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Torah Ohr · Parshas Vayeira · Maamar 1

פתח אליהו אנת הוא חד ולא בחושבן אנת…

(Zum Vers „Ich werde jetzt hinabsteigen“) Eliyahu eröffnete: „Du bist Einer, aber nicht der Zahl nach …“

  • 26 Absätze · 98 Abschnitte
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Kerngedanke

Die zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) werden „Tikkunim [Schmuckstücke]“ genannt, weil sie wie der Intellekt und die Gefühle der Seele Gewänder des unendlichen Lichts (Or Ein Sof) sind und dennoch mit ihm eins sind; der Unendliche (Ein Sof) aber bleibt „Einer, aber nicht der Zahl nach“, denn die Welt der Emanation (Atzilus) geht durch die Einschränkung (Tzimtzum) hervor – eine Kluft, die weit tiefer reicht als die Parsa, welche die unteren Welten trennt.

Der Maamar in Kürze

Bei der Erläuterung der Eröffnung von Pasach Eliyahu fragt das Maamar, warum die Sefiros Tikkunim genannt werden. Die Seele liefert das Vorbild: Ihr Wesen ist einfaches Licht, während ihr Intellekt und ihre Gefühle innere Gewänder sind, die mit ihr vereint sind wie ein Schmuckstück mit seinem Träger – anders als die voneinander getrennten Gewänder des Denkens, Sprechens und Handelns. Ebenso sind die Sefiros von Atzilus Tikkunim von Or Ein Sof, während die Sefiros der Welt der Schöpfung (Beriah), der Welt der Formung (Yetzirah) und der Welt des Handelns (Asiyah) wirkliche Gewänder sind. G‑tt wird „weise“ genannt, weil Er die Quelle der Weisheit ist, so wie die Güte (Chesed) die weit entfernte Quelle der Süße eines Apfels ist. Atzilus, dessen Wurzel im Ausdruck „Ich werde vom Geist absondern“ liegt, der über Moshe gesagt wurde, ist das demütige Herablassen des unendlichen Lichts. „Einer, aber nicht der Zahl nach“ bezieht sich auf die Krone (Keser): Atzilus geht durch den Tzimtzum hervor, bei dem das Licht in den Lichtspender zurückgezogen wird und nur noch der Möglichkeit nach vorhanden ist, sodass keine Beziehung mehr besteht. Die unteren Welten gehen durch eine Parsa hervor, wie durch ein Gleichnis des Lehrers, in dem die höhere Weisheit tatsächlich gegenwärtig ist und eine gewisse Beziehung bestehen bleibt. Dennoch ist alles mit Ihm vereint. Schließlich sind „lang“ und „kurz“ Chesed und die Selbstbegrenzung (Gevurah), und „Ich werde jetzt hinabsteigen und sehen“ bezeichnet ihren Ausgleich, wobei das Erbarmen zwischen ihnen steht.

Gliederung

  1. Überschrift und FrageWarum werden die zehn Sefiros Tikkunim genannt? Der Intellekt und die Gefühle der Seele sind ihre inneren Gewänder und mit ihr vereint wie ein Schmuckstück.¶1–2
  2. Die Seele und ihre GewänderDer Körper und erst recht der Intellekt und die Gefühle sind Gewänder, die mit der Seele vereint sind. Da sie sich verändern, sind sie nicht ihr unveränderliches Wesen, stehen ihr aber näher als Denken, Sprechen und Handeln.¶3–5
  3. „Du bist weise“: die Quelle der WeisheitDie Sefiros von Atzilus sind Tikkunim; G‑tt wird weise genannt, weil Er die Quelle aller Weisheit ist, so wie aus Chesed durch zahlreiche Herabstufungen die Süße eines Apfels hervorgeht.¶6–8
  4. Atzilus als g‑ttliche DemutAtzilus bedeutet Herablassen, wie Moshes Geist für die siebzig Ältesten „abgesondert“ wurde: Das unendliche Licht lässt sich demütig in die Sefiros herab und bleibt doch mit ihnen eins.¶9–10
  5. „Einer, aber nicht der Zahl nach“: Keser, Tzimtzum und ParsaKeser ist der unvergleichliche Mittler; Atzilus geht durch den Tzimtzum hervor, die unteren Welten durch eine Parsa.¶11–13
  6. Licht und Lichtspender; der TzimtzumDas unendliche Licht verhält sich zum Unendlichen wie das Sonnenlicht zur Sonne. Beim Tzimtzum wurde das Licht in den Lichtspender aufgenommen und bleibt nur noch der Möglichkeit nach vorhanden – wie eine Seele, bevor sie in den Körper eintritt, oder ein Gelehrter, der sich nicht mit dem Lernen beschäftigt; der Lichtspender selbst bleibt unberührt.¶14–17
  7. Die Parsa als Gleichnis eines LehrersEine Parsa gleicht einem Gleichnis, in dem der ganze Gedanke des Lehrers tatsächlich gegenwärtig ist. Deshalb steht die neue Weisheit von Beriah weiterhin in Beziehung zu Atzilus; über den Tzimtzum hinweg besteht überhaupt keine Beziehung.¶18–22
  8. Und doch mit Ihm vereintDa das Licht lediglich in den Lichtspender aufgenommen wurde und die Linie des Lichts (Kav) hervorgezogen wird, sind die Sefiros, selbst ihre Gefäße, eins mit dem Unendlichen – so wie der Gedanke einen Stein umfassen kann.¶23–24
  9. Lang, kurz und vermittelnd: „Ich werde jetzt hinabsteigen“Chesed strömt herab, Gevurah bemisst nach dem, was von unten aufsteigt, und das Erbarmen steht dazwischen. „Ich werde jetzt hinabsteigen und sehen“ bezeichnet ihren Ausgleich, wobei die Güte an erster Stelle steht.¶25–26

Schlüsselbegriffe

Tikkunim (Schmuckstücke)תיקונין
Die Bezeichnung, die Pasach Eliyahu den zehn Sefiros gibt: Gewänder, die mit ihrem Träger vereint sind wie ein Schmuckstück, statt getrennte Hüllen zu sein.
Licht und Lichtspenderאור ומאור
Das unendliche Licht (G‑ttes offenbarender „Name“) im Vergleich zu seiner Quelle, dem Unendlichen selbst – wie Sonnenlicht im Vergleich zur Sonne.
Tzimtzum und freier Raumצמצום, מקום פנוי
Das Licht wird in den Lichtspender zurückgezogen und bleibt dort nur noch der Möglichkeit nach vorhanden. Das Ergebnis ist „leer“ vom Licht, aber nicht von G‑ttes Wesen.
Parsa (Trennwand)פרסא
Die Trennwand zwischen Atzilus und den unteren Welten, die die höhere Weisheit in einer fremden Form vermittelt, wie ein Gleichnis, sodass eine gewisse Beziehung bestehen bleibt.
Der vermittelnde Keserכתר הממוצע
Die Krone, die zwischen dem Emanator und dem Emanierten steht. Sie wird nicht zu den Sefiros gezählt und ist „Einer, aber nicht der Zahl nach“.
Atzilus als Herablassenאצילות – ואצלתי
Aus dem Vers über Moshe und die Ältesten: Atzilus ist das Absondern und demütige Herablassen des unendlichen Lichts, um Weisheit zu werden.
Lang, kurz und vermittelndאריך, קציר, בינוני
Chesed, das grenzenlos herabströmt; Gevurah, die es auf das begrenzt, was von unten aufsteigt; und Erbarmen, das sogar dem Unwürdigen gibt.

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Überschrift und Frage ¶1–2

1(שייך לפסוק ארדה נא וגו׳)

(Zum Vers: „Ich werde nun hinabgehen …“)

Erklärung

Eine dem Maamar hinzugefügte Überschrift: Der folgende Diskurs über den Beginn von Pasach Eliyahu gehört zu dem Vers in der Parascha dieser Woche, in dem G‑tt vor dem Urteil über Sodom sagt: „Ich werde nun hinabgehen und sehen“ (Genesis 18:21). Der Zusammenhang wird erst ganz am Ende ausdrücklich hergestellt (Absätze 25–26). Eine Glosse am Ende des Diskurses Pasach Eliyahu von 5658 (1898) erläutert den Zusammenhang: Das unendliche Licht (Or Ein Sof) steht in Seinem eigenen Wesen in keinerlei Beziehung zu den Welten; erst wenn es sich in die zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) der Welt der Emanation (Atzilus), die Tikkunim [geordneten Gestaltungen], kleidet, wirkt es in den unteren Welten, sodass man von G‑tt sagen kann: „Ich werde hinabgehen.“

Absatz 1 in Kürze

Die Überschrift weist den Leser darauf hin, dass dieser Diskurs über Pasach Eliyahu mit dem Vers „Ich werde nun hinabgehen“ in der Parascha Vayera verbunden ist.

Vertiefung

Die Anmerkung von Kehot führt eine Glosse an, die den Zusammenhang erläutert: In Seinem eigenen Wesen steht Or Ein Sof jenseits jeder Beziehung zu den Welten; erst wenn es sich in die zehn Sefiros von Atzilus, die „Tikkunim“, kleidet und mit ihnen vereint, wird es herabgezogen, um in der Welt der Schöpfung (Beriah), der Welt der Formung (Yetzirah) und der Welt des Handelns (Asiyah) zu wirken; erst dann kann man davon sprechen, dass G‑tt „hinabgeht“.

Marei Mekomos

  1. 1
    שייך לפסוק ארדה נא · בהגהות לפתח אלי׳ תרנ״ח בסופו כ׳: השייכות כללות הדרוש לענין ארדה נא הוא משנ״ת שהע״ס נק׳ תיקונין שהם בחי׳ לבושין שמתקנים את האור להיות המשכת האור לפעול . . ובדוגמא כזאת הוא למעלה דמצד עצמות אוא״ס אינו בגדר עולמות כלל וכלל כ״א כשנתלבש האור בע״ס דאצי׳ ומתאחד עמהם אז נמשך האור לפעול בבי״ע . . אז שייך לומר ארדה נא ע״ש. הנחת כ״ק אדה״א משנת תקס״ו נדפס בסה״מ אדה״ז פרשיות ע׳ צז. הנחת ר׳ משה בן אדה״ז בסה״מ תקס״ו ח״א. ראה לעיל בציונים לכ״ק אדמו״ר זי״ע. הגהות באוה״ת בראשית כרך ד תשלח, א. ביאוה״ז להצ״צ כרך ב ע׳ תתרלט. חלק מהמאמר בסה״מ תרל״ח ע׳ עו. המאמר עם הגהות וביאורים הרבה מיוסדים על מאמרי אדמו״ר הצ״צ — בד״ה פתח אליהו תרנ״ח. וראה גם ד״ה כל הנהנה תרנ״ב. תפילין דמארי עלמא תרנ״ג. ד״ה וירד העיט תרנ״ח ע׳ יח. המשך תער״ב ח״ב פרק תלח. פלח הרמון פ׳ וירא מו, א. ד״ה זה נזכר בספרי דא״ח כמה וכמה פעמים. לאחרונה נדפס בהוצאה שני׳ ספר ”פני משה” — מחסידי הצ״צ — על תפילת פתח אלי׳, ושם מלוקט הרבה מאמרי רבותינו הנדפסים ומכת״י.

2פתח אליהו אנת הוא חד ולא בחושבן אנת הוא דאפיקת עשר תיקונין כו׳. להבין ענין זה למה נק׳ י״ס [י׳ ספירות] בשם תקונין. צריך להקדים ביאור ענין מהות הנפש.

Eliyahu eröffnete [und sagte]: „Du bist Einer, aber nicht der Zahl nach; Du bist der Eine, der zehn Tikkunim (Schmuckstücke) hervorgebracht hat …“ Um diesen Sachverhalt zu verstehen – warum die zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) Tikkunim genannt werden –, müssen wir zunächst das Wesen der Seele erklären.

Erklärung

Pasach Eliyahu ist die Passage in der Einleitung zu Tikkunei Zohar, in der Eliyahu (der Prophet Eliyahu) G‑tt preist: Er ist Einer, aber nicht ein „Einer“, der gezählt werden kann, und Er brachte die zehn g‑ttlichen Attribute hervor, die in der Passage „Tikkunim“ genannt werden. Die Frage lautet, warum die Sefiros diesen Namen erhalten; die Antwort setzt bei der menschlichen Seele an, die als Modell für das G‑ttliche dient.

כי הנה הנפש מצד עצמה היא אור פשוט בלי התחלקות שכל ומדות והשכל והמדות שלה הן בחי׳ לבושין לנפש שהנפש יש לה שכל ומדות

Denn die Seele ist an sich ein einfaches Licht, ohne Aufteilung in Intellekt und Gefühlsattribute (Middos); ihr Intellekt und ihre Gefühlsattribute sind Gewänder für die Seele, insofern die Seele Intellekt und Gefühlsattribute besitzt,

Erklärung

Der Kern der Seele ist ein einziges, ungeteiltes Licht. Intellekt und Gefühl sind wirkliche Kräfte, über die die Seele verfügt, doch zu ihrem Wesen verhalten sie sich wie Gewänder zu demjenigen, der sie trägt. Tanya, Kapitel 51, sagt dasselbe: Das Wesen der Seele ist ein einziges, einfaches geistiges Sein, das nicht auf die Glieder verteilt ist; nur die Kräfte, die sie aussendet, erreichen jedes Glied entsprechend dessen Beschaffenheit.

אבל אינן מהות ועצמיות הנפש (ומ״ש בתניא שהנפש עצמה מתחלקת לשכל ומדות שהם נקראים עצמיות הנפש אין זה אלא לגבי מחדו״מ [מחשבה דבור ומעשה] שהן לבושין נפרדין ממש ממהות הנפש שהן בחי׳ בי״ע שע״ז אמר לבושין תקינת לון כו׳

aber sie sind nicht das Wesen und die eigentliche Substanz der Seele. (Was in Tanya geschrieben steht, dass die Seele selbst sich in Intellekt und Gefühlsattribute aufteilt, die als das Wesen der Seele bezeichnet werden, gilt nur im Verhältnis zu Gedanken, Sprache und Tat, die Gewänder sind, die vom Wesen der Seele tatsächlich getrennt sind und zur Ebene von Beriah, Yetzirah und Asiyah gehören, worauf sich die Aussage bezieht: „Gewänder hast Du ihnen bereitet …“,

Erklärung

Der Alter Rebbe kommt einem scheinbaren Widerspruch zu seinen eigenen Aussagen in Tanya zuvor, wo Intellekt und Gefühle als das Wesen der Seele bezeichnet werden. Das gilt nur im Gegensatz zu Gedanken, Sprache und Tat, den drei äußeren „Gewändern“ der Seele, die tatsächlich von ihr getrennt sind – so wie die unteren Welten Beriah, Yetzirah und Asiyah Gewänder sind, die G‑tt „bereitet“ hat (Tikkunei Zohar). In Likkutei Torah, Wajikra, in der Erklärung zu „Lass das Salz nicht fehlen“, ergänzt der Alter Rebbe, was in jenen Kapiteln von Tanya (3 und 12) unerklärt bleibt: Selbst Chochmah, die erste der Kräfte der Seele, ist lediglich ein Gefäß für ihr Wesen, denn der Intellekt verändert sich: Manchmal ist er klar, manchmal nicht.

דאינון בי״ע אבל השכל והמדות עם היות שהן בחי׳ לבושין אינן לבושין נפרדין ממש אלא כמו בחי׳ כלים דאצי׳ דאיהו וגרמוהי חד כו׳ ולכן נקראין בשם עצמיות ולא עצמיות ממש)

die Beriah, Yetzirah und Asiyah sind. Doch der Intellekt und die Gefühlsattribute sind, obwohl sie Gewänder sind, keine tatsächlich getrennten Gewänder; vielmehr gleichen sie der Ebene der Gefäße der Welt der Emanation (Atzilus), von der [gesagt wird]: „Er und Seine Gefäße sind eins“ (Ihu Vegarmohi) …; deshalb werden sie als „Wesen“ bezeichnet, obwohl sie nicht wirklich das Wesen sind.)

Erklärung

Intellekt und Gefühle sind Gewänder einer inneren Art, die mit der Seele verbunden sind, wie die Gefäße der Welt der Emanation (Atzilus), von denen Tikkunei Zohar sagt: „Er und Seine Gefäße sind eins.“ Daher können sie im Verhältnis zu den äußeren Gewändern „Wesen“ genannt werden, obwohl sie streng genommen nicht das Wesen sind.

אלא שהן נקראין בשם תיקונין שהנפש מתתקנת ומתלבשת בהן. וכמו שת״א [שתרגום אונקלוס] ע״פ לא ילבש גבר שמלת אשה לא יתקן גבר בתיקוני אתתא.

Vielmehr werden sie Tikkunim genannt, insofern die Seele sich mit ihnen schmückt und sich in sie kleidet. So gibt Targum Onkelos den Vers „Ein Mann soll keine Frauenkleidung tragen“ wieder: „Ein Mann soll sich nicht mit dem Schmuck einer Frau (Tikkunei) schmücken.“

Erklärung

Targum Onkelos, die klassische aramäische Übersetzung der Torah, zeigt, was Tikkun bedeutet: Den Vers „Ein Mann soll keine Frauenkleidung tragen“ gibt es wieder mit den Worten: „Ein Mann soll sich nicht mit den Tikkunim einer Frau schmücken.“ Das hebräische Wort Tikkun bedeutet gewöhnlich eine Ausbesserung oder Anordnung; hier bedeutet es einen Schmuck. Die Kräfte Tikkunim zu nennen heißt demnach, dass sie der Schmuck der Seele sind.

וענין תקון הוא מלשון תכשיט שמתקשט בו ומתפעל ממנו והרי מתאחד עם תכשיט זה כאלו הוא מגופו ממש.

