Torah Ohr · Parshas Vayechi · Maamar 4
חכלילי עינים מיין ולבן שנים מחלב
Rot der Augen vom Wein und Weiß der Zähne von Milch
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Von einer KI aus unserer englischen Ausgabe übersetzt und anschließend in mehreren Durchgängen anhand des Englischen und des Hebräischen geprüft und korrigiert. Die englische Fassung selbst wird derzeit von menschlichen Lesern überprüft. Wenn Sie gut Deutsch können, wären wir für Ihre Hilfe bei der Durchsicht der deutschen Übersetzung dankbar. Bei der Durchsicht mithelfen
Kerngedanke
Die Torah ist Wein, der die verborgene, grenzenlose Liebe der Seele zu G‑tt ans Licht bringt und sie zur Liebe in Entzückungen erhebt, und Milch, die nach ehrlicher Selbstprüfung Liebe und Ehrfurcht wachsen lässt, bis das Herz verwandelt ist.
Der Maamar in Kürze
Der Maamar erklärt Yaakovs Segen für Yehudah, „Rot der Augen vom Wein und Weiß der Zähne von Milch“, als zwei Kräfte der Torah. Er fragt, wie Wein „G‑tt erfreuen“ kann, und antwortet mit dem Ausspruch der Weisen: „Der Wein geht hinein, ein Geheimnis kommt heraus.“ Es gibt zwei Arten der Liebe zu G‑tt. Ahavas olam (ewige Liebe) entsteht aus der Betrachtung, wie G‑ttes Königsherrschaft alle Welten erschafft und erhält; die Seele kann sie fassen, daher lässt sie nach, wenn der Geist sich anderem zuwendet. Ahavah rabbah (große Liebe) wurzelt in der Quelle der Seele in G‑tt Selbst, jenseits aller Welten; die Seele kann sie nicht fassen, daher bleibt sie verborgen, obwohl sie niemals unterbrochen wird. Die Torah, G‑ttes Weisheit und Wille, ist der Wein, der die g‑ttlichen Einschränkungen öffnet und diese verborgene Liebe offenbart. Noch höher ist die Liebe in Entzückungen, der Blick auf die Herrlichkeit des Königs: die „roten Augen“, die am Schabbos nach der Mühe der Woche offenbart werden und beide Lieben einschließen, „für mich, für mich“. Die „Zähne“ stehen für sorgfältige Selbstprüfung, die den eigenen Dienst zermahlt und sichtet; die „Milch“ der Torah lässt daraufhin Liebe und Ehrfurcht wachsen und macht die Zähne „weiß“: Die Läuterung wird klar und mühelos.
Gliederung
- Wein und Milch in der TorahWie kann Wein „G‑tt erfreuen“? Wein und Milch sind zwei Aspekte der Torah, und es gibt zwei Arten der Liebe: Ahavas olam (ewige Liebe) und Ahavah rabbah (große Liebe).¶1–2
- Ahavas olam: Liebe, die aus den Welten entstehtDie Betrachtung, wie G‑ttes Königsherrschaft allen Welten Leben gibt, in Pesukei deZimrah (den Lobpsalmen) und dem Schma, führt zu „Und du sollst lieben“: zu einer Wendung des Willens hin zu G‑tt.¶3–8
- Ahavah rabbah: die verborgene LiebeAhavah rabbah entspringt der Wurzel der Seele in G‑tt, jenseits aller Welten; die Seele kann sie nicht fassen, daher bleibt sie verborgen, wird aber niemals unterbrochen. Wie wird sie offenbart?¶9–12
- Der Wein der Torah offenbart das GeheimnisDas Licht der Liebe ist in der Torah verborgen; das Torahlernen „öffnet die Yuds (Einschränkungen)“ und offenbart den Höheren Willen in der Seele, der Ahavah rabbah ist.¶13–14
- Rot der Augen: Liebe in EntzückungenDie „Augen“ stehen für den Blick auf die Herrlichkeit des Königs, für die Liebe in Entzückungen, die am Schabbos nach der Mühe der Woche offenbart wird; der Gaumen, der schmeckt, sagt „für mich, für mich“, während beide Lieben gemeinsam aufsteigen.¶15–17
- Weiß der Zähne von MilchDie „Zähne“ stehen für die Selbstprüfung, die den eigenen Dienst zermahlt und sichtet; die „Milch“ der Torah lässt daraufhin Liebe und Ehrfurcht wachsen und verwandelt das Herz, bis die Läuterung ohne Mühe eintritt.¶18–21
Schlüsselbegriffe
- Ahavas olamאהבת עולם
- Liebe zu G‑tt, die aus der Betrachtung entsteht, wie Er alle Welten erschafft und erhält. Die Seele kann sie fassen, doch sie wird unterbrochen, wenn der Geist sich anderen Dingen zuwendet.
- Ahavah rabbahאהבה רבה
- Die verborgene Liebe, die in der Quelle der Seele wurzelt, einem Teil von G‑tt Selbst. Sie übersteigt die Fähigkeit der Seele und wird niemals unterbrochen; die Torah offenbart sie als Liebe „mit all deiner Kraft“.
- Liebe in Entzückungenאהבה בתענוגים
- Die höchste Liebe, der Blick „auf die Herrlichkeit des Königs“, die am Schabbos offenbart wird; sie schließt sowohl Ahavas olam als auch Ahavah rabbah ein und übersteigt beide.
- Der Höhere Willeרצון העליון
- G‑ttes Wille, die Quelle der Schöpfung, der durch die Einschränkungen verborgen und durch Torahlernen und mitzvos offenbart wird; in der Seele ist er Ahavah rabbah.
- Die Yuds (Einschränkungen)יודי״ן (צמצומים)
- Die Einschränkungen des unendlichen Lichts, auf die „Du öffnest Deine Hand (yadecha)“ anspielt. Die Torah öffnet sie, sodass der Höhere Wille offenbart wird.
- Zähne und Milchשינים וחלב
- Die Selbstprüfung, die die eigenen Taten und Gefühle zermahlt und sichtet, gefolgt von der nährenden Wirkung der Torah, die Liebe und Ehrfurcht wachsen lässt.
Wein und Milch in der Torah ¶1–2
„Die Augen sind rot vom Wein und die Zähne weiß von Milch.“ Nun heißt es über den Wein: „Mein Wein, der G‑tt erfreut“ usw.
Der Maamar beginnt mit Yaakovs Segen an Yehudah: Seine Augen sind rot vom Wein und seine Zähne weiß von Milch. Zunächst erinnert der Alter Rebbe daran, dass die Schrift den Wein als etwas beschreibt, das „G‑tt erfreut“; das wirft eine Frage auf.
ולהבין מהו בחי׳ יין המשמח אלקים ואיך יהיה כחו גדול כ״כ [כל כך] לשמח אלקים. הנה אמרו נכנס יין יצא סוד.5
Um zu verstehen: Was ist die Ebene (Bechinah) des Weins, „der G‑tt erfreut“, und wie kann seine Kraft so groß sein, G‑tt zu erfreuen? Nun sagten [die Weisen]: „Wein geht hinein, ein Geheimnis kommt heraus.“
Wein kann Menschen erfreuen, doch wie kann er G‑tt erfreuen? Die Antwort beginnt mit dem Ausspruch der Weisen: „Wein geht hinein, ein Geheimnis kommt heraus.“ Das Wort für Wein (yayin) und das Wort für Geheimnis (sod) haben beide den Zahlenwert siebzig; der Maamar wird zeigen, dass der Wein die Tora ist und das Geheimnis eine in der Seele verborgene Liebe.
Der Absatz zitiert den Vers, den der Maamar erklärt, fragt, wie Wein „G‑tt erfreuen“ kann, und weist auf den Ausspruch „Wein geht hinein, ein Geheimnis kommt heraus“ als Schlüssel hin.
Der Anmerkung von Kehot zufolge finden sich weitere Niederschriften dieses Maamars in Sefer HaMaamarim 5565 und im Lemberg Torah Ohr; auch Likkutei Torah nimmt mehrfach darauf Bezug. Likkutei Torah zu Wajikra zitiert die Deutung dieses Maamars zu „Wein geht hinein, ein Geheimnis kommt heraus“: Durch den Wein der Tora wird die in der Seele verborgene Ahavah Rabbah [große Liebe] offenbart.
Marei Mekomos
- 1חכלילי עינים · הנחה אחרת בסה״מ תקס״ה כרך א ע׳ קסז. והנחה אחרת בתו״א לעמבערג ג, ג. וראה גם מאמרי אדה״ז הקצרים ע׳ תלג. ראה לעיל בציונים לכ״ק אדמו״ר זי״ע. [המאמר באוה״ת ויחי שסה, ב הוא לשון התו״א עם הגהות]. קיצורים באוה״ת כרך ו תתשמא, ב. וראה כרך ז תתתעה, ב. פלח הרמון בראשית קכז, ד. בלקו״ת שה״ש לו, א ד״ה הסבי עיניך מציין כמה פעמים לד״ה זה. בסה״מ תרס״ט ע׳ קיז מציין לד״ה זה.
- 2חכלילי עינים מיין · Genesis 49:12
- 3הנה גבי כתיב יין המשמח · בבוך 414: הנה כתיב יין המשמח.
- 4תירושי המשמח אלקים · Judges 9:13
- 5נכנס יין יצא סוד · Eruvin 65a:19–20
Die Erklärung ist, dass es in der Torah zwei Ebenen gibt: Wein und Milch, wie geschrieben steht: „Kommt, kauft und esst“ usw., „ohne Geld und ohne Preis, Wein und Milch“.
Wein und Milch sind zwei Dimensionen der Torah, wie Jesajas Ruf zeigt: „Kommt, kauft … ohne Geld und ohne Preis, Wein und Milch.“ Der Vers wird so verstanden, dass er von der Torah spricht, die unentgeltlich erworben wird, und er nennt beide Bilder unseres Verses: Wein und Milch.
Um die Sache zu erklären: Es gibt zwei Lieben, Ahavas Olam (Liebe zur Welt) und Ahavah Rabbah (große Liebe). Ahavas Olam ist die offenbarte Liebe.
Um diese beiden Dimensionen zu erklären, führt der Alter Rebbe zwei Arten der Liebe zu G‑tt ein: Ahavas Olam und Ahavah Rabbah. Ahavas Olam ist die „offenbare“ Liebe, die offen im Herzen empfunden wird. Ihr Name bedeutet gewöhnlich „ewige Liebe“, doch dieser Maamar versteht olam auch als „Welt“: eine Liebe, die aus der Betrachtung der Welten erwächst, wie der nächste Absatz erklärt.
Der Absatz bezeichnet Wein und Milch als zwei Aspekte der Torah und führt die beiden Lieben, Ahavas Olam und Ahavah Rabbah, ein, die der Maamar mit ihnen in Verbindung bringen wird.
Likkutei Torah zu Shemini Atzeret, wie in der Kehot-Anmerkung angeführt, erklärt, dass „ohne Geld und ohne Preis“ vom Toralernen gesagt wird, weil die Torah hauptsächlich als Geschenk von oben kommt, während die mitzvos für einen vollen Preis erfüllt werden, als eine Erweckung von unten.
Marei Mekomos
- 1לכו שברו ואכלו · Isaiah 55:1
- 2יש ב׳ אהבות · ראה תניא פ׳ מד. תורת שלום שיחת שמח״ת תרס״ח ע׳ 87. מכ׳ כ״ק אדמו״ר מהוריי״צ נ״ע נדפס בסוף קונטרס העבודה.
- 3שו״ה אמרו — כי בתורה · וכ״ה באוה״ת ויחי שסה, ב. אבל בבוך 414: כי הנה בתורה.
