״ל [ועיין מה שכתוב לעיל] פ׳ בראשית ד״ה להבין הטעם שנשתנה יצירת):8
(Siehe unten zum Vers „Yehudah, dich …“ und das, was zum Ausspruch des Zohar in Parshas Emor über den Vers „Und tatsächlich ist sie meine Schwester, die Tochter meines Vaters“ usw. geschrieben steht, im Zusammenhang mit „Mit Chochmah gründete Er die Erde; mit Verständnis (Tevunah) festigte Er die Himmel“. Siehe auch, was oben in Parshas Bereishis im Diskurs „Um den Grund zu verstehen, warum die Erschaffung … anders war“ geschrieben steht.)
Die Klammer verweist auf drei verwandte Diskurse: einen später in Torah Ohr über „Yehudah, dich“; einen über eine Passage des Zohar in Parshas Emor, in der es um Avrahams Worte über Sarah geht: „Sie ist meine Schwester, die Tochter meines Vaters“, sowie um den Vers „Mit Chochmah gründete Er die Erde“; und einen in Parshas Bereishis über den Grund, warum der menschliche Körper anders als die Körper anderer Geschöpfe geformt wurde.
Malchus ist auf Chochmah, der „höheren Ehrfurcht“, gegründet. In Zukunft wird sie zu ihrer Quelle aufsteigen und Zeir Anpin krönen, denn die Selbstaufhebung, die sie von Chochmah empfängt, steht rangmäßig über den Gefühlen der Liebe und Ehrfurcht.
Der in der Klammer angeführte Vers „Mit Chochmah gründete Er die Erde“ sagt dasselbe wie „Abba gründete die Tochter“: Die „Erde“, Malchus, wird von Chochmah gegründet. Eine Kehot-Anmerkung identifiziert den Diskurs über den Zohar in Parshas Emor als denjenigen, der in Biurei HaZohar des Mitteler Rebbe abgedruckt ist.
Marei Mekomos
- 1אבא יסד ברתא · Zohar III, 248a
- 2ונחנו מה · Exodus 16:7
- 3לקמן ע״פ יהודה אתה · מה, ב.
- 4יהודה אתה · Genesis 49:8
- 5ע״פ מאמר הזהר פ׳ אמור · ביאורי הזהר לאדה״א ע, ב.
- 6וגם אמנה אחותי בת אבי · Genesis 20:12
- 7בחכמה יסד ארץ כונן שמים בתבונה · Proverbs 3:19
- 8ועמש״ל . . להבין הטעם שנשתנה יצירת · לעיל ג, ד ואילך.
Die zwei Stäbe, Yeravam und die Kundschafter ¶13–15
13וזהו מ״ש בהפטרה1 דפ׳ ויגש קח לך עץ אחד וכתוב עליו ליהודה כו׳ ולקח עץ אחד וכתוב עליו ליוסף עץ אפרים כו׳ וקרב אותם אחד אל אחד2 כו׳
Und dies ist [die Bedeutung dessen], was in der Haftara der Parascha Vayigash geschrieben steht: „Nimm dir einen Stab (etz) und schreibe darauf: ‚Für Yehudah‘“ usw., „und nimm einen Stab und schreibe darauf: ‚Für Yosef, den Stab Ephraims‘“ usw., „und bringe sie einander nahe“ usw.
Die Haftara der Parascha Vayigash aus dem Buch Ezekiel beschreibt zwei Stäbe: Auf dem einen steht Yehudah, auf dem anderen Yosef, „der Stab Ephraims“. Dem Propheten wird aufgetragen, sie zusammenzubringen.
„Siehe, ich nehme den Stab Yosefs“ usw., „und ich werde sie darauflegen, zusammen mit dem Stab Yehudahs“ usw., bis zu „Und Mein Diener David wird König über sie sein.“
G‑tt erklärt, dass Er den Stab Yosefs nehmen und ihn mit dem Stab Yehudahs zusammenlegen wird. Die Prophezeiung fährt fort bis zur Herrschaft „Meines Dieners David“, eines Königs aus dem Stamm Yehudah, über das wiedervereinte Volk.
פי׳ כי עתה יוסף הוא למעלה מיהודה שהוא נמשל לארז אשר גדל בגובה ומתוסף והולך.
Die Erklärung lautet: Gegenwärtig steht Yosef über Yehudah, denn er wird mit einer Zeder verglichen, die hoch wächst und immer weiter zunimmt.