Die Bedeutung von Tikkun ist nämlich „Schmuckstück“: Man schmückt sich damit und wird davon beeinflusst; und man wird mit diesem Schmuckstück eins, als wäre es ein Teil des eigenen Körpers.

Erklärung

Ein Schmuckstück unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Gewand: Es beeinflusst den Träger, und dieser identifiziert sich damit, als wäre es ein Teil seines Körpers. Genau dies ist die Bedeutung von Tikkun: etwas, das vom Selbst unterschieden und doch mit ihm vereint ist.

Absatz 2 in Kürze

Der Maamar beginnt mit der Frage, warum Pasach Eliyahu die zehn Sefiros „Tikkunim“ nennt, und setzt bei der Seele an, um darauf zu antworten: Intellekt und Gefühle sind nicht das Wesen der Seele, sondern innere Gewänder, die mit ihr verbunden sind wie ein Schmuckstück – und genau das bedeutet Tikkun.

Vertiefung

Die Unterscheidung zwischen zwei Arten von Gewändern – inneren, die mit dem Träger verbunden sind (Intellekt und Gefühle; die Gefäße der Welt der Emanation) und äußeren, die tatsächlich getrennt sind (Gedanken, Sprache und Tat; die Welten Beriah, Yetzirah und Asiyah) – zieht sich durch den ganzen Maamar. Sie präzisiert Tanya, Kapitel 3 und 12, wo die zehn Kräfte der Seele als ihr Wesen bezeichnet werden, sowie Tanya, Kapitel 51, wo das Wesen der Seele als ungeteilt beschrieben wird und ihre Kräfte sich in jedem Glied entsprechend dessen Fähigkeit zeigen.

Marei Mekomos

  1. 1
    פתח אליהו · ת״ז בהקדמה יז, א.
  2. 2
  3. 3
  4. 4
    ענין מהות הנפש · ראה לקו״ת ויקרא ד, ב.
  5. 5
    בלי התחלקות שכל ומדות · ”כמ״ש בתניא פנ״א” פתח אלי׳ תרנ״ח ע׳ א.
  6. 6
    אבל אינן מהות ועצמיות הנפש · ראה בלקו״ת פ׳ ויקרא בהביאור דלא תשבית פ״א. בלקו״ת שה״ש ד, ב מציין לכאן.
  7. 7
    ומ״ש בתניא · בבוך 13: בלקו״א. וכ״ה בסה״מ תקס״ו ובמאמרי אדה״ז פרשיות שם.
  8. 8
    ומ״ש בתניא שהנפש עצמה · פרק ג׳ וי״ב. ראה במאמרי אדה״ז פרשיות ע׳ קלא. ביאור לתניא — ראה בד״ה להבין מה שנאמר בתניא מהות הנפש, במאמרי אדה״ז ענינים ע׳ רלז. ובאוה״ת בראשית כרך א קח, ב (עם הגהות). ובדרך מצותיך קנה, ב. ושם בהקיצור קנו, א. אוה״ת ענינים ע׳ קיג. קמג. ובד״ה להבין ענין אור א״ס ב״ה בתורת שמואל תרכ״ז [הוצאת תש״ס] ע׳ תנז. ובד״ה ואלה המשפטים עת״ר. ובד״ה חיי שרה תרמ״ג ע׳ טז. ד״ה תפילין הנסמן לעיל בתחילת המאמר.
  9. 9
    שהן לבושין נפרדין · ע׳ מזה לקמן בפ׳ יתרו בד״ה זכור ע, ד. ובלקו״ת סוף שה״ש בביאור כי כאשר השמים החדשים. ובסה״מ תקס״ו ע׳ כט-ל.
  10. 10
    שהן בחי׳ לבושין · ראה ד״ה תפילין דמארי עלמא תרנ״ג.
  11. 11
    דאיהו וגרמוהי חד · Tikkunei Zohar 3b:9–10
  12. 12
    ולא ילבש גבר · Deuteronomy 22:5
  13. 13
    לא יתקן גבר בתיקוני אתתא · Onkelos Deuteronomy 22:5
  14. 14
    וענין — תקון · בבוך 13: בחי׳ תיקון. ראה בפרשיות ע׳ צח.
  15. 15
    מתאחד עם תכשיט זה כאלו הוא מגופו ממש · בספר הערכים-חב״ד ח״ד ע׳ תקכא, שבזה מדגיש שהשם תיקונין שבהם נק׳ הכלים מורה לא על לבושים נפרדים, כ״א — כמו לבוש התכשיט שהוא מתאחד עם האדם ועד ”שנתפעל ממנו”.
  16. 16

Die Seele und ihre Gewänder ¶3–5

3וכמו הנפש עם הגוף שעם היות שהגוף הוא לבוש לנפש מ״מ הרי הנפש מתפעלת ממקרי הגוף שכשהגוף נוקף אצבעו מרגשת הנפש

Es verhält sich wie mit der Seele und dem Körper: Obwohl der Körper ein Gewand für die Seele ist, wird die Seele dennoch von dem betroffen, was dem Körper widerfährt, sodass die Seele es spürt, wenn der Körper sich den Finger stößt.

Erklärung

Ein erstes Beispiel für ein Gewand, das dennoch mit seinem Träger vereint ist: der Körper. Er ist lediglich das Gewand der Seele, und doch spürt die Seele, was ihm widerfährt, etwa einen Stoß gegen den Finger.

וכן מה שעולה ברצון הנפש לפעול איזה פעולה באברים האברים נשמעים לרצון זה תיכף ומיד כשעולה ברצונו לעשות הפעולה. הרגל להלוך בו כו׳.

Ebenso gehorchen die Glieder diesem Willen sogleich, unmittelbar in dem Augenblick, in dem der Seele der Wille aufkommt, mit den Gliedern irgendeine Handlung auszuführen: der Fuß, um damit zu gehen usw.,

Erklärung

Die Einheit wirkt auch in die andere Richtung: Die Glieder führen den Willen der Seele aus, sobald er aufkommt; so geht etwa der Fuß, sobald man gehen will.

בלי שום קדימת התפשטות והמשכת המחשבה מהמוח ברגל שא״כ היה איזה שיהוי זמן מה והרי אינו שוהה אפילו רגע אלא מיד שעולה ברצונו כו׳.

ohne dass dem irgendeine vorherige Ausbreitung und Herabführung des Gedankens vom Gehirn in den Fuß vorausginge; denn andernfalls wäre eine gewisse Zeitspanne vergangen. Doch es verstreicht nicht einmal ein Augenblick, sondern es geschieht unmittelbar, sobald im eigenen Willen der Entschluss dazu aufkommt usw.

Erklärung

Müsste der Wille wie eine Botschaft vom Gehirn zum Fuß gelangen, gäbe es eine gewisse Verzögerung; doch es gibt überhaupt keine. Die Reaktion erfolgt augenblicklich.

אך אין זה אלא מפני שהגוף מתאחד עם הנפש והנפש פועלת בו כרצונה כאילו היה עצמותה ומהותה ממש ואף שהגוף הוא לבוש הנפש מ״מ הוא מתאחד עם הנפש.

Doch dies ist nur deshalb so, weil der Körper mit der Seele vereint ist und die Seele in ihm nach ihrem Willen wirkt, als wäre er geradezu ihre eigentliche Essenz und ihr Wesen; und obwohl der Körper das Gewand der Seele ist, ist er dennoch mit der Seele vereint.

Erklärung

Der Grund liegt darin, dass der Körper mit der Seele vereinigt ist, sodass die Seele ihn bewegt, als wäre er ihr eigenes Selbst. Ein Gewand kann somit zugleich Gewand und eins mit seinem Träger sein.

Absatz 3 in Kürze

Das Verhältnis des Körpers zur Seele zeigt, wie etwas ein Gewand und zugleich mit seinem Träger vereint sein kann: Die Seele spürt, was dem Körper widerfährt, und bewegt ihn ohne Verzögerung.

4וכמו״כ [וכמו כן] יובן עד״ז ענין השכל והמדות של הנפש שהן ג״כ רק בחי׳ תקונין ולבושין שהנפש מתתקנת ומתלבשת בהן והן כלי הנפש שבהן ועל ידן פועלת הנפש כגרזן ביד החוצב בו.

Ebenso lässt sich die Angelegenheit des Verstandes und der Gefühlsattribute der Seele verstehen: Auch sie sind nur Tikkunim [Gestaltungen] und Gewänder, in die sich die Seele schmückt und kleidet; sie sind die Werkzeuge der Seele, in denen und durch die sie wirkt, wie eine Axt in der Hand dessen, der mit ihr haut,

Erklärung

Dasselbe gilt für Verstand und Gefühle: Sie sind Tikkunim und Gewänder der Seele, die Werkzeuge, durch die sie wirkt. Das Bild von der Axt und demjenigen, der mit ihr haut, stammt aus Jesaja 10:15. Dort tadelt der Prophet Assyrien dafür, sich seiner Eroberungen zu rühmen, obwohl es doch nur ein Werkzeug in G‑ttes Hand war: Das Werkzeug wirkt nur durch denjenigen, der es hält.

לאהוב במדת האהבה ולהשכיל בחכמה כו׳ שכל זה וכיוצא בזה הוא רק פעולת הנפש והתפשטותה שאינן אלא ממנה לזולתה אבל הנפש מצד עצמה היא למע׳ [למעלה] מכל הבחי׳ הללו.

mit der Eigenschaft der Liebe zu lieben und mit der Weisheit (Chochmah) zu begreifen usw. All dies und dergleichen ist nur das Wirken der Seele und ihre Ausdehnung, die nur von ihr zu etwas ihr Äußerem hin ausgehen; die Seele selbst, wie sie an sich ist, steht jedoch über all diesen Ebenen.

Erklärung

Lieben und verstehen sind Tätigkeiten der Seele, mit denen sie sich etwas anderem zuwendet. Die Seele, wie sie an sich ist, steht über all diesen Tätigkeiten.

שהרי השכל והמדות הם מקבלים שינויים כי במדות יש קטנות וגדלות שהקטן אוהב דברים קטנים כו׳.

Denn der Verstand und die Gefühlsattribute unterliegen Veränderungen: Bei den Gefühlsattributen gibt es Kleinheit und Größe, denn ein kleines Kind liebt kleine Dinge usw.

Erklärung

Der Beweis dafür, dass diese Kräfte nicht das Wesen sind, liegt darin, dass sie sich verändern. Die Gefühle eines Kindes sind klein und richten sich auf kleine Dinge; die eines Erwachsenen nehmen größeren Umfang an.

Absatz 4 in Kürze

Verstand und Gefühle sind die Werkzeuge der Seele, durch die sie nach außen wirkt; da sie sich verändern, können sie nicht ihr unveränderliches Wesen sein.

5והשכל כל זמן שמזקינים כו׳. ולא שייך כ״ז [כל זה] בעצמיות הנפש ומהותה שהיא אינה בעלת שינויים כלל.

Auch der Verstand: „Je älter sie werden …“ usw. Nichts davon trifft auf das Wesen und die Essenz der Seele zu, die überhaupt keiner Veränderung unterliegt.

Erklärung

Auch der Verstand verändert sich mit dem Alter: Die Worte stammen aus der Mischna (Kinnim 3:6), die sagt, dass Ungelehrte mit zunehmendem Alter immer verwirrter werden, während Toragelehrte geistig immer gefestigter werden. Das Wesen der Seele aber verändert sich überhaupt nicht.

ואינה מקבלת שינויים ממקרי הגוף שאינה מתלבשת בעצמותה בגוף אלא הארותיה וכחותיה שהן המתפשטות בגוף ומתלבשות בו הן מקבלים שנויים מצד הגוף המקבל בקטן כך ובזקן כך כו׳.

Auch unterliegt sie keinen Veränderungen infolge dessen, was dem Körper widerfährt, denn ihrem Wesen nach kleidet sie sich nicht in den Körper; vielmehr sind es ihre Strahlen und Kräfte, die sich in den Körper erstrecken und sich in ihn kleiden. Sie unterliegen Veränderungen aufgrund des Körpers, der sie empfängt: beim Kind auf die eine Weise, beim alten Menschen auf eine andere Weise usw.

Erklärung

Das Wesen der Seele tritt nicht in den Körper ein; nur ihre Strahlen und Kräfte tun dies. Sie werden durch den Körper geprägt, der sie empfängt, und zwar beim Kind anders als beim alten Menschen.

וגם השכל והמדות אינן רק הארות הנפש וכחותיה המתפשטות בגוף ואינן עצמיות הנפש ומהותה. אלא שהנפש פועלת ומתפשטת בכחות והארות הללו ומ״מ אינן לבושין נפרדים ממש

Auch der Verstand und die Gefühlsattribute (Middos) sind lediglich Strahlen der Seele und ihre Kräfte, die sich in den Körper erstrecken, und nicht das Wesen und die Essenz der Seele. Vielmehr wirkt die Seele durch diese Kräfte und Strahlen und erstreckt sich durch sie; dennoch sind sie keine wirklich getrennten Gewänder,

Erklärung

Verstand und Gefühle sind ebenfalls solche Strahlen und Kräfte der Seele, nicht ihr Wesen. Die Seele wirkt durch sie, doch sind sie nicht von ihr getrennt, wie ein äußeres Gewand.

כמו מחדו״מ [מחשבה דבור ומעשה] שהן הארות וכחות המלבישים ממש את הנפש (כמו לבוש המכסה כו׳) אבל השכל והמדות הן הארות מעצמיות הנפש ואינן לבושין ממש

wie Denken, Sprechen und Handeln, die Strahlen und Kräfte sind, welche die Seele tatsächlich kleiden (wie ein Gewand, das bedeckt usw.). Doch der Verstand und die Gefühlsattribute sind Strahlen aus dem eigentlichen Wesen der Seele und keine wirklichen Gewänder,

Erklärung

Denken, Sprechen und Handeln bedecken die Seele wie ein Mantel und sind tatsächlich von ihr getrennt. Verstand und Gefühle hingegen strahlen aus dem eigentlichen Wesen der Seele hervor und sind nicht im vollen Sinn Gewänder.

אלא תקונין שעצמותה מתתקנת ומתנאה בהן כמו תקון התכשיט שהוא המיפה את האדם שמתקשט בו ומתנאה:

sondern tikkunim [Schmuckformen], durch die ihr Wesen sich schmückt und verschönert, wie ein Schmuckstück, das den Menschen verschönert, der sich damit schmückt und ziert.

Erklärung

Sie sind also tikkunim, Schmuckformen: Das Wesen der Seele wird durch sie verschönert, so wie ein Mensch durch Schmuck, den er trägt und mit dem er sich identifiziert, verschönert wird.

Absatz 5 in Kürze

Dieser Absatz rundet das Bild der Seele ab: Ihr Wesen ist unveränderlich und tritt nicht in den Körper ein; Verstand und Gefühle sind ihre Strahlen. Sie stehen ihr näher als die äußeren Gewänder und werden daher am besten als ihr Schmuck (tikkunim) bezeichnet.

Vertiefung

Das Transkript in Sefer HaMaamarim 5566 bezeichnet Verstand und Gefühle als „Gewänder, die mit dem Wesen der Seele verbunden und vereint sind“; deshalb nennt Tanya sie ihr Wesen, im Gegensatz zu Denken, Sprechen und Handeln, den „wirklich getrennten Gewändern“. Ein späterer Diskurs (Vayihyu Chayei Sarah 5643) legt nahe, dass das Wesen der Seele in diesen Kräften ruht, so wie das unendliche Licht (Or Ein Sof) in der Weisheit (Chochmah) ruht, und verweist auf diesen Maamar.

Marei Mekomos

  1. 1
    כל זמן שמזקינים · Mishnah Kinnim 3:6
  2. 2
    מצד הגוף המקבל בקטן כך ובזקן כך · ראה בסה״מ תקס״ו ע׳ כט ”שכאשר הוא רך בשנים אזי השכל שלו בקטנות וכן המדות וכשהוא זקן מאד אזי דעתו מתיישבת עליו בבחי׳ מוחין דגדלות”. וראה בפרשיות ע׳ צז.
  3. 3
    שו״ה הנפש — וכחותיה המתפשטות בגוף ואינן עצמיות הנפש ומהותה · בד״ה ויהי חיי שרה תרמ״ג ע׳ טז מבאר ענין זה ומוסיף ”(וי״ל שעצם הנפש שורה בהם וכמו למעלה חכמה בו שורה אוא״ס, וצ״ע, ע׳ תו״א בד״ה פתח אליהו)”.
  4. 4
    שהנפש — ומ״מ אינן לבושין נפרדים ממש · בסה״מ תקס״ו ע׳ ל ”אך משונים הם הכוחות האלו מג׳ לבושי׳ דמדו״מ מפני שהם נק׳ לבושים מחוברים ומיוחדים עם מהותה ועצמותה הגם שהם ג״כ כוחותי׳ ולא עצם עצמותה, אעפ״כ נתחברו ונתייחדו עמה בתכלית היחוד (ולכך נק׳ בלק״א על שם העצם שלה בשם מהותה ועצמותה מצד החבור והיחוד שלהן עמה) משא״כ ג׳ לבושי׳ דמדו״מ שהם לבושים הנפרדים ממש”, ע״ש בארוכה.

„Du bist weise“: die Quelle der Weisheit ¶6–8

6ועד״ז יובן גם למעלה בי״ס [בי׳ ספירות] שנק׳ תקונין (והיינו חכמה ומדות דאצי׳ דאיהו וגרמוהי חד כו׳. אבל בי״ע הן בחי׳ לבושין ממש ועליהם אמר לבושין תקינת לון כו׳).

Auf dieselbe Weise lässt sich auch oben die Erklärung der zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) verstehen, die Tikkunim [Anordnungen] genannt werden (das heißt: die Weisheit (Chochmah) und die Gefühlsattribute (Middos) der Welt der Emanation (Atzilus), von denen [es heißt]: „Er und Seine Gefäße (Ihu Vegarmohi) sind eins …“; aber [diejenigen] der Welt der Schöpfung (Beriah), der Welt der Formung (Yetzirah) und der Welt des Handelns (Asiyah) sind wirkliche Gewänder, und von ihnen heißt es: „Gewänder hast Du ihnen bereitet …“).

