Torah Ohr · Parshas Noach · Maamar 1
מים רבים לא יוכלו לכבות את האהבה ונהרות…
Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen
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Kerngedanke
Die Belastungen des Broterwerbs, die „vielen Wasser“, können die angeborene Liebe der Seele zu G‑tt nicht auslöschen. Im Gegenteil: Wenn sich ein Mensch, der den ganzen Tag in sie eingetaucht war, im Gebet G‑tt zuwendet, heben sie die Seele zu einer grenzenlosen Liebe empor, die höher ist, als sie sie kannte, bevor sie in die Welt kam.
Der Maamar in Kürze
Der Alter Rebbe deutet die „vielen Wasser“ im Hohelied als die Sorgen und die Geschäftigkeit des Broterwerbs. Sie können die verborgene Liebe der G‑ttlichen Seele (Nefesh Elokis) nicht auslöschen, jene Flamme, die von Natur aus zu ihrer Quelle emporstrebt; sie können sie sogar höher heben, als sie vor ihrem Abstieg stand. Jesaja nennt sie „die Wasser Noachs“, und Noach bedeutet Ruhe. Die Flut kam nicht nur, um zu zerstören, sondern auch, um die Erde zu reinigen, wie eine Mikveh [ein rituelles Tauchbad]; ebenso reinigt die Knechtschaft des Broterwerbs, die begann, als der übernatürliche Segen des Tempels aufhörte, die Seele, wie es Gehinnom [der Läuterungsort] tut. Wenn ein Mensch aus einem Tag materieller „Finsternis“ hervortritt und im Gebet bedenkt, dass die gesamte Schöpfung nur eine Ausstrahlung G‑ttes ist, wird er zu der Liebe „mit all deiner Kraft“ entflammt, die keine Grenze kennt. Denn diese Liebe schöpft aus der tierischen Seele (Nefesh Habahamis), deren Wurzel in Tohu höher ist als die der G‑ttlichen Seele. So wird die Teivah [Arche und Wort], also die Worte des Gebets, von den Wassern emporgehoben, und Geschäftsleute können tiefer beten als Gelehrte. Dies ist der untere Shabbos; in der Zukunft wird der höhere Shabbos eine noch größere Liebe von oben offenbaren.
Gliederung
- Die Liebe, die die Wasser nicht auslöschen könnenDie „vielen Wasser“ sind die Beschäftigungen des Broterwerbs; sie können die angeborene Liebe der G‑ttlichen Seele nicht auslöschen, und durch sie kann die Seele höher aufsteigen als vor ihrem Abstieg.¶1–2
- Die Wasser NoachsNoach bedeutet Ruhe; die Flut reinigte die Erde wie eine Mikveh, und die Knechtschaft des Broterwerbs reinigt die Seele, wie es Gehinnom tut, und hebt sie zur höchsten Ebene empor.¶3
- Worin die Knechtschaft bestehtNicht Fremdherrschaft oder Steuern, sondern die Sorge um den Broterwerb – eine Sorge, die man nicht kannte, solange der übernatürliche Segen des Tempels floss.¶4
- Licht aus der FinsternisDie Betrachtung im Gebet nach einem Tag voller Geschäfte entzündet die grenzenlose Liebe „mit all deiner Kraft“. Sie ist nur durch die tierische Seele möglich, deren Wurzel in den gefallenen Königen von Tohu höher liegt als die der G‑ttlichen Seele.¶5–7
- Die Arche des GebetsAus den Wassern wird die Teivah, die Arche und das Wort, erbaut: die Worte des Gebets, die von den Wassern emporgehoben werden. Geschäftsleute können mehr beten als Gelehrte.¶8–10
- Der untere ShabbosWie die Welten am Shabbos nach den sechs Arbeitstagen aufsteigen, steigt die Arbeit des Tages im Gebet empor – eine Ausstrahlung des Shabbos innerhalb der Woche.¶11
- Der höhere ShabbosIn der Zukunft, am „Tag, der ganz Shabbos ist“, wird eine große Liebe von oben, die erhabene Güte (Chesed), offenbart werden – noch höher als die Liebe, die aus den Wassern hervorgeht.¶12
Schlüsselbegriffe
- viele Wasserמים רבים
- Die Beschäftigungen und Sorgen des Broterwerbs sowie die Gedanken an weltliche Angelegenheiten, die das Bewusstsein eines Menschen für G‑tt zu überfluten drohen.
- verborgene Liebeאהבה מסותרת
- Die Liebe zu G‑tt, die von Natur aus in jeder jüdischen Seele vorhanden ist, selbst wenn sie nicht empfunden wird; wie eine Flamme strebt sie nach oben zu ihrer Quelle.
- Ruhe des Geistes (Naycha d’Rucha)נייחא דרוחא
- Die Bedeutung des Namens Noach: die Zufriedenheit und der Aufstieg, die auf die Arbeit folgen und die innere Eigenschaft des Shabbos bilden.
- Knechtschaftשעבוד
- In diesem Maamar bezeichnet der Begriff die Last und Sorge um den Broterwerb im Exil, die die Seele reinigt, so wie die Flut die Erde reinigte.
- der Vorzug des Lichts aus der Finsternisיתרון האור מן החשך
- Das größere Licht, das entsteht, wenn die Finsternis bezwungen (Iskafya) und verwandelt wird (Is’hapcha Chashocha) – mehr als das Licht, das nie auf Finsternis getroffen ist.
- mit all deiner Kraftבכל מאדך
- Die höchste, grenzenlose Liebe zu G‑tt, die aus dem Kampf mit ihrem Gegenteil, der tierischen Seele, hervorgeht.
- die tierische Seeleנפש הבהמית
- Die Seele, die den Körper und seine Triebe belebt; ihre letztendliche Wurzel in den gefallenen Königen von Tohu ist höher als die der G‑ttlichen Seele. Deshalb führt die Auseinandersetzung mit ihr zu einer höheren Liebe.
- die Arche / das Wortתיבה
- Teivah bedeutet sowohl Noachs Arche als auch ein Wort; die Arche sind die Worte des Gebets, die von den Wassern des Tages emporgehoben werden.
- unterer und höherer Shabbosשבת תתאה ושבת עילאה
- Der untere Shabbos ist die Ruhe nach der Mühsal, die in jeder Woche und in jedem Gebet gegenwärtig ist; der höhere Shabbos ist die messianische Zukunft, in der eine Liebe von oben offenbart wird.
Die Liebe, die die Wasser nicht auslöschen können ¶1–2
„Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen, und Ströme sie nicht fortspülen; gäbe ein Mann den ganzen Reichtum seines Hauses für Liebe hin, so würde man ihn völlig verachten.“
Der Maamar beginnt mit einem Vers aus dem Hohelied, den Chassidus als ein Liebeslied zwischen G‑tt und dem jüdischen Volk deutet. Seine Aussage ist, dass keine Flut von Wasser, wie gewaltig sie auch sein mag, diese Liebe auslöschen kann; der weitere Maamar erklärt, was mit den „Wassern“ gemeint ist und weshalb sie die Liebe nicht ersticken können.
הנה מים רבים הם כל טרדות הפרנסה3 והמחשבות שבעניני עוה״ז4 כו׳ ועכ״ז [ועם כל זה] לא יוכלו לכבות את האהבה
Nun sind die „vielen Wasser“ all die Sorgen um den Lebensunterhalt und die Gedanken an die Angelegenheiten dieser Welt usw.; und dennoch können sie „die Liebe nicht auslöschen“ –
Der Alter Rebbe identifiziert die „vielen Wasser“ mit dem gewöhnlichen Arbeitsalltag: dem ständigen Druck, den Lebensunterhalt zu verdienen, und dem Strom der Gedanken an weltliche Angelegenheiten. Diese können das Bewusstsein eines Menschen für G‑tt überlagern, aber seine Liebe zu Ihm tatsächlich nicht auslöschen.
שהוא בחי׳ האהבה המוסתרת שיש בכל נפש מישראל5 בטבע מבחי׳ נפש האלקי׳ שטבעה לעלות וליכלל תמיד למעלה כשלהבת העולה מאליה
die die Ebene der verborgenen Liebe ist, die von Natur aus in jeder Seele Israels vorhanden ist und aus der Ebene der G‑ttlichen Seele stammt, deren Natur es ist, stets nach oben aufzusteigen und sich dort einzugliedern, wie eine Flamme, die von selbst aufsteigt,
Die Liebe, die bestehen bleibt, ist die „verborgene Liebe“ (ahavah mesuteres [verborgene Liebe]), die jeder Jude von Natur aus besitzt, ob er sie nun empfindet oder nicht. Sie gehört zur G‑ttlichen Seele, die von Natur aus danach strebt, nach oben zurück zu ihrer Quelle zu gelangen, so wie eine Flamme ihrer eigenen Natur nach aufwärts strebt, ohne dass es einer Anstrengung bedarf.
כמ״ש לעיל מיניה רשפיה רשפי אש6 שלהבת יה שהוא בחי׳ שלהבת הבאה מלמעלה שהיא הנפש האלקית שקודם התלבשותה בגוף הגשמי היתה נהנית מזיו השכינה והיתה מיוחדת בתכלית היחוד בא״ס ב״ה.7
wie es unmittelbar zuvor heißt: „Ihre Funken sind Feuerfunken, eine Flamme G‑ttes“; dies ist die Ebene einer Flamme, die von oben kommt: die G‑ttliche Seele, die, bevor sie in den physischen Körper eingekleidet war, sich am Glanz der Shechinah erfreute und in absoluter Einheit mit dem Unendlichen (Ein Sof), gelobt sei Er, vereint war.
Der Vers unmittelbar vor den „vielen Wassern“ beschreibt diese Liebe als „Feuerfunken, eine Flamme G‑ttes“: als ein Feuer, dessen Ursprung g‑ttlich ist. Das ist die G‑ttliche Seele, die sich vor ihrem Eintritt in einen Körper am Glanz der G‑ttlichen Gegenwart (Shechinah) in den spirituellen Welten erfreute und völlig eins mit dem Unendlichen war; ihre Sehnsucht aufzusteigen ist die Erinnerung an diese Einheit.