Gegenwärtig steht Yosef über Yehudah, wie die Zeder, die immer höher wächst.
כך יוסף אליו שייכים עשרת השבטים. כמ״ש שם ושבטי ישראל חביריו נמצא הוא מרובה בשבטים יותר מיהודה.
So ist es auch bei Yosef: Ihm gehören die zehn Stämme, wie dort geschrieben steht: „und die Stämme Israels, seine Gefährten“. Daraus folgt, dass er mehr Stämme umfasst als Yehudah.
Yosefs Größe zeigt sich an der Zahl: Der Vers nennt die Stämme Israels „seine Gefährten“, sodass die zehn Stämme zu ihm gehören und er mehr Stämme hat als Yehudah.
שע״ש [שעל שם] זה נק׳ יוסף כי הוא הדעת עליון כו׳.
Deshalb wird er Yosef genannt, denn er ist das höhere Wissen (Daas) usw.
Yosefs Name, der „Hinzufügung“ bedeutet, spiegelt seine Zunahme wider, denn er ist das höhere Wissen (Daas).
אך לעתיד לבא כשיתחברו שניהם יוסף ויהודה ביחד בתכלית היחוד האמיתי דהיינו מ״ש ויגש אליו יהודה וכמ״ש (איוב מ״א)5 אחד באחד יגשו6 וזה יהיה לע״ל [לעתיד לבוא] אז יתעלה יהודה למעלה מיוסף כנ״ל ע״פ א״ח [אשת חיל] עט״ב [עטרת בעלה].
Doch in der Zukünftigen Zeit, wenn die beiden, Yosef und Yehudah, in der vollkommensten wahren Einheit miteinander verbunden sein werden – das heißt, dies ist [die Bedeutung dessen], was geschrieben steht: „Und Yehudah trat an ihn heran“, und wie geschrieben steht (Ijob 41): „Eins nähert sich dem anderen“ –, und dies wird in der Zukünftigen Zeit geschehen; dann wird Yehudah über Yosef erhoben werden, wie oben zum Vers „Eine tüchtige Frau ist die Krone ihres Mannes“ erklärt wurde.
In der Zukünftigen Zeit aber werden Yosef und Yehudah in vollkommener und wahrer Einheit verbunden sein. Diese Verbindung ist die innere Bedeutung von „Und Yehudah trat an ihn heran“ und des Verses in Ijob: „Eins nähert sich dem anderen“; in dieser Einheit wird Yehudah über Yosef erhoben werden, so wie die „tüchtige Frau“ zur Krone ihres Mannes wird.
ולכן אז ועבדי דוד מלך על כל ישראל. וז״ש [וזהו שכתוב] ולא יכול יוסף להתאפק7 כו׳ בהתודע יוסף אל אחיו דהיינו שנתחברו יוסף ויהודה בתכלית החבור והיחוד למיהוי אחד באחד כו׳.
Deshalb wird dann „Mein Diener David König über ganz Israel sein“. Und dies ist [die Bedeutung dessen], was geschrieben steht: „Und Yosef konnte sich nicht länger zurückhalten“ usw., „als Yosef sich seinen Brüdern zu erkennen gab“: Das heißt, Yosef und Yehudah waren in der vollkommensten Verbindung und Einheit vereint, sodass sie eins mit eins waren usw.
Daher endet die Prophezeiung damit, dass David aus dem Stamm Yehudah König über ganz Israel ist. Als Yosef sich nicht länger zurückhalten konnte und sich seinen Brüdern zu erkennen gab, waren Yosef und Yehudah in vollkommener Einheit verbunden.
(וע׳ ע״פ והיה מספר בנ״י [בני ישראל]89 כו׳ בענין ונקבצו בני יהודה ובני ישראל יחדו ושמו להם ראש אחד10 כו׳. וע׳ בדרוש ברכת הזמון11 בענין שדהע״ה [שדוד המלך עליו השלום] יברך על כוס יין המשומר שלע״ל [שלעתיד לבוא] כו׳ וע׳ ע״פ מחר חדש בענין יהונתן ודוד:)12
(Und siehe zum Vers „Und die Zahl der Kinder Israels wird sein“ usw., zur Angelegenheit „Und die Kinder Yehudahs und die Kinder Israels werden sich versammeln und sich ein gemeinsames Oberhaupt einsetzen“ usw. Und siehe den Diskurs über Birkas HaZimun, zur Angelegenheit, dass König David, Friede sei mit ihm, in der Zukünftigen Zeit den Segen über den Becher des bewahrten Weins sprechen wird usw. Und siehe zum Vers „Morgen ist Neumond“, zur Angelegenheit Yehonasan und David.)