Ahavas olam: Liebe, die aus den Welten entsteht ¶3–8
3ואה״ר [ואהבה רבה] היא אהבה המסותרת. ולהבין למה נק׳ האהבה המסותרת בשם אה״ר [אהבה רבה]. אך הנה אה״ע [אהבת עולם] היא האהבה שנלקחה מעולמות דהיינו מחמת התבוננות איך שהוא ית׳1 מחדש בטובו כו׳. ומהווה מאין ליש בכל יום2 מבחי׳ מל׳ ית׳
Und Ahavah Rabbah [große Liebe] ist die verborgene Liebe. Um zu verstehen, warum die verborgene Liebe Ahavah Rabbah genannt wird, sei zunächst erklärt: Ahavas Olam [Liebe, die aus den Welten stammt] ist die Liebe, die aus den Welten hervorgeht, das heißt aus der Betrachtung, wie Er, gesegnet sei Er, „in Seiner Güte erneuert“ usw. und jeden Tag aus dem Nichts etwas ins Dasein bringt, aus der Ebene Seiner Königsherrschaft (Malchus), gesegnet sei Er.
Ahavah Rabbah wird die verborgene Liebe genannt, weil sie in der Seele verborgen liegt. Bevor der Alter Rebbe erklärt, warum sie „große Liebe“ genannt wird, definiert er Ahavas Olam: eine Liebe, die aus der Betrachtung der Welten hervorgeht – aus der Betrachtung, wie G‑tt Seine Schöpfung „in Seiner Güte erneuert“, wie es in den Worten des Morgensegens vor dem Schma heißt, und sie jeden Tag durch Seine Königsherrschaft, Seine Malchus, aus dem Nichts ins Dasein bringt.
כי מלכותך מכ״ע [מלכות כל עולמים]3 כתיב שכל עולמים עליונים ותחתונים הם חיים וקיימים מבחי׳ מלכותו ית׳ ממכ״ע [ממלא כל עלמין] וסוכ״ע ואתה מחיה את כולם.45
Denn es steht geschrieben: „Deine Königsherrschaft ist die Königsherrschaft aller Welten“: Alle Welten, die höheren und die niederen, leben und bestehen aus der Ebene Seiner Königsherrschaft, gesegnet sei Er – aus dem Licht, das alle Welten erfüllt (Memalei Kol Almin), und dem Licht, das alle Welten umfasst (Sovev Kol Almin) – „und Du gibst ihnen allen Leben“.
Der Vers sagt, dass Seine Königsherrschaft die „Königsherrschaft aller Welten“ ist: Alle Welten leben aus ihr, und sowohl das Licht, das die Welten erfüllt, als auch das Licht, das sie umfasst, gehen aus dieser Ebene hervor. Die Betrachtung darüber lässt Ahavas Olam entstehen.
Der Absatz beginnt, die beiden Arten der Liebe zu definieren: Ahavas Olam ist die Liebe, die aus der Betrachtung hervorgeht, wie alle Welten durch G‑ttes Königsherrschaft erschaffen und am Leben erhalten werden.
Hier wird sogar das Licht, das alle Welten umfasst, als aus Malchus hervorgehend beschrieben, dem letzten der g‑ttlichen Attribute. Alles, was die Welten empfangen, selbst das umfassende Licht, ist lediglich eine Ausstrahlung von G‑ttes Königsherrschaft; dies bereitet den Gegensatz zu Ahavah Rabbah vor, deren Wurzel G‑tt Selbst ist, jenseits aller Welten.
Marei Mekomos
- 1שו״ה האהבה — איך שהוא ית׳ · בבוך 414 ליתא תי׳ אלו.
- 2שו״ה מחדש — בכל יום · בבוך 633: ליתא.
- 3מלכותך מכ״ע · Psalms 145:13
- 4ואתה מחי׳ את כולם · Nehemiah 9:6
- 5שו״ה כי — עליונים ותחתונים · בבוך 633 ליתא.
4ואינו כדמיון הנשמה שמחיה את הגוף. שהחיות מתפשט ומתלבש בגוף ממש להחיותו. כי הוא ית׳ קדוש ומובדל כו׳. רק התפשטות בחי׳ שם בלבד. דהיינו מחמת כי מלך שמו נק׳ עליהם.
Und dies ist nicht vergleichbar mit der Seele, die dem Körper Leben verleiht, wobei sich die Lebenskraft ausbreitet und sich im Körper selbst einkleidet, um ihm Leben zu geben. Denn Er, gesegnet sei Er, ist heilig und abgesondert usw. Vielmehr [ist es] nur eine Ausdehnung der Ebene eines Namens, das heißt, weil Sein Name „König“ über ihnen genannt wird.
G‑ttes Lebenverleihung an die Welten unterscheidet sich von der Lebenverleihung der Seele an den Körper, bei der sich die Lebenskraft der Seele tatsächlich im Körper ausbreitet und in ihn eingekleidet ist. G‑tt bleibt heilig und von den Welten abgesondert; was sich in sie erstreckt, ist nur Sein „Name“, ein bloßer Ausdruck Seiner selbst, denn Er wird ihr König genannt.
Der Absatz präzisiert, auf welche Weise G‑tt den Welten Leben verleiht: nicht indem Er in sie eingeht, wie eine Seele in einen Körper eingeht, sondern nur durch Seinen „Namen“, die Ausdehnung Seiner Herrschaft.
5וכמאמר ישתבח שמך לעד פי׳ לעד עד אין קץ כו׳. וע״ז אנו אומרים איש״ר [אמן יהא שמיה רבא] מברך לעלם ולעלמי עלמיא יתברך. פי׳ שאנו מתפללים ומבקשים שיהיה שם זה בבחי׳ ברכה והמשכה מההעלם אל הגילוי.
Wie es in dem Ausspruch heißt: „Dein Name sei gepriesen für immer (la’ad)“: „Für immer“ bedeutet ohne Ende usw. Und darauf beziehen sich unsere Worte: „Amen, möge Sein großer Name für immer und in alle Ewigkeit (le’alam ule’almei almaya) gesegnet sein; möge er gesegnet sein.“ Das bedeutet: Wir beten und bitten, dass dieser Name sich im Zustand des Segens und der Herabführung befinde – vom Verborgenen zur Offenbarung.
„Dein Name sei für immer gepriesen“ aus dem Morgengebet bedeutet, dass die Ausdehnung Seines Namens kein Ende hat. In der Antwort auf das Kaddisch, „Möge Sein großer Name gesegnet sein“, versteht der Alter Rebbe „gesegnet“ als Herabführung: Wir bitten, dass dieser Name, der nun verborgen ist, in die Offenbarung herabgeführt werde.
דהיינו שלא יהי׳ [יהיה] בבחי׳ העלם והסתר פנים אצלינו בידיעת אנשים מלומדה1 בלבד שאין זה אלא בבחי׳ הודאה. אבל בחי׳ ברכה היא בחי׳ גילוי ממש במוחו ולבו באמת לאמתו.
Das heißt, dass dieser Name für uns nicht in Verborgenheit und Verhüllung des Angesichts verbleiben soll, sodass wir ihn nur aufgrund eines „von Menschen auswendig gelernten“ Wissens kennen – was nicht mehr als die Ebene bloßer Anerkennung ist. Die Ebene des Segens aber ist eine tatsächliche Offenbarung im eigenen Verstand und Herzen, in voller Wahrhaftigkeit.
Die Gefahr besteht darin, dass G‑ttes Herrschaft für uns verborgen bleibt und nur als etwas bekannt ist, das man gelernt hat – wie Jeschajahu sagt: „ein Gebot von Menschen, auswendig gelernt“; solches Wissen ist nicht mehr als bloße Anerkennung. „Segen“ bedeutet, dass sie im Verstand und Herzen eines Menschen wahrhaftig offenbart ist.
Der Abschnitt versteht die Worte „Möge Sein großer Name gesegnet sein“ als Gebet darum, dass G‑ttes Name, Seine Herrschaft über die Welten, aus einer verborgenen Tatsache, die wir lediglich anerkennen, zu einer Offenbarung werde, die im Verstand und Herzen empfunden wird.
Marei Mekomos
- 1אנשים מלומדה · Isaiah 29:13
6ושיהי׳ [ושיהיה] גילוי זה נמשך לעלם ולעלמי עלמיא אפי׳ [אפילו] בעולמות התחתונים כמו בעוה״ז הגשמי וכענין שנאמר ברוך ה׳ אלקי ישראל12 מן העולם ועד העולם.3
Und dass diese Offenbarung „zur Welt und zu den Welten der Welten“ (le’alam ule’almei almaya) herabgezogen werde, sogar in die unteren Welten, etwa in diese materielle Welt; wie es heißt: „Gesegnet sei Havayah, der G‑tt Israels, von Welt zu Welt.“
Der aramäische Ausdruck le’alam ule’almei almaya, der gewöhnlich als „für immer und ewig“ verstanden wird, wird hier als „zur Welt und zu den Welten der Welten“ gelesen: Wir bitten darum, dass die Offenbarung jede Welt erreicht, sogar diese materielle Welt. Der Vers „Gesegnet sei Havayah … von Welt zu Welt“ bringt denselben Gedanken zum Ausdruck.
ועד״ז תקנו כל פסוד״ז [פסוקי דזמרה] מב״ש [מברוך שאמר] עד ק״ש [קריאת שמע] להאריך ולהרחיב הדבור בשבחו4 של מקום איך שמלכותו הוא מכ״ע [מלכות כל עולמים].
In diesem Sinne [setzten die Weisen] die gesamten Pesukei deZimrah ein, von Baruch She’amar bis zur Lesung des Shema: damit man ausführlich und weitläufig zum Lob des Allgegenwärtigen spricht – darüber, wie Seine Königsherrschaft (Malchus) die „Königsherrschaft aller Welten“ ist.
Die Weisen richteten die Pesukei deZimrah, die Psalmen und Lobpreisungen im Morgengebet von Baruch She’amar bis zum Shema, zu diesem Zweck ein: Man soll ausführlich darüber verweilen, wie sich G‑ttes Herrschaft über alle Welten erstreckt, damit der Betende dies empfindet.
Der Absatz erklärt, dass die Pesukei deZimrah dazu dienen, diese Offenbarung durch die ausführliche Betrachtung von G‑ttes Königsherrschaft in den Menschen hineinzuziehen.
Marei Mekomos
- 1ברוך ה׳ אלקי ישראל · קו, מח.
- 2
- 3ברוך ה׳ אלקי ישראל מן העולם ועד העולם · Psalms 106:48
- 4שו״ה ולהרחיב — בשבחו · בבוך 633: בפסוקי שבחו.
7ואיך שהוא קדוש ומובדל כו׳ עד שיהיה נקבע בקרב איש ולב עמוק.1 ועי״ז יגיע לקיום הק״ש [הקריאת שמע] שמע ישראל.2
Und [sie berichten], wie Er heilig und abgesondert ist usw., bis dies „im Innern eines Menschen und [in] einem tiefen Herzen“ verankert ist. Dadurch gelangt er dazu, die Lesung des Shema, „Höre, Israel“, zu erfüllen.
Auch die Pesukei deZimrah (Lobpreisverse) beschreiben, wie G‑tt heilig und von den Welten, über die Er herrscht, abgesondert bleibt. Diese Betrachtung soll so lange fortgesetzt werden, bis sie tief im Menschen verankert ist, „im Innern eines Menschen und in einem tiefen Herzen“. So wird er darauf vorbereitet, das Shema auf rechte Weise zu erfüllen.
שמע לשון הבנה3 להתבונן כי ה׳ אחד פי׳ אחד ז׳ רקיעים4 וארץ וד׳ רוחות העולם5 בטלים אל האל״ף הוא אלופו של עולם.