Der Absatz führt den Vers des Maamars und seine erste Deutung an: Die „vielen Wasser“ sind die Ablenkungen durch den Lebensunterhalt, und die Liebe, die sie nicht auslöschen können, ist die der G‑ttlichen Seele innewohnende, verborgene Liebe zu G‑tt – eine Flamme, die ihrer Natur nach zu ihrer Quelle aufsteigt.
Die „verborgene Liebe“ ist Thema der Kapitel 18–19 des Tanya. Dort wird sie als ein Erbe der Stammväter beschrieben, das in jedem Juden verborgen ist und in der Weisheit (Chochmah) der Seele wurzelt; diese ist ihrerseits ein Gefäß für das unendliche Licht (Or Ein Sof). Das Bild der Flamme, die sich nach oben streckt, um ihren Docht zu verlassen, wird dort für den natürlichen Wunsch der Seele verwendet, sich vom Körper zu lösen und an G‑tt zu haften.
Marei Mekomos
- 1מים רבים · משנת תקס״ח. הנחת הר״פ בסה״מ הנחות הר״פ ע׳ סט בכותרת ”פ׳ נח שקלאב”. והביאור שם ע׳ נח. ראה ברשימת המאמרים דשנת תקס״ח במאמרי אדה״ז תקס״ח כרך ב ע׳ תתקכה הערה 2. הגהות וביאור באוה״ת בראשית כרך ג תרט, א (מלקו״ת לג״פ עם שינויים, ושם נדפס המאמר עם הגהות). ראה לעיל בציונים לכ״ק אדמו״ר זי״ע. לכללות מאמר זה ראה: ד״ה אלה תולדות נח — מאמרי אדה״א בראשית ע׳ ק. ד״ה מים רבים תשל״ח (נדפס בלקו״ש ח״כ ע׳ 276). ד״ה כה אמר ה׳ השמים כסאי תשמ״א. ראה גם ד״ה כי ידעתיו תשל״ו. בד״ה אשריכם ישראל תרל״ט ח״ב ע׳ תקכד נתבארו כמה ענינים מהמאמר. בבוך 1110 נמצא הגה״ה לתו״א שנכתב בגוכתי״ק כ״ק אדמו״ר הריי״צ זצקוללה״ה: ”בס״ד. יום ה׳ כ״ט תשרי תער״ג. תו״א פ׳ נח ד״ה מים רבים. מים רבים דטרדות הפרנסה אינם מכבים האהבה מסותרת, והמבול בא לטהר את הארץ והם טרדת הפרנסה שמשעבדי׳ את האדם, ועי״ז נעשה הנייחא, הוא העלי׳ וכמו טוב מאד הנה״ב ששרשו גבוה מהנה״א, ונעשה יתרון האור דטרדת הפרנסה מתעלי׳ ע״י התפלה, וגבהה עבוד׳ בעלי עסקים, חמש עשרה כו׳ גברו המים, ותרם התבה, דתיבת התפלה מתרוממים ע״י המים, הון ביתו הוא חכמת התו׳ וטעמי המצות בוז יבוזו לו, אבל עצם המצות מעשיות שהם פנימיות רצונו ית׳ דנעוץ תחלתן בסופן דוקא, ועקימת שפתיו הוי מעשה”. ע״כ.
- 2מים רבים · Song of Songs 8:7
- 3טרדות הפרנסה · וזהו דיוק הלשון ”טרדות הפרנסה” דהגם שהוא במצב שנמשך לו טרדות הפרנסה [שזה מראה אשר אינו מתבונן כדבעי אליבי׳ דנפשי׳ שברכת הוי׳ היא תעשיר (דרמ״צ ז, א ואילך, קונטרס ומעיין מכ״ה פ״ג, ד״ה וידעת תרנ״ז)] מ״מ, הנה גם הטרדות לא יוכלו לכבות ח״ו את האהבה המוסתרת שבכ״א מישראל — ד״ה מים רבים תשל״ח (נדפס בלקו״ש ח״כ ע׳ 276 ואילך). ראה תו״ח נח, ד ואילך. המשך מים רבים תרל״ו בתחלתו, ובפרק עה. במאמרי אדה״א בראשית ע׳ ק מאריך בזה שענין הכיבוי הוא כי הנשמה נק׳ אור שהוא בהתפעלות במוח או בלב כו׳, ועכשיו המים רבים מכבים דהיינו טרדת הפרנסה מכבים אור הנשמה שלא תתפעל לא במוח ולא בלב ואפי׳ בהתעוררו׳ תשובה וכמ״ש כי באו מים עד נפש ועד בכלל כו׳ ע״ש. ראה בשיחת ש״פ נח תשי״ג בסעי׳ יד (מהנחה בלתי מוגה) מבאר השייכות בין דאגות הפרנסה למבול ומקוה.
- 4שבעניני עוה״ז · בהנחת הר״פ מוסיף: ”והם בחי׳ שעבוד מלכיות”.
- 5האהבה המוסתרת שיש בכל נפש מישראל · Tanya, Likkutei Amarim 18:2–3
- 6רשפי׳ רשפי אש · Song of Songs 8:6
- 7שלהבת י-ה . . הבאה מלמעלה · ראה גם שהש״ר עה״פ (בסופו): שלהבת י-ה .ֿ. כאש של מעלה .ֿ. ולא המים מכבין לאש, וראה בפירוש מהרז״ו שם — לקו״ש ח״כ ע׳ 277 הערה 24. בענין אהבה מסותרת ראה בד״ה ועשית ציץ — תרנ״א ע׳ קמא.
2ולזאת גם אחר התלבשותה בגוף הגשמי לעסוק בענינים גשמיים שהן הנקראים מים רבים עכ״ז [עם כל זה] לא יוכלו לכבות1ה מלהיות תמיד בבחי׳ אהבה ותשוקה נפלאה לעלות וליכלל למעלה ואדרבה
Daher können die physischen Angelegenheiten – die „vielen Wasser“ genannt werden – die Seele, selbst nachdem sie in den physischen Körper eingekleidet wurde, um sich mit ihnen zu befassen, dennoch nicht daran hindern, ständig in einem Zustand der Liebe und einer wunderbaren Sehnsucht zu sein, aufzusteigen und sich oben einzugliedern. Im Gegenteil,
Weil die Liebe der Seele ihrem ureigenen Wesen entspricht, erlischt sie nicht, wenn die Seele in einen Körper eintritt und mit materiellen Dingen beschäftigt ist. Der Alter Rebbe nennt diese materiellen Beschäftigungen die „vielen Wasser“ und betont, dass sie die ständige Sehnsucht der Seele, aufzusteigen und in G‑tt aufzugehen, nicht auslöschen können.
ע״י התלבשותה במים רבים הנ״ל יכולה להגיע למדרגה היותר גבוה מקודם שירדה לעוה״ז2 כאשר יתבאר:
durch ihr Eingekleidetwerden in die oben erwähnten „vielen Wasser“ kann sie eine höhere Stufe erreichen als [die, auf der sie sich befand], bevor sie in diese Welt herabstieg, wie erklärt werden wird.
Dann folgt die kühne These des Maamar: Die Seele übersteht nicht nur ihr Eintauchen in weltliche Angelegenheiten; gerade durch dieses Eintauchen kann sie eine höhere Stufe erreichen als vor ihrem Herabkommen, selbst als sie noch im Glanz der G‑ttlichen Gegenwart weilte. Der weitere Verlauf des Maamar erklärt, wie.
Der Absatz macht aus dem Vers nicht nur eine Verteidigung, sondern ein Versprechen: Die weltlichen „vielen Wasser“ löschen die Liebe der Seele nicht nur nicht aus, sondern können sie auf eine höhere Stufe heben, als sie vor ihrem Herabkommen innehatte.
Dies ist die klassische chassidische Antwort auf die Frage, warum eine Seele in einen Körper herabsteigen muss: „Abstieg um des Aufstiegs willen“. Der Maamar wird den Gewinn in der Kraft der tierischen Seele (Nefesh Habahamis) und im Kampf mit der Dunkelheit verorten.
Marei Mekomos
- 1
- 2להגיע למדרגה היותר גבוה מקודם שירדה לעוה״ז · בהנחת הר״פ: להגיע למדריגה היותר גבוה כי מים רבים הנ״ל שהוא בחי׳ שעבוד מלכיות נק׳ מי נח.
Die Wasser Noachs ¶3
3והנה בחי׳ מים רבים1 הנ״ל נק׳ מי נח וכמ״ש (ישעי׳ [ישעיה] נד) אשר נשבעתי מעבור מי נח עוד על הארץ כן נשבעתי מקצף עליך2 ומגער בך (עיין בספר עיר גבורים)3 כי
Nun wird die oben erwähnte Ebene der „vielen Wasser“ „die Wasser Noachs“ genannt, wie geschrieben steht (Jesaja 54): „Wie Ich geschworen habe, dass die Wasser Noachs nicht mehr über die Erde kommen werden, so habe Ich geschworen, nicht zornig auf dich zu sein und dich nicht zu schelten“ (siehe das Buch Ir Gibborim). Denn
Jesaja vergleicht G‑ttes Versprechen, nie wieder zornig auf Israel zu sein, mit Seinem Eid nach der Flut, die „Wasser Noachs“ nie wieder über die Erde zu bringen. Der Alter Rebbe nimmt die Formulierung des Propheten „die Wasser Noachs“ als Bezeichnung für die „vielen Wasser“ des weltlichen Lebens und verweist den Leser auf Ir Gibborim, ein Werk des Verfassers des Kommentars Kli Yakar zur Tora.
הנה נח הוא נייחא דרוחא4 שהוא בחינת שביתה כאדם השובת ממלאכתו. וכמ״ש וישבת ביום השביעי56 ותרגומו ונח ביומא שביעאה7 כו׳.
Noach ist Naycha d’rucha [Ruhe des Geistes], die Ebene des Aufhörens, wie bei einem Menschen, der von seiner Arbeit ablässt. Wie geschrieben steht: „Und Er hörte am siebten Tag auf (vayishbos)“, und der Targum [gibt es wieder als]: „Und Er ruhte (venach) am siebten Tag“ usw.