Die Klammer verweist auf drei verwandte Diskurse: auf die Prophezeiung, dass die Kinder Yehudahs und die Kinder Israels sich unter einem Oberhaupt versammeln werden; auf die Lehre, dass König David in der Zukünftigen Zeit den Segen über den Becher des bewahrten Weins sprechen wird; und auf Yehonasan und David.
ובכל הנ״ל יובן ויבואר מ״ש בלקוטי הש״ס [הששה סדרים] מהאר״י [מהאלקי רבי יצחק] ז״ל [זכרונו לברכה / זכרונם לברכה] בביאור מארז״ל [מאמר רבותינו זכרונם לברכה] בחלק (דק״ב סע״א [סוף עמוד א]) שתפשו הקב״ה לירבעם בן נבט13 ואמר לו חזור בך14 כו׳ א״ל [אמר ליה] מי בראש א״ל [אמר ליה] בן ישי בראש א״ל [אמר ליה] אי הכי לא בעינא.
Durch all das oben Gesagte wird verständlich und erklärt, was in Likkutei HaShas des seligen Arizal zur Erklärung des Ausspruchs unserer seligen Weisen im [Kapitel] Chelek (Blatt 102, Ende von Seite a) geschrieben steht: Der Heilige, gelobt sei Er, ergriff Yeravam ben Nevat und sagte zu ihm: „Kehre um“ usw. Er sagte zu Ihm: „Wer wird an der Spitze stehen?“ Er sagte zu ihm: „Der Sohn Yishais wird an der Spitze stehen.“ Er sagte zu Ihm: „Wenn dem so ist, will ich [es] nicht.“
Likkutei HaShas des Arizal erklärt eine Stelle aus dem Talmud: G‑tt ergriff Yeravam ben Nevat, den ersten König der Stämme, die sich vom Haus David losgesagt hatten, und drängte ihn, umzukehren. Als Yeravam hörte, dass David, der Sohn Yishais, an der Spitze stehen würde, weigerte er sich.
שהוא ממש הענין הנ״ל שהקב״ה רצה שירבעם יחזור בתשובה ואז יאיר בו מבחי׳ ומדרגת יוסף בחי׳ עץ אפרים כו׳.15
Dies ist genau die oben erwähnte Angelegenheit: Der Heilige, gelobt sei Er, wollte, dass Yeravam die Umkehr (Teshuvah) vollzieht; dann würde in ihm etwas von der Ebene und dem Rang Yosefs leuchten, der Ebene des „Stabes Ephraims“ usw.
Die Geschichte Yeravams fügt sich in das Thema des Maamars ein: Hätte er Teshuvah getan, wäre die Ebene Yosefs, „der Stab Ephraims“, in ihm erstrahlt, denn Yeravam stammte aus dem Stamm Ephraims.
Ezekiels Prophezeiung von den beiden Stäben zeigt die gegenwärtige Ordnung, in der Yosef über Yehudah steht; in der Zukunft wird sie ihrer vollkommenen Einheit unter der Königsherrschaft Davids weichen. Yeravams Weigerung, David als Oberhaupt anzuerkennen, veranschaulicht dasselbe Thema.
Eine Anmerkung von Kehot zitiert Sefer HaSichos 5752, das die Verbindung zwischen „Mein Diener David“ und „Und Yehudah trat an ihn heran“ erklärt und auf den Zohar zu diesem Vers verweist. Eine weitere Anmerkung verweist auf den Maamar des Rebbe „VeDavid Avdi“ 5732, dessen gesamter Gegenstand die Verbindung von Yehudah und Yosef ist.
Marei Mekomos
- 1וזהו מ״ש בהפטרה · ראה ד״ה ויגש תשמ״ו. לקו״ש חט״ו ע׳ 413.
- 2וקרב אותם אחד אל אחד · Ezekiel 37:17
- 3הנה אני לוקח את עץ יוסף · Ezekiel 37:19
- 4בהפטרה דפ׳ ויגש . . ועבדי דוד מלך עליהם · Ezekiel 37:24
- 5איוב מ״א · פסוק ח.