Erklärung

Nun wird das Modell auf G‑tt angewandt. Die Sefiros von Atzilus werden Tikkunim genannt, weil sie – wie Verstand und Gefühle der Seele – mit dem Licht vereint sind, das sie zum Ausdruck bringen („Er und Seine Gefäße sind eins“). Die Sefiros der unteren Welten sind dagegen wirkliche, getrennte Gewänder, jene „Gewänder, die Du für sie bereitet hast“.

כי הנה אנת הוא חכים פי׳ אנת הוא היינו אא״ס [אור אין סוף] חכים שנמשך בבחי׳ חכמה ע״ד במקום שאתה מוצא גדולתו כו׳ ועדיין אינו חכים בחכמה ידיעא

Denn [es heißt]: „Du bist weise“: „Du“ bedeutet das unendliche Licht (Or Ein Sof); „weise“ bedeutet, dass es in die Ebene der Chochmah herabgezogen wird, entsprechend dem Ausspruch: „Wo immer du Seine Größe findest …“; und Er ist noch nicht weise mit einer erkennbaren Weisheit,

Erklärung

Pasach Eliyahu fährt fort: „Du bist weise.“ „Du“ ist das unendliche Licht; „weise“ bedeutet, dass dieses Licht in die Chochmah gelangt. Das ist ein Akt der Demut, entsprechend dem Ausspruch der Weisen: „Wo immer du Seine Größe findest, dort findest du Seine Demut“ (Absatz 9 erklärt dies). Doch ist Er noch nicht weise mit einer Weisheit, die erkannt werden kann.

אלא שנק׳ חכים לפי שהוא מקור החכמה וממנו המשכת חכמה בבי״ע הגם שאין ערוך חכמה דבריאה כו׳ וכ״ש [וכל שכן] דעשיי׳ [דעשייה] כו׳ להיות נק׳ בשם חכים ע״ש [על שם] זה.

sondern Er wird „weise“ genannt, weil Er die Quelle der Weisheit ist und von Ihm die Weisheit nach Beriah, Yetzirah und Asiyah herabgezogen wird; obwohl kein Vergleich [zwischen Ihm und] der Weisheit von Beriah usw. besteht, erst recht nicht mit der von Asiyah usw., wird Er aus diesem Grund „weise“ genannt.

Erklärung

Er wird nur deshalb „weise“ genannt, weil Er die Quelle ist, aus der alle Weisheit durch die Welten herabfließt, obwohl die Weisheit der unteren Welten mit Ihm in keinerlei Vergleich steht.

הנה הענין יובן עד״מ ממה שארז״ל [שאמרו רבותינו זכרונם לברכה] אין לך כל עשב כו׳ וגבוה מעל גבוה כו׳.

Die Sache lässt sich anhand einer Analogie aus dem verstehen, was unsere Weisen seligen Andenkens sagten: „Es gibt kein einziges Gräslein …“ usw. und „Einer, der höher ist als der Hohe …“ usw.

Erklärung

Um zu zeigen, wie etwas die Quelle für etwas sein kann, das ihm völlig unähnlich ist, wendet sich der Alter Rebbe dem Ausspruch zu, dass jedes Gräslein ein mazal (eine geistige Kraft von oben) hat, das sein Wachstum lenkt, sowie dem Vers: „Einer, der höher ist als der Hohe, wacht darüber.“ Früher in Torah Ohr, Noach (8d), führt der Alter Rebbe diese Stufenfolge aus: Das Gräslein empfängt von seinem mazal, die mazalos von den siebzig Fürsten und diese wiederum von den Engeln, „einer höher als der Hohe“, bis schließlich alles von der Königsherrschaft (Malchus) G‑ttes empfängt.

Absatz 6 in Kürze

Das Modell der Seele wird auf die zehn Sefiros angewandt: Die von Atzilus sind Tikkunim, mit dem Or Ein Sof vereint, während die der unteren Welten getrennte Gewänder sind; und G‑tt wird „weise“ genannt, insofern Er die Quelle der Weisheit ist, obwohl Er jenseits jeder erkennbaren Weisheit liegt.

Vertiefung

Eine Glosse zu Pasach Eliyahu 5658 merkt an, dass der hier gezogene Gegensatz zwischen den Gefäßen von Atzilus und den Gefäßen der zehn Sefiros von Beriah, Yetzirah und Asiyah besteht. In Likkutei Torah, Korach, verweist der Alter Rebbe auf diese Stelle über „kein Gräslein“, um zu erklären, wie sich die überirdische Güte (Chesed) Stufe um Stufe verdichtet, bis sie zu materiellen Segnungen wie Heilung und guten Jahren wird.

Marei Mekomos

  1. 1
    אבל בי״ע הן בחי׳ לבושין ממש · בד״ה פתח אליהו תרנ״ח תחילת סעי׳ ב׳ יש הג״ה לכאן ”נ״ל דהכוונה הוא בההפרש בין כלים דאצי׳ לכלים דע״ס דבי״ע” ע״ש בארוכה.
  2. 2
    לבושין תקינת לון · Tikkunei Zohar 17a:15–16
  3. 3
    במקום שאתה מוצא גדולתו · Megillah 31a:12–13
  4. 4
    אין לך כל עשב · נסמן לעיל ח, ד. ראה סה״מ תקס״ד ע׳ קכ ואילך. אוה״ת סידור ע׳ קנה. אוה״ת נ״ך כרך ב ע׳ תשעה. בלקו״ת קרח נה, ד. מסעי צג, ג. באוה״ת ענינים ע׳ קנז מציין לכאן.
  5. 5
    אין לך כל עשב · Bereshit Rabbah 10:6
  6. 6
    וגבוה מעל גבוה · Ecclesiastes 5:7

7והרי התפוח הגשמי יש בו מתיקות וחיך אוכל יטעם האם נאמר שיש בכח הצומח אשר בארץ טעם ומתיקות ג״כ ופשיטא במזל שאינו מערך ומהות זה כלל.

Ein Apfel in der materiellen Welt hat Süße, und „der Gaumen kostet Speise“; sollten wir sagen, dass auch die Wachstumskraft in der Erde Geschmack und Süße besitzt? Und erst recht gilt das nicht vom Mazal [der lenkenden himmlischen Kraft], das nicht dieser Ordnung und diesem Wesen angehört.

Erklärung

Ein Apfel schmeckt dem Gaumen süß, doch niemand würde sagen, dass die Wachstumskraft in der Erde selbst süß ist – und erst recht nicht das über ihr wirkende Mazal, das sie lenkt und einer völlig anderen Ordnung angehört.

אלא הענין הוא שהמתיקות נמשך מחסד ומרירו מגבורה והרי הם ענינים רוחניים רק שבהשתלשלות וסדר ירידת המדרגות מדרגה אחר מדרגה נתגשמו עד שנמשך מבחי׳ חסד מתיקות כו׳.

Vielmehr verhält es sich so, dass die Süße aus der Güte (Chesed) und die Bitterkeit aus der Selbstbegrenzung (Gevurah) hervorgezogen wird; dies sind geistige Dinge. Doch durch die stufenweise Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) und die Ordnung des Abstiegs der Ebenen, Stufe um Stufe, wurden sie körperlich, bis aus dem Aspekt der Güte Süße hervorgezogen wird usw.

Erklärung

Die Süße kommt aus Chesed, die Bitterkeit aus Gevurah. Dies sind geistige Eigenschaften, die durch den Abstieg von Stufe zu Stufe zu körperlichen Geschmäcken wurden. In Likkutei Torah, Shir HaShirim (16a), erklärt der Alter Rebbe auf dieselbe Weise, dass die verschiedenen Geschmäcke der Früchte, süß oder sauer, aus der geistigen Wachstumskraft kommen – je nachdem, wie Chasadim [Gütekräfte] und Gevuros [Kräfte der Selbstbegrenzung] in ihr miteinander verbunden sind.

עם היות שאין ערוך אליו מ״מ הוא ממזגו ותכונתו וכמו שרואין כמה מיני עריבות ומתיקות ברוחניות

Obwohl die Süße mit Chesed in keinem Verhältnis steht, trägt sie doch etwas von dessen Beschaffenheit und Gepräge – wie man ja auch in geistigen Dingen viele Arten von Angenehmem und Süßem findet.

Erklärung

Die körperliche Süße ist mit Chesed nicht vergleichbar, doch sie trägt dessen Gepräge. Auch im geistigen Leben gibt es verschiedene Arten von Süße.

כמו תענוג של דבר חכמה הוא ג״כ מתיקות וכן תענוג של ניגון שהוא מן הקול היוצא מן הלב בחי׳ המדות.

So ist das Entzücken (Taanug) an einem Gedanken der Weisheit ebenfalls eine Süße; ebenso das Entzücken an einer Melodie, die aus der Stimme hervorgeht, die dem Herzen entströmt – der Ebene der Gefühlsattribute.

Erklärung

Die Freude daran, einen Gedanken zu erfassen, ist eine Art Süße; ebenso die Freude an einer Melodie, die aus dem Herzen kommt, dem Sitz der Gefühle. Dies sind Zwischenformen: geistig, aber bereits „süß“, zwischen Chesed und dem Geschmack eines Apfels.

Absatz 7 in Kürze

Der Apfel veranschaulicht, wie eine geistige Quelle (Chesed) durch viele Stufen etwas hervorbringen kann, das völlig anders ist als sie selbst – die körperliche Süße –, und dennoch ihr Gepräge trägt.

Vertiefung

In Likkutei Torah, Shir HaShirim, erklärt der Alter Rebbe, dass die Vielfalt der Fruchtgeschmäcke, süß oder sauer, aus der Wachstumskraft kommt, je nachdem, wie Chasadim und Gevuros miteinander verbunden sind; dabei verweist er auf Pasach Eliyahu. Die Analogie zur Süße der Weisheit findet sich auch in Derech Mitzvosecha zur Mitzwah Hallel.

Marei Mekomos

  1. 1
    שו״ה ומתיקות — אלא הענין הוא · ראה לקו״ת שה״ש טז, א.
  2. 2
    כמו תענוג של דבר חכמה · משל זה מובא גם בדרך מצותיך מצות הלל קמח, ב.
  3. 3

8ולכן בכמה ירידות והשתלשלות נעשה מתיקות גשמי ממש הגם שההפרש וההבדל רב ביניהם. וכך הוא הענין בבחי׳ חכמה שיש בה ג״כ גבוה מעל גבוה.

Daher wird sie durch viele Abstiege und Stufen der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) zu tatsächlicher körperlicher Süße, obwohl der Unterschied und die Verschiedenheit zwischen ihnen groß sind. So verhält es sich auch mit der Weisheit (Chochmah), in der es ebenfalls „einen gibt, der höher ist als der Hohe“.

Erklärung

Chesed wird erst nach vielen Abstiegen zu körperlicher Süße, und der Abstand zwischen beiden ist gewaltig. Bei der Weisheit verhält es sich ebenso: Auch sie hat eine Leiter von Ebenen, „einen, der höher ist als der Hohe“.

והגם שחכמה דבריאה אינה מערך ולא מהות חכמה הנראית ונגלית בעשייה מ״מ הוא מקור ושרש להיות ממנה התהוות בחי׳ חכמה דעשי׳ [דעשיה] הנגלית כו׳.

Und obwohl die Chochmah der Welt der Schöpfung (Beriah) weder der Ordnung noch dem Wesen nach der Weisheit entspricht, die in der Welt des Handelns (Asiyah) gesehen und offenbar wird, ist sie dennoch die Quelle und Wurzel, aus der die offenbarte Chochmah von Asiyah hervorgeht usw.

Erklärung

Die Weisheit von Beriah ist der Weisheit, die wir in der physischen Welt, Asiyah, sehen, völlig unähnlich; dennoch ist sie die Wurzel, aus der diese Weisheit hervorgeht. Nach derselben Logik kann G‑tt „weise“ genannt werden, da Er die Quelle aller Weisheit ist.

Absatz 8 in Kürze

Die Analogie wird auf die Weisheit angewandt: Jede höhere Ebene der Chochmah ist mit der darunterliegenden unvergleichbar und ist doch deren Quelle. So kann G‑tt „weise“ genannt werden.

Marei Mekomos

  1. 1

Atzilus als g‑ttliche Demut ¶9–10

9וכך היא חכמה דאצי׳ עם היות שהוא בחי׳ חכים ולא בחכמה ידיעא. מ״מ היא בחי׳ מקור דמקור כו׳.

Und so verhält es sich mit der Weisheit (Chochmah) der Welt der Emanation (Atzilus): Obwohl sie die Ebene des „Weisen, aber nicht mit einer bekannten Weisheit“ ist, ist sie dennoch die Ebene einer Quelle der Quelle usw.

Erklärung

Die Leiter der Weisheit führt weiter nach oben: Die Chochmah der Welt der Emanation (Atzilus) ist noch immer nur „weise, aber nicht mit einer bekannten Weisheit“, und sie ist die Quelle der Quelle der Weisheit unter ihr.

אבל להיות אנת הוא חכים דהיינו המשכת אור א״ס בחכמה הנה החכמה ממש מאין תמצא

Doch dass es heißt: „Du bist weise“, das heißt, dass das unendliche Licht (Or Ein Sof) in die Chochmah herabgezogen wird – die Chochmah selbst „wird aus dem Nichts (Ayin) gefunden“.

Erklärung

Dass das unendliche Licht überhaupt „weise“ wird, also in die Chochmah eintritt, ist jedoch selbst ein Sprung: Die Weisheit „wird aus dem Nichts (Ayin) gefunden“. Der Vers in Hiob wird so gelesen, dass die Weisheit aus einer Stufe kommt, die ihr gegenüber „nichts“ ist.

ולכן היא בחי׳ ענוותנותו ית׳ שהוא ירידה גדולה לפניו ית׳ וזהו לשון אצי׳ בלה״ק [בלשון הקודש] שהוא ל׳ [לשון] ירידה והשפלה ממדרגתו העליונה להשפיל א״ע [את עצמו] כאלו הוא במדרגה פחותה

Daher ist sie die Ebene Seiner Demut, gelobt sei Er, denn dies ist ein großer Abstieg vor Ihm, gelobt sei Er. Und dies ist [die Bedeutung des] Wortes Atzilus in der Heiligen Sprache: Es bezeichnet ein Herabsteigen und Sich-Erniedrigen von der eigenen erhabenen Stufe, sich selbst so zu erniedrigen, als wäre man auf einer niedrigeren Stufe,

Erklärung

Dass das unendliche Licht Weisheit annimmt, ist ein Akt g‑ttlicher Demut, ein großer Abstieg. Deshalb wird die höchste Welt Atzilus genannt: Das Wort wird gewöhnlich mit „Emanation“ wiedergegeben; hier wird es jedoch von der Wurzel von ve'atzalti, „Ich werde absondern“, her gelesen – als Absonderung und Herabsetzung von etwas von seiner eigenen hohen Stufe.

וכמו ואצלתי מן הרוח דגבי משה דלפי שאמר מאין לי בשר שהיתה מדרגתו במעלה העליונה

wie bei „Ich werde vom Geist etwas absondern“ (ve'atzalti), im Zusammenhang mit Moshe: Er sagte: „Woher soll ich Fleisch haben?“, denn seine Stufe war von höchstem Rang,

Erklärung

Der Belegvers stammt aus der Geschichte der siebzig Ältesten: G‑tt sagt: „Ich werde vom Geist absondern, der auf dir ist.“ Moshe hatte eingewandt: „Woher soll ich Fleisch haben?“, weil seine Stufe so erhaben war.

ולא הי׳ [היה] יכול להשפיל א״ע [את עצמו] בהמשכת בשר גשמי לכך אמר לו הקדוש ב״ה אספה לי שבעים איש שהם במדרגה הפחותה היינו שלא יהיו מתגשמי׳ [מתגשמים] ממש

und er sich nicht herablassen konnte, materielles Fleisch herabzuziehen. Deshalb sagte der Heilige, gelobt sei Er (Kudsha Brich Hu), zu ihm: „Versammle für Mich siebzig Männer“, die sich auf einer niedrigeren Stufe befanden, das heißt, sie sollten nicht tatsächlich materiell sein,

Erklärung

Moshe, dessen Stufe so erhaben war, konnte sich nicht herablassen, etwas so Materielles wie Fleisch zu beschaffen. Deshalb sagte G‑tt ihm, er solle siebzig Älteste versammeln, die auf einer niedrigeren Stufe standen, jedoch nicht so niedrig, dass sie völlig materiell waren. Ein späterer Maamar (Sefer HaMaamarim 5687) erklärt, warum es gerade um Fleisch ging: Das Manna, die „Speise der Weisheit“, konnte durch Moshe kommen; Fleisch aber steht für eine feurige Liebe, die ein Selbst voraussetzt, das liebt. Darum kam es durch die Ältesten, die dem Volk näherstanden.

אלא ואצלתי מן הרוח אשר עליך ושמתי עליהם פי׳ שאוריד ואמשיך בחי׳ שלך שיהי׳ [שיהיה] למטה ממדרגתך.

sondern: „Ich werde vom Geist absondern, der auf dir ist, und [ihn] auf sie legen“: Das heißt, Ich werde deine Stufe herabbringen und herabziehen, sodass sie unter deiner [eigenen] Stufe sein wird.

Erklärung

„Ich werde vom Geist absondern, der auf dir ist“ bedeutet, dass G‑tt Moshes eigene Stufe herabziehen würde, unter den Stand, den sie in Moshe hatte, damit sie auf den Ältesten ruhen konnte. Das ist die Bedeutung von Atzilus: die eigene Stufe wird herabgesetzt. In Torah Ohr, Mishpatim (76b) wird der Name Atzilus ebenfalls aus demselben Vers abgeleitet: Was in Moshe verborgen war, wurde in den siebzig Ältesten offenbart.

