Torah Ohr · Parshas Vayeira · Maamar 2
ארדה נא וגו׳
„Ich will nun hinabsteigen [und sehen]“
Maamar beginnen PDF herunterladenPDF · 592 KB
Von einer KI aus unserer englischen Ausgabe übersetzt und anschließend in mehreren Durchgängen anhand des Englischen und des Hebräischen geprüft und korrigiert. Die englische Fassung selbst wird derzeit von menschlichen Lesern überprüft. Wenn Sie gut Deutsch können, wären wir für Ihre Hilfe bei der Durchsicht der deutschen Übersetzung dankbar. Bei der Durchsicht mithelfen
Kerngedanke
G‑tt weiß alles in der Weise des „Offenbarseins und Bekanntseins“, ohne dass Sein Wissen in das Gewusste eingeht. Die „umherschweifenden Augen“ G‑ttes sind die Gefäße der g‑ttlichen Attribute (Sefiros) und der Engel, durch die das Gericht von unten aufsteigt; und „Ich will hinabsteigen und sehen“ ist das Herabsteigen der Güte (Chesed), die dieselben Tatsachen betrachtet und nach Verdienst sucht.
Der Maamar in Kürze
Der Maamar beginnt mit Fragen zu G‑ttes Worten über Sodom: Warum stehen „ihr Aufschrei“ und „die gekommen ist“ in weiblicher Form, und warum muss G‑tt, der alles vom Himmel aus sieht, „hinabsteigen und sehen“? Zur Beantwortung greift der Alter Rebbe die Frage der Philosophen auf: Wie kann der Eine, der schlechthin einfach ist, unzählige Einzelheiten kennen, ohne dadurch vielfältig zu werden? Die Formulierung der Weisen „offenbar und bekannt“ gibt die Antwort: G‑ttes Wissen geht nicht in das ein, was es weiß. Dennoch spricht die Schrift von G‑ttes „Augen“, die auf der Erde umherschweifen. Diese Augen sind die Gefäße der Sefiros und der Engel; durch sie steigen die Taten nach oben, während das unendliche Licht (Or Ein Sof) in ihnen auf die Weise des „Offenbarseins und Bekanntseins“ weiß. Ein ausführlicher Kommentar unterscheidet das Wissen (Daas) auf höherer, umfassender Ebene, das kennt, ohne zu reagieren (der Schlüssel zum Vorwissen und zur Willensfreiheit), von einem niedrigeren Daas in den Gefäßen, das Lohn und Strafe bewirkt. Dem Zohar folgend sind die weiblichen „Augen“ Engel der Königsherrschaft (Malchus) und des Gerichts, die männlichen Augen Engel der Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) und der Güte (Chesed). Sodoms Aufschrei stieg durch den weiblichen Kanal auf; „Ich will hinabsteigen und sehen“ bezeichnet das Herabsteigen von Chesed, gleichsam ein Sehen statt eines Hörens, um dieselben Tatsachen zugunsten eines Verdienstes auszulegen.
Gliederung
- Die Fragen zum VersWarum die weiblichen Formen und warum G‑tt „hinabsteigen und sehen“ muss; der Aufschrei ist das Gericht der Malchus.¶1
- „Offenbar und bekannt“Die Frage der Philosophen nach Vorsehung und Vielheit; G‑ttes Wissen geht nicht in das ein, was es weiß; die umherschweifenden Augen werfen eine neue Frage auf, die durch Lichter und Gefäße beantwortet wird.¶2–3
- Die Augen als GefäßeDie Taten steigen durch Engel und die Gefäße der Malchus der Welt der Emanation (Atzilus) auf; das Umherschweifen gehört den Gefäßen, während das Licht in ihnen auf die Weise des „Offenbarseins und Bekanntseins“ weiß.¶4–7
- Kommentar: höheres und niedrigeres DaasEin umfassendes höheres Daas kennt alles, ohne zu reagieren, und ist die Quelle der Vergebung; das niedrigere Daas in den Gefäßen bewirkt Lohn und Strafe; Vorwissen und Wahlfreiheit; Yosefs „gutes Auge“ und Sodoms Verlust desselben.¶8–13
- Weibliche und männliche AugenAus dem Zohar: Die weiblichen Augen sind Engel der Malchus, die männlichen Augen Engel des Zeir Anpin; der Aufschrei stieg durch Malchus auf, und G‑tt steigt mit Chesed hinab.¶14–17
- Gericht und Güte betrachten dieselben TatsachenJeder Fall lässt sich auf Schuld oder Verdienst hin auslegen; die Flut und Noachs Opfer zeigen, wie Chesed dieselbe Argumentation in Verdienst wendet; „Ich will hinabsteigen“ als direktes Licht, das in das Gericht hinabsteigt.¶18
- Sehen und HörenDie drei Linien der Sefiros; Sehen kommt von der langen rechten Linie der Weisheit (Chochmah) und Chesed, Hören von Binah auf der linken Seite; der Aufschrei wird gehört, und G‑tt steigt hinab, um zu sehen.¶19–20
Schlüsselbegriffe
- Offenbar und bekanntגלוי וידוע
- Die Formulierung der Weisen für G‑ttes Wissen: Alles ist einfach vor Ihm offenbar, ohne dass Sein Denken in das eintritt, was Er weiß, oder davon beeinflusst wird. Sie löst die Frage, wie der Eine, der schlechthin einfach ist, unzählige Einzelheiten kennen kann.
- Lichter und Gefäßeאורות וכלים
- Jede Sefirah hat ein Gefäß (das Attribut selbst, etwa Chesed oder die Selbstbegrenzung (Gevurah), das begrenzt und bestimmt) und ein Licht in ihm, einen Ausstrahl des Unendlichen (Ein Sof), der keines der Attribute ist.
- Die umherschweifenden Augen Havayahsעיני ה׳ משוטטים / עיניו משוטטות
- Die Gefäße der Sefiros und die Engel, die von ihnen empfangen; durch sie werden die Taten derer, die unten sind, beobachtet und nach oben getragen. Die männliche Form bezieht sich auf Zeir Anpin und Chesed, die weibliche auf Malchus und das Gericht.
- Höheres und niedrigeres Daasדעת עליון ודעת תחתון
- Das höhere Daas ist umfassend: Es weiß alles, ohne in die Attribute einzuströmen, und bewirkt daher keine Reaktion; es ist die Quelle der Vergebung. Das niedrigere Daas ist in die Gefäße gekleidet und bewirkt Lohn und Strafe.
- Direktes Licht und zurückkehrendes Lichtאור ישר ואור חוזר
- Licht, das von oben nach unten herabsteigt (Chesed), und Licht, das von unten nach oben aufsteigt (Gevuros, Kräfte der Selbstbegrenzung). Der Aufschrei steigt wie zurückkehrendes Licht auf; „Ich will hinabsteigen“ ist das direkte Licht von Chesed.
- Lang, kurz und mittigחד אריך וחד קציר וחד בינוני
- Die drei Linien der Sefiros: Die rechte Linie der Güte reicht am weitesten, die linke Linie der Strenge reicht nur bis zu den Würdigsten, und die mittlere Linie erbarmt sich über jeden, der es braucht.
Die Fragen zum Vers ¶1
1ארדה נא וגו׳. הנה הכצעקתה הוא לשון נקבה וכן הבאה. ועשו לשון נקבה ולשון זכר.1 וגם להבין מהו ארדה נא ואראה הלא משמים הביט2 ה׳.
„Ich will nun hinabgehen [und sehen]“ usw. Nun steht „ihrem Geschrei gemäß“ (haktza'akasah) im Femininum, ebenso „die gekommen ist“ (haba'ah); „sie haben getan“ (asu) hingegen ist eine Form, die [dem] Femininum und Maskulinum gemeinsam ist. Auch müssen wir verstehen, was „Ich will nun hinabgehen und sehen“ bedeutet: Gewiss, „Vom Himmel blickte Havayah herab.“
Der Maamar beginnt mit den Worten G‑ttes vor der Zerstörung Sodoms (Genesis 18:21): „Ich will nun hinabgehen und sehen, ob sie ganz und gar entsprechend ihrem Geschrei gehandelt haben, das zu Mir gekommen ist.“ Der Alter Rebbe weist auf eine grammatische Besonderheit hin: „ihr Geschrei“ und „die gekommen ist“ stehen im Femininum, während „sie haben getan“ (asu) eine Pluralform ist, die sowohl feminin als auch maskulin sein kann. Dann stellt er eine zweite Frage: Warum muss G‑tt „hinabgehen und sehen“, wenn doch die Schrift sagt, dass Er vom Himmel herabblickt und alles sieht?
אך פי׳ הכצעקתה היינו הצעקה העולה מבחי׳ מדת הדין שהיא בחי׳ מדת מלכות שנק׳ דין דינא דמלכותא דינא3 רק שהוא דינא רפיא מלך במשפט יעמיד ארץ4 וז״ש [וזהו שכתוב] הכצעקתה הבאה5 וכמ״ש בערב היא באה.6
Die Bedeutung von „ihrem Geschrei gemäß“ ist jedoch: das Geschrei, das aus der Ebene des Attributs des Gerichts aufsteigt; diese ist die Ebene des Attributs der Königsherrschaft (Malchus), die Din (Urteil) genannt wird, [wie in] „Das Gesetz des Königreichs ist Gesetz“ (dina); allerdings handelt es sich um ein mildes Urteil, [wie in] „Ein König festigt das Land durch Gerechtigkeit.“ Dies ist [die Bedeutung von] „ihrem Geschrei gemäß, das gekommen ist“ (haba'ah), wie geschrieben steht: „Am Abend kam sie (ba'ah)“;
Die erste Antwort betrifft die femininen Formen. Das Geschrei ist die Klage des Gerichts gegen Sodom, und das Gericht gehört zu Malchus, der weiblichen Sefirah. Das Wort din bedeutet sowohl „Urteil“ als auch „Gesetz“; so ist Malchus, die „Königsherrschaft“, durch die talmudische Regel „Das Gesetz des Königreichs ist Gesetz“ mit dem Gericht verbunden. Dennoch handelt es sich um ein „mildes“ Gericht, wie bei einem König, dessen Gerechtigkeit das Land festigt, anstatt es zu zerstören. Das feminine „kam“ (ba'ah) wird nun anhand zweier Verse gezeigt, in denen eine Frau „kam“: ein Hinweis auf Malchus, denn in der Kabbala ist Rachel eine Bezeichnung für Malchus, und der Abend ist eine Zeit des Gerichts.
Der Absatz stellt die Fragen des Maamars: Warum stehen hier feminine Formen, und warum muss G‑tt „hinabgehen und sehen“? Als ersten Schlüssel gibt er: Das „Geschrei“ ist die Stimme des Gerichts, die aus Malchus, dem weiblichen Attribut, aufsteigt.
Malchus wird „die Königsherrschaft“ genannt und ist die Wurzel von Gesetz und Gericht; der Ausdruck des Sohar dina rafya [mildes Gericht] unterscheidet das Gericht von Malchus vom strengen Gericht der Selbstbegrenzung (Gevurah). Die feminine Grammatik wird später mit der Lehre des Sohar verbunden, dass „Seine Augen schweifen“ – feminin – die Engel von Malchus sind, während „sie schweifen“ – maskulin – zur Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) gehört.
Marei Mekomos
- 1הנה הכצעקתה הוא לשון נקבה וכן הבאה, ועשו לשון נקבה ולשון זכר · במאמרי אדה״ז פרשיות ע׳ קו הקושיא ”מה שבתחלה אמר הכצעקתה לשון נקבה ולשון יחיד ואח״כ אמר עשו ל׳ רבים ולשון זכר”. ושם מוסיף עוד קושיא ”מהו ענין הירידה הזאת האיך שייך ירידה לפניו”. וראה שם בשולי העמוד מב׳ כת״י דשם נוסף עוד קושיא ”מה טעם תלה (הידיעה הכצעקתה) הירידה בצעקתה אם ירד דוקא ויראה כו׳” ע״ש בארוכה. ובאוה״ת בראשית כרך ד תשלו, א.
- 2הלא משמים הביט ה׳ · Psalms 33:13
- 3דינא דמלכותא דינא · Bava Kamma 113a:14–16
- 4מלך במשפט יעמיד ארץ · Proverbs 29:4
- 5
- 6בערב היא באה · Esther 2:14
„Offenbar und bekannt“ ¶2–3
2ורחל באה.1 וביאור הענין הנה מתחלה יש להקדים לשון השגור2 בדחז״ל [בדברי חכמינו זכרונם לברכה] גלוי וידוע לפני מי שאמר3 והיה העולם.4 גלוי וידוע דייקא.
[und] „Und Rachel kam (ba'ah).“ Und die Erklärung der Sache: Zunächst müssen wir die Formulierung voranstellen, die in den Worten unserer seligen Weisen geläufig ist: „Offenbart und bekannt ist es vor Ihm, der sprach und die Welt ins Dasein kommen ließ.“ „Offenbart und bekannt“ – genau diese Worte.
„Und Rachel kam“ vervollständigt die Verse mit der femininen Form von „kam“ (ba'ah). Der Alter Rebbe beginnt dann die ausführliche Erklärung, indem er eine Formulierung einführt, die häufig im Talmud vorkommt: „Offenbart und bekannt ist es vor Ihm, der sprach und die Welt ins Dasein kommen ließ.“ Er betont die genaue Wortwahl „offenbart und bekannt“, auf der die gesamte Antwort aufbauen wird.