Der Name Noach bedeutet Ruhe: Der Zohar deutet ihn als Naycha d’rucha, die gefestigte Zufriedenheit des Geistes, die eintritt, wenn die Arbeit beendet ist. Der Beweis dafür ist, dass die Tora sagt, G‑tt habe am siebten Tag „aufgehört“, und dass Onkelos’ aramäische Übersetzung dieses Wort mit dem Wortstamm von Noach wiedergibt: „ruhte“.
ומ״ש נח נח ב״פ [ב׳ פעמים]8 הם נייחא דעילאי9 ונייחא דתתאי שהוא בחי׳ שבת תתאה ושבת עילאה שיהיה לעתיד שנק׳ יום שכולו שבת10 משא״כ שבת תתאה אינו כולו שבת כאשר יתבאר.
Und das, was geschrieben steht: „Noach, Noach“ – zweimal –, bezeichnet die Ruhe der oberen und die Ruhe der unteren Wesen; dies ist die Ebene des unteren Schabbos und des höheren Schabbos, der in der Kommenden Zeit sein wird und „der Tag, der ganz Schabbos ist“ genannt wird. Im Gegensatz dazu ist der untere Schabbos nicht ganz Schabbos, wie noch erklärt werden wird.
Der Vers wiederholt den Namen „Noach, Noach“, und der Midrasch erklärt die Verdopplung als Ruhe für die höheren Wesen und für die niedrigeren Wesen. Der Alter Rebbe ordnet diese den beiden Arten von Schabbos zu: dem wöchentlichen „unteren Schabbos“, den wir heute kennen und der nicht vollständig Ruhe ist, und dem „höheren Schabbos“ der messianischen Zukunft, „dem Tag, der ganz Schabbos ist“. Beide werden später im Maamar erklärt.
כי הנה לכאורה אינו מובן ענין המבול שאם היה רק להעביר ולשחת האנשים החוטאים למה הוצרך לבחי׳ רעש גדול כזה הלא ברגע א׳ היה ביכול׳ [ביכולת] ה׳ להעבירם אף בלא המבול.
Denn zunächst ist die Sache der Flut nicht verständlich: Wenn es nur darum ging, die sündigen Menschen zu beseitigen und zu vernichten, warum bedurfte es einer so gewaltigen Erschütterung? Gewiss hätte G‑tt sie in einem einzigen Augenblick beseitigen können, sogar ohne die Flut.
Der Alter Rebbe fragt nun, warum G‑tt überhaupt eine Flut brachte. Wenn es nur darum gegangen wäre, die Frevler zu vernichten, hätte Er dies augenblicklich und ohne Aufsehen tun können; eine ein Jahr währende Wasserkatastrophe muss einem anderen Zweck gedient haben.
אך באמת היה המבול בא לטהר את הארץ11 שנאמר כי מלאה הארץ חמס12 ונתקלקלה מאד והיה נצרך לטהרה ולזאת בא המבול13 דוקא שהוא בחי׳ מים בכדי לטהר את הטמאים
Doch in Wahrheit kam die Flut, um die Erde zu reinigen, wie gesagt wird: „Denn die Erde ist voller Gewalttat“, und sie war sehr verdorben und musste gereinigt werden. Deshalb kam gerade die Flut, die der Ebene des Wassers entspricht, um die Unreinen zu reinigen,
Die Antwort, die aus dem Talmud stammt, lautet, dass die Flut kam, um die Erde selbst zu reinigen, die durch die auf ihr begangene Gewalttat verdorben worden war. Deshalb nahm die Strafe ausdrücklich die Form von Wasser an, denn Wasser dient nach der Tora-Rechtslehre als Mittel der Reinigung.
שהוא כדוגמת המקוה מ׳ סאה14 שהיא מטהרת את הטמא כמו כן היה המבול בא בכדי לטהר את כל הארץ
wie eine Mikwe mit vierzig Se’ah, die den Unreinen reinigt; ebenso kam die Flut, um die ganze Erde zu reinigen,
Das Vorbild ist die Mikwe, das rituelle Tauchbad, das mindestens vierzig Se’ah [Volumenmaßeinheiten] Wasser enthalten muss, um einen Menschen oder ein Gefäß zu reinigen. Die Flut war gewissermaßen eine Mikwe für die ganze Erde.
וכמ״ש (יחזקאל לו) וזרקתי עליכם מים טהורים וטהרתם15 כו׳ ולזאת נקראים מי נח שנעשה מזה נייחא דרוחא כו׳.
wie geschrieben steht (Ezechiel 36): „Und Ich werde reines Wasser über euch sprengen, und ihr werdet rein werden“ usw. Deshalb werden sie „die Wasser Noachs“ genannt, denn daraus entstand Naycha d’rucha usw.
Ezechiels Verheißung, dass G‑tt „reines Wasser“ über Israel sprengen wird, zeigt, dass Wasser das Mittel geistiger Reinigung ist. Da die Wasser der Flut die Welt reinigten, bewirkten sie die „Ruhe des Geistes“, die der Name Noach bezeichnet; deshalb werden sie „die Wasser Noachs“ genannt.
והנה שעבוד הפרנסה נק׳ ג״כ מי נח וכמארז״ל [וכמאמר רבותינו זכרונם לברכה] שבחר לו16 אברהם אבינו שעבוד נגד גיהנם.
Nun wird auch die Knechtschaft, sich den Lebensunterhalt zu verdienen, „die Wasser Noachs“ genannt, wie unsere Weisen seligen Angedenkens sagten, dass Avraham, unser Vater, für sich Knechtschaft anstelle von Gehinnom wählte.
Nun wendet der Alter Rebbe dies auf das Arbeitsleben an: Auch die Knechtschaft, die mit dem Verdienen des Lebensunterhalts verbunden ist, heißt „die Wasser Noachs“. Der Midrasch berichtet, dass Avraham, als G‑tt ihm die Zukunft zeigte, für seine Nachkommen die Unterwerfung im Exil statt Gehinnom wählte, wo Seelen nach dem Tod geläutert werden. Der Alter Rebbe versteht diese Knechtschaft als die Last, den Lebensunterhalt zu verdienen, die ebenso wie Gehinnom reinigt.
שכמו שאי אפשר להנשמה לבא בג״ע [בגן עדן] ליהנות מזיו השכינה עד שתרד קודם לכן בגיהנם וכמו שאמרו גבי אחר מוטב דלידייני׳ וליתי לעלמא דאתי
Denn ebenso wie die Seele nicht in den Garten Eden eintreten kann, um sich am Glanz der G‑ttlichen Gegenwart (Shechinah) zu erfreuen, bevor sie nicht zuvor in Gehinnom (den Ort der Läuterung) hinabgestiegen ist – wie sie über Acher sagten: „Besser, er werde gerichtet und komme in die kommende Welt“ –
Er erklärt, weshalb eine solche Läuterung eine notwendige Stufe ist. Eine Seele kann nicht in den Garten Eden eintreten und sich an G‑ttes Glanz erfreuen, bevor sie die Läuterung in Gehinnom durchlaufen hat; daher sagt der Talmud über den Weisen Elisha ben Avuyah, der, nachdem er vom rechten Weg abgekommen war, Acher („der Andere“) genannt wurde, dass es besser sei, er werde gerichtet und geläutert, damit er in die kommende Welt eintreten könne.
וגם לטבול בנהר דינור כמ״ש במ״א.17 כמו״כ [כמו כן] ע״י שעבוד יכולים לעלו׳ למעלה מעלה למדרגה היותר גבוה.
und auch [für sie], in den Fluss des Feuers (Nehar Dinur) einzutauchen, wie an anderer Stelle erklärt wird; ebenso kann man durch Knechtschaft immer höher aufsteigen, bis zur höchsten Stufe.
Über Gehinnom hinaus muss eine Seele, die aus dem unteren Garten Eden zum höheren aufsteigt, in den „Fluss des Feuers“ eintauchen, um die geringere Freude zu vergessen, die sie zuvor kannte. Ebenso läutert die Knechtschaft des Broterwerbs, so schmerzhaft sie auch ist, die Seele und lässt sie bis zur allerhöchsten Stufe aufsteigen.
Der Absatz bezeichnet die „vielen Wasser“ als „die Wasser Noachs“, erklärt, dass Noach Ruhe bedeutet, und zeigt, dass die Flut der Reinigung diente. Ebenso reinigt die Knechtschaft, den Lebensunterhalt zu verdienen, die Seele, wie Gehinnom es tut, und hebt sie so empor.
Die beiden Arten der Ruhe entsprechen dem unteren und dem höheren Schabbos, die hier eingeführt und in den Schlussabschnitten entwickelt werden. Die Kehot-Anmerkung führt die Deutung des Zohar an, wonach „Er hörte auf“ das Fundament (Yesod) der Welt bezeichnet: die Vereinigung der Konfiguration der emotionalen Attribute (Zeir Anpin) und des weiblichen Gegenstücks (Nukva), die selbst die „Ruhe und das Entzücken“ des Schabbos ist. Der Vergleich der Flut mit einer Mikwe wird in Or HaTorah weiter ausgeführt, wo vermerkt wird, dass Midraschim die vierzig Tage der Flut mit vierzig Schlägen verbinden.
Marei Mekomos
- 1והנה בחי׳ מים רבים · מכאן מובא באוה״ת בראשית כרך ג תרכב, א.
- 2
- 3עיין בספר עיר גיבורים · מבעל המחבר כלי יקר עה״ת.