Absatz 9 in Kürze

Der Name Atzilus wird anhand der Geschichte der siebzig Ältesten erklärt: So wie Moshes Geist „abgesondert“ und herabgesetzt wurde, um auf ihnen zu ruhen, setzt das unendliche Licht sich in Demut herab, um zu Weisheit zu werden.

Vertiefung

Eine Anmerkung von Kehot zitiert Sefer HaSherashim (über Tze'ena Ure'ena 5660): Wenn etwas in etwas gekleidet wird, das nicht seiner Ordnung entspricht, wie Moshes Geist in den siebzig Ältesten, befindet es sich gegenüber seiner Quelle in einem Zustand der Trennung. Spätere Maamarim (Sefer HaMaamarim 5687) erklären, dass das Manna, die „Speise der Weisheit“, durch Moshe kommen konnte, Fleisch aber – das für eine feurige Liebe steht, die ein Selbst voraussetzt – der Ältesten bedurfte, die dem Volk näherstanden. Der Tzemach Tzedek merkt an, dass es den Kabbalisten zu widersprechen scheint, Atzilus als einen Abstieg zu bezeichnen, und erklärt, Atzilus habe zwei Ebenen: Gefäße und Lichter.

Marei Mekomos

  1. 1
    החכמה ממש מאין תמצא · Job 28:12
  2. 2
    שהוא ל׳ ירידה והשפלה · ראה ד״ה צאינה וראינה תר״ס ע׳ קיב בשם ספר השרשים ”כאשר מתלבש בדבר שאינו מערכו וכמו רוחו של משה כשנתלבש בהע׳ זקנים שמצ״ע אינם בערכו כו׳ אז הוא בבחי׳ הבדלה והפרשה לגבי מקורו”, ע״ש.
  3. 3
    וזהו לשון אצי׳ . . במדרגה פחותה וכמו ואצלתי מן הרוח · בד״ה להבין ענין אוא״ס לכ״ק אדמו״ר הצ״צ (נדפס באוה״ת ענינים ע׳ קסז) מציין ללקו״ת פ׳ ואתחנן בד״ה ענין ק״ש ולביאור לבוש מל׳ הב׳ ולדרוש ל״ג בעומר שבסידור, שלכאורה זה סותר לדעת המקובלים בענין אצילות, ע״ש שכ׳ שיש באצילות ב׳ בחי׳ כלים ואורות. וע׳ לקמן עו, ב, ובספר המאמרים תרנ״ח ע׳ יח. ובסה״מ תש״ג ד״ה כה אמר ע׳ 98 ואילך בארוכה, ובע׳ 129 שם. ובד״ה החדש הזה לכם תרס״ו ואילך. ד״ה עוטה אור תער״ב סעיף ז. בד״ה וכל מאמינים תרס״ג. ד״ה כי שמש ומגן תרצ״ב (קונטרס טז). ד״ה ובכן יתקדש תרצ״ג (בקונטרס כא).
  4. 4
    ואצלתי מן הרוח · Numbers 11:17
  5. 5
    מאין לי בשר · Numbers 11:13
  6. 6
    ולא הי׳ יכול להשפיל א״ע בהמשכת בשר גשמי · השפעת המן שהיא השפעה רוחני׳ לחם מן השמים הנה השפעה זו הי׳ ע״י משה דוקא, להיות שהוא מזונא דחוכמתא, אבל בהשפעת בשר לא הי׳ ביכולת משה להשפיל עצמו — סה״מ תרפ״ז ע׳ יח. וראה שם בד״ה ויצא יעקב ע׳ סד דבשר לאחר הבירור הוא אהבה ברשפי אש, וטענת משה מאין לי בשר דמחכמה עצמה אא״ל האהבה ברשפי אש, דחכ׳ הוא ביטול ואהבה ברשפי אש הוא יש מי שאוהב, והוא ע״י הממוצע של הזקנים שהם בקירוב יותר אל העם, ע״ש. ראה גם בסה״מ תרנ״ז ע׳ קלה ואילך.
  7. 7
    אספה לי שבעים איש · Numbers 11:16
  8. 8
    שהם במדרגה הפחותה · ראה מאמרי אדה״ז הקצרים ע׳ פב. סה״מ תקס״ה ע׳ רסב. ביאוה״ז להצ״צ כרך ב ע׳ תתרמח.
  9. 9
  10. 10
    שאוריד ואמשיך · ראה בד״ה פתח אלי׳ תרנ״ח. ד״ה וירד העיט תרנ״ח ע׳ יח. ובד״ה כה אמר תש״ג ע׳ 99-98 שיש כאן ב׳ ענינים הא׳ ירידתו של משה למטה ממדריגתו, והב׳ ושמתי עליהם שיהי׳ להם יניקה ממדרי׳ זו, ע״ש בארוכה. וראה גם בד״ה בריש הורמנתא דמלכא תרצ״ה (קונטרס כח) סעיף יט. ובד״ה וידבר אלקים תרצ״ט ע׳ 178. ובד״ה צאינה וראינה תר״ס ע׳ קיב ”והיינו במה שבא האור מהעלם רוחו של משה להיות בבחי׳ גילוי הנה בזה יורד ממדריגתו מכמו שהי׳ קודם כו׳”, ע״ש בארוכה. סה״מ תרנ״ז ע׳ קלד ואילך. ובהמשך תער״ב פרק קפז. סה״מ תרצ״ו ע׳ 106.
  11. 11
    שיהי׳ למטה ממדרגתך · ראה סה״מ תקס״ח ע׳ שמג. ואוה״ת פ׳ פינחס ע׳ א׳קמז. ד״ה החדש תרס״ו ע׳ קס. המשך תער״ב ח״ב פרק שיג.

10ושמתי עליהם שיהי׳ [שיהיה] יניקה גם להם ממדרגה זו אבל לא שיהיו עולים במעלת ומדרגת משה עצמו כו׳.

„Und lege [es] auf sie“: Das bedeutet, dass auch sie von dieser Ebene Nahrung beziehen werden, aber nicht, dass sie selbst zur Größe und Stufe Moshes aufsteigen usw.

Erklärung

Die zweite Hälfte des Verses, „und lege es auf sie“, bedeutet, dass die Ältesten von Moshes Stufe Nahrung beziehen würden, aber nicht selbst zu Moshe würden; sie würden sie in abgeschwächter Form empfangen.

וכמו״כ [וכמו כן] למעלה ענין אצי׳ הוא בחי׳ ירידה להיות התלבשות אור א״ס בחכמה כו׳ ולכן נק׳ ע״ס [עשר ספירות] דאצי׳ עשר תקונין שהן בחי׳ לבושין לאור א״ס ולא עצמיות כו׳

Ebenso verhält es sich oben: Bei der Welt der Emanation (Atzilus) handelt es sich um eine Ebene des Herabsteigens, damit das unendliche Licht (Or Ein Sof) in die Weisheit (Chochmah) usw. gekleidet wird; deshalb nennt man die zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) von Atzilus zehn Tikkunim [Gestaltungen], denn sie sind Gewänder für Or Ein Sof und nicht [sein] Wesen usw.

Erklärung

In Atzilus geschieht es auf dieselbe Weise: Or Ein Sof senkt sich herab, um in Chochmah und die übrigen Sefiros gekleidet zu werden. Deshalb nennt man die zehn Sefiros von Atzilus Tikkunim: Sie sind Gewänder des Lichts, nicht dessen Wesen.

ומכל מקום אינן לבושין ממש אלא תקונין משום דאיהו וגרמוהי חד כו׳. משא״כ בי״ע כנ״ל:

Dennoch sind sie keine wirklichen Gewänder, sondern Tikkunim, denn „Er und Seine Gefäße (Ihu Vegarmohi) sind eins …“; anders als in der Welt der Schöpfung (Beriah), der Welt der Formung (Yetzirah) und der Welt des Handelns (Asiyah), wie oben erklärt.

Erklärung

Doch wie der Intellekt und die Gefühle der Seele sind sie keine getrennten Gewänder, sondern mit dem Licht vereinte Schmuckstücke („Er und Seine Gefäße sind eins“); anders als die Sefiros der unteren Welten, die getrennte Gewänder sind.

Absatz 10 in Kürze

Die Analogie von Moshe und den Ältesten wird übertragen: Atzilus ist Or Ein Sof, das in die Sefiros herabgesenkt wird; deshalb sind diese „Tikkunim“ – Gewänder des Lichts, die dennoch eins mit ihm sind.

Marei Mekomos

  1. 1
    ושמתי עליהם · Numbers 11:17

„Einer, aber nicht der Zahl nach“: Keser, Tzimtzum und Parsa ¶11–13

11וזהו אנת הוא חד ולא בחושבן שאינו נמנה בכלל הי״ס [הי׳ ספירות] (וקאי על כ״ע [כתר עליון] הממוצע בין המאציל לנאצלים) שאין ערוך אליו כלל

Und dies ist [die Bedeutung von] „Du bist Einer, aber nicht in der Zahl“: dass er nicht zu den zehn g‑ttlichen Attributen (Sefiros) gezählt wird (und dies bezieht sich auf die höchste Krone (Keser), das vermittelnde Glied zwischen dem Emanator und den Emanierten), denn es besteht keinerlei Vergleich zu ihm.

Erklärung

Nun wird die erste Formulierung „Du bist Einer, aber nicht in der Zahl“ erklärt: Sie bezieht sich auf Keser, die höchste Krone, die zwischen G‑tt, dem Emanator, und den emanierten Sefiros steht. Keser wird nicht zu den zehn gezählt, denn diese stehen mit ihm in keinerlei Vergleich. In Tanya, Iggeres HaKodesh 17, wird Keser als „der Vermittler bezeichnet, der das Licht des Emanators, des Unendlichen (Ein Sof), mit den Emanierten verbindet“.

כי התהוות חכמה מהכתר היא מאין ממש ולא כסדר השתלשלות שהן בחי׳ התהוות יש מיש כו׳. והנה בכל העולמות אבי״ע [אצילות בריאה יצירה עשיה] יש בחי׳ כתר הממוצע. כי מלכות דאצילות נעשה כתר לבריאה.

Denn das Hervorgehen der Weisheit (Chochmah) aus Keser geschieht wahrhaftig aus dem Nichts (Ayin) und nicht in der Ordnung der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus), bei der etwas aus etwas hervorgeht usw. Nun gibt es in allen Welten – in der Welt der Emanation (Atzilus), der Welt der Schöpfung (Beriah), der Welt der Formung (Yetzirah) und der Welt des Handelns (Asiyah) – die Ebene (Bechinah) eines vermittelnden Keser: Denn die Königsherrschaft (Malchus) von Atzilus wird zum Keser für Beriah,

Erklärung

Chochmah entsteht aus Keser als „Etwas aus dem Nichts“, nicht durch die gewöhnliche stufenweise Abfolge, in der jede Ebene aus der ihr übergeordneten hervorgeht. Jede Welt hat einen solchen vermittelnden Keser: Die unterste Ebene (Malchus) jeder Welt wird zum Keser der darunterliegenden Welt. In Likkutei Torah, Shelach (39b), führt der Alter Rebbe dies aus den Schriften des Arizal an und vergleicht es mit dem gesprochenen Wort eines Lehrers, das im Schüler zum Gedanken wird: Was auf der höheren Ebene offenbart ist, wird zur verborgenen Wurzel der niedrigeren.

Absatz 11 in Kürze

„Einer, aber nicht in der Zahl“ bezieht sich auf Keser, den Vermittler zwischen G‑tt und den Sefiros. Keser wird nicht zu ihnen gezählt, weil Chochmah aus ihm als etwas aus dem Nichts hervorgeht; auch jede niedrigere Welt hat einen vermittelnden Keser.

Vertiefung

Die Kehot-Anmerkung führt Etz Chaim, im Tor der Darlegungen über die vier Welten, Kapitel 4, sowie Iggeres HaKodesh 17 als Belege dafür an, dass Keser der Vermittler zwischen dem Emanator und den Emanierten ist. In Likkutei Torah, Tazria, verweist der Alter Rebbe auf diesen Maamar und fügt hinzu, dass Atzilus im weiteren Sinn als Ganzes Chochmah und Adam Kadmon dessen Keser ist.

Marei Mekomos

  1. 1
    אנת הוא חד ולא בחושבן · בלקו״ת מסעי צה, ג. ואתחנן ב, ב — מציין לכאן.
  2. 2
    אנת הוא חד ולא בחושבן · Tikkunei Zohar 17a:9–11
  3. 3
    שאינו נמנה בכלל הי״ס · באוה״ת דרושים לשבת שובה ע׳ א׳תסד מציין כ״ק אדמו״ר הצ״צ ע״ז ”וכן מבואר בסידור שער ל״ג בעומר באריכות ע״פ אתה הצבת גבולות ארץ, ועד״ז מבואר ג״כ בלקו״ת פ׳ ואתחנן בד״ה ענין אחד ואהבת בפירוש אנת הוא חד ולא בחושבן ושזהו ענין פסוק ראשון דק״ש ה׳ אחד כו׳, ע״ד חד ולא בחושבן וכנ״ל, וכן מתבאר ג״כ עוד בת״א בד״ה יביאו לבוש מלכות”, ע״ש בארוכה.
  4. 4
    וקאי על כ״ע · ראה לקו״ת פ׳ תזריע כא, א.
  5. 5
    כ״ע הממוצע בין המאציל לנאצלים · ע״ח שער דרושי אבי״ע פ״ד. ראה אגה״ק סי׳ יז. לקו״ת שה״ש ז, ד ואילך. המשך תער״ב ח״ג ע׳ א׳ריד.
  6. 6
    שו״ה על — שאין ערוך אליו · ראה באוה״ת וירא כרך ד תשלח, א הגה״ה לכאן.
  7. 7
    כי התהוות חכמה מהכתר · ראה לקו״ת תזריע כא, א.
  8. 8
    מל׳ דאצילות נעשה כתר לבריאה · ע׳ לקו״ת פ׳ שלח לט, ב בשם כתבי האריז״ל.

12ומלכות דבריאה כתר ליצירה. אך ההפרש בין כתר דאצילות לכתר שבכל העולמות כי התהוות אצילות הוא ע״י צמצום אור א״ס להיות מקום פנוי וחלל ממש כו׳

und die Königsherrschaft (Malchus) der Welt der Schöpfung (Beriah) [wird] zur Krone (Keser) für die Welt der Formung (Yetzirah). Der Unterschied zwischen der Krone (Keser) der Welt der Emanation (Atzilus) und der Krone in allen [anderen] Welten besteht jedoch darin, dass die Welt der Emanation (Atzilus) durch die Einschränkung (Tzimtzum) des unendlichen Lichts (Or Ein Sof) zustande kam, sodass ein wahrhaft freier Raum und eine wirkliche Leere entstanden, usw.,

Erklärung

Die Abfolge setzt sich fort: Die Malchus von Beriah wird zum Keser von Yetzirah. Doch der Keser von Atzilus unterscheidet sich von den Keserim der unteren Welten: Atzilus kam durch den Tzimtzum zustande, der einen „freigeräumten Raum“ zurückließ – eine wahre, lichtlose Leere.

והתהוות בי״ע היינו ע״י פרסא המפסיק בין אצי׳ לבריאה ובין בריאה ליצירה כו׳ ולא מקום פנוי.

während die Entstehung der Welt der Schöpfung (Beriah), der Welt der Formung (Yetzirah) und der Welt des Handelns (Asiyah) durch eine Parsa (Trennwand) erfolgt, die zwischen Atzilus und Beriah sowie zwischen Beriah und Yetzirah usw. trennt, und nicht [durch] einen freigeräumten Raum.

Erklärung

Die unteren Welten entstehen nicht durch eine Leere, sondern durch eine Parsa, eine Trennwand oder einen Schirm, der zwischen Atzilus und Beriah sowie zwischen jeder Welt und der jeweils nächsten angeordnet ist.

Absatz 12 in Kürze

Der Absatz formuliert den zentralen Unterschied des Maamar: Atzilus entsteht durch den Tzimtzum und den dadurch entstandenen „freigeräumten Raum“, während die unteren Welten durch eine Parsa, eine Trennwand, entstehen.

13וההפרש שבין פרסא למקום פנוי יובן בהקדם ענין הצמצום באור א״ס. כי הנה אור א״ס

Der Unterschied zwischen einer Parsa [Trennwand] und einem freigeräumten Raum wird verständlich, wenn man zunächst [erklärt], worin die Einschränkung (Tzimtzum) im unendlichen Licht (Or Ein Sof) besteht. Denn Or Ein Sof

Erklärung

Um den Unterschied zwischen einer Parsa und einem freigeräumten Raum zu erklären, erläutert der Alter Rebbe zunächst, worin der Tzimtzum bestand und was mit Or Ein Sof gemeint ist. In Likkutei Torah, Shir HaShirim (42b), bezeichnet der Alter Rebbe den Tzimtzum als einen „Sprung“ über die geordnete Kette, während eine Parsa zu dieser Kette gehört: Das Licht selbst scheint durch den Schirm hindurch, so wie eine Idee in ein Gleichnis gekleidet ist.

היינו אור וגילוי להיות איזה התפשטות והתהוות מקור וחיות ואור א״ס שבעצמותו היינו בחי׳ זו שיש בו אור להיות מאיר ומתפשט להוות ולהחיות.

bedeutet Licht und Offenbarung, sodass eine gewisse Ausdehnung und das Hervorgehen einer Quelle und Lebenskraft möglich sind; und Or Ein Sof, das in Seinem Wesen ist, bezeichnet diese Ebene: dass Licht in Ihm ist, um zu leuchten und sich auszudehnen, um ins Dasein zu bringen und Leben zu geben.