כי הנה הפילוסופים נלאו להשיג ענין ההשגחה פרטית5 כמו אין אדם נוקף אצבעו מלמטה6 אא״כ [אלא אם כן] מכריזין עליו מלמעלה דקשה להם כיון
Denn die Philosophen haben sich [selbst] abgemüht, die Angelegenheit der individuellen Vorsehung zu erfassen, etwa: „Ein Mensch stößt sich unten nicht einmal den Finger an, es sei denn, es wird oben seinetwegen ausgerufen.“ Denn es fällt ihnen schwer: Da
Die Philosophen rangen mit der Vorstellung, dass G‑tt über jedes Detail der Welt wacht. Dies kommt in der Aussage des Talmuds zum Ausdruck, dass ein Mensch sich unten nicht einmal den Finger anstößt, wenn dies nicht zuvor oben verfügt wurde.
שהוא ית׳ יחיד ומיוחד אחד האמת וא״כ איך יתכן ידיעת הש״י [השם יתברך] הפרטים וההשגחה פרטי׳ לתת דעתו על ענינים רבים שהרי זה בחי׳ רבוי.789
Er, gesegnet sei Er, einzig und einzigartig, der Eine in Wahrheit, ist – wie kann [es] dann möglich sein, dass der Heilige, gelobt sei Er, die Einzelheiten kennt und individuelle Vorsehung übt, [dass Er] Seine Aufmerksamkeit auf viele Angelegenheiten richtet, obwohl dies doch [einen Zustand der] Vielheit darstellt?
Ihre Schwierigkeit besteht darin, dass G‑tt absolut eins und einfach ist. Unzählige Einzelheiten zu kennen und sich jeder einzelnen zuzuwenden, scheint einen Geist vorauszusetzen, der auf viele Dinge verteilt ist; dies würde Vielheit in G‑ttes Einheit einführen.
Der Absatz führt das philosophische Problem ein, das der Maamar lösen will: Wie kann der absolut einfache Eine unzählige Einzelheiten kennen und über sie wachen, ohne dadurch Vielheit zu werden?
Dieselbe Spannung zwischen G‑ttes einfacher Einheit und der Vielheit der Schöpfung wird in Tanya, Shaar HaYichud VehaEmunah, erörtert, auf das der Kehot-Hinweis verweist. Die Antwort des Alter Rebbe wird die Vorsehung nicht leugnen, sondern die Weise unterscheiden, in der G‑tt weiß, von der Weise, in der ein Mensch weiß.
Marei Mekomos
- 1ורחל באה · Genesis 29:9
- 2וביאור הענין . . יש להקדים לשון השגור · מכאן ואילך ראה ד״ה השמר לך תרל״ה כרך א ע׳ ב ואילך.
- 3בדחז״ל גלוי וידוע לפני מי שאמר והי׳ העולם · Eruvin 13b:3
- 4גלוי וידוע לפני מי שאמר והיה העולם · Kiddushin 31a:1
- 5כי הנה הפילוסופים נלאו להשיג ענין ההשגחה פרטית · Tanya, Sha’ar HaYichud 7:15
- 6אין אדם נוקף אצבעו מלמטה · Chullin 7b:15–16
- 7הכצעקתה הבאה · המשך הפסוק ארדה נא.
- 8בערב היא באה · Esther 2:14
- 9ולהעיר ממרז״ל בכ״מ · Shabbat 55a:8–9
3וחז״ל [וחכמינו זכרונם לברכה] כיוונו לתרץ זה בדבור אחד באמרם גלוי וידוע לפני כו׳ שאין ידיעתו ית׳1 כדמיון ידיעת האדם איזו דבר שדעתו השיג
Und unsere Weisen seligen Angedenkens beabsichtigten, dies mit einem einzigen Ausdruck zu beantworten, indem sie sagten: „Es ist vor [Ihm] offenbar und bekannt“ usw.: Sein Wissen, gepriesen sei Er, ist nicht wie das Wissen eines Menschen um irgendeine Sache, bei dem sein Verstand
Der Ausdruck der Weisen „offenbar und bekannt“ beantwortet die Philosophen mit einem einzigen Wort. Das Wissen eines Menschen ist anders: Zunächst weiß er etwas nicht, dann richtet sich sein Verstand darauf und erfasst es.
הדבר ומתחלה לא ידעו וכשיודע הדבר הרי דעתו מלובשת בידיעה זו2 ומחשבה זו שנותן דעתו להשיגה וקודם ידיעתו היה דעתו פנוי וה״ז [והרי זה] בחי׳ שינוי והתפעלות
die Sache erfasst hat; zunächst kannte er sie nicht, und wenn er die Sache erkennt, ist sein Verstand in dieses Wissen und in diesen Gedanken eingekleidet, während er seinen Verstand darauf richtet, sie zu erfassen; bevor er sie erkannte, war sein Verstand frei. Dies ist ein [Zustand der] Veränderung und des Ergriffenwerdens.
Wenn ein Mensch etwas zu erkennen beginnt, wird sein Verstand von diesem Gedanken eingenommen; zuvor war er davon frei. Das menschliche Erkennen ist daher mit Veränderung und mit einem Ergriffenwerden durch den erkannten Gegenstand verbunden.
משא״כ למעלה ידיעתו ית׳ שיודע כל העולמות ופרטיהן אין הענין שדעתו מתלבשת ונתפסת בזה אלא
Bei G‑tt jedoch verhält es sich anders. Sein Wissen, durch das Er alle Welten und ihre Einzelheiten kennt, bedeutet nicht, dass Sein Verstand darin eingekleidet und davon erfasst wird, sondern
G‑ttes Wissen um alle Welten und ihre Einzelheiten ist nicht von dieser Art: Sein Verstand wird nicht von dem, was Er weiß, eingenommen oder davon erfasst.
ע״ד גלוי וידוע שהכל גלוי וידוע לפניו ית׳ ממילא וא״צ [ואין צריך / ואינו צריך] להיות נתפס ומתלבש בהדבר לידע
[es ist] nach Art von „offenbar und bekannt“: Alles ist von selbst vor Ihm, gepriesen sei Er, offenbar und bekannt, und Er muss nicht von der Sache erfasst und in sie eingekleidet sein, um sie zu kennen.
Alles ist einfach von selbst vor Ihm „offenbar und bekannt“. Er muss sich der Sache nicht zuzuwenden und in sie eingehen, um sie zu kennen.
(במכש״כ [במכל שכן] ממה שמחיה ומהווה הדבר שלא ע״י התלבשות בהדבר כ״א על ידי היותו סוכ״ע. וכ״ש [וכל שכן] וק״ו שידיעת הדבר ופרטיו א״צ [אין צריך / אינו צריך] להיות ע״י התלבשות ותפיסה בהדבר כו׳)
(Umso mehr folgt dies aus [der Tatsache], dass Er der Sache Lebenskraft verleiht und sie ins Dasein bringt, ohne in sie eingekleidet zu sein, sondern dadurch, dass Er das Licht ist, das alle Welten umfasst (Sovev Kol Almin). Umso mehr bedarf es dann nach einem Kal-vachomer-Schluss (einem Schluss vom Leichteren auf das Schwerere) beim Erkennen der Sache und ihrer Einzelheiten nicht, in die Sache eingekleidet und von ihr erfasst zu sein usw.)
Dies ist ein unterstützendes Argument nach dem Prinzip des Kal vachomer (a fortiori): G‑tt verleiht jedem Geschöpf Lebenskraft und bringt es ins Dasein, ohne in es einzugehen, sondern als das Licht, das alle Welten umfasst und von außerhalb auf es einwirkt. Wenn es schon zur Erschaffung und Erhaltung einer Sache nicht nötig ist, in sie einzugehen, dann erst recht nicht, um sie zu kennen.
וכיון שהוא גלוי וידוע אין שייך כלל קושייתם שהוא בחי׳ רבוי כי זה אינו רק במין ידיעת האדם שא״א לו לידע דבר כ״א ע״י שדעתו ומחשבתו מתלבשים בידיעת הדבר.
Da es „offenbar und bekannt“ ist, trifft ihre Frage, dies sei eine [Art von] Vielheit, überhaupt nicht zu; denn dies gilt nur für die Art des menschlichen Wissens: Ein Mensch kann eine Sache nur erkennen, indem sein Verstand und sein Denken in das Wissen um diese Sache eingekleidet werden.
Da G‑ttes Wissen „offenbar und bekannt“ ist, entfällt der Einwand der Philosophen. Vielheit entsteht nur beim menschlichen Erkennen, bei dem der Verstand in jede Sache eingehen muss, die er erkennt.
וזהו כי לא מחשבותי מחשבותיכם3 כו׳ כי הוא גלוי וידוע כו׳ (והמשכיל יבין דקות הדברים ולאו כל מוחא סביל דא).
Und dies ist [die Bedeutung von] „Denn Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken“ usw.: Denn es ist „offenbar und bekannt“ usw. (Wer Einsicht besitzt, wird die Feinheit dieser Dinge verstehen; nicht jeder Verstand vermag dies zu fassen.)
Der Vers aus Jesaja „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken“ wird hier so verstanden: G‑ttes Erkennen ist von einer ganz anderen Art als unser Erkennen. Der Alter Rebbe fügt hinzu, dass dieser Punkt fein ist und nicht jeder Verstand ihn erfassen kann.
והנה כתיב4 (זכרי׳ [זכריה] סי׳ ד׳) שבעה אלה עיני5 ה׳ המה משוטטים בכל הארץ וכתיב (ד״ה [דברי הימים] ב׳ י״ו ט׳) כי ה׳ עיניו משוטטות בכל הארץ.6
Nun steht geschrieben (Zechariah, chapter 4): „Diese sieben sind die Augen Havayahs; sie durchstreifen die ganze Erde“; und es steht geschrieben (II Chronik 16:9): „Denn Havayahs Augen durchstreifen die ganze Erde.“
Hier beginnt eine neue Frage. Zwei Verse beschreiben G‑ttes „Augen“ als solche, die die ganze Erde „durchstreifen“: einmal steht dabei ein Verb im Maskulinum (meshotetim), einmal ein Verb im Femininum (meshotetos).
ויש להבין דענין משוטטים ומשוטטות משמע שנמשך לראות ולעיין הדבר על ידי ראיה זו והרי זה כמו בחי׳ התלבשות בהדבר הנראה וידוע וזה לכאורה הפך ממ״ש בפי׳ גלוי וידוע.
Und dies muss verstanden werden: Der Ausdruck „umherstreifen“ (meshotetim, meshotetos) legt nahe, dass [der Blick] sich ausdehnt, um das Ding durch dieses Sehen zu betrachten und zu untersuchen; dies gleicht einer Art Einkleidung in das gesehene und bekannte Ding. Das scheint dem zu widersprechen, was zur Erklärung von „offenbart und bekannt“ gesagt wurde.
„Umherstreifen“ legt nahe, hinauszugehen, um Dinge anzusehen und zu untersuchen. Das klingt gerade so, als dringe der Geist in das Ding ein – was durch „offenbar und bekannt“ verneint wurde.
אך הענין כי נודע שבע״ס [שבעשר ספירות] יש אורות וכלים7 כי בחי׳ חו״ג [חסד וגבורה] זהו בחי׳ כלי8 אבל האור הוא הארה מא״ס ב״ה דלאו מכל אינון מדות איהו כלל
Die Erklärung aber ist, dass es, wie bekannt, in den zehn g‑ttlichen Attributen (Sefiros) Lichter und Gefäße (Oros v'Keilim) gibt. Denn die Ebene (Bechinah) von Güte (Chesed) und Selbstbegrenzung (Gevurah) ist die Bechinah eines Gefäßes; das Licht aber ist eine Ausstrahlung des Unendlichen (Ein Sof), gelobt sei Er, [von Dem gesagt wird, dass] „Er überhaupt keines dieser Attribute ist“.
Die Antwort beruht auf der bekannten Lehre, dass jedes der zehn g‑ttlichen Attribute ein Licht und ein Gefäß hat. Attribute wie Chesed und Gevurah sind die Gefäße, während das Licht in ihnen eine Ausstrahlung des Unendlichen ist, der an sich keines dieser Attribute ist, wie Tikkunei Zohar im einleitenden Gebet Eliyahus (Patach Eliyahu) sagt.
רק שהאור מתלבש בהכלי שהוא חו״ג [חסד וגבורה] ושאר המדות שהן נקראים בחינת כלים שהם מגבילים את האור ובהן
Nur ist das Licht in das Gefäß eingekleidet, nämlich in Chesed und Gevurah und die übrigen Attribute, die als Bechinah der Gefäße bezeichnet werden, denn sie begrenzen das Licht. Und in ihnen
Das Licht ist in die Gefäße eingekleidet, in die Attribute Chesed, Gevurah und die übrigen. Sie werden Gefäße genannt, weil sie dem Licht Begrenzung und Bestimmtheit verleihen.