- 4נח הוא נייחא דרוחא · Zohar I, 60a
- 5וישבות ביום השביעי · Genesis 2:2
- 6וישבת ביום השביעי · Zohar, Bereshit 75:178–77:188
- 7ותרגומו ונח ביומא שביעאה · Onkelos Genesis 2:2
- 8נח נח ב״פ · Genesis 6:9
- 9נייחא דעילאי · Bereshit Rabbah 30:4
- 10יום שכולו שבת · Mishnah Tamid 7:4
- 11המבול בא לטהר את הארץ · Zevachim 113a:10–11
- 12כי מלאה הארץ חמס · Genesis 6:13
- 13והי׳ נצרך לטהרה ולזאת בא המבול · ראה במאמרי אדה״ז פרשיות ח״א ע׳ ס. אוה״ת במדבר ע׳ רס. ובמאמרי אדה״א בראשית ע׳ קא ”שכל הרע שבני אדם עושין ואפי׳ הרע של חיות ובהמות הכל הוא בארץ . . ובמבול נלקח הרע מן הארץ ע״י רחיצה במים”.
- 14כדוגמת המקוה מ׳ סאה · ראה אוה״ת בראשית ח״ג תרכד, א שצ״ע לפי המדרשים דהמבול כענין ארבעים יכנו, ומתרץ שאפשר לומר שזהו ע״ד מי יתן טהור מטמא, ע״ש. לקו״ש ח״א ע׳ 4.
- 15
- 16וכמארז״ל שבחר לו א״א שעבוד · Bereshit Rabbah 44:21
- 17וכמו שאמרו גבי אחר . . כמ״ש במ״א · Chagigah 15b:3–4
Worin die Knechtschaft besteht ¶4
4והנה שעבוד אין הפי׳ מה שיש עלינו עתה מלך ושנוטל מאתנו מס שגם בזמן בהמ״ק [בית המקדש] היה עלינו מלך ישראל והמס היה ביותר כידוע שחלק עשירי הוצרך כ״א [כל אחד / כל אחת] ליתן.1
Nun bedeutet „Knechtschaft“ nicht, dass jetzt ein König über uns herrscht und von uns Steuern erhebt; denn auch zur Zeit des Heiligen Tempels herrschte ein König von Israel über uns, und die Steuer war sogar höher, wie bekannt ist: Jeder Einzelne musste ein Zehntel geben.
Der Alter Rebbe präzisiert, was „Knechtschaft“ hier bedeutet. Gemeint sind weder politische Unterwerfung noch Besteuerung: Auch in der Zeit des Tempels hatte Israel einen König, der Steuern erhob, und zwar sogar in höherem Maße, indem er ein Zehntel nahm.
אלא הכוונה היא שבזמן שבהמ״ק [שבית המקדש] היה קיים היה נמשך ברכה והשפע׳ עצומה עד שא״י [שארץ ישראל] היתה ארץ זבת חלב ודבש2 כו׳
Vielmehr ist gemeint, dass, solange der Heilige Tempel bestand, Segen und ein gewaltiger Strom des Überflusses herabgezogen wurden, sodass das Land Israel „ein Land war, in dem Milch und Honig fließen“ usw.,
Der eigentliche Unterschied besteht darin, dass der Segen G‑ttes herabströmte, solange der Tempel bestand, und zwar in solchem Übermaß, dass das Land Israel buchstäblich „ein Land war, in dem Milch und Honig fließen“.
שלא ע״פ הטבע כלל כמ״ש3 בגמ׳ [בגמרא] סוף מסכת כתובות ולא היה כלל דאגות וטרדת הפרנסה.
gänzlich nicht auf natürliche Weise, wie in der Gemara am Ende des Traktats Kesubos gesagt wird; und es gab überhaupt keine Sorgen oder Beschäftigung mit dem Lebensunterhalt.
Dieser Überfluss war übernatürlich, wie der Talmud am Ende des Traktats Kesubos beschreibt, sodass die Menschen keine Sorge hatten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die „Knechtschaft“ des Exils besteht also in den Sorgen und Mühen des Broterwerbs, die einsetzten, als dieser offenbare Segen aufhörte.
Der Absatz definiert die „Knechtschaft“ des Exils nicht als Fremdherrschaft oder Besteuerung, sondern als Mühe und Sorge um den Lebensunterhalt. Diese gab es nicht, solange der Tempel bestand und der Segen offen herabströmte.
Eine Anmerkung von Kehot gibt die Präzisierung des Rebbe wieder: Die Knechtschaft besteht in der Beschäftigung selbst, wenn ein Mensch den Verstand, den G‑tt ihm gegeben hat – die „Wasser“ –, für seinen Lebensunterhalt einsetzt, bis er ganz davon in Anspruch genommen wird, und nicht in den materiellen Dingen an sich.
Marei Mekomos
- 1שעבוד אין הפי׳ . . כ״א ליתן · בד״ה כי ידעתיו תשל״ו מפרש ”אלא הכוונה היא על ענין הטרדה שבזה, מה שהאדם מוטרד בזה וכו׳, ולא על עצם הענינים הגשמיים, והטרדה הוא באופן שמשתמש בהשכל שנתן לו הקב״ה, בחי׳ מים, בעניני פרנסה, ועד שנעשה מוטרד בזה” (מהנחה בלתי מוגה). להעיר מאוה״ת פ׳ שמיני ע׳ תפה ”כי הנה אנו רואים שהשר הגשמי יותר יחפוץ וישתוקק בעול המסים בריבוי אחר ריבוי להכביד על ישראל כו׳ משא״כ בנכרי המתפרנס מקרקעו אינו חפץ כלל להגביר עליו כו׳”. וע״ש הטעם.
- 2
- 3שלא ע״פ הטבע כלל כמ״ש בגמרא סוף מס׳ כתובות · בהנחת הר״פ ליתא.
Licht aus der Finsternis ¶5–7
5ועתה יש לכאו״א [לכל אחד ואחד] יגיעות וטרדת הפרנסה לעסוק בעניני עוה״ז הגשמי והוא בחי׳ מים רבים הנ״ל שנק׳ מי נח
Nun hat jeder Einzelne Mühen und Sorgen um seinen Lebensunterhalt und ist mit den Angelegenheiten dieser physischen Welt beschäftigt; dies ist die oben erwähnte Ebene der „vielen Wasser“, die „Wasser Noachs“ genannt werden,
Der Alter Rebbe wendet sich wieder der Gegenwart zu: Seit der Zerstörung des Tempels muss jeder Mensch arbeiten und sich um seinen Lebensunterhalt sorgen. Genau dies, sagt er, bezeichnet der Vers als „viele Wasser“ und Jesaja als „Wasser Noachs“.
שהוא בחי׳ נייחא דרוחא לפי שע״י בחי׳ מים רבים הנ״ל מתעלית הנשמה למדרגה היותר גבוה מקודם התלבשותה כו׳ שהיתה רק נהנית מזיו השכינה כו׳
was die Ebene von naycha d’rucha (Ruhe des Geistes) ist, denn durch die oben erwähnte Ebene der „vielen Wasser“ wird die Seele auf eine höhere Stufe gehoben als [sie] vor ihrer Einkleidung erreicht hatte usw., als sie sich lediglich am Glanz der G‑ttlichen Gegenwart (Shechinah) erfreute usw.
Sie werden „Wasser der Ruhe“ genannt, weil sie die Seele zu einer höheren Zufriedenheit führen, als sie sie kannte, bevor sie in einen Körper kam. Damals genoss sie lediglich den Glanz G‑ttes; nun kann sie durch ihren Kampf in der Welt darüber hinaus aufsteigen.
וכמארז״ל [וכמאמר רבותינו זכרונם לברכה] יפה שעה אחת בתשובה ומע״ט [ומעשים טובים] בעוה״ז מכל חיי העוה״ב [העולם הבא]12 לפי שהוא בחי׳ יתרון האור מתוך החושך דוקא שהוא בחינת אתכפייא סט״א [סטרא אחרא] ואתהפכא חשוכא כו׳
Wie unsere Weisen seligen Angedenkens sagten: „Eine Stunde der Umkehr (Teshuvah) und guter Taten in dieser Welt ist besser als das ganze Leben in der künftigen Welt“, denn dies ist die Ebene des Vorzugs des Lichts, das gerade aus der Finsternis hervorgeht; sie besteht in der Unterwerfung der anderen Seite (Sitra Achra) (Iskafya) und der Verwandlung der Finsternis (Is’hapcha Chashocha) usw.
Die Lehre der Mischna, dass eine Stunde der Umkehr und guter Taten in dieser Welt mehr wiegt als die ganze künftige Welt, bringt dies zum Ausdruck. Der Vorzug entsteht durch „Licht aus der Finsternis“: Iskafya, die Unterwerfung der Sitra Achra (der Kräfte, die der Heiligkeit entgegenstehen), und Is’hapcha Chashocha, die Verwandlung der Finsternis selbst in Licht, bringen ein Licht hervor, das größer ist als ein Licht, das niemals der Finsternis begegnet ist.
שכשעוסק כל היום בענינים גשמיים בטרדת הפרנסה שהם הנק׳ חשך ומתבונן אח״כ בתפלה איך שאין לך עשב מלמטה3 שאין לו מזל מלמעלה4 כו׳
Wenn nämlich jemand den ganzen Tag mit materiellen Angelegenheiten beschäftigt ist, mit den Sorgen um seinen Lebensunterhalt, die als „Finsternis“ bezeichnet werden, und danach im Gebet darüber nachsinnt, wie „es kein Grashalm unten gibt, der nicht oben einen Mazal (eine spirituelle Kraft) hat“ usw. —
Nun beschreibt er, wie dies praktisch geschieht. Ein Mensch verbringt den Tag ganz in geschäftlichen Angelegenheiten, der „Finsternis“; dann denkt er im Gebet über die Lehre der Weisen nach, dass jeder Grashalm einen Mazal hat, eine spirituelle Kraft oben, die ihm sagt, zu wachsen.
שהם המזלות שהם המשפיעים חיות כל עוה״ז וכמ״ש (דברים לג) וממגד תבואות שמש וממגד גרש5 כו׳
Das sind die Mazalos, durch die diesem ganzen Weltgefüge Lebenskraft (Chayus) zugeführt wird, wie es heißt (Deuteronomium 33): „Und mit dem Köstlichen der Erträge der Sonne und mit dem Köstlichen des Ertrags der [Monde]“ usw. —
Die Mazalos sind die Himmelskräfte, die mit den Sternbildern verbunden sind und durch die allem in dieser Welt Lebenskraft zugeführt wird. Mosches Segen für Yosef, in dem von den Erträgen die Rede ist, die Sonne und Monde reifen lassen, zeigt, dass die Himmelskörper das Wachstum auf Erden lenken.