Erklärung

Or Ein Sof ist G‑ttes Fähigkeit, sich zu offenbaren, sich nach außen auszudehnen, ins Dasein zu bringen und Leben zu geben. Auch in Seinem Wesen ist Or Ein Sof dieser Aspekt: ein Licht, das seiner Natur nach bereit ist zu leuchten.

Absatz 13 in Kürze

Die Erörterung des Tzimtzum beginnt damit, Or Ein Sof als G‑ttes Kraft der Offenbarung zu bestimmen: als die Fähigkeit, nach außen zu strahlen und zu erschaffen.

Marei Mekomos

  1. 1
    וההפרש שבין פרסא למקום פנוי · ראה לקו״ת שה״ש מב, ב.

Licht und Lichtspender; der Tzimtzum ¶14–17

14וזהו קודם שנברא העולם היה הוא ושמו בלבד דהיינו הוא א״ס בעצמו. ושמו הוא אור א״ס שבעצמותו שהוא רק בחי׳ שמו שהוא בחי׳ הגילוי

Und dies ist [die Bedeutung von] „Vor der Erschaffung der Welt gab es nur Ihn und Seinen Namen“: „Er“ ist der Unendliche (Ein Sof) Selbst, und „Sein Name“ ist das unendliche Licht (Or Ein Sof) in Seinem Wesen, das allein der Aspekt (Bechinah) Seines Namens ist, das heißt der Aspekt der Offenbarung,

Erklärung

Die Aussage „Vor der Erschaffung der Welt gab es nur Ihn und Seinen Namen“ benennt zwei Dinge: „Er“ ist die eigene Essenz des Unendlichen, und „Sein Name“ ist das unendliche Licht, das für Ihn das ist, was ein Name für einen Menschen ist: der Aspekt, der anderen offenbart werden kann.

דהיינו מה שיכול להיות מתגלה ומתפשט כמו זיו השמש מהשמש שהזיו הוא האור שיש בשמש להאיר על הארץ והשמש עצמו היינו גוף השמש עצמו

das heißt das, was offenbart werden und sich ausbreiten kann, wie der Glanz der Sonne von der Sonne ausgeht: Der Glanz ist das Licht in der Sonne, das auf die Erde scheint, während die Sonne selbst der eigentliche Körper der Sonne ist.

Erklärung

Das Gleichnis ist die Sonne: Ihr Glanz ist das Licht, das sie auf die Erde scheinen lassen kann, während die Sonne selbst der Körper ist, von dem das Licht ausgeht.

והנה האור היוצא מהשמש נק׳ בשם אור כמו שכתוב ויקרא אלקים לאור יום שהיום נק׳ אור ע״ש [על שם] התפשטות האור והזיו מה שמאיר ביום משא״כ עצמיות השמש נקרא מאור.

Das Licht, das nun von der Sonne ausgeht, wird „Licht“ genannt, wie geschrieben steht: „Und G‑tt nannte das Licht Tag“; denn der Tag wird aufgrund der Ausbreitung des Lichts und des Glanzes, der während des Tages scheint, „Licht“ genannt. Das Wesen der Sonne hingegen wird ein Ma'or [Lichtspender] genannt,

Erklärung

Die Schrift nennt den Glanz „Licht“ („G‑tt nannte das Licht Tag“ – das heißt: Der Tag wird wegen des Lichts, das sich in ihm ausbreitet, „Licht“ genannt); die Sonne selbst dagegen wird „Lichtspender“ genannt, denn sie ist die Quelle des Lichts.

וכמ״ש את שני המארת הגדלים כו׳. וכך הוא באור א״ס שהאור נקרא הגילוי שמתפשט ממנו התהוות האור וחיות כו׳ וא״ס בעצמו הוא בחי׳ המאור שהוא מקור האור וממנו נמשך האור:

wie geschrieben steht: „die beiden großen Lichtspender“ usw. So verhält es sich auch mit dem unendlichen Licht: Das Licht wird Offenbarung genannt, aus der die Entstehung von Licht und Lebenskraft usw. hervorgeht; der Unendliche Selbst hingegen ist der Aspekt des Lichtspenders, der die Quelle des Lichts ist und aus dem das Licht hervorgezogen wird.

Erklärung

So ist es auch oben: Das unendliche Licht ist die Offenbarung, aus der Licht und Lebenskraft hervorgehen, während der Unendliche Selbst der „Lichtspender“, die Quelle jenes Lichts, ist.

Absatz 14 in Kürze

Anhand der Sonne und ihres Glanzes unterscheidet dieser Absatz den Unendlichen (den Lichtspender, „Er“) vom unendlichen Licht (dem Licht, „Sein Name“).

Vertiefung

Die Kehot-Anmerkung stellt fest, dass die Aussage an den meisten Stellen als „Er und Sein Name allein“ zitiert wird; ihre Quelle, Pirkei DeRabbi Eliezer 3, lautet „der Heilige, gelobt sei Er, und Sein großer Name allein“, und auch Torah Ohr, Mishpatim und der Pardes haben die Formulierung „der Heilige, gelobt sei Er“. Ein Chassid des Mitteler Rebbe stellte zu dieser Passage eine Frage: Wenn das Licht vor der Erschaffung bereits im Lichtspender eingeschlossen war und sich nicht ausbreitete, warum war dann überhaupt die Einschränkung (Tzimtzum) nötig?

Marei Mekomos

  1. 1
    קודם שנברא העולם הי׳ הוא ושמו בלבד · כן הובא הלשון ברוב המקומות. וראה לקמן עט, ב הקב״ה. בלקו״ת בהר מה, ג: ושמו הגדול בלבד. ראה פדר״א פ״ג. ובפרדס שער עצמות וכלים פ״ח הקב״ה. בסה״מ תרנ״ד ע׳ רחצ: כן הובא הלשון בפרד״ס ובשל״ה, ועמ״ש בשל״ה ד״ד ע״א, וכ״ה הל׳ בכה״מ בלקו״ת ובשא״ד, וע׳ תו״א פ׳ וירא ד״ה פתח אליהו. ובד״ה רפאני תקס״ח. ובד״ה ועברתי באמ״צ רל״ב. ראה אוה״ת יתרו ע׳ תתלד.
  2. 2
    קודם שנברא העולם היה הוא ושמו בלבד · Pirkei DeRabbi Eliezer 3:2–3
  3. 3
    דהיינו הוא א״ס בעצמו · בהתמים חוברת ב ע׳ פה נדפס מכתב מאחד מחסידי כ״ק אדמו״ר האמצעי ושואל שם וז״ל ”שמאחר שקודם שנבה״ע הי׳ שמו דהיינו האור כלול במאור ולא נתפשט למה הי׳ צריך להתצמצם לבה״ע כי מאחר שכבר הי׳ הצמצום בלא״ה ובעצם המאור ליכא שום שינוי בין קודם הבריאה לאחר הבריאה”.
  4. 4
    וזהו קודם שנברא . . כמו זיו השמש מהשמש · מובא באוה״ת פ׳ יתרו ע׳ תתלד, ושם מאריך בענין היה הוא ושמו בלבד ע״ש.
  5. 5
    ויקרא אלקים לאור יום · Genesis 1:5
  6. 6
    את שני המארת הגדולים · Genesis 1:16

15והנה הצמצום היה באור א״ס דהיינו שהאור נכלל במאור כי לפי שאין העולמות יכולים לקבל גילוי אוא״ס [אור אין סוף] כמו שהוא בעצמותו.

Nun geschah die Einschränkung (Tzimtzum) im unendlichen Licht (Or Ein Sof), das heißt, das Licht wurde in die Lichtquelle aufgenommen. Denn die Welten können die Offenbarung des unendlichen Lichts, wie es in Seinem Wesen ist, nicht empfangen,

Erklärung

Der Tzimtzum geschah am Licht, nicht an G‑tt: Das Licht wurde in seine Quelle, die Lichtquelle, zurückgezogen. Die Welten hätten das unendliche Licht, wie es ist, nicht ertragen können.

והיו בטלים במציאות ממש כו׳ לכך צמצם האור שיוכלל במאור (להיות רק בכח ולא בפועל) ויתעלם בו שלא יהיה גילוי האור רק המאור

und sie wären völlig aus der Existenz aufgehoben worden usw. Deshalb schränkte Er das Licht ein, damit es in die Lichtquelle aufgenommen werde (um nur der Möglichkeit nach und nicht tatsächlich vorhanden zu sein) und in ihr verborgen sei, sodass nicht das Licht, sondern nur die Lichtquelle offenbart wäre.

Erklärung

Sie wären aus der Existenz aufgehoben worden; deshalb zog G‑tt das Licht in die Lichtquelle zurück, wo es nur der Möglichkeit nach besteht und verborgen ist, sodass allein die Lichtquelle bleibt.

(אבל במאור שהוא א״ס עצמו לא שייך צמצום ח״ו [חס ושלום] ולא העלם ואדרבה המאור הוא בהתגלות

(In der Lichtquelle aber, die der Unendliche (Ein Sof) selbst ist, gilt kein Tzimtzum, G‑tt behüte, und auch keine Verhüllung; im Gegenteil: Die Lichtquelle ist offenbart.

Erklärung

Eine entscheidende Präzisierung: Die Lichtquelle, G‑ttes eigenes Wesen, wird überhaupt nicht eingeschränkt oder verhüllt. Im Gegenteil, die Lichtquelle ist „offenbart“. Or HaTorah (Mattos) vom Tzemach Tzedek geht noch weiter: Der Tzimtzum hat überhaupt keinen Bezug zur Lichtquelle, und durch den Tzimtzum wird die Lichtquelle tatsächlich offenbart.

ולכן אפילו תנוקות יודעים שיש שם אלוה מצוי כו׳ אף שאין בהם השגה ותפיסה איך ומה לפי שאין בהם גילוי האור שמ״מ המאור עצמו הוא נמצא למטה כמו למעלה)

Daher wissen sogar kleine Kinder, dass es einen G‑tt gibt usw., obwohl sie keinerlei Verständnis oder Erfassung davon haben, wie und was Er ist, weil ihnen die Offenbarung des Lichts fehlt; dennoch ist die Lichtquelle selbst unten ebenso vorhanden wie oben.)

Erklärung

Deshalb wissen sogar kleine Kinder, dass es einen G‑tt gibt, ohne irgendetwas über Ihn zu verstehen: Was sie wahrnehmen, ist nicht das Licht, das Verständnis voraussetzt, sondern die Lichtquelle selbst, die unten ebenso vorhanden ist wie oben.

ולכן נק׳ צמצום זה מקום פנוי וחלל כו׳ פי׳ שהוא חלל וריק מן האור שאין בו אור והתגלות כלל

Daher wird dieser Tzimtzum ein freier Raum und ein Hohlraum usw. genannt; das heißt, er ist hohl und leer des Lichts, ohne dass sich in ihm überhaupt Licht oder Offenbarung befindet,

Erklärung

Deshalb wird der Tzimtzum „freier Raum“ oder „Hohlraum“ genannt: Er ist leer an Licht und Offenbarung.

אלא נשאר בכח במאור וכמשל הנפש שבבואה לגוף נראה גילוי החיות שבה שמחיה את הגוף

sondern [das Licht] bleibt der Möglichkeit nach in der Lichtquelle. Dies lässt sich mit der Seele vergleichen: Wenn sie in den Körper kommt, wird die Offenbarung ihrer Lebenskraft sichtbar, die dem Körper Leben gibt;

Erklärung

Das Licht besteht weiterhin, aber nur der Möglichkeit nach in der Lichtquelle. Der Vergleich: Wenn eine Seele in einen Körper kommt, wird ihre Lebenskraft im lebendigen Körper sichtbar.

אבל קודם בואה לגוף אע״פ [אף על פי] שיש בה כח החיות להחיות את הגוף בהתלבשותה בו מ״מ הרי החיות ההוא בכח

bevor sie aber in den Körper kommt, besitzt sie zwar die Kraft der Lebenskraft, um dem Körper Leben zu geben, wenn sie sich in ihn kleidet, doch ist diese Lebenskraft der Möglichkeit nach vorhanden

Erklärung

Bevor die Seele in den Körper kommt, besitzt sie bereits die Kraft, ihm Leben zu geben; doch ist diese Kraft nur der Möglichkeit nach vorhanden.

ולא בפועל כ״ז [כל זמן] שלא נתלבשה עדיין בגוף להחיותו ולהוציא גילוי החיות מכח אל הפועל ומההעלם אל הגילוי.

und nicht tatsächlich, solange sie sich noch nicht in den Körper gekleidet hat, um ihm Leben zu geben und die Offenbarung der Lebenskraft aus der Möglichkeit in die Wirklichkeit und aus der Verhüllung in die Offenbarung zu bringen.

Erklärung

Tatsächlich wird sie erst, wenn die Seele sich in den Körper kleidet und ihre Lebenskraft aus der Möglichkeit in die Wirklichkeit, aus der Verhüllung in die Offenbarung, übergeht. So ist es auch mit dem unendlichen Licht nach dem Tzimtzum.

Absatz 15 in Kürze

Der Tzimtzum wird hier bestimmt: Das Licht wurde in seine Quelle aufgenommen und bleibt dort nur der Möglichkeit nach bestehen. Deshalb wird das Ergebnis „freier Raum“ genannt; die Lichtquelle selbst bleibt unberührt und ist tatsächlich überall vorhanden.

Vertiefung

Spätere Abhandlungen befassen sich ausführlich mit den Worten „Die Lichtquelle ist offenbart“. Or HaTorah (Mattos) versteht sie so, dass der Tzimtzum selbst die Lichtquelle offenbart; andere erklären, dass das Wesen jenseits von Verhüllung und Offenbarung steht und „Offenbarung“ hier bedeutet, dass es unten ebenso vorhanden ist wie in seiner Verhüllung – wie der Name des Himmels, der in aller Munde ist. Eine Anmerkung in Sefer HaSichos 5752 erklärt, dass „Lichtquelle“ hier G‑ttes eigenes Wesen meint, das über jeder Ebene steht. Dieser Ausdruck wird verwendet, weil er betont, dass es unten ebenso vorhanden ist wie oben – im Gegensatz zum Licht, das oben stärker leuchtet als unten.

Marei Mekomos

  1. 1
    שהאור נכלל במאור · ע׳ בלקו״ת ויקרא נב, ד בהג״ה. במאמרי אדה״ז תקס״ח ע׳ שכה. בדרוש ג׳ מיני אדם אוה״ת פ׳ בלק ובאוה״ת ענינים ע׳ פה. בשרש מצות התפלה פל״ג ואילך.
  2. 2
    להיות רק בכח ולא בפועל · ראה ד״ה תקעו עזר״ת. המשך תער״ב ח״ג ע׳ א׳תעו. וראה שם ע׳ תתקטו דמה שאומרים בכח ולא בפועל אין הכוונה כמו ענין כח ופועל שהרי הכח אינו חסר פועל כו׳, רק הכוונה שנשאר בכח שזהו ע״ד יכולת שביכולתו להאיר כו׳, ע״ש.
  3. 3
    אבל במאור . . ולא העלם · ראה אוה״ת מטות ע׳ א׳רעז ”היינו דלא רק שלא היה בו צמצום בפועל אלא יתירה מזו שאין שייך בו צמצום, ואדרבה המאור הוא בהתגלות דלא רק שע״י הצמצום לא נעשה העלם בהמאור [מכיון שהצמצום הי׳ רק בהאור ולא בהמאור, כנ״ל], אלא אדרבה ע״י הצמצום הוא התגלות המאור”. ד״ה באתי לגני תשכ״ט (נדפס בקונטרס י׳ שבט תשמ״ט) סעי׳ ז. בסד״ה אנכי ה׳ אלקיך תרס״ז (בהמשך תרס״ו) ע׳ תסה ”נ׳ דקאי על עצמותו ית׳” עכ״ל שם. ראה ד״ה ת״ר נר חנוכה תרמ״ג ע׳ לז. וראה בד״ה ויקרא אל משה תש״ה ע׳ 132. נזכר בהמשך תער״ב ח״ב פרק שכג. שמט, ושם כ׳ דעם היות דבעצמות המאור אינו שייך ענין ההתגלות שזהו למעלה מהעלם וגילוי כו׳, וההתגלות הוא רק מה ששם שמים שגור בפי כל כמש״ש וא״כ התגלות המאור אין זה שהוא מתגלה כו׳ עכ״ל. וראה בסה״מ תרמ״ג ע׳ צ שההתגלות הוא באופן אחר ולא שהוא גילוי ממש, ע״ש ובד״ה חכמות בחוץ תרח״צ. בד״ה מן המיצר תרמ״ח ע׳ קסא מבאר דקודם הצמצום שהי׳ אוא״ס ממלא מקום החלל היינו בחי׳ האור וגילוי העצם כו׳, אך בחי׳ עצמות המאור הוא למעלה מעלה מבחי׳ גילוי אור . . אך בכדי שיהי׳ התהוות עולמות אבי״ע ולהאיר אור בבחי׳ קו וחוט אוב״כ כו׳ צמצם א״ע כביכול להעלים את האור הבלי גבול שיוכלל בעצמו שזהו״ע סילק האור והגילוי לגמרי ונשאר בחי׳ הרשימה הכלול מהעלם וגילוי . . בהשוואה אחת ויכול להיות שיתפשט בגילוי בעולמות ממש כו׳, וזהו מ״ש ואדרבה המאור הוא בהתגלות, דצמצום והעלמות האור ובחי׳ הרשימה הוא בחי׳ גילוי עצמות המאור כו׳, ע״ש. בסה״מ תר״ס ע׳ מג מבאר שענין ההתגלות הוא שנמצא כמו שהוא בהעלמו, כי בעצמות אינו שייך ענין העלם וגילוי כלל, כי כל ענין העלם וגילוי שייך רק בדבר שבגדר גילוי והיינו בבחי׳ אור שהוא בגדר גילוי שייך בו ג״כ ענין בחי׳ העלם כו׳, אבל בעצם שאינו בגדר גילוי כלל ממילא אינו שייך בו ענין העלם וגילוי כלל ע״ש. ובד״ה ציון במשפט תרס״ב ע׳ שס ”והיינו לאחר הצמצום דוקא שנתצמצם האור והגילוי נתגלה בחי׳ עצמות האור כו׳”.
  4. 4
    ואדרבה המאור הוא בהתגלות · ראה בסה״מ תרנ״א ע׳ ריח.
  5. 5
    ולכן אפילו תנוקות יודעים שיש שם אלוה מצוי · ראה מאמרי אדה״ז ענינים ע׳ סח וע׳ ע. בסה״מ תרמ״ח ע׳ קסב: ”ולכן שם שמים שגור בפי כל ואפי׳ תינוקות ונשים וע״ה מזכירים ש״ש ויודעים שיש אלוה מצוי אעפ״י שאין להם שום השגה ותפיסא בענין אלקות, ומ״מ יודעים שיש אלקה כו׳”. ראה שם בארוכה, ומוזכר גם בסה״מ תרמ״ט ע׳ רסט. סה״מ תר״ס ע׳ מג. סה״מ מלוקט ח״ג ע׳ מה.
  6. 6
    ולכן נק׳ צמצום זה מקום פנוי וחלל · נתבאר בלקו״ת ויקרא בהוספות.
  7. 7
    בספר השיחות תשנ״ב כרך א ע׳ 127 בהערה 59 מבאר וז״ל · ”כלומר: אין הכוונה לדרגא ותואר ד”מאור”, מקור האור, כי אם, לעצמותו ית׳ ממש שלמעלה מכל דרגא ותואר (ונקרא רק בשם ”מצוי”), אלא שכיון שמדברים אודות ההתגלות, משתמשים בלשון ”מאור” שבו מודגש ש”נמצא (ומתגלה) למטה כמו למעלה”, דלא כ”אור” שמאיר ומתגלה למעלה יותר מאשר למטה”.
  8. 8
    ראה בד״ה ואתחנן עטר״ת ע׳ תקעג · ”זהו דוקא לאחר הצמצום ותעלמות האוא״ס כו׳”.