ועל ידם נמשך האור להיות מחיה נבראים בע״ג [בעלי גבול / בעל גבול] להיות התהוות מיכאל וגבריאל מחנה מיכאל מקבלים מבחי׳ חסד9 וגבריאל מבחי׳ גבורה שא״א להיות המשכה זו מהאור עצמו כ״א ע״י הכלים.
wird durch sie das Licht herabgezogen, um endlichen Geschöpfen Leben zu geben und Michael und Gavriel hervorzubringen: Das Lager Michaels empfängt aus der Bechinah von Chesed, und Gavriel aus der Bechinah von Gevurah. Denn diese Herabziehung kann nicht vom Licht selbst ausgehen, sondern nur durch die Gefäße,
Durch diese Gefäße erreicht das Licht endliche Geschöpfe, zum Beispiel die Engel: Das Lager Michaels empfängt aus Chesed und Gavriel aus Gevurah. Begrenzte Wesen können das unbegrenzte Licht nicht unmittelbar empfangen; es muss durch die Gefäße hindurchgehen.
כמו שא״א להיות השפעת כסף וזהב מהנשמה אא״כ [אלא אם כן] מלובשת בגוף ונותנת הנשמה צדקה לעני ע״י היד הגשמי.
so wie die Seele Silber und Gold nicht geben kann, solange sie nicht in einen Körper eingekleidet ist und dem Armen durch die physische Hand Almosen gibt.
Ein Gleichnis: Die Seele kann einem Armen kein Geld geben, solange sie nicht in einen Körper eingekleidet ist und eine physische Hand gebraucht. Ebenso wirkt das g‑ttliche Licht auf die Schöpfung nur durch die Gefäße.
Der Abschnitt beantwortet den Einwand der Philosophen: G‑tt weiß nach dem Prinzip „offenbar und bekannt“, ohne dass Sein Wissen in das Erkannte eingeht. Dann wirft er die Frage nach den „umherstreifenden Augen“ auf und leitet seine Antwort mit der Unterscheidung zwischen Lichtern und Gefäßen (Oros v'Keilim) sowie den g‑ttlichen Attributen (Sefiros) ein.
Die Gefäße sind die Attribute selbst; das Licht wird nicht durch sie bestimmt. Laut der Anmerkung von Kehot sagt ein späterer Maamar, dass dies in Zeir Anpin gilt, wo das Licht die Natur der Gefäße annimmt, während in Arich Anpin das Gefäß dem Licht gegenüber vollständig aufgehoben ist. Der Kal-vachomer-Schluss aus Sovev Kol Almin passt zu der Lehre des Tanya, dass G‑ttes schöpferische Kraft auf die Welt einwirkt, ohne in ihr enthalten zu sein.
Marei Mekomos
- 1שאין ידיעתו ית׳ · ראה לקו״ת שה״ש כא, ב.
- 2הרי דעתו מלובשת בידיעה זו · ראה לקו״ת שה״ש כא, ב.
- 3כי לא מחשבותי מחשבותיכם · Isaiah 55:8
- 4והנה כתיב שבעה אלה · בלקו״ת ראה כד, א. שמע״צ צא, ד — מציין לכאן.
- 5שבעה אלה עיני ה׳ המה משוטטים בכל הארץ · Zechariah 4:10
- 6כי ה׳ עיניו משוטטות בכל הארץ · II Chronicles 16:9
- 7כי נודע שבע״ס יש אורות וכלים · במאמרי אדה״א בראשית ע׳ קפד מקשר זה אלמעלה וז״ל שם: ”אך באמת קושיא זו תפול גם כן על מציאות עשר ספירות דאצי׳ ממאצילן שהוא ג״כ בחי׳ התחלקות עשר מציאות פרטים . . ואיך נמצא זאת מבחי׳ אור א״ס הפשוט שהוא מופשט מגדר התחלקות מכל וכל” ע״ש. וראה פרשיות ע׳ קז. אוה״ת בראשית כרך ד תשלו, א.
- 8כי בחי׳ חו״ג זהו בחי׳ כלי · בד״ה אין עומדין תרס״ז (בהמשך תרס״ו ע׳ תפא) מפרש: והיינו בז״א לפי שהאור נעשה כמהות הכלים כו׳, אבל בא״א לית שמאלא בהאי עתיקא לפי שהכלי בטל לגמרי אל האור וה״ה כמהות האור כו׳ עכ״ל ע״ש.
- 9מחנה מיכאל מקבלים מבחי׳ חסד כו׳ · Zohar III, 235b
Die Augen als Gefäße ¶4–7
4והנה כמו כן ע״י הכלים דע״ס [דעשר ספירות] הוא ג״כ בחי׳ העלאת הזכות וחוב של כל נברא
Nun erfolgt ebenso durch die Gefäße der zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) die Erhebung des Verdienstes und der Schuld jedes Geschöpfes.
Wie das Licht durch die Gefäße zur Schöpfung gelangt, so steigt auch der Bericht über die Verdienste und Verfehlungen jedes Geschöpfes durch die Gefäße nach oben.
כי ע״י שהאדם עובר עבירה קונה לו קטיגור אחד1 נעשה פגם וכתם באותו המלאך הממונה ע״ז כי יש מלאכים שמקבלים ממדה זו ויש ממדה זו כנ״ל בענין מיכאל וגבריאל כו׳
Denn wenn ein Mensch eine Übertretung begeht, „erwirbt er sich einen Ankläger“: Im Engel, der für [diese Angelegenheit] zuständig ist, entsteht ein Makel und ein Fleck. Denn es gibt Engel, die von diesem Attribut empfangen, und [Engel, die von jenem Attribut empfangen], wie oben im Zusammenhang mit Michael und Gavriel usw. gesagt wurde.
Eine Sünde „erwirbt einen Ankläger“, wie es in den Worten der Mischna heißt: Sie hinterlässt einen Makel in dem Engel, der mit dieser Angelegenheit betraut ist. Engel sind verschiedener Art: Einige empfangen von der Güte (Chesed), andere von der Selbstbegrenzung (Gevurah), wie bei Michael und Gavriel.
ומלאך זה מעלה הדבר למלאך גבוה ממנו עד שמתעלה בכלים דע״ס [דעשר ספירות] דמלכות דאצי׳ המתלבשים בבי״ע ובתוך הכלי מלובש האור מא״ס ב״ה.
Und dieser Engel trägt die Angelegenheit zu einem Engel auf einer höheren Ebene hinauf, bis sie in die Gefäße der zehn Sefiros der Königsherrschaft (Malchus) der Welt der Emanation (Atzilus) aufsteigt, die in [den Welten] der Schöpfung (Beriah), der Formung (Yetzirah) und des Handelns (Asiyah) bekleidet sind; und innerhalb des Gefäßes ist das Licht des Unendlichen (Ein Sof), gelobt sei Er, bekleidet.
Dieser Engel leitet die Angelegenheit an einen höheren Engel weiter, und so weiter, bis sie die Gefäße der Malchus der Atzilus erreicht, die in den unteren Welten Beriah, Yetzirah und Asiyah bekleidet sind. Innerhalb dieser Gefäße befindet sich das Licht des Unendlichen.
Der Absatz wendet die Gefäße auf die Richtung nach oben an: Die Taten eines Menschen werden durch Engel und die Gefäße der Malchus der Atzilus nach oben gemeldet, in denen das unendliche Licht (Or Ein Sof) wohnt.
Marei Mekomos
- 1קונה לו קטיגור אחד · Pirkei Avot 4:11
5ונמצא ע״י הכלים מתעלה להאור א״ס ב״ה המלובש בהכלים דע״ס [דעשר ספירות]. ולכן נאמר ע״ז עיניו משוטטות שהוא בחי׳ הכלים דע״ס [דעשר ספירות]. וגם המלאכים המקבלים מהם1 נק׳ מארי דעיינין2 ויש מארי דאודנין.
Es ergibt sich, dass durch die Gefäße [die Sache] zum unendlichen Licht (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, emporsteigt, das in den Gefäßen der zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) eingekleidet ist. Daher heißt es darüber: „Seine Augen schweifen umher“; dies ist die Ebene der Gefäße der zehn Sefiros. Auch die Engel, die von ihnen empfangen, werden „Herren der Augen“ genannt; und es gibt [auch] „Herren der Ohren“.
Ein Tun steigt also durch die Gefäße empor, bis es das unendliche Licht erreicht, das in ihnen eingekleidet ist. Die Worte des Verses „Seine Augen schweifen umher“ beziehen sich auf diese Gefäße, und die Engel, die von ihnen empfangen, werden mit der aramäischen Bezeichnung „Herren der Augen“ benannt; daneben gibt es andere, die „Herren der Ohren“ genannt werden: Engel, deren Aufgabe es ist zu sehen, und Engel, deren Aufgabe es ist zu hören.
Der Absatz setzt die „Augen des unaussprechlichen g‑ttlichen Namens (Havayah)“, die über die Erde schweifen, mit den Gefäßen der Sefiros und den Engeln gleich, die von ihnen empfangen.
Marei Mekomos
- 1וגם המלאכים המקבלים מהם · ראה ד״ה והר סיני תרנ״ג ע׳ רא.
- 2מארי דעיינין · ע׳ אוה״ת וירא כרך ד תשלו, א. פ׳ עקב ע׳ תקצז.
6והם משוטטים בכל הארץ כמאמר דע מה למעלה ממך1 עין רואה2 כו׳ ובהכלים שייך לומר משוטטים בבחינת התלבשות בהדבר.
Und sie durchstreifen die ganze Erde, wie es in dem Ausspruch heißt: „Wisse, was über dir ist: ein Auge, das sieht“ usw. Bei den Gefäßen kann man von einem „Umherstreifen“ sprechen, insofern sie in die Sache eingekleidet sind.
Diese „Augen“ durchstreifen die ganze Erde, wie die Mischna sagt: „Wisse, was über dir ist: ein Auge, das sieht, und ein Ohr, das hört.“ Von einem „Umherstreifen“ zu sprechen, also davon, dass man sich zur Sache hin begibt, passt zu den Gefäßen, die tatsächlich in das eintreten, was sie betrachten.
ובהם וע״י מתעלה הדבר בבחי׳ האור המלובש בתוכן מא״ס ב״ה והוא ע״ד גלוי וידוע3 שידיעה זו שבכלים דע״ס [דעשר ספירות] שעל ידי עיניו משוטטים היא בחי׳
Und in ihnen und durch sie steigt die Sache auf die Ebene des unendlichen Lichts (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, das in ihnen eingekleidet ist; dies geschieht auf die Weise von „offenbart und bekannt“: dass dieses Wissen in den Gefäßen der zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros), das [durch] „Seine Augen durchstreifen“ zustande kommt, auf der Ebene von
Durch die Gefäße erreicht die Sache das in ihnen eingekleidete unendliche Licht (Or Ein Sof). Auf dieser Ebene ist das von den umherstreifenden Augen gewonnene Wissen auf die Weise von „offenbart und bekannt“ bekannt.
גלוי וידוע לאור א״ס ב״ה המלובש בהכלים כיון שהאור באמת לאו מכל אינון מדות איהו כלל אע״פ [אף על פי] שמלובש בהכלי כו׳.
„offenbart und bekannt“ dem unendlichen Licht (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, das in die Gefäße eingekleidet ist; denn das Licht ist in Wahrheit überhaupt keines dieser Attribute, obwohl es in das Gefäß eingekleidet ist usw.
Das liegt daran, dass das Licht, obwohl es in die Gefäße eingekleidet ist, in Wahrheit keines der Attribute ist. Das „Umherstreifen“ gehört also nur zu den Gefäßen, während das Licht in ihnen weiß, ohne in etwas einzutreten.
Der Absatz löst den Widerspruch auf: „Umherstreifen“ beschreibt die Gefäße, die tatsächlich in das eintreten, was sie sehen, während das Licht in ihnen auf die Weise von „offenbart und bekannt“ weiß.
Marei Mekomos
- 1דע מה למעלה ממך · אבות ב, א.
- 2דע מה למעלה ממך עין רואה · Pirkei Avot 2:1
- 3והוא ע״ד גלוי וידוע · בלקו״ת שה״ש כא, ב מציין לכאן. ראה ד״ה צהר תעשה תרע״ג.
7וזהו תירוץ לקושיית הפילוסופים שאין ידיעה והשגחה זו גורם בחי׳ רבוי כי ההשגחה ע״ד עיניו משוטטות הוא ע״י הכלים כנ״ל
Und dies ist die Antwort auf die Frage der Philosophen: Diese Kenntnis und Vorsehung führt nicht zu [einem Zustand der] Vielheit. Denn die Vorsehung in der Weise, dass „Seine Augen umherschweifen“, geschieht durch die Gefäße, wie oben gesagt;
Damit ist die Antwort an die Philosophen gegeben: Die Vorsehung durch die „umherschweifenden Augen“ macht G‑tt nicht vielfältig, denn diese Vorsehung wirkt durch die Gefäße.
אבל הידיעה בא״ס ב״ה המלובש בהכלים מה שיודע ורואה מה שעיניו משוטטות הנה ידיעתו יתברך זו היא בבחי׳ גלוי וידוע1 כו׳:
Die Kenntnis aber im Unendlichen (Ein Sof), gelobt sei Er, der in die Gefäße gekleidet ist – [nämlich,] was Er weiß und sieht von dem, worüber Seine Augen umherschweifen –: Diese Kenntnis Seiner, gelobt sei Er, ist in der Weise des „Offenbartseins und Bekanntseins“ usw.
Was der Unendliche, der in die Gefäße gekleidet ist, von dem weiß, was die Augen wahrnehmen, ist keine Kenntnis, die in die Dinge eingeht. Sie ist in der Weise des „Offenbartseins und Bekanntseins“, ohne Vielheit.