והמזלות הם מקבלים מע׳ שרים והשרים מקבלים משמרי אופנים והם מקבלים מהמלאכים וגבוה מעל גבוה עד שכולם מקבלים מבחי׳ מלכותו ית׳
und die Mazalos empfangen von den siebzig Fürsten, die Fürsten empfangen von den Hütern der Ofanim (Räder), und diese empfangen von den Engeln, einer höher als der andere, bis sie alle von der Ebene Seiner Königsherrschaft (Malchus) empfangen, gelobt sei Er,
Diese Betrachtung steigt die Kette der Einflüsse hinauf: Die Mazalos beziehen ihre Kraft von den siebzig engelhaften „Fürsten“, die über die Völker gesetzt sind; diese von höheren Engeln, den „Hütern der Ofanim“, den „Rädern“ aus Yechezkeils Vision des Streitwagens, einer Engelklasse; und so weiter nach oben, wobei jeder vom jeweils Höheren empfängt, bis alle von G‑ttes Malchus, Seiner Königsherrschaft, empfangen, durch die Er die Welten erschafft und lenkt.
וכמ״ש מלכותך מלכות כל עולמים6 שמהווה את כל העולמות מאין ליש ממש והוא רק בחי׳ זיו השכינה בלבד שאינו
wie es heißt: „Deine Königsherrschaft ist eine Königsherrschaft über alle Welten“; sie lässt alle Welten aus dem Nichts zu tatsächlichem Sein werden. Doch dies ist nur die Ebene des Glanzes der Shechinah allein, der
Malchus ist die Kraft, die alle Welten aus absolutem Nichts ins Dasein bringt, wie der Vers „Deine Königsherrschaft ist eine Königsherrschaft über alle Welten“ sagt. Doch diese gesamte schöpferische Kraft ist nur der „Glanz der Shechinah“, das Licht, das von G‑tt nach außen strahlt.
אלא בחי׳ זיו והארה בעלמא בלבד לגבי מהותו ועצמותו יתב׳ [יתברך] כביכול שהוא בבחי׳ א״ס ממש היה הוה ויהיה בלי שינוי ממש וכמאמר אתה הוא קודם שנברא ואתה הוא לאחר שנברא כו׳.
nichts als ein bloßer Glanz und Lichtschein im Verhältnis zu Seinem Wesen und Seinem Sein, gelobt sei Er, der, sozusagen, in vollem Sinne die Ebene des Unendlichen (Ein Sof) ist — [der] war, ist und sein wird, ohne jede Veränderung; wie es in dem Ausspruch heißt: „Du bist Er, ehe [die Welt] erschaffen wurde, und Du bist Er, nachdem sie erschaffen wurde“ usw.
Im Vergleich zu G‑ttes eigenem Wesen ist dieser Glanz nur ein bloßer Lichtschein. Sein Wesen ist wahrhaft unendlich und wird durch die Schöpfung nicht verändert, wie es im Gebet heißt: Du warst derselbe, ehe die Welt erschaffen wurde, und nachdem sie erschaffen wurde.
ואחרי התבוננו׳ [התבוננות] כל הנ״ל בעומק הדעת תתעורר נפשו בבחי׳ אה׳ ותשוקה נפלאה כרשפי אש לצאת מתוך החשך והעלם הגשמי הזה ורק לדבקה בו ית׳
Nachdem er all das oben Erwähnte in der Tiefe des Wissens (Daas) betrachtet hat, wird seine Seele zu Liebe und wundersamer Sehnsucht erweckt, wie Feuerfunken, aus dieser Finsternis und der körperlichen Verhüllung herauszutreten und allein Ihm, gelobt sei Er, anzuhangen,
Wenn ein Mensch dies tief und nicht nur oberflächlich betrachtet, entbrennt seine Seele in Liebe und Sehnsucht, „wie Feuerfunken“, was an den Eingangsvers des Maamars erinnert. Er möchte aus der Finsternis und Verhüllung der körperlichen Welt ausbrechen und allein an G‑tt hangen.
וכמ״ש (תהלים עג) מי לי בשמים ועמך7 לא חפצתי כו׳ שלא יחפוץ כלל לא בג״ע [בגן עדן] התחתון ולא בג״ע [בגן עדן] העליון שהם רק בחי׳ זיו והארה בלבד
wie es heißt (Psalmen 73): „Wen habe ich im Himmel? Und außer Dir begehre ich nichts“, usw. – dass er weder den unteren noch den oberen Garten Eden überhaupt begehren soll, denn sie sind nur die Ebene von Ausstrahlung und Lichtschein allein,
Der Ruf des Psalmisten „Wen habe ich im Himmel? Und außer Dir begehre ich nichts“ bringt diese Liebe zum Ausdruck. Ein solcher Mensch begehrt nicht einmal den unteren oder den oberen Garten Eden, die geistigen Belohnungen der Seelen, denn auch sie sind nur G‑ttes Ausstrahlung und nicht G‑tt selbst.
וכמארז״ל [וכמאמר רבותינו זכרונם לברכה] צדיקים יושבים8 וכו׳ ונהנין מזיו השכינה כ״א לדבקה בו ית׳ ליכלל בבחי׳ מהותו ועצמותו ית׳ ונק׳ בזה״ק [בזהר הקדוש] לאשתאבא בגופא דמלכא9 כו׳
wie unsere gesegneten Weisen sagten: „Die Gerechten sitzen usw. und erfreuen sich am Glanz der G‑ttlichen Gegenwart (Shechinah)“ – doch sein Wunsch ist allein, Ihm, gelobt sei Er, anzuhangen und in die Ebene Seiner Wesenheit und Seines Seins, gelobt sei Er, aufgenommen zu werden; und im heiligen Zohar wird dies „in den Leib des Königs aufgenommen zu werden“ usw. genannt.
Der Talmud beschreibt die künftige Welt als einen Ort, an dem die Gerechten den „Glanz der Shechinah“ genießen. Diese Liebe will mehr als Ausstrahlung. Sie will in G‑ttes eigenste Wesenheit aufgenommen werden, was der Zohar „in den Leib des Königs aufgenommen zu werden“ nennt.
ונק׳ בחי׳ אהבה זו בחי׳ תשובה שהוא בחילא יתיר10 שבאה דוקא מתוך החשך שהיה עוסק רק בענינים גשמיים והבלי עולם.
Diese Liebe wird die Ebene der Umkehr (Teshuvah) genannt, die „mit größerer Kraft“ geschieht, denn sie entsteht gerade aus der Finsternis, als er nur mit körperlichen Angelegenheiten und den Nichtigkeiten der Welt beschäftigt war.
Diese Liebe ist eine Form der Teshuvah, der Rückkehr zu G‑tt. Der Zohar sagt, dass diejenigen, die umkehren, „mit größerer Kraft“ dienen als die vollkommen Gerechten, denn ihre Liebe bricht aus der Finsternis hervor, in die sie in materielle Angelegenheiten versunken waren.
לפי שיתרון האור הוא מתוך החשך דוקא. ונק׳ אהבה זו בחי׳ בכל מאדך שהוא בלי גבול ממש שבאה דוקא מן ההפוך שהוא החשך
Denn der Vorzug des Lichts entsteht gerade aus der Finsternis. Diese Liebe wird die Ebene von „mit all deiner Macht (me’odecha)“ genannt, die wahrhaft grenzenlos ist, denn sie entsteht gerade aus ihrem Gegenteil, der Finsternis,
Da das aus der Finsternis hervorgehende Licht größer ist, wird diese Liebe „mit all deiner Macht (me’odecha)“ genannt, die dritte und höchste Stufe der Liebe im Schema und Ausdruck einer grenzenlosen Liebe. Sie ist gerade deshalb grenzenlos, weil sie aus ihrem Gegenteil hervorgeht.
וכמ״ש טוב זה מלאך חיים (טוב) מאד11 זה מה״מ [מלאך המות]12 שע״י ההפוך והחשך דוקא שהוא בחי׳ נה״ב [נפש הבהמית] יכולים לבא לבחי׳ אהבת בכל מאדך שהוא בלי גבול ממש.
wie es heißt: „Gut“ – das ist der Engel des Lebens; „sehr (me’od) gut“ – das ist der Engel des Todes: Denn gerade durch das Gegenteil und die Finsternis, die die Ebene der tierischen Seele (Nefesh Habahamis) sind, kann man zur Ebene der Liebe „mit all deiner Macht“ gelangen, die wahrhaft grenzenlos ist.
Die Weisen legen G‑ttes Urteil über die Schöpfung, „sehr gut“, so aus, dass es sogar den Engel des Todes einschließt: „gut“ ist der Engel des Lebens, „sehr“ der Engel des Todes. Der Alter Rebbe wendet dies auf die Nefesh Habahamis an: Gerade der Widerstand, den sie bietet, ermöglicht das „sehr“, die grenzenlose Liebe von „mit all deiner Macht“.
והיינו לפי שבשרשה למעלה מעלה שורש נה״ב [נפש הבהמית] גבוה יותר מבחי׳ נפש האלקית וכמ״ש (בראשי׳ [בראשית] לו) ואלה המל׳ אשר מלכו13 כו׳
Das liegt daran, dass die Wurzel der Nefesh Habahamis in ihrer höchsten Wurzel höher ist als die Ebene der G‑ttlichen Seele (Nefesh Elokis), wie es heißt (Genesis 36): „Und dies sind die Könige, die regierten“ usw.,
Der Grund ist erstaunlich: In ihrer höchsten Wurzel stammt die Nefesh Habahamis aus einer Ebene, die höher ist als die Nefesh Elokis. Der Beweis dafür ist die Liste der Könige von Edom in der Tora, die herrschten, „bevor irgendein König über Israel herrschte“.