„Höre“ ist ein Ausdruck des Verstehens: zu betrachten, dass Havayah Einer ist. „Einer“ (Echad) bedeutet, dass die sieben Himmel und die Erde sowie die vier Himmelsrichtungen dem Alef gegenüber in der Selbstaufhebung (Bittul) stehen; der Alef ist der Aluf, der Herr der Welt.
„Shema“, „höre“, bedeutet auch „verstehe“; daher fordert das Shema dazu auf, zu betrachten, dass G‑tt Einer ist. Das Wort Echad („Einer“) wird mit Alef (1), Ches (8) und Dalet (4) geschrieben: Die Acht stehen für die sieben Himmel und die Erde, die Vier für die vier Himmelsrichtungen. All dies steht dem Alef gegenüber in Bittul; der Alef steht für den Aluf, den Herrn der Welt.
Der Abschnitt zeigt, wie die Betrachtung der Pesukei deZimrah zum Shema führt, dessen „Einer“ bedeutet, dass alle Himmel, die Erde und die vier Himmelsrichtungen vor G‑tt in Bittul stehen.
Der Schulchan Aruch entscheidet, dass man beim Sprechen von „Echad“ das Ches verlängert, um G‑tt über Himmel und Erde zu krönen, und das Dalet, um daran zu denken, dass Er allein über die vier Himmelsrichtungen herrscht. Auch der einleitende Maamar von Torah Ohr, auf den die Anmerkung von Kehot verweist, erklärt „Shema“ als Verstehen.
Marei Mekomos
- 1בקרב איש ולב עמוק · Psalms 64:7
- 2שמע ישראל · Deuteronomy 6:4
- 3שמע לשון הבנה · נסמן לעיל א, א. לח, ב.
- 4אחד ז׳ רקיעים · שו״ע או״ח סס״א ס״ו.
- 5אחד ז׳ רקיעים וארץ וד׳ רוחות העולם · Shulchan Arukh, Orach Chayim 61:6
8וכמו שיש בגשמיות ז׳ רקיעים כו׳. כך ברוחניות יש כמה מדרגות זו למעלה מזו וכולם בטלים אליו ית׳ רק שברוך שם כו׳.
Und so, wie es in der körperlichen Wirklichkeit sieben Himmel usw. gibt, gibt es auch in der Geistigkeit viele Ebenen, eine über der anderen, und alle sind vor Ihm, gesegnet sei Er, völlig aufgehoben – nur dass [es] „Gesegnet sei der Name“ usw. [gibt].
So wie die körperliche Welt sieben Himmel hat, haben die geistigen Welten viele Ebenen, eine über der anderen, und alle sind vor G‑tt aufgehoben. Was ihnen dennoch ermöglicht, als Welten zu bestehen, ist „Gesegnet sei der Name der Herrlichkeit Seiner Königsherrschaft“, der nach dem ersten Vers des Shema gesprochen wird.
שמבחי׳ דלי״ת רבתי דאחד נמשך בחי׳ ברכה והמשכה להיות בחי׳ שם כבוד מלכותו כו׳. ועי״ז יגיע למדרגת ואהבת.
Denn von der Ebene des großen Dalet von „Eins“ wird eine Ebene des Segens und der Herabziehung herabgezogen, sodass die Ebene von „dem Namen der Herrlichkeit Seiner Königsherrschaft“ usw. entsteht. Dadurch wird er zur Ebene von „Und du sollst lieben“ gelangen.
Der große Buchstabe Dalet in „Echad“ („Eins“), der in der Tora übergroß geschrieben ist, ist die Quelle, von der aus G‑ttes „Name“ in die Welten herabgezogen wird als „der Name der Herrlichkeit Seiner Königsherrschaft“. Diese Betrachtung führt einen Menschen zum nächsten Vers: „Und du sollst lieben“.
פי׳ ואהבת הוא מלשון רצון.1 דהיינו שיהי׳ [שיהיה] רצונך שהוי׳ יהיה אלקיך בכל לבבך בשני יצריך2 יצ״ט [יצר טוב] ויצה״ר [ויצר הרע] לאהפכא חשוכא כו׳
„Und du sollst lieben“ (Ve’ahavta) ist ein Ausdruck des Wollens. Das heißt, dein Wille soll sein, dass der unaussprechliche g‑ttliche Name (Havayah) dein G‑tt sei, „mit deinem ganzen Herzen“ – mit beiden Neigungen, der guten und der bösen Neigung –, um das Dunkel [in Licht] zu verwandeln usw.
„Ve’ahavta“, „und du sollst lieben“, hängt mit dem Wort für Wollen zusammen (Avah [wollen]). Das Gebot lautet, dass dein Wille darauf gerichtet sein soll, dass Havayah dein G‑tt sei, „mit deinem ganzen Herzen“, was die Weisen so auslegen, dass beide Neigungen gemeint sind, sodass auch die böse Neigung vom Dunkel zum Licht verwandelt wird.
שיעקור רצונו מהבלי עולם להיות לו שינוי רצון ולהפך רצונו לה׳ אחד וכמ״ש מי לי בשמים3 ועמך לא חפצתי בארץ:4
[Das heißt,] er soll seinen Willen aus den Eitelkeiten der Welt herausreißen, sodass sich sein Wille ändert, und seinen Willen dem einen G‑tt zuwenden; wie geschrieben steht: „Wen habe ich im Himmel? Und mit Dir begehre ich nichts auf Erden.“
Das bedeutet, den eigenen Willen aus den Eitelkeiten der Welt herauszureißen, bis sich das Begehren selbst wandelt und allein G‑tt zugewandt ist. Der Psalmist drückt es so aus: „Wen habe ich im Himmel? Und mit Dir begehre ich nichts auf Erden.“
Der Absatz zeigt, wie die Betrachtung über die Aufhebung der Welten vor G‑tt zu „Und du sollst lieben“ führt: zu einer Veränderung des Willens, sodass das Herz nichts außer G‑tt begehrt.
Likkutei Torah zu Beha’aloscha, wie in der Kehot-Anmerkung zitiert, erklärt, dass der Wille der innerste Kern der Gefühle ist: Was ein Mensch will, bestimmt, woran er Freude hat oder was er ertragen kann; daher ist das Gebot zu lieben ein Gebot, seinen Willen zu wenden. Die Anmerkung zitiert auch eine Zusammenfassung, die Or HaTorah hier hinzufügt und Ahavas Olam [Weltliebe] als die aus den Welten entnommene Liebe definiert, durch die man seinen Willen aus den Eitelkeiten der Welt herausreißt.
Marei Mekomos
- 1ואהבת הוא מלשון רצון · Song of Songs 7:1
- 2בכל לבבך בשני יצריך · Deuteronomy 6:5
- 3מי לי בשמים · Psalms 73:25
- 4
Ahavah rabbah: die verborgene Liebe ¶9–12
9והנה כ״ז [כל זה] הוא בחי׳ אה״ע [אהבת עולם] שאומרים אהבת עולם אהבתנו. פי׳ אהבתנו שאהבה זו היא מתלבשת בתוך נפשנו.
Nun ist all dies die Ebene von ahavas olam, wie wir sagen: „Mit ewiger Liebe (ahavas olam) hast Du uns geliebt (ahavtanu).“ Mit „ahavtanu“ ist gemeint, dass diese Liebe in unsere Seele eingekleidet ist.
All dies beschreibt ahavas olam, die in dem Segensspruch „Mit ewiger Liebe (ahavas olam) hast Du uns geliebt (ahavtanu)“ genannt wird. Der Alter Rebbe greift das Wort „ahavtanu“ auf, dessen Endung „uns“ bedeutet: Diese Liebe ist in unsere Seele eingekleidet.
שהנפש יכולה להיות כלי להגביל ולהלביש את האהבה זו בתוכה ממש להיות תוכה רצוף אהבה1 זו. אבל אה״ר [אהבה רבה] היא בשרש הנפש במקור חוצבה כי חלק2 הוי׳ ממש עמו.34
Denn die Seele kann ein Gefäß sein, das diese Liebe wahrhaftig in sich aufnehmen und in sich einkleiden kann, sodass ihr Inneres mit Liebe ausgelegt ist – mit dieser Liebe. Doch ahavah rabbah [die große Liebe] ist in der Wurzel der Seele, an ihrem Ursprung, aus dem sie gehauen wurde; denn „Sein Volk“ ist wörtlich „ein Anteil an Havayah“.
Ahavas olam findet in der Seele Platz, die sie vollständig aufnehmen kann, sodass die Seele „mit Liebe ausgelegt“ ist – ein Ausdruck aus dem Hohelied. Ahavah rabbah hingegen ist in der eigentlichen Quelle der Seele verwurzelt, denn die Seele ist „ein Anteil an Havayah“, wörtlich ein Teil G‑ttes.
Der Absatz stellt die beiden Lieben gegenüber: Ahavas olam findet innerhalb der Aufnahmefähigkeit der Seele Platz, während ahavah rabbah aus der Wurzel der Seele in G‑tt selbst hervorgeht.
Marei Mekomos
- 1תוכה רצוף אהבה · Song of Songs 3:10
- 2כי חלק הוי׳ ממש עמו · Deuteronomy 32:9
- 3
- 4
10ואני הוי״ה לא שניתי1 כתיב שהוא ית׳ למעלה מגדר עלמין ואין ערוך אליו ית׳ כלל אפי׳ [אפילו] כמשל טפה מים אוקיינוס.
Es steht geschrieben: „Und Ich, Havayah, habe mich nicht verändert“; denn Er, gesegnet sei Er, steht über den Grenzen der Welten, und überhaupt besteht keinerlei Vergleich zu Ihm, gesegnet sei Er – nicht einmal wie in dem Gleichnis eines Tropfens [im Vergleich zu] den Wassern des Ozeans.
Die Worte Malachis „Ich, Havayah, habe mich nicht verändert“ lehren, dass G‑tt gänzlich jenseits der Welten steht und von ihnen unberührt bleibt. Die Welten sind mit Ihm in keiner Weise vergleichbar – nicht einmal so, wie ein Tropfen mit dem Ozean vergleichbar ist.
שעם היות שהוא חלק קטן מאלף אלפי אלפים ורבי רבבות. עכ״ז [עם כל זה] שייך איזה ערך ויחוס במהותו הדומה לו שגם מהות הטפה היא מים כמו הים הגדול ממש.
Denn obwohl [der Tropfen] ein winziger Teil ist, [einer] von tausend Tausenden von Tausenden und Myriaden von Myriaden, besteht dennoch insofern eine gewisse Vergleichbarkeit und Beziehung, als sein Wesen dem [Ozean] ähnelt: Denn auch das Wesen des Tropfens ist Wasser, genau wie das des großen Meeres.
Ein Tropfen ist im Vergleich zum Ozean winzig, doch er hat dieselbe Natur wie der Ozean: Beide sind Wasser. Zwischen G‑tt und den Welten besteht nicht einmal ein solches Maß an Gemeinsamkeit.
משא״כ אליו ית׳ אין ההשתלשלות ערוך כלל ולכך האהבה שנלקחה מבחי׳ זו אינה מתלבשת ממש תוך הנפש ואין הנפש יכולה להגבילה אלא היא בבחי׳ מסותרת
Bei Ihm, gesegnet sei Er, ist es jedoch anders: Die stufenweise Herabfolge der Welten (Hishtalshelus) ist [Ihm] in keiner Weise vergleichbar. Daher ist die Liebe, die dieser Ebene entstammt, nicht wirklich in die Seele gekleidet, und die Seele kann sie nicht fassen; vielmehr befindet sie sich in einem verborgenen Zustand.