Der Absatz vervollständigt die Antwort an die Philosophen: Das detaillierte „Umherschweifen“ gehört zu den Gefäßen, während G‑ttes eigenes Wissen „offenbart und bekannt“ bleibt und von Vielheit unberührt ist.
Einer späteren Analyse zufolge, die in der Kehot-Anmerkung angeführt wird, geht es hier darum, dass G‑tt nicht deshalb weiß, was Er weiß, weil Er die Taten bereits gesehen hat; Sein Wissen stammt aus Ihm selbst.
Marei Mekomos
- 1שו״ה משוטטות — בבחי׳ גלוי וידוע · באוה״ת סידור ע׳ נ מציין לכאן. ענין הידיעה נתבאר בארוכה בספר הערכים-חב״ד ח״ד בערך אורות דספירות ”פשיטותם” ע׳ פד ואילך, ובמילואים שם ע׳ תקכו, שהכוונה כאן בתו״א דזה מה שהוא יודע הוא לא מצד שהוא רואה כבר את המעשים, כי אם שהידיעה היא מחמת עצמו, ע״ש. ראה ביאוה״ז להצ״צ כרך א ע׳ סה ואילך.
Kommentar: höheres und niedrigeres Daas ¶8–13
8הגה״ה [הגהה](ועיין בפרדס שער1 פ״ח [פרק ח׳] ושער ד׳ פ״ט2 מענין זה ובזוהר פקודי רנ״ב ע״א ואלין עיני ה׳ כולהו נטלי אשגחותא כו׳ עיי״ש [עיין שם] וברע״מ [וברעיא מהימנא] פ׳ שופטים ד׳ ער״ה סע״א [סוף עמוד א].3 ויש להבין כיון דפי׳ עיני ה׳ הם הכלים דע״ס [דעשר ספירות] דאבי״ע [דאצילות בריאה יצירה עשיה] והמלאכים.
Anmerkung: (Siehe Pardes, Sha'ar, Kapitel 8, und Sha'ar 4, Kapitel 9, zu diesem Thema; ferner im Zohar, Pekudei, p. 252a: „Und dies sind die Augen Havayahs; sie alle übernehmen die Aufsicht“ usw.; siehe dort, und in Ra'aya Mehemna, Parshas Shoftim, p. 275, Ende von Spalte a. Nun ist dies zu verstehen: Da die „Augen Havayahs“ die Gefäße der zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) der Welt der Emanation (Atzilus), der Welt der Schöpfung (Beriah), der Welt der Formung (Yetzirah) und der Welt des Handelns (Asiyah) sowie die Engel sind,
Hier beginnt eine längere Anmerkung (Hagahah), die vom Haupttext abgesetzt ist. Zunächst nennt sie Stellen, an denen das Thema behandelt wird: Rabbi Moshe Cordoveros Pardes Rimonim (bei der ersten Angabe ist, wie gedruckt, kein Tor genannt) sowie zwei Abschnitte im Zohar über die „Augen Havayahs“, die Aufsicht führen; einer davon steht in Ra'aya Mehemna („Der treue Hirte“), einem Abschnitt des Zohar. Dann wird die Frage präzisiert: Die „Augen Havayahs“ sind die Gefäße der Sefiros in allen vier Welten und die Engel.
א״כ איך שייך שהבורא ית׳ יצטרך לידע את כל הנבראים ע״י אמצעות הע״ס [העשר ספירות] והרי היוצר עין הלא יביט4 בעצמו דבשלמא לענין ההשפעה והמשכת החיות בהנבראים הוצרך להיות ע״י הכלים דע״ס [דעשר ספירות] שאל״כ [שאם לא כן] לא יוכלו הנבראי׳ [הנבראים] לקבל
wie kann es dann sein, dass der Schöpfer, gepriesen sei Er, alle Geschöpfe mithilfe der zehn Sefiros kennen müsste? Gewiss: „Sollte der, der das Auge formt, nicht selbst sehen?“ Es ist verständlich, dass die Einwirkung und das Herabziehen der Lebenskraft zu den Geschöpfen durch die Gefäße der zehn Sefiros erfolgen mussten, denn andernfalls könnten die Geschöpfe [sie] nicht empfangen;
Wenn dem so ist, warum sollte der Schöpfer Vermittler benötigen, um Seine Geschöpfe zu kennen? Der Psalmist sagt: „Sollte der, der das Auge formt, nicht sehen?“ Es leuchtet ein, dass die Lebenskraft durch die Gefäße fließen muss, da die Geschöpfe sie nicht unmittelbar empfangen könnten.
משא״כ לענין ידיעת השי״ת [השם יתברך] שיודע את כל הנבראי׳ [הנבראים] אין שייך לומר כן ח״ו [חס ושלום] וא״כ למה צ״ל בחי׳ העינים שהם הכלים משוטטים כו׳ דהא בודאי הכל גלוי וידוע לפניו ית׳ בעצמו ביתר שאת שלא ע״י אמצעו׳הכלי׳ כלל:)
doch hinsichtlich des Wissens G‑ttes, durch das Er alle Geschöpfe kennt, kann man dies keinesfalls sagen, G‑tt behüte. Wenn dem so ist, warum muss es dann die Ebene der Augen geben, die Gefäße, die umherstreifen usw.? Denn gewiss ist alles vor Ihm, gepriesen sei Er, selbst in weit höherem Maße offenbart und bekannt, ganz ohne Vermittlung der Gefäße.)
Das Erkennen ist jedoch nicht davon abhängig, was die Geschöpfe empfangen können. G‑tt kennt gewiss alles selbst, in weit höherem Maße und ohne jeden Vermittler. Warum ist also von „Augen“ die Rede, die umherstreifen?
אך הענין כמ״ש5 כי אל דעות6 ה׳ שיש ב׳ בחי׳ בדעת78 דעת עליון וד״ת [ודעת תחתון]. ד״ע [דעת עליון] הוא בחי׳ מקיף וסוכ״ע9 היינו
Die Erklärung ist jedoch, wie geschrieben steht: „Denn Havayah ist ein G‑tt der Erkenntnisse“: Es gibt zwei Ebenen des Wissens (Daas), den höheren Daas und den unteren Daas. Der höhere Daas ist die Ebene des Umfassenden und des Lichts, das alle Welten umfasst (Sovev Kol Almin); das heißt,
Die Antwort lautet: Der Vers „ein G‑tt der Erkenntnisse“ verwendet die Mehrzahl und lehrt damit, dass es zwei Ebenen des Daas gibt. Der höhere Daas ist „umfassend“: Wie das Licht, das alle Welten umfasst, bezieht er sich von oben her auf alles, ohne in es einzutreten.
כי יש בחי׳ דעת שיודע ורואה הכל רק שהדעת הוא בבחי׳ מקיף דהיינו שאינו מתפשט בהמדו׳ להיות התפעלות מהדבר שהוא יודע או רואה וכענין
es gibt eine Ebene des Daas, die alles weiß und sieht, nur ist dieser Daas in einem umfassenden Modus, das heißt, er erstreckt sich nicht in die Gefühlsattribute (Middos), um eine Reaktion auf das hervorzurufen, was er weiß oder sieht; wie in der Angelegenheit
Dieser höhere Daas weiß und sieht alles, doch sein Wissen erstreckt sich nicht in die Gefühlsattribute, etwa Güte und Strenge, hinein und ruft daher keine Reaktion auf das hervor, was er weiß oder sieht.
שנאמר לא הביט און ביעקב10 שאין הפי׳ שלא הביט כלל אלא כמ״ש וירא און ולא התבונן11 וכמ״ש אם צדקת מה תתן לו12 וע״ז נאמר טהור עינים מראות ברע13 שאין ראיתו הרע עושה רושם והתפעלות כלל
von der gesagt wird: „Er hat kein Unrecht in Yaakov erblickt.“ Das bedeutet nicht, dass Er überhaupt nicht hinsah, sondern, wie geschrieben steht: „Er sieht Unrecht und sinnt nicht darüber nach“; und wie geschrieben steht: „Wenn du gerecht bist, was gibst du Ihm?“ Und darauf bezieht sich: „Du hast zu reine Augen, um das Böse anzusehen“: Dass Er das Böse sieht, hinterlässt keinerlei Eindruck und [ruft] überhaupt keine Reaktion hervor,
Mehrere Verse dienen als Beispiele. „Er hat kein Unrecht in Yaakov erblickt“ bedeutet nicht, dass G‑tt es nicht sieht, sondern, wie der Vers in Iyov hier verstanden wird, dass Er es sieht und nicht darüber nachsinnt. „Wenn du gerecht bist, was gibst du Ihm?“ zeigt, dass menschliche Taten Ihn nicht verändern. „Du hast zu reine Augen, um das Böse anzusehen“ bedeutet, dass das Sehen des Bösen auf dieser Ebene keine Spur bei Ihm hinterlässt.
כי שממית בידים תתפש14 ומשם מקור הסליחה15 והרחמים שאין מגיע שם שום פגם והוא למעלה מהכלים דע״ס [דעשר ספירות].
denn „die Eidechse greift mit ihren Händen zu“. Und von dort [kommt] die Quelle der Vergebung und des Erbarmens, denn kein Makel reicht dorthin; und sie liegt über den Gefäßen der zehn Sefiros.
Der Alter Rebbe zitiert den Vers über die Eidechse, die „mit ihren Händen zugreift“, ohne ihn näher auszuführen. Da kein Makel den höheren Daas erreicht, fließen Vergebung und Erbarmen von dort. Er liegt über den Gefäßen der Sefiros.
רק הפגם והשכר והעונש הוא נמשך ע״י הדעת המתפשט ונמשך במדות ונק׳ דעת תחתון והוא המתלבש בבחי׳ ממכ״ע [ממלא כל עלמין] היינו בכלים דע״ס [דעשר ספירות] דאבי״ע [דאצילות בריאה יצירה עשיה]16
Nur der Makel sowie Lohn und Strafe werden durch den Daas herangezogen, der sich ausbreitet und in die Gefühlsattribute hinabgezogen wird; dieser wird der untere Daas genannt. Er ist in der Ebene des Lichts, das alle Welten erfüllt (Memalei Kol Almin), eingekleidet, das heißt in den Gefäßen der zehn Sefiros der Welten Atzilus, Beriah, Yetzirah und Asiyah.
Makel, Lohn und Strafe gehören zum unteren Daas, der sich in die Gefühlsattribute hinein erstreckt. Er ist in das Licht eingekleidet, das alle Welten erfüllt, das heißt in die Gefäße der Sefiros der vier Welten.
ולכן ידיעה זו היא ע״י בחי׳ עיני ה׳ שהם הכלים והמדות שעי״ז נמשך ההתפעלות שכר ועונש שהפגם מגיע בהכלים דייקא
Darum erfolgt dieses Wissen durch die Ebene der „Augen Havayahs“, die die Gefäße und Attribute sind; durch sie wird die Reaktion von Lohn und Strafe herabgezogen, denn der Makel trifft gerade die Gefäße;
Darum bewirkt das Wissen durch „die Augen Havayahs“ (die Gefäße und Attribute) Lohn und Strafe: Der Makel einer Sünde trifft die Gefäße selbst.
משא״כ ע״י הידיעה שבדעת העליון שלא ע״י הכלים דע״ס [דעשר ספירות] אע״פ [אף על פי] שהכל גלוי וידוע לא נמשך מזה התפעלות כו׳.1718
während durch das höhere Wissen (Daas), das nicht über die Gefäße der zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) vermittelt wird, obwohl alles offenbar und bekannt ist, keinerlei Reaktion herabgezogen wird usw.
Das höhere Daas, das nicht durch die Gefäße wirkt, weiß ebenfalls alles; doch nichts von dem, was es weiß, löst eine Reaktion von Lohn oder Strafe aus.
Die Anmerkung fragt, warum G‑tt, der alles selbst kennt, durch die Gefäße „sehen“ sollte. Die Antwort unterscheidet zwei Ebenen des Daas: einen umfassenden höheren Daas, der erkennt, ohne zu reagieren, und einen unteren Daas, der in die Gefäße eingekleidet ist und durch den Makel, Lohn und Strafe zum Tragen kommen.
Die beiden Ebenen des Daas entsprechen Sovev Kol Almin und Memalei Kol Almin. Die Kehot-Anmerkung verweist für die beiden Ebenen des Daas auf den Zohar (Idra Zuta); eine verwandte Stelle in Likkutei Torah erklärt, dass der höhere Daas von der Krone (Keser) ausgeht und durch kein Gefäß begrenzt ist. Dieselbe Stelle ergänzt, dass die höhere Ebene selbst die Quelle der Vergebung ist, da der Makel sie nicht erreicht.
Marei Mekomos
- 1ועיין בפרדס שער · במאמרי אדה״ז פרשיות ח״א ע׳ קז ”וכמבואר בפרדס בכמה דוכתי שא״א לתרץ קושיות הפילוסופי׳ וכל המבוכים שנבוכו בענין ההשתלשלו׳ מאחה״פ אם לא ע״י חכמת הקבלה וע״כ נק׳ בחי׳ ע״ס דאצי׳ בזוהר בשם רזא דמהימנותא קדישא כידוע”.