לפני מלך מלך לבנ״י [לבני ישראל] שהוא בחי׳ נפש האלקית רק שע״י שבה״כ [שבירת הכלים] נפלו למטה מטה כמ״ש וימלך וימת כו׳ אבל בשרשם הם למעלה מעלה14 מבחי׳ נפש האלקית.
„bevor irgendein König über die Kinder Israels herrschte“, was der Ebene der Nefesh Elokis entspricht; doch durch das Zerbrechen der Gefäße fielen sie sehr tief hinab, wie es heißt: „Und er herrschte, und er starb“ usw. In ihrer Wurzel aber stehen sie weit höher als die Ebene der Nefesh Elokis.
In der Kabbala stehen diese Könige von Edom für die Welt von Tohu, einen Bereich intensiver Lichter, der der geordneten Welt von Tikkun vorausging, zu der die Nefesh Elokis (die „Könige Israels“) gehört. Die Gefäße von Tohu konnten ihre Lichter nicht fassen und zerbrachen; daher die wiederkehrende Formulierung „er herrschte, und er starb“. So fielen die in Tohu verwurzelten Kräfte sehr tief hinab, obwohl ihr Ursprung weit über der Nefesh Elokis liegt.
Der Abschnitt zeigt, wie die „Wasser“ des Lebensunterhalts die Seele erhöhen: Ein Mensch, der den Tag in materieller „Finsternis“ verbringt und dann im Gebet darüber nachsinnt, dass alles Seiende nur ein bloßer Lichtschein G‑ttes ist, wird zu einer grenzenlosen Liebe erweckt, zur Liebe „mit all deiner Kraft“. Sie übertrifft, was die Seele vor ihrem Abstieg kannte, weil sie auf die tierische Seele zurückgreift, deren Wurzel höher liegt.
Die Überlegenheit der Wurzel der tierischen Seele geht auf die kabbalistische Lehre von Tohu und Tikkun zurück: „die Könige, die im Land Edom herrschten“, sind die Lichter von Tohu, die größer sind als die von Tikkun und durch das Zerbrechen der Gefäße zu Fall kamen. Weil der Kampf mit der tierischen Seele jene höhere Wurzel einbezieht, offenbaren Iskafya und Is’hapcha Chashocha ein Licht, zu dem die G‑ttliche Seele allein nicht gelangen könnte.
Marei Mekomos
- 1וכמארז״ל יפה שעה אחת . . מכל חיי העוה״ב · אבות פ״ד, משנה יז.
- 2יפה שעה אחת בתשובה ומע״ט בעוה״ז מכל חיי העוה״ב · Pirkei Avot 4:17
- 3שאין לך עשב מלמטה · Bereshit Rabbah 10:6
- 4שאין לך עשב מלמטה שאין לו מזל מלמעלה · Zohar, Addenda, Volume I 1:1
- 5
- 6מלכותך מלכות כל עולמים · Psalms 145:13
- 7
- 8צדיקים יושבים · Berakhot 17a:12
- 9לאשתאבא בגופא דמלכא · Zohar I, 217b
- 10בחילא יתיר · Zohar I, 129b
- 11(טוב) מאד · Genesis 1:31
- 12טוב זה מלאך חיים . . מאד זה מה״מ · Zohar I, 14a
- 13
- 14אבל בשרשם הם למעלה מעלה · ראה לקמן בשלח סב, סע״ד ואילך. יתרו עא, א. לקו״ת ר״פ בלק ועוד. ד״ה להבין ענין כתיבת ספר תורה תש״ל הערה 19.
6ולזאת גם כמו שנפלו למטה יש להם תגבורת על נפש האלקית מפני ששרשם הוא מבחי׳ מלוכה שהוא בחי׳ התנשאות כו׳.
Daher haben sie auch nach ihrem Fall nach unten die Oberhand über die G‑ttliche Seele, denn ihre Wurzel liegt in der Ebene der Königsherrschaft, die eine Ebene der Selbsterhöhung ist usw.
Da die Wurzel der tierischen Seele (Nefesh Habahamis) in den Königen von Tohu liegt, besitzt sie selbst in ihrem gefallenen Zustand die Kraft, die G‑ttliche Seele zu beherrschen. Ihre Wurzel ist die „Königsherrschaft“, und zum Wesen eines Königs gehört die Selbsterhöhung; daher rührt die starke Ichbezogenheit der tierischen Seele.
וגם האדם מקבל חיות מבחי׳ בהמות ומאכלים ובלעדם אינו יכול לחיות משא״כ המאכלים אינם צריכים אל האדם.
Auch der Mensch empfängt Lebenskraft (Chayus) aus der Ebene der Tiere und der Nahrungsmittel; ohne sie kann er nicht leben, während die Nahrungsmittel den Menschen nicht benötigen.
Ein zweiter Hinweis auf den höheren Ursprung: Der Mensch, das höchste Geschöpf, bezieht seine Lebenskraft aus Tieren und Nahrung und kann ohne sie nicht leben, während diese ihn nicht benötigen. Die Abhängigkeit des Höheren vom Niedrigeren zeigt, dass das Niedrigere einen erhabeneren Ursprung hat.
Der Absatz führt zwei Hinweise dafür an, dass die Kräfte der tierischen Seele (Nefesh Habahamis) und der physischen Welt eine höhere Wurzel haben: ihre Fähigkeit, die G‑ttliche Seele zu beherrschen, und die Abhängigkeit des Menschen von Nahrung, um leben zu können.
Der Gedanke, dass das Niedrigere das Höhere erhält, weil seine Quelle höher liegt, wird in Chassidus ausführlich entfaltet, wenn erklärt wird, warum die Seele durch physische Nahrung genährt wird: Die Funken von Tohu in der Nahrung stammen von einer Ebene, die höher ist als die Seele.
7וכל זה מפני שבשרש שרשם למעלה הם גבוהים הרבה מבחי׳ הנשמות ולזאת ע״י ירידת והתלבשות נפש האלקית בנפש
All dies ist so, weil sie in der Wurzel ihrer Wurzel oben viel höher stehen als die Ebene der Seelen. Daher kann die G‑ttliche Seele (Nefesh Elokis) durch ihr Herabsteigen und ihre Einkleidung gerade in die
Der Alter Rebbe wiederholt das Prinzip: In der Wurzel ihrer Wurzel stehen diese Kräfte viel höher als die Seelen. Deshalb musste die G‑ttliche Seele herabsteigen und gerade in die tierische Seele eingekleidet werden.
הבהמית דוקא לעסוק בטרדות ומחשבות הפרנסה בענינים גשמיים שהם הנקראים מים רבים הנ״ל יכולה לבא לבחי׳ אהבת בכל מאדך.
tierische Seele (Nefesh Habahamis), um sich mit den Sorgen und Gedanken um den Lebensunterhalt in körperlichen Angelegenheiten zu befassen – das sind die oben erwähnten „vielen Wasser“ –, zur Ebene der Liebe „mit all deinem Vermögen“ gelangen,
Indem die G‑ttliche Seele durch die tierische Seele wirkt und sich mit den Sorgen um den Lebensunterhalt, den „vielen Wassern“, befasst, kann sie die Liebe „mit all deinem Vermögen“ erreichen.
שהוא בלי גבול כנ״ל שהיא מדרגה היותר גבוה מהיותה קודם ירידתה בגוף שהיתה רק נהנית מזיו השכינה כו׳.
die ohne Grenze ist, wie oben erwähnt. Dies ist eine höhere Stufe als diejenige, auf der sie sich vor ihrem Herabsteigen in den Körper befand, als sie sich lediglich am Glanz der G‑ttlichen Gegenwart (Shechinah) erfreute usw.
Diese grenzenlose Liebe ist höher als der Zustand, den die Seele vor ihrem Eintritt in den Körper hatte, als sie sich nur an der Ausstrahlung G‑ttes erfreute.
והיינו ע״י אתכפיי׳ [אתכפייא] ואתהפכא חשוכא דוקא שהוא בחי׳ יתרון האור שמתוך החשך כנ״ל. לפי ששרשם למעלה גבוה ממדרגת נפש האלקית כנ״ל רק שנפלו למטה כמ״ש וימלך וימת כו׳ וע״י אתכפייא נעשה תחה״מ [תחיית המתים]:
Dies geschieht nämlich gerade durch Iskafya (Unterwerfung) und Is’hapcha Chashocha (Verwandlung der Finsternis), der Ebene des oben erwähnten Vorzugs des Lichts, das aus der Finsternis hervorgeht. Denn ihre Wurzel oben ist, wie erwähnt, höher als die Stufe der G‑ttlichen Seele; sie sind jedoch herabgefallen, wie geschrieben steht: „Und er herrschte, und er starb“ usw. Durch Iskafya kommt die Auferstehung der Toten zustande.
Dies wird nur durch Iskafya und Is’hapcha Chashocha erreicht: durch das Unterwerfen und Verwandeln der Finsternis. Da die Wurzel der tierischen Seele höher ist, wird durch ihre Unterwerfung dieses höhere Licht freigesetzt; und dieser Prozess der Iskafya wird letztlich die Auferstehung der Toten bewirken, wenn der physische Körper selbst erhöht wird.
Der Absatz fasst den Wirkungsmechanismus zusammen: Weil die Wurzel der tierischen Seele höher ist, kann die G‑ttliche Seele durch ihr Herabsteigen in diese und ihr Wirken in den „vielen Wassern“ eine grenzenlose Liebe erreichen, die ihren Zustand vor dem Herabsteigen übertrifft, und durch Iskafya die Auferstehung der Toten bewirken.
Die Verbindung zwischen Iskafya und der Auferstehung spiegelt die chassidische Lehre wider, dass der Lohn der messianischen Zeit, einschließlich der Auferstehung, die Offenbarung dessen ist, was durch die Verfeinerung des Körpers und der tierischen Seele in dieser Welt bewirkt wurde.