16וכן איש חכם שכשהחכמה שלו היא בבחי׳ התפשטות לזולתו או אפילו לעצמו דהיינו בשעה שעוסק בה אזי היא בבחי׳ גילוי שנראית ונגלית חכמתו לזולתו או לעצמו

Ebenso verhält es sich mit einem weisen Mann: Wenn seine Weisheit sich in einem Zustand der Ausdehnung auf einen anderen oder sogar auf ihn selbst befindet, das heißt, während er sich mit ihr beschäftigt, dann befindet sie sich im Zustand der Offenbarung, sodass seine Weisheit für einen anderen oder für ihn selbst sichtbar und offenbar ist.

Erklärung

Ein zweites Gleichnis für das Potenzielle und das Wirkliche: Die Weisheit eines weisen Mannes wird offenbar, wenn er sich mit ihr beschäftigt – sei es, dass er einen anderen unterrichtet oder auch nur selbst über sie nachdenkt.

אבל בעידנא דלא עסיק הרי חכמתו רק בכח הנפש דהיינו שיש בכחו להשכיל אם יעסוק בהשכלה

Doch „zu einer Zeit, da er nicht beschäftigt ist [mit ihr]“, ist seine Weisheit nur als Potenzial in der Seele vorhanden, das heißt, er besitzt die Fähigkeit, [Ideen] zu bilden, wenn er sich mit dem Denken beschäftigt,

Erklärung

Wenn er sich nicht damit beschäftigt, besteht seine Weisheit nur als Kraft in seiner Seele: Er könnte nachdenken, wenn er es wollte. In Likkutei Torah, Vayikra (52d), entwickelt der Alter Rebbe dieses Gleichnis weiter: Ein Traktat, das man gerade nicht lernt, tritt aus den Gedanken und der Sprache zurück, bleibt aber dem Gedächtnis eingeprägt. Deshalb steht man vor einem Torahgelehrten selbst dann auf, wenn er gerade nicht lernt.

אבל לא באה לידי גילוי מכח אל הפועל וכן כח הראי׳ [הראיה] שבעין שאף שאם יסתום העין יש לו כח הראי׳ [הראיה]

doch sie wird nicht offenbar und geht nicht aus dem Potenzial in die Wirklichkeit über. Ebenso verhält es sich mit der Sehkraft im Auge: Obwohl man, wenn man das Auge schließt, die Sehkraft besitzt

Erklärung

In diesem Zustand ist sie nicht offenbart. Ebenso verhält es sich mit der Sehkraft: Bei geschlossenem Auge ist sie vollständig vorhanden.

בשלימות מ״מ לא בא לידי גילוי להיות העין רואה ממש עד שיפקח עיניו וכן כח ההילוך שברגל וכיוצא בזה בשאר החושים שבכל האברים כו׳.

und zwar in vollem Maß, tritt sie dennoch nicht in die Offenbarung, sodass das Auge tatsächlich sieht, bis man die Augen öffnet. Ebenso verhält es sich mit der Kraft des Gehens im Fuß und mit den übrigen Sinnen in allen Gliedern usw.

Erklärung

Tatsächliches Sehen findet jedoch erst statt, wenn das Auge geöffnet wird. Dasselbe gilt für das Gehen und für alle Sinne. Der Kraft fehlt nichts; sie ist lediglich nicht offenbart. So besteht das Licht nach der Einschränkung (Tzimtzum) innerhalb des Lichtspenders.

Absatz 16 in Kürze

Alltagsbeispiele – ein Gelehrter, der gerade nicht nachdenkt, und ein geschlossenes Auge – zeigen, was es bedeutet, dass etwas vollständig im Potenzial vorhanden, aber nicht offenbart ist, so wie das Licht nach dem Tzimtzum.

Marei Mekomos

  1. 1
    בעידנא דלא עסיק · Sotah 21a:10–11

17ועד״ז יובן למעלה בבחי׳ הצמצום באוא״ס [באור אין סוף] שהאור והגילוי נתצמצם ונתעלם להיות רק בכח המאור ולא בפועל.

In gleicher Weise lässt sich oben die Einschränkung (Tzimtzum) im unendlichen Licht (Or Ein Sof) verstehen: Das Licht und die Offenbarung wurden eingeschränkt und verborgen, sodass sie nur im Potenzial der Lichtquelle und nicht tatsächlich vorhanden waren.

Erklärung

Die Gleichnisse werden auf die höheren Bereiche angewandt: Beim Tzimtzum wurden das Licht und seine Offenbarung zurückgezogen und verborgen; sie blieben nur als Potenzial in der Lichtquelle bestehen.

וה״ז [והרי זה] נק׳ מקום פנוי וחלל לגבי האור שלא נשאר אור וגילוי. ואף שבאמת אינו מקום פנוי לגמרי ח״ו [חס ושלום]

Und dies wird in Bezug auf das Licht ein freier Raum und eine Leere genannt, denn kein Licht und keine Offenbarung blieben zurück. Obwohl es in Wahrheit keineswegs ein völlig freier Raum ist, G‑tt bewahre,

Erklärung

In Bezug auf das Licht ist dies ein „freier Raum“, weil kein offenbartes Licht zurückbleibt. Dennoch ist er nicht wirklich frei von G‑tt.

שהרי המאור ממלא את כל החלל. שבמאור עצמו לא שייך צמצום והעלם ח״ו [חס ושלום] והאור הוא בכח כו׳.

denn die Lichtquelle erfüllt die ganze Leere; in der Lichtquelle selbst sind Einschränkung und Verhüllung nicht anwendbar, G‑tt bewahre, und das Licht ist im Potenzial usw.,

Erklärung

Die Lichtquelle, G‑ttes Wesen, erfüllt die ganze „Leere“, denn Einschränkung und Verhüllung sind auf sie nicht anwendbar; und auch das Licht ist weiterhin vorhanden, im Potenzial.

אעפ״כ [אף על פי כן] לפי שהמשיל האריז״ל [האר״י זכרונו לברכה] את הגילוי וחיות הנמשך מא״ס והתהוות ע״ס [עשר ספירות] חכמה בינה כו׳ בשם אורות שהם כמו אור וזיו היוצא משמש ומאיר כו׳.

dennoch: Da der Arizal die Offenbarung und die Lebenskraft, die vom Unendlichen (Ein Sof) herabgezogen werden, sowie das Entstehen der zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros), der Weisheit (Chochmah), des Verständnisses (Binah) usw. mit „Lichtern“ verglich, die dem Licht und Glanz gleichen, die von der Sonne ausgehen und leuchten usw.,

Erklärung

Warum bezeichnet der Arizal (Rabbi Yitzchak Luria, der Meister der Kabbalah) dies dann als leeren Raum? Weil er den Fluss der G‑ttlichkeit vom Unendlichen und die zehn Sefiros als „Lichter“ beschreibt, wie das von der Sonne ausgehende Sonnenlicht.

לכך קרא להצמצום מה שנכלל האור במאור בשם מקום פנוי שהוא התעלמות האור והתעלמות זו היא העדר האור עד שאינו עולה בשם כלל להיות נק׳ בשם חכמה ואפי׳ [ואפילו] חכים

nannte er daher die Einschränkung (Tzimtzum), das Aufgehen des Lichts in der Lichtquelle, einen „freien Raum“: Sie ist die Verhüllung des Lichts, und diese Verhüllung bedeutet, dass das Licht fehlt, bis zu dem Punkt, an dem ihm überhaupt keine Bezeichnung mehr zukommt, sodass es nicht Chochmah oder auch nur „weise“ genannt werden kann,

Erklärung

Innerhalb dieses Bildes ist das Zurückziehen des Lichts in seine Quelle ein „freier Raum“: eine Abwesenheit von Licht, die so vollständig ist, dass es nicht einmal Chochmah oder auch nur „weise“ genannt werden kann.

ולא בחכמה ידיעא כו׳ (שאינו ניכר מורגש אפי׳ [אפילו] בכח) עד אחר כמה ירידות והשתלשלות המדרגות עקודים נקודים כו׳

„aber nicht mit einer erkennbaren Weisheit“ usw. (denn selbst im Potenzial ist es weder erkennbar noch spürbar), bis nach zahlreichen Abstiegen und Stufen der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus), Akudim, Nekudim usw.,

Erklärung

Es kann nicht einmal „weise“ genannt werden im Sinne von „weise, aber nicht mit einer erkennbaren Weisheit“; es ist nicht einmal als Potenzial spürbar. Erst nach vielen weiteren Stufen, den Welten, die der Arizal Akudim („gebunden“) und Nekudim („gepunktet“) nennt, tritt etwas hervor, das benannt werden kann.

שבחי׳ עינים היא מקור בחי׳ כלים להיות עולה בשם התהוות בחי׳ חכים ולא בחכמה ידיעא כו׳ דהיינו שאז נעשה בחי׳ כח התהוות איזו בחי׳ להיות מקור דמקור לבחי׳ חכמה כו׳

denn die Ebene der Augen ist die Quelle der Ebene der Gefäße, sodass die Entstehung einer Ebene als „weise, aber nicht mit einer erkennbaren Weisheit“ bezeichnet werden kann usw.; das heißt, dann entsteht die Kraft, irgendeine Ebene hervorzubringen und so eine Quelle der Quelle für die Ebene der Weisheit (Chochmah) zu sein usw.

Erklärung

In der Darstellung des Arizal geht die Welt Nekudim aus dem Licht der „Augen“ von Adam Kadmon („Urmensch“, die erste Ebene nach dem Tzimtzum, oberhalb der Welt der Emanation (Atzilus)) hervor; die Augen sind die Quelle der Gefäße. Erst an diesem Punkt gibt es eine Kraft, die „weise, aber nicht mit einer erkennbaren Weisheit“ genannt werden kann: eine Quelle der Quelle der Chochmah.

(וכל ענין צמצום זה להיות ירידת והשתלשלות עיגולים ויושר ופרסא דא״ק [דאדם קדמון] להיות עקודים נקודים כו׳ הכל בכלל כתר דאצי׳ שהוא הממוצע להיות התהוות בחי׳ אצי׳ ע״ס [עשר ספירות] חכמה כו׳):

(Und diese ganze Angelegenheit des Tzimtzum, durch den der Abstieg und die stufenweise Herabfolge der Kreise, der Linie und der parsa [Trennwand] von Adam Kadmon stattfinden, sodass Akudim, Nekudim usw. entstehen, ist insgesamt in der Krone (Keser) von Atzilus enthalten, die als Vermittler für das Entstehen der Ebene von Atzilus, der zehn Sefiros, Chochmah usw., dient.)

Erklärung

Alle Stufen zwischen dem Tzimtzum und Atzilus – die Kreise und die Linie, die beiden Erscheinungsweisen des Lichts nach dem Tzimtzum, die parsa von Adam Kadmon, Akudim und Nekudim – zählen zusammen als Keser von Atzilus, der Vermittler, aus dem Atzilus hervorgeht.

Absatz 17 in Kürze

Das Tzimtzum wird nur in Bezug auf das Licht als „freier Raum“ bezeichnet, wie es die Bildsprache des Arizal vom Licht erfordert; in Wahrheit erfüllt G‑ttes Wesen ihn, und alle Stufen bis Atzilus sind in dem Keser zusammengefasst, der zwischen dem Unendlichen und den Sefiros vermittelt.

Vertiefung

Spätere Abhandlungen präzisieren die abschließende Klammer: Im Einzelnen besteht ein Unterschied zwischen dem ersten Tzimtzum, dem Tzimtzum von Adam Kadmon und dem Tzimtzum der Dikna [Bart] (Hemshech 5666); dennoch zählen alle Stufen oberhalb von Atzilus als eine einzige, Keser im Allgemeinen (Hemshech 5672). Hemshech 5672 zitiert außerdem Etz Chaim, Sha'ar HaNekudim, wonach das Tzimtzum von Adam Kadmon für Atzilus und seine parsa für Beriah bestimmt ist; dennoch kommt selbst das Licht von Atzilus durch eine parsa.

Marei Mekomos

  1. 1
    בבחי׳ הצמצום באוא״ס · ראה בהמשך תער״ב פרק קצד.
  2. 2
    ונתעלם להיות רק בכח המאור · ראה לקו״ת ויקרא נב, ד. סה״מ תער״ב פרק קלז.
  3. 3
    (שאינו ניכר מורגש אפי׳ בכח) · וכח זה הוא רק מה שהמאור כולל הכל — סה״מ עזר״ת ע׳ ט. וראה שם ע׳ רי.
  4. 4
    וכל ענין צמצום זה . . הכל בכלל כתר דאצילות שהוא הממוצע · ראה אוה״ת פ׳ וארא ע׳ קמט. פ׳ ויחי שפט, א. ובד״ה קרוב ה׳ תרס״ח (קרוב לסופו) (בהמשך תרס״ו) מוסיף ע״ז ”ובפרטי׳ יש חילוק בין צמצום הראשון לצמצום א״ק וצמצום הדיקנא כו׳” עכ״ל ע״ש. ובהמשך תער״ב ח״ב ע׳ תתקסג מציין ע״ז: ”הרי כל המדרי׳ שלמעלה מאצי׳ נחשב למדרי׳ א׳ והוא בחי׳ הכתר בכלל”. ראה אוה״ת דרושים לחנוכה שט, ב. בהמשך תער״ב ח״ג ע׳ א׳שצג מציין ”ועמ״ש בע״ח שער הנקודים פ״ב בענין צמצום ופרסא דא״ק שהצמצום דא״ק הוא בשביל האצי׳ והפרסא בשביל הברי׳ כו׳, ומ״מ גם אור האצי׳ הוא ע״י פרסא”, ע״ש.

Die Parsa als Gleichnis eines Lehrers ¶18–22

18אך ענין הפרסא שבין אצי׳ לבריאה ובין בריאה כו׳ הוא עד״מ כמו הרב שרוצה להסביר שכל גדול לתלמידו שאין התלמיד יכול לקבלו

Doch die Sache mit der Parsa [Trennwand] zwischen der Welt der Emanation (Atzilus) und der Welt der Schöpfung (Beriah) sowie zwischen Beriah [und der Welt der Formung (Yetzirah)] usw. ist etwa wie ein Lehrer, der seinem Schüler einen tiefgründigen Gedanken erklären möchte, den der Schüler nicht aufnehmen kann,

Erklärung

Nun wird der andere Mechanismus erklärt: die Parsa zwischen den Welten. Dazu dient das neue Gleichnis von einem Lehrer, dessen Gedanke zu tief ist, als dass sein Schüler ihn unmittelbar aufnehmen könnte. Likkutei Torah, Balak (68c), unter Berufung auf Etz Chaim, erklärt, dass dieser Schirm verhindert, dass Atzilus in den unteren Welten so offenbart wird, wie es selbst ist; dadurch werden sie begrenzte, voneinander getrennte Wesen.

וצריך להמשילו בדרך משל וחידה וכמו משלי שלמה לשמרך מאשה זרה שהיא משל להנמשל שמדבר בע״ז [בעבודה זרה] שהיא זרה מדברי תורה כו׳

und er muss ihn durch ein Gleichnis und ein Rätsel vermitteln; wie in den Gleichnissen Shlomos: „um dich vor einer fremden Frau zu bewahren“, was ein Gleichnis für die Bedeutung ist, für die es steht, nämlich für den Götzendienst, der den Worten der Tora fremd ist, usw.;

Erklärung

Er muss den Gedanken in ein Gleichnis oder Rätsel kleiden. Shlomos Sprüche sind der klassische Fall: Die Warnung vor der „fremden Frau“ ist ihrer inneren Bedeutung nach eine Warnung vor dem Götzendienst, der der Tora „fremd“ ist. Das Wort zarah [fremd] verbindet die beiden: ishah zarah [fremde Frau] und avodah zarah [Götzendienst, wörtlich: fremder Dienst].