- 2ושער ד׳ פ״ט · Pardes Rimmonim 4:10–11
- 3וברע״מ פ׳ שופטים ד׳ ער״ה סע״א · Zohar, Shoftim 3:11–4:20
- 4היוצר עין הלא יביט · Psalms 94:9
- 5אך הענין כמ״ש · קטע מכאן נעתק בסה״מ תרכ״ט (הוצאת תשנ״ב) ע׳ לה בשינוי סדר עם הוספות וביאורים.
- 6כי אל דעות ה׳ · I Samuel 2:3
- 7שיש ב׳ בחי׳ בדעת · Zohar III, 291a
- 8שיש ב׳ בחי׳ בדעת · Zohar, Idra Zuta 19:87–22:95
- 9שיש ב׳ בחי׳ בדעת . . מקיף וסוכ״ע · ראה לקו״ת ראה כד, א. שמע״צ צא, ד. ובכ״מ.
- 10לא הביט און ביעקב · Numbers 23:21
- 11וירא און ולא התבונן · Job 11:11
- 12אם צדקת מה תתן לו · Job 35:7
- 13טהור עינים מראות ברע · Habakkuk 1:13
- 14שממית בידים תתפש · Proverbs 30:28
- 15ומשם מקור הסליחה · סה״מ תרנ״ג שם ”ואדרבה משם נמשך הסליחה כו׳ והיא הנותנת מפני שאין הפגם נוגע שם לכן נמשך משם להיות סליחות עוונות למלאות הפגמים כו׳”.
- 16היינו בכלים דע״ס דאבי״ע · ראה המשך תער״ב ח״ג ע׳ א׳שסט. שמציין לכאן ”מבו׳ [= הכוונה לכאן] דבהכלים דאצי׳ מגיע הפגם והוא בבחי׳ יודע היינו בבחי׳ התלבשות כו׳”. וראה שם ע׳ א׳רכח.
- 17הגה״ה · בלקו״ת שה״ש ל, ב מציין לכאן.
- 18
9ותדע שכן הוא מענין ידיעה ובחירה שאין הידיעה שהשי״ת [שהשם יתברך] יודע שזה יהיה צדיק או רשע מכרחת את הבחירה כלל.1 ואיך הוא.
Und du kannst daran erkennen, dass es sich so verhält, aus der Frage von Wissen und freier Wahl: Das Wissen, durch das G‑tt, gelobt sei Er, weiß, dass dieser Mensch gerecht oder böse sein wird, zwingt die Wahl keineswegs. Wie ist das möglich?
Ein Beweis aus dem klassischen Problem des g‑ttlichen Vorwissens und der freien Wahl: G‑tt weiß, ob ein Mensch gerecht oder böse sein wird, und doch zwingt dieses Wissen ihn nicht zu seiner Wahl. Wie ist das möglich?
אלא לפי שידיעה זו שהש״י [שהשם יתברך] יודע הכל מקודם אשר נעשה זהו בבחי׳ דעת עליון שלא ע״י הכלים דע״ס [דעשר ספירות]
Vielmehr verhält es sich so: Dieses Wissen, durch das G‑tt, gelobt sei Er, alles im Voraus weiß, bevor es geschieht, liegt auf der Ebene des höheren Daas und nicht in den Gefäßen der zehn Sefiros.
G‑ttes Wissen darüber, was geschehen wird, bevor es geschieht, gehört zum höheren Daas, das nicht durch die Gefäße der Sefiros wirkt.
דהא עיני ה׳ משוטטים לראות המעשה שכבר נעשה שזה נראה לבחי׳ המלאכים והכלים דבי״ע שנעשה עי״ז פגם וכתם בהמלאך כו׳ וכנ״ל
Denn „die Augen Havayahs schweifen umher“, um die Tat zu sehen, die bereits vollbracht worden ist; sie wird auf der Ebene der Engel und der Gefäße von Beriah, Yetzirah und Asiyah gesehen, sodass dadurch im Engel ein Makel und ein Fleck entstehen usw., wie oben gesagt;
„Die Augen Havayahs schweifen umher“, um eine Tat erst zu sehen, nachdem sie vollbracht worden ist: Die Engel und die Gefäße der unteren Welten sehen die Tat, und sie hinterlässt einen Makel im Engel, wie oben erklärt.
משא״כ הידיעה שהקב״ה יודע העתיד ומעשה האדם קודם שנעשה אינו על ידם כלל כ״א ידיעה זו היא במקום גבוה מאד בחי׳ דעת עליון ולהיות דעת זה בחי׳ מקיף אינו מכריח את הבחירה שאין האדם מתפעל מזה
während das Wissen, mit dem der Heilige, gelobt sei Er, die Zukunft und die Taten eines Menschen kennt, bevor sie geschehen, überhaupt nicht durch sie vermittelt wird. Vielmehr befindet sich dieses Wissen an einem sehr hohen Ort, auf der Ebene des höheren Daas; und da dieses Daas eine umfassende Ebene ist, zwingt es die Wahl nicht, denn der Mensch wird davon nicht beeinflusst,
Das Vorwissen erfolgt überhaupt nicht durch sie, sondern liegt im sehr hohen, umfassenden höheren Daas. Weil es umfassend ist, wirkt es nicht auf den Menschen ein, und seine Wahl bleibt frei.
כמו שלא נמשך מדעת זה התפעלות אפי׳ [אפילו] בהמדות עליונים חו״ג [חסד וגבורה] להיות מזה שכר ועונש כנ״ל.
so wie aus diesem Daas keine Reaktion hervorgeht, nicht einmal in den oberen Attributen Chesed und Gevurah, aus der, wie oben gesagt, Lohn und Strafe hervorgingen.
So wie dieses Daas keine Reaktion selbst in den oberen Attributen Chesed und Gevurah hervorruft, aus der Lohn oder Strafe folgen würden, zwingt es auch den Menschen unten zu nichts.
Der Absatz zeigt, dass die beiden Ebenen des Daas auch das Problem von Vorwissen und freier Wahl erklären: Das Vorwissen liegt im umfassenden höheren Daas, das nicht auf den Menschen einwirkt und ihn deshalb nicht zwingt.
Die Kehot-Anmerkung ergänzt unter Berufung auf einen späteren Maamar, dass das Vorwissen die Wahl nicht erzwingen kann, denn man lässt den Menschen weiterhin schwören, rechtschaffen zu sein.
Marei Mekomos
- 1מכרחת את הבחירה כלל · ”שהרי משביעין אותו תהא צדיק” — סה״מ תרכ״ט ע׳ כט.
10ושיהי׳ [ושיהיה] שכר ועונש זהו דוקא ע״י דעת תחתון שע״י הכלים והעינים.1 ועיין בפרדס ש״ד פ״ט בענין ידיעה ובחירה2 שכ׳ [שכתב] כי יש חילוק בידיעה קודם שיחטא האדם אעפ״י [אף על פי] שעתיד לחטוא. לאחר שחטא כו׳ ע״ש.
Dass es Lohn und Strafe gibt, geschieht gerade durch das untere Wissen (Daas), das durch die Gefäße und die Augen wirkt. Siehe auch Pardes, Sha'ar 4, Kapitel 9, zum Thema Wissen und Wahl, wo er schreibt, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Wissen, bevor ein Mensch sündigt, obwohl er künftig sündigen wird, [und] dem Wissen, nachdem er gesündigt hat usw.; siehe dort.
Lohn und Strafe kommen nur durch den unteren Daas zustande, der durch die Gefäße und die „Augen“ wirkt. Der Alter Rebbe verweist erneut auf Pardes Rimonim, das zwischen G‑ttes Wissen unterscheidet, bevor ein Mensch sündigt – auch wenn er sündigen wird – und Seinem Wissen, nachdem er gesündigt hat.
Der Absatz bindet Lohn und Strafe an den unteren Daas und stellt einen Zusammenhang zu Cordoveros Unterscheidung zwischen dem Wissen vor und nach einer Sünde her.
Marei Mekomos
- 1דוקא . . שע״י הכלים והעינים · שע״י הכלים והמדות שלשם מגיע הפגם ומשם נמשך השכר והעונש שזהו ע״י ירידתו והשפלתו בבחי׳ ד״ת בחי׳ ממכ״ע היינו בכלים דע״ס דאבי״ע — סה״מ תרכ״ט ע׳ ל.
- 2ועיין בפרדס ש״ד פ״ט בענין ידיעה ובחירה · Pardes Rimmonim 4:9
11ולפמ״ש [ולפי מה שכתוב] יובן כי הידיעה קודם שיחטא זהו בבחי׳ דעת עליון וכנ״ל.
Gemäß dem Gesagten wird verständlich, dass das Wissen vor seiner Sünde der Ebene des höheren Wissens (Daas) angehört, wie oben gesagt.
Demzufolge gehört G‑ttes Wissen um eine Sünde, bevor sie begangen wird, zum höheren Daas.
וז״ש [וזהו שכתוב] בפ׳ שמות וירא אלקים את בנ״י [בני ישראל]1 וידע אלקים פי׳ לא שנתחדש׳ [שנתחדשה] הידיעה אלא שמקודם היה בדעת עליון שלא נמשך מזה התפעלות להיות עונש לפרעה ושכר לישראל
Und dies ist es, was in der Paraschas Shemos gesagt wird: „Und G‑tt sah die Kinder Israels, und G‑tt wusste.“ Das bedeutet nicht, dass die Erkenntnis neu geworden wäre; vielmehr war sie zuvor im höheren Daas, aus dem keine Reaktion hervorging [um dem Pharao Strafe und Israel Lohn zu bringen].
Der Vers „Und G‑tt sah die Kinder Israels, und G‑tt wusste“ bedeutet nicht, dass G‑tt etwas Neues erfahren hätte. Er wusste es die ganze Zeit, jedoch im höheren Daas, das keine Reaktion hervorrief – weder Strafe für den Pharao noch Lohn für Israel.
וע״י וירא אלהים ע״י בחי׳ עיני ה׳ לראות המעשה כשכבר נעשה בפועל עי״ז וידע אלקים שנמשך בחי׳ הדעת תחתון המתפשט במדות להיות שכר ועונש.
Und durch „Und G‑tt sah“, durch die Ebene der „Augen des unaussprechlichen g‑ttlichen Namens (Havayah)“, die die Tat sahen, nachdem sie bereits tatsächlich vollbracht worden war, geschah dadurch „und G‑tt wusste“: Die Ebene des unteren Daas, die sich in die Attribute erstreckt, wurde [nach unten] gezogen, sodass es Lohn und Strafe gibt.
Als „G‑tt sah“ – durch die „Augen des unaussprechlichen g‑ttlichen Namens (Havayah)“ – die tatsächlich vollbrachte Tat, geschah dann „und G‑tt wusste“: Das untere Daas, das in die Attribute hineinwirkt, trat in Kraft und brachte Lohn und Strafe mit sich.
Der Absatz deutet den Vers „G‑tt sah … und G‑tt wusste“ als Übergang vom höheren Daas, das nicht reagiert, zum unteren Daas, das Lohn und Strafe bewirkt.
Marei Mekomos
- 1וירא אלקים את בנ״י · Exodus 2:25
12והנה השגחה זו מבחי׳ דעת עליון ע״ז נאמר עין ה׳ אל יראיו1 וכתיב עין בעין נראה2 כדפי׳ באד״ר [באדרא רבא] דף ק״ל ע״א3 וע״ש דיוסף הצדיק זכה לזה וזהו
Nun heißt es über diese Vorsehung aus der Ebene des höheren Wissens (Daas): „Das Auge Havayahs ist auf die gerichtet, die Ihn fürchten“; und es steht geschrieben: „Auge in Auge wurdest [Du] gesehen“, wie in der Idra Rabba, p. 130a, erläutert wird; siehe dort auch, dass Yosef der Gerechte dies verdiente, und dies ist [die Bedeutung von]
Vorsehung aus dem höheren Daas ist das „Auge Havayahs auf die gerichtet, die Ihn fürchten“, und „Auge in Auge“ – Moshes Worte darüber, wie G‑tt offen gesehen wurde. Die Idra Rabba („die Große Versammlung“, ein Abschnitt des Zohar) erläutert dies und sagt, dass Yosef dies verdiente.
„Ein fruchtbarer Sohn über dem Auge (ayin).“ Und er verdiente dies durch „Und Yosef versorgte“; und dies ist [die Bedeutung von] „Wer ein gutes Auge hat, wird gesegnet, denn er hat dem Armen von seinem Brot gegeben“; siehe dort.
Yosef wird „ein fruchtbarer Sohn über dem Auge“ genannt: Das Wort ayin bedeutet in diesem Vers eindeutig „Quelle“, bedeutet aber auch „Auge“, und der Maamar liest es als das höhere „Auge“. Er verdiente dies, indem er seine Familie versorgte, wie es heißt: „Wer ein gutes Auge hat, wird gesegnet, denn er hat dem Armen von seinem Brot gegeben.“
ומזה יובן דבעון סדום שפגמו בזה ע״כ נמנע מהם גלוי בחי׳ עליונה זו הממתיק כל הדינים בחי׳ ורב חסד7 כו׳:
Daraus wird verständlich, dass ihnen wegen der Sünde von Sodom, durch die sie dies beeinträchtigten, die Offenbarung dieser erhabenen Ebene (Bechinah), die alle Urteile versüßt – der Ebene von „und reich an Güte“ usw. –, vorenthalten wurde.