Die Arche des Gebets ¶8–10
8וזהו מארז״ל [מאמר רבותינו זכרונם לברכה] יפה שעה א׳ בתשובה ומע״ט [ומעשים טובים] בעוה״ז מכל חיי העוה״ב [העולם הבא] כנ״ל. ולזאת נקראו מים רבים הנ״ל מי נח לפי שנעשה
Und dies ist [die Bedeutung] der Aussage unserer Weisen seligen Andenkens: „Eine Stunde der Umkehr (Teshuvah) und guter Taten in dieser Welt ist besser als das gesamte Leben der künftigen Welt“, wie oben erwähnt. Daher werden die oben erwähnten „vielen Wasser“ „die Wasser Noachs“ genannt, denn
Dies erklärt die zuvor zitierte Mischna: Eine Stunde der Umkehr und guter Taten in dieser Welt übertrifft die künftige Welt, da es nur hier Dunkelheit gibt, die verwandelt werden kann. Und es erklärt, warum die „vielen Wasser“ nach Noach benannt sind, dessen Name „Ruhe“ bedeutet.
ע״י נייחא דרוחא שנעשה מהם תבת נח שהוא בחי׳ תיבות התפלה וכמ״ש בא אתה וכל ביתך אל התבה1 כו׳.
durch [sie] kommt naycha d’rucha [Ruhe des Geistes] zustande, denn aus ihnen wird die Arche (Teivah) Noachs gebildet, die der Ebene der Worte (Teivos) des Gebets entspricht, wie geschrieben steht: „Komm, du und dein ganzes Haus, in die Arche“, usw.
Aus den Wassern des Lebensunterhalts entsteht die Arche, die Teivah, was auf Hebräisch auch „Wort“ bedeutet. Die Arche sind die Worte des Gebets; G‑ttes Ruf an Noach, mit seinem ganzen Haus in die Arche einzutreten, ist ein Ruf, ganz in die Worte des Gebets einzutreten, wo die Kämpfe des Tages erhoben werden.
Der Absatz verknüpft die Bilder miteinander: Die „vielen Wasser“ sind die Wasser Noachs, weil durch sie Ruhe des Geistes zustande kommt; und die Arche (Teivah), die auf ihnen schwimmt, sind die Worte (Teivos) des Gebets.
Das Wortspiel mit Teivah, „Arche“ und „Wort“, ermöglicht es, die ganze Fluterzählung als Anleitung zum Gebet zu lesen: Der Mensch tritt mit seinem ganzen Selbst in die Worte ein, und die Wasser des Tages heben sie empor, wie die folgenden Absätze zeigen.
Marei Mekomos
- 1בא אתה וכל ביתך אל התבה · Genesis 7:1
9וזהו ויגברו המים1 מאד כו׳ חמש עשרה אמה מלמעלה גברו המים2 כו׳ שהוא בחי׳ תגבורת נפש הבהמית על בחי׳ נפש האלקית בעסק הפרנסה ועניינים הגשמיים אך עי״ז נעשה אח״כ יתרון אור כו׳ כנ״ל.
Und dies ist [die Bedeutung von] „Und die Wasser nahmen sehr überhand“ usw., „Fünfzehn Ellen über ihnen stiegen die Wasser“ usw.: Dies ist die Ebene (Bechinah) der Überlegenheit der tierischen Seele (Nefesh Habahamis) über die Ebene der G‑ttlichen Seele (Nefesh Elokis), wenn man sich mit dem Lebensunterhalt und körperlichen Angelegenheiten beschäftigt; doch dadurch entsteht später ein Mehr an Licht usw., wie oben erwähnt.
Die Verse beschreiben, wie die Wasser der Flut anschwollen und fünfzehn Ellen über die Berge stiegen. Der Alter Rebbe deutet dies als zeitweilige Vorherrschaft der tierischen Seele über die G‑ttliche Seele, während ein Mensch ganz in seine Geschäfte vertieft ist; doch gerade diese Vorherrschaft bewirkt später das größere Licht des Gebets.
Der Absatz bezieht den Vers „Die Wasser nahmen überhand“ auf die Vorherrschaft der tierischen Seele während der Arbeitszeit, die später zur Quelle größeren Lichts wird.
Marei Mekomos
- 1ויגברו המים · Genesis 7:18
- 2חמש עשרה אמה מלמעלה גברו המים · Genesis 7:20
10וזהו ותלך התבה על פני המים1 דוקא ותרם התבה2 כו׳ שע״י המים דוקא מתעלות תיבות התפלה ועולה למעלה מעלה כנ״ל.
Und dies ist [die Bedeutung von] „Und die Arche bewegte sich auf der Oberfläche der Wasser“ – gerade so – „und die Arche wurde emporgehoben“ usw.: Gerade durch die Wasser werden die Worte (teivos) des Gebets emporgehoben und steigen immer höher, wie oben erwähnt.
„Die Arche bewegte sich auf der Oberfläche der Wasser“, und es waren die Wasser selbst, die die Arche emporhoben. Ebenso werden die Worte des Gebets gerade durch die „Wasser“ eines Tages materieller Mühen emporgehoben und steigen zu den höchsten Ebenen auf.
וזהו טעות הבעלי עסקים שבדעתם שאין יכול׳ [יכולת] להתפלל כ״כ [כל כך] כמו היושבי אוהלים כי אדרבה נהפוך הוא שהם יכולים להתפלל יותר כי יתרון האור הוא מתוך החשך דוקא כו׳.
Und dies ist der Irrtum der Geschäftsleute, die meinen, sie könnten nicht so viel beten wie diejenigen, die in den Zelten wohnen; im Gegenteil, es ist gerade umgekehrt: Sie können mehr beten, denn der Vorzug des Lichts geht gerade aus der Dunkelheit hervor usw.
Die praktische Schlussfolgerung: Geschäftsleute nehmen oft an, sie könnten nicht so gut beten wie Vollzeitgelehrte, „die in den Zelten wohnen“ und sich dem Studium widmen. Der Alter Rebbe sagt, dass das Gegenteil der Fall ist: Ihr Gebet kann höhere Ebenen erreichen, denn ihr Licht geht aus der Dunkelheit hervor.
Der Absatz deutet die von den Wassern emporgehobene Arche als ein Bild für das Gebet, das durch die Mühen des Tages emporgehoben wird. Daraus folgt, dass Menschen, die geschäftlich tätig sind, noch tiefer beten können als Vollzeitgelehrte.
Marei Mekomos
- 1ותלך התבה על פני המים · Genesis 7:18
- 2ותרם התבה · Genesis 7:17
Der untere Shabbos ¶11
Und darum werden die Wasser Noachs naycha d’rucha [Ruhe des Geistes] genannt, die Ebene / der Aspekt (Bechinah) des Schabbos, wie es heißt: „Denn an ihm ruhte Er von all Seinem Werk“ usw.
Der Alter Rebbe erklärt nun, warum die „Ruhe“ Noachs Schabbos ist. Die Tora sagt, dass G‑tt am siebten Tag „von all Seinem Werk ruhte“; das Aufhören von schöpferischer Arbeit ist es, was Schabbos ausmacht.
שבו׳ ימי המעשה הוא בחי׳ התפשטות והמשכת מלכותו ית׳ למטה כמו ביום הראשון נאמר ויאמר אלקים2 יהי אור כו׳
Denn die sechs Werktage sind die Ebene der Ausbreitung und Herableitung Seiner Königsherrschaft (Malchus), gesegnet sei Er, nach unten; so heißt es am ersten Tag: „Und G‑tt sprach: ‚Es werde Licht‘“, usw.,
Während der sechs Tage der Schöpfung breitete sich G‑ttes Königsherrschaft, Seine schöpferische Herrschaft, nach außen und nach unten in immer weitere Welten und Geschöpfe aus; jeder Tag begann mit einem neuen Ausspruch, angefangen mit „Es werde Licht“.
יהי רקיע3 תדשא הארץ דשא4 כו׳ שנקראים ימי המעשה ובשבת הוא בחי׳ שביתה ממלאכה ונייחא דרוחא שהוא עליית העולמות למעלה כאדם השובת ונח ממלאכתו.
„Es werde ein Firmament“, „Die Erde lasse Vegetation sprießen“ usw. – sie werden die Werktage genannt. Am Schabbos gibt es die Ebene des Ruhens von der Arbeit und des naycha d’rucha; das ist der Aufstieg der Welten nach oben, wie bei einem Menschen, der seine Arbeit einstellt und von ihr ruht.
Die weiteren Aussprüche – das Firmament und die Vegetation – setzten diesen nach außen gerichteten Fluss fort; deshalb werden diese Tage „Werktage“ genannt. Am Schabbos kehrt sich der Fluss um: Die Welten steigen zu ihrer Quelle auf, so wie ein Mensch, der seine Arbeit einstellt, sich von seinen Aufgaben zurückzieht und ruht.
כמו״כ [כמו כן] הוא בחי׳ טרדת5 ועסק הפרנסה בענינים גשמיים שנק׳ מים רבים כשמתהפכים ועולים אח״כ בבחי׳ אלקות ע״י התפלה כנ״ל נק׳ בחי׳ זו בחי׳ נייחא דרוחא
Ebenso verhält es sich mit der Ebene der Sorge und Beschäftigung um den Lebensunterhalt in materiellen Angelegenheiten, die „viele Wasser“ genannt werden: Wenn sie verwandelt werden und anschließend durch das Gebet in die Ebene der G‑ttlichkeit aufsteigen, wird diese Ebene naycha d’rucha genannt,
Dasselbe Muster zeigt sich in der Woche eines Menschen. Der Tag, der von der Belastung des Geschäftslebens geprägt ist, ist ein nach außen gerichtetes „Wirken“; wenn diese Beschäftigungen durch das Gebet verwandelt und zur G‑ttlichkeit emporgehoben werden, ist das Ergebnis naycha d’rucha, Ruhe des Geistes.
die die Ebene des Schabbos ist, wie oben erwähnt; denn bekanntlich ist jedes Gebet der sechs Wochentage ein Lichtschein aus der Ebene des Schabbos, wie oben erwähnt. Doch all dies ist der untere Schabbos.
Darum ist das Gebet an einem Wochentag eine Art Schabbos: Jedes Gebet der Wochentage trägt einen Lichtschein des Schabbos in sich, einen Aufstieg der Welten. Doch der Alter Rebbe fügt hinzu, dass all dies nur der „untere Schabbos“ ist – die Ruhe, die auf Mühe folgt, im Gegensatz zum höheren Schabbos, den er nun einführt.