וכן כיוצא בזה שאר ענינים כמו מה שמביאין משל מדברים פשוטים גשמיים לדברים העומדים ברומו של עולם כו׳.

und ebenso verhält es sich mit anderen Dingen, etwa wenn man Gleichnisse aus einfachen, physischen Dingen für Angelegenheiten heranzieht, die auf dem Gipfel der Welt stehen, usw.

Erklärung

So verhält es sich auch immer dann, wenn erhabene Angelegenheiten, „die auf dem Gipfel der Welt stehen“, durch Gleichnisse aus einfachen, physischen Dingen gelehrt werden.

Absatz 18 in Kürze

Die Parsa, die die Welten voneinander trennt, wird mit einem Lehrer verglichen, der einen für seinen Schüler zu tiefgründigen Gedanken vermittelt, indem er ihn in ein Gleichnis kleidet.

Vertiefung

Der Tzemach Tzedek (Or HaTorah, Va'era) merkt an, dass der Leerraum, der durch die Einschränkung (Tzimtzum) entstand, in diesem Maamar einen größeren Bruch darstellt als der zwischen einem Gleichnis und seiner Bedeutung. An anderer Stelle erklärt er, dass die Tora „das uralte Gleichnis“ genannt wird; darin liegt der Bruch des Leerraums.

Marei Mekomos

  1. 1
    ענין הפרסא שבין אצי׳ לבריאה · ראה לקו״ת בלק סח, ג. ובשה״ש לט, ג. ובאוה״ת ענינים ע׳ קנב. קפח. סה״מ תר״ס ע׳ לט. ובד״ה וספרתם לכם תרס״ו.
  2. 2
    וצריך להמשילו בדרך משל וחידה · באוה״ת פ׳ וארא ע׳ קנב כ׳ שכאן בתו״א מבאר שהחלל ומקום פנוי זהו הפסק יותר מן המשל לגבי הנמשל, ושם מבאר שהתורה נק׳ משל הקדמוני וזהו ענין הפסק החלל, ע״ש. ראה המשך תער״ב ח״א פרק רצג.
  3. 3
    משל וחידה · ראה סידור קמט, רע״א. לקו״ש חי״ט ע׳ 422 בשולי העמוד. בלקו״ת שמע״צ פז, ב מציין לכאן.
  4. 4
    לשמרך מאשה זרה · Proverbs 7:5

19והנה המשל הזה הוא מענינים אחרים שלא מענין השכל שרוצה ללמד עליו רק לפי שבו ועל ידו יובן השכל לכן הוא מפסיקו בדברים אחרים.

Nun ist dieses Gleichnis anderen Bereichen entnommen, nicht dem Bereich des Gedankens, den er vermitteln möchte. Es dient allein dazu, dass der Gedanke in ihm und durch es verstanden wird; deshalb schirmt es den Gedanken mit anderen Dingen ab.

Erklärung

Ein Gleichnis stammt aus einem anderen Themenbereich als der Gedanke, den es vermittelt; es wird nur verwendet, weil der Gedanke durch es erfasst werden kann. In diesem Sinn schirmt das Gleichnis den Gedanken mit fremdem Material ab.

וזהו ענין פרסא המפסיק בין אצי׳ לבריאה שהוא בחי׳ מסך מבדיל לדבר מענינים אחרים שלא

Und dies ist die Bedeutung des Parsa [Trennschirms], der zwischen der Welt der Emanation (Atzilus) und der Welt der Schöpfung (Beriah) trennt: Er ist die Ebene eines trennenden Schirms, durch den von anderen Dingen gesprochen wird, nicht

Erklärung

Der Parsa zwischen Atzilus und Beriah ist ein solcher Schirm: Er „spricht von anderen Dingen“ als dem Bereich von Atzilus.

מענין אצי׳ ששם החכמה היא באופן אחר ומהות אחר שאינה מערך אופן ומהות חכמה שבעולם הבריאה ואין בבריאה יכולת לקבל הארת חכמה

von Angelegenheiten des Bereichs von Atzilus; denn dort ist die Weisheit (Chochmah) von einer anderen Art und einem anderen Wesen, die mit der Art und dem Wesen der Weisheit in der Welt der Schöpfung nicht vergleichbar sind, und Beriah ist nicht imstande, die Erleuchtung der Weisheit

Erklärung

Die Weisheit in Atzilus ist von einer völlig anderen Art als die Weisheit in Beriah, und Beriah könnte sie nicht in ihrer ursprünglichen Form aufnehmen.

כמו שהיא באצי׳ רק שע״י הפרסא המפסקת יהיה הארת בחי׳ חכמה בבריאה ג״כ לפי מזגה ותכונתה כדי שיובן השכל להתלמיד מן המשל ומתחדש שם בחי׳ חכ׳ [חכמה] ג״כ.

so aufzunehmen, wie sie in Atzilus ist; vielmehr wird durch den trennenden Parsa auch in Beriah eine Erleuchtung der Ebene der Weisheit vermittelt, der Natur und Beschaffenheit Beriahs entsprechend, damit der Schüler den Gedanken anhand des Gleichnisses verstehen kann; und auch dort wird eine Ebene der Weisheit neu hervorgebracht.

Erklärung

Durch den Parsa leuchtet die Weisheit in Beriah in einer Form, die der Natur von Beriah entspricht. So erfasst der Schüler den Gedanken durch das Gleichnis, und dort wird eine neue Weisheit hervorgebracht.

Absatz 19 in Kürze

Der Parsa verhält sich zu den Welten wie ein Gleichnis zu einem Gedanken: Er ist ein Schirm aus fremdem Material, durch den eine höhere Weisheit eine niedrigere Welt in einer Form erreicht, die sie aufnehmen kann.

Vertiefung

Pasach Eliyahu 5658 deutet an, dass sich diese Passage auf die Gefäße von Beriah bezieht. Shir HaMaalos 5664 ergänzt, dass das Gleichnismodell nur auf den Parsa zwischen Atzilus und den unteren Welten passt, nicht aber auf den Parsa zwischen der Krone (Keser) und Chochmah.

Marei Mekomos

  1. 1
    וזהו ענין פרסא המפסיק · ראה המשך תער״ב ע׳ קע. ובהתמים חוברת ב׳ ע׳ צ.
  2. 2
    לדבר מענינים אחרים שלא מענין אצי׳ · בד״ה שיר המעלות תרס״ד ע׳ קנ, מבאר שזהו דווקא בהפרסא שבין אצי׳ לבי״ע, אבל בהפרסא שבין הכתר לחכ׳ אא״ל כן ע״ש. וראה שם ע׳ קסט.
  3. 3
    לדבר מענינים אחרים . . ששם החכמה · בד״ה פתח אליהו תרנ״ח ע׳ עג ”נראה לענ״ד . . שזה מדבר בענין הכלים דבריאה” ע״ש.

20ולכן נק׳ בריאה ג״כ יש מאין לפי שהיא מבחי׳ פרסא שהי׳ [שהיה] אור של תולדה דהיינו שנולד ונתחדש אור חכמה בבריאה

Daher wird auch die Welt der Schöpfung (Beriah) etwas aus dem Nichts genannt, denn sie stammt aus der Ebene einer Parsa (Trennwand), die ein Licht der Hervorbringung (Toldah) ist, das heißt: Das Licht der Weisheit (Chochmah) wurde in Beriah geboren und neu hervorgebracht,

Erklärung

Darum wird auch Beriah „etwas aus dem Nichts“ genannt: Das Licht in Beriah ist ein „Licht der Hervorbringung“, das durch die Parsa neu geboren wird, statt dass das ursprüngliche Licht einfach weiter herabströmt. Schon früher in Torah Ohr, Lech Lecha (12b), erklärt der Alter Rebbe dasselbe: Durch einen Schirm und eine Parsa entsteht ein neues Licht, ein „Licht der Hervorbringung“, das nicht dem Wesen des ersten Lichts entstammt; mit jeder weiteren Parsa steigt es herab, bis physische Materie entsteht.

כמו עד״מ השכל שמתחדש אצל התלמיד מן המשל שאמר לו שהמשל הוא בענין אחר והוא מבין מזה דעת רבו

wie etwa der Gedanke, der im Schüler durch das Gleichnis neu hervorgebracht wird, das [der Lehrer] ihm erzählt hat: Das Gleichnis handelt von einer anderen Sache, und daraus versteht er die Gedanken seines Lehrers,

Erklärung

Es ist wie bei einem Schüler, der ein Gleichnis über eine Sache hört und daraus die Gedanken seines Lehrers zu einer anderen Sache erfasst.

והרי שכל זה הוא חדש אצלו שמתחדש ע״י המשל. וכך אור זה דבריאה הוא אור חדש שמתחדש ע״י הפרסא.

und dieser Gedanke ist für ihn neu und wird durch das Gleichnis neu hervorgebracht. Ebenso ist dieses Licht von Beriah ein neues Licht, das durch die Parsa neu hervorgebracht wird.

Erklärung

Für den Schüler ist der Gedanke neu und wird durch das Gleichnis hervorgebracht; ebenso ist das Licht von Beriah ein neues Licht, das durch die Parsa hervorgebracht wird.

Absatz 20 in Kürze

Da ihr Licht durch die Parsa neu hervorgebracht wird, ist auch Beriah eine Schöpfung „etwas aus dem Nichts“ – wie ein Gedanke, der im Geist eines Schülers aus einem Gleichnis entsteht.

Vertiefung

Ein früherer Maamar in Torah Ohr (Lech Lecha) erklärt, dass durch einen Schirm und eine Parsa ein neues Licht, ein „Licht der Hervorbringung“, entsteht, das nicht dem Wesen des ersten Lichts entstammt. Außerdem unterscheidet er eine Parsa innerhalb der Heiligkeit von dem Schirm „zwischen Heiligem und Profanem“, der verhüllt, bis die Dinge wirklich getrennt werden.

Marei Mekomos

  1. 1
    אור של תולדה · נסמן לעיל יב, ב.
  2. 2
    מבין מזה דעת רבו · נזכר בסה״מ תרמ״ג ע׳ כג.

21והנה המשכיל יבין שהתעלמות השכל של הרב בדרך המשל שאומר להתלמיד הוא שכל חכמתו בעצמות׳ הוא מלובש במשל זה ולא בכח לבד אלא בפו״מ [בפועל ממש].

Der Einsichtige wird nun verstehen, dass die Verhüllung des Gedankens des Lehrers durch das Gleichnis, das er dem Schüler erzählt, [so beschaffen] ist, dass seine ganze Weisheit ihrem Wesen nach in diesem Gleichnis gekleidet ist – nicht nur der Möglichkeit nach, sondern tatsächlich.

Erklärung

Ein feiner Punkt: Wenn der Lehrer seinen Gedanken in ein Gleichnis kleidet, ist der ganze Gedanke wirklich und tatsächlich im Gleichnis vorhanden, nicht bloß der Möglichkeit nach. In Likkutei Torah, Shemini Atzeres (87b), vergleicht der Alter Rebbe die Parsa [Trennwand] mit Eis: Eis ist das Wasser selbst, nur gefroren, so wie der Gedanke selbst im Gleichnis gekleidet ist, nur in körperlicher Form.

רק לפי שהענין שהחכמה מלובשת בו הוא שלא מענין השכלת חכמתו בעצמו אלא יצא ללמד שלא כענינו לכך השכלת הרב בענין שמרמז בו אין ההשכלה ההיא נראית ונגלית להתלמיד

Doch weil der Gegenstand, in den die Weisheit gekleidet ist, nicht denselben Gegenstand betrifft wie die Erkenntnis seiner eigenen Weisheit, sondern das Gleichnis „hinausging, um über etwas zu lehren, das nicht seiner Art entspricht“, ist die Erkenntnis des Lehrers in dem Gegenstand, auf den er anspielt, für den Schüler weder sichtbar noch offenbar.

Erklärung

Weil das Gleichnis jedoch einen anderen Gegenstand behandelt – in einer Wendung aus den Regeln der Tora-Auslegung heißt es, es „ging hinaus, um über etwas zu lehren, das nicht seiner Art entspricht“ –, kann der Schüler die Bedeutung des Lehrers nicht unmittelbar erkennen.

אלא עפ״י [על פי] המשל שהוא ענין אחר וממנו מתחדש לו השכל עד שנק׳ אצלו שכל חדש אבל מ״מ השכל החדש הזה במהותו ועצמותו כבר היה לעולמים ומרומז הכל במשל.

Vielmehr erschließt sich ihm der Gedanke nur durch das Gleichnis, das einen anderen Gegenstand behandelt und aus dem sich der Gedanke für ihn neu ergibt, sodass er für ihn als ein neuer Gedanke gilt. Dennoch bestand dieser neue Gedanke seiner Beschaffenheit und seinem Wesen nach „schon seit alters her“, und alles ist im Gleichnis angedeutet.

Erklärung

Er kann den Gedanken nur durch das Gleichnis erkennen, sodass er ihm neu erscheint. In Wahrheit aber war er schon immer vorhanden, wie Koheles sagt: Er „bestand schon seit alters her“, und er war vollständig im Gleichnis enthalten.

Absatz 21 in Kürze

Im Unterschied zur Einschränkung (Tzimtzum), bei der das Licht nur der Möglichkeit nach vorhanden ist, enthält ein Gleichnis tatsächlich den ganzen Gedanken; dem Schüler erscheint der Gedanke nur deshalb neu, weil er ihm durch etwas Fremdes vermittelt wird.

Marei Mekomos

  1. 1
    כבר היה לעולמים · Ecclesiastes 1:10

22וכך הוא ענין התעלמות והתלבשות חכמה כו׳ דאצי׳ בבחי׳ פרסא להיות התהוות בחי׳ חכ׳ [חכמה] כו׳ דבריאה.

So verhält es sich auch mit dem Verborgensein und der Einkleidung der Weisheit (Chochmah) usw. der Welt der Emanation (Atzilus) in der Ebene der Parsa [Trennwand], damit die Ebene der Chochmah usw. der Welt der Schöpfung (Beriah) entstehen kann:

Erklärung

Die Analogie wird angewandt: Die Chochmah von Atzilus wird verborgen und in die Parsa eingekleidet, damit die Chochmah von Beriah entstehen kann.

שחכ׳ [שחכמה] דאצי׳ היא במהותה ועצמותה בפו״מ [בפועל ממש] המתלבשת בבחי׳ הפרסא וגורמת התהוות חכמה דבריאה כו׳ הרי חכמה דבריאה אע״פ [אף על פי] שהיא אור חדש מ״מ כבר יש לה איזה ערך ויחוס עם חכמה דאצי׳.

Denn die Chochmah von Atzilus kleidet sich ihrem Wesen und ihrer Essenz nach tatsächlich in die Ebene der Parsa ein und bewirkt so das Entstehen der Chochmah von Beriah usw. Somit weist die Chochmah von Beriah, obwohl sie ein neues Licht ist, dennoch bereits eine gewisse Vergleichbarkeit und Beziehung zur Chochmah von Atzilus auf.

Erklärung

Die Chochmah von Atzilus ist tatsächlich in der Parsa gegenwärtig und bewirkt das Entstehen der Chochmah von Beriah. Obwohl die Weisheit von Beriah also neu ist, weist sie dennoch eine gewisse Vergleichbarkeit und Beziehung zur Weisheit von Atzilus auf.

משא״כ בחי׳ צמצום אוא״ס [אור אין סוף] להיות אצי׳ היינו התעלמות האור והעדרו עד שאינו עולה בשם כלל כנ״ל ולכן נק׳ חד ולא בחושבן:

Anders verhält es sich mit der Einschränkung (Tzimtzum) des unendlichen Lichts (Or Ein Sof), durch die Atzilus entsteht: Dabei wird das Licht verborgen und ist nicht vorhanden, bis zu dem Punkt, dass es überhaupt keinen Namen erhält, wie oben erklärt. Deshalb wird Er „Eins, aber nicht in einer Zahl“ genannt.

Erklärung

Der Tzimtzum, der Atzilus vorausgeht, unterscheidet sich davon: Dort ist das Licht nicht eingekleidet, sondern abwesend, sodass nichts von ihm überhaupt benannt werden kann. Deshalb wird der Unendliche in Bezug auf die g‑ttlichen Attribute (Sefiros) „Eins, aber nicht in einer Zahl“ genannt. In Likkutei Torah, Emor (33c), fasst der Alter Rebbe dies zusammen: Von Atzilus zu den unteren Welten geht das Licht durch eine Parsa, zählt jedoch weiterhin zur geordneten Kette; vom Unendlichen zu Atzilus kommt es dagegen nicht in dieser Ordnung, sondern durch Tzimtzum und einen freigewordenen Raum.

Absatz 22 in Kürze

Der Gegensatz wird vervollständigt: Über eine Parsa hinweg ist die höhere Ebene tatsächlich gegenwärtig und bleibt in gewisser Beziehung zur niedrigeren, während beim Tzimtzum das Licht abwesend ist und überhaupt keine Beziehung besteht – daher „Eins, aber nicht in einer Zahl“.

Vertiefung

In Likkutei Torah (Emor) verweist der Alter Rebbe auf diesen Maamar: Von Atzilus zu Beriah, Yetzirah und Asiyah wird das Licht zwar durch eine Parsa geleitet, doch dies wird weiterhin die Ordnung der stufenweisen Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) genannt. Vom Unendlichen (Ein Sof) zu Atzilus hingegen geschieht es nicht in dieser Ordnung, sondern durch Tzimtzum und einen freigewordenen Raum. Spätere Diskurse (Hemshech 5672; Sefer HaMaamarim 5677) präzisieren, dass es die Gefäße von Atzilus sind, die sich in die Parsa einkleiden, insbesondere die Gefäße seiner Königsherrschaft (Malchus).