Im Gegensatz dazu beeinträchtigte die Sünde Sodoms genau diese Eigenschaft, und so wurde ihnen die Offenbarung dieser höheren Ebene, des „Reichtums an Güte“, der alle Urteile versüßt, versagt.
Der Abschnitt verbindet das höhere Daas mit Großzügigkeit: Yosefs „gutes Auge“ brachte ihm diese höhere Vorsehung ein, während Sodoms Sünde die Bewohner davon abschnitt.
Der Bezug auf Sodom führt zum Thema des Maamars zurück. Der Prophet bezeichnet Sodoms Sünde als die Unterlassung, für die Armen zu sorgen (Ezechiel 16:49) – das Gegenteil des „guten Auges“, das dem Armen sein Brot gibt. Deshalb verloren sie die Ebene des „Reichtums an Güte“, die sonst die gegen sie gerichteten Urteile versüßt hätte.
Marei Mekomos
- 1עין ה׳ אל יראיו · Psalms 33:18
- 2עין בעין נראה · Numbers 14:14
- 3כדפי׳ באד״ר דף ק״ל ע״א · ראה המשך תער״ב ח״ב ע׳ א׳לא.
- 4בן פורת עלי עין · Genesis 49:22
- 5ויכלכל יוסף · Genesis 47:12
- 6טוב עין הוא יבורך · Proverbs 22:9
- 7ורב חסד · Exodus 34:6
13(ע״כ הגה״ה [הגהה]):
(Ende der Glosse.)
Dies kennzeichnet das Ende der langen Glosse, die in Absatz 8 begann; der Haupttext wird fortgesetzt.
Ende der Glosse.
Weibliche und männliche Augen ¶14–17
14והנה בזוהר בסבא דמשפטים דק״ז1 ע״א פי׳ מ״ש עיניו משוטטות אלין נוקבין ומ״ש המה משוטטים אלין דכורין וכ״ה בזוהר ויחי דרמ״א סע״א [סוף עמוד א]23 דפי׳ משוטטים הם בתקוני שכינתא לתתא כו׳ היינו
Nun erklärt der Zohar im Saba deMishpatim, S. 107a, dass mit den Worten „Seine Augen schweifen umher (meshotetos)“ die weiblichen Kräfte gemeint sind und mit den Worten „sie schweifen umher (meshotetim)“ die männlichen. So heißt es auch im Zohar, Vayechi, S. 241, Ende der Spalte a. Dort wird erklärt, dass sich die „Umherschweifenden (meshotetim)“ in den Ausschmückungen der G‑ttlichen Gegenwart (Shechinah) unten befinden usw. Das heißt:
Der Zohar unterscheidet im Abschnitt Saba deMishpatim („der Älteste“ des Wochenabschnitts Mishpatim) zwischen den beiden Versen: „Seine Augen schweifen umher“ (weibliche Form) bezieht sich auf weibliche Kräfte, und „sie schweifen umher“ (männliche Form) auf männliche. Eine andere Stelle im Zohar sagt, dass die „Umherschweifenden“ den Ausschmückungen der Shechinah unten dienen.
כי יש מלאכים שהם מז״א ויש מלאכים שהם ממלכות4 כמ״ש הרח״ו [הרבי חיים ויטאל] עמ״ש בזוהר ר״פ שמות דף ד׳ ע״א בענין איש וביתו באו56 וז״ל [וזה לשונו] נ״ב7 ת״ת [תפארת] ומלכות ור״ל [ורוצה לומר] המלאכים שמן הז״א והמלאכים שמן המל׳ עכ״ל [עד כאן לשונו] המק״מ [המקדש מלך] שם.
Es gibt Engel, die der Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) entstammen, und Engel, die der Königsherrschaft (Malchus) entstammen, wie Rabbi Chaim Vital zu den Worten im Zohar am Anfang des Wochenabschnitts Shemos, S. 4a, über „jeder Mann kam mit seinem Haus“ schreibt. Seine Worte lauten: „Anm.: Tiferes und Malchus; gemeint sind die Engel, die aus Zeir Anpin stammen, und die Engel, die aus Malchus stammen.“ Bis hierher der Wortlaut des Mikdash Melech an dieser Stelle.
Es gibt also zwei Arten von Engeln: solche, die aus Zeir Anpin (dem Männlichen) stammen, und solche, die aus Malchus (dem Weiblichen) stammen. Der Alter Rebbe zitiert dies aus dem Mikdash Melech, einem Kommentar zum Zohar von Rabbi Shalom Buzaglo, der eine Anmerkung von Rabbi Chaim Vital, dem führenden Schüler des Arizal, zu den Worten „jeder Mann kam mit seinem Haus“ anführt: Der „Mann“ ist Tiferes und das „Haus“ Malchus; gemeint sind die Engel, die aus jedem von beiden stammen.
Zurück im Haupttext erklärt der Absatz mithilfe des Zohar die männlichen und weiblichen Formen von „umherschweifen“: Sie bezeichnen Engel aus Zeir Anpin und Engel aus Malchus.
Einem späteren Maamar zufolge, der in der Kehot-Anmerkung angeführt wird, sind diese männlichen und weiblichen „Augen“ Engel der Welt der Emanation (Atzilus), die aus dem äußeren Aspekt der Gefäße von Zeir Anpin und Malchus von Atzilus hervorgehen.
Marei Mekomos
- 1בזהר . . דמשפטים דק״ז · באוה״ת נ״ך כרך א ע׳ תקטו מעתיק לשון הזוהר עם ביאור. ובסה״מ תרכ״ט ע׳ ל.
- 2וכ״ה בזהר ויחי דרמ״א סע״א · באוה״ת נ״ך שם ע׳ תקיד מעתיק הלשון.
- 3וכ״ה בזוהר ויחי דרמ״א סע״א · Zohar, Vayechi 64:651–65:661
- 4כי יש מלאכים שהם מז״א ויש מלאכים שהם ממלכות · ראה בהמשך תער״ב ח״ג ע׳ א׳תע, ואולי הכוונה לכאן, שכ׳ ”לפמ״ש בתו״א בד״ה ארדה נא הב׳ נר׳ שהם מלאכים דאצי׳ וכמ״ש באגה״ק שם [סי׳ כ] דמחיצוניות הכלים די״ס דאצי׳ שהן אלקות נבראו ההיכלות כו׳ וגם גופות המלאכים דאצי׳ שהן בחי׳ יש כו׳, די״ל דעיניו משוטטים ועיניו משוטטות שהן בחי׳ דכורין ונוקבין מבחי׳ ז״א ומל׳ כמ״ש בד״ה ארדה נא הנ״ל הן המלאכים המתהווים מבחי׳ חיצוניות הכלים דזו״נ דאצי׳ כו׳” ע״ש. וראה שם ע׳ א׳תח מה שלפעמים נאמר משוטטים ולפעמים משוטטות ע״ש.
- 5בזוהר ר״פ שמות דף ד׳ ע״א בענין איש וביתו באו · Zohar, Shemot 5:33–6:39
- 6איש וביתו באו · Exodus 1:1
- 7עמ״ש — וז״ל נ״ב · בסה״מ תרכ״ט שם: וז״ל המק״מ נ״ב.
15והמלאכים שהם בתקוני שכינתא היא בחי׳ מלכות דאצי׳ נק׳ נוקבין וכמש״ש [וכמה שכתוב שם] בזוהר ד׳ רמ״ז ע״א בפי׳ בנות צעדה1 למיהוי עלי שור. בנות צעדה.
Und die Engel, die sich in den Zieraten der Shechinah befinden, welche die Ebene der Königsherrschaft (Malchus) in der Welt der Emanation (Atzilus) ist, werden als weiblich bezeichnet. So heißt es dort im Zohar, p. 247a, bei der Erklärung von „Töchter schritten, um auf der Mauer zu sein“ (banos tza'adah alei shur): „‚Töchter schritten‘ (tza'adah):
Die Engel in den „Zieraten der Shechinah“, die Malchus der Welt der Emanation ist, werden als weiblich bezeichnet. Der Zohar leitet dies aus dem Vers „Töchter schritten (tza'adah) auf der Mauer“ in Yaakovs Segen für Yosef her. Dort heißt es ausdrücklich, dass die Zweige (banos, wörtlich „Töchter“) eines fruchtbaren Weinstocks über die Mauer wachsen.
צעדות מיבעי לי׳ אלא ההוא עין דכתיב לעילא ומאן איהו עין משפט כו׳ ואיהו עין צעדה ופסעת למיטל בנות לתקונהא והיינו בנות צעדה ולא בנים
Es hätte tza'adus [im Plural] heißen müssen. Vielmehr [ist es] jenes Auge, das oben erwähnt wird; und was ist es? Das Auge des Rechts usw.; und es schreitet und setzt große Schritte, um Töchter zu seiner Zierde zu nehmen. Und dies ist [der Grund, warum es heißt] „Töchter schritten“ und nicht „Söhne“.
Der Zohar weist darauf hin, dass das Verb im Singular steht, obwohl „Töchter“ im Plural steht. Er erklärt, dass das Subjekt „das Auge“ (ayin) ist, das zuvor im Vers erwähnt wird: „das Auge des Rechts“ (Ein Mishpat, auch ein Ortsname in Genesis 14:7, „die Quelle des Gerichts“). Dieses schreitet hervor, um „Töchter“ zu seiner Zierde zu nehmen. Deshalb heißt es im Vers „Töchter“ und nicht „Söhne“.
פי׳ שההשגחה הנמשכת ע״י הע״ס [העשר ספירות] דמלכות דאצי׳ שהיא בחי׳ עין משפט ע״ש מלך במשפט יעמיד ארץ2 הוא נמשך ומתלבש בהמלאכים הנקראים בנות שהם בחי׳ נוקבין.
Die Bedeutung ist: Die Vorsehung, die durch die zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) der Malchus der Welt der Emanation fließt, welche die Ebene des „Auges des Rechts“ ist, [so genannt] nach [dem Vers] „Ein König festigt das Land durch Recht“, wird herabgezogen und in die Engel eingekleidet, die „Töchter“ genannt werden und dem weiblichen Aspekt angehören.
Der Alter Rebbe erklärt: Die Vorsehung, die durch die Sefiros der Malchus der Welt der Emanation kommt und „das Auge des Rechts“ genannt wird, weil Malchus als König durch Recht herrscht, wird in Engel eingekleidet, die „Töchter“ genannt werden – die weiblichen Engel.
Der Abschnitt führt den Zohar zu „Töchter schritten“ an, um zu zeigen, dass die Vorsehung von Malchus, „dem Auge des Rechts“, durch weibliche Engel wirkt.
In Likkutei Torah, Shemini Atzeres 91d, zitiert der Alter Rebbe diesen Zohar und erklärt, dass shur in „auf der Mauer“ (alei shur) „schauen“ bedeutet, wie in „ich erblicke ihn (ashurenu)“. So schreiten die „Töchter“ hervor, um auf diejenigen unten zu blicken und über sie zu wachen, wie in Abschnitt 16 gesagt wird.
Marei Mekomos
- 1בנות צעדה · Genesis 49:22
- 2מלך במשפט יעמיד ארץ · Proverbs 29:4
16וזהו בנות צעדה שהמל׳ צועדת על הבנות עלי שור1 לראות ולהשגיח מעשה התחתונים וע״ז נאמר עיניו משוטטות לשון נוקבא. וזהו ענין הכצעקתה הבאה אלי.2
Und dies ist [die Bedeutung von] „Töchter schritten“: dass die Königsherrschaft (Malchus) über die Töchter hinwegschreitet, „auf der Mauer“, um die Taten der unteren Wesen zu sehen und über sie zu wachen. Und darüber heißt es: „Seine Augen schweifen umher (meshotetos)“, in weiblicher Form. Und dies ist die Bedeutung von „gemäß ihrer Klage, die zu Mir gekommen ist“,
Nun wird das Bild des Zohar angewandt: Malchus „schreitet über“ ihre „Töchter“, die weiblichen Engel, um die Taten derer zu beobachten, die unten sind. Die Worte „auf der Mauer“ (alei shur) werden hier nach ihrem Zweck verstanden: „um zu sehen“; shur bedeutet auch „blicken“, wie der Alter Rebbe an anderer Stelle erklärt (Likkutei Torah, Shemini Atzeres 91d). Dies ist die weibliche Formulierung „Seine Augen schweifen umher“, und deshalb steht auch der Vers des Maamar von „ihrer Klage“ in weiblicher Form.
לשון נקבה שהיא בחי׳ מלכות שנק׳ דינא דמלכותא והוא העלאת הפגם ע״י המלאכים שמבחי׳ מל׳ והכלים דע״ס [דעשר ספירות] דבחי׳ מל׳ הבאה אלי לאא״ס [לאור אין סוף] ב״ה המלובש בע״ס [בעשר ספירות] דאצי׳.
in weiblicher Form, die die Ebene von Malchus ist, die „das Gesetz des Königreichs“ genannt wird; und es handelt sich um das Emporheben des Makels durch die Engel, die der Ebene von Malchus angehören, sowie durch die Gefäße der zehn G‑ttlichen Attribute (Sefiros) der Ebene von Malchus, „die zu Mir gekommen ist“: zum unendlichen Licht (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, das in den zehn Sefiros der Welt der Emanation (Atzilus) gekleidet ist.