- 6
- 7ולא יכול יוסף להתאפק · Genesis 45:1
- 8ע״פ והי׳ מספר בנ״י · לקו״ת במדבר ו, ג.
- 9והיה מספר בנ״י · Hosea 2:1
- 10ונקבצו בני יהודה ובני ישראל יחדו ושמו להם ראש אחד · Hosea 2:2
- 11בדרוש ברכת הזימון · סידור שער ברהמ״ז קב ב. ובאוה״ת פ׳ עקב הגהות ע״ז.
- 12ע״פ מחר חדש בענין יהונתן ודוד · לק״ת ברכה צז, א. וראה אוה״ת בראשית ו, ב. ואילך.
- 13שתפשו הקב״ה לירבעם בן נבט · ראה אוה״ת פ׳ שלח ע׳ תנ.
- 14שתפשו הקב״ה לירבעם בן נבט ואמר לו חזור בך · Sanhedrin 102a:17
- 15כי — יוסף נמשל לארז · ראה משיחת ש״פ בשלח סה״ש תשמ״ט הערה 27.
14וזהו אני ואתה ובן ישי נטייל בג״ע [בגן עדן]1 שיהי׳ [שיהיה] מאיר בהם א״ס ב״ה בהאר׳ [בהארה] רבה. וזהו אנ״י כו׳
Und dies ist [die Bedeutung von] „Ich und du und der Sohn Yishais werden im Gan Eden spazieren gehen“: Der Unendliche (Ein Sof), gelobt sei Er, wird in ihnen mit großer Erleuchtung leuchten. Und dies ist „Ich“ (Ani) usw.
In der talmudischen Erzählung sagt G‑tt zu Yeravam: „Ich und du und der Sohn Yishais werden im Gan Eden spazieren gehen.“ Der Maamar erklärt, dass der Unendliche in allen dreien mit großem Licht leuchten würde; die Schlussworte „Und dies ist ‚Ich‘ usw.“ weisen auf eine weitere Bedeutung von G‑ttes „Ich“ hin, die hier nicht ausgeführt wird.
א״ל [אמר ליה] מי בראש כי הוא רצה כמו שהיה עכשיו שבחינת ומדרגת יוסף הוא למעלה מבחי׳ יהודה לכך רצה הוא להיות בראש לגבי דוד
Er sagte zu Ihm: „Wer wird an der Spitze stehen?“ Denn er wollte, dass es so sei wie jetzt, da die Ebene (Bechinah) und der Rang von Yosef über der Ebene von Yehudah stehen; daher wollte er David gegenüber an der Spitze stehen.
Yeravam fragte, wer führen würde, weil er wollte, dass die gegenwärtige Ordnung bestehen bleibt, in der Yosef, der Ursprung seines eigenen Stammes, über Yehudah steht; deshalb wollte er an der Spitze stehen, über David.
אבל הקב״ה אמר לו שלע״ל [שלעתיד לבוא] יתעלה יהודה לכן בן ישי בראש כו׳ א״ל [אמר ליה] אי הכי לא בעינא שלא היה בו בחי׳ בטול ושפלות זה.
Doch der Heilige, gelobt sei Er, sagte ihm, dass Yehudah in der zukünftigen Zeit erhöht werden wird; deshalb wird „der Sohn Yishais an der Spitze stehen“ usw. Er sagte zu Ihm: „Wenn dem so ist, will ich [es] nicht“, denn ihm fehlte diese Eigenschaft der Selbstaufhebung (Bittul) und Demut.
G‑tt antwortete, dass Yehudah in der zukünftigen Zeit aufsteigen wird und daher David, der Sohn Yishais, führen wird. Yeravam lehnte ab, weil ihm die Selbstaufhebung und Demut fehlten, die es ihm ermöglicht hätten, Yehudahs Aufstieg anzunehmen.
Yeravam wollte, dass die gegenwärtige Ordnung – Yosef über Yehudah – bestehen bleibt; G‑ttes Antwort, dass David führen würde, spiegelt die zukünftige Ordnung wider, und Yeravams Ablehnung entsprang einem Mangel an Demut.