Marei Mekomos

  1. 1
    שחכ׳ דאצי׳ היא . . המתלבשת בבחי׳ הפרסא · ראה תורת שמואל תרכ״ז [הוצאת תש״ס] ע׳ קמח. וראה ג״כ בהמשך תער״ב פרק קלא שהכוונה כאן על בחי׳ כלים דאצי׳. וכ״ה בסה״מ עזר״ת ע׳ פד ושם מוסיף ”ובפרטיות רק בחי׳ הכלים דמל׳ כו׳ אבל לא האור, שהרי הכלים דמל׳ דאצי׳ הן שנעשין נר״ן לבי״ע כו׳ כמ״ש באגה״ק סי׳ כ, והגם שאו׳ שם שגם הקו המאיר בהכלים דמל׳ קודם הפרסא בקע הפרסא עמהם ומאיר בהם בבי״ע כמו באצי׳ כו׳, הנה מ״מ מאחר שזהו ע״י בקיעה אין זה כמו שהן באצי׳”, ע״ש. וכ״ה בד״ה מצותה משתשקע החמה תרפ״ח ע׳ לב. בלקו״ת אמור לג, סע״ג מציין לכאן: ”ויובן ענין זה ממ״ש במ״א בד״ה פתח אליהו שמאצילות לבי״ע הגם שהאור נמשך ע״י פרסא מ״מ נק׳ סדר ההשתלשלות משא״כ מא״ס ב״ה לאצילות הוא שלא כסדר ההשתלשלות רק ע״י צמצום ומקום פנוי כי אין ערוך לך כו׳ חד לא בחושבן כו׳”. בלקו״ת ואתחנן יב, ד, שה״ש כ, ב מציין לכאן. וראה בלקו״ת שה״ש מב, ב שמבאר ענין דילוג וענין סדר השתלשלות ומציין לכאן.
  2. 2
    ולכן נק׳ חד ולא בחושבן · Tikkunei Zohar 17a:9–11

Und doch mit Ihm vereint ¶23–24

23אך אנת הוא דאפיקת עשר תקונין כו׳ שמ״מ אינן בחי׳ נפרד לגמרי אף שאין להם ערך ויחס אליו כו׳

Doch „Du bist es, der zehn Tikkunim [Gestaltungen] hervorgebracht hat“ usw.; dennoch sind sie nicht völlig von Ihm getrennt, obwohl sie keinerlei Vergleich oder Beziehung zu Ihm aufweisen usw.;

Erklärung

Der zweite Satz aus Pasach Eliyahu, „Du hast zehn Tikkunim hervorgebracht“, fügt ein Gegengewicht hinzu: Obwohl die g‑ttlichen Attribute (Sefiros) in keiner Beziehung zum Unendlichen (Ein Sof) stehen, sind sie doch nicht völlig von Ihm getrennt.

מ״מ מאחר שהאור נכלל במאור כו׳. וגם אח״כ המשכת קו״ח [קו וחוט] כו׳ הרי הכל מתאחדים עמו.

dennoch, da das Licht im Leuchtenden enthalten ist usw. und auch danach [erfolgt] das Herabziehen der Linie des Lichts (Kav) und des Fadens usw., ist alles mit Ihm vereint.

Erklärung

Das Licht wurde nie entfernt, sondern nur in die Lichtquelle aufgenommen; und nach der Einschränkung (Tzimtzum) wird eine dünne „Linie“ (Kav) und ein „Faden“ aus Licht in den Raum hineingezogen. So ist alles mit Ihm vereint.

Absatz 23 in Kürze

Trotz der Kluft, die durch den Tzimtzum entstanden ist, bleiben die Sefiros mit dem Unendlichen (Ein Sof) vereint, denn das Licht wurde nur in seine Quelle aufgenommen und durch den Kav wieder herabgezogen.

Marei Mekomos

  1. 1
    אנת הוא דאפיקת עשר תקונין · Tikkunei Zohar 17a:11–12

24ואפי׳ [ואפילו] לאנהגא בהון עלמין. עלמין הם בחי׳ כלים. ת׳ אלף עלמין דכסופין כו׳ דבאצי׳ איהו וחיוהי חד אפי׳ [אפילו] בבחי׳ כלים.

Und sogar „Welten durch sie zu lenken“: „Welten“ bezeichnet die Ebene (Bechinah) der Gefäße, „vierhunderttausend Welten der Sehnsucht (Kisufin)“ usw.; denn in der Welt der Emanation (Atzilus) sind „Er und Seine Lebenskraft (Chayus) eins“, sogar auf der Ebene der Gefäße.

Erklärung

Pasach Eliyahu fährt fort, dass die zehn Tikkunim [Konfigurationen] dazu dienen, „Welten durch sie zu lenken“. „Welten“ meint hier Gefäße, die unzähligen „Welten der Sehnsucht“ innerhalb von Atzilus; und in Atzilus sind sogar die Gefäße eins mit der Lebenskraft, die sie erfüllt.

וכמשל דבר גשמי הנתפס במחשבה שמחשבתו מקפת אפי׳ [אפילו] גשמי כאבן דומם הגם שאין המשל דומה לנמשל לא מני׳ [מיניה] כו׳.

Es ist wie mit dem Gleichnis von einem physischen Ding, das im Denken erfasst wird: Das Denken umfasst sogar etwas Physisches, etwa einen leblosen Stein, obwohl das Gleichnis dem dadurch Veranschaulichten nicht gleicht, weder ganz [noch teilweise] usw.

Erklärung

Wie können Licht und Gefäß eins sein? Ein Gleichnis, wenn auch unvollkommen: Wenn man an einen Stein denkt, erfasst und umfasst das Denken etwas Physisches.

מ״מ קצת מן הקצת יכול המשכיל להתבונן ולהשכיל ע״ד הנמשל מן המשל הזה כי כשם שיש כח ויכולת במחשבה

Dennoch kann ein Einsichtsvoller aus diesem Gleichnis einen winzigen Bruchteil eines Bruchteils hinsichtlich des dadurch Veranschaulichten betrachten und verstehen. Denn ebenso, wie es im Denken die Kraft und Fähigkeit gibt,

Erklärung

Obwohl das Gleichnis der Wirklichkeit so fern ist, vermittelt es dem Einsichtsvollen einen kleinen Einblick in eine Kraft, über die das Denken verfügt.

להקיף את הדבר הגשמי בתוכו עם היותו דבר נפרד ממנו ממש ואין ערוך אליו מ״מ יש כח המחבר להיות דבר הגשמי מוקף במחשבה שבמוח.

das physische Ding in sich zu umfassen, obwohl es tatsächlich von ihm getrennt ist und ihm in keiner Weise vergleichbar ist, gibt es dennoch eine verbindende Kraft, durch die das physische Ding vom Denken im Gehirn umfasst wird,

Erklärung

Das Denken kann einen physischen Gegenstand in sich halten, obwohl dieser völlig vom Denken getrennt ist und ihm nicht gleicht. Das Denken besitzt eine Kraft, die beide miteinander verbindet.

כך למעלה יש כח ויכולת לחבר את האורות וכלים ושם למעלה הם מחוברים להיות הכל אחדות א׳ ולא יפרדו.

so gibt es oben die Kraft und Fähigkeit, die Lichter und Gefäße (Oros v'Keilim) miteinander zu verbinden; und dort oben sind sie miteinander verbunden, sodass alles eine einzige Einheit bildet und nicht getrennt wird.

Erklärung

So gibt es oben eine Kraft, die die Lichter und Gefäße von Atzilus zu einer einzigen Einheit verbindet, die niemals getrennt wird.

מה שא״א לצייר זה במוח שכלנו בעולם הנפרד ובחי׳ כלים דאצי׳ הם ת׳ אלף עלמין דכסופין כו׳

Das ist etwas, was sich der Verstand unseres Denkens in der Welt der Getrenntheit unmöglich vorstellen kann. Und die Ebene der Gefäße in Atzilus ist die der „vierhunderttausend Welten der Sehnsucht“ usw.,

Erklärung

Unser Verstand, der in einer Welt geformt wurde, in der die Dinge getrennt sind, kann sich eine solche Einheit nicht vorstellen. Die Gefäße von Atzilus sind die unzähligen „Welten der Sehnsucht“.

תליסר אלף עלמין כו׳ שהן מבחי׳ נימין ושערות כו׳ ועד״ז התחלקות המחשבה לכמה מיני מחשבות עד אין מספר כו׳:

„dreizehntausend Welten“ usw., die zur Ebene von Strähnen und Haaren gehören usw.; und ebenso die Aufteilung des Denkens in viele Arten von Gedanken, ohne Zahl usw.

Erklärung

Es sind die „dreizehntausend Welten“, die die Kabbalah als „Strähnen und Haare“ beschreibt: feine, vielfach verzweigte Kanäle. Ihre Vielheit gleicht der Weise, in der ein einziger Geist sich in endlose einzelne Gedanken auffächert und doch ein einziger Geist bleibt.

Absatz 24 in Kürze

Die Worte „Welten durch sie zu lenken“ lehren, dass sogar die Gefäße von Atzilus eins mit dessen Licht sind. Der Maamar veranschaulicht diese Einheit durch die Kraft des Denkens, einen physischen Gegenstand im Gedanken zu umfassen.

Vertiefung

Die Worte „Er und Seine Lebenskraft sind eins; Er und Seine Gefäße sind eins“ aus der Einleitung zu Tikkunei Zohar liegen dem ganzen Maamar zugrunde: In Atzilus sind sowohl die Lichter („Er und Seine Lebenskraft“) als auch die Gefäße („Er und Seine Gefäße“) mit dem Unendlichen (Ein Sof) vereint. Deshalb sind die Gefäße Tikkunim und keine getrennten Gewänder.

Marei Mekomos

  1. 1
    ואפי׳ לאנהגא בהון עלמין · Tikkunei Zohar 17a:11–12
  2. 2
    איהו וחיוהי חד · Tikkunei Zohar 3b

Lang, kurz und vermittelnd: „Ich werde jetzt hinabsteigen“ ¶25–26

25חד אריך וחד קציר וחד בינוני הנה חסד נק׳ אריך לפי שהוא מתפשט מלמעלה מעלה למטה מטה כמו מים היורדים ממקום גבוה למקום נמוך.

„Eines ist lang, eines kurz und eines mittel.“ Nun wird die Güte (Chesed) „lang“ genannt, weil sie sich von den höchsten Höhen bis zu den tiefsten Tiefen erstreckt, wie Wasser, das von einem hohen Ort zu einem niedrigen hinabfließt.

Erklärung

Pasach Eliyahu beschreibt die g‑ttlichen Attribute (Sefiros) als „eines lang, eines kurz und eines mittel“. Chesed ist „lang“, weil Güte ihrer Natur nach ganz nach unten strömt, wie Wasser, das von einem hohen Ort zu einem niedrigen fließt.

וגבורות שהן ממטה למעלה נק׳ קציר שהוא מקצר ומגביל השפעת החסד שיהי׳ [שיהיה] לפי ההעלאה שממטה למעלה:

Und die Gevuros (Selbstbegrenzungen), die von unten nach oben wirken, werden „kurz“ genannt, denn sie verkürzen und begrenzen den Fluss des Chesed, sodass er dem Aufstieg von unten nach oben entspricht.

Erklärung

Die Selbstbegrenzung (Gevurah), die von unten nach oben wirkt, ist „kurz“: Sie begrenzt den Fluss des Chesed so, dass er dem entspricht, was von unten aufsteigt, das heißt, dem, was die Taten des Empfängers rechtfertigen.

Absatz 25 in Kürze

Die Begriffe „lang“ und „kurz“ in Pasach Eliyahu werden als Chesed erklärt, dessen Ausfluss unbegrenzt nach unten reicht, und als Gevurah, die diesen Fluss daran misst, was von unten aufsteigt.

Marei Mekomos

  1. 1
    חד אריך וחד קציר · Tikkunei Zohar, Patach Eliyahu · 17a:13–15
  2. 2
    לפי ההעלאה שממטה למעלה · ביהל אור ע׳ 316 שמלמטה ומציין ע״ז ”(ועד״ז ארז״ל מקום שאמרו להאריך אינו רשאי לקצר כו׳) [ברכות יא, א]. ובינוני הוא רחמנות בחי׳ ממוצע בין החסד שהוא שלא להבחין כלל אע״פ שאינו הגון ובין גבורות לדון אם הוא הגון, ורחמנות הוא ממוצע שמצד עצמו אינו ראוי מ״מ צריך לרחם כו׳ וע״ש סד״ה ארדה נא ואראה מ״ש עוד בזה” ע״ש.

26וזהו ארדה נא ואראה הכצעקתה כו׳. ר״ל [רוצה לומר] אראה אם הכצעקתה הבאה אלי ממטה למעלה ארדה נא מלמעלה למטה שיהיו שוין ההעלאה וההמשכה

Und dies ist [die Bedeutung von] „Ich will jetzt hinabgehen und sehen, ob es ihrem Geschrei gemäß ist“ usw. Das heißt: „Ich will sehen“, ob ich, „ihrem Geschrei gemäß“, das von unten nach oben zu Mir gelangt, „jetzt hinabgehen“ werde, von oben nach unten, sodass Aufstieg und Herabführung gleich sind.

Erklärung

Nun zum Vers der Überschrift: „Ich will jetzt hinabgehen und sehen, ob es ihrem Geschrei gemäß ist …“ G‑tt wird das Geschrei „sehen“, also das, was von unten aufsteigt, und „hinabgehen“, Seine Herabführung von oben bewirken, sodass beides gleich ist: Die Gabe von oben entspricht dem Aufstieg von unten.

אך לפי שההמשכה מלמעלה למטה היא בחי׳ או״י [אור ישר] ובחי׳ חסדים לכך נאמר ארדה נא תחלה ואח״כ אראה כו׳.

Doch weil die Herabführung von oben nach unten die Ebene des direkten Lichts (Or Yashar) und die Ebene der Chasadim [Gütekräfte] ist, heißt es zuerst: „Ich will jetzt hinabgehen“ und danach: „Ich will sehen“ usw.

Erklärung

Doch im Vers steht „Ich will hinabgehen“ vor „Ich will sehen“, weil der Strom von oben nach unten „direktes Licht“ ist (Or Yashar [Licht, das von seiner Quelle herabströmt, im Gegensatz zu Licht, das wieder aufsteigt]) und Güte; und die Güte kommt zuerst.

ובינוני הוא רחמנות בחי׳ ממוצע בין החסד שהוא שלא להבחין כלל אע״פ [אף על פי] שאינו הגון ובין גבורות לדון אם הוא הגון ורחמנות הוא ממוצע שמצד עצמו אינו ראוי מ״מ צריך לרחם כו׳:

Und das „Mittlere“ ist Erbarmen, die Ebene eines Vermittlers zwischen der Güte (Chesed), die überhaupt keinen Unterschied macht, selbst wenn [jemand] nicht würdig ist, und den Gevuros [Attributen der Selbstbegrenzung], die beurteilen, ob er würdig ist. Das Erbarmen bildet die Mitte: Obwohl er aus sich selbst heraus nicht würdig ist, muss man sich seiner dennoch erbarmen usw.

Erklärung

Der dritte Begriff, „mittlere“, ist Erbarmen. Güte wird gewährt, ohne danach zu fragen, ob der Empfänger sie verdient; die Selbstbegrenzung (Gevurah) urteilt, ob er sie verdient. Das Erbarmen steht zwischen beiden: Es erkennt, dass er sie nicht verdient, und erbarmt sich seiner dennoch.

Absatz 26 in Kürze

Der Maamar kehrt zum Vers der Überschrift zurück: „Ich will hinabgehen“ steht für Chesed, die Herabführung von oben; „Ich will sehen“ steht für Gevurah, das Abwägen dessen, was von unten aufsteigt; und das „Mittlere“ ist das Erbarmen.

Vertiefung

Damit kehrt der Maamar zu dem Thema zurück, das der Kommentar zur Überschrift aufzeigt: Nur durch die g‑ttlichen Attribute (Sefiros) der Welt der Emanation (Atzilus), die Tikkunim [g‑ttlichen Ordnungen], wirkt das unendliche Licht (Or Ein Sof) in den Welten, sodass man davon sprechen kann, dass G‑tt „hinabgeht“ und „sieht“. Der Maamar deutet G‑ttes Gericht über Sodom somit als das Wirken von Chesed, Gevurah und Erbarmen.

Marei Mekomos

  1. 1
    ארדה נא · Genesis 45:1
  2. 2
    ארדה נא · Genesis 18:21

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Fragen zum Gespräch

  1. Wie erklärt der Unterschied zwischen einem Schmuckstück und einem gewöhnlichen Gewand, warum die Sefiros von Atzilus Tikkunim genannt werden, während Beriah, Yetzirah und Asiyah Gewänder genannt werden?
  2. Warum beweist die Tatsache, dass sich Intellekt und Gefühle verändern, dass sie nicht das Wesen der Seele sind? Was in einem Menschen verändert sich nicht?
  3. Worin besteht der Unterschied zwischen einem Tzimtzum, bei dem das Licht nur noch der Möglichkeit nach vorhanden ist, und einer Parsa, bei der der Gedanke des Lehrers im Gleichnis tatsächlich gegenwärtig ist? Warum bewirkt nur das Erste, dass G‑tt „Einer, aber nicht der Zahl nach“ ist?
  4. Wenn der Lichtspender sogar kleinen Kindern „offenbart“ ist, was genau wird durch den Tzimtzum verborgen?
  5. Warum sagt der Vers „Ich werde jetzt hinabsteigen“, bevor er sagt „und sehen“, und was lernt das Maamar daraus über Güte, Gericht und Erbarmen?

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Inhaltsverzeichnis

Torah Ohrתורה אור

Parshas Vayeiraוירא

  1. 1פתח אליהו אנת הוא חד ולא…(Zum Vers „Ich werde jetzt hinabsteigen“) Eliyahu eröffnete: „Du bist Einer, aber nicht der Zahl nach …“
  2. 2ארדה נא וגו׳„Ich will nun hinabsteigen [und sehen]“