Die weibliche Form verweist auf Malchus, das Attribut des „Gesetzes des Königreichs“. Die „Klage, die zu Mir gekommen ist“, ist die Meldung über den Makel, die durch die Engel von Malchus und die Gefäße von Malchus nach oben getragen wird, bis sie das unendliche Licht erreicht, das in den Sefiros von Atzilus gekleidet ist.
Der Absatz beantwortet die erste Frage des Maamar: Die weiblichen Formen „ihre Klage“ und „die zu Mir gekommen ist“ zeigen, dass die Anklage gegen Sodom durch den weiblichen Kanal der Vorsehung aufstieg – durch die Engel und Gefäße von Malchus, dem Attribut des Gerichts.
Dies verbindet den Beginn des Maamar (Malchus als „das Gesetz des Königreichs“) mit der Lehre des Zohar über weibliche und männliche „Augen“. Die Klage steigt auf dem in den Absätzen 4 und 5 beschriebenen Weg auf: durch die Engel und Gefäße von Malchus in Atzilus.
Marei Mekomos
- 1בנות צעדה . . עלי שור · Genesis 49:22
- 2הכצעקתה הבאה אלי · Genesis 18:21
17ועז״נ [ועל זה נאמר] ארדה נא ואראה ע״י מדת החסד וכנודע שז״א רובו חסדים אנפוי דמלכא נהירין שהוא
Und darüber heißt es: „Ich will nun hinabsteigen und sehen“: durch die Eigenschaft der Güte (Chesed). Und wie bekannt, ist die Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) größtenteils von Chasadim (Gütekräften) geprägt, [wie in] „Das Angesicht des Königs leuchtet“, was
G‑ttes Antwort „Ich will nun hinabsteigen und sehen“ erfolgt durch Chesed. Zeir Anpin, die männliche Konfiguration der emotionalen Attribute, besteht größtenteils aus Güte; so lautet die aramäische Wendung: „Das Angesicht des Königs leuchtet.“
מ״ש עיני ה׳ הם משוטטים ל׳ [לשון] זכר שהם בחי׳ דכורין שהוא בחי׳ חסד ואראה הכצעקתה כו׳ שאולי ע״י מדת החסד ימצא להם זכות.
mit dem Gesagten „Die Augen Havayahs schweifen umher (meshotetim)“ gemeint ist: Die Formulierung steht im Maskulinum und bezeichnet die Ebene (Bechinah) des Männlichen, die der Ebene von Chesed entspricht. „Und ich werde sehen, ob es ihrem Aufschrei entspricht“ usw.: Vielleicht wird durch die Eigenschaft Chesed ein Verdienst für sie gefunden.
Gemeint sind hier die maskulinen „Augen Havayahs, die umherstreifen“: die Engel von Zeir Anpin, die zu Chesed gehören. „Ich werde sehen“ bedeutet, dass vielleicht durch Chesed ein Verdienst für Sodom gefunden wird.
Der Absatz erläutert „Ich will nun hinabsteigen und sehen“ als G‑ttes Antwort auf den Aufschrei des Gerichts mit der männlichen Lenkung durch Chesed, die nach einem Verdienst sucht.
Gericht und Güte betrachten dieselben Tatsachen ¶18
18וכמבואר באדר״ז [באדרא זוטא] דרצ״ג ע״ב1 שבחי׳ ההשגחה ע״י בחי׳ עיניו משוטטות ל׳ [לשון] נוקבא הוא בחי׳ דין וההשגחה שע״י בחי׳ עיני ה׳ המה משוטטים הוא בחי׳ רחמים כו׳ ע״ש.
Und wie in der Idra Zuta, S. 293b, erklärt wird: Die Vorsehung durch die Ebene „Seine Augen schweifen umher“ (meshotetos), in der weiblichen Form, ist die Ebene des Gerichts; die Vorsehung aber durch die Ebene „die Augen Havayahs schweifen umher“ (meshotetim) ist die Ebene des Erbarmens usw.; siehe dort.
Die Idra Zuta („Die Kleine Versammlung“, ein Abschnitt des Sohar) sagt ausdrücklich, dass die weibliche Form der „Augen“ für das Gericht steht und die männliche Form der „Augen“ für das Erbarmen.
והענין שהוא עד״מ כמ״ש ושפטו העדה2 והצילו העדה.3 עדה שופטת ועדה מצלת.4 לפי שבכל דבר יוכל ללמד זכות וחובה
Die Sache lässt sich anhand eines Gleichnisses erklären, wie geschrieben steht: „Und die Gemeinde soll richten … und die Gemeinde soll retten“: eine Gemeinde, die richtet, und eine Gemeinde, die rettet. Denn in jeder Angelegenheit kann man sowohl für Verdienst als auch für Schuld plädieren.
Ein Gleichnis aus dem Gericht: Die Tora spricht davon, dass das Gericht sowohl richtet als auch rettet, denn in jedem Fall gibt es Gründe sowohl für eine Verurteilung als auch für einen Freispruch.
וע״כ ארז״ל [אמרו רבותינו זכרונם לברכה] פסילנא לי׳ לצורבא מרבנן5 לדינא דחביב עלי כגופאי ואין אדם רואה חוב לעצמו הרי
Deshalb sagten unsere seligen Weisen: „Ich schließe mich [davon aus,] einen Toragelehrten zu richten, denn er ist mir so lieb wie mein eigener Körper“; und: „Ein Mensch sieht keine Schuld an sich selbst.“ Somit
Der Talmud berichtet von einem Weisen, der sich davon ausschloss, einen Toragelehrten zu richten, den er „so lieb wie meinen eigenen Körper“ hatte, denn ein Mensch sieht keine Schuld an sich selbst.
אע״פ [אף על פי] שהוא חייב באמת אינו רואה עליו חובה שמחמת קירוב הדעת והחביבות מוצא מקום ללמד זכות
sieht man, obwohl er tatsächlich schuldig ist, keine Schuld an ihm; denn aufgrund der geistigen Nähe und der Zuneigung findet man einen Ansatzpunkt, für sein Verdienst zu plädieren.
Liebe und Nähe führen den Verstand dazu, Gründe für einen Freispruch zu finden, selbst wenn tatsächlich Schuld vorliegt.
משא״כ למי שאינו חביב עליו כ״כ [כל כך] הי׳ [היה] מלמד חובה וכמ״ש וכל יצר מחשבות לבו רק רע6 כו׳
Bei jemandem hingegen, der einem nicht so lieb ist, würde man für Schuld plädieren, wie geschrieben steht: „Und jede Neigung der Gedanken seines Herzens ist nur böse“ usw.;
Bei jemandem, der weniger geliebt wird, deutet man dieselben Tatsachen als Schuld. So heißt es vor der Sintflut in der Schrift: „Jede Neigung der Gedanken seines Herzens ist nur böse.“
und dadurch folgte: „Und Havayah sagte: Ich werde den Menschen auslöschen“ usw. Somit wurde [das Urteil] aufgrund dessen, dass die Neigung der Gedanken seines Herzens nur böse war, dazu geführt, für Schuld zu plädieren.
Aus dieser Einschätzung ging das Dekret hervor: „Ich werde den Menschen auslöschen.“ Die böse Neigung wurde als Grund für die Verurteilung genommen.
ואח״כ בפ׳ נח כתיב ויאמר ה׳ אל לבו9 לא אוסיף לקלל עוד את האדמה בעבור האדם
Und danach steht in Paraschas Noach geschrieben: „Und Havayah sagte in Seinem Herzen: Ich werde den Erdboden nicht noch einmal um des Menschen willen verfluchen,
Nach der Sintflut sagt G‑tt in Paraschas Noach, dass Er den Erdboden nie wieder um des Menschen willen verfluchen wird.
כי יצר לב האדם רע מנעוריו הרי שמסברא זו עצמה שיצר לב האדם רע מצא ללמד זכות שלא יוסיף לקלל את האדמה בעבור האדם
denn die Neigung des Herzens des Menschen ist böse von seiner Jugend an.“ Somit fand Er gerade in dieser Begründung – dass die Neigung des Herzens des Menschen böse ist – einen Ansatzpunkt, für Verdienst zu plädieren: dass Er den Erdboden nicht noch einmal um des Menschen willen verfluchen würde.
G‑tt gibt den Grund an: „Denn die Neigung des Herzens des Menschen ist böse von seiner Jugend an.“ Genau dieselbe Tatsache, dass die Neigung des Menschen böse ist, dient nun als Grund für Nachsicht.
והיינו לפי שהי׳ [שהיה] התגלות מדת החסד ע״י וירח ה׳ את ריח הניחוח10 שבקרבן שהקריב נח המשיך גילוי מדת החסד ללמד זכות בזו הסברא עצמה שנמשך תחלה ללמד חובה ע״י מדה״ד [מדת הדין].
Dies liegt daran, dass das Attribut der Güte (Chesed) durch „Und Havayah roch den wohlgefälligen Duft“ offenbar wurde: Durch das Opfer, das Noach darbrachte, zog er eine Offenbarung des Attributs des Chesed herab, um mit eben jener Erwägung Verdienst geltend zu machen, die zunächst durch das Attribut des Gerichts herangezogen worden war, um Schuld geltend zu machen.
Der Wandel kam durch eine Offenbarung von Chesed zustande: Als G‑tt den „wohlgefälligen Duft“ von Noachs Opfer roch, wurde Chesed herabgezogen, und dieselbe Erwägung, die das Gericht zur Verurteilung herangezogen hatte, wurde zur Grundlage für einen Freispruch.
וזהו ענין החילוק בין ב׳ בחינות השגחות הנ״ל (ועמ״ש במ״א ע״פ לעשות הישר בעיני1112 ה׳ אלקיך). וזהו פי׳ ארדה נא.
Dies ist der Unterschied zwischen den beiden oben erwähnten Ebenen der Vorsehung. (Siehe auch, was an anderer Stelle zum Vers „das Rechte in den Augen Havayahs, deines G‑ttes, zu tun“ geschrieben steht.) Und dies ist die Bedeutung von „Ich werde nun hinabgehen“:
Dies ist der Unterschied zwischen den beiden Arten der Vorsehung: der weiblichen Dimension des Gerichts und der männlichen Dimension von Chesed. Der Alter Rebbe verweist auf eine andere Erörterung über „das Rechte in den Augen Havayahs zu tun“ und kehrt dann zur Erklärung von „Ich werde nun hinabgehen“ zurück.
כי צעקתה היא הבאה מלמטה למעלה שהוא בחי׳ גבורות ואו״ח [ואור חוזר] ולזה נאמר ארדה נא לשון ירידה הוא מלמעלה למטה דהיינו בחי׳ או״י [אור ישר] שהוא בחי׳ חסד להשגיח במדת החסד ללמד זכות.
Denn „ihr Geschrei“ kommt von unten nach oben; dies ist die Ebene der Gevuros (der strengen Kräfte) und des Or Chozer (des zurückkehrenden Lichts). Deshalb heißt es: „Ich werde nun hinabgehen“ – ein Ausdruck des Herabsteigens, das von oben nach unten verläuft, das heißt die Ebene des Or Yashar (des direkten Lichts), also die Ebene von Chesed, um mit dem Attribut von Chesed auf sie zu sehen und Verdienst geltend zu machen.
Das „Geschrei“ steigt von unten nach oben auf, wie das „zurückkehrende Licht“ (Or Chozer) der Strenge. „Hinabgehen“ bedeutet eine Bewegung von oben nach unten, wie das „direkte Licht“ (Or Yashar), das Chesed ist: G‑tt steigt mit Chesed herab, um nach Verdienst zu suchen.
ואראה הכצעקתה הבאה אלי עשו13 דהיינו אם עוונם גדול מנשוא כ״כ [כל כך] עד שגם ע״פ החסד לא יוכל למצוא זכות אז כלה. ואם לא. פי׳ אולי ע״י החסד יוכל ללמד זכות כו׳.
„Und ich werde sehen, [ob] sie entsprechend ihrem Geschrei, das zu Mir gekommen ist, gehandelt haben“: Das heißt, wenn ihre Sünde so groß ist, zu groß, um sie zu ertragen, sodass Er selbst nach Chesed kein Verdienst finden könnte, dann [wird es] zur Kalah [Vernichtung] kommen. „Und wenn nicht“: Das bedeutet, vielleicht kann Er durch Chesed Verdienst geltend machen usw.
Der Vers endet mit den Worten: „ob sie ganz und gar gehandelt haben“ (Kalah). Der Alter Rebbe liest dies so: Wenn ihre Sünde so groß ist, dass selbst Chesed kein Verdienst finden kann, wird Vernichtung (Kalah) eintreten; „und wenn nicht“, kann Chesed vielleicht doch Verdienst finden.
וז״ש [וזהו שכתוב] במדרש ארדה נא ממדה״ר [ממדות הרחמים] למדה״ד [למדת הדין]1415 ובזוהר דק״ה ע״ב16 ארדה נא מדרגא דרחמי לדרגא דדינא17 ר״ל [רוצה לומר] להמשיך רחמים ממדה״ר [ממדות הרחמים] אל בחי׳ מדה״ד [מדת הדין] ואראה כו׳.
Und dies ist die Aussage des Midrasch: „Ich werde nun hinabgehen“ – vom Attribut der Barmherzigkeit zum Attribut des Gerichts. Und im Zohar, p. 105b, heißt es: „Ich werde nun hinabgehen: von der Ebene der Barmherzigkeit zur Ebene des Gerichts“; das heißt, Barmherzigkeit vom Attribut der Barmherzigkeit in die Ebene des Attributs des Gerichts herabzuziehen, „und ich werde sehen“ usw.