Da die Wurzel der Seele in G‑tt Selbst liegt, der jenseits aller Welten steht, übersteigt die aus dieser Wurzel hervorgehende Liebe die Fähigkeit der Seele. Die Seele ist ein begrenztes Gefäß und kann diese Liebe nicht fassen; daher bleibt sie verborgen. Darum wird sie verborgene Liebe genannt.
Und sie gelangt auf der Ebene „mit all deiner Kraft“ (bechol me’odecha) usw. zur Offenbarung. (Siehe Tanya, Ende von Kapitel 43; siehe auch Kapitel 19.)
Wenn sie offenbart wird, zeigt sie sich als Liebe „mit all deiner Kraft“ (me’od, „sehr viel“), als maßlose Liebe. Der Alter Rebbe verweist den Leser auf Tanya, Kapitel 43 und 19, wo diese Formen der Liebe erörtert werden.
Der Absatz erklärt, warum ahavah rabbah [große Liebe] verborgen ist: Sie entspringt dem Wesen G‑ttes, zu dem die Welten keinerlei Beziehung haben; daher kann die Seele sie nicht fassen. Offenbart wird sie nur als grenzenlose Liebe, „mit all deiner Kraft“.
Tanya, Kapitel 43, beschreibt ahavah rabbah [große Liebe] als Liebe im Entzücken, die von oben als Geschenk kommt, und ahavas olam [ewige Liebe] als Liebe, die aus dem Verständnis der Größe G‑ttes hervorgeht, insofern Er alle Welten erfüllt und umfasst. Kapitel 19 beschreibt die verborgene Liebe der G‑ttlichen Seele (Nefesh Elokis), die ihrer Natur nach danach verlangt, in ihrer Quelle aufzugehen – wie eine Flamme, die nach oben gezogen wird.
Marei Mekomos
- 1ואני ה׳ לא שניתי · Malachi 3:6
- 2בכל מאדך · Deuteronomy 6:5
- 3בתניא ס״פ מ״ג . . י״ט · ראה לקו״ת במדבר ט, ד. בתו״א דפוס א׳ נדפס ההגהה באותיות רגילות. בבוך 414. 633 ליתא ההגהה.
- 4
11והנה ההפרש1 שבין אה״ע [אהבת עולם] לאה״ר [לאהבה רבה] הוא כי אה״ע [אהבת עולם] הבאה מחמת התבוננות ועומק מחשבתו יש לה הפסק שאם לבבו פונה לדברים אחרים וטרוד במחשבתו בעסקי עולם אזי חולפת ועוברת ממנו כו׳
Nun besteht der Unterschied zwischen ahavas olam [Weltliebe] und ahavah rabbah [große Liebe] darin: ahavas olam, die aus Betrachtung und der Tiefe des eigenen Denkens hervorgeht, kann unterbrochen werden. Denn wenn sich sein Herz anderen Dingen zuwendet und seine Gedanken von weltlichen Angelegenheiten in Anspruch genommen sind, dann schwindet sie und verlässt ihn usw.
Ahavas olam hängt von der Betrachtung ab und währt daher nur, solange der Mensch sich damit befasst. Wenn er sich anderen Dingen zuwendet und in weltliche Geschäfte vertieft ist, schwindet diese Liebe.
משא״כ האה״ר [האהבה רבה] שבשרש נפשו ממקור חוצבה2 אין לה הפסק3 שגם אם לבבו פונה לדברים אחרים הרי אין בזה לעומת זה45 להיות לעומת האהבה הזאת להטרידה ולהפסיקה.
Anders verhält es sich mit der ahavah rabbah, die in der Wurzel seiner Seele liegt, aus der Quelle, aus der sie gehauen wurde: Sie kann nicht unterbrochen werden. Denn selbst wenn sich sein Herz anderen Dingen zuwendet, gibt es hier kein „Eines dem anderen gegenüber“, [nichts], das dieser Liebe gegenüberstehen könnte, um sie zu stören und zu unterbrechen.
Ahavah rabbah, die in der Quelle der Seele wurzelt, wird niemals unterbrochen. Jeder Ebene der Heiligkeit entspricht ein Gegenstück, „eines dem anderen gegenüber“; doch diese Liebe hat kein Gegenstück, sodass nichts sich ihr entgegenstellen könnte, um sie zu stören oder zu unterbrechen.
Der Absatz beschreibt den praktischen Unterschied: Ahavas olam kann durch Ablenkung unterbrochen werden, während ahavah rabbah, da ihr kein Gegenstück gegenübersteht, nicht unterbrochen werden kann.
Die Kehot-Anmerkung erklärt, dass es sich hier um die Liebe der yechidah [Einheit] der Seele, ihrer innersten Ebene, handelt. Sie zitiert den Kommentar des Tzemach Tzedek in Likkutei Torah (Ki Seitzei), demzufolge der yechidah nichts gegenübersteht.
Marei Mekomos
- 1והנה ההפרש · באוה״ת פנחס ע׳ א׳קנז מביא קטע מכאן, ומהביאור דלקמן. בלקו״ת במדבר ט, ד. בלק סח, ב מציין לכאן. וראה בהנסמן לעיל מז, א.
- 2ממקור חוצבה · באוה״ת שם נוסף ”כי חלק ה׳ ממש עמו ואני ה׳ לא שניתי כתיב כו׳” לכן.
- 3שאה״ר אין לה הפסק · בסה״מ תרמ״א ע׳ קלג: בתו״א ד״ה חכלילי כ׳ שאה״ר אין לה הפסק, ובד״ה ועשית ציץ [=פג, ג] שאה״ר יש לה הפסק אחר התפילה, אך אהבה רבה זו שהיא אהבה בתענוגים שאפ״ל שהכהן יכול להמשיך זה מחמת שזהו כנהא ברעו״ד כמ״ש רבינו ז״ל, אך ע״י הציץ שעשה משה י״ל שודאי נמשך כי משה גם מדחה בחי׳ הלעו״ז דעמלק, וע״י שהי׳ נושא תמיד הציץ בודאי לא היה הפסק, ע״כ.
- 4אין בזה לעומת זה · הכוונה לאהבה דבחי׳ יחידה, הגהת כ״ק אדמו״ר הצ״צ לקו״ת תצא לז, ג. וראה בספר הערכים-חב״ד כרך א׳ ערך אהבה מסותרת במילואים הערה 380 מהביאור באוה״ת דברים ע׳ לג.
- 5לעומת זה · Ecclesiastes 7:14
Deshalb bleibt diese Liebe in Form eines zurückgebliebenen Eindrucks (Reshimu) bestehen, sodass ihre Erinnerung fest im Herzen verankert ist, „für immer und ewig nicht zu wanken“.
Da ihr nichts entgegensteht, bleibt diese Liebe als ein zurückgebliebener Eindruck (Reshimu) in der Seele bestehen; ihre Erinnerung ist fest im Herzen verankert und wird niemals ausgelöscht: „für immer und ewig nicht zu wanken“. Sie ist stets da, auch wenn sie verborgen ist.
אך כיצד תהיה אה״ר [אהבה רבה] זו בבחי׳ גילוי שיעלה ויגיע למדרגת בכל מאדך2 ע״ז אמרו נכנס יין יצא סוד3 היא התורה שנק׳ בשם יין.4
Doch wie kann diese Ahavah Rabbah [große Liebe] offenbart werden, sodass sie aufsteigt und die Ebene von „mit deiner ganzen Kraft“ erreicht? Dazu sagten sie: „Wein geht hinein, ein Geheimnis kommt heraus“: [der Wein] ist die Torah, die mit dem Namen „Wein“ bezeichnet wird.
Die Frage ist, wie diese verborgene Liebe offenbart werden kann, sodass sie die Ebene von „mit deiner ganzen Kraft“ erreicht. Die Antwort führt zurück zum einleitenden Ausspruch: „Wein geht hinein, ein Geheimnis kommt heraus“, wobei der Wein die Torah ist.
Die Passage hält fest, dass Ahavah Rabbah in der Seele stets als Eindruck verbleibt, und fragt, wie sie offenbart werden kann. Sie antwortet, dass der „Wein“ der Torah dieses „Geheimnis“ hervorbringt.
Marei Mekomos
- 1בל תמוט עולם ועד · Psalms 104:5
- 2בכל מאדך · Deuteronomy 6:5
- 3נכנס יין יצא סוד · Eruvin 65a:19–20
- 4כיצד תהי׳ אה״ר זו · ראה לקו״ת שה״ש ד״ה צאינה וראינה (השני).
Der Wein der Torah offenbart das Geheimnis ¶13–14
13וכמארז״ל [וכמאמר רבותינו זכרונם לברכה] ערבים עלי ד״ס1 יותר מיינה של תורה כי על האהבה נאמר וירא אלקים את האור כי טוב2 ואמרו רז״ל [רבותינו זכרונם לברכה] כי טוב לגנוז בתורה.34
Wie unsere seligen Weisen sagten: „Die Worte der Schriftgelehrten sind mir angenehmer als der Wein der Torah.“ Denn über die Liebe heißt es: „Und G‑tt sah, dass das Licht gut war.“ Und unsere seligen Weisen sagten: „gut“ – um es in der Torah zu verbergen.
Die Weisen nennen die Torah „Wein“, wie in ihrer Aussage, dass die Worte der Schriftgelehrten mir lieber seien als der Wein der Torah. Das Licht, das G‑tt als „gut“ ansah, wird mit der Liebe gleichgesetzt; und die Weisen sagen, es sei in der Torah verborgen worden. So birgt die Torah das verborgene Licht der Liebe.
וכשנכנס יינה ש״ת [של תורה] יצא סוד הוא אור האהבה הגנוז מההעלם אל הגילוי להיות אצלו גילוי האה״ר [האהבה רבה] המושרשת בשרש נפשו במקור חוצבה בבחי׳ בכל מאדך
Wenn der Wein der Torah eintritt, kommt das Geheimnis – das verborgene Licht der Liebe – aus der Verhüllung in die Offenbarung. So wird in ihm die ahavah rabbah [große Liebe] offenbar, die in der Wurzel seiner Seele verwurzelt ist, in der Quelle, aus der sie gehauen wurde, auf der Ebene von „mit deiner ganzen Macht“.
Wenn der Wein der Torah in einen Menschen eintritt, tritt das verborgene Licht der Liebe in die Offenbarung. Die in seiner Seele verwurzelte ahavah rabbah wird offenbar als Liebe „mit deiner ganzen Macht“.
וע״ז נא׳ [נאמר] פותח את ידיך.5 יודי״ך הן הם בחי׳ הצמצומים רבים ועצומים מאא״ס [מאור אין סוף] ב״ה להיות השתלשלות המדרגות מעילה לעלול כו׳.6
Darauf bezieht sich die Aussage: „Du öffnest Deine Hand (yadecha).“ „Yudecha“ („Deine Jods“): Dies sind die Ebenen der Einschränkungen (Tzimtzumim), zahlreich und gewaltig, vom unendlichen Licht (Or Ein Sof), gesegnet sei Er, damit die stufenweise Herabfolge der Ebenen (Hishtalshelus) – von Ursache zu Wirkung usw. – zustande kommt.
Der Vers „Du öffnest Deine Hand“ spielt darauf an: Sein Wort yadecha, „Deine Hand“, wird als yudecha, „Deine Jods“, gelesen. Der kleine Buchstabe Jod steht für die Einschränkung (Tzimtzum): die vielen großen Einschränkungen des unendlichen Lichts, die eine Herabfolge von Ebenen, von Ursache zu Wirkung, ermöglichen.