Marei Mekomos
- 1אני ואתה ובן ישי נטייל בג״ע · Sanhedrin 102a:17
15וזשארז״ל [וזהו שאמרו רבותינו זכרונם לברכה] גסות הרוח שבירבעם טרדתו1 כו׳. ומעין זה נתבאר ג״כ במ״א בענין המרגלים2 שלא היה בהם ג״כ שפלות זו לגבי בחי׳ ארץ העליונה שדימו בעצמם שא״צ [שאין צריך / שאינו צריך] לזה להיותן מעלמא דדכורא כולם אנשים3 כו׳.
Und dies ist es, was unsere Weisen seligen Angedenkens sagten: „Der Hochmut, der in Yeravam war, trieb ihn fort“ usw. Etwas Ähnliches wird auch an anderer Stelle im Zusammenhang mit den Kundschaftern erklärt: Auch ihnen fehlte diese Demut gegenüber der Ebene der oberen Erde, denn sie bildeten sich ein, dies nicht nötig zu haben, da sie der männlichen Welt (Alma dedechura) angehörten: „allesamt Männer“ usw.
Die Weisen sagen, dass Yeravams Hochmut ihn aus der Welt vertrieb. An anderer Stelle wird dasselbe über die Kundschafter erklärt, die Moshe ausgesandt hatte, um das Land auszukundschaften: Auch ihnen fehlte die Demut gegenüber der „oberen Erde“, der Königsherrschaft (Malchus), und sie sahen dafür keine Notwendigkeit, weil sie in der „männlichen Welt“, der gebenden Seite, verwurzelt waren. Deshalb nennt die Tora sie „allesamt Männer“.
אבל יוסף הצדיק ויהודה יתחברו לע״ל [לעתיד לבוא] בתכלית היחוד למיהוי אחד באחד כנ״ל:
Doch Yosef der Zaddik [Gerechte] und Yehudah werden in der zukünftigen Zeit in vollkommener Einheit miteinander verbunden sein, um eins mit eins zu sein, wie oben gesagt.
Yosef der Zaddik [Gerechte] und Yehudah hingegen werden in der zukünftigen Zeit vollständig miteinander vereint sein: „eins mit eins“.
Wie Yeravam fehlte auch den Kundschaftern die Demut gegenüber der „Erde“, Malchus; Yosef und Yehudah hingegen werden in der Zukunft vollständig miteinander vereint sein.
In der Kabbalah steht „männlich“ für den Gebenden und „weiblich“ für den Empfangenden. Die Kundschafter waren in der gebenden Seite verwurzelt und sahen daher keinen Wert in der empfangenden „Erde“ – gerade jener Ebene, die sich dem Maamar zufolge am höchsten erheben wird.
Marei Mekomos
- 1גסות הרוח שבירבעם טרדתו · Sanhedrin 101b:13
- 2במ״א בענין המרגלים · ראה אוה״ת שלח ע׳ תנ ואילך.
- 3כולם אנשים · Numbers 13:3
Den Maamar abgeschlossen?
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In der eigenen Avodah
Der Maamar leitet seine Lehre aus der Erde ab, die unter den Füßen aller zertrampelt wird und doch zuerst in G‑ttes Gedanken stand: Die tiefste Ebene ist Selbstaufhebung und Niedrigkeit. Im Gebet zeigt sich dies in der Verbeugung des Shemoneh Esreh [Achtzehngebets] und seiner „stillen, leisen Stimme“, der unbelebten Ebene, sowie in den Buchstaben des Gebets selbst. Yeravams Hochmut, der ihn davon abhielt, David an die Spitze zu stellen, und die Vorstellung der Kundschafter, sie hätten die „Erde“ nicht nötig, zeigen, was ohne diese Demut verloren geht.
Fragen zum Gespräch
- Warum besitzt die Erde, das niedrigste der vier Reiche, die Kraft, Wachstum hervorzubringen, und was bedeutet „im Tun zuletzt, im Gedanken zuerst“?
- Wie spiegelten die Materialien des Mischkan und des Beis HaMikdash zwei verschiedene Ordnungen der Schöpfung wider?
- Was hat es mit Moshes Worten „Und was sind wir?“ zu tun, dass die Erde unter den Füßen aller zertrampelt wird?
- Warum wird Yehudah, der Empfangende, in der Kommenden Zeit über Yosef, den Gebenden, aufsteigen?
- Was fehlte Yeravam und den Kundschaftern, und wie verbindet der Maamar dies mit der „Erde“?