Der Midrasch und der Zohar sagen, dass „Ich werde hinabgehen“ bedeutet, von der Barmherzigkeit zum Gericht hinabzugehen. Der Alter Rebbe erklärt dies als ein Herabziehen von Barmherzigkeit in das Attribut des Gerichts, sodass das Gericht selbst mit Barmherzigkeit betrachtet wird.
Der Absatz erklärt, warum zwei Arten der Vorsehung zu unterschiedlichen Urteilen führen: Dieselben Tatsachen können als Schuld oder als Verdienst ausgelegt werden, und die Güte (Chesed) deutet sie zugunsten des Verdienstes. „Ich werde hinabsteigen“ bezeichnet das Herabsteigen von Chesed in das Gericht, um für Sodom einen Ansatzpunkt für Verdienst zu finden.
Das Beispiel der Sintflut zeigt, dass Chesed die Tatsachen nicht außer Acht lässt, sondern dieselben Tatsachen anders deutet. „Or Chozer“ (zurückkehrendes Licht) und „Or Yashar“ (gerades Licht) sind kabbalistische Begriffe für Licht, das von unten aufsteigt, und Licht, das von oben herabkommt; der Maamar verknüpft sie mit dem weiblichen Aufschrei und dem männlichen Herabsteigen.
Marei Mekomos
- 1וכמבואר באדר״ז דרצ״ג ע״ב · Zohar, Idra Zuta 24:113–27:121
- 2ושפטו העדה · Numbers 35:24
- 3והצילו העדה · Numbers 35:25
- 4ושפטו העדה והצילו העדה עדה שופטת ועדה מצלת · מסעי לה, כד-כה. סנהדרין פ״א משנה א.
- 5פסילנא לי׳ לצורבא מרבנן · Shabbat 119a:1
- 6וכל יצר מחשבות לבו רק רע · Genesis 6:5
- 7ויאמר ה׳ אמחה את האדם · Genesis 6:7
- 8נמשך ללמד חובה · ראה לקו״ת אמור לט, א. שה״ש מז, ד. באוה״ת ענינים ע׳ קצז מציין לכאן.
- 9ויאמר ה׳ אל לבו · Genesis 8:21
- 10וירח ה׳ את ריח הניחוח · נח ח, כא.
- 11ע״פ לעשות הישר בעיני ה׳ · לקו״ת ראה כג, ד ואילך.
- 12לעשות הישר בעיני ה׳ אלקיך · Deuteronomy 13:19
- 13ואראה הכצעקתה הבאה אלי עשו · Genesis 18:21
- 14וז״ש במדרש ארדה נא ממדה״ר למדה״ד · ראה רמב״ן וירא יח, כ. הנסמן במאמרי אדה״א בראשית ע׳ קצו.
- 15וז״ש במדרש ארדה נא ממדה״ר למדה״ד · Ramban on Genesis 18:20
- 16ובזהר דק״ה ע״ב · בתורת חיים ר״פ וירא (צז, א): בזוהר [ח״א קה, ב] א׳ ע״ד המדרש הנ״ל וז״ל וכי לא הוה ידע קודב״ה דא׳ ארדה נא . . אלא ארדה נא מדרגא דרחמי לדרגא דדינא כו׳.
- 17ובזוהר דק״ה ע״ב ארדה נא מדרגא דרחמי לדרגא דדינא · Zohar, Vayera 12:201–14:212
Sehen und Hören ¶19–20
19והנה רש״י [רבי שלמה יצחקי] פי׳ בחומש ארדה נא למד לדיינים שלא יפסקו דיני נפשות אלא בראיה.1 והענין דאיתא בת״ז [בתיקוני זהר]2 ואלין עשר ספירן אינון אזלין כסדרן3 חד אריך וחד קציר וחד בינוני.
Nun erklärt Raschi im Chumasch [zu] „Ich will nun hinabsteigen“: „[Dies] lehrt die Richter, Fälle, in denen es um die Todesstrafe geht, nur auf Grund eigener Anschauung zu entscheiden.“ Die Erklärung dafür ist, was im Tikkunei Zohar steht: „Und diese zehn g‑ttlichen Attribute (Sefiros) gehen ihrer Ordnung nach: eine lang, eine kurz und eine mittlere.“
Raschi leitet aus „Ich will hinabsteigen und sehen“ ab, dass Richter Kapitalfälle nur entscheiden dürfen, wenn sie selbst gesehen haben. Um zu erklären, weshalb das Sehen wichtig ist, zitiert der Alter Rebbe den Tikkunei Zohar: Die Sefiros gehen ihrer Ordnung nach: „eine lang, eine kurz und eine mittlere“.
פי׳ כי ע״ס [עשר ספירות] נחלקי׳ לג׳ קוין קו הימין חח״נ [חכמה חסד נצח] נק׳ חד אריך כי החסד נמשך ומתפשט יותר
Das bedeutet, dass die zehn Sefiros in drei Linien unterteilt sind. Die rechte Linie – die Weisheit (Chochmah), die Güte (Chesed) und der Sieg / die Beständigkeit (Netzach) – wird „eine lange“ genannt, denn Chesed erstreckt sich weiter und breitet sich weiter aus.
Die zehn Sefiros bilden drei Linien. Die rechte Linie, Chochmah, Chesed und Netzach, ist „lang“, weil Güte weit reicht.
ולכן גמ״ח [גמילות חסדים] בין לעניים בין לעשירים4 הרי שהחסד מתפשט יותר מהרחמים שעל העשיר אין שייך רחמנות כ״א על העני.
Und deshalb werden Taten der Güte [sowohl] Armen als auch Reichen erwiesen; daraus folgt, dass Chesed sich weiter erstreckt als Erbarmen, denn gegenüber einem Reichen ist kein Erbarmen angebracht, sondern nur gegenüber einem Armen.
Der Talmud lehrt, dass Taten der Güte Armen und Reichen erwiesen werden, während Erbarmen nur den Armen gilt. Güte reicht also weiter als Erbarmen.
וקו השמאל בג״ה [בינה גבורה הוד] נק׳ חד קציר שאינו נמשך כ״א למי שהגון ביותר. וקו האמצעי נק׳ בינוני שמרחם על מי שנופל רחמנות.
Die linke Linie – das Verständnis (Binah), die Selbstbegrenzung (Gevurah) und die Pracht (Hod) – wird „eine kurze“ genannt, denn sie erstreckt sich nur auf denjenigen, der am würdigsten ist. Die mittlere Linie wird „mittel“ genannt, denn sie erbarmt sich über jeden, bei dem Erbarmen angebracht ist.
Die linke Linie, Binah, Gevurah und Hod, ist „kurz“: Sie reicht nur bis zu denen, die am würdigsten sind. Die mittlere Linie ist „mittel“: Sie erbarmt sich über jeden, dessen Lage Erbarmen erfordert.
Der Absatz führt die drei Linien der Sefiros und ihre jeweilige Reichweite ein: die lange rechte Linie des Chesed, die kurze linke Linie der Gevurah und die mittlere Linie des Erbarmens.
Marei Mekomos
- 1רש״י פי׳ בחומש ארדה נא למד לדיינים שלא יפסקו דיני נפשות אלא בראיה · Rashi on Genesis 18:21
- 2דאיתא בת״ז · בהקדמה (פתח אליהו).
- 3
- 4גמ״ח בין לעניים בין לעשירים · Sukkah 49b:11
20והנה יש ראיה ושמיעה הראיה נמשך מבחי׳ חכמה קו הימין ושמיעה מבינה קו השמאל. וכנודע מענין ראובן1 ושמעון2
Nun gibt es Sehen und Hören. Das Sehen stammt aus der Ebene der Weisheit (Chochmah), der rechten Linie, und das Hören aus der Ebene des Verständnisses (Binah), der linken Linie; wie aus der Angelegenheit von Reuven und Shimon bekannt ist.
Sehen und Hören entsprechen den beiden Seiten: Sehen der Chochmah auf der rechten, Hören der Binah auf der linken. Dies ist aus den Namen Reuven (von „sehen“) und Shimon (von „hören“) bekannt.
ולכן הראי׳ [הראיה] היא מלמעלה למטה והשמיעה ממטה למעלה שהאותיות מתעלים ונכנסים לאוזן השומע ולזה ג״כ הראי׳ [הראיה] נשפלת למטה יותר מהשמיעה שרואה דבר גשמי
Deshalb verläuft das Sehen von oben nach unten und das Hören von unten nach oben, denn die Buchstaben steigen empor und treten in das Ohr des Hörenden ein. Auch aus diesem Grund reicht das Sehen tiefer hinab als das Hören, denn es sieht einen körperlichen Gegenstand,
Sehen verläuft von oben nach unten, während Hören von unten nach oben verläuft, da die Töne zum Ohr emporsteigen. So reicht das Sehen tiefer hinab, bis hin zu körperlichen Gegenständen.
משא״כ השמיעה היא רק קול ודבור כי הראי׳ [הראיה] היא מבחי׳ חד אריך וכנודע שיסוד אבא אריך כו׳.
während das Hören nur Stimme und Sprache erfasst. Denn das Sehen stammt aus der Ebene des „Einen Langen“, wie bekannt ist, dass das Fundament (Yesod) von Abba lang ist usw.
Das Hören nimmt dagegen nur Stimme und Sprache auf. Das Sehen gehört zur „langen“ Linie; der Alter Rebbe fügt die Lehre des Arizal hinzu, dass das Fundament (Yesod) von Abba (Chochmah) lang ist und weiter hinabreicht als der Yesod von Imma (Binah).
וזהו מ״ש ארדה נא ואראה כי הכצעקתה הבאה זהו כמו בחי׳ שמיעה שמבחי׳ בינה ולכן היא הבאה מלמטה למעלה והוא בחי׳ קו השמאל אבל ארדה נא ואראה בבחי׳ ראיה שהוא בחי׳ חסדים כו׳:
Und dies ist es, was gesagt wird: „Ich will nun hinabgehen und sehen“: Denn „wie ihr Geschrei, das heraufgekommen ist“ gleicht der Ebene des Hörens, die aus der Ebene des Verständnisses (Binah) stammt; daher kommt es von unten nach oben, und es ist die Ebene der linken Linie. Doch „Ich will nun hinabgehen und sehen“ gehört zur Ebene des Sehens, der Ebene der Chasadim (Güte) usw.
Auf den Vers angewandt: „ihr Geschrei, das heraufgekommen ist“ gleicht dem Hören, das aus Binah stammt und von unten auf der linken Seite emporsteigt. „Ich will hinabgehen und sehen“ ist Sehen, das zur Güte gehört. G‑tt antwortet auf das Geschrei nicht nur, indem Er es hört, sondern indem Er „hinabgeht und sieht“ – mit Chesed.
Der Absatz beschließt den Maamar: Das Geschrei wird über die linke Seite des Gerichts „gehört“, während „Ich will hinabgehen und sehen“ das „Sehen“ aus der langen rechten Linie der Güte (Chesed) bezeichnet, die hinabreicht, um ein Verdienst zu finden.
Dies erklärt auch Rashis Lehre: In Kapitalfällen ist „Sehen“ erforderlich, denn Sehen kommt von Chesed, das nach einem Verdienst sucht, während das bloße „Hören“ einer Anklage von der Seite des Gerichts kommt.
Marei Mekomos
- 1ראובן · Genesis 29:32
- 2שמעון · Genesis 29:33
Den Maamar abgeschlossen?
Markieren Sie ihn als gelernt; er zählt zum Siyum dieser Woche und des Jahres.
In der eigenen Avodah
Der Maamar sagt, Yosef habe sich die höhere Vorsehung verdient – „das Auge des unaussprechlichen g‑ttlichen Namens (Havayah) auf denen, die Ihn fürchten“ –, indem er andere versorgte: „Wer ein gutes Auge hat, wird gesegnet, denn er hat dem Armen von seinem Brot gegeben.“ Sodom beschädigte eben diese Eigenschaft und wurde ihrer nicht teilhaftig. Der Maamar zeigt ferner am Beispiel eines Richters, der denjenigen liebt, über den er richtet, dass Nähe und Güte Raum dafür schaffen, in denselben Tatsachen Verdienst zu finden, die das Gericht verurteilen würde.
Fragen zum Gespräch
- Worin unterscheidet sich „offenbar und bekannt“ von der Weise, wie ein Mensch etwas erkennt, und warum beantwortet dieser Unterschied die Frage der Philosophen nach der Vielheit?
- Wenn G‑tt alles aus sich selbst weiß, warum spricht die Schrift dann von „Augen“, die auf der Erde umherschweifen? Welche Rolle spielen die Gefäße und die Engel?
- Wie erklären die beiden Ebenen des Daas, warum G‑ttes Vorwissen die freie Wahl eines Menschen nicht erzwingt?
- Dieselbe Tatsache, dass „der Trieb des Herzens des Menschen böse ist“, führt zunächst zur Flut und dann zu G‑ttes Versprechen, die Erde nie wieder zu verfluchen. Was änderte sich dem Maamar zufolge?
- Warum verbindet der Maamar „Ich will hinabsteigen und sehen“ mit dem Sehen statt mit dem Hören, und was legt dies im Hinblick auf Raschis Regel nahe, dass Richter selbst sehen müssen?