Der Abschnitt erklärt, dass die verborgene Liebe das in der Torah verborgene Licht ist, das offenbar wird, wenn der „Wein“ der Torah in die Seele eintritt. Dann beginnt er, „Du öffnest Deine Hand“ als Öffnung der g‑ttlichen Einschränkungen zu lesen.
Die Weisen lehren, dass das Licht des ersten Tages für die Gerechten verborgen wurde. Likkutei Torah, wie in der Kehot-Anmerkung angeführt, sagt, dass es in der Torah verborgen wurde und manchmal über die Seele eines Menschen hinaus aufsteigt, manchmal aber in sie hinabsteigt. Der Abschluss des Biur [der Erläuterung] zu diesem Maamar in Torah Ohr kehrt zu den „Jods“ von „Du öffnest Deine Hand“ zurück.
Marei Mekomos
- 1כמארז״ל ערבים עלי ד״ס · נסמן לקמן נב, ד.
- 2וירא אלקים את האור כי טוב · Genesis 1:4
- 3כי טוב לגנוז בתורה · Chagigah 12a:10–11
- 4לגנוז בתורה · Zohar, Terumah 37:415–38:424
- 5פותח את ידיך · Psalms 145:16
- 6שו״ה יין — על האהבה · בבוך 414: על אור האהבה.
14ומקור התהוות העולמות מאין ליש מרצה״ע [מרצון העליון] ב״ה וע״י התורה שהיא חכמתו ורצונו ית׳ פותח את היודי״ן והצמצומים להיות גילוי1 רצה״ע [רצון העליון] ב״ה.
Und die Quelle für das Hervorgehen der Welten aus dem Nichts zu einem Sein stammt vom höchsten Willen, gelobt sei Er. Und durch die Torah, die Seine Weisheit und Sein Wille ist, gelobt sei Er, [öffnet Er] die Yuds [Jod-Buchstaben] und die Einschränkungen (Tzimtzumim), damit der höchste Wille, gelobt sei Er, offenbar werde.
Die Schöpfung aus dem Nichts hat ihre Quelle im höchsten Willen G‑ttes, der hinter den Einschränkungen verborgen ist. Die Torah ist G‑ttes Weisheit und Sein Wille und „öffnet“ diese Yuds, sodass Sein Wille offenbar wird.
ומשביע לכל חי2 דהיינו בכל חיות ואור המתפשט בעולמות מריש כל דרגין כו׳. להיות בהם בחי׳ רצון שיהי׳ [שיהיה] שורה ומתגלה בהם בחי׳ רצה״ע [רצון העליון] ב״ה ונמשך לנפש האדם ג״כ שיהי׳ [שיהיה] מתגלה בו רצה״ע [רצון העליון] שבנפשו
„Und sättigt jedes Lebewesen“: Das heißt, in der gesamten Lebenskraft und im Licht, das sich durch die Welten ausbreitet, vom Haupt aller Stufen an abwärts usw., soll die Ebene des Willens vorhanden sein – damit die Ebene des höchsten Willens, gelobt sei Er, in ihnen ruhe und offenbar werde. Auch zur Seele des Menschen wird dies herabgezogen, sodass der höchste Wille in seiner Seele in ihm offenbar wird.
Der Vers fährt fort: „und sättigt jedes Lebewesen mit Willen“. Das bedeutet, dass G‑ttes Wille in der gesamten Lebenskraft und im Licht der Welten, von der höchsten Stufe an abwärts, ruhen und offenbar werden soll; und auch im Menschen soll der höchste Wille, der in seiner eigenen Seele vorhanden ist, offenbar werden.
דהיינו האה״ר [האהבה רבה] המושרשת בשרש נפשו למעלה מכדי שתוכל הנפש שאת מאחר שהרצ״ע [שהרצון העליון] בא אצלו לידי גילוי למטה בלבושי הנפש דבור ומעשה ע״י דבור בת״ת [בתלמוד תורה] ומעשה המצות ולכן אמרו רז״ל [רבותינו זכרונם לברכה] ששואלים את האדם קבעת עתים לתורה.34
Das heißt, die Ahavah Rabbah [große Liebe], die in der Wurzel seiner Seele verwurzelt ist und über das hinausgeht, was die Seele zu tragen vermag; denn der höchste Wille ist in ihm unten in den Gewändern der Seele, dem Sprechen und dem Handeln, offenbar geworden – durch das Sprechen beim Torastudium und durch die Ausführung der mitzvos. Deshalb sagten unsere Weisen, ihr Andenken zum Segen, dass man einen Menschen fragt: „Hast du feste Zeiten für das Torastudium festgelegt?“
Der Wille in der Seele ist die Ahavah Rabbah, die in ihrer Wurzel verwurzelt ist und über das hinausgeht, was die Seele fassen kann. Sie wird offenbar, wenn der höchste Wille in den äußeren Gewändern der Seele, dem Sprechen und dem Handeln, manifest wird – indem man Worte der Torah spricht und mitzvos ausführt. Deshalb wird ein Mensch bei seinem Gericht gefragt, ob er feste Zeiten für das Torastudium festgelegt hat.
שעי״ז יעורר את האהבה מלמעלה בשרש נפשו שאינה מתלבשת בשום כלי המעלים ומסתיר שאין כמוה ולא דוגמתה בזלעו״ז [בזה לעומת זה] הנ״ל ואין לה הפסק שאפי׳ [שאפילו] בעסקו בשאר ענינים תהיה אהבה זו תקועה בלבו.
Dadurch wird er die Liebe von oben in der Wurzel seiner Seele erwecken, die in kein Gefäß gekleidet ist, das sie verdeckt und verbirgt. Auf der oben erwähnten Gegenseite gibt es nichts, das ihr gleicht oder ihr ähnelt. Und sie wird nicht unterbrochen, sodass diese Liebe selbst dann, wenn er mit anderen Dingen beschäftigt ist, fest in seinem Herzen verankert bleibt.
Festgelegte Zeiten für das Torastudium erwecken die Liebe von oben in der Wurzel der Seele – eine Liebe, die in kein verhüllendes Gefäß gekleidet ist und auf der Gegenseite keine Entsprechung hat. Sie wird daher nicht unterbrochen: Selbst wenn der Mensch mit anderen Dingen beschäftigt ist, bleibt diese Liebe fest in seinem Herzen verankert.
ומזה יבא לידי ודברת בם56 כו׳ (וע׳ באגה״ק [באגרת הקודש] ד״ה איתא רפ״ד דמגלה7 ודאשתמש בתגא כו׳ במי ששונה הלכות8 כו׳ יעו״ש [יעויין שם]):
Und daraus wird er zu „und du sollst von ihnen sprechen“ usw. gelangen. (Siehe Iggeres HaKodesh, den Abschnitt, der mit den Worten beginnt: „Es heißt am Anfang des vierten Kapitels von Megillah: ‚Und wer sich der Krone bedient‘ usw.“ – über denjenigen, der Halachos [halachische Bestimmungen] lernt usw.; siehe dort.)
Daraus gelangt er zu „und du sollst von ihnen sprechen“: Er spricht zu jeder Zeit Worte der Torah. Der Alter Rebbe verweist auf den Brief in Iggeres HaKodesh, der mit der talmudischen Lehre über „wer sich der Krone bedient“ beginnt und dies als denjenigen erklärt, der sich eines Menschen bedient, der Halachos lernt.
Der Abschnitt erklärt, dass die Torah, G‑ttes Wille, die Einschränkungen öffnet, sodass durch Torastudium und mitzvos der höchste Wille in der Seele offenbar wird: die Ahavah Rabbah, die niemals unterbrochen wird.
Die Anmerkung von Kehot zitiert eine Zusammenfassung, die Or HaTorah hier ergänzt: Die Ahavah Rabbah ist die Sehnsucht der Seele nach ihrer Quelle, dem Unendlichen (Ein Sof) selbst, der über allen Welten steht. Sie ist dem Wesen G‑ttes entnommen und nicht der Selbstaufhebung der Welten; deshalb wird sie Ahavah Rabbah genannt. Das beantwortet die eingangs gestellte Frage, warum die verborgene Liebe „groß“ genannt wird.
Marei Mekomos
- 1שו״ה פותח — להיות גילוי · בבוך 414: להיות המשכת גילוי.
- 2ומשביע לכל חי · Psalms 145:16
- 3ששואלים את האדם קבעת עתים לתורה · Shabbat 30a
- 4קבעת עתים לתורה · Shabbat 31a:11
- 5לידי ודברת בם · באוה״ת ויחי שם נוסף קיצור: (נת׳ ענין אה״ר שהיא אהבה המסותרת ומושרשת בנפשו מצד מקור חוצבה כי חלק ה׳ עמו ולזאת תכסוף למקורה שהוא א״ס ב״ה עצמו שאינו בגדר עלמין כלל, ונמצא אהבה זו נלקח׳ מצד עצמות אא״ס ולא מצד ביטול העלמין ולכן נק׳ אה״ר שאינה מתיישבת בלב ואין לה לעומת זה ויציאתה לא הגלוי הוא ע״י עסק התורה שהיא רצון העליון ועי״ז מתגלה אה״ר זו שהיא בחי׳ רצה״ע שבנפשו). ע״כ.
- 6ודברת בם · Deuteronomy 6:7
- 7וע׳ באגה״ק ד״ה איתא רפ״ד דמגלה · סי׳ כט. וכן בכמה מקומות מציין הצ״צ כן לד״ה זה, ולא מסמן לד״ה אחעט״ב.
- 8
Rot der Augen: Liebe in Entzückungen ¶15–17
Damit wird der Vers „Rot der Augen vom Wein“ verständlich. „Augen“ ist [wie] in dem geschriebenen Wortlaut „Meine Augen sind stets auf Havayah gerichtet“ zu verstehen; „siehe, das Auge Havayahs ist auf diejenigen gerichtet, die Ihn fürchten“.
Nun lässt sich der Vers erklären. „Augen“ erinnert an „Meine Augen sind stets auf Havayah gerichtet“ und „das Auge Havayahs ist auf diejenigen gerichtet, die Ihn fürchten“: ein gegenseitiger Blick zwischen einem Menschen und G‑tt.
והוא בחי׳ לאסתכלא ביקרא דמלכא3 דהיינו שיאיר בלבו אור האהבה לה׳ בבחי׳ ראיה היא בחי׳ אהבה בתענוגים שהיא מדרגה העולה על כולנה למעלה מאה״ר [מאהבה רבה] ואה״ע [ואהבת עולם]
Dies ist die Ebene des „Schauens auf die Herrlichkeit des Königs“: Das Licht der Liebe zu G‑tt leuchtet in seinem Herzen in der Weise des Sehens auf. Dies ist die Ebene der Liebe im Entzücken – eine Ebene, die alle anderen überragt, über Ahavah Rabbah [große Liebe] und Ahavas Olam [ewige Liebe] hinaus.
Dieses Schauen ist das „Schauen auf die Herrlichkeit des Königs“: Das Licht der Liebe zu G‑tt leuchtet im Herzen wie das Sehen auf, und dies wird Liebe im Entzücken genannt. Sie ist höher als sowohl Ahavah Rabbah als auch Ahavas Olam.
(וצ״ע [וצריך עיון] בתניא פמ״ג4 משמע דאה״ר [דאהבה רבה] היא אהבה בתענוגים. וצ״ל שיש ב׳ בחינות אה״ר [אהבה רבה] הא׳ האהבה הנז׳ [הנזכר] בתניא פי״ט כשבאה לידי גילוי כשאינה בבחינת גילוי התענוג.