Der Absatz erklärt, dass die durch die Wasser des Lebensunterhalts bewirkte Ruhe eine Form von Schabbos ist: Wie die Welten am Schabbos nach der Ausströmung der sechs Tage aufsteigen, so wird die materielle Arbeit eines Tages im Gebet emporgehoben – ein Lichtschein des Schabbos innerhalb der Woche. Doch dies ist nur der untere Schabbos.
Die Idee, dass jeder Wochentag einen Lichtschein des Schabbos enthält, insbesondere im Gebet, wird in den Passagen aus Likkutei Torah und Torah Ohr ausgeführt, auf die der Kehot-Hinweis verweist: Das Torastudium und die mitzvos jedes Tages werden in seinem Gebet gesammelt und steigen auf; danach werden alle Gebete der Wochentage im Schabbos selbst gesammelt.
Marei Mekomos
- 1כי בו שבת מכל מלאכתו · Genesis 2:3
- 2ויאמר אלקים יהי אור · Genesis 1:3
- 3יהי רקיע · Genesis 1:6
- 4תדשא הארץ דשא · Genesis 1:11
- 5שו״ה למעלה — כמו״כ הוא בחי׳ טרדת · בבוך 1824: שעבוד מלכיות שהוא טרדת.
- 6כידוע שכל תפלה מו׳ ימי המעשה היא הארה מבחי׳ שבת · ראה כוזרי מאמר ג אות ה. וראה גם לקמן פח, א. לקו״ת בהר מא, א. האזינו עב, ג.
- 7כידוע שכל תפלה מו׳ ימי המעשה היא הארה מבחי׳ שבת · Kuzari 3:5
Der höhere Shabbos ¶12
12ויש עוד בחי׳ שבת עילאה שהוא מה שיהיה לעתיד שנקרא יום שכולו שבת.1 וזהו אשר נשבעתי מעבור מי נח עוד על הארץ.2
Und es gibt noch eine Ebene des höheren Schabbats, nämlich das, was in der Künftigen Zeit sein wird und „der Tag, der ganz Schabbat ist“ genannt wird. Und dies ist [die Bedeutung von] „Ich habe geschworen, dass die Wasser Noachs nicht mehr über die Erde ziehen werden.“
Über den wöchentlichen Schabbat hinaus gibt es einen „höheren Schabbat“: die messianische Zeit, die in der Mischna „der Tag, der ganz Schabbat ist“ genannt wird. Der Alter Rebbe kehrt nun zu Jesajas Vers über G‑ttes Schwur zurück, niemals wieder „die Wasser Noachs“ zu bringen.
כי הנה אף שהם באו לטהר אך לא בכל זמן צריך טהרה כ״כ [כל כך]. כן נשבעתי מקצף עליך ומגער בך.
Denn obwohl sie kamen, um zu reinigen, ist Reinigung doch nicht jederzeit in solchem Maß erforderlich. „So habe Ich geschworen, nicht zornig auf dich zu sein und dich nicht zu schelten.“
Die Wasser dienten der Reinigung, doch Reinigung ist nicht für immer erforderlich. In der Zukunft, wenn die Welt geläutert ist, werden die „Wasser“ der Knechtschaft und der Beschäftigung nicht mehr benötigt werden; deshalb schwört G‑tt, nicht wieder zornig auf Israel zu sein und es zu schelten.
כי הנה אף שמבואר למעלה3 שע״י בחי׳ מים רבים הנ״ל נעשה יתרון אור כו׳. שהוא בחי׳ אהבת בכל מאדך כנ״ל.
Denn obwohl oben erklärt wurde, dass durch die oben erwähnte Ebene der „vielen Wasser“ ein Mehr an Licht usw. entsteht, nämlich die Ebene der Liebe „mit all deiner Kraft“, wie oben erwähnt,
Der Alter Rebbe bestätigt, was er gezeigt hat: Die „vielen Wasser“ bewirken einen Lichtvorteil, der aus der Dunkelheit hervorgeht – die grenzenlose Liebe „mit all deiner Kraft“.
עכ״ז [עם כל זה] יש עוד בחי׳ אהבה רבה הבאה מלמעלה שהיא למעלה מעלה אף מבחי׳ האהבה שבאה ע״י מים רבים הנ״ל.
dennoch gibt es noch eine weitere Ebene: eine große Liebe (Ahavah Rabbah), die von oben kommt und weit höher ist als selbst die Ebene der Liebe, die durch die oben erwähnten „vielen Wasser“ entsteht.
Doch es gibt eine noch höhere Liebe, Ahavah Rabbah [große Liebe], die nicht durch menschliche Anstrengung von unten hervorgebracht, sondern von oben geschenkt wird. Sie übersteigt sogar die Liebe, die aus dem Ringen mit den „vielen Wasser“ entsteht.
והוא מ״ש וימינו תחבקני4 כו׳. ובחי׳ האהבה זו יתגלה לעתיד. וכמ״ש (ישעי׳ [ישעיה] נד) כי ההרים ימושו והגבעות תמוטינה וחסדי5 מאתך לא ימוש וברית שלומי לא תמוט כו׳.
Dies ist mit dem gemeint, was geschrieben steht: „Seine Rechte umfängt mich“ usw. Diese Ebene der Liebe wird in der Künftigen Zeit offenbart werden, wie geschrieben steht (Jesaja 54): „Denn die Berge werden weichen und die Hügel wanken, doch Meine Güte wird nicht von dir weichen, und Mein Bund des Friedens wird nicht wanken“ usw.
Das Hohelied beschreibt dies mit den Worten „Seine Rechte umfängt mich“: Die rechte Hand steht für die Güte (Chesed), G‑ttes Güte, die die Seele aus eigener Initiative umfängt. Diese Liebe wird in der Zukunft offenbart werden, wie Jesaja verspricht: Selbst wenn Berge weichen, wird G‑ttes Güte nicht von dir weichen.
שהוא בחי׳ חסד עליון ואה״ר [ואהבה רבה] הבאה מלמעלה להיות וימינו תחבקני (וזהו )(שם נב) וגבה מאד6 שבחי׳ בכל מאדך יהיה מבחי׳ גבוה יותר כו׳:7
Dies ist die Ebene des erhabenen Chesed und der großen Liebe, die von oben kommt, sodass es heißt: „Seine Rechte umfängt mich“. (Und dies ist [die Bedeutung von]) (ibid. 52) „und er wird sehr (me’od) hoch sein“: Die Ebene des „mit all deiner Kraft (me’odecha)“ wird von einer noch höheren Ebene ausgehen usw.
Dies ist das erhabene Chesed, die große Liebe von oben. Die eckig eingeklammerte Ergänzung deutet Jesajas Worte über den Knecht, der „sehr (me’od) hoch sein wird“, so, dass in der Zukunft die Liebe des „mit all deiner Kraft (me’odecha)“ selbst von einer noch höheren Ebene kommen wird; so wird auch der Gewinn aus den „Wassern“ durch das Geschenk von oben erhöht.
Der Absatz schließt den Maamar, indem er den unteren Schabbat – die durch die „Wasser“ des Lebensunterhalts verdiente Ruhe – dem höheren Schabbat der Zukunft gegenüberstellt. Dann wird eine von oben geschenkte große Liebe, das erhabene Chesed, offenbart werden und selbst die grenzenlose Liebe des „mit all deiner Kraft“ erhöhen.
Die beiden Schabbosos entsprechen zwei Richtungen der Liebe: Die Liebe des „mit all deiner Kraft“ steigt von unten durch Iskafya [Selbstbezwingung] und Is’hapcha Chashocha [Verwandlung der Dunkelheit] auf, während Ahavah Rabbah als Geschenk von oben herabkommt. Der Kehot-Anmerkung zufolge scheint der abschließende, eingeklammerte Abschnitt über „sehr hoch“ eine Ergänzung des Tzemach Tzedek zu sein und fehlt im Manuskript von 1824.
Marei Mekomos
- 1יום שכולו שבת · Mishnah Tamid 7:4
- 2אשר נשבעתי מעבור מי נח עוד על הארץ · Isaiah 54:9
- 3שו״ה למעלה — למעלה שע״י · בבוך 1824 נוסף: בחי׳ שעבוד מלכיות שהוא: בחי׳
- 4וימינו תחבקני · Song of Songs 2:6
- 5
- 6
- 7שו״ה להיות — (וזהו . . יותר כו׳) · כנראה הוספת כ״ק הצ״צ. בבוך 1824 ליתא.
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In der eigenen Avodah
Wer den Tag mit Geschäften verbringt, sollte nicht meinen, sein Gebet müsse schwächer sein als das eines Gelehrten. Nach einem Tag in den „vielen Wassern“ soll er im Gebet bedenken, wie alles Untere von oben empfängt, bis alles von der Königsherrschaft (Malchus) G‑ttes abhängt, die selbst nur eine Ausstrahlung Seines Wesens ist. Dann wird gerade die Finsternis des Tages zur Quelle einer stärkeren, grenzenlosen Liebe, und sein Gebet steigt höher empor.
Fragen zum Gespräch
- Warum sagt der Alter Rebbe, dass die Sorgen um den Broterwerb die Liebe der Seele nicht auslöschen können, und wie können sie die Seele sogar höher heben als vor ihrem Abstieg?
- Wie verändert es die Sicht auf die Belastungen des Broterwerbs, wenn man die Flut als Reinigung und nicht nur als Bestrafung versteht?
- Was verbindet in diesem Maamar den Namen Noach (Ruhe), den Shabbos und das Gebet?
- Warum übertrifft eine Liebe, die „aus der Finsternis“ hervorgeht, eine Liebe, die nie auf Finsternis getroffen ist, und welche Rolle spielt dabei die hohe Wurzel der tierischen Seele?
- Worin unterscheidet sich die Liebe „mit all deiner Kraft“ von der „großen Liebe von oben“, die in der Zukunft offenbart werden wird?