(Dies bedarf einer Prüfung im Licht von Tanya, Kapitel 43, wo es scheint, dass Ahavah Rabbah Liebe im Entzücken ist. Man muss sagen, dass es zwei Ebenen von Ahavah Rabbah gibt. Die erste ist die in Tanya, Kapitel 19, erwähnte Liebe, wenn sie offenbar wird, ohne sich auf der Ebene eines offenbaren Entzückens zu befinden.
In einer Anmerkung in Klammern wirft der Alter Rebbe eine Schwierigkeit auf: Tanya, Kapitel 43, setzt Ahavah Rabbah mit Liebe im Entzücken gleich, während die Liebe im Entzücken hier über ihr steht. Er löst dies, indem er zwei Ebenen von Ahavah Rabbah unterscheidet; die erste ist die verborgene Liebe, die in Tanya, Kapitel 19, beschrieben wird, wenn sie offenbar wird, jedoch ohne offenbares Entzücken.
וגדולה ממנה היא אה״ר [אהבה רבה] בתענוגים. ועיין במ״א ע״פ אחותי רעיתי יונתי5 כו׳. שם נתבאר אחותי היא מצד אהבה טבעית ויונתי היא אהבה בתענוגים)
Noch größer als sie ist Ahavah Rabbah im Entzücken. Siehe an anderer Stelle zur Auslegung von „Meine Schwester, meine Geliebte, meine Taube“ usw.; dort wird erklärt, dass „Meine Schwester“ der natürlichen Liebe entspringt und „Meine Taube“ die Liebe im Entzücken ist.)
Die höhere Ebene ist Ahavah Rabbah im Entzücken, also die Liebe im Entzücken. Er verweist auf seine anderweitige Erklärung von „Meine Schwester, meine Geliebte, meine Taube“: „Schwester“ bezeichnet die natürliche Liebe, „Taube“ die Liebe im Entzücken.
וכענין שכתוב עיניך יונים6 כמו זוג יונים שמסתכלים תמיד זע״ז [זה עם זה / זה על זה] ומתענגים כו׳. כך יהיה קשר האהבה בדביקות נפלא ועצום עד שיהיו עיניו ולבו כל הימים רק לאסתכלא ביקרא דמלכא. וכמ״ש בזהר7 ע״פ הסבי עיניך8 כו׳ דמוקדין ליה בשלהובין דרחימותא.
Wie es heißt: „Deine Augen sind Tauben“ – wie ein Taubenpaar, das einander ständig anschaut und sich daran erfreut usw. So soll die Liebesbindung in wunderbarer und mächtiger Verbundenheit sein, bis seine Augen und sein Herz alle Tage nur darauf gerichtet sind, „auf die Herrlichkeit des Königs zu schauen“. Wie im Zohar zur Auslegung von „Wende deine Augen ab“ usw. steht: „Sie entfachen Ihn mit Flammen der Liebe.“
Der Haupttext fährt mit „Deine Augen sind Tauben“ fort: Wie Tauben einander ständig anschauen und sich daran erfreuen, soll die Liebesbindung eines Menschen an G‑tt so stark sein, dass seine Augen und sein Herz stets darauf gerichtet sind, die Herrlichkeit des Königs zu schauen. Der Zohar beschreibt zur Auslegung von „Wende deine Augen ab“ Augen, die G‑tt mit Flammen der Liebe entfachen.
שתהא האהבה מתלהבת ומתלהטת בלב איש להתענג על ה׳ מרוב כל עד שאין כח בנפשו להגביל את האהבה בלב רק בבחינת ראיה מבחוץ (ועיין במ״א ע״פ עיניך יונים9 וע״פ הראיני את מראיך):1011
Das heißt, dass die Liebe im Herzen eines Menschen entflammt und auflodert, sodass er sich an G‑tt mehr als an allem [anderen] erfreut, bis seine Seele keine Kraft hat, die Liebe im Herzen zu fassen, außer in der Weise eines Sehens von außen. (Siehe an anderer Stelle zur Auslegung von „Deine Augen sind Tauben“ und „Lass mich dein Aussehen sehen“.)
Die Liebe brennt so stark, während sich der Mensch an G‑tt mehr als an allem anderen erfreut, dass die Seele keine Kraft hat, sie im Herzen zu halten; sie nimmt sie nur wie ein Sehen wahr, das etwas erfasst, was außerhalb ihrer selbst bleibt. Der Alter Rebbe verweist auf seine anderweitigen Erklärungen von „Deine Augen sind Tauben“ und „Lass mich dein Aussehen sehen“.
Der Absatz deutet die „Augen“ des Verses als Liebe im Entzücken, als das Schauen auf die Herrlichkeit des Königs. Diese Liebe überragt sowohl Ahavas Olam als auch Ahavah Rabbah, denn sie ist zu groß, um im Herzen gehalten zu werden.
Die Kehot-Anmerkung vermerkt, dass Or HaTorah dieselbe Schwierigkeit in Bezug auf Tanya, Kapitel 43, aufwirft. Torah Chaim versteht die Worte des Zohar „Wende deine Augen ab“ so, dass G‑tt der Seele antwortet, die in Flammen der Liebe aufsteigen möchte: Sein wahrer Wille ist eine Wohnstätte in den unteren Welten durch Torah und mitzvos, nicht das Aufgehen der Seele im Höheren.
Marei Mekomos
- 1עיני תמיד אל ה׳ · Psalms 25:15
- 2הנה עין ה׳ אל יראיו · Psalms 33:18
- 3לאסתכלא ביקרא דמלכא · Zohar II, 47b
- 4וצ״ע בתניא פמ״ג · ראה אוה״ת ויחי כרך ב שסח, ב. שלכאורה המבואר בתו״א כאן דאהבה בתענוגים היא למעלה מאה״ר, סותר למ״ש בתניא פ׳ מג שאה״ר היא אהבה בתענוגים ע״ש. וראה יהל אור ע׳ תיח.
- 5אחותי רעיתי יונתי · Song of Songs 5:2
- 6עיניך יונים · Song of Songs 1:15
- 7וכמ״ש בזהר · Zohar III, 84a
- 8הסבי עיניך · Song of Songs 6:5
- 9במ״א ע״פ עיניך יונים · ראה לקו״ת שה״ש יד, ב.
- 10וע״פ הראיני את מראיך · אולי הכוונה להנדפס במאמרי אדה״ז כתובים כרך ב ע׳ קכ.
- 11הראיני את מראיך · Song of Songs 2:14
16וזהו ענין חכלילי עינים. פירוש אדמומית העינים1 שאודם העינים הוא מחמת תוקף רשפי אש2 דמוקדין ליה בשלהוביתא כו׳.
Dies ist die Bedeutung von „rotäugig“: die Röte der Augen; denn die Röte der Augen entsteht durch die Heftigkeit der „Feuerfunken“, die Ihn mit Flammen entfachen usw.
Das ist die „Röte der Augen“ im Vers: Augen, die durch die Heftigkeit der „Feuerfunken“ der Liebe gerötet sind, die, wie es im Zohar heißt, G‑tt entfachen. Das Rot des Wortes chachlili ist der Widerschein dieser Liebe in den Wonnen.
Und dies ist die Ebene der besonderen Vorzüglichkeit und des Ranges des Shabbos: „Dann wirst du dich an Havayah erfreuen“ usw., „und du sollst den Shabbos eine Wonne nennen.“ Doch „wer sich am Vorabend des Shabbos abgemüht hat“ usw.
Die Liebe in Wonnen gehört zum Shabbos, von dem Jesaja sagt: „Dann wirst du dich an Havayah erfreuen“ und „du sollst den Shabbos eine Wonne nennen.“ Doch wie die Weisen sagen: „Wer sich am Vorabend des Shabbos abgemüht hat, wird am Shabbos essen“: Die Wonne muss zuvor vorbereitet werden.
ולכן צריך כל ימות החול ליגע את נפשו. לעורר את האה״ר [האהבה רבה] ואה״ע [ואהבת עולם]. וע״י זה יגיע לבחינת האהבה בתענוגים המתגלית בשבת.
Daher muss man sich an allen Wochentagen mit seiner Seele abmühen, um Ahavah Rabbah [große Liebe] und Ahavas Olam [ewige Liebe] zu erwecken. Dadurch gelangt man zur Ebene der Liebe in Wonnen, die am Shabbos offenbar wird.
Daher muss sich der Mensch an den Wochentagen mit seiner Seele abmühen, um Ahavah Rabbah und Ahavas Olam zu erwecken. Diese Anstrengung führt ihn am Shabbos zu der Liebe in Wonnen, die dann offenbar wird.
Der Absatz identifiziert die „Röte der Augen“ mit der Liebe in Wonnen, der Liebe, die am Shabbos offenbar wird und die der Mensch sich durch seine Mühe in den beiden Arten der Liebe während der Woche erwirbt.
Eine Anmerkung von Kehot zitiert Or HaTorah, wo im Namen des Maggid angeführt wird, dass es zwei Arten von Röte gibt: Die eine ist die Selbstbegrenzung (Gevurah), die andere kommt vom Wein und ist Freude. Die Röte des Verses kommt „vom Wein“: Sie ist die Röte der Freude und der Liebe.
Marei Mekomos
- 1פירוש אדמומית העינים · באוה״ת כאן שסט, א מביא בשם המגיד נ״ע כי יש ב׳ מיני אדמומית א׳ הוא גבורה והב׳ הוא מיין שהוא שמחה. מובא באוה״ת נ״ך ע׳ שי.
- 2רשפי אש · Song of Songs 8:6
- 3אז תתענג כו׳ וקראת לשבת עונג · Isaiah 58:14
- 4וקראת לשבת ענג · Isaiah 58:13
- 5מי שטרח בע״ש · Avodah Zarah 3a:10
Nun kommt all dies von der Ebene und Rangstufe des Weines: vom Wein der Tora. Und dies ist „chachlili“: „Jeder Gaumen (chech), der kostet, sagt: ‚Für mich, für mich‘ (li li).“
All dies kommt vom Wein, dem Wein der Tora. Der Talmud liest „chachlili“ als „chech li li“: „Jeder Gaumen, der kostet, sagt: ‚Für mich, für mich.‘“
לפי שיתגלה בחי׳ חיך הטועם את היין דהיינו בחי׳ חכמה וטעמי מצות שהם בחי׳ תענוג העליון.
Denn die Ebene des Gaumens, der den Wein kostet, wird offenbart werden; das ist die Ebene der Weisheit (Chochmah) und der Gründe (Te'amim, wörtlich „Geschmäcker“) der mitzvos, die die Ebene des höchsten Entzückens sind.
Der Gaumen, der den Wein kostet, ist Chochmah und sind die Gründe der mitzvos (Te'amim, was auch „Geschmäcker“ bedeutet) – das höchste Entzücken. Wenn diese offenbart werden, kostet ein Mensch die Süße der Weisheit G‑ttes.
וע״י כן נתעלה בעילוי אחר עילוי2 לי לי עד רום המעלות (פי׳ חיך הטועם זהו בחי׳ אהבה בתענוגים המתגלה בשבת שהוא בחי׳ שם ע״ב [שם ע״ב] דחכמה
Und dadurch wird er erhoben, Aufstieg um Aufstieg, „für mich, für mich“, bis zu den höchsten Höhen. (Das heißt: „Der Gaumen, der kostet“ ist die Ebene der Liebe in der Wonne, die am Schabbat offenbart wird; sie ist die Ebene des Namens Av (72) der Chochmah;
Durch diesen Geschmack steigt er auf, Aufstieg um Aufstieg, und sagt: „Für mich, für mich“, bis zu den höchsten Höhen. In einer Klammerbemerkung identifiziert der Alter Rebbe den kostenden Gaumen mit der Liebe in der Wonne, die am Schabbat offenbart wird: der Ebene des Namens Av (der ausgeschriebenen Form von Havayah, deren Zahlenwert 72 ist), die zu Chochmah gehört.
ואזי אומר לי לי ב״פ [ב׳ פעמים] דהיינו שנכללו בו ב׳ אהבות הנ״ל אה״ר [אהבה רבה] ואה״ע [ואהבת עולם] שהם מ״ה [שם מ״ה] וב״ן [ושם ב״ן] דמ״ה [דשם מ״ה] מברר ב״ן [שם ב״ן] וע״י יחוד מ״ה [שם מ״ה] וב״ן [ושם ב״ן] מתגלה בשבת בחי׳ הגבוה משניהם והוא בחי׳ שם ע״ב [שם ע״ב] אהבה בתענוגים):34
und dann sagt er zweimal „für mich, für mich“; das heißt, die beiden zuvor erwähnten Lieben, Ahavah Rabbah (große Liebe) und Ahavas Olam (ewige Liebe), sind in ihr eingeschlossen. Diese sind Mah (45) und Ban (52), denn Mah läutert Ban; und durch die Vereinigung von Mah und Ban wird am Schabbat die Ebene offenbart, die höher ist als beide: die Ebene des Namens Av – die Liebe in der Wonne.)
Das doppelte „für mich, für mich“ steht für die beiden Lieben, die in der Liebe in der Wonne enthalten sind: Ahavah Rabbah entspricht dem Namen Mah (45), und Ahavas Olam dem Namen Ban (52). Mah läutert Ban, und durch ihre Vereinigung wird am Schabbat die höhere Ebene von Av offenbart: die Liebe in der Wonne.
Der Absatz führt die Liebe in der Wonne auf den Wein der Tora und den Geschmack der Chochmah zurück. „Für mich, für mich“ deutet er als die beiden Lieben, die gemeinsam zu der höheren, am Schabbat offenbarten Liebe aufsteigen.
Der Biur (erklärende Kommentar) zu diesem Maamar in Torah Ohr, auf den die Kehot-Anmerkung verweist, erklärt das doppelte „li li“ als zwei Aufstiege: Ahavah Rabbah und Ahavas Olam (Mah und Ban) steigen zum Namen Av auf, wo Atik und Arich, die innere und äußere Ebene der Krone (Keser), offenbart werden. Die vier ausgeschriebenen Formen von Havayah, Av, Sag, Mah und Ban, entsprechen Chochmah, dem Verständnis (Binah), der Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) und der Königsherrschaft (Malchus).
Marei Mekomos
- 1כל חיך הטועם אומר לי לי · Ketubot 111b:17
- 2שיתגלה בחי׳ חיך . . בעילוי אחר עילוי עד רום המעלות · נעתק באוה״ת פ׳ ויחי שעה, א. ומשם נראה שכאן הלשון מתוקן או הוספה ע״י הצ״צ. אבל נמצא בבוך 633 כמו שנדפס כאן.
- 3המוסגר · (פי׳ חיך . . בתענוגים): ליתא בבוך 414. 633. בבוך 414 אחר תי׳ המעלות נוסף: עד אין קץ. באוה״ת ויחי שם בסוף העמוד: אחותי רעייתי, לק״א פמ״ג. (נת׳ פי׳ חכלילי עינים הוא תוקף האהבה בבחי׳ לאסתכלא ביקרא דמלכא בבחי׳ תענוג עצום, והכל בא ע׳י יינה של תורה כנ״ל שנכנס יין יצא סוד, ואהבה זו שבתענוגים גדולה מאה״ר ואה״ע הנ״ל וזהו חך הטועם מתיקות ותענוג הנ״ל אומר לי לי שנכללי׳ בו ב׳ אהבות דלעיל אה״ע ואה״ר וזהו בשבת אז תתענג על ה׳).
- 4
Weiß der Zähne von Milch ¶18–21
18ולבן שינים מחלב.1 פירוש כי שינים הם הטוחנות את המאכל להיות מתעכל במעיו שעי״ז יהי׳ [יהיה] מזון לגוף
„Und weiß sind die Zähne von Milch.“ Das bedeutet: Die Zähne zermahlen die Speise, damit sie in seinen Eingeweiden verdaut wird und dadurch zur Nahrung für den Körper wird.
Die zweite Hälfte des Verses, „Und weiß sind die Zähne von Milch“, beginnt damit, zu zeigen, was die Zähne bewirken. Die Zähne zermahlen die Speise, damit sie verdaut wird und den Körper nähren kann.
משא״כ כשלא ילעוס ויטחון המאכל בשיניו לא יבא לידי עכול כלל ולא יהיה לו למזון ולשובע.
Wenn er die Speise hingegen nicht kaut und mit seinen Zähnen zermahlt, wird sie überhaupt nicht verdaut und wird ihm weder zur Nahrung noch zur Sättigung dienen.
Speise, die ohne Kauen geschluckt wird, wird nicht verdaut und spendet weder Nahrung noch Sättigung. Der nächste Absatz wendet dies auf den G‑ttesdienst an.
Der Absatz führt das Bild der Zähne ein: Die Speise muss zermahlen werden, bevor sie Nahrung spenden kann.
Marei Mekomos
- 1ולבן שינים מחלב · Genesis 49:12
19וכך עד״מ כדי שיהי׳ [שיהיה] מזון לרמ״ח אברין דמלכא שתהא נפשו מרכבה אליהם שיתאחד ממש עם הנפש צ״ל בבחי׳ שינים הטוחנות ומפררות
So ist es auch, als Gleichnis: Damit Nahrung für die „248 Glieder des Königs“ vorhanden sei, damit seine Seele ihnen als Wagen diene und die Nahrung sich tatsächlich mit der Seele vereine, muss es die Ebene der Zähne geben, die mahlen und zerstoßen.
Die 248 positiven mitzvos werden „die 248 Glieder des Königs“ genannt. Damit der Dienst eines Menschen ihnen wirklich Nahrung gibt, sodass seine Seele zu einem „Wagen“ für sie wird und ganz mit ihnen vereint ist, bedarf es des geistigen Gegenstücks zu Zähnen, die Dinge zermahlen und zerkleinern.
דהיינו לפרר ולברר כל מעשיו ודבוריו ומחשבותיו1 ולדקדק ולפשפש בהן ולהיות ממארי דחושבנא לשקול כל דרכיו ולפלס מעגלותיו.
Das heißt, all seine Taten, Worte und Gedanken zu zerkleinern und zu sichten, sie genau zu prüfen und zu untersuchen und zu den „Meistern der Rechenschaft“ zu gehören, alle seine Wege abzuwägen und seine Pfade auszumessen.
Die „Zähne“ stehen für die Selbstprüfung: all seine Taten, Worte und Gedanken zu zerkleinern und zu sichten, sie genau zu prüfen und zu untersuchen und zu den „Meistern der Rechenschaft“ zu gehören, die alle ihre Wege abwägen und ihre Pfade ausmessen.
Der Absatz wendet das Gleichnis an: Damit der G‑ttesdienst eines Menschen seiner Seele Nahrung gibt, muss er ihn durch sorgfältige Selbstprüfung gleichsam „kauen“.
Marei Mekomos
- 1שו״ה שינים — מעשיו ודבוריו ומחשבותיו · בבוך 633: מעשיו ומחשבותיו.
20ונק׳ בלשון הגמ׳ [הגמרא] מדקדק במעשיו שעי״כ [שעל ידי כך] יהיה בבחי׳ עכול בנפש שהטוב יקבל למזון ולשובע והפסולת המעורב תערובת זר ופסולת ידחה לחוץ.
In der Sprache der Gemara heißt dies „genau auf seine Taten achten“. Dadurch kommt es in der Seele zu einer Art Verdauung: Das Gute nimmt sie als Nahrung und zur Sättigung auf, und das darin Vermischte – eine fremde Beimischung und Abfall – stößt sie nach außen.
Die Gemara nennt einen solchen Menschen „genau auf seine Taten achtend“. Durch diese Prüfung wird sein Dienst in der Seele „verdaut“: Das Gute wird als Nahrung aufgenommen, und die darin vermischte fremde Beimischung wird wie Abfall nach außen gestoßen.
וכן בענין בירורי המדות אוי״ר [אהבה ויראה] כל חד לפום מאי דמשער בלבי׳12 ושוקל במאזני שכלו כיצד היא האהבה האמיתית לה׳.
Ebenso verhält es sich bei der Verfeinerung der Gefühlsattribute (Middos), der Liebe und Ehrfurcht: „Jeder nach dem, was er in seinem Herzen bemisst“ – er wägt mit dem Maßstab seines Verstandes ab, worin die wahre Liebe zu G‑tt besteht.
Dasselbe gilt für die Verfeinerung der eigenen Liebe und Ehrfurcht. Jeder wägt „nach dem, was er in seinem Herzen bemisst“ mit seinem Verstand ab, worin die wahre Liebe zu G‑tt besteht.
Der Absatz beschreibt die „Verdauung“ der Selbstprüfung: Gutes wird vom Abfall in den eigenen Taten getrennt, und die Liebe und Ehrfurcht vor G‑tt werden verfeinert.
Die Formulierung des Sohar „Jeder nach dem, was er in seinem Herzen bemisst“ stammt aus seiner Erklärung zu „Ihr Mann ist an den Toren bekannt“; Likkutei Torah zu Bamidbar, zitiert in der Kehot-Anmerkung, erläutert, dass jeder G‑tt gemäß der Tiefe seiner Betrachtung und dem, was sein Herz zu fassen vermag, erkennt.
Marei Mekomos
- 1כל חד לפום מאי דמשער בלבי׳ · Zohar I, 129b
- 2כל חד לפום מאי דמשער בלבי׳ · Zohar, Vayera 9:153–164
21וכיצד היא בחי׳ אתהפכא חשוכא כו׳ באמת לאמתו להיות מייגע א״ע [את עצמו] ביגיעת הנפש לבא למדרגה זו שיהיה נקבע בלבו באמת לאמתו בלי דמיונות כו׳
Und [er erwägt], was die Ebene des „Verwandelns der Dunkelheit [in Licht]“ usw. in absoluter Wahrheit ist: sich mit der Mühe der Seele abzumühen, um zu dieser Ebene zu gelangen, sodass sie in seinem Herzen in absoluter Wahrheit fest verankert ist, ohne Einbildungen usw.
Er muss auch erwägen, was es wirklich bedeutet, „Dunkelheit in Licht zu verwandeln“, und sich mit seiner Seele abmühen, um diese Ebene zu erreichen. Die Veränderung muss in Wahrheit in seinem Herzen fest verankert sein, nicht bloß Einbildung.
וכיוצא בזה כמה דרכים הידועים למבקשי ה׳ יבינו כל1 מאליהם שצריך לדקדק ולפשפש כו׳2 ולהיות מייגע עצמו3 כו׳.
Und es gibt viele ähnliche Wege, die denen bekannt sind, die Havayah suchen und „alles von selbst verstehen“ werden: dass man sorgfältig prüfen und untersuchen usw. und sich abmühen usw. muss.
Es gibt viele solcher Wege, die denen vertraut sind, die G‑tt suchen; sie werden sie von selbst erkennen. Alle erfordern sorgfältiges Prüfen, Selbstprüfung und Mühe; dies ist die Arbeit der „Zähne“.
אך אח״כ יגיע לבחי׳ ומדרגת החלב.
Doch danach wird er die Ebene und den Rang der Milch erreichen.
Auf die Mühe der „Zähne“ folgt die Ebene der Milch.
כמו שהחלב עד״מ מגדל את הולד להיות אבריו נגדלים. כך בחי׳ החלב של תורה מגדל את מדותיו אהוי״ר [אהבה ויראה] כו׳ להיות לו אוי״ר [אהבה ויראה] היותר גדולים בגדלות המוחין
So wie Milch, analog gesprochen, das Kleinkind wachsen lässt, sodass seine Glieder wachsen, so lässt die Ebene der Milch der Tora seine Gefühlsattribute (Middos), seine Liebe und Ehrfurcht usw., wachsen, sodass er die größtmögliche Liebe und Ehrfurcht besitzt, bei gereiftem Intellekt (Gadlus HaMochin).
So wie Milch ein Kleinkind wachsen lässt und seine Glieder sich entwickeln, lässt die „Milch“ der Tora die Gefühle eines Menschen, seine Liebe und Ehrfurcht vor G‑tt, wachsen, bis sie von höchster Art sind und aus einem gereiften, erweiterten Intellekt (Gadlus HaMochin) hervorgehen.
(שהאברים הם המדות ועיקרם הם חג״ת [חסד גבורה תפארת] נה״י [נצח הוד יסוד] ובחי׳ חב״ד [חכמה בינה ודעת] שבתוכן המקיימות אותן וכל א׳ מג׳ מיני בחינות אלו כלולה מכל הנ״ל הרי פ״א. וכל בחי׳ נחלקת לג׳ בחי׳ ראש תוך סוף הרי רמ״ג. ושרשם ה״ח [ה׳ חסדים] המגדילים הרי רמ״ח).4
(Denn die Glieder sind die Gefühlsattribute; hauptsächlich sind es Chesed (Güte), Gevurah (Selbstbegrenzung), Tiferes (Schönheit), Netzach (Sieg / Beständigkeit), Hod (Pracht) und Yesod (Fundament), sowie die Ebenen von Chochmah (Weisheit), Binah (Verständnis) und Daas (Wissen) in ihnen, die sie erhalten. Jede dieser drei Arten von Ebenen umfasst alles zuvor Genannte; das ergibt 81. Jede Ebene teilt sich in drei Ebenen: Kopf, Mitte und Ende; das ergibt 243. Ihre Wurzel sind die fünf Chasadim (Gütekräfte), die Wachstum bewirken; das ergibt 248.)
Eine Klammerbemerkung erklärt, warum die Emotionen Glieder genannt werden, und gelangt so zu den 248 Gliedern des Körpers. Die sechs g‑ttlichen Attribute (Sefiros) des Gefühlsbereichs bilden zusammen mit Chochmah, Binah und Daas in ihnen neun; jede umfasst wiederum alle neun (81). Jede hat einen Kopf, eine Mitte und ein Ende (243); ihre Wurzel, die fünf Chasadim, die Wachstum bewirken, vervollständigt die Zahl 248.
וזהו רוחצות בחלב56 כו׳ שהחלב מרחיץ המדות ונהפכין ממהות למהות להיות נהפך לבו ונעשה כאיש אחר לגמרי בשינוי המדות כולן שוין לטובה.
Dies ist „mit Milch gewaschen“ usw.: Die Milch wäscht die Gefühlsattribute, und sie werden von einem Wesen in ein anderes verwandelt, sodass sein Herz verwandelt wird und er zu einem völlig anderen Menschen wird, wobei sich all seine Attribute gleichermaßen zum Guten verändern.
Dies ist das Bild aus dem Hohelied, in dem die Augen „mit Milch gewaschen“ sind: Die Milch der Tora wäscht die Gefühle, sodass sie ihrem Wesen nach verwandelt werden. Das Herz des Menschen verändert sich, und er wird wie ein anderer Mensch, wobei all seine Eigenschaften zum Guten gewendet werden.
ומזה יומשך להיות לבן שינים שיהיה בהם בחי׳ לבנונית ובהירות בבירורי המדות בעילוי אחר עילוי עד רום המעלות7 בבחי׳ ראיה חושיית שלא ביגיעה יגיעת הנפש ויגיעת בשר רק מיד יגיע אליו כו׳.
Daraus folgt dann „weiß der Zähne“: In ihnen wird sich die Qualität des Weißen und Hellen bei der Verfeinerung der Attribute zeigen, Aufstieg um Aufstieg, bis zu den höchsten Höhen, in Gestalt sinnlicher Wahrnehmung – nicht durch Mühe, weder durch Mühe der Seele noch durch Mühe des Körpers; vielmehr wird es ihn sogleich erreichen usw.
Daraus folgt „weiß der Zähne“: Die Verfeinerung seiner Gefühle wird klar und hell und steigt immer höher. Er muss sich nicht länger abmühen und plagen, um die Wahrheit zu sehen; sie erreicht ihn sogleich, so klar wie das körperliche Sehen.
וזה חכלילי כו׳ מיין כו׳ מחלב כו׳ ובחי׳ יין וחלב נעשה הכל בחי׳ חכלילי לי לי עד רום המעלות:8
Und dies ist „rot“ usw., „vom Wein“ usw., „von der Milch“ usw.: Die Ebenen von Wein und Milch werden alle zur Stufe Chachlili – „für mich, für mich“ – bis zu den höchsten Höhen.
So fügen sich die Versabschnitte zusammen: Die roten Augen vom Wein und die weißen Zähne von der Milch werden alle zu Chachlili, „für mich, für mich“, und steigen bis zu den höchsten Höhen.
Der Absatz führt den Vergleich zu Ende: Nach der Mühe der Selbstprüfung lässt die „Milch“ der Tora Liebe und Ehrfurcht wachsen und verwandelt das Herz, bis die Verfeinerung ohne Mühe erfolgt; Wein und Milch führen beide zum Aufstieg des „für mich, für mich“.
Eine Anmerkung von Kehot zitiert Or HaTorah, das die 32 Zähne mit den 32 Pfaden der Weisheit verbindet, die aus Chochmah gezogen werden, um die eigenen Taten zu verfeinern, und mit den Kundschaftern, die Yehoshua und Moshe aussandten: Yehoshuas Kundschafter stehen für die Abrechnung von Gedanken, Sprache und Handlung; Moshes Kundschafter für die Verfeinerung der Gefühle selbst. Likkutei Torah zu Va’eschanan verweist auf die Erklärung dieses Maamars zu „mit Milch gewaschen“.
Marei Mekomos
- 1למבקשי ה׳ יבינו כל · Proverbs 28:5
- 2שצריך לדקדק ולפשפש כו׳ · בבוך 633 נוסף: ”וכ״ז הוא בחי׳ שינים, אך כ״ז הוא עדיין בחי׳ קטנות השכל מאחר שצריך לדקדק ולהיות מייגע עצמו כו׳”. ואולי זה השמטת הדפוס במילים הדומות.
- 3ולהיות מייגע עצמו · באוה״ת ויחי שם נוסף: וע״ל בביאור ע״פ אסרי לגפן דענין ל״ב שיניים הם ל״ב נתיבות שנמשכים מהחכמה לברר מעשיו כו׳ וע׳ במ״א בענין מרגלים ששלח יהושע וששלח משה שהוא בעבודה קרוב לענין זה כי מרגלי׳ דיהושע לרגל יריחו הוא בחי׳ מארי דחושבנא במודו״מ שמהם נעשו לבושי׳ לנפש הנק׳ יריחו, ודמשה היינו לברר המדות עצמן, וה״ע בחי׳ שיניים שמבררי׳ וטוחני׳ המודו״מ והמדות כו׳). ע״כ.
- 4(שהאברים . . הרי רמ״ח) · מוסגר זה ליתא בבוך 633.
- 5רוחצות בחלב · בלקו״ת ואתחנן ד, ג מציין לכאן.
- 6רוחצות בחלב · Song of Songs 5:12
- 7עד רום המעלות · באוה״ת ויחי שם: (נת׳ ענין שיניים שטוחנות ומבררות המודו״מ שלו לשקול דרכיו ולפלס מעגלותיו וכן בבירורי המדות אהוי״ר שתהי׳ האהבה אמיתי׳ כו׳ לייגע א״ע כו׳. והחלב של תורה מגדיל המדות שיהיו בגדלות המוחין ומזה יומשך ליבון השיניים שיהי׳ בהם בהירות בבירורי המדות בעילוי אחר עילוי שלא ביגיעה כו׳). קיצור. יש בחי׳ אה״ע ואה״ר, אה״ע היא האהבה הנלקח׳ מהתבוננות בביטול העולמות לגבי הבורא ית׳ שחיותן וקיומן רק מבחי׳ שם כבוד מלכותו וכו׳ ויומשך מזה שיעקור רצונו מהבלי עולם ולא יהי׳ לו רצון בלתי לה׳ לבדו. ואה״ר היא המוסתרת ומושרשת בנפשו מצד כי היא חלק אלוה ממעל והיא נלקחת מצד עצמות אור א״ס ב״ה שאין העלמין ערוך אליו כלל ואין שייך אפי׳ כטפה מהים כו׳ ולפיכך אין לאהבה זו בחי׳ לעומת זה כלל כי לא נמצא דוגמתה בעניני עוה״ז. והנה יציאתה אל הגילוי הוא ע״י שנכנס יינה של תורה בנפש שעי״ז יצא סוד שהיא אה״ר לגילוי לפי שהתורה היא בחי׳ גילוי רצה״ע וכתי׳ פותח את ידיך ומשביע לכל חי רצון וגילוי רצה״ע שבנפש הוא האה״ר הנ״ל. וזהו חכלילי עיניים הוא תוקף האהבה בתענוגים בחי׳ עיני תמיד אל ה׳ לאסתכלא ביקרא דמלכא והיא למעלה גם מאה״ר הנ״ל ובחי׳ זו מתגלה בשבת וקראת לשבת עונג וזהו ענין גילוי חך הטועם את היין הנ״ל שאור לי לי שנכללי׳ בזה אה״ר ואה״ע. ולבן שיניים היינו הטוחנות ומפררות המודו״מ שלו לשקול דרכיו כו׳ וכן בירורי המדות כו׳ הוא מחלב שמגדיל האיברים וכך חלב התורה מגדיל אהוי״ר ומזה יומשך ליבון השיניים שיהי׳ הבירור בהמדות בעילוי אחר עילוי שיהי׳ בהם לבנוני׳ ובהירות. ע״כ.
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Den Maamar abgeschlossen?
Markieren Sie ihn als gelernt; er zählt zum Siyum dieser Woche und des Jahres.
In der eigenen Avodah
Lege feste Zeiten für das Torahlernen fest, damit ihr Wein die verborgene Liebe deiner Seele hervorbringt und sie dir auch bei deinen sonstigen Beschäftigungen bewahrt. Bemühe dich während der Woche in der Betrachtung und prüfe deine Taten, Worte, Gedanken und Gefühle ehrlich, damit deine Liebe zu G‑tt wahrhaftig und nicht eingebildet ist; dadurch verdienst du das Entzücken des Schabbos, und die Milch der Torah lässt dann deine Liebe und Ehrfurcht wachsen, bis die Veränderung in deinem Herzen klar und ohne Anstrengung eintritt.
Fragen zum Gespräch
- Warum kann Ahavas olam dem Maamar zufolge durch weltliche Beschäftigungen unterbrochen werden, Ahavah rabbah hingegen nicht?
- Wie veranschaulicht das Bild eines Tropfens und des Ozeans, warum die Seele Ahavah rabbah nicht fassen kann?
- Was bedeutet es, dass die Torah „die Yuds öffnet“, und wie offenbart dies die in der Seele verborgene Liebe?
- Warum wird die Liebe in Entzückungen mit dem Schabbos verbunden, und was hat die Mühe der Woche damit zu tun?
- Worin besteht der Unterschied zwischen der Arbeit der „Zähne“ und der Wirkung der „Milch“, wenn es darum geht, Liebe und Ehrfurcht zu